Kein Königreich dank eines Pferds

Im Jahr 1286 sollte ein Pferd eine entscheidende Rolle in der Geschichte Schottlands spielen. Es war Mitte März und die Nächte lang und kalt. König Alexander III saß gemütlich mit ein paar Höflingen in Edinburgh und ließ es sich gut gehen, er tafelte und trank und dann fühlte er sich ziemlich allein.

Der König war in Roxburgh geboren und saß auf dem Thron, seit er sieben Jahre alt war.  Er war nicht nur der älteste Sohn des Königs Alexander II, er war auch der Enkel des Königs William the Lion. Er heiratete, wie man es von ihm erwartete. Seine Frau war Margaret, Tochter des englischen Königs. Er zeugte drei Kinder, Margaret, Alexander und David. Die Tochter Margaret heiratete den König von Norwegen und starb. Die Söhne Alexander und David starben beide bevor sie alt genug waren, Nachkommen zu zeugen. Auch seine Frau starb, nachdem sie die drei Kinder geboren hatte. Es blieb nur die Tochter seiner Tochter, das Baby Margaret in Norwegen als Erbin übrig.

Alexander hatte (und das würde sich wie ein elender Leitfaden durch die schottische Geschichte ziehen) keinen direkten Erben mehr. Was in einem Land passierte, das keinen König hat oder einen König, der noch nicht alt genug war, das Land zu regieren, das hatte er selbst erfahren. Vierzehn Jahre lang war Schottland ohne regierenden König, bis Alexander im Alter von 21 Jahren die Regierung übernahm. Das Land war zerrissen von den Machtkämpfen der rivalisierenden Adligen im Namen des minderjährigen Königs.

Also machte Alexander sich daran, weitere Nachkommen zu zeugen und heiratete die schöne Gräfin Yolande de Dreux aus der Bretagne. Mit einer deutlich jüngeren Frau aus gutem Haus sollte es doch möglich sein, einen Erben zu stellen. Er wollte nicht der letzte König der gälischen Linie sein.

In diesem Sinne zurück also zu dem feuchtfröhlichen Abend in Edinburgh Castle und König Alexander, der plötzlich seine junge Ehefrau furchtbar vermisste und beschloss, sie noch in derselben Nacht aufzusuchen. Sie waren frisch verheiratet und die Königin war nicht in Edinburgh sondern in Kinghorn, dem Sitz des Paars auf der anderen Seite des Firth of Forth, den im 13. Jahrhundert natürlich noch keine Brücken überspannten. Es gab nur eine Fähre.

Der König war nicht mehr zu halten, die Höflinge versuchten es aber ohne Erfolg. Vom Alkohol bestärkt machte sich Alexander auf den Weg. Ein Sturm braute sich zusammen und der Fährmann wollte ihn erst nicht übersetzen. Doch der König ließ seine royalen Muskeln spielen und bestand auf der Überfahrt. In North Queensferry angekommen, nahm er sich ein frisches Pferd und ritt weiter. Der Name dieses Pferdes ist nicht überliefert aber es hatte einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den weiteren Verlauf der schottischen Geschichte. Alexander ritt Erlkönig gleich durch den Sturm zu seiner jungen Frau und das so schnell, dass er den Kontakt zu seinen Wachen verlor, die ihren König selbstverständlich begleiteten. Während dieses halsbrecherischen Ritts über den Klippenpfad nach Findhorn nun ereignete sich die Tragödie. Nur etwas mehr als einen Kilometer von seiner Burg und der schönen Frau entfernt, stürzte er ab. Das Pferd muss im Dunkeln den Tritt verloren haben und fiel mit dem Reiter in die Tiefe.

Der König war tot. Diener fanden seinen Leichnam am nächsten Morgen am Strand. Er hatte sich das Genick gebrochen. Alexander II war erst 44 Jahre alt. Als die junge Königin am Morgen aufwachte, war sie Witwe. Der 19. Mai  war ihr Geburtstag

Schottland war wieder ohne Herrscher aber Alexander hatte vorgesorgt und seine Enkeltochter, die kleine Margaret von Norwegen als Erbin bestimmt. In der gälischen Kultur herrschte nicht die direkte Erbfolge (Primogenitur) sondern vielmehr die erweiterte, die über den Großvater kam und für alle Nachkommen gleichermaßen galt.

