Mord und Handwerker: Ein schottisches Drama

Mordgedanken und Aperol

Es gibt Tage, da meint es das Schicksal gut mit einem. Und dann gibt es Tage wie diesen. Ich hatte beschlossen, einen Krimiplot zu durchdenken – und dazu brauche ich Bewegung. Still sitzen ist nichts für kreative Verbrechen. Agatha Christie ist angeblich auch immer durch Devon marschiert, während sie über ihre Mörder nachdachte. Ich aber lebe nicht in Devon. Ich lebe in den Highlands. Und da ist es mit dem entspannten Spazierengehen so eine Sache.

Denn hier heißt „ein bisschen wandern“: auf Ziegenpfaden balancieren, durch knöcheltiefen Matsch stapfen und gleichzeitig versuchen, nicht über einen der unzähligen Steine zu stürzen, die sich einem wie bockige Ponys in den Weg legen. Krimiplots entwickeln? Ja, klar – wenn man nebenbei auch noch jonglieren kann. Ich also beschließe, auf einer Teerstraße zu laufen. Geradeaus. Flach. Und vor allem mit wenig Verkehr. Was in der Touristensaison ungefähr so wahrscheinlich ist wie ein einsamer Strand in den Sommerferien.

Aber ich bin motiviert. Die Sonne scheint! Es ist April – normalerweise bedeutet das: vier Jahreszeiten pro Stunde. Doch heute: strahlender Himmel, 14 Grad, und sogar die Schafe sehen zufrieden aus. Ich schwinge mich also ins Auto, bereit für frische Luft, Mordgedanken und ein bisschen literarische Selbstfindung.

Dummerweise fahre ich genau in die einzige Ecke Schottlands, über der sich eine riesige, dunkelgraue Regenwolke ausbreitet. Natürlich. Wo sonst. Ich fluche leise, parke trotzdem und ziehe die Kapuze über den Kopf. Man kann auch bei trübem Wetter kreativ sein. Sagt man.

Ich stapfe also los, ganz bei mir und meinen Gedanken. Doch da pingt es. Der Mann. Heute in Inverness. Sollte bei Lidl Aperol kaufen – Vorrat für das Wochenende. Stattdessen schreibt er: „Wo steht denn der Aperol? Ich find den nicht.“

Ich überlege kurz, ob ich zurückschreibe: „Neben dem Klopapier, gleich hinterm griechischen Joghurt.“ Aber dann reiße ich mich zusammen. Ich tippe zurück: „Da, wo der Gin steht.“ Keine zehn Sekunden später: „Hab ihn!“ Zufriedener Mann, gesichertes Wochenende. Ich nicke still. So viel zur Konzentration.

Kaum habe ich mich wieder auf meinen Mörder konzentriert – der in meinem Kopf so vielversprechend war –, da pingt es erneut. Meine Chefin. „Darf ich dich kurz stören? Nichts Dramatisches, aber es hat eine Veränderung gegeben.“ Und zack, statt Krimi: Kopfkino. Kündigungswelle? Umstrukturierung? Muss ich doch zurück zur Konferenzplanung?

Ich antworte: „Bin erreichbar.“ Was bleibt mir auch anderes übrig. Weiter geht’s.

Zehn Meter weiter: ping. Fiverr-App. Meine Designerin. Das Cover sei fertig, ob ich bitte direkt schauen könne. Natürlich. Ich. Jetzt. Im Nieselregen. Auf einem schottischen Wanderweg mit schlechter Netzabdeckung.

Ich nehme mir vor, jetzt aber wirklich den Mörder weiterzudenken. Doch da – beginnt der zweite Akt: die Handwerkerpanik.

Wenn Handwerker zu Krimifiguren werden

Ich hatte mit meiner Schwester in Deutschland abgesprochen, dass ich mich um einen Handwerker für unsere Eltern kümmere. Sie hat ohnehin schon genug zu tun, wenn ich weg bin, also übernehme ich. Sie hatte eine Empfehlung von einer Kollegin, ich hatte den Herrn kontaktiert – wir waren per WhatsApp in Kontakt.

Er war etwas zögerlich, wegen der Entfernung. Aber ja, er würde es gegen Anfahrtskosten machen. Ich bitte ihn um einen Terminvorschlag. Eine Woche vergeht. Nichts. Ich frage nochmal – wieder nichts. Also beschließe ich an einem Sonntag, einfach ein anderes Unternehmen zu kontaktieren. Mail an die Infoadresse, und siehe da: Montagmorgen um zehn der Rückruf.

Er will’s sich anschauen. Ich erkläre ihm alles. Biete an, den Termin mit meinen Eltern abzustimmen. Aber nein, über drei Ecken sei das zu kompliziert. Ich soll ihm die Nummer der Eltern geben. Gut, mache ich.

