Abenteuer Highlands Teil 2 ist da!!!

book cover

Kann eine Seele mehr als nur eine Heimat haben? Sie kann! Und wie.

Nellie Merthe Erkenbach geht in ihr zehntes Jahr Fernbeziehung mit einem Highlander – ein Leben zwischen Schwarzwald und Schottland.

Dem anfängliche Bedürfnis des entscheiden Müssens hat sie widerstanden und ist nun erfolgreich in zwei Welten zu Hause:  dem Schwarzwald, wo sie gerne lebt, gerne isst und ihre Arbeit hat und in den Highlands, wo sie schreibt, fotografiert und Zeit mit dem Mann in der großen Weite der Westküste Schottlands genießt. Das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, in zwei Welten zu leben macht die Dinge klarer und bewusster.

Der besondere Charme dieses Lebensentwurfs: die beiden Leben sind gänzlich unterschiedlich. Das deutsche ist hektisch und aufregend, ihre Arbeit beim Fernsehen abwechslungsreich, auch durch die Reisen nach Russland, China, Japan oder Brasilien.

Die Vorzüge des Mondänen hat sie in Deutschland und dem Rest der Welt, In den Highlands dagegen wird es still und ruhig. Nellie Merthe Erkenbach lebt dann zurückgezogen, liest viel, wandert und schreibt über das Land, das sie so gut kennt. Diese Seite ihres Lebens gibt ihr die Kraft, das Hochgeschwindigkeitsleben in Deutschland mit Freude und Energie anzupacken.

Nach Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland ist Nellie Merthe Erkenbach mit Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ein weiteres wahres, humorvolles und herzerwärmendes Buch gelungen, in dem zwischen den Zeilen ihre tiefe Liebe für das Land ihrer Liebe durchscheint – Schottland.

Auf in neue Abenteuer Highlands, wo buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler den Alltag beherrschen, Poeten und tapfere Schneiderlein mit Monstern kämpfen, Moorleichen gar nicht so gruselig sind und Hexen und Geister ganz selbstverständlich. Von Extrawürsten und gefährlichen Frühstücken und der Kunst, trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinzubekommen.

3d mock up

Das neue Abenteuer Highlands gibt es als Ebook oder Taschenbuch beim Amazon. Ich hoffe es gefällt euch und freue mich auf euer Feedback!

Liebe Grüße,

eure Nellie

Abenteuer Highlands 2.0 ist bald da!

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Abenteuer den Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland geschrieben und nach dem Rückzieher des Verlags wegen Einstellung der Reihe, in der das Buch erscheinen sollte, das Werk schließlich im Selbstverlag veröffentlicht habe. Seither habe ich zwei weitere Bücher geschrieben, eigentlich drei: Riding Towards Shadows, das 2018 erschienen ist und Schottland für stille Stunden, das zum Jahresende 2020 rauskam. Das gibt es 2021 auch auf Englisch und wird Scotland for Quiet Moments heißen. Wer also gedacht hat, ich sitze in meiner wunderbaren Schreibhütte, schaue aufs Meer und tue nichts, der liegt völlig falsch. Allen Stromausfällen und Sturmschäden zum Trotz: ich habe weitergeschrieben und hier ist er nun, der zweite Teil von Abenteuer Highlands. Der ein oder andere von euch hat schon darauf gewartet.

Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland

Abenteuer Highlands 2.0 zwischen Schwarzwald und Schottland

Inzwischen lebe ich seit 10 Jahren in meiner schottischen Fernbeziehung und habe nach dem anfänglichen Gefühl des entscheiden Müssens sehr bald gemerkt, dass eine Seele mehr als nur eine Heimat haben kann. Ich habe zwei zu Hause: eines im Schwarzwald, wo ich gerne lebe, gerne esse und meine Arbeit habe und eines in den Highlands, wo ich schreibe, und meine Zeit mit dem Mann an der großen Weite der Westküste Schottlands genieße. Das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, es lässt Dinge klarer werden und man macht sich bewusster, was man will und womit man seine Zeit verbringen möchte.

