5 Tipps zur Buchveröffentlichung im Selbstverlag

Ab wann fühlt man sich als Autorin oder als Autor? Wenn man das erste Buch veröffentlicht hat? Bei mir hat das in der Tat länger gedauert, bis ich selbstbewusst gesagt habe – ja, ich bin Autorin. Das ist, was ich mache. Ich schreibe Bücher! Und ja, im Selbstverlag.

Schreibhüttenblick

Abenteuer Highlands – mein etwas anders Leben im schottischen Hochland war mein erstes Buch im Selbstverlag. Eigentlich hatte ich es für eine Reihe im Herder Verlag geschrieben. Doch der stellte die Reihe ein und brauchte das Manuskript nicht mehr. Das war mein Startschuss, denn ich hatte das „Buch“, es musste nur noch raus. Das war 2018. Seither, habe ich viel gelernt.

Hab keine Angst

Du hast das Gefühl, etwas sagen bzw. schreiben zu müssen. Tu es! Und tu es unabhängig davon, ob es jemand veröffentlichen will. Denn ob ein Verlag Interesse an deinem Manuskript hat oder nicht, liegt nicht unbedingt an dessen Qualität, sondern daran, was der Verlag für Ziele hat: die Fortsetzung einer Reihe, das Füllen von Lücken im Portfolio, die Betreuung Autoren, die bereits einen Namen haben usw. Das hat mit deinem Buch garn nichts zu tun.

Dann kam Riding Towards Shadows und ich stellte fest, vieles ist anders, wenn man in einer anderen Sprache schreibt und veröffentlicht.

Hab Geduld

Schreiben kann ein langer aber auch ein schneller Prozess sein, das hängt natürlich vom Buch und vom Autor ab. Die Veröffentlichung dauert immer länger als das Schreiben. Lektorat, Korrektorat und Layout brauchen Zeit und kosten Geld. Und dann kommen Marketing und Vertrieb hinzu, die neben Zeit vor allem auch Geld kosten.


Ich nehme mir inzwischen ein Jahr für ein Buch Zeit. Das klingt viel, ist es aber nicht. Vor allem nicht, wenn man neben dem Schreiben noch einem Beruf nachgeht.

Ich schreibe drei bis vier Monate, dann gebe ich dem Lektorat einen Monat, um in einem weiteren das Manuskript umzuschreiben. Das Korrektorat braucht noch einen Monat und die Einarbeitung und Prüfung der Korrekturen einen weiteren. Dann lasse ich einen Monat für Cover und Formatierung, auch hier sollte man Zeit für Prüfung und Überarbeitungsschleifen im Folgemonat einplanen. Und die letzte zwei Monate widme ich der Verbreitung auf Social Media, dem Marketing und der Distribution. Und dann gilt es schon wieder den Kopf freizukriegen für das nächste Buchprojekt. Dann kommt wieder die schönste Zeit – das Schreiben.

Schottland für stille Stunden und Scotland for Quiet Moments folgten – ein Buch in zwei Sprachen.

Nimm Kritik an

Es ist sehr schwer, Kritik nicht persönlich zu nehmen. Du hast gerade ein Jahr mit deinem Buch verbracht und viel Zeit und Liebe hineingesteckt. Natürlich wissen wir alle, wie schön sich tolle Kritiken anfühlen und welche Motivation sie bringen, genau so weiterzumachen wie bisher. Das sollte auf jeden Fall auch so sein. Genieße diese Momente.

Doch es gibt eben auch die andere Seite und die fühlt sich oft sehr ungerecht an. Leser beschweren sich über zu viel Sex oder zu wenig Sex. Sie lesen die Geschichte lieber im erzählerischen Präteritum oder im Präsens. Du kannst es nie allen recht machen. Aber nimm ernst, was sie sagen und versuche, daraus Lehren zu ziehen. Kritik ist eine Chance, Dinge künftig besser zu machen. Deshalb solltest du Kritik einfordern, wo immer es geht. Vor allem auch von Menschen, die dich nicht kennen. Sie haben keine Scheu, dir zu sagen, was ihnen nicht gefällt. Aber frage dich immer, ob das was sie wollen auch das ist, was du schreiben willst.

