Die besten Geheimtipps für Schottland-Reisende

Oder nicht? Warum ich keine schottische Reiseagentur aufmache

Es beginnt harmlos.
„Liebe Nellie, darf ich dich mal was fragen? Du kennst dich doch aus mit Schottland.“

Ich ahne schon, was kommt. Es ist nie eine Frage zu schottischem Gebäck oder zur besten Sockenwahl im Hochlandregen. Nein, es geht immer um Urlaub. Um ihren Urlaub. Und zwar so, als könnte ich aus dem Stand ein komplettes Reisebüro aufmachen – mit Spezialgebiet „Unvergessliche Individualreisen, möglichst günstig, gern abgelegen, aber mit WLAN“.

Ich bleibe höflich.
„Klar, frag ruhig.“
Dann kommt sie – die Frage. Entweder ganz vage:
„Was würdest du denn so empfehlen, so ganz grob?“
Oder wahnsinnig konkret:
„Wir wollen im Juni für zwölf Tage mit einem Hybridauto durch die Highlands, möglichst ohne Midges, mit drei Schlössern, einem Steinkreis, nicht zu touristisch, aber mit gutem WLAN. Hast du da was?“

Hab ich. Ich hab sogar viel. Aber…
Reisen sind wie Stricksocken: Es passt nicht jeder Fuß in jedes Muster. Manche Menschen brauchen täglich neue Eindrücke und mindestens ein Castle pro Tag. Andere wollen nur sitzen, gucken, staunen – und vielleicht noch einen Single Malt dazwischen.

Was die Sache so knifflig macht: Viele wissen gar nicht, was sie wollen. Sie sagen es nicht. Oder sie sagen es und tun dann genau das Gegenteil.

Nehmen wir die Geschichtslehrerin.
Ich geb mir Mühe: Iona, Elgin, Whithorn – ich denke: Volltreffer.
Und was macht sie?
Sie geht zu den Fairy Pools.
Ich sag mal so: schöner Wasserfall, aber eben auch Selfiestick-Hotspot. Ich hatte sie einfach falsch eingeschätzt.

Oder mein ehemaliger Kollege.
Ich sag: „Skye ist ein Muss. Wenn du noch nie in Schottland warst – auf jeden Fall.“
Er antwortet eine Woche später: „War uns zu teuer. Wir sind in die Trossachs.“
Tja. Auch nett. Aber da hätte ich nie gedacht, dass er so aufs Budget schaut.

Oder der Typ mit Entscheidungsnot.
„Nellie, Ort A oder B?“
Ich: „A. Ganz klar. B ist lauter, A hat die schöneren Wege.“
Er: „Ja, aber B wäre halt auch nett.“
Ich geb’s auf.

Deshalb kommt hier jetzt, einmal und nie wieder (haha):

©Ewan Roy MacGregor

Die ultimative Liste für Schottland-Reisende nach Typ.

Wenn ihr euch irgendwo wiederfindet – nehmt’s mit. Und wenn nicht – fragt mich trotzdem. Ich mach’s ja gern. Und schüttle dann hinterher einfach ein bisschen den Kopf.

1. Für Sparreisende („Wir machen Selbstversorger und duschen notfalls im See“)

  • Glen Coe – dramatisch, geschichtsträchtig, kostenfrei. Aber Achtung: Es gibt nur wenige Parkplätze, und die sind oft voll. Früh dran sein lohnt sich.
  • Loch Morar – wild campen mit Blick aufs Wasser, mit Glück hört man den Zug nach Mallaig.
  • Isle of Mull mit Bus & Zelt – günstiger als Skye, dafür genauso eindrucksvoll.
  • Pitlochry & Killin – gute Basis für Ausflüge, Supermarkt vorhanden.
  • Geheimtipp: Craigtoun Country Park bei St Andrews – gratis Park, Bötchen, Picknickglück.

2. Für Camper und Vanlifer („Wir schlafen im Auto, aber bitte mit Aussicht“)

  • Ardnamurchan Peninsula – einsam, rau, traumhaft.
  • Applecross über Bealach na Bà – Nervenkitzel und Aussicht inklusive.
  • Loch Torridon – Parken direkt am Wasser, mit Glück ein Otter vorm Fenster.
  • Castle Trail in Aberdeenshire – eine Burg schöner als die nächste, und man ist ständig draußen.

3. Für Luxusreisende („Wir wollen schon was Besonderes, aber authentisch, bitte“)

  • The Fife Arms in Braemar – opulent, aber mit Charme.
  • Isle of Eriska Hotel – Luxus mit Aussicht und eigenem Golfplatz.
  • Boutique-Hotels entlang der North Coast 500 – wild und weich zugleich.
  • Inverlochy Castle Hotel – Dinner mit Geschichte.
  • Und: Private Tastings in kleinen Destillen – ohne Gruppenfoto.