Die Dreijährige, die sogenannte Maid of Norway war selbstverständlich zu jung, um zu regieren. Sie hatte die Mutter verloren und eine Reise wie die nach Schottland kam zunächst nicht in Frage. Erst als sie sieben Jahre alt war sollte sie die Reise nach Schottland antreten. In der Zwischenzeit regierten sechs Männer das Land.

Zwei der mächtigsten, Balliol und Bruce, hatten an geschworen, das Mädchen als Königin anzuerkennen, sie hatten über eine andere Linie ebenfalls Anspruch auf den schottischen Thron. Ihr Schwur war wichtig für Sicherheit und inneren Frieden. Aber auch der äußere stand auf sehr wackeligen Füßen. Englands König bleib eine ständige Bedrohung. Alle warteten nun auf die Ankunft der jungen Prinzessin aus Norwegen. Doch sie sollte nie schottischen Boden betreten. Sie starb auf den Orkney Inseln (die im 13. Jahrhundert noch zu Norwegen und nicht Schottland gehörten). Die königliche Linie Schottlands war am Ende. Wer sollte nun das Land regieren?

Die Antwort auf diese Frage würde sich lang hinziehen und viele erbitterte Kämpfe brauchen, bis sie beantwortet war. Ein Herrscher aus der gälischen Linie würde es nicht mehr sein.

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Der Zauberer von Gordonstoun

Dies ist eine Geschichte über den Teufel, der eine Seele jagt und sie dann an den heiligen Boden von Birnie Kirkyard verliert. Dies ist ein alter Ort, die Kirche selbst ist eine der ältesten in Schottland, die noch aktiv ist.

Christen beten hier seit dem 12. Jahrhundert und die Kelten haben noch einige Jahrhunderte zuvor hier ihren Glauben ausgeübt. Birnie war die Kathedrale des Bischofs von Moray, eine der wichtigsten Diözesen des katholischen Schottland unter König David I. Das Bistum endete mit der Reformation.

Aber zurück zum Teufel und zur Geschichte von Sir Robert Gordon, auch bekannt als der Zauberer von Gordonstoun, der hier 1704 starb, angeblich auf diesem Friedhof. Der Teufel war hinter ihm her und Gordon sprang in einer wilden Verfolgungsjagd über die Mauer, um sich zu retten und heiligen Boden zu erreichen. Unerreichbar für den Teufel, der ihn verfolgte. Gordon rettete seine Seele, sein Leben jedoch nicht. Sir Robert Gordon hatte sich den Hals gebrochen, als er über die Kirchhofsmauer fiel.

Der angebliche Zauberer war der 3. Earl of Gordon und ein hochgebildeter Mann. Dies war zu der Zeit ein Grund für Verdacht. Gordon war eher ein Wissenschaftler als ein Spiritist. Er hatte in Italien studiert und fühlte sich den Menschen in Moray wahrscheinlich fremd. Die wiederum beschuldigten ihn, sich mit dem Teufel zu unterhalten, mit nackten Frauen zu tanzen und (am schlimmsten) keinen Schatten zu besitzen. Ein sicheres Zeichen, zu dieser Zeit ein Zauberer zu sein. Die nackten Frauen schienen da nicht ganz so wesentlich aber immerhin nicht zu vernachlässigen.

Zu seinen Lebzeiten war er vor Strafverfolgung geschützt, schließlich war er der Earl und nicht nur einflussreich, sondern auch reich. Manch eine Frau hatte in den Tagen der Hexenjagden nicht so viel Glück wie Gordon.
Sehr wahrscheinlich war er nicht viel mehr als ein nerdiger und etwas seltsamer Wissenschaftler, aber für die Leute von Moray war Sir Robert Gordon ein Zauberer. Und er starb hier auf dem Kirchhof von Birnie im Jahr 1704.

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Der etwas andere Reiseführer ist da!