Am Abend: „Habe niemanden erreicht. Ist die Nummer korrekt?“ Ich prüfe. Natürlich. Ich rufe meine Eltern an: „Alles gut bei euch?“„Ja, alles fein.“

Ich sage ihm, er soll’s einfach nochmal probieren oder spontan vorbeischauen. Tut er. Nur: Meine Eltern sind beim Arzt. Also klingelt er bei der Nachbarin.

Und das war der Fehler. Denn sie informiert sofort die gesamte Nachbarschaft, alle Verwandten und vermutlich auch die lokale Zeitung. „Ein Handwerker! Und keiner wusste davon!“

Ich bekomme pings von allen Seiten. Meine Schwester: „Wie heißt der nochmal?“
Ich: „Wieso?“
Klingeling: Meine Mutter. „Da war ein Handwerker, und keiner hat uns was gesagt!“

Ich atme tief durch. Warum die Nachbarin eigentlich wissen sollte, dass meine Eltern einen Handwerker bekommen, bleibt mir ein Rätsel.

Ich schicke also nochmal allen den Kontakt. Bitte die Mutter, sich direkt bei ihm zu melden. Dann erkläre ich meiner Schwester alles noch mal von vorne.

Mein Krimiplot? Liegt inzwischen reglos im Moor. Ich bin entweder kurz davor, einen Handwerker umzubringen – oder ich schreibe meinen nächsten Mord in ein Funkloch.

Hauptsache, keiner kann mich erreichen.

Highland Crime – DI Robert Campbell Band 5 | In der Kälte der Nacht

Am 1. August erscheint der fünfte Band meiner Highland-Crime-Reihe um DI Robert Campbell: In der Kälte der Nacht.

Ich freue mich riesig, diese Geschichte endlich mit euch teilen zu können. Viele Monate Recherche, unzählige Stunden am Schreibtisch und ebenso viele Stunden in den schottischen Highlands liegen hinter diesem Roman.

Ab morgen ist In der Kälte der Nacht als Taschenbuch und eBook bei Amazon erhältlich.

Hier geht’s zum eBook.

Was In der Kälte der Nacht so besonders macht

Jeder Band der Highland-Crime-Reihe erzählt einen eigenen Fall. Trotzdem entwickeln sich die Figuren und ihre Beziehungen von Buch zu Buch weiter.

In der Kälte der Nacht fühlt sich für mich anders an als die vorherigen Bände. Nicht lauter, nicht blutiger, sondern intensiver.

Zum ersten Mal spielt die Handlung vollständig im November. Wer die Highlands kennt, weiß, wie schnell das Wetter dort alles verändern kann. Sturm, Schnee und Dunkelheit sind diesmal nicht nur Kulisse, sondern bestimmen die Ermittlungen. Straßen werden unpassierbar, Hilfe kommt nicht rechtzeitig, Entscheidungen müssen unter enormem Druck getroffen werden.

Genau das macht diesen Fall so besonders.

Ein Locked-in-Mystery in den schottischen Highlands

Ich liebe Geschichten, in denen Menschen nicht einfach verschwinden können.

Ein abgelegener Ort, ein kleiner Kreis von Menschen und das Gefühl, dass jeder etwas verbirgt. Daraus entwickelt sich ein klassisches Locked-in-Mystery, das mit Erwartungen spielt und immer wieder neue Wendungen nimmt.

Nicht alles ist so, wie es zunächst scheint.

Isabel Hartmann und DI Robert Campbell ermitteln wieder gemeinsam

Natürlich begleiten euch auch diesmal wieder Isabel Hartmann und DI Robert Campbell.

Nach vier gemeinsamen Fällen kennen sie sich besser denn je. Doch gerade das macht ihre Zusammenarbeit nicht einfacher. Vertrauen entsteht langsam und kann in einem einzigen Moment erschüttert werden.

Auch Dr. Janne Asikainen ist wieder mit dabei. Viele von euch haben mir geschrieben, dass der finnische Rechtsmediziner inzwischen zu euren Lieblingsfiguren gehört. Ich glaube, ihr werdet auch diesmal nicht enttäuscht sein.

Mehr verrate ich an dieser Stelle lieber nicht.

Originalschauplätze in den schottischen Highlands

Loch Cluanie, Glen Shiel und die winterlichen Highlands gehören zu den Landschaften, die mich seit vielen Jahren begleiten und inspirieren.

Viele Schauplätze des Romans beruhen auf Orten, an denen ich selbst unterwegs war. Mir ist wichtig, dass sich die Landschaft nicht wie eine Kulisse anfühlt, sondern wie ein Teil der Geschichte.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum mir so viele Leser schreiben, dass sie beim Lesen das Gefühl haben, selbst durch die Highlands zu fahren.

Danke, dass ihr Highland Crime begleitet

Dass wir inzwischen beim fünften Band angekommen sind, hätte ich zu Beginn der Reihe niemals erwartet.

Viele von euch begleiten Isabel Hartmann und DI Robert Campbell bereits seit Schatten über Skiary. Ihr rätselt mit, fiebert mit und schreibt mir nach jedem Band eure Gedanken und Theorien. Dafür möchte ich euch von Herzen danken. Eure Nachrichten und eure Begeisterung bedeuten mir unglaublich viel.

