Suardalan und die Kreatur aus dem See

Suardalan bedeutet die nahrhafte Weide und so sieht Suardalan auch heute noch aus. Eine große, quadratische Weide an einem kleinen Hügel gelegen. Die alten Trockenmauern erzählen von vergangenen Tagen, vereinzelte Schafe weiden still das saftige Grün. Das Cottage ist inzwischen verlassen und wird als mountain bothy, als Berghütte, genutzt, außer in Zeiten des Corona-Virus.

Suardalain mountain bothy

Suardalan ist ein magischer und sehr idyllischer Ort, friedlich und ruhig, sieht man einmal von den Baumfällarbeiten in der Nachbarschaft ab. Im Spätsommer blüht die Heide, ihr intensives Lila überzieht die braunen Hänge, dunkle Tannen und leuchtende Birken sprenkeln Grüntöne dazwischen und an einem klaren Tag schenkt die Sonne blauen Himmel. Schottland geht fast nicht schöner.

Glen Bheag

Es gibt eine kleine Geschichte zu diesem Ort, die allgemein nicht sehr bekannt ist. Ein Mann namens John MacInnes aus der Gegend um Glenelg sah eines Tages ein schönes Pferd am Ufer des kleinen Lochs oberhalb von Suardalan. Der See trägt inzwischen seinen Namen: Loch Iain Mhic Aonghais.

Loch Iain Mhic Aonghais

Wie nun jeder Schotte weiß, ein fremdes Pferd alleine in der Einsamkeit – das kann nur ein water-horse sein, eine mythische Kreatur, ein gefährliches Pseudopferd, dem Wasser entsprungen. Vorsicht ist geboten mit Tieren wie diesem. Mr MacInnes aber ließ sich von dem übersinnlichen Gerede nicht irritieren und nahm das Pferd mit zu sich nach Hause. So ein schönes Tier einfach so in der Wildnis stehen zu lassen, schien ihm wenig sinnvoll. Ein so schönes Tier in seinem Stall zu haben, ohne dafür bezahlen zu müssen, dagegen schon.

Der weise Mann aus dem Ort, im Schottischen sage genannt, wies ihn auf die Gefahren hin aber auch darauf, dass er relativ sicher sei, solange er das Pferd mit heiligem Wasser bespritze und es nicht reite.

Offensichtlich gab John nicht viel auf die Warnung des Sage, seine Felder und sein Haus lagen weit auseinander, es schien ihm dumm, nach dem Pflügen neben dem Pferd nach Hause zu laufen anstatt es nach Hause zu reiten und so schwang er sich auf den Rücken der Kreatur und aus dem scheinbar normalen Pferd wurde wieder das gefürchtete water-horse. Mit einem Wiehern, das wie ein Schrei durch die Stille des Tals hallte, bäumte sich das Pferd auf und raste mitsamt seinem Reiter auf den See zu, wo es für immer verschwand.

Loch Iain Mhic Aonghais

John MacInnes wurde nie wieder gesehen. Seine Leiche nie gefunden. Er ertrank wohl in dem Lochan, das seinen Namen trägt.

Lust auf mehr? Dann schaut mal bei Amazon vorbei!

©nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Schottland für stille Stunden ist kein klassischer Reiseführer, hier finden sich keine Touristenziele oder Öffnungszeiten. Schottland für stille Stunden führt vielmehr an weitgehend unbekannte Orte und erzählt historische, abgründige, romantische oder lustige Geschichten durch die Jahrhunderte. Entdecken Sie die Seele anstatt der Sehenswürdigkeiten Schottlands, Tipps aus dem wahren schottischen Leben und Orte, die es möglich machen ein Land so zu erleben, wie es wirklich ist. Mit dem Reiseinspirationsbuch kann man dieses wunderbare Land vor Ort ohne Trubel ganz anders erfahren oder sich einfach zu Hause auf dem Sofa hinein träumen. Der Reiseführer in die Seele Schottlands beschreibt Schottland für Fortgeschrittene, die aufregende Geschichte, die atemberaubende Natur und die fast vergessenen Orte abseits der Touristenströme von Arthur’s Seat, Loch Ness oder Glencoe und dennoch mitten im Herzen Schottlands.