Schottland für stille Stunden ist kein klassischer Reiseführer, hier finden sich keine Touristenziele oder Öffnungszeiten. Schottland für stille Stunden führt vielmehr an weitgehend unbekannte Orte und erzählt historische, abgründige, romantische oder lustige Geschichten durch die Jahrhunderte. Entdecken sie die Seele statt der Sehenswürdigkeiten Schottlands, Tipps aus dem wahren schottischen Leben und Orte, die es möglich machen ein Land so zu erleben, wie es wirklich ist. Mit dem Reiseinspirationsbuch kann man dieses wunderbare Land vor Ort ohne Trubel ganz anders erfahren oder sich einfach zu Hause auf dem Sofa hinein träumen. Der Reiseführer in die Seele Schottlands beschreibt Schottland für Fortgeschrittene, die aufregende Geschichte, die atemberaubende Natur und die fast vergessenen Orte abseits der Touristenströme von Arthur’s Seat, Loch Ness oder Glencoe und dennoch mitten im Herzen Schottlands.

35 Kapitel entsprechen den alten und klangvollen Shires, Burghs und Sheriffdoms, die traditionellen Regionen statt der modernen Verwaltungsbezirke, weil sie zum einen für viele Schotten noch immer das Maß der geographischen Dinge sind und weil Geschichte eine ganz große Rolle spielt in dem etwas anderen Reiseführer von Nellie Merthe Erkenbach. Kleine Änderungen wurden aus logischen und logistischen Gründen vorgenommen. So wurde Berwick berücksichtigt, obwohl es heute in England liegt und einige der Inseln getrennt behandelt, Lewis gehörte zum Beispiel zu Rosshire, Harris zu Argyll und sind nicht zwei, sondern eine Insel der Äußere Hebriden.

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Die Autorin

Nellie Merthe Erkenbach ist Fernseh-Journalistin und Autorin und teilt sich ihr Leben zwischen Deutschland und Schottland auf. Sie bereist Schottland seit nunmehr über 35 Jahren, hat schottische Geschichte und schottische Literatur an der Universität Glasgow studiert und lernt derzeit schottisches Gälisch in Sabhal Mòr Ostaig auf der Isle Skye. Dieses wunderbare Land, ohne die gängigen Klischees zu zeigen, war ihr schon viele Jahre ein Anliegen, nun ist es ein Buch geworden. Weitere Bücher von Nellie Merthe Erkenbach sind Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland (Amazon 2018) und Riding Towards Shadows (Amazon 2018).

Fotos

Ewan Roy MacGregor fotografiert seine Heimat Schottland seit vielen Jahrzehnten. Nach einer erfolgreichen Karriere als Musiker in Glasgow lebt er nun in den schottischen Highlands, die ihn immer wieder aufs Neue zu herausragenden Bildern inspirieren. Leider stellten sich die Produktionskosten beim Taschenbuch als zu hoch heraus, um die Bilder darin zu veröffentlichen. In der eBook Version sind sie aber enthalten.

Ab sofort als eBook und Taschenbuch bei Amazon erhältlich!

eBook

Taschenbuch

Schottland für stille Stunden

Der Reise-Inspirationsführer Schottland ist in den nächsten Tagen als Ebook und Taschenbuch bei Amazon erhältlich!

Schottland ist ein Land voller Geschichte, Geschichten und Geheimnisse. Oft sind die drei nicht exakt voneinander zu trennen. Das macht dieses Land so wunderbar und einzigartig. Diese Geschichten wurden für den WordPress Blog Graveyards of Scotland über viele Jahre zusammengetragen, ausgegraben und entdeckt. Quellen waren meist historische Reiseführer aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Funde oft schaurig, schön, lustige oder grausam. Eine ungewöhnliche Annäherung an die Geschichte eines Landes, die erstaunliche Ergebnisse hervorbrachte. Man muss aber die Leidenschaft der Autorin für Friedhöfe nicht teilen, um diese Buch genießen zu können. Die meisten Geschichten spielen ja nicht auf einem Friedhof, sie enden lediglich da.

Der Feenhügel in Inverness, ein Salpetermord auf Shetland, eine Familie von Linkshändern, Wölfe gestern und heute, Robert the Bruce und William Wallace einmal ganz anders, die geheime Bucht des Schriftstellers Gavin Maxwell, ein mordender Dichter und alles, was Schottland außer Whisky, Schafe und Tartan noch ausmacht. Schottland für Experten, nicht für Anfänger.

Machen sie es sich in ihrem Lieblingslesesessel gemütlich und genießen sie Schottland für stille Stunden.