Der besondere Charme an diesem Lebensentwurf: beide Leben sind gänzlich unterschiedlich. Das deutsche ist hektisch und aufregend, meine Arbeit beim Fernsehen abwechslungsreich, ich reise viel, nach Russland, China, Japan, Brasilien und genieße die Vorzüge des Stadtlebens. In den Highlands dagegen wird es still und ruhig, zurückgezogen. Ich lese viel, wandere und schreibe. Diese Seite meines Lebens gibt mir die Kraft, das Hochgeschwindigkeitsleben in Deutschland mit Freude und Energie anzupacken.

Die Zeit, in der wir getrennt sind, überbrücken wir durch Social Media und ein tägliches Skype-Gespräch von einer Stunde. Und mal ehrlich, in wie vielen Beziehungen spricht man täglich mindestens eine Stunde miteinander? Ein solch intensiver Austausch wird im Alltag oft vernachlässigt. Ich liebe dieses Leben, das ich führe und was als Abenteuer in der Fremde begann, ist nun ein Leben in zwei Welten geworden. Aber auch das kann abenteuerlich sein. Ihr werdet schon sehen!

In Abenteuer Highlands habe ich euch durch ein Jahr in Schottland geführt. Dies sind die wahren Geschichten, die ich in den Jahren seither in meiner Fernbeziehung mit einem Schotten erlebt habe. Nicht in der zeitlichen Reihenfolge, in der sie passiert sind, die bekäme ich gar nicht mehr richtig auf die Reihe, der Mann und ich sind schon so lange ein Paar. Die Struktur ist nicht die Zeit, sondern das Wort, von A – Z: A wie Aberglaube, B wie Banff, C wie Corona usw.

Amüsiert euch über buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler, lernt Poeten und tapfere Schneiderlein kennen, gruselt euch über Moorleichen, Hexen und Geister, lacht über Extrawürste und gefährliche Frühstücke und findet heraus, wie man trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinbekommt.

Taschenbuch und Ebook erscheinen demnächst auf Amazon. Ihr erfahrt natürlich hier, wann es soweit ist.

 

Brexit – und jetzt?

Für ein schottisch-deutsches Paar beginnt nun eine Zeit, die keiner von uns wollte.
Als ob das Leben in der Fernbeziehung wegen COVID19 nicht schon kompliziert genug wäre!
So richtig kann sich keiner von uns auf das neue Jahr freuen.
Ich wünsche euch allen, die ihr mir auf diesem Blog folgt, ein glückliches und gesundes Neues Jahr. Euch geht es ja ähnlich, die meisten von euch warten darauf, wieder nach Schottland zu reisen. Drücken wir uns gegenseitig die Daumen.
Liebe Grüße,
 
Nellie
󠁧󠁢#GoodBye2020 #GoodbyeEU #BrexitReality #BrexitIsland #Schottland #Deutschland

Schottland für stille Stunden

Der Reise-Inspirationsführer Schottland ist in den nächsten Tagen als Ebook und Taschenbuch bei Amazon erhältlich!

Schottland ist ein Land voller Geschichte, Geschichten und Geheimnisse. Oft sind die drei nicht exakt voneinander zu trennen. Das macht dieses Land so wunderbar und einzigartig. Diese Geschichten wurden für den WordPress Blog Graveyards of Scotland über viele Jahre zusammengetragen, ausgegraben und entdeckt. Quellen waren meist historische Reiseführer aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Funde oft schaurig, schön, lustige oder grausam. Eine ungewöhnliche Annäherung an die Geschichte eines Landes, die erstaunliche Ergebnisse hervorbrachte. Man muss aber die Leidenschaft der Autorin für Friedhöfe nicht teilen, um diese Buch genießen zu können. Die meisten Geschichten spielen ja nicht auf einem Friedhof, sie enden lediglich da.

Der Feenhügel in Inverness, ein Salpetermord auf Shetland, eine Familie von Linkshändern, Wölfe gestern und heute, Robert the Bruce und William Wallace einmal ganz anders, die geheime Bucht des Schriftstellers Gavin Maxwell, ein mordender Dichter und alles, was Schottland außer Whisky, Schafe und Tartan noch ausmacht. Schottland für Experten, nicht für Anfänger.