4. Für Ersttäter in Schottland („Wir waren noch nie da – was muss man sehen?“)

  • Edinburgh – Altstadt, Holyrood, Arthur’s Seat.
  • Loch Ness & Urquhart Castle – ja, touristisch. Aber legendär.
  • Isle of Skye – Quiraing, Fairy Glen, Old Man of Storr. Bitte mit Regencape.
  • Glenfinnan Viadukt – Hogwarts-Feeling für Groß und Klein.
  • Oban – Fisch essen, Inselhüpfen, Menschen gucken.

5. Für Krimiliebhaber („Wir lesen gern düstere Dinge“)

  • Dornoch – Witch Trial Memorial, Kopfkino gratis.
  • Glencoe – Massacre Site mit Gänsehautpotenzial (und sehr wenigen Parkplätzen).
  • Isle of Jura – Orwell, Einsamkeit, Wildheit.
  • St. Kilda – für Abenteurer mit Bootsvertrauen.
  • Die Orte aus meinen Highland-Krimis, die ihr vielleicht schon kennt – oder noch entdecken wollt:
    • Avernish – wo fünf Tote und ein düsteres Geheimnis am Loch schlummern.
    • Achnacarry – Clan-Land und Schauplatz zwischen Nebel und Vergangenheit.
    • Skiary – abgelegen, still und voller Schatten.
    • Glenelg – mit den alten Brochs und neuen Fragen.
    • Nostie – ein kleines Tal, das mehr weiß, als es sagt.
    • Glendale – friedlich auf den ersten Blick…
    • Armadale – Geschichten über die Meerenge hinweg.
    • Kinlochhourn – Ende der Straße, Anfang des Unheimlichen.

Und ganz wichtig:
„Schottland für stille Stunden“ – mein Reiseführer für Fortgeschrittene, die gern mit Gänsehaut reisen. Erhältlich als Taschenbuch oder E-Book bei Amazon.
Darin: die schönsten schottischen Friedhöfe – für alle, die sich lieber an Grabsteinen als an Reiseführern orientieren.

6. Für Schottland-Profis („Wir waren schon zehn Mal da – überrasch mich!“)

  • Sandwood Bay – Wanderung zum einsamsten Strand Schottlands.
  • Assynt Region – Berge wie aus einem Fantasy-Roman.
  • Inseln wie Eigg oder Rum – autofrei, vogelreich, eigenwillig.
  • Crinan Canal – Schottland vom Boot aus erleben.
  • Borgue & Galloway Forest Park – Nacht wird hier wirklich dunkel.

7. Für stille Stunden („Ich will einfach nur Ruhe. Und vielleicht ein Schaf.“)

  • Rannoch Moor – Einsamkeit pur.
  • The Isle of Lismore – Inselidylle ohne Trubel.
  • Glen Affric – Bäume, Seen, Frieden.
  • North Harris – dramatische Küsten und himmlische Ruhe.
  • Und nicht vergessen: 📘 „Schottland für stille Stunden“ – alles drin. Vor allem: keine Reisegruppen.

Mini-Quiz: Welcher Schottlandtyp bist du?

  1. Dein Lieblingsgeräusch im Urlaub:
    a) Gluckern der Espressomaschine – Luxus
    b) Das Platschen der Gummistiefel im Matsch – Camper
    c) Blätterrascheln zwischen Grabsteinen – Krimifreak
    d) Vogelzwitschern ohne Empfangsbalken – Stille-Suchende
  2. Dein Albtraum:
    a) Kaltes Duschwasser
    b) Busgruppen mit Selfiesticks
    c) Kein WLAN im Cottage
    d) Überraschungsbesuch von den Schwiegereltern

Mord und Handwerker: Ein schottisches Drama

Mordgedanken und Aperol

Es gibt Tage, da meint es das Schicksal gut mit einem. Und dann gibt es Tage wie diesen. Ich hatte beschlossen, einen Krimiplot zu durchdenken – und dazu brauche ich Bewegung. Still sitzen ist nichts für kreative Verbrechen. Agatha Christie ist angeblich auch immer durch Devon marschiert, während sie über ihre Mörder nachdachte. Ich aber lebe nicht in Devon. Ich lebe in den Highlands. Und da ist es mit dem entspannten Spazierengehen so eine Sache.

Denn hier heißt „ein bisschen wandern“: auf Ziegenpfaden balancieren, durch knöcheltiefen Matsch stapfen und gleichzeitig versuchen, nicht über einen der unzähligen Steine zu stürzen, die sich einem wie bockige Ponys in den Weg legen. Krimiplots entwickeln? Ja, klar – wenn man nebenbei auch noch jonglieren kann. Ich also beschließe, auf einer Teerstraße zu laufen. Geradeaus. Flach. Und vor allem mit wenig Verkehr. Was in der Touristensaison ungefähr so wahrscheinlich ist wie ein einsamer Strand in den Sommerferien.