Ab morgen, dem 1. August, ist In der Kälte der Nacht als Taschenbuch und eBook bei Amazon erhältlich.

Ich wünsche euch viele spannende Lesestunden und freue mich schon jetzt auf eure Rückmeldungen.

Herzliche Grüße

Nellie Merthe Erkenbach

Zwischen Mikrophon und Manuskript

Mein Ringen mit dem geschriebenen Wort

Vom gesprochenen zum geschriebenen Wort

Seit über zwanzig Jahren lebe ich vom gesprochenen Wort. Ich schreibe fürs Hören – für Radio und Fernsehen. Für Formate, in denen das Timing wichtiger ist als das Komma. Wo der Klang zählt, nicht die Orthografie. Wo aus einem schnell hingeworfenen Satz ein lebendiges Gespräch wird. Und wo ein fehlendes Wort niemanden stört, solange der Tonfall stimmt.

Das gesprochene Wort ist mein Zuhause. Es ist spontan, lebendig und flexibel. Fehler? Geschenkt. Improvisation? Alltag.

Schreiben mit dem Rotstift im Nacken

Wenn ich heute an meinen Büchern arbeite, merke ich, wie sehr sich das unterscheidet. Plötzlich zählt jedes Zeichen. Plötzlich kann ich nicht mehr einfach „drüber weg sprechen“. Das geschriebene Wort ist nicht kulant. Es bleibt da – schwarz auf weiß – und schaut mich an, als wollte es sagen: „Du kannst das besser.“

Und ich? Ich fluche, feile, verwerfe. Ich lese laut. Ich schleife. Ich beginne von vorn.

Ohne Testleser wäre ich verloren

Was mich rettet? Meine Testleserinnen und Testleser. Ohne sie würde ich mich heillos verirren im Dickicht der Buchstaben. Sie sind mein Korrektiv. Mein Resonanzraum. Mein „Stopp, das geht so nicht!“. Sie holen das Beste aus mir heraus – und aus meinen Texten.

Die leise Kraft des geschriebenen Wortes

Und je länger ich mich auf diesen Prozess einlasse, desto mehr wächst mein Respekt. Das geschriebene Wort ist nicht einfach nur „nicht gesprochen“. Es ist etwas Eigenes. Es verlangt Hingabe – aber es schenkt auch etwas: Tiefe. Dauer. Präsenz.

Vielleicht sind wir noch keine alten Freundinnen, das geschriebene Wort und ich. Aber wir nähern uns an. Tag für Tag. Buchstabe für Buchstabe.

Abenteuer Highlands 4: Geschichten aus Schottland

„Abenteuer Highlands 4“ ist da – Schottland-Happen für Fortgeschrittene


Ein neues Kapitel Highland-Leben – mit Ottern, Pannen, Pointen und stillen Momenten. „Abenteuer Highlands 4 – Schottland-Happen für Fortgeschrittene“ ist ab sofort als eBook und Taschenbuch erhältlich!


Wer schon einmal versucht hat, mit einem deutschen Navi über eine schottische einspurige Straße zu fahren, weiß: Das Leben in den Highlands ist nichts für Anfänger.

In „Abenteuer Highlands 4 – Schottland-Happen für Fortgeschrittene“ erzähle ich Geschichten von dort, wo die Landschaft atemberaubend, das WLAN fragil und das Wetter ein Charakter in sich ist. Es geht um verlorene Schlüssel, widerspenstige Technik, eine Ziege mit tragischer Geschichte – und um all die kleinen und großen Missgeschicke, die mich in Schottland begleiten.

Aber zwischen all dem Lachen, dem Kopfschütteln und der schrägen Situationskomik gibt es auch leise Töne. Momente, die nachdenklich machen. Über das Zusammenleben mit Mensch und Tier, über Verantwortung, Hilfsbereitschaft – und über das, was wirklich zählt.

📖 Das Buch ist jetzt erhältlich – als eBook und Taschenbuch:
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Ob du Schottland-Fan bist, selbst mal ausgewandert bist oder einfach gern lachst – in diesem Band findest du skurrile Beobachtungen, ehrliche Gefühle und ganz viel Highland-Flair.


Die Magie der Fahrt nach Sabhal Mòr Ostaig

Die Fahrt nach Sabhal Mòr Ostaig ist für mich fast genauso wichtig wie der Kurs selbst. Eine knappe Stunde dauert es, von meinem Zuhause bis zur Hochschule für Gälisch auf Skye zu fahren, aber die Zeit vergeht wie im Flug. Die Straßen winden sich durch die atemberaubende Landschaft der Highlands, vorbei an glitzernden Lochs und kargen Bergen, die in der Dämmerung fast unwirklich erscheinen. Ich fahre absichtlich immer etwas früher los, damit ich vor dem Kurs noch im Auto sitzen und aufs Meer hinausblicken kann. Es gibt nichts Besseres, um den Kopf frei zu bekommen.