Machen sie es sich in ihrem Lieblingslesesessel gemütlich und genießen sie Schottland für stille Stunden.

3d

Zitate

Das Meer ist ein gefährlicher Freund, eine verlockende Schönheit und ein brutaler Mörder zugleich. Selbst an ruhigen Tagen sind hier Menschen in den Gewässern rund um die Inseln ertrunken. Wenn die Herbststürme einsetzten, hatten die gewaltigen Wellen in der Vergangenheit oft ein tödliches Fest. Auf Shetland spülte am Sumburgh Head, wo der Atlantik auf die Nordsee trifft, so mancher Körper an Land.

Als William Soutar klar wurde, dass die Krankheit nicht nur sein Leben begleiten, sondern es sogar beenden würde, soll er einen Moment innegehalten haben. Dies war der Moment der Erkenntnis: Nun konnte, nun musste er Dichter werden. Er wurde einer der besten seines Landes.

Anders die Abendstimmung, blaue Stunde und eine ähnlich milde Stimmung wie am Morgen aber viel dramatischer, wenn die Nacht hereinbricht und die letzten Sonnenstrahlen noch ein paar Sekunden über den Wolken verweilen, bevor der Tag zu Ende geht. Das Blau scheint direkt vom Meer zu kommen, mit einem schwachen Duft nach Sommertag wie die Erinnerung gelebter Stunden.

Teppich-Matrosen aus dem Fachhandel

Neulich nachts musste ich mal und machte mich auf dem Weg ins Badezimmer.

„Komisches Geräusch.“ denke ich und öffne die Tür, um Sekunden später plötzlich hellwach und völlig durchnässt vor einer großen Frage zu stehen.

„Was zum Neptun ist hier los?!“

Wir haben einen Wasserrohrbruch und das eiskalte Wasser schwappt schon in den Flur. Ich wecke den Mann, der dreht das Wasser ab, setzt sich die Kopflampe auf und sucht Werkzeug im Schuppen. Ich wische derweil eimerweise Wasser auf. Am nächsten Morgen kommt ein befreundeter Installateur und bringt uns Abklemmschrauben, die neuen Leitungen kommen tags drauf von Amazon.

Nachdem alles getrocknet ist, ist klar, der Linoleumboden muss erneuert werden. Wir fahren also am Wochenende nach Inverness zum Fachbetrieb für Bodenbeläge und finden schnell, was wir suchen. Weil ich mir nicht sicher bin, ob die Rolle in den kleinen Panda passt, frage ich vorsichtshalber nach, ob sie auch liefern?

„Klar.“ sagt der Verkäufer und stellt eine kleine Frage, die bei mir große Wirkung erzielt.

By boat?

Boote

Ich sehe ihn vor mir, den schwimmenden Teppich Händler, das stolze, weiße, Boot, das majestätisch in den Meeresarm vor unserem Haus gleitet. Die Möwen rufen und der Mann rudert hinaus durch türkisblaue Wellen und lädt kostbare Seidenteppiche und duftendes Echtholzparkett in sein Boot. Teppich-Matrosen winken mir von Deck aus zu. Ich stehe an der Mole, den Wind im Haar und die Kreditkarte in der Hand.

Ja, so muss er sein, der Teppichkauf. Ob der Kapitän zum Kassieren kommt?

Mole

No, we live on the mainland. antwortet der Mann, nichtsahnend von meinem Bootsfantasien. Nein, wir leben auf dem Festland.

Puff!

Der Traum ist futsch.

„Ah gut, das macht es billiger,“ erwidert der Teppichverkäufer, der auch nicht ahnt, was ich gerade für ein Kopfkino hatte.

Natürlich liefern die Bodenbeläge per Boot nur auf die Inseln. Zu uns käme ein schnöder Transporter. Da zwänge ich mich doch lieber neben die Linoleumrolle auf den Beifahrersitz. Wenn ich das Fenster aufmache und die Augen schließe, kann ich das Meer riechen. Immerhin!