Aber ich bin motiviert. Die Sonne scheint! Es ist April – normalerweise bedeutet das: vier Jahreszeiten pro Stunde. Doch heute: strahlender Himmel, 14 Grad, und sogar die Schafe sehen zufrieden aus. Ich schwinge mich also ins Auto, bereit für frische Luft, Mordgedanken und ein bisschen literarische Selbstfindung.

Dummerweise fahre ich genau in die einzige Ecke Schottlands, über der sich eine riesige, dunkelgraue Regenwolke ausbreitet. Natürlich. Wo sonst. Ich fluche leise, parke trotzdem und ziehe die Kapuze über den Kopf. Man kann auch bei trübem Wetter kreativ sein. Sagt man.

Ich stapfe also los, ganz bei mir und meinen Gedanken. Doch da pingt es. Der Mann. Heute in Inverness. Sollte bei Lidl Aperol kaufen – Vorrat für das Wochenende. Stattdessen schreibt er: „Wo steht denn der Aperol? Ich find den nicht.“

Ich überlege kurz, ob ich zurückschreibe: „Neben dem Klopapier, gleich hinterm griechischen Joghurt.“ Aber dann reiße ich mich zusammen. Ich tippe zurück: „Da, wo der Gin steht.“ Keine zehn Sekunden später: „Hab ihn!“ Zufriedener Mann, gesichertes Wochenende. Ich nicke still. So viel zur Konzentration.

Kaum habe ich mich wieder auf meinen Mörder konzentriert – der in meinem Kopf so vielversprechend war –, da pingt es erneut. Meine Chefin. „Darf ich dich kurz stören? Nichts Dramatisches, aber es hat eine Veränderung gegeben.“ Und zack, statt Krimi: Kopfkino. Kündigungswelle? Umstrukturierung? Muss ich doch zurück zur Konferenzplanung?

Ich antworte: „Bin erreichbar.“ Was bleibt mir auch anderes übrig. Weiter geht’s.

Zehn Meter weiter: ping. Fiverr-App. Meine Designerin. Das Cover sei fertig, ob ich bitte direkt schauen könne. Natürlich. Ich. Jetzt. Im Nieselregen. Auf einem schottischen Wanderweg mit schlechter Netzabdeckung.

Ich nehme mir vor, jetzt aber wirklich den Mörder weiterzudenken. Doch da – beginnt der zweite Akt: die Handwerkerpanik.

Wenn Handwerker zu Krimifiguren werden

Ich hatte mit meiner Schwester in Deutschland abgesprochen, dass ich mich um einen Handwerker für unsere Eltern kümmere. Sie hat ohnehin schon genug zu tun, wenn ich weg bin, also übernehme ich. Sie hatte eine Empfehlung von einer Kollegin, ich hatte den Herrn kontaktiert – wir waren per WhatsApp in Kontakt.

Er war etwas zögerlich, wegen der Entfernung. Aber ja, er würde es gegen Anfahrtskosten machen. Ich bitte ihn um einen Terminvorschlag. Eine Woche vergeht. Nichts. Ich frage nochmal – wieder nichts. Also beschließe ich an einem Sonntag, einfach ein anderes Unternehmen zu kontaktieren. Mail an die Infoadresse, und siehe da: Montagmorgen um zehn der Rückruf.

Er will’s sich anschauen. Ich erkläre ihm alles. Biete an, den Termin mit meinen Eltern abzustimmen. Aber nein, über drei Ecken sei das zu kompliziert. Ich soll ihm die Nummer der Eltern geben. Gut, mache ich.

Am Abend: „Habe niemanden erreicht. Ist die Nummer korrekt?“ Ich prüfe. Natürlich. Ich rufe meine Eltern an: „Alles gut bei euch?“ – „Ja, alles fein.“

Ich sage ihm, er soll’s einfach nochmal probieren oder spontan vorbeischauen. Tut er. Nur: Meine Eltern sind beim Arzt. Also klingelt er bei der Nachbarin.

Und das war der Fehler. Denn sie informiert sofort die gesamte Nachbarschaft, alle Verwandten und vermutlich auch die lokale Zeitung. „Ein Handwerker! Und keiner wusste davon!“

Ich bekomme pings von allen Seiten. Meine Schwester: „Wie heißt der nochmal?“
Ich: „Wieso?“
Klingeling: Meine Mutter. „Da war ein Handwerker, und keiner hat uns was gesagt!“

Ich atme tief durch. Warum die Nachbarin eigentlich wissen sollte, dass meine Eltern einen Handwerker bekommen, bleibt mir ein Rätsel.

Ich schicke also nochmal allen den Kontakt. Bitte die Mutter, sich direkt bei ihm zu melden. Dann erkläre ich meiner Schwester alles noch mal von vorne.

Mein Krimiplot? Liegt inzwischen reglos im Moor. Ich bin entweder kurz davor, einen Handwerker umzubringen – oder ich schreibe meinen nächsten Mord in ein Funkloch.

Hauptsache, keiner kann mich erreichen.