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Abenteuer Highlands Teil 2 ist da!!!

book cover

Kann eine Seele mehr als nur eine Heimat haben? Sie kann! Und wie.

Nellie Merthe Erkenbach geht in ihr zehntes Jahr Fernbeziehung mit einem Highlander – ein Leben zwischen Schwarzwald und Schottland.

Dem anfängliche Bedürfnis des entscheiden Müssens hat sie widerstanden und ist nun erfolgreich in zwei Welten zu Hause:  dem Schwarzwald, wo sie gerne lebt, gerne isst und ihre Arbeit hat und in den Highlands, wo sie schreibt, fotografiert und Zeit mit dem Mann in der großen Weite der Westküste Schottlands genießt. Das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, in zwei Welten zu leben macht die Dinge klarer und bewusster.

Der besondere Charme dieses Lebensentwurfs: die beiden Leben sind gänzlich unterschiedlich. Das deutsche ist hektisch und aufregend, ihre Arbeit beim Fernsehen abwechslungsreich, auch durch die Reisen nach Russland, China, Japan oder Brasilien.

Die Vorzüge des Mondänen hat sie in Deutschland und dem Rest der Welt, In den Highlands dagegen wird es still und ruhig. Nellie Merthe Erkenbach lebt dann zurückgezogen, liest viel, wandert und schreibt über das Land, das sie so gut kennt. Diese Seite ihres Lebens gibt ihr die Kraft, das Hochgeschwindigkeitsleben in Deutschland mit Freude und Energie anzupacken.

Nach Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland ist Nellie Merthe Erkenbach mit Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ein weiteres wahres, humorvolles und herzerwärmendes Buch gelungen, in dem zwischen den Zeilen ihre tiefe Liebe für das Land ihrer Liebe durchscheint – Schottland.

Auf in neue Abenteuer Highlands, wo buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler den Alltag beherrschen, Poeten und tapfere Schneiderlein mit Monstern kämpfen, Moorleichen gar nicht so gruselig sind und Hexen und Geister ganz selbstverständlich. Von Extrawürsten und gefährlichen Frühstücken und der Kunst, trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinzubekommen.

3d mock up

Das neue Abenteuer Highlands gibt es als Ebook oder Taschenbuch beim Amazon. Ich hoffe es gefällt euch und freue mich auf euer Feedback!

Liebe Grüße,

eure Nellie

Schilderwald und Mutterkühe

Es war einer dieser Momente, der Mut erfordert. Ich stand an einem cattle grid, diesem großen Rost im Straßenboden, über den das Vieh nicht läuft und das ein Gatter ersetzt, und lese auf dem Schild, dass es nicht sicher ist, dieses Feld zu betreten, weil hier Kühe kalben.

Three Lochs Walk

Hat der Bauer das nur für nervige Wanderer aufgehängt, die er nicht auf seiner Weide haben will?

In Schottland gibt es das Recht, sich frei zu bewegen, auch auf dem Privateigentum eines anderen, der Bauer kann also rechtlich nicht viel machen, wenn er keine Lust auf Wanderer hat.

Oder stimmt es wirklich, was das Schild sagt, das unter anderem noch „zu ihrer eigenen Sicherheit“ hinzufügt?  Das wiederum klingt gefährlich und ich frage mich, wann denn Kühe gemeinhin kalben. Dann könnte ich abschätzen, wie ernst ich das Schild zu nehmen gedenke.

Mein Recherche-Problem ist, mein Handy hat sich mit einem leeren Akku verabschiedet, gerade als es mit mitgeteilt hat, dass ich nun schon knapp zehn Kilometer gelaufen bin. Das knallrote Kuhschild schlägt vor, eine Alternativroute zu nehmen aber wie finden, ohne Telefon, die Karten nutzen nichts, ich bin auf einem neu angelegten Waldweg verloren gegangen, mit dem die Forstverwaltung beim Abholzen wohl den alten ersetzt hat. Mir bleibt nur die Alternative zurück, dann bin ich stolze 20 Kilometer unterwegs oder tapfer durch das Feld mit dem Mutterkühen.