Gestern war einer dieser besonderen Tage. Der Himmel war den ganzen Nachmittag über klar gewesen, und als die Sonne langsam unterging, brannte der Horizont in warmem Gold und tiefem Orange. Wir hatten uns gerade in dem kleinen Café versammelt, in dem unser Kurs stattfindet, als einer von uns aus dem Fenster schaute und abrupt verstummte. „Seht euch das an!“ Keine Sekunde später sprangen wir alle auf, ließen unsere Teetassen stehen und rannten hinaus. Mit gezückten Handys und Kameras standen wir auf dem Parkplatz und hielten diesen magischen Moment fest. Das Meer lag still da, als wolle es den Himmel spiegeln, und die Silhouetten der Berge zeichneten sich gestochen scharf vor dem leuchtenden Abendrot ab.

Zurück im Café, leicht fröstelnd von der kühler werdenden Luft, setzte sich die lockere Runde fort. Der Gälisch-Kurs – ein sogenannter „Srupag“ (gälisch: Srùpag, ausgesprochen sruu-pak), ein geselliger Treff mit Gesprächen auf Gälisch – besteht aus einer bunten Mischung von Menschen. Das Wort bedeutet eigentlich eine kleine Tasse Tee oder Kaffee und steht sinnbildlich für eine entspannte Runde, in der man miteinander plaudert. Einige sind fest entschlossen, die Sprache fließend zu beherrschen, andere wollen einfach nur ein wenig plaudern und die Klangmelodie der Sprache aufsaugen. Ich bin irgendwo dazwischen. Als ich das erste Mal erwähnte, dass ich Autorin bin, gab es neugierige Blicke und ein paar bewundernde „Oh“s. Die Reaktionen reichen von ehrlichem Interesse bis zu scherzhaften Kommentaren wie: „Schreibst du dann auch auf Gälisch?“ oder „Gibt es Morde in deinen Büchern? Hoffentlich nicht hier in Sabhal Mòr!“

Natürlich morde ich auch im College! In Band 2 meiner Reihe, Nightfall on Skye, gibt es ein Verbrechen direkt dort, und das sorgte prompt für neue Diskussionen. Eine der Teilnehmerinnen hatte mein Buch sogar im Auto liegen! Als sie es kurzerhand hereingebracht und stolz herumgezeigt hat, hätte ich beinahe vor Freude gequiekt. Es war einer dieser Momente, in denen ich so richtig gemerkt habe, dass meine Geschichten ihren Weg zu den Menschen finden.

Es ist eine besondere Gemeinschaft, die sich hier trifft – Menschen, die ihre Liebe zur gälischen Sprache teilen und dabei Geschichten austauschen, die oft genauso faszinierend sind wie die Landschaft um uns herum. Nach dem gestrigen Sonnenuntergang und dem spontanen Foto-Shooting war der Kurs gefühlt noch lebendiger als sonst. Vielleicht, weil wir uns alle bewusst waren, wie kostbar diese kleinen Momente sind, in denen die Welt stillzustehen scheint und sich die schottischen Highlands von ihrer spektakulärsten Seite zeigen.

Entdeckung der Gezeiteninseln: Lindisfarne und seine Geheimnisse

Lindisfarne, Northumbria

Gezeiteninseln – ein harmloser Begriff für eine potenzielle Todesfalle, wenn man nicht aufpasst. Also, für alle, die sich nicht täglich mit maritimen Begriffen befassen: Eine Gezeiteninsel ist eine Insel, die bei Ebbe mit dem Festland verbunden ist und bei Flut plötzlich – schwupps – wieder im Meer verschwindet. Klingt spannend, oder? Oder eher gruselig. Denn genau das ist mein Problem mit diesen Inseln.

Mir fallen sofort all die Horrorgeschichten von Kollegen ein, die sich nur knapp vor der Flut auf der Passage du Gois in Frankreich retten konnten. Die Passage du Gois verbindet das französische Festland mit der Île de Noirmoutier und ist nur bei Ebbe befahrbar. Das Problem? Die Straße verschwindet bei Flut vollständig unter Wasser – und das schneller, als man denkt. Es gibt genug Berichte von Autos, die mitten auf der Strecke einfach stehen bleiben und dann von der aufkommenden Flut eingeschlossen werden. Keine schöne Vorstellung! Es gibt sogar Rettungstürme, auf die sich Fußgänger retten können, falls sie sich mit der Zeit verschätzt haben.

Ich erinnere mich auch vage an einen Urlaub in Irland, gefühlt vor 200 Jahren, als wir eine Gezeiteninsel besucht haben, deren Name mir partout nicht mehr einfallen will. Aber was ich noch weiß: Wir sind rübergefahren – nicht gelaufen – und haben unterwegs die letzten Spaziergänger eingesammelt, während das Wasser langsam, aber bedrohlich zurückkam. Gruselig.