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bodenständig wandern in Schottland

Scots pines

Ich liebe ja diese Wanderbeschreibungen in denen ein (meist männlicher) Held alleine oder in Begleitung seiner treuen Hunde (selten mit Partnerin, was möglicherweise bereits Aussagekraft besitzt) die schottische Wildnis mühelos bezwingt und sich Karten deutend und Kompass schwenkend durch die Gefahren der Highlands navigiert, während er mit freundlicher Herablassung auch gerne den weniger berufenen Wanderern  zu Seite steht und sich als vertrauenerweckende Führungsperson erweist, hinter dem es sich unwissend aber sicher hertrotteln lässt.

Das ist mir zuviel Expertentum!

summer walk

Ich will einfach nur die Bewegung in der schönen Natur genießen, deshalb wandere ich in den Sommermonaten auch nie auf den ausgewiesenen Wanderrouten, folge keinem Wanderführer, lasse meine kleinen Büchlein mit den Tipps stecken, und suche auch nicht im Netz nach Wanderanleitungen, denn überall da, wo Menschen gerne von ihren Erlebnissen berichten, sind eben Menschen, die alle auch genau diese Erlebnisse haben wollen, meist ziemlich viele und dann ist es mit dem Natur genießen für mich eben nicht mehr so schön, wie ohne sie. Ich mag die Highlands am liebsten still und verlassen.

Weg in die Stille

Ich möchte auch keine Gipfel erklimmen, von denen ich dann erzählen und die ich zählen kann. Damit könnte ich mich mit anderen erfolgreichen Wanderern messen, aber das würde mir so gar keinen Spaß machen. Das ist was für Gipfelzähler, die  haben ihre Errungenschaften gut dokumentiert. Ich habe allenfalls einen Ordner für die Fotos, die ich gemacht habe. Mir geht es um die Zeit in der Natur, nicht um Kilometer, Gipfel oder andere Elemente mit deren Hilfe man sich mit anderen messen kann.

stiller Fluss

Gipfelzähler und Dosenspaghetti

Ich möchte auch nicht tosende Gebirgsbäche durchqueren oder über Felsgrate balancieren oder vor lauter Matsch auf dem Weg nicht mehr sehen, wo ich eigentlich hinlaufe. Ich möchte auch nicht wie die Fernwanderer tagelang unterwegs sein, mich in Seen waschen und Dosenspaghetti essen.

mein Weg ist mein Ziel

Ich bin ein Flachwanderer, ein Straßenwanderer, ein Alleinwanderer, der die Sonne auf dem Gesicht mag, gerne Sandwiches auf einem Stein sitzend isst und sich mit Schafen unterhält. Ich rieche an Blüten, höre den Wildgänsen beim schnattern zu oder grusle mich über Knochenfunde, die irgendein Jäger hinterlassen hat.

Ich hatte mal wieder eine Straße gefunden, die über Meilen durch die Einsamkeit führte und am Ende zu einem gut ausgebauter Feldweg wurde, 15 Kilometer Einsamkeit, nur unterbrochen von ein paar freundlich winkenden Arbeitern des Estates mit ihren Pickups. Also alles in allem überhaupt nichts, worüber man erzählen könnte. Schottland ist nämlich überall schön, nicht nur auf den Gipfeln, finde ich.

Mein Ziel, ist der Weg. 

Scottish heather

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Fleischkäse und Fleischgetränke

Der Mann glaubt zu wissen, was der deutsche Fußball braucht. nein, er ist nicht unter die Trainer gegangen und ja, natürlich braucht der deutsche Fußball nach der Corona-Sperre vor allem wieder Zuschauer in den Stadien. Ist das erst wieder erreicht, da ist sich der Mann ganz sicher, dann braucht der deutsche Fußball unbedingt „Fleischkäse und Fleischgetränke“.

Das sagt er mir so eines Morgens wenige Sekunden nachdem der Wecker geklingelt hat und ich frage mich, was in aller Welt er denn geträumt hat. Bei dem Mann bekommt das Wort „Fleischeslust“ eine gänzlich andere Dimension.

Ich habe bereits bei unserem Besuch in einem schottischen Fußballstadium vor ein paar Jahren anklingen lassen, dass der Mann die 90 Minuten kaum durchhält, ohne pie and bovril also ohne Fleischpastete und dieses schreckliche Heißgetränk, das so eine Art Mischung zwischen brauner Soße und Fleischbrühe ist. Mir wird schlecht, wenn ich nur daran denke.