Kenne deine Zielgruppe

Sind die Kritiken oft negativ, dann kann es natürlich an der Qualität des Manuskripts liegen und es ist wichtig, sich ehrlich zu fragen, ob man einen zu subjektiven Blick auf das Produkt hatte. Du solltest dir aber auf jeden Fall Gedanken machen, was deine Zielgruppe angeht. Was will sie lesen? Und was willst du schreiben? Erreichst du die richtige Zielgruppe mit deinen Marketingmaßnahmen? Es macht z.B. wenig Sinn, auf Instagram zu posten, wenn du die Altersgruppe zwischen 40 und 50 erreichen möchtest. Hier bist du auf Facebook besser aufgehoben. Medienschaffende erreichst du mit Twitter und mit TikTok zwar eine recht junge, aber auch sehr buchorientierte Gruppe. Es ist auf jeden Fall im Selbstverlag einfacher, wenn deine Bücher alle weitgehend dieselbe Zielgruppe ansprechen. Auf mehreren Plattformen erfolgreich zu agieren kostet Zeit.

Meine Leser haben sich einen zweiten Teil von Abenteuer Highlands gewünscht – ich hab ihn geschrienen: Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland.

©nme Abenteuer Highlands 2.0 promo pic

Sei nahbar

Nach sechs Büchern im Selbstverlag kann ich sagen: Es ist etwas Wunderbares, eine kleine Fanbase zu haben, die dich über die Jahre und über deine Bücher hinweg begleitet und wertschätzt. Ich wollte nicht mehr ohne sie sein. Und ich ziehe auch viel Nutzen aus dem Austausch auf Social Media, denn oft sind es selbst Autorinnen und Autoren, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und diese gerne teilen. Und natürlich ist diese Base auch immer bereit, deine Bücher nicht nur zu kaufen und zu lesen, sie hinterlassen wohlwollende Kritiken und teilen sie in ihrer Bubble. Besseres Marketing gibt es nicht. Auch meinen ersten Krimi haben meine Followerinnen und Follower in der Entstehung mit begleitet. Er kam im Ende 2022 raus

Das waren meine fünf Tipps zur Veröfentlichung im Selbstverlag.

Und hier sind die fünf Gründe, warum ich überhaupt im Selbstverlag veröffentliche: freie Entscheidungen, kein externer Zeitdruck, ich kann in mehreren Sprachen schreiben, ich liebe jeden der Schritte auf dem Weg und ich kann mich über jedes einzelne Buch freuen, das ich verkaufe, weil es sich nicht nur beim Schreiben, sondern auch am Ende ganz wie mein Buch anfühlt.

Und was hat dich zum Schreiben motiviert? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

Hier findest du meine Bücher

Zeitreise ohne Steinkreis

Fort George ist wieder einmal Gastgeber der Celebration of the Centuries. Von Samstag, 13. August 2022 bis Sonntag, 14. August 2022 werden Reenactors die mächtige Festung mit einer lebendigen Zeitleiste, die über zweitausend Jahre schottische Geschichte darstellt, zum Leben erwecken.

So die offizielle Ankündigung von Historic Scotland. Mehr Infos gibt es hier.

Aber wie fühlt sich das an? Diese schottische Zeitreise ganz ohne Steinkreis?

Celebration of the Centuries, Fort George (82)

von schottischen Schlachten und anderen schrägen Wochenendveranstaltungen

Sonntag war Zeitreisetag. Der Mann und ich sind früh aufgestanden und nach Norden gefahren, um in die Welt der Pikten, Kelten und Römer einzutauchen, um Mittelalter zu erleben und uns den Ersten und Zweiten Weltkrieg anzusehen. Alles hinter 12 Meter hohen Sandsteinmauern.

Celebration of the Centuries, Fort George (59)

Fort George, ein paar Meilen außerhalb von Inverness, der Hauptstadt der Highlands, gleich neben dem Flughafen. Eine Befestigungsanlage aus dem 18. Jahrhundert, gebaut von den Engländern um das aufrührerische Schottland nach dem gescheiterten jakobitischen Aufstand von 1745 zu befrieden.