Lindisfarne – Die heilige Insel

Nun also Lindisfarne. Der Mann ist tapfer und organisiert. Er checkt die Gezeitenliste. Ich hätte sie garantiert wieder falsch gelesen und wäre auf der Insel geblieben – mit einem langsam versinkenden Auto und einer panischen Sprachnachricht an die Küstenwache. Aber dank des Mannes wissen wir: Um 8:15 Uhr können wir rüber, müssen aber spätestens um 13:15 Uhr zurück. Sonst ist es vorbei mit dem trockenen Heimweg.

Dementsprechend angespannt beginnen wir unsere Reise und stehen früh morgens um 8:15 Uhr tatsächlich am Causeway, der die Insel mit dem Festland verbindet. Noch liegt ein bisschen Wasser auf der Straße – nur Pfützen, aber für mich natürlich das ultimative Katastrophensignal. Der Mann fährt gelassen los, während ich aufgeregt filme und innerlich feiere, dass ich diese tödliche Überquerung überlebt habe. Natürlich nur dank des Mannes.

Ein Friedhof mit Geschichte

Kaum angekommen, erwartet uns direkt das nächste Abenteuer: der Parkplatz. Ich zahle für vier Stunden, länger geht nicht, wegen der Flut. Dass alle außerhalb des Dorfes parken sollen ist verständlich, schließlich werden die armen Insulaner der Holy Isle von Touristen überrannt. Da will man sie nicht auch noch mit parkenden Autos im Dorf belästigen. Außerdem ist die Heilige Insel so klein, dass man wirklich alles zu Fuß machen kann.

Und wo führt unser erster Weg hin? Natürlich auf den Friedhof der Abtei. Für mich nichts Ungewöhnliches, und auch für den Mann ein bekanntes Spiel. Hat hat sich über die Jahre mit meiner Friedhofsbegeisterung arrangiert.

Der Friedhof ist schön – wenn auch leider so touristisch, dass man gezwungen wird, auf den vorgegebenen Wegen zu bleiben. Kein freies Herumstreifen. Die Abtei selbst ist noch geschlossen. Sie scheint sich nicht groß für die Gezeiten oder unsere Besuchszeiten zu interessieren. Aber vom Tor aus sieht man eigentlich alles, was man sehen will.

Lindisfarne, auch als Holy Island bekannt, ist einer der wichtigsten spirituellen Orte Englands. Die Abtei wurde im Jahr 635 von dem irischen Mönch Aidan gegründet, der von Iona aus kam, um das Christentum in Northumbria zu verbreiten. Die Insel wurde zu einem der bedeutendsten Klöster der angelsächsischen Welt und brachte eine der berühmtesten mittelalterlichen Handschriften hervor: die Lindisfarne-Evangelien. Doch die Idylle hielt nicht lange. Im Jahr 793 wurde die Abtei Ziel eines der ersten dokumentierten Wikingerräuberzüge. Die plündernden Nordmänner metzelten die Mönche nieder, raubten Schätze und machten damit den Auftakt zur Wikingerzeit in England.

Trotz aller Zerstörung wurde das Kloster mehrfach wieder aufgebaut, bevor es schließlich im Zuge der Auflösung der Klöster durch Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert endgültig verfiel. Heute sind die Ruinen ein beeindruckendes Zeugnis dieser bewegten Geschichte – und der perfekte Ort für ein bisschen Friedhofsromantik. Also tauchen wir ein in die Geschichte von Lindisfarne und lassen den mystischen Zauber der Insel auf uns wirken.

Das Gefängnis am Meer – Ein Besuch in Peterhead Prison

Schottland ist ein Land mit einer dunklen und faszinierenden Kriminalgeschichte. Ich war an der Ostküste und habe mir eines der bekanntesten und berüchtigtsten Gefängnisse des Landes angesehen: das Peterhead Prison, oft als Scotland’s Alcatraz oder Scotland’s Gulag bezeichnet. Teil meiner Recherche für das neue Buch in der Highland Crime Serie.

Ein Ort voller Geschichten

Das Gefängnis liegt direkt an der Küste von Peterhead, einer Stadt mit langer Seefahrtsgeschichte. Ursprünglich wurde es gebaut, um billige Arbeitskräfte für den nahegelegenen Admiralty Yard zu haben, ein strategischer Stützpunkt der Royal Navy. Die Häftlinge wurden jedoch nicht – wie oft angenommen – für den Hafenbau eingesetzt, sondern ausschließlich für Zwangsarbeit im Steinbruch.

Zwischen 1890 und 1956 wurde das Gefängnis gebaut, doch durch Kriege und die Weltwirtschaftskrise zog sich die Fertigstellung über Jahrzehnte hin. Es war das einzige schottische Convict Prison, ein Hochsicherheitsgefängnis für die härtesten Fälle, und es sah mehrere Aufstände, darunter den berühmten Rooftop Riot von 1987, der erst nach fünf Tagen durch das Special Air Service (SAS) beendet wurde.