Der Mann aber denkt, die armen Deutschen, die Fußball sehen müssen, ohne diese unersetzlichen Grundnahrungsmittel genießen zu können. Er findet aber auch, dass die Deutschen mit dem Fleischkäse eine gute Alternative zum pie entwickelt haben und deshalb nur noch Brovril brauchen zu ihrem Glück, Und weil der Mann ja Deutsch lernt, hat er das auch gleich übersetzt: „Fleischgetränke“ also braucht der deutsche Fußballfan. Er hält das für eine großartige Business-Idee.

Ich schüttle mich und merke an, dass der Deutsche an sich vielmehr Bier braucht, um 90 Minuten durchstehen zu können. Bier dürfen die Schotten ja nicht im Stadion, da herrscht Alkoholverbot. Das wiederum erscheint mir nur schwer aushaltbar angesichts einiger Spiele, die ich gesehen habe, allerdings im alkoholsicheren Wohnzimmer und nicht im fleischlastigen Stadion.

Ich lasse den Mann an seiner Geschäftsidee feilen und beschäftige mich mit der Wasserkochernäheren Zukunft. Am Sonntag ist das Champions League Finale. Ich werde Chips und Bier für mich bereitstellen. Der Mann bekommt Burger mit Chips und wenn er will, dann werfe ich auch den Wasserkocher an und löse ihm einen Brühwürfel auf. Da kann er sich sogar aussuchen, ob er Rind, Huhn oder Schwein haben will. Ich kann nämlich Fleischgetränke mit verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Fleischgetränke

Prost!

 

 

Krimi beim Hafenmeister

Erinnert ihr euch noch wie es war vor der Corona Krise? Als man sich Abends erzählen konnte, welche Menschen man den Tag über getroffen hat? Hier kommt eine Geschichte aus dem Januar. Vielleicht war es auch Anfang Februar. Egal. Jedenfalls war derMann war beim Hafenmeister gewesen.

Hafen Schottland

Das klingt zunächst nicht sonderlich aufregend aber das täuscht. Es passieren nämlich immer wieder sehr aufregende Dinge in den Highlands, aufregende und gruslige Dinge.

Das Ambiente ist allerdings weniger gruslig, eher männergemütlich. Von großen Katastrophen bis zu kleinen Alltäglichkeiten es wird alles diskutiert beim Hafenmeister. Man bringt entweder Kaffee Pulver oder Teebeutel mit und natürlich Kekse, keiner schnorrt sich hier durch, aber alle setzen sich im Hinterzimmer des Hafenmeisters zum Austausch zusammen. Das, was Frauen eher im Café machen, mit mehr Ambiente aber nicht unbedingt mit mehr Wissen.  Erstaunlich, was für Geschichten die Runde beim Hafenmeister machen.

Kaffetasse Schottland

Aufsehen erregend war das Verschwinden eines Mannes (so wird erzählt) nach einer Beerdigung, in reichlich angesäuseltem Zustand versucht haben soll, wieder nach Hause zu kommen. Ein Stück weit hat man ihn wohl mitgenommen, dann bleibt sein weiterer Weg unklar. Er wurde von auf Felsen im Meer gefunden. Allerdings eine gute halbe Stunde entfernt von dem Ort, an dem ihn seine Mitfahrgelegenheit abgesetzt hatte. Klingt nicht nur wie ein Krimi, es ist einer. Die Geschichte ist wahr.

Winer Meer Schottland

Derart tragische Geschichten hört man zuerst beim Hafenmeister, der weiß schließlich, was die Rettungsboote machen. Natürlich gibt es nicht jeden Tag solche Geschichten zu erzählen. Meist ist es das Wetter, über das geredet wird, aber das hat auf See natürlich auch eine ganz andere Bedeutung als an Land. Stürme können Leben kosten. Das Gespräch wird mal auf Gälisch mal auf Schottisch geführt, entspannt und informiert. Die Männer sitzen beisammen und wärmen sich die Füße, die im Winter in ihren Gummistiefeln schnell kalt werden. Es wird in die Teetassen gebrummt und gelacht. Und gelegentlich greift eine von harter Arbeit gezeichnete Hand in die Kekspackung.