Ich überlege, hinter dem cattle grid ist nur abgeholzte Fläche und von Kühen weit und breit keine Spur. Ich werde es versuchen. Mir war schon am Anfang meines Ausflugs aufgefallen, dass die Menschen hier im Südosten von Loch Ness überall Schilder hatten, die „privat“ und „kein Durchgang“ und „kein Zugang zum Wanderweg“ proklamierten. Hätten sie mal ein Schild aufgestellt, wo der Weg wirklich lang geht, hätte das wohl gereicht. Diesem Gedankengang folgend war ich geneigt, das Mutterkuh-Schild als überflüssige Warnung zu betrachten. Ein Schild aufzustellen, nur um Leute zu veräppeln, wäre hier durchaus vorstellbar, in Deutschland eher nicht.

Ich setzte also meinen Weg fort, der mich zuerst durch eine große abgeholzte Fläche führt, Baumstämme liegen rechts und links gestapelt. Ein weiteres Schild warnt davor, auf die aufgeschichteten Baumstämme zu klettern.

„Ach neh!“ denke ich. „Die mögen einfach Schilder hier.“

Kühe auf Weide

Der Weg macht eine Kurve und das Feld mit den Kühen liegt in einer Senke vor mir. Eine riesige mit gefährlich aussehenden Hörnern blickt auf und schaut mir direkt in die Augen. Neben ihr liegen friedlich drei Kälber. Ich zögere, gehe aber weiter. Ich sehe einen Zaun, da wo das Muttertier steht, es geht sogar direkt auf den Zaun zu, sieht aber immer wieder zu mir hin. Die Kälber folgen der Mutter. Und dann sehe ich, dass ein Stück von Zaun fehlt, durch das die Kuh, die aussieht als wäre mit ihr nicht zu spaßen, gerade forschen Schrittes durch schreitet während sie mich unablässig beobachtet.

da lagen sie noch friedlich rum

„Okay. Ich nehme das Schild jetzt ernst.“ sage ich halblaut und drehe wieder um. Dann eben die zehn Kilometer wieder zurück. Richtig sicher fühle ich mich erst, als ich wieder hinter dem cattle grid bin. Wer hätte gedacht, dass Wandern in den Highlands so gefährlich sein kann.

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Abenteuer Highlands 2.0 ist bald da!

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Abenteuer den Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland geschrieben und nach dem Rückzieher des Verlags wegen Einstellung der Reihe, in der das Buch erscheinen sollte, das Werk schließlich im Selbstverlag veröffentlicht habe. Seither habe ich zwei weitere Bücher geschrieben, eigentlich drei: Riding Towards Shadows, das 2018 erschienen ist und Schottland für stille Stunden, das zum Jahresende 2020 rauskam. Das gibt es 2021 auch auf Englisch und wird Scotland for Quiet Moments heißen. Wer also gedacht hat, ich sitze in meiner wunderbaren Schreibhütte, schaue aufs Meer und tue nichts, der liegt völlig falsch. Allen Stromausfällen und Sturmschäden zum Trotz: ich habe weitergeschrieben und hier ist er nun, der zweite Teil von Abenteuer Highlands. Der ein oder andere von euch hat schon darauf gewartet.

Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland

Abenteuer Highlands 2.0 zwischen Schwarzwald und Schottland

Inzwischen lebe ich seit 10 Jahren in meiner schottischen Fernbeziehung und habe nach dem anfänglichen Gefühl des entscheiden Müssens sehr bald gemerkt, dass eine Seele mehr als nur eine Heimat haben kann. Ich habe zwei zu Hause: eines im Schwarzwald, wo ich gerne lebe, gerne esse und meine Arbeit habe und eines in den Highlands, wo ich schreibe, und meine Zeit mit dem Mann an der großen Weite der Westküste Schottlands genieße. Das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, es lässt Dinge klarer werden und man macht sich bewusster, was man will und womit man seine Zeit verbringen möchte.