Düstere Einblicke in die Vergangenheit

Schon der Rundgang durch das Gefängnis war beklemmend. Mit einem Audioguide konnte ich mich frei bewegen – eine bittere Ironie in einem Ort, der genau das den Insassen verwehrte. Die winzigen Zellen, die Gänge mit den rostigen Gittern, der kahle Innenhof mit einem aufgemalten Fußballtor – als ob das hier jemals ein echtes Spielfeld gewesen wäre. Das Wort Strafraum bekam für mich eine ganz neue Bedeutung.

Besonders bedrückend empfand ich die Außenkäfige für den Freigang. Karge, ummauerte Flächen, von Stacheldraht umgeben. Hier konnten sich die Insassen „an der frischen Luft“ bewegen – allerdings unter maximaler Kontrolle.

Ich entdeckte Zellen mit künstlichem Blut, die an vergangene Verbrechen erinnerten, sah selbstgebastelte Waffen und originale Dokumente, die die Geschichte dieses Ortes erzählten. Die Strafen waren brutal: Gefangene wurden mit einer speziellen Peitsche ausgepeitscht, die das Fleisch aufriss. Das Gerüst, an das sie dafür gebunden wurden, existiert noch immer.

Und dann stand da ein Klavier. Ein Relikt aus einer Zeit, in der Musik vielleicht die einzige Möglichkeit war, dem monotonen, erbarmungslosen Gefängnisalltag zu entfliehen. Ein surrealer Anblick zwischen all der Kälte und Gewalt.

Kein Ort zum Verweilen

Am Ende meines Rundgangs kam ich in ein modernes, gemütliches Café. Der Kontrast hätte nicht größer sein können – aber ich hatte keinerlei Lust, mich hinzusetzen, einen Kuchen zu essen oder Kaffee zu trinken.

Es war ein Gefängnis.

Ich wollte einfach nur raus.

Behind the Crime Scene Tape – Forensik hautnah erleben

Krimis ziehen uns in ihren Bann – wir raten mit, fiebern mit und versuchen, die Täter zu entlarven. Aber wie sieht die Realität hinter der gelben Absperrung wirklich aus? Granite Noir bot mit der Veranstaltung Behind the Crime Scene Tape – Interactive Forensic Science Experiment die perfekte Gelegenheit, genau das herauszufinden. Zusammen mit Kriminologie-Studierenden der Universität Aberdeen konnten wir in die Welt der Spurensicherung eintauchen – inklusive Beweisanalyse und realitätsnaher Fallbearbeitung. Das Ganze fand in den Anatomy Rooms in Aberdeen statt, einem ehemaligen Seziersaal, in dem einst Leichen obduziert wurden. Heute ist es ein kreatives Zentrum für Kunst, Vorträge und Bildungsangebote – aber die Atmosphäre hat immer noch einen leicht morbiden Charme.

Wendy Deegan – Eine Forensikerin mit Witz und Erfahrung

Unsere Gastgeberin war Wendy Deegan, eine Forensikerin mit jahrzehntelanger Erfahrung bei der Polizei. Klein, drahtig, mit grau melierten Haaren und einer Hornbrille, die sie immer wieder auf der Nase zurechtrückte. Sie hatte eine beeindruckende Präsenz – selbstbewusst, schlagfertig und mit einem trockenen Humor, der den Raum füllte. Sie war die perfekte Frau für harte Realität der Forensik jenseits der glamourösen Hollywood-Version.

Drei Dinge, die du garantiert nicht aus Krimiserien weißt

  1. Tatorte sind Teamwork – einsame Ermittler gibt es nur im Fernsehen.
    • Jeder Schritt wird dokumentiert, nichts wird dem Zufall überlassen. Und wer glaubt, er könne nachts heimlich in einen Tatort schleichen und Beweise sichern, hat zu viele Krimis gesehen.
  2. Luminol ist keine Zauberei.
    • Klar, im Fernsehen leuchtet es blau und enthüllt perfekte Blutspuren. In der Realität? Nur, wenn der Raum stockdunkel ist. Außerdem sollte man es nicht einatmen.
  3. Fingerabdrücke sind nicht immer die ultimative Spur.
    • Sie sind oft verschmiert oder unvollständig. Deshalb müssen in Schottland immer zwei Experten unabhängig voneinander Abdrücke auswerten. Ein Skandal führte zu dieser Regel – eine Polizistin wurde fälschlicherweise eines Verbrechens beschuldigt, weil ihre Abdrücke falsch interpretiert wurden.

Teste dein Forensik-Wissen – Wahr oder Falsch?

Jetzt bist du dran! Was ist Fakt, was ist Fiktion?

1. Ermittler am Tatort tragen keine Masken, weil das nicht nötig ist.

  • Wahr oder falsch?

2. Ein Fingerabdruck auf einer Bierflasche bedeutet, dass die Person am Tatort war.

  • Wahr oder falsch?

3. Blutspuren kann man mit normaler Wandfarbe einfach überstreichen.

  • Wahr oder falsch?

(Antworten am Ende des Blogposts!)