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Zitate

Das Meer ist ein gefährlicher Freund, eine verlockende Schönheit und ein brutaler Mörder zugleich. Selbst an ruhigen Tagen sind hier Menschen in den Gewässern rund um die Inseln ertrunken. Wenn die Herbststürme einsetzten, hatten die gewaltigen Wellen in der Vergangenheit oft ein tödliches Fest. Auf Shetland spülte am Sumburgh Head, wo der Atlantik auf die Nordsee trifft, so mancher Körper an Land.

Als William Soutar klar wurde, dass die Krankheit nicht nur sein Leben begleiten, sondern es sogar beenden würde, soll er einen Moment innegehalten haben. Dies war der Moment der Erkenntnis: Nun konnte, nun musste er Dichter werden. Er wurde einer der besten seines Landes.

Anders die Abendstimmung, blaue Stunde und eine ähnlich milde Stimmung wie am Morgen aber viel dramatischer, wenn die Nacht hereinbricht und die letzten Sonnenstrahlen noch ein paar Sekunden über den Wolken verweilen, bevor der Tag zu Ende geht. Das Blau scheint direkt vom Meer zu kommen, mit einem schwachen Duft nach Sommertag wie die Erinnerung gelebter Stunden.

Schottland Foto Challenge – Äußere Hebriden von Antje Babendererde

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Die Äußeren Hebriden. Auf dem Flughafen von Barra, der größten Insel im Süden der Äußeren Hebriden, landen ein bis dreimal täglich kleine Flugzeuge aus Glasgow auf dem Strand. Es ist der einzige reguläre gezeitenabhängige Flughafen der Welt. Die Piste besteht aus Millionen von Herzmuschelschalen und bei Flut kann ihr nicht gelandet oder gestartet werden.
Vielen Dank liebe Antje für deinen Beitrag. Auch diese Fotos sind wieder klasse!
Antje wäre in diesem Jahr gern nach Schottland gereist aber… lest mehr zu ihr unten.
Ich bin in Thüringen geboren und aufgewachsen und lebe jetzt in Liebengrün, einem 300 Seelen Dorf, immer noch Thüringen.
Gelernt habe ich Töpferin, schreibe aber seit fast 30 Jahren. Thema bisher: die Indianer Nordamerikas. Vor ein paar Jahren kam dann die Leidenschaft für Schottland dazu. Eigentlich wollte ich meine Romane nie in einem weiteren fremden Land ansiedeln, denn es ist immer so ein Ding, über fremde Kulturen zu schreiben. Aber dann war ich bei meiner letzten Recherche in Moosonee an der Hudson Bay, und fand auf einem Indianerfriedhof keltische Kreuze und etliche Cree hießen Macdonald, MacLeod, Sutherland … und weil ich mich bei unserer letzten Schottlandreise in Durness und Umgebung verliebt habe, ist es dann doch dazu gekommen.
Allerdings quäle ich mich mit dem Schottland-Manuskript wie noch nie mit einem zuvor. Weil vom Verlag aus die Seitenzahl begrenzt ist, weil es eine leichte Liebesgeschichte sein soll und ich finstere Seelenqualen und Dramen mag …
Und habe gemerkt, dass dreimal dort gewesen sein nicht reicht.
Dieses Jahr sollte es die erste richtige Recherchereise allein sein. Mit Linksverkehr und Drum und Dran. Tja …

Schottland Foto Challenge – Isle of Skye von Britta Dicken

Schottland und das Wetter

Jeder, der sich länger als fünf Minuten mit Schottland beschäftigt hört oder liest den Spruch: Gefällt Dir das Wetter nicht, warte ein paar Minuten. Oder alternativ:  Nur in Schottland gibt es alle vier Jahreszeiten an einem Tag!

Bisher haben wir immer darüber gelächelt. Ja, ab und an hat uns auch mal ein Regenschauer überrascht, sogar Hagel haben wir schon abbekommen und danach direkt wieder Sonnenschein. Aber nichts, wirklich nichts hat uns auf die paar Tage im April 2017 auf der Isle of Skye vorbereitet. Ja, ich weiß auch, April ist jetzt nicht die bevorzugte Reisezeit für Schottland. Aber wir hatten ein Ziel vor Augen: Eine Woche auf der Isle of Skye und zwei Tage davon mit einem Fotoworkshop zur Langzeitbelichtung mit einem preisgekrönten Fotografen. Der Workshop war toll, das Wetter war halt typisch schottisch durchwachsen. Angenehme 10 Grad, konstant ein leicht eisiger Wind und ab und an Sonne. Es hätte schlimmer kommen können, haben wir uns gedacht! An den Fairy Pools hingen die Wolken schön tief und gaben eine grandiose Kulisse für unsere Versuche der Langzeitbelichtung. Die Ergebnisse sind nicht perfekt, aber ich bin damit sehr zufrieden!