Der besondere Charme an diesem Lebensentwurf: beide Leben sind gänzlich unterschiedlich. Das deutsche ist hektisch und aufregend, meine Arbeit beim Fernsehen abwechslungsreich, ich reise viel, nach Russland, China, Japan, Brasilien und genieße die Vorzüge des Stadtlebens. In den Highlands dagegen wird es still und ruhig, zurückgezogen. Ich lese viel, wandere und schreibe. Diese Seite meines Lebens gibt mir die Kraft, das Hochgeschwindigkeitsleben in Deutschland mit Freude und Energie anzupacken.

Die Zeit, in der wir getrennt sind, überbrücken wir durch Social Media und ein tägliches Skype-Gespräch von einer Stunde. Und mal ehrlich, in wie vielen Beziehungen spricht man täglich mindestens eine Stunde miteinander? Ein solch intensiver Austausch wird im Alltag oft vernachlässigt. Ich liebe dieses Leben, das ich führe und was als Abenteuer in der Fremde begann, ist nun ein Leben in zwei Welten geworden. Aber auch das kann abenteuerlich sein. Ihr werdet schon sehen!

In Abenteuer Highlands habe ich euch durch ein Jahr in Schottland geführt. Dies sind die wahren Geschichten, die ich in den Jahren seither in meiner Fernbeziehung mit einem Schotten erlebt habe. Nicht in der zeitlichen Reihenfolge, in der sie passiert sind, die bekäme ich gar nicht mehr richtig auf die Reihe, der Mann und ich sind schon so lange ein Paar. Die Struktur ist nicht die Zeit, sondern das Wort, von A – Z: A wie Aberglaube, B wie Banff, C wie Corona usw.

Amüsiert euch über buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler, lernt Poeten und tapfere Schneiderlein kennen, gruselt euch über Moorleichen, Hexen und Geister, lacht über Extrawürste und gefährliche Frühstücke und findet heraus, wie man trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinbekommt.

Taschenbuch und Ebook erscheinen demnächst auf Amazon. Ihr erfahrt natürlich hier, wann es soweit ist.

 

Der etwas andere Reiseführer ist da!

Schottland für stille Stunden ist kein klassischer Reiseführer, hier finden sich keine Touristenziele oder Öffnungszeiten. Schottland für stille Stunden führt vielmehr an weitgehend unbekannte Orte und erzählt historische, abgründige, romantische oder lustige Geschichten durch die Jahrhunderte. Entdecken sie die Seele statt der Sehenswürdigkeiten Schottlands, Tipps aus dem wahren schottischen Leben und Orte, die es möglich machen ein Land so zu erleben, wie es wirklich ist. Mit dem Reiseinspirationsbuch kann man dieses wunderbare Land vor Ort ohne Trubel ganz anders erfahren oder sich einfach zu Hause auf dem Sofa hinein träumen. Der Reiseführer in die Seele Schottlands beschreibt Schottland für Fortgeschrittene, die aufregende Geschichte, die atemberaubende Natur und die fast vergessenen Orte abseits der Touristenströme von Arthur’s Seat, Loch Ness oder Glencoe und dennoch mitten im Herzen Schottlands.

35 Kapitel entsprechen den alten und klangvollen Shires, Burghs und Sheriffdoms, die traditionellen Regionen statt der modernen Verwaltungsbezirke, weil sie zum einen für viele Schotten noch immer das Maß der geographischen Dinge sind und weil Geschichte eine ganz große Rolle spielt in dem etwas anderen Reiseführer von Nellie Merthe Erkenbach. Kleine Änderungen wurden aus logischen und logistischen Gründen vorgenommen. So wurde Berwick berücksichtigt, obwohl es heute in England liegt und einige der Inseln getrennt behandelt, Lewis gehörte zum Beispiel zu Rosshire, Harris zu Argyll und sind nicht zwei, sondern eine Insel der Äußere Hebriden.