Zwischen Mikrophon und Manuskript

Mein Ringen mit dem geschriebenen Wort

Vom gesprochenen zum geschriebenen Wort

Seit über zwanzig Jahren lebe ich vom gesprochenen Wort. Ich schreibe fürs Hören – für Radio und Fernsehen. Für Formate, in denen das Timing wichtiger ist als das Komma. Wo der Klang zählt, nicht die Orthografie. Wo aus einem schnell hingeworfenen Satz ein lebendiges Gespräch wird. Und wo ein fehlendes Wort niemanden stört, solange der Tonfall stimmt.

Das gesprochene Wort ist mein Zuhause. Es ist spontan, lebendig und flexibel. Fehler? Geschenkt. Improvisation? Alltag.

Schreiben mit dem Rotstift im Nacken

Wenn ich heute an meinen Büchern arbeite, merke ich, wie sehr sich das unterscheidet. Plötzlich zählt jedes Zeichen. Plötzlich kann ich nicht mehr einfach „drüber weg sprechen“. Das geschriebene Wort ist nicht kulant. Es bleibt da – schwarz auf weiß – und schaut mich an, als wollte es sagen: „Du kannst das besser.“

Und ich? Ich fluche, feile, verwerfe. Ich lese laut. Ich schleife. Ich beginne von vorn.

Ohne Testleser wäre ich verloren

Was mich rettet? Meine Testleserinnen und Testleser. Ohne sie würde ich mich heillos verirren im Dickicht der Buchstaben. Sie sind mein Korrektiv. Mein Resonanzraum. Mein „Stopp, das geht so nicht!“. Sie holen das Beste aus mir heraus – und aus meinen Texten.

Die leise Kraft des geschriebenen Wortes

Und je länger ich mich auf diesen Prozess einlasse, desto mehr wächst mein Respekt. Das geschriebene Wort ist nicht einfach nur „nicht gesprochen“. Es ist etwas Eigenes. Es verlangt Hingabe – aber es schenkt auch etwas: Tiefe. Dauer. Präsenz.

Vielleicht sind wir noch keine alten Freundinnen, das geschriebene Wort und ich. Aber wir nähern uns an. Tag für Tag. Buchstabe für Buchstabe.

Skullduggery: Ein skurriles Wort mit Geschichte

Wort des Tages: Skullduggery
klingt wie ein Pirat mit Zahnschmerzen – bedeutet aber viel mehr.

Es ist eines dieser englischen Wörter, das beim ersten Hören eher nach einem schottischen Getränk, einem räudigen Seemann oder einer missglückten Yoga-Position klingt. Dabei ist Skullduggery (auch skulduggery) ein echtes Sprachjuwel – und so herrlich bildhaft.

Was heißt es?
Kurz gesagt: Heimtücke, Trickserei, durchtriebene Machenschaften – alles, was ein bisschen zwielichtig und ein bisschen charmant ist.

Englisch:
Ein Hauch von Ironie, ein Gentleman mit gezücktem Degen, der die Wahrheit ein klein wenig verbiegt.
“A bit of skullduggery in the House of Lords, what?”

Amerikanisch:
Eher politisch, gerne in Krimis, immer mit ernstem Blick.
“There’s been some skullduggery in the mayor’s office.”

Ursprung?
Kommt aus dem Schottischen – natürlich. Ursprünglich bedeutete es so etwas wie „obscenities“ (Anstößiges), entwickelte sich aber im 19. Jahrhundert in den USA zu „underhanded dealing“. Aus dem derben Fluchen wurde also feines Tricksen. Eine echte Karriere.

Warum wir es lieben:
Weil es so klingt, als hätte sich ein viktorianischer Krimi-Autor mit einem Disney-Schurken zusammengetan.

Und im Alltag?
Wenn jemand im Büro heimlich die besten Kekse klaut? Skullduggery.
Wenn dein Kater plötzlich auf der Tastatur liegt und dein Dokument löscht? Skullduggery.
Wenn du dir selbst ein Stück Kuchen weggegessen hast und so tust, als wär’s der Partner gewesen? 100 % Skullduggery.

Also: Heute ruhig ein bisschen skullduggern. Aber stilvoll, bitte.

Die Spukgeschichte der Falls von Glomach

picture @Ewan Roy MacGregor

Eine Spukgeschichte aus den Highlands

Die Highlands sind voller Mythen und Legenden, doch manche Geschichten sind älter als die Zeit selbst. Eine davon erzählt vom Schäfer von Lienassie – und von der Frau, die ihn nie wieder losließ.

Die Falls von Glomach – Ein Ort des Schreckens

Die Falls von Glomach gehören zu den höchsten und abgelegensten Wasserfällen Schottlands. Ihr donnerndes Rauschen hallt durch die Berge, während die steilen Klippen ein Gefühl der Einsamkeit verstärken. Hier, an diesem düsteren Ort, geschah die Geschichte, die man sich in Kintail bis heute nur flüsternd erzählt.