Fazit – Wenn die Realität spannender ist als Fiktion

Nach diesem Workshop sehe ich Krimis mit ganz anderen Augen. Spurensicherung ist eine Wissenschaft für sich – oft akribisch, manchmal unspektakulär, aber immer entscheidend. Was uns Serien verschweigen? Die Geduld und Präzision, die es braucht, um echte Beweise zu sichern.

Antworten:

  1. Falsch – Masken sind unerlässlich, um Beweise nicht zu kontaminieren und sich selbt nicht zu gefährden.
  2. Falsch – Der Fingerabdruck könnte schon vor Tagen oder Wochen, z.B. im Laden auf die Flasche gelangt sein.
  3. Falsch – Nur eine komplett deckende Lackfarbe kann Blutspuren wirklich unsichtbar machen.

The Blue Hour – Paula Hawkins’ Buchvorstellung

Tag 2 beim Granite Noir Crime Festival in Aberdeen

Am Abend besuche ich eine weitere Veranstaltung. Paula Hawkins betritt die Bühne mit einer ruhigen, aber bestimmten Ausstrahlung. Man merkt sofort, dass sie an solche Veranstaltungen gewöhnt ist – sie spricht klar, nimmt ihr Publikum mit und vermittelt den Eindruck, als habe sie schon unzählige Male über ihre Bücher referiert. The Girl on the Train war ihr großer Durchbruch, ein psychologischer Thriller, der weltweit über 23 Millionen Mal verkauft wurde. Der Roman, in dem eine unzuverlässige Erzählerin im Mittelpunkt steht, begeisterte Millionen und wurde 2016 mit Emily Blunt in der Hauptrolle verfilmt.

Hawkins spricht über die Verfilmung mit einer Mischung aus Stolz und Distanz. Sie hatte keinen Einfluss auf die Umsetzung, was sie bedauert. Die Verfilmung war erfolgreich, doch sie hätte sich vielleicht mehr Kontrolle gewünscht. Emily Blunt, die die Hauptrolle der Rachel Watson spielte, wurde für ihre Darstellung gelobt – eine gebrochene, verzweifelte Frau, die sich an die Bruchstücke ihres Gedächtnisses klammert. Blunts Leistung machte den Film noch intensiver, doch Hawkins selbst scheint sich mit dem Medium Film nicht allzu sehr identifizieren zu wollen.

Die Macht des unzuverlässigen Erzählers und die Faszination der Außenseiterfiguren

In der Spannungsliteratur spielt der unzuverlässige Erzähler eine zentrale Rolle, um Unsicherheit und Nervenkitzel zu erzeugen. Wenn Leserinnen und Leser nicht wissen, ob sie der Perspektive der Hauptfigur trauen können, entsteht ein Gefühl der Ungewissheit, das die Geschichte umso fesselnder macht. Diese Technik erlaubt es, Informationen bewusst zurückzuhalten oder zu verzerren, wodurch eine vielschichtige Erzählstruktur entsteht, die das Publikum herausfordert, sagt Hawkins.

Besonders Außenseiterfiguren bieten eine tiefe emotionale Dimension. Menschen, die sich am Rande der Gesellschaft bewegen, haben oft eine einzigartige Perspektive auf die Welt – eine Perspektive, die von Einsamkeit, Schmerz, aber auch unerwarteter Stärke geprägt sein kann. Ihre Isolation macht sie zu idealen Protagonisten für Geschichten, die mit psychologischer Tiefe arbeiten und existenzielle Fragen berühren.

Ein weiteres klassisches Motiv ist der Erinnerungsverlust – insbesondere das Unvermögen, sich an die Ereignisse der vergangenen Nacht zu erinnern. Dieses Element sorgt für Unbehagen und Spannung: Was ist wirklich passiert? Wem kann man trauen? Und was, wenn die größte Gefahr in einem selbst liegt? Die Unsicherheit über die eigene Wahrnehmung führt zu einem ständigen Wechselspiel zwischen Wahrheit und Täuschung.

Schande und Verletzlichkeit ziehen sich als zentrale Themen durch viele Romane, denn sie verleihen Figuren eine besondere Tiefe. Wenn Protagonisten mit ihrer Vergangenheit oder ihren eigenen Fehlern ringen, entsteht eine emotionale Bindung zum Publikum, das ihre inneren Kämpfe mitverfolgt. Diese Motive treiben nicht nur die Handlung voran, sondern machen die Geschichten authentisch und nachvollziehbar.

Durch den Einsatz wechselnder Erzählperspektiven gelingt es, dasselbe Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Dies ermöglicht nicht nur eine facettenreiche Darstellung der Handlung, sondern auch das bewusste Zurückhalten von Informationen, um Spannung zu erzeugen. So kann das Publikum nach und nach selbst die Puzzleteile zusammensetzen – oder sich von unerwarteten Wendungen überraschen lassen.

Paula Hawkins nutzt all diese Elemente meisterhaft in ihren Romanen und erschafft so packende, psychologische Thriller, die bis zur letzten Seite fesseln.