Die Anlage dient heute noch als Garnison und beherbergt die Soldaten der sogenannten Black Watch, das 3. Bataillon des Royal Regiment of Scotland. Eine alte und hochdekorierte Einheit. Sie sind so was wie die Superstars der schottischen Militärgeschichte. Allerdings geht auch ihre Zeit in Fort George zu Ende.

Celebration of the Centuries, Fort George (12)

Am Wochenende war hier alles anders: Celebration of the Centuries. Für die Freunde längst vergangener Tage. Ein geschauspielerter Einblick in diverse Volksgruppen und Jahrhunderte – ein wenig wie Braveheart trifft die Ritter der Tafelrunde bevor der mit Indiana Jones dann Zurück in die Zukunft fliegt.

Sie waren alle da, die Schotten, die bei der Schlacht von Bannockburn 1314 einen ihrer wichtigsten Siege über die Engländer feierten.

Die Römer, die Britannien besetzten aber im Norden nach Schottland hin eine Mauer bauen mussten, um vor den wilden Pikten Ruhe zu haben.

Celebration of the Centuries, Fort George (18)

Die wiederum saßen friedlich und blau tätowiert am Feuer.

Celebration of the Centuries, Fort George (120)

Mittelalterliche Ritter pflegten Schwerter und Schilde. Die Frauen bereiteten die traditionellen Bannocks auf offenem Feuer zu.

Und die Soldaten hatte Weltkrieg.

Wir hatten nach drei Stunden und insgesamt 1500 Jahren Geschichte genug gesehen und gingen mit ein paar mittelalterlichen Bauern, einem Pestarzt und Soldaten mit Hellebarden dem Ausgang entgegen.

Celebration of the Centuries, Fort George (2)

Im Auto hab ich sicherheitshalber mal das Smartphone angemacht und den Kalender geprüft. Nur um ganz sicher zu sein, daß wir auch im richtigen Jahrhundert nach Hause fahren.

 

Familienbesuch – Take 3

Heute nun der dritte und letzte Teil der Familiensaga zum Besuch. Nachdem wir die Frage geklärt hatten, wann ein Frühstück ein Frühstück ist und was genau in einem schottischen Kühlschrank Standard ist, klären wir hier die Frage Home oder Away.

Take Away oder Home Cooking?

Ich zeige dem Mann die Speisekarte des Café Sia. „Schau doch mal, das ist unsere Lösung. Hier ist für jeden was drauf. Es gibt auch Pizza mit Würstchen.“

Er ist nicht überzeugt und auch wenn seine Familie umgekehrt so gut wie nie was kocht, wenn Besuch kommt, er hätte es wohl gerne gesehen, wenn wir unseren Gästen home cooking geboten hätten. Take Away ist in Glasgow eher Standard als die Ausnahme. Das ist in Deutschland sicherlich anders. Aber so richtig klar sagt er auch nicht, was er will,

Ich beschließe, taktisch klug zu agieren in diesem potenziellen deutsch-schottischen Mienenfeld.

„Lass es uns doch heute Abend mal testen. Hast du Lust? Wir fahren einfach hin und schauen, ob sie das mit der Pizza nach machen. Sie bieten ja auch noch andere Sachen an, da laufen wir keine Gefahr, an zwei Abenden hintereinander das Gleiche zu essen.“

Er brummt etwas Unverständliches und schickt sich in sein Schicksal.

Am Abend fahren wir auf die Isle of Skye. Telefonisch haben wir zwei Pizzen für 18 Uhr bestellt. Mit zwei göttlich duftenden Kartons kommt er zurück ins Auto und überbringt die schlechte Nachricht.

Take away machen sie eigentlich nicht mehr, auch wenn es noch auf der Webseite steht. Und die Preise sind happig, die zwei Pizzen haben £ 25 gekostet.“ erklärt er, während er sich mit den Kartons auf dem Beifahrersitz niederlässt.

Pizza vegetarisch Café Sia, Broadford, Isle of Skye

Pizzaduft füllt das Auto, durch das Fenster kommt die salzige Luft vom Meer. Die Möwen beobachten uns aufmerksam von oben, während sich die Sonne langsam anschickt unterzugehen.