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Die Begegnung mit der Frau und ihren Ziegen

Ein Schäfer aus Lienassie war eines Abends auf dem Rückweg von den Fällen, als er sie sah: eine Frau, die regungslos am Rand der Klippe stand. Ihr Gesicht war blass wie die Gischt des Wasserfalls, ihr Gewand von Wind und Wetter gezeichnet. Doch es waren ihre Augen, die ihn lähmten – tief, schwarz, leer.

Er hielt sie für die Frau, die hier oben die Ziegen hütete. Doch irgendetwas war seltsam an ihr. Der Schäfer wollte fliehen, doch die Frau hob langsam die Hand.

„Geh nach Plockton“, hauchte sie. „Sag ihnen …“

Der Wind riss die Worte fort. Sie gab ihm ein Haus und einen Namen.

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Von Angst getrieben rannte der Schäfer ins Tal. In Plockton angekommen, fand er das Haus, das die Frau ihm genannt hatte. Doch als er die Geschichte erzählte, erblasste der Mann vor ihm.

„Das ist unmöglich“, flüsterte er.

Die Frau, die der Schäfer gesehen hatte, war tot. Sie hatte sich Tage zuvor in die Falls von Glomach gestürzt. Ihr Körper wurde nie gefunden.

Die Flucht über das Meer

Der Schäfer verließ Plockton am nächsten Morgen.

„Ich muss das Meer zwischen mich und sie bringen“, murmelte er. Und so verließ er das Land, um nie wieder zurückzukehren.

Die Spukgestalt der Falls von Glomach

Bis heute erzählen sich Wanderer, dass sie eine Frau am Rand der Klippen gesehen haben. Man sagt, wenn der Wind sich dreht, hört man sie flüstern.

Und wer zu lange zuhört, den nimmt sie mit.

Glen Lichd: Wo Dunkelheit und Legende sich begegnen

Es gibt Orte in den Highlands, die eine Schwere in sich tragen – nicht nur durch die raue Natur oder das unberechenbare Wetter, sondern durch Geschichten, die seit Jahrhunderten in der kalten Luft hängen. Einer dieser Orte ist Glen Lichd, ein Tal, das von massiven Bergen flankiert wird. Es ist dunkel, selbst an den längsten Tagen im Sommer, denn der gewaltige Beinn Fhada und die hinteren Hänge der Fünf Schwestern von Kintail blockieren das Licht. Doch es ist nicht nur die Dunkelheit, die den Menschen Unbehagen bereitet. Es ist die Legende.

Das Verschwinden von Murdoch

Es war ein besonders harter Winter, als eine Gruppe von Jägern sich aufmachte, um in den abgelegenen Wäldern von Glenlicht Hunt Wild zu erlegen. Sie waren erfahrene Männer, bestens ausgerüstet, und unter ihnen war Murdoch, ein geschickter Schütze und ein mutiger Mann. Doch als die Jagd vorbei war und sich alle sammelten, fehlte einer – Murdoch war verschwunden.

Zunächst dachten seine Kameraden, er sei vielleicht umgekehrt oder hätte sich verirrt. Doch Tage vergingen, und von ihm fehlte jede Spur. 15 Tage und Nächte suchte man nach ihm. Seine Familie und Freunde streiften durch das Tal, riefen seinen Namen, durchkämmten jede Felsspalte. Die Kälte wurde gnadenloser, die Hoffnung schwand.

Die unheimliche Entdeckung

Dann, am dritten Tag, wurde er gefunden. Sein Körper lag am Fuße einer Schlucht. Der Schnee um ihn herum war unberührt, als hätte ihn jemand vorsichtig dort abgelegt. Keine Spuren, keine Anzeichen eines Kampfes, keine Erklärung für seinen Tod. Doch die Highlander hatten eine.

Ein dunkler Geist sei in Glen Lichd erwacht, flüsterten sie. Eine uralte Kraft, die ihre Opfer in den Nebel lockte, sie verschluckte und zurückließ, wenn ihre Seelen fort waren. Murdochs Bruder Duncan, ergriffen von der Tragik, verfasste ein Gedicht und ein Lied für seinen toten Bruder. Der berühmte Barde Iain Lom tat es ihm gleich. Bald kannte jeder in Lochaber und Kintail die traurige Melodie, die vom „verlorenen Jäger von Glen Lichd“ erzählte.

Die Jagd nach dem Monster

Jahrzehnte später konnte ein Mann die Geschichte nicht vergessen. Er beschloss, dem Fluch auf den Grund zu gehen. Er war kein abergläubischer Highlander, sondern ein entschlossener Skeptiker – und er hatte einen Plan. Mit zwei Pistolen, geladen mit Silberkugeln, zog er für 15 Nächte in das Tal. Er lagerte an jener Stelle, an der Murdoch gefunden worden war, wartete und beobachtete.

Die Nächte waren lang und eiskalt. Der Wind peitschte durch die Schluchten. Doch nichts geschah.

Der 16. Tag

Dann kam der 16. Tag.

Der Mann kehrte zurück – aber er war nicht mehr derselbe. Er sprach nicht über das, was er gesehen hatte. Er erzählte niemandem, was in jener Nacht passiert war. Doch seine Augen waren verändert, sein Blick unstet. „Ich habe ihn vertrieben“, murmelte er nur. Mehr sagte er nie.

Doch die Highlander glauben nicht, dass das Tal wirklich befreit wurde. Noch immer vermeiden es die Einheimischen, nach Einbruch der Dunkelheit in Glen Lichd zu gehen. Der Wind trägt manchmal eine unheimliche Stille mit sich, als hielte das Tal den Atem an. Und hin und wieder – wenn der Nebel schwer auf den Berghängen liegt – erzählen sich die Alten, dass dort immer noch etwas lauert.

Abenteuer Highlands 4: Geschichten aus Schottland

„Abenteuer Highlands 4“ ist da – Schottland-Happen für Fortgeschrittene


Ein neues Kapitel Highland-Leben – mit Ottern, Pannen, Pointen und stillen Momenten. „Abenteuer Highlands 4 – Schottland-Happen für Fortgeschrittene“ ist ab sofort als eBook und Taschenbuch erhältlich!


Wer schon einmal versucht hat, mit einem deutschen Navi über eine schottische einspurige Straße zu fahren, weiß: Das Leben in den Highlands ist nichts für Anfänger.

In „Abenteuer Highlands 4 – Schottland-Happen für Fortgeschrittene“ erzähle ich Geschichten von dort, wo die Landschaft atemberaubend, das WLAN fragil und das Wetter ein Charakter in sich ist. Es geht um verlorene Schlüssel, widerspenstige Technik, eine Ziege mit tragischer Geschichte – und um all die kleinen und großen Missgeschicke, die mich in Schottland begleiten.

Aber zwischen all dem Lachen, dem Kopfschütteln und der schrägen Situationskomik gibt es auch leise Töne. Momente, die nachdenklich machen. Über das Zusammenleben mit Mensch und Tier, über Verantwortung, Hilfsbereitschaft – und über das, was wirklich zählt.

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Ob du Schottland-Fan bist, selbst mal ausgewandert bist oder einfach gern lachst – in diesem Band findest du skurrile Beobachtungen, ehrliche Gefühle und ganz viel Highland-Flair.


Glen Loyne: Wo italienische Komödie auf schottische Highlands trifft

Heute gibt es eine skurrile Geschichte, die mich jedes Mal zum Schmunzeln bringt, wenn ich an einem meiner liebsten Wanderorte vorbeikomme: der kurzlebige Friedhof von Glen Loyne, der für einen italienischen Film in den schottischen Highlands errichtet wurde – und danach spurlos verschwand.

Ort des Fim-Friedhofs
Film Location

Eine Komödie, die durch die Zeit reist

Die Geschichte beginnt mit dem italienischen Film „A spasso nel tempo – L’avventura continua“ („Ein Spaziergang durch die Zeit – Das Abenteuer geht weiter“), einer temporeichen Komödie aus dem Jahr 1997, inszeniert von Carlo Vanzina. Der Film folgt den chaotischen Zeitreise-Abenteuern von Ascanio (Christian De Sica) und Walter (Massimo Boldi), die von der Steinzeit bis zur Mondlandung stolpern und dabei jede Menge absurde Missgeschicke erleben.

Quelle: IMDB

Es ist schon fast eine Sportart geworden: Wer durch die Highlands wandert, sucht automatisch nach Drehorten aus Outlander. Kaum hat man einen alten Baum oder eine zerfallene Mauer entdeckt, hört man hinter sich schon jemanden rufen: „Ist das Craigh na Dun? Oh mein Gott, Jamie war bestimmt hier!“

Manchmal kommt es mir vor, als hätte jeder Stein in Schottland eine Statistenrolle in der Serie gehabt. Aber jetzt stellt euch die Gesichter der Fans vor, wenn ich ihnen erzähle, dass in Glen Loyne kein Fraser, sondern zwei italienische Chaoten herumgestolpert sind, die Highlander parodierten und statt Steinkreise Grabsteine besuchten.

Auf ihrer Reise landen die beiden Chaoten im mittelalterlichen Schottland. Dort werden sie von englischen Soldaten für Anhänger von William Wallace gehalten und geraten in allerlei brenzlige Situationen – inklusive einer Begegnung mit einem vermeintlich unsterblichen Ritter, der sie für seine Rivalen hält.

Ein Friedhof aus Pappmaché

Ein Wanderparadies wird zur Filmkulisse

Für eine Szene im mittelalterlichen Schottland suchten die Filmemacher ein authentisches Highland-Setting mit einem Friedhof. Da es in Glen Loyne keinen gab, baute das Produktionsteam kurzerhand einen künstlichen Friedhof mit Pappmaché-Grabsteinen. Der Friedhof wirkte täuschend echt – ein perfekter Schauplatz für die typische italienische Slapstick-Komik, bei der die Protagonisten in klassischer Manier stolpern, sich verstecken und jede Menge Blödsinn machen.