3d

Die Autorin

Nellie Merthe Erkenbach ist Fernseh-Journalistin und Autorin und teilt sich ihr Leben zwischen Deutschland und Schottland auf. Sie bereist Schottland seit nunmehr über 35 Jahren, hat schottische Geschichte und schottische Literatur an der Universität Glasgow studiert und lernt derzeit schottisches Gälisch in Sabhal Mòr Ostaig auf der Isle Skye. Dieses wunderbare Land, ohne die gängigen Klischees zu zeigen, war ihr schon viele Jahre ein Anliegen, nun ist es ein Buch geworden. Weitere Bücher von Nellie Merthe Erkenbach sind Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland (Amazon 2018) und Riding Towards Shadows (Amazon 2018).

Fotos

Ewan Roy MacGregor fotografiert seine Heimat Schottland seit vielen Jahrzehnten. Nach einer erfolgreichen Karriere als Musiker in Glasgow lebt er nun in den schottischen Highlands, die ihn immer wieder aufs Neue zu herausragenden Bildern inspirieren. Leider stellten sich die Produktionskosten beim Taschenbuch als zu hoch heraus, um die Bilder darin zu veröffentlichen. In der eBook Version sind sie aber enthalten.

Ab sofort als eBook und Taschenbuch bei Amazon erhältlich!

eBook

Taschenbuch

bodenständig wandern in Schottland

Scots pines

Ich liebe ja diese Wanderbeschreibungen in denen ein (meist männlicher) Held alleine oder in Begleitung seiner treuen Hunde (selten mit Partnerin, was möglicherweise bereits Aussagekraft besitzt) die schottische Wildnis mühelos bezwingt und sich Karten deutend und Kompass schwenkend durch die Gefahren der Highlands navigiert, während er mit freundlicher Herablassung auch gerne den weniger berufenen Wanderern  zu Seite steht und sich als vertrauenerweckende Führungsperson erweist, hinter dem es sich unwissend aber sicher hertrotteln lässt.

Das ist mir zuviel Expertentum!

summer walk

Ich will einfach nur die Bewegung in der schönen Natur genießen, deshalb wandere ich in den Sommermonaten auch nie auf den ausgewiesenen Wanderrouten, folge keinem Wanderführer, lasse meine kleinen Büchlein mit den Tipps stecken, und suche auch nicht im Netz nach Wanderanleitungen, denn überall da, wo Menschen gerne von ihren Erlebnissen berichten, sind eben Menschen, die alle auch genau diese Erlebnisse haben wollen, meist ziemlich viele und dann ist es mit dem Natur genießen für mich eben nicht mehr so schön, wie ohne sie. Ich mag die Highlands am liebsten still und verlassen.

Weg in die Stille

Ich möchte auch keine Gipfel erklimmen, von denen ich dann erzählen und die ich zählen kann. Damit könnte ich mich mit anderen erfolgreichen Wanderern messen, aber das würde mir so gar keinen Spaß machen. Das ist was für Gipfelzähler, die  haben ihre Errungenschaften gut dokumentiert. Ich habe allenfalls einen Ordner für die Fotos, die ich gemacht habe. Mir geht es um die Zeit in der Natur, nicht um Kilometer, Gipfel oder andere Elemente mit deren Hilfe man sich mit anderen messen kann.

stiller Fluss

Gipfelzähler und Dosenspaghetti

Ich möchte auch nicht tosende Gebirgsbäche durchqueren oder über Felsgrate balancieren oder vor lauter Matsch auf dem Weg nicht mehr sehen, wo ich eigentlich hinlaufe. Ich möchte auch nicht wie die Fernwanderer tagelang unterwegs sein, mich in Seen waschen und Dosenspaghetti essen.

mein Weg ist mein Ziel

Ich bin ein Flachwanderer, ein Straßenwanderer, ein Alleinwanderer, der die Sonne auf dem Gesicht mag, gerne Sandwiches auf einem Stein sitzend isst und sich mit Schafen unterhält. Ich rieche an Blüten, höre den Wildgänsen beim schnattern zu oder grusle mich über Knochenfunde, die irgendein Jäger hinterlassen hat.

Ich hatte mal wieder eine Straße gefunden, die über Meilen durch die Einsamkeit führte und am Ende zu einem gut ausgebauter Feldweg wurde, 15 Kilometer Einsamkeit, nur unterbrochen von ein paar freundlich winkenden Arbeitern des Estates mit ihren Pickups. Also alles in allem überhaupt nichts, worüber man erzählen könnte. Schottland ist nämlich überall schön, nicht nur auf den Gipfeln, finde ich.

Mein Ziel, ist der Weg. 

Scottish heather

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Ende der Quarantäne

Ich bin wieder frei!

wandern in Schottland

Vierzehn Tage lang habe ich mich streng an die Auflagen gehalten und mich nicht vom Haus wegbewegt. Ich hatte das Pech nach Schottland zu reisen, als die Quarantänepflicht noch bestand. Wer ein paar Tage nach mir eingereist ist, der hatte Glück und konnte tun und lassen, was er wollte.

Aber nun bin auch ich frei zu tun, wonach mir der Sinn steht und der stand mir heute iohone GesundheitsdatenMorgen nach Bewegung und nun, 15 Kilometer später, schone ich meine müden Knochen und schlürfe den Kaffee im Garten. Pünktlich zum Tag der Befreiung aus der Quarantäne ist nämlich das Wetter schön geworden, ein leichter Wind und mitunter Sonnenschein und Zero Regen. Hach! Man könnte sich immer wieder aufs Neue in Schottland verlieben, wenn man dem Land nicht ohnehin schon gänzlich verfallen wäre.

Loch Cluanie

Was mir als erstes aufgefallen ist, als ich mich auf Weg zu meiner Wanderung machte – die Touristen sind zurück und das fast in der alten Anzahl, sie sind auf den Straßen, auf den Wanderwegen, an den Parkplätzen, mit Autos, Wohnmobilen, Zelten. Außer wandern ist ja im Moment auch nicht viel geboten, die meisten Sehenswürdigkeiten machen erst noch auf.

Am Anfang meiner Wanderung fallen mir mehrere Camper auf dem Parkplatz auf, einer zieht sich gerade die Hosen an nachdem er aus seinem Camper gekrochen war. Ich versuche den weiß leuchtenden Hintern zu übersehen. Er sieht mich, steigt in seinen VW Bus und fährt los. Sein Zelt lässt er stehen. Er ist wohl länger hier.

Ich bin nicht die einzige auf meiner kleinen Wanderung. Im Gegenteil. Ich lasse drei Wanderer in SchottlandEngländer an mir vorbeiziehen, die mit Pudelmütze und kurzen Hosen unterwegs sind. Ein Paar und noch eine junge Frau, die ununterbrochen redet. Ich fotografiere sämtliche Blumen und Gräser am Wegrand, bis sie außer Hörweite sind. Manche haben ein Problem mit der großen Weite und der Stille und müssen dieses Unwohlsein mit exzessivem Sprachgebrauch kompensieren. Ich mag Stille.

Orchidee

Wenig später treffe ich auf eine Vierergruppe, zwei Pärchen, die den Berg rauf und runter rennen. Die trainieren offensichtlich für einen Berglauf. Ich stelle mich ins Moor und lasse sie passieren.  Abstand in dieser großartigen Weite zu halten ist nicht weiter schwer, mutet aber etwas seltsam an. Die Schotten haben sich auf 2 Meter geeinigt und ich werde mich als Gast in diesem Land unbedingt daran halten.

Glen Loyne

Später treffe ich einen weiteren Camper, er ist Schotte und wir reden über Gott und die Welt. Ich habe ihm gleich erzählt, dass ich gerade aus meiner Quarantäne komme. Es schien sich durchaus Sorgen zu machen über die Rückkehr der Touristen. Als ich ihn später unten auf dem Parkplatz wiedersehe, reicht er mir einen Zettel mit seiner Telefonnummer. Jederzeit vorbeikommen, wenn ich mal in seiner Gegend bin, sagt er. Er lebt in der Borders. So sind sie eben, die Schotten. Sie können einfach nicht anders als freundlich und offen gegenüber Fremden zu sein. Nicht mal jetzt.

PS: Bald geht es wieder weiter mit der Foto-Challenge und euren Einsendungen. Keine Sorge 😉

Schottland Foto Challenge – Schnappschüsse von Ewan Roy MacGregor

Here are five photographs, which I call quick snatches. So called because there is a lot of luck involved, but also in being prepared. I carry a camera most of the time and I’m always ready to capture what comes into view or the unexpected. It is being prepared for the unexpected and reacting quickly that makes it a quick snatch. Sometimes it’s a terrible shot and sometimes it’s just luck.
These photographs were taken near or close by my home in the North west Highlands.

Slainte mhath, Ewan.

 

Hier sind fünf Fotos, die ich Schnappschüsse nenne, weil es dabei um viel Glück geht, aber auch darum, vorbereitet zu sein. Ich trage die meiste Zeit eine Kamera mit mir herum und bin immer bereit zu fotografieren, was ich sehe oder was unerwartet ist. Auf das Unerwartete vorbereitet zu sein und schnell zu reagieren ist, was es zu einem schnellen Schnappschuss macht. Manchmal ist es ein schreckliches Foto und manchmal ist es einfach nur Glück.

Diese Fotos wurden in der Nähe oder in der Nähe meines Hauses im Nordwesten der Highlands aufgenommen.

Slainte mhath, Ewan.

Das echte Leben mit einem Lächeln – purple wellies on tour

„Moment!“ rufe ich dem Mann zu. „Wir müssen noch meine Gummistiefel mitnehmen.“

Er nickt und wurschtelt weiter an seinem Dienstwagen herum. Der Wind bläst uns um die Ohren und das Meer treibt wütende Schaumkronen Richtung Strand. Das sehe ich, weil der Motor des Wagens schon läuft und die Scheinwerfer zwei Lichtkegel aufs Meer schicken. Es ist sieben Uhr und noch stockdunkel.

Wenigstens ist es trocken. Mehr als ein paar Minuten am Tag haben wir dieses Glück zu Zeit nicht. Es herrscht dauerhaft Gummistiefelwetter.

Ich begleite den Mann auf eine seiner Dienstfahrten, will ein bisschen fotografieren, wenn sich trotz des schlechten Lichts die Möglichkeit ergibt und sonst einfach Landschaft und Natur genießen. Die Strecke beinhaltet Highlights wie Kinlochewe, Shieldaig, Loch Maree und Gairloch. Meine deutschen Dienstfahrten beinhalten eher die A5, die A6, die A81 und die A8. Sicher auch ein Grund, warum sich das Leben in Schottland sich so viel besser anfühlt.

Und dann fahren wir durch den schottischen Morgen, der immer noch Nacht ist. Vor neun Uhr wird es nicht hell. Als dann langsam so etwas wie Sonne hinter den trüben Regenwolken den Tag erahnen lässt, habe ich eine Idee. Ich mache keine Fotos IN meinen Gummistiefeln, ich mache Fotos VON meinen Gummistiefeln!

Der Plan steht. Oft sind Landschaftsfotos eher langweilig, weil nichts darin ist außer Landschaft. Von dem ein oder anderen Hirsch oder einer Hochlandkuh mal abgesehen. deshalb nehmen viele Fotografen gerne hübsche Mädchen oder Frauen mit (bitte immer langhaarig), die dann in roten oder orangen Kleidern vor irgendwelchen Burgen die nackten Arme begeistert ausbreiten obwohl sie doch furchtbar frieren müssen. Wird zumindest auf Instagram gerne genommen.

Der Mann hätte wahrscheinlich nichts gegen eine hübsche junge Frau mit nackten Oberarmen im Auto einzuwenden. Ich schon eher und die Chance, dass der Mann sich seinerseits mit begeistert ausgebreiteten Armen für meine Kamera vor eine Burg stellt (schließlich hat er lange Haare, wenn auch nichts Signalrotes zum Anziehen) ist eher gering. Wenn es auf Instagram solche Bilder mit Männern als dekoratives Element gibt, dann haben die in der Regel professionelle Wanderkleidung und eine rote Jacke an. Keine Spur von nackten Armen oder Begeisterung. Die Männer strahlen Wissen und in sich ruhende Überlegenheit aus, wenn sie in der Landschaft stehen.

Also, Schluss mit dem Sexismus in der Landschaftsphotografie. Ich will Wissen und in sich ruhende Gelassenheit mit Begeisterung in meinen Bildern. Und Freude und ein wenig Humor. Das war auch der Grund, warum ich die Grafikerin bat, ein paar rosa Gummistiefel auf das Landschaftsfoto meines Buchs zu setzten. Gleich unter den Titel, damit klar wird: hier gibt es nicht nur touristische Schottlandromantik, hier gibt es das echte Leben mit einem Lächeln.

„Stop!“ rufe ich. „Foto!“ und zerre die Gummistiefel unter dem Equipment hervor, mit dem der Mann seinen Dienstwagen vollgestopft hat. Ich stelle sie in die Landschaft und hole die Kamera.

Der Mann schaut verdutzt, was ich da mache. Schließlich hat er meine Gedankengänge zur sexistischen Landschaftsfotografie nicht mitbekommen und ist nach wie vor der Ansicht, ich wolle IN und nicht VON meinen Gummistiefeln Fotos machen. Ich erkläre und er nickt. Dann mache ich die ersten Versuche, was gar nicht so leicht ist – in Schottland hat es so gut wie immer Wind.

Von da ab hält er auch die Augen offen nach einer guten Stelle für ein Foto. Und ich poste zu Hause das erste auf Instagram. Sieht gar nicht so schlecht aus und mir gefällt mein Projekt wellies on tour. Das ist Abenteuer Highlands pur! Nicht Lifestyle sondern echtes Leben. Und ein paar Likes bekommt es auch.

Herbstlächeln

Ich liebe den Herbst, wenn alles langsamer und stiller wird, die Farben aus den Grüntönen ins gelb-rot-braune Herbstbunt und wechseln und die Schneekappen der Berge einen Hauch von Winter verbreiten.

Zwei Wochen Auszeit habe ich mir genommen, um den Herbst in den Highlands zu genießen und es hat sich so sehr gelohnt. Die Wälder haben mich mit einem letzten Farbspektakel empfangen und die Sonne wärmte mit letzten guten Stunden bevor die kalten, weißen Wintertage Einzug halten.

Plockton

Fast drei Monate war ich weg gewesen von Schottland, nun habe ich wieder Kraft getankt und innere Freude in dem wunderbaren Land des Lichts und der Weite. Waren die Tage trüb und regnerisch, dann habe ich in meiner kleinen Schreibhüte gesessen mit dem Öfchen an und weiter an meinem nächsten Buch geschrieben, den Fischreiher beobachtet, wie er stundenlang aufs Wasser starrte und die kleinen Köpfe der Seehunde in den Wellen gesucht.

Invergarry

An den sonnigen Tagen sind der Mann und ich raus in die Natur, in die Wälder, der Farben wegen. Eine unserer Wanderungen ging über 9 Kilometer, naja, wahrscheinlich waren es eher 12, weil ich zwei Mal die falsche Abzweigung genommen habe. Aber es hat sich gelohnt, als wir endlich am Gipfel angekommen waren. Ein wunderbarer Blick zur Insel Skye und den Torridon Mountains waren die Belohnung, sobald wir beide wieder Luft zum normal atmen hatten. Ganz schön steil der letzte Anstieg.

Aber dann schwelgten wir in einem wunderbaren 360° Panorama und schossen Fotos. Und nur so als kleiner Beweis, dass Männer und Frauen am gleichen Ort sein können und die gleichen Dinge tun und doch nicht das Gleich sehen die Bilder, die ich geschossen habe..

..und hier eines, das der Mann geschossen hat.

Und mit diesem Blick fürs Wesentliche wünsche ich euch noch einen fröhlichen Sonntag.