„Lass uns ein paar Meter fahren“, schlage ich vor. Der Pizzamann auf dem Beifahrertisch nickt.

Mi einem Blick auf die Sonne steuere ich direkt Carr Brae an, der allerbeste Ort auf der Welt, um eine Pizza aus dem Karton zu essen. Oder habt ihr einen besseren?

Sonnenuntergang Eilean Donan Castle

Noch am selben Abend habe ich vier Lachsfilets aus der Gefriertruhe genommen und sie am nächsten Tag mit Reis und wahlweise Gemüse im Garten unter der Pergola serviert.

Und was sagt der Cousin des Mannes?

„Ich dachte, es gibt Würstchen!“

Familienbesuch – Take 2

Wir bekommen Besuch. Eigentlich keine besondere Sache, aber in Corona Zeiten wirklich nicht einfach und schon gar nicht, wenn der Mann mitmischt.

Wir freuen uns, denn sein Cousin samt Frau haben sich angekündigt, beides Biker, die Männer schon seit der Kindheit eng miteinander verbunden und auch wir Frauen verstehen uns gut. Wir organisieren also ein Treffen? Äh, ja…. alles nicht so einfach, wie ihr bei der Frage des Frühstücks in Teil 1 sicher bemerkt habt.

schottischer Kühlschrank Standard

Zwei Tag vor dem geplanten Besuch frage ich vorsichtig nach, wie er sich das mit den Würstchen so gedacht hat. Er sagt, er macht Bacon, Eggs and Sausages. Zu seinen Würstchen haben sich gedanklich also Eier und Speck gesellt. So etwas hatte ich fast vermutet. Eben doch ein Frühstück.

„Und wo sind der Speck, die Brötchen und alles andere, was man dazu braucht? Gehst du einkaufen?“ frage ich.

Er schaut verwirrt. Er hatte wohl angenommen, dass auf eine magische Art einfach alles so in der Küche erscheint, weil es sich ja um nichts großes, sondern nur um Eier, Würstchen und Speck handelt. Schottischer Kühlschrankstandard quasi. Eier, Würstchen und Speck stehen aber nicht auf meinem Essensplan und sind im germanischen Kühlschrank absolut verzichtbar. Ich stelle fest, dass wir ein Planungsproblem haben.

Gluten, Laktose, Cholesterin

Ich komme wohl um das Kochen nicht drumrum, denke ich. Ich arbeite gerade viel und Vollzeit von Schottland aus und habe unter der Woche definitiv keine Zeit einkaufen zu fahren. Frühestens Samstag aber da kommen sie ja schon um 12 Uhr und zum Supermarkt sind es im Sommer knapp zwei Stunden Fahrt. Im Winter ohne Touristen schafft man es in 90 Minuten. Jetzt im Herbst sind wir irgendwo dazwischen. Dennoch. Ich müsste um 6 Uhr losfahren, wenn ich um 12 Uhr gekocht haben will…

„Wie ist das noch mal mit ihrer Diät?“ erkundige ich mich beim Mann.

Er startet eine neue Konversation auf WhatsApp. Dann berichtet er.

„Also, er isst alles, außer Salat und Gemüse. Sie isst Salat und Gemüse, außerdem gluten- und laktosefrei. Beide essen Fleisch nur extrem durchgebraten.“ Der Mann nickt zufrieden. Alles ganz simpel.


In meinem Kopf stehen ganz viele Fragezeichen, denn ich muss diese zwei Diäten mit der des Mannes und mit meiner kombinieren. Wegen der Magenprobleme bin ich weg von scharf und fettig, aus ideologischen Gründen weitgehend weg vom Fleisch, ich esse mit Vorliebe italienisch. Der der Mann mag keine Pasta.


Die nächste Nacht kann ich nicht schlafen, weil mein Kopf verzweifelt versucht zu ergründen, was ich kochen kann für vier Personen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, ohne gleich vier verschiedene Mahlzeiten zubereiten zu müssen, zumal man die ja auch noch draußen im Regen servieren muss. Ein Rätsel, das mir Nerven und Schlaf raubt.