Möwe

Draußen schlägt Regen an die Fenster die Boote schaukeln im Wind. Drinnen tropfen regennassen Schutzjacken kleine Pfützen auf den Boden. Der Mann leert seine Kaffeetasse und verabschiedet sich. Das IT Problem des Hafenmeisters hat er schnell gelöst. Den Rest wird er mir am Abend auf Skype erzählen.

Schottischer Spitzen-Sommelier

Ich bin in einer Weingegend aufgewachsen, in der sehr gute weiße und akzeptable Rotweine angebaut werden.

Frankreich ist nah und damit noch mehr qualitativ hochwertiger Wein.

Wir sind hier, wie der alte Werbespruch so wahr sagt, von der Sonne verwöhnt.  Und natürlich vom Wein.

 

Der Mann ist in Glasgow aufgewachsen. Per se eher kein Weinanbaugebiet, zu seiner Zeit galt die Liebfrauenmilch als edles Getränk und Buckfast, der ultrasüße Likeurwein, als akzeptable Alternative zur Abendbelustigung.

Wir kommen also von einem recht unterschiedlichen Hintergrund und das zeigt sich ganz eindeutig, wenn es ums Wein kaufen geht. Wenn ich in Schottland Wein einkaufe, dann durchforste ich das Angebot nach italienischem Pinot Grigio oder französischem Roten was nicht ganz so leicht ist, denn das Standardangebot in den Regalen kommt aus Chile, Australien oder Neuseeland. Während ich also mit einem Ländersystem arbeite, pflegt der Mann ganz andere Standards, er differenziert nach Alkoholgehalt.

I had to lower my standards. sagt er mir letzte Woche auf Skype. Er war einkaufen und wie das so ist in Zeiten von Corona, hat nicht nur für sich sondern beim Großeinkauf auch für andere mit eingekauft. Man hatte ihn gebeten, eine Flasche Rosé mitzubringen. Eine Flasche? Meine innere Frage während ich ihm zuhöre wie er erklärt, dass es im Aldi in Inverness nur 12,5%igen Rosé gab. Ich kaufe eigentlich nie nur eine Flasche. Noch schaue ich auf die Etikett-Rückseite. Ich genieße Rosé an sonnigen Frühsommerabenden mit Eis auf der Terrasse. Mein Eis hat dabei 100% Frostgehalt. Dem schottische Weinkenner aber fehlen 0,5% zum Weinglück.

Du bist mir ein Sommelier! sage ich und lache.

Sommelier? fragt er und lacht noch mehr.

In Glasgow we call them winies.

Mütter und Söhne

Wenn man die kleine A938 Richtung Osten fährt, dann kommt man ganz im Süden von Inverness-shire irgendwann einmal nach Duthil. Man könnte es aber auch einfach völlig verpassen, denn mehr als ein paar Häuser sind es nicht, was man aber ganz und gar nicht verpassen sollte, das sind die beiden Seafield Mausoleen. Auch wenn sie verschlossen und nicht zugänglich sind. Sie sind beeindruckend, etwas gruselig und irgendwie genau so, wie sich das leidenschaftliche Leser der Shelleys oder Edgar Allan Poe immer vorgestellt haben: grau, gotisch und gruselig.

Wer waren diese Seafields, die hier bestattet wurden und warum bauten sie gleich zwei fast identischen Mausoleen nebeneinander?

Die Lairds of Grant waren die Chiefs des Clan Grant, es gelang ihnen, das Earldom of Seafield und die ausgedehnten Gebiete der Ogilvies, Earls of Findlater und Seafield zu erobern. Das Wappen der Ogilvie Grants und Earls of Seafield befindet sich auf dem Mausoleum, das am nächsten an der Kirche von Duthil liegt, nicht jedoch auf dem zweiten.