 

Nach dem Workshop wollten wir die Insel auf eigene Faust erkunden. Der Himmel war bedeckt (wann ist er das mal nicht auf Skye), aber bis auf ein paar verirrte Regentropfen, war alles in bester Ordnung. Ein leichter Graupelschauer überraschte uns auf der Columba’s Isle, einer kleinen Friedhofsinsel mit einigen außergewöhnlichen Grabsteinen. Mehr im Gedächtnis geblieben sind uns allerdings eher die Wachgänse auf der Straße zur Insel, die lautstark jeden unserer Schritte kommentiert haben und versucht haben, uns durch den Zaun zu beißen. Wer braucht Hunde, wenn er Gänse hat!

Von dort aus sind wir ins wunderschöne Fairy Glen gefahren. Eine verwunschene Landschaft … schöner, als sie jedes Bild wiedergeben kann! Überrascht hat uns allerdings die Schneekuppe auf der Trotternish Ridge. Unser Host hatte uns zwar erzählt, dass es in der vergangenen Nacht geschneit hätte, aber bisher hatten wir davon nichts gesehen. Uns erwartete ein ausgedehnter Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein und einem eisigen und starken Wind! Aber der Kampf gegen die Sturmböen hat sich gelohnt. Ich weiß nun auf jeden Fall, warum dies das Tal der Feen ist!

Doch wir wollten an diesem Tag noch weiter. Duntulm Castle, die Ruine auf dem Felsen ganz am nördlichen Ende der Insel ist nicht so sehenswert. Aber die kleine Bucht ist ein Traum. Wir waren bereits vor Jahren dort und wollten uns unbedingt nochmals in Ruhe umschauen. Doch je weiter wir nach Norden fuhren, auf der einzigen Straße dort oben im Nirgendwo, desto kälter wurde es. Gefühlt mit jedem Kilometer sank die Temperatur um ein weiteres Grad und plötzlich wurde aus dem leichten Nieselregel ein leichter Graupelschauer und aus dem Graupelschauer wurde Schnee. Erst nur kleine Flöckchen, dann immer größere und im Nu war die Straße kaum mehr zu erkennen. Ohne Begrenzungen, wofür auch, fahren hier wahrscheinlich am Tag keine drei Autos lang, war das gar nicht so ungefährlich. Schlimmer jedoch waren die Schafe. Schafe? Schlimm? Ja, spätestens dann, wenn sie so zugeschneit sind, das man sie kaum sehen kann, was sie natürlich dennoch nicht davon abhält mal eben über die Straße zu laufen.

Gesehen haben wir Duntulm Castle im dichten Schneetreiben nicht und sind gaaaaaanz langsam weitergefahren. Ab Portree war der Spuk übrigens wieder zu Ende. Der Schnee hielt sich noch ungefähr eine Stunde auf der Straße, dann war auch schon wieder geschmolzen und die Temperatur pendelte sich wieder auf schnuckelige 10 Grad ein. So im Nachhinein hört sich das ganz witzig an, aber selbst mit Winterreifen haben wir Blut und Wasser geschwitzt! Wenn wir es nicht selbst erlebt hätten, würden wir es wahrscheinlich heute noch nicht glauben.

Doch schon der nächste Morgen war außergewöhnlich! Strahlend blauer Himmel, Sonne satt und schneebedeckte Bergkuppen! Ein Traum-Wetter zum Fotografieren. Ich glaube, an keinem anderen Tag haben wir so schnell gefrühstückt wie an diesem Morgen! Wir wollten einfach nur raus und es war einfach gigantisch. Wir sind den ganzen Tag über die Insel gefahren. Haben mal hier gehalten, mal dort eine Pause gemacht und uns so langsam unserem Wunsch-Ziel des Tages genähert: Elgol.

Elgol ist ein verschlafenes Nest an einem kleinen Hafen. Alleine die Anfahrt ist schon außergewöhnlich. Die Straße ist so eng und so steil, dass selbst mein Alpenerfahrener Mann mit sehr viel Bedacht gefahren ist. Die Aussicht vom Hafen lohnt die Mühe aber auf jeden Fall! Ein Traum! In einer leichten Jacke haben wir den Strand erkundet und einen Adler verfolgt. Leider ist der so hoch geflogen, dass selbst mit dem großen Tele auf dem Bild nur ein Umriss zu sehen ist. Erst als wir ihn aus den Augen verloren haben, haben wir entdeckt, was da plötzlich auf uns zukommt. Dicke, dunkle, bedrohliche Wolken hatten sich am Sgùrr Alasdair aufgetürmt und kamen in einer rasenden Geschwindigkeit über die Bucht auf uns zu. Wir haben es mit Mühe und Not so gerade ins Auto geschafft, bevor einen kleines Unwetter über uns hereinbrach. Zwischen den beiden Fotos liegen übrigens knapp 30 Minuten! So viel dann zu dem schnell wechselnden Wetter in Schottland. Schneller geht es nirgendwo

Die Woche auf Skye war auf jeden Fall ein echtes Erlebnis und das Wetter zum Fotografieren ein Traum und Albtraum zugleich. Ach ja, das Unwetter war übrigens nach gut 10 Minuten wieder vorbei und die Sonne strahlte wieder vom Himmel. Ganz nach dem Motto: Warte ein paar Minuten, dann gefällt Dir das Wetter wieder.

Einmal mehr wunderbare Fotos. Vielen Dank dafür und dass du dir die Mühe gemacht hast, uns diese Geschichte zu schreiben. Natürlich gebe ich die völlig recht, die Isle of Skye ist auch im Winter wunderschön.  😊  LGN 

Schottland Foto Challenge – Andys Liebe zu Schottland

Liebe Leser,

hier kommt Andys zweiter Teil, ihr habt bestimmt schon darauf gewartet. Viel Spaß damit!

LGN

Die folgenden Jahre bin ich dann auf verschiedene Art und Weise nach – und durch Schottland gereist, mal mit Wohnmobil (9 m lang und 4,20 hoch ist definitv nichts für die Highlands, mal mit Wohnwagen (auch zu groß mit 10 m Länge zzgl. 5 m Auto – da findet man ja zum Teil keinen Campingplatz – „Oh my god, what is this?? Are you kidding me?“) und dann lieber mit gemieteten Ferienhäusern, von wo ich aus die jeweilige Gegend erforscht habe.

Eine Reihe dieser Bilder sind hier sehen, oft natürlich bekannte Plätze, aber trotzdem immer wieder wunderschön.

Ich habe Schottland die folgenden Jahre zu allen Monaten und Jahreszeiten bereist und  sogar das schottische Wetter lieben gelernt. Das Essen in den Restaurants und Pubs hat sich über die Jahre deutlich verbessert, man hat gelernt, dass man mit erstklassigen Lebensmitteln auch gutes Essen machen kann.

Sogar das Bier hat sich verbessert, aus dem faden, spülwasser-ähnlichen Gebräu – sowohl vom Geschmack als auch vom Alkoholgehalt her – haben sich wahre Kunstwerke entwickelt.

Und vor 6 Jahren habe ich sogar meine Leidenschaft für Whisky entdeckt.

Mit Spontanität nach Schottland – von April bis September – zu schönen Plätzen war allerdings die letzten Jahre nicht mehr möglich, man musste zum Teil ein Jahr im Voraus buchen, was allerdings nicht immer so einfach ist. Immer mehr Menschen haben dieses Land für sich entdeckt und alles belegt…

Vor zwei Jahre habe ich – nachdem ein gemietetes Feriencottage mal wieder fototechnisch zwar sehr gut angeboten wurde, aber in der Realität blanker Horror war – spontan ein älteres Cottage zwischen Lochgilphead und Oban fest angemietet. Ich war eh 2-3 mal im Jahr dort und durch das gemietete Haus war ich jederzeit in der Lage mit Handgepäck (voll mit deutschem Brot – da hat sich nichts verbessert) ein paar Tage zu verschwinden.

Auch wenn es – trotz Ofen und Heizlüfter – draussen wärmer als drinnen war und ich dank eines undichten Daches im Bad auch ohne den Wasserhahn abzudrehen duschen konnte – so hatte ich endlich meinen eigenen Platz in meiner Herzensheimat.

Letztes Jahr hat mir dann mein damaliger Vermieter mitgeteilt, dass er das Cottage und seine Wohnung in Glasgow verkaufen würde um nach Irland zu ziehen (Wie kann man nur? Mal dort Urlaub zu machen ist ja ok, aber von Schottland weg??).

Da ich nicht wusste, ob ich dort dann weiter wohnen können würde, war das der Anlass mir etwas neues zu suchen. Und – nach anfänglichen Problemen – fand ich dann tatsächlich meinen Traum in dieser Gegend, nur 8 km weit weg bei Crinan, modern, warm und mit Blick aufs Meer. Und mit Glasfaserinternet!!!  in der Nähe eines Dorfes mit 74 Einwohnern  (75 – wenn ich dort bin).

Die Pandemie der letzten Wochen hat ja gezeigt, dass man – wenn man Glück hat – auch vom Homeoffice gut arbeiten kann und das ist halt dann 2000 km weit weg vom Büro….

gut und böse

Es ist die Zeit der Corona Krise und Schottland zum Zufluchtsort vieler geworden, die Angst haben sich da, wo sie leben, mit dem Virus anzustecken. Nicht jeder lebt so sicher wie wir hier in den Highlands, die jedem die Möglichkeit geben, Raum zu schaffen zwischen sich selbst und anderen Menschen.

Indian Summer scotland

An der Westküste und im Inneren der Highlands empfinde ich die Zahl derer, die sich hierher zurückziehen als sehr groß. Weil die meisten Campingplätze geschlossen haben, campen die Corona-Flüchtlinge wild und hinterlassen manchmal leider auch eine Verwüstung auf den Ausweichbuchten der Single Track Roads und an den anderen Stellplätzen. In Gegenden, in denen man tatsächlich auch auf etwas Grün sein Zelt aufschlagen kann, riecht es inzwischen oft unangenehm. Es gibt so gut wie keine öffentlichen Toiletten und die wilden Camper erledigen offensichtlich ihre Geschäfte direkt vor Ort.

wild campers

 

Ganz besonders ist mir das am Loch Loch Duntelchaig aufgefallen, wo normalerweise viele Angler den Tag verbringen. Nun sind die Camper da und man riecht sie. Ich kam an einem dieser aufgemotzten Opel Corsa mit auswärtigem Kennzeichen vorbei, da räkelte sich gerade ein junger Kerl im Versuch aufzuwachen. Um das Auto herum lagen ein halbes Dutzend Plastiktüten voll mit Müll. Prima dachte ich. Wenigstens nehmen sie ihren Müll mit. Als ich am Nachmittag nochmals vorbei komme sehen ich einen großen verbeulten Camper mit Kanu auf dem Dach an der Stelle parken. Im Cockpit hat der Fahrer eine Reihe knöcherne Tierschädel gelegt, die hat er wohl gefunden. Am Beifahrersitz lehnt eine große Schaufel. Wahrscheinlich seine mobile Toilette. Sieht alles in allem mehr nach Aussteiger als nach Camper aus.

Loch Duntelchaig

 

Ein groß gewachsener Endzwanziger mit langen Rasta Haaren klaubt die Tüten zusammen, die die jugendlichen Engländer zurückgelassen haben. Sie hatten wohl keinen Bock mehr auf Entsorgung.

„Räumst du anderer Leute Müll weg?“ frage ich den Rastamann.

Er nickt: „Dieses Land ist viel zu schön, um es so zu verschandeln. Ich muss sowieso noch zum Supermarkt. Da werfe ich es ein.“

„Du willst gar nicht hier campen?“

„Nein, ich wollte nur sauber machen,“ sagt er und sein australischer Akzent ist unüberhörbar.

Als ich ein paar Minuten später mit dem Auto nochmal an derselben Stelle vorbei komme, spielen drei Kinder da, wo eben noch der Müll lag. Ihre Eltern schauen zufrieden hinaus aufs Wasser.