Am nächsten Morgen bin ich schlecht gelaunt und beschließe, wir besorgen Essen. Das Café Sia auf der Isle of Skye macht auch glutenfreie Pizza. Inzwischen haben die nicht nur das Restaurant, sondern auch noch einen Imbiss übernommen. Da kann man Pizza holen. Einen Tisch bestellen können wir ja nicht, weil Cousin und Frau wegen Corona nicht in andere Häuser gehen. Ich habe die Lösung, Pizza essen alle. Heureka!

Nächstes Mal: Warum ist es am heimischen Herd so schön und der schottische Pizzamann.

Grüße zur Wochenmitte

©nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands 2022 Winterblick

Am Wochenende hat es hier in den Highlands ziemlich gewütet und ein Sturm folgte auf den nächsten. Tagsüber war mal kurz Zeit zum Luft holen. Wie ich diese Momente genieße. Einfach mal Stille, Natur und Raum, die Gedanken schweifen zu lassen. Ich bin gespannt, wie es diese Woche hier aussieht und ob bald der Schnee kommt, der sonst den Januar so schön macht. Statt dessen tauchen hier schon die ersten Frühlingsblumen auf.

©nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands 2022
Frühlingsgrüße

Es lebt sich am Meer einfach so viel enger mit der Natur, als man das von zu Hause und den Städten kennt.

Jeder Tag ist anders. Selbst wenn man auf dieselbe Szenerie schaut. Die Sonne, die Wolken, das Wasser, die Berge, Schnee oder kein Schnee, Regen oder trocken. Ich freue mich über alles und über die Abwechslung.

©nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands 2022
Schreibhüttenblick

Ich hoffe ihr hattet alle ein wunderbares Wochenende und seid entspannt in der Mitte der neuen Arbeitswoche angekommen

Familienbesuch – Take 1

Wir bekommen Besuch. Eigentlich keine besondere Sache, aber in Corona Zeiten wirklich nicht einfach und schon gar nicht, wenn der Mann mitmischt.

Wir freuen uns, denn sein Cousin samt Frau haben sich angekündigt, beides Biker, die Männer schon seit der Kindheit eng miteinander verbunden und auch wir Frauen verstehen uns gut. Wir organisieren also ein Treffen? Äh, ja….

Es ist der Sommer 2021. Allein schon die Wahl des richtigen Wochenende ist schwierig, obwohl ich noch einen ganzen Monat habe, bevor ich mich wieder nach Deutschland verabschiede. Am ersten Wochenende bekommen sie Holz für den Ofen, am zweiten haben sie Hochzeitstag und am dritten regnet es in Strömen. Nun also, an meinem letzten Wochenende in Schottland, klappt es endlich. Allerdings regnet es auch an diesem Wochenende. Ist aber ja auch nichts Neues hier in den Highlands. Das Problem mit dem Regen ist nur, wir treffen uns draußen und nicht drinnen, weil sie wegen diverser Krankheiten nicht gegen Corona geimpft werden kann. Um die Sicherheit für alle zu gewährleisten, müssen wir Abstand waren und uns draußen treffen.

Wie machen wir das mit der Toilette, frage ich mich. Ich frage mich noch 1000 andere Sachen und versuche alle zu lösen, während der Mann das alles fröhlich vor sich hin ignoriert. Wird schon irgendwie…. denkt der Schotte und entspannt. Aber was, wenn…. denkt die Deutsche und hadert. Ich mache also die ersten Pläne. Was kochen wir, wie kochen wir, wo sitzen wir. Klingt leichter als es ist.

Grillen und al fresco dining in Schottland

In der leisen Hoffnung, dass der Mann sich an der Organisation irgendwie mit beteiligt, frage ich: „Wie wäre es mit BBQ?“ Schließlich übernehmen andere Männer im Sommer auch das Kochen im Freien. Es ist August also kalendarisch durchaus Sommer.

„Haben wir nicht noch eines dieser fertigen BBQs in der Scheune? Die, die man als Ganzes im Supermarkt kaufen kann, mit Kohle und allem?“

Ich hatte ihm ja mal einen ziemlich coolen amerikanischen Smoker gekauft, aber der ist unbenutzt vor sich hingerostet, weil der Mann in seiner schottischen Panik vor rohem Fleisch Smoker zwar toll findet, sie aber nie selbst benutzen würde. Ich streiche den Gedanken an BBQ, zumal das auch eine andere Problematik hat.