Für mich hat das einen besonderen Reiz: Glen Loyne ist einer meiner absoluten Lieblingsorte zum Wandern. Jedes Mal, wenn ich jetzt dort entlanggehe, kann ich mir die absurde Szene förmlich vorstellen – die albernen Protagonisten und die Pappmaché-Grabsteine, die im Wind wackeln.

Und dann war alles weg

Blick auf Stein in Glen Loyne

Zurück zur Natur

Nach Abschluss der Dreharbeiten verschwand der künstliche Friedhof so schnell, wie er errichtet wurde. Das Team nahm alle Requisiten mit, und Glen Loyne kehrte in seinen natürlichen, unberührten Zustand zurück.

Wart ihr schon einmal in Glen Loyne oder kennt ähnliche Geschichten von Drehorten, die euch überrascht haben? Schreibt es mir in die Kommentare – ich bin gespannt!

Die Magie der Fahrt nach Sabhal Mòr Ostaig

Die Fahrt nach Sabhal Mòr Ostaig ist für mich fast genauso wichtig wie der Kurs selbst. Eine knappe Stunde dauert es, von meinem Zuhause bis zur Hochschule für Gälisch auf Skye zu fahren, aber die Zeit vergeht wie im Flug. Die Straßen winden sich durch die atemberaubende Landschaft der Highlands, vorbei an glitzernden Lochs und kargen Bergen, die in der Dämmerung fast unwirklich erscheinen. Ich fahre absichtlich immer etwas früher los, damit ich vor dem Kurs noch im Auto sitzen und aufs Meer hinausblicken kann. Es gibt nichts Besseres, um den Kopf frei zu bekommen.

Gestern war einer dieser besonderen Tage. Der Himmel war den ganzen Nachmittag über klar gewesen, und als die Sonne langsam unterging, brannte der Horizont in warmem Gold und tiefem Orange. Wir hatten uns gerade in dem kleinen Café versammelt, in dem unser Kurs stattfindet, als einer von uns aus dem Fenster schaute und abrupt verstummte. „Seht euch das an!“ Keine Sekunde später sprangen wir alle auf, ließen unsere Teetassen stehen und rannten hinaus. Mit gezückten Handys und Kameras standen wir auf dem Parkplatz und hielten diesen magischen Moment fest. Das Meer lag still da, als wolle es den Himmel spiegeln, und die Silhouetten der Berge zeichneten sich gestochen scharf vor dem leuchtenden Abendrot ab.

Zurück im Café, leicht fröstelnd von der kühler werdenden Luft, setzte sich die lockere Runde fort. Der Gälisch-Kurs – ein sogenannter „Srupag“ (gälisch: Srùpag, ausgesprochen sruu-pak), ein geselliger Treff mit Gesprächen auf Gälisch – besteht aus einer bunten Mischung von Menschen. Das Wort bedeutet eigentlich eine kleine Tasse Tee oder Kaffee und steht sinnbildlich für eine entspannte Runde, in der man miteinander plaudert. Einige sind fest entschlossen, die Sprache fließend zu beherrschen, andere wollen einfach nur ein wenig plaudern und die Klangmelodie der Sprache aufsaugen. Ich bin irgendwo dazwischen. Als ich das erste Mal erwähnte, dass ich Autorin bin, gab es neugierige Blicke und ein paar bewundernde „Oh“s. Die Reaktionen reichen von ehrlichem Interesse bis zu scherzhaften Kommentaren wie: „Schreibst du dann auch auf Gälisch?“ oder „Gibt es Morde in deinen Büchern? Hoffentlich nicht hier in Sabhal Mòr!“

Natürlich morde ich auch im College! In Band 2 meiner Reihe, Nightfall on Skye, gibt es ein Verbrechen direkt dort, und das sorgte prompt für neue Diskussionen. Eine der Teilnehmerinnen hatte mein Buch sogar im Auto liegen! Als sie es kurzerhand hereingebracht und stolz herumgezeigt hat, hätte ich beinahe vor Freude gequiekt. Es war einer dieser Momente, in denen ich so richtig gemerkt habe, dass meine Geschichten ihren Weg zu den Menschen finden.

Es ist eine besondere Gemeinschaft, die sich hier trifft – Menschen, die ihre Liebe zur gälischen Sprache teilen und dabei Geschichten austauschen, die oft genauso faszinierend sind wie die Landschaft um uns herum. Nach dem gestrigen Sonnenuntergang und dem spontanen Foto-Shooting war der Kurs gefühlt noch lebendiger als sonst. Vielleicht, weil wir uns alle bewusst waren, wie kostbar diese kleinen Momente sind, in denen die Welt stillzustehen scheint und sich die schottischen Highlands von ihrer spektakulärsten Seite zeigen.