Das Symbol des Clan Grant ist die lange und uralte schottische Kiefer, einige ragen hoch hinter den Mausoleen empor. Die Kirche steht hier seit dem 17. Jahrhundert, aber die erste Kirche in Duthil stammt aus dem Jahr 1400. Das Clan Grant Center bietet Informationen und Hilfe hauptsächlich für Clanmitglieder aus der ganzen Welt, viele Grants aus Amerika oder Kanada suchen in Schottland nach ihren Ursprüngen. Das Clan Grant Center ist eine der Anlaufstellen für Namenstouristen aus Übersee.

Die Geschichte der Seafield Mausoleen ist tragisch, in ihrem Zentrum stehen Mütter und ihre Söhne, es geht um Trauer und individuellen Verlust, über das Weiterleben und den Versuch, damit fertig zu werden.

Die Grants bauten im 19. Jahrhundert das erste Mausoleum, das mit dem Familienwappen. Mary Ann Dunn, die Frau des 6. Earl of Seafield, starb 1840 im Alter von 45 Jahren. Sie sollte die erste sein, die im neuen Familienmausoleum beigesetzt wird. Sie hatte geheiratet, als sie erst 16 Jahre alt war, und dem Earl sechs Söhne und eine Tochter geboren. Der erste Sohn war in sehr jungen Jahren gestorben, der zweite, wurde dann Erbe und trug damit den Titel Master of Grant. Sein Name war Francis William, er war Kirchenältester und Abgeordneter im Parlament in Inverness.

Als seine Mutter starb, machte er sich auf den Weg nach Cullen House. Francis William war in London gewesen und kehrte nun gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder John Charles nach Hause zurück. Er fühlte sich nicht gut und ging ins Bett. Francis William Grant wurde am nächsten Tag tot in seinem Bett aufgefunden. Er war nur 25 Jahre alt geworden.

Der Sohn stand bei der Beerdigung nicht am Grab seiner Mutter, er wurde mit seiner Mutter beigesetzt, in dem Mausoleum, das die Familie frisch gebaut hatte. Nicht ein Tod wurde von der Familie betrauert, sondern zwei. Der Schmerz der Angehörigen muss immens gewesen sein.

Die Beerdigung war groß und machte einen ebenso großen Eindruck, nicht nur regional. Die Zeitungen berichteten über die Tragödie, die Arbeit in der Gegend ruhte, die Kirchenglocken läuteten und der Trauerzug war fast eine Meile lang. Der Kutsche mit der Leiche von Lady Grant war schwarz dekoriert, die ihres Sohnes ganz weiß. Es war Frühling 1840 und das Mausoleum war neu und leer. Jetzt nahm es gleich zwei Leichen auf einmal auf. Es sollten noch mehr kommen.

Der trauernde Vater und Ehemann heiratete drei Jahre nach der doppelten Beerdigung erneut, bekam aber keine Kinder mehr. Seine zweite Frau ging nach seinem Tod zwei weitere Ehen ein. Und John Charles trat die Nachfolge seines Vaters als 7. Earl of Seafield an.

Die Frau von John Charles beschloss ein paar Jahre darauf, die letzte Seafield zu sein, die in dem Mausoleum ruhen würde. Es war Herbst 1911 und Caroline Stuart, die Witwe des Earls führte die Geschäfte. Sie hatte dieses Recht von ihrem Sohn, dem 8. Earl of Seafield, geerbt, der vor ihr gestorben war. Er war der einzige Sohn des Paares gewesen.

Die Frau und die Mutter des Earls war die Letzte, die sich im Familienmausoleum bestatten ließ. Für die kommenden Generationen ließ sie ein neues bauen, das aber genauso aussah, wie das, in dem sie bestattet werden wollte. Mit ihr würde eine Linie zu Ende gehen.

Die Beerdigung der Witwe von Seafield war ein düsteres Ereignis, der Geistliche hielt die Ansprache im Mausoleum selbst, die Menschen standen im Friedhof und hörten zu. Dann trat Duncan MacDonald aus dem Schatten der Bäume. Er war der Dudelsackspieler der Mackintoshs und er verabschiedete Lady Caroline Stuart mit all den Ehren, die einer Gutsherrin ihrer Klasse zustand. Er spielte The Lament for the Only Son, die Klage um den einzigen Sohn.

Dann wurden die Türen des Mausoleums für immer verschlossen.

 

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