Wir haben eine Sitzecke im Garten, die ist aber direkt neben dem Öltank.

„Wollen wir da nicht woanders sitzen, wenn wir ein Feuer machen wollen“, frage ich.

„Wir können nicht woanders sitzen, weil wir die Pergola da aufgestellt haben wir brauchen die Pergola, weil es regnen wird“, sagt der Mann.

„Können wir nicht die Pergola mal woanders aufstellen?“ will ich wissen.

Der Mann meint nein, weil es keinen anderen Fleck gibt, der großflächig eben wäre und weil die Pergola umständlich zu transportieren ist.

„Dann stellen wir die Pergola auf den Strand. Das wird super mit dem Blick auf die Berge und dem Rauschen der Wellen.“

Der Mann sieht mich an als hätte ich ihm vorgeschlagen, in der Hudson Bay eine Beach Party zu veranstalten.

Okay! Also aus Sicherheits- und Positionsgründen kein BBQ. Schade eigentlich!

Die schottische Definition von Frühstück

Also beschließe ich, zu kochen, aber was nur? Und vor allem wann?

„Kannst du mal nachfragen, wann sie kommen wollen: zum Frühstück, Mittagessen oder Abendessen?“

Der Mann beginnt eine WhatsApp-Konversation mit seinem Cousin, weil ich wissen will, wann sie kommen, morgens mittags oder abends. Das könnte ja Einfluss auf das Essen haben. Bei dem Mann hat sich aber das Grillen von Würstchen im Kopf festgesetzt und er denkt über schottisches Frühstück nach. Dabei spielt die Uhrzeit keine Rolle, denn offensichtlich kann man Frühstück zu jeder Tageszeit machen. Das wäre bei uns dann eher Brunch und schon in der Mitte des Tages, aber mit etwas Mühe kann ich mich da auch reindenken. Die Definition, ob es sich bei den Würstchen um Frühstück handelt oder nicht, ist noch aus einem anderen Grund wichtig: Frühstück macht der Mann, den er ist viel besser im Wurstwaren und Speck braten als ich.

„Also machst du Frühstück?“ frage ich.

„Nein“, sagt er.“Ich brate doch nur Würstchen.“

Den Gedankengang verstehe ich nicht ganz, aber ich nehme das mal so hin

„Sie kommen um zwölf?“

Der Mann nickt. Gut. Das wäre geklärt. Ich kann mich entspannen und das Kochen den Mann überlassen.

Nächstes Mal: Wie vermeintliche Grundnahrungsmittel in schottische Kühlschränke gelangen – oder eben auch nicht!

Im deutsch-schottischen Medikations-Limbo

Teil 2

Im ersten Teil habe ich euch berichtet, wie unterschiedlich die Behandlungen in schottischen und deutschen Notaufnahmen bei Gallenkoliken war. Nun aber stand die Entfernung der Gallenblase an und auch da lagen Welten zwischen der deutschen und der schottischen Herangehensweise.

Ein paar Tage später bin ich dann wieder im Krankenhaus. Diesmal für die OP. Danach geht es mir wie immer schlecht. Die OP ist gut verlaufen, aber mir ist sowas von schlecht. Ich frage die Schwester, ob sie mir Antihistamine geben kann. Die hatte ich in Schottland bekommen und die hatten geholfen.

verschreibungspflichtige Medikamente in Schottland

Damit kann die Krankenschwester aber nichts anfangen. Es ist nachts und kein Arzt wach im Krankenhaus. Der Mann whatsappt seiner vor Übelkeit fast verzweifelnden Deutschen ein Foto von ihrem schottischen Medikament, das man in schwächerer Form dort auch bei ALDI kaufen kann. Das zeige ich dann der Schwester.

Sie will helfen, geht raus, fünf Minuten später kommt sie zurück mit Rüge im Blick.

„Dieses Medikament verabreichen wir nur sterbenden Kindern und außerdem haben wir sowas gar nicht da. Haