Im deutsch-schottischen Medikations-Limbo

Unterschiede zwischen NHS und deutschem Gesundheitssystem

(Teil 1)

Ich war im Krankenhaus und eigentlich hätte ich darüber gar nicht geschrieben. So ein Krankenhausaufenthalt ist schließlich in den seltensten Fällen lustig, interessant oder gar informativ.

Weil es aber in meinem Fall alle drei Kriterien erfüllt, werde ich euch teilhaben lassen an meinen Erlebnissen im deutsch-schottischen Medikations-Limbo, wobei ich mit Limbo den Schwebezustand des Unwissens und nicht den Tanz unter den Stangen meine.

Gerade habe ich die Entfernung meiner Gallenblase gut überstanden. Sie war auch dringend nötig, denn inzwischen hatten mich vier Gallenkoliken erwischt und die sind überhaupt nicht lustig, sondern SEHR schmerzhaft. Der Mann hat inzwischen jede Menge Übung darin, mich in die Notaufnahme zu fahren.

Bei einer Gallenkolik bekommt man in Schottland Morphium gegen die Schmerzen. Das machte mich zumindest beim ersten Mal recht glücklich. Ab dem zweiten Mal stellten sich starke Nebenwirkungen ein – mir wurde speiübel! Und diese Übelkeit dauert Tage an, wenn man nicht etwas dagegen unternimmt. Aber: Eine Tablette und innerhalb von 1 Minute ist man wieder ein glücklicher Mensch. Ich habe berichtet.

Hach, das Leben kann schön sein ohne Schmerzen und Übelkeit.

Kurz vor der Operation in Deutschland erwischte mich nochmals eine Kolik. Dieses Mal musste selbst in die nächste Notaufnahme fahren. Von Morphium wollte man da aber nichts wissen.

„Morphium? Das verabreichen wir nur Sterbenden“, sagt die Krankenschwester mit hochgezogenen Augenbrauen und großer Rüge im Blick, während sie mir die Infusion legt.

„Tschuldigung!“ nuschle ich und weiß gar nicht, warum ich mich entschuldigte.

Da liege ich nun am Tropf mit Novalgin und später an einem mit Buscopan. Die Schmerztherapie dauert drei Stunden im Gegensatz zu den 30 Sekunden Morphium der schottischen Spritze.

„Lustig“, sagt ich zu der Schwester, um eine Konversation zu beginnen. In schottischen Krankenhäusern unterhält man sich, auch wenn einem wegen der Schmerzen öfter die Luft wegbleibt.

„Ich habe vor Jahren in Schottland mal versucht, Novalgin zubekommen, weil ich die anderen Schmerzmittel wie Paracetamol und Aspirin nicht so gut vertrage mit dem Magen. Die Ärztin dort kannte Novalgin aber gar nicht.“

Wieder hat die Schwester die Rüge im Blick, während sie von oben auf mich herabschaut. Ihr sind wohl schweigende Patientinnen lieber.

„Novalgin ist in Großbritannien verboten“, belehrt sie mich. „Da gab es wohl zwei Todesfälle, dann haben sie es gesperrt.“

Während ich so daliege und dieses in Schottland verbotene Medikament langsam in meinen Blutkreislauf tropft, denke ich über diese etwas verwirrenden Bedingungen nach.

Hoffentlich versteht mein Körper, dass er gerade in Deutschland ist!

Fortsetzung folgt

5 Gedanken zu “Im deutsch-schottischen Medikations-Limbo

  1. Ohhh, sowas kenne ich, aber bei mir war es ein Krankenhaus in Bolivien. Die Diskrepanz zwischen den deutschen und dem bolivianischen Therapien ist abenteuerlich.

    • Oh wow! Bei Bolivien stellt man sich das wahrscheinlich auch eher so vor. Ich finde es nur überraschend, dass es auch in Europa (und das ist Schottland ja trotz Brexit) so ist. Das war bestimmt ein ganz besonderes Erlebnis für dich, liebe Carola. LGN

  2. Na gut, dass du den Text schreiben konntest, dann hat dein Körper offenbar verstanden, dass er in Deutschland ist. 😉
    Der Link oben zur Notaufnahme funktioniert nicht, vielleicht magst du da noch kurz nachschauen?
    Viele Grüße, Becky

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