Die Sieben Männer von Glenmoriston: Ein Stück schottischer Geschichte

Die Highlands bergen so viele Geschichten – einige sind voller Romantik, andere von Tragik gezeichnet. Doch eine, die mich besonders fasziniert, ist die der Sieben Männer von Glenmoriston.

Die Stille im Corrie Dho ist beinahe greifbar. Zwischen den sanften Hügeln, die Glenmoriston von Glen Affric trennen, liegt dieses breite, fruchtbare Tal – unscheinbar und doch Schauplatz einer bemerkenswerten Episode der schottischen Geschichte. Hier, in den entlegenen Seitentälern des Corrie Dho, fanden einst sieben Männer Zuflucht, die nach der Schlacht von Culloden beschlossen hatten, niemals zu kapitulieren. Sie waren Nachbarn, die zusammenhielten, während andere in der Region ihre Waffen niederlegten. Ihr Versteck, eine Höhle, die als Uamh Ruaraidh na Seilg – die Höhle von Roderick dem Jäger – bekannt ist, bot ihnen Schutz vor den englischen Soldaten.

Ich stehe an einer Anhöhe, von der aus ich das Tal überblicken kann. Der Wind pfeift durch die Gräser, und es ist leicht vorstellbar, wie sich die Sieben Männer in diesem rauen Gelände bewegten, es nutzten, um sich zu verbergen und immer wieder kleine Nadelstiche gegen die verhassten Truppen zu setzen, die ihr Land verwüsteten. Guerillakrieger wider Willen, angetrieben von ihrer Loyalität zu ihrem Land und ihrem Hass auf die Besatzer.

Bonnie Prince Charlie und die Sieben Männer

Im Juli 1746 erreichte Bonnie Prince Charlie erneut das schottische Festland und begab sich auf eine gefährliche Reise durch die Highlands. Die Strapazen forderten ihren Tribut: nass, hungrig und erschöpft gelangte der Prinz am 29. Juli nach Glenmoriston. Sein Führer, ein Mann aus Glengarry, kannte das Versteck der Sieben Männer und schlug vor, dort Unterschlupf zu suchen. Trotz des Risikos nahmen die Männer ihn auf – nicht aus politischen Gründen, sondern aus einem tief verwurzelten Ehrenkodex heraus. Ein jeder von ihnen hätte mit einem Verrat das Kopfgeld von 30.000 Pfund kassieren können. Doch keiner tat es.

Ich frage mich, wie es gewesen sein muss, mit dem meistgesuchten Mann der Highlands in einer Höhle zu hausen. Mitten im Nichts, aufeinander angewiesen, stets in Gefahr, entdeckt zu werden. Die Männer versorgten den Prinzen so gut sie konnten. Einer von ihnen lief sogar nach Fort Augustus, um Brot und Zeitungen zu besorgen – und kehrte mit einem besonderen Geschenk zurück: einem Stück Ingwerkuchen, der kostbarsten Leckerei, die er für den Prinzen auftreiben konnte. Eine kleine Geste, die in ihrer Schlichtheit berührend ist. Ein Moment von Menschlichkeit inmitten von Verfolgung und Unsicherheit.

Nach drei Tagen verlegten sie ihr Versteck in die benachbarte Höhle von Corrie Sgrainge – das „Corrie of Gloom“. Dort blieben sie weitere vier Tage, bevor sie ihre Reise in Richtung Poolewe fortsetzten. Doch die erhofften französischen Schiffe waren bereits weitergesegelt. Und so kehrten sie schließlich nach Glenmoriston zurück, immer auf der Flucht, immer in Bewegung.

Ein unbeugsamer Geist

Ein Laird begegnete später zwei der Sieben Männer und stellte ihnen neugierige Fragen. Wo sie sich verbargen, wovon sie lebten. Doch anstatt zuzugeben, dass sie noch immer im Widerstand waren, gaben sie eine ebenso kluge wie herausfordernde Antwort: „Da die Feinde das Land plünderten, war es nur recht und billig, sich einen Teil der Beute zu nehmen, anstatt alles den Rotröcken zu überlassen.“

Ich spüre fast, wie mir ein Lächeln über die Lippen huscht. Die Tapferkeit, die List und der ungebrochene Stolz dieser Männer beeindrucken mich. Hier, in diesen einsamen Highlands, schrieben sie ein Stück Geschichte – nicht mit Waffen, sondern mit ihrer unbeugsamen Entschlossenheit. Und während ich durch das raue Land wandere, wird mir klar: Es ist nicht nur die spektakuläre Landschaft, die die Highlands so faszinierend macht. Es sind die Geschichten derer, die hier lebten – und kämpften. Heute ist hier, auf Ceannacroc Estate, alles gut in Schuss und bepflanzt, aus den Flüssen zieht man Energie – ein stilles Echo der Vergangenheit, das in die Zukunft reicht.