Loch Duntelchaig

 

 

 

 

 

 

 

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Schottland Foto Challenge – Edinburgh und Inchcolm von Britta Dicken

Edinburgh und Inchcolm im Herbst

Die bevorzugte Reisezeit für Städtereisen ist sicherlich der Frühling. Aber wir waren von unserem ersten Schottland-Besuch so begeistert, dass wir direkt im gleichen Jahr noch ein verlängertes Wochenende in Edinburgh drangehangen haben.

Im Oktober ist Edinburgh sehr schön. Es ist nicht so voll, das Wetter ist … schottisch und die Leute sind entspannt, denn die Festivalsaison liegt hinter ihnen. Wir haben die drei Tage in vollen Zügen ausgenutzt und haben die Stadt zu Fuß erkundet.

Das absolute Highlight war jedoch ein spontaner Ausflug zur Isle of Inchcolm. Mit dem Bus geht es von Edinburgh aus nach South Queensferry und dann mit einem kleinen Boot weiter. Das Wetter ist für einen Bootsausflug eigentlich nicht geeignet, aber drinnen sieht man so wenig. Also, Kapuze auf, Taschentuch zum Reinigen der Linse griffbereit in die Tasche und Zähne zusammenbeißen.

Die Isle of Inchcolm ist heute unbewohnt und liegt mitten im Firth of Forth, der Meeresarm, der sich bis weit ins Landesinnere erstreckt. Sie soll angeblich schon von den Römern genutzt worden sein, aber das für uns Interessante ist die Ruine des Klosters. Ihr sichtbare Geschichte beginnt um 560 herum, als der irische Mönch Columba von Iona die Insel besuchte. Aus dieser Zeit soll auch das steinerne kleine Gebäude stammen. In dieser Einsiedelei lebte um 1123 ein Mönch, der Alexander I. und seinen Begleitern nach einem Sturm Obdach gewährte. Alexander I. versprach ein Kloster zu gründen, doch erst ein Jahr später konnte sein Bruder und Nachfolger, David I., dieses Versprechen erfüllen.

Erst bestand die Kirche nur aus einem kleinen Schiff mit einem kurzen Chor. Bereits um 1200 wurde der Chor mit einem Turm gekrönt und ein neuer Chor angebaut. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde dann das achteckige Kapitelhaus mit zwei Stockwerken erbaut. Die Abtei wurde immer wieder erweitert, so dass schließlich das gesamte Erdgeschoss als Kreuzgang genutzt werden konnte. Erst zu Zeiten der Reformation wurde die Abtei aufgelöst.

Dank ihrer abgeschiedenen Lage ereilte sie jedoch nicht das Schicksal vieler anderer aufgelöster Abteien. Sie wurde nicht als Steinbruch genutzt, so dass die Ruine in einem sehr guten Erhaltungszustand ist.

Erst zu Zeiten des Ersten und zweiten Weltkrieges wurde die taktische Lage der Insel wiederentdeckt und einige Geschützstände zur Verteidigung der Küste auf ihr montiert. Auch diese Überreste sind heute noch zu sehen, doch für uns waren sie nicht so interessant.

Viel interessanter ist jedoch, dass sich auf der Insel auch Brutkolonien von Möwen und Eissturmvögeln befinden. Daher ist ein Großteil der Insel für Besucher nicht zugänglich, um die Vögel nicht bei der Brut zu stören. Zudem tummeln sich, so wie gefühlt auf jedem Felsen im Firth of Forth, auch einige Robben rund um die Insel. Einige davon haben uns die Wartezeit bis zur Ankunft unseres Bootes versüßt. Leider hatte ich damals nur eine kleine Kompaktkamera ohne nennenswerten Zoom, aber erfreut habe ich mich dennoch an ihnen und ihren Spielen im Wasser!

Wer also in der Ecke ist und einfach mal dem Großstadttrubel entfliehen möchte, der sollte sich überlegen, ob die Isle of Inchcolm nicht ein Besuch wert ist  Ich würde sagen: Auf jeden Fall!

Und wir auch liebe Britta. Vielen Dank für die großartigen Fotos! Auch wenn du viel mehr geschickt hast, als die 5 für den Wettbewerb erforderlichen. 😉 Dafür perfekt mit Text und Recherche. Das gibt von mir ein extra Like. 👍 LG Nellie