Ich frage mich, ob ich ähnliche Techniken in meiner Highland Crime Serie bereits nutze. Haben Issy und Robert genug gemeinsame Szenen? Oder sind die eine verpasste Chance für wechselnde Perspektiven? Wären mehrere Erzählperspektiven gut für den fünften Fall?

Nach der Veranstaltung denke ich darüber nach, warum ich eigentlich schreibe. Will ich Bestsellerautorin werden? Oder reicht es mir, Freude am Schreiben zu haben? Paula Hawkins ist vier Jahre jünger als ich – eine Autorin mit internationalem Erfolg. Ich bewundere ihren Weg, aber ich muss meinen eigenen finden.

Ich freue mich auf morgen – und darauf, meine Gedanken weiterzuentwickeln.

Cold Blooded Killers – Mörder ohne Reue

True Crime Fälle aus Schottlands Nordosten (1864 – 19639)

Was macht einen Mörder eiskalt? Fehlt es ihm an Reue? Ist es die absolute Berechnung, mit der er seine Tat plant und ausführt? Oder ist es die erschreckende Normalität, mit der er danach weiterlebt, als wäre nichts geschehen? Die AUSTELLUNG Cold Blooded Killers – True Crime Cases from the North East, 1864-1963 beim Granite Noir Cime Festival in Aberdeen führte mich in die tiefen Abgründe der menschlichen Psyche und zu einigen der berüchtigtsten Verbrechen Schottlands.

Der Mord an Ann Forbes (1864)

Ann Forbes lief 15 Meilen zu Fuß, um ihren Geliebten George Steven zu treffen. Statt eines romantischen Wiedersehens endete das Treffen in einem blutigen Verbrechen. Man fand Ann tot im Wald – mit einer Kopfwunde, das Gesicht nach unten gedrückt. Ein Zeuge hatte Steven mit einer Axt gesehen. Bei seiner Festnahme fand man gleich drei dieser Werkzeuge in seinem Besitz. Zunächst gestand er den Mord, doch seine Verteidigung plädierte auf geistige Unzurechnungsfähigkeit. Er wurde zwar zum Tode verurteilt, doch das Urteil nie vollstreckt. Stattdessen starb er wenige Jahre später in einer Anstalt.

Ein klassisches Beispiel eines Verbrechens aus Leidenschaft? Oder war es doch pure Berechnung?

Der Fall John Barclay Smith (1907) – Ein Mord aus Habgier

John Barclay Smith war Deserteur und suchte sich in Edinburgh ein neues Leben. Doch dann fand man ihn tot in seinem Zimmer – sein Gesicht wies schwere Verletzungen auf, aber es gab keine Anzeichen eines Kampfes. Ein anderer Deserteur wurde kurz darauf in Edinburgh mit Smiths Geld und einer Taschenuhr gefasst. Obwohl sich 7000 Menschen für seine Begnadigung einsetzten, wurde er hingerichtet.

Das Verschwinden von Betty Hadden (1945) – Ein ungelöster Fall

Betty Hadden genoss ihr Leben – bis sie spurlos verschwand. Wochen später tauchte ihr abgetrennter Unterarm auf. Doch mehr wurde nie gefunden. Ermittler experimentierten sogar mit Schweinebeinen, um herauszufinden, wo ihre Leiche ins Meer geworfen worden sein könnte. Die Nacht ihres Verschwindens war voller Schreie, die niemand deuten konnte. War es ein Mord? Ein Unfall? Niemand weiß es. Und das macht den Fall noch unheimlicher.

Fazit – Warum faszinieren uns eiskalte Morde?

Die Faszination für Cold Blooded Killers ist tief in unserer Psyche verankert. Sie sind das ultimative Gegenbild zu unseren eigenen Moralvorstellungen. Ihr Fehlen von Reue, ihr planvolles Vorgehen oder die Ungewissheit über ihre Motive machen sie so unheimlich. True-Crime-Veranstaltungen wie diese zeigen uns, dass das Grauen nicht nur in der Fiktion existiert – sondern mitten unter uns.

Die Archivarin, die spricht, ist eindeutig nicht daran gewöhnt, offiziell zu präsentieren. Nach ungefähr vierzig Minuten schnarchen die ersten Männer hinter mir. Während die einen gebannt zuhören, verlieren die anderen rasch das Interesse. Auf dem Nachhauseweg höre ich einer Gruppe Frauen zu, die sich lautstark über die Sprecherin beschweren. Sie wollten unterhalten werden, sagen sie, und sind nun enttäuscht.

Eine wertvolle Erkenntnis zur Erwartungshaltung des Publikums auf einem Crime-Festival: Es geht nicht nur um wahre Verbrechen, sondern auch um die Inszenierung. Die Faszination für Mord und Rätsel mag groß sein – doch wenn die Darbietung nicht mitreißt, verliert selbst das düsterste Kapitel der Geschichte an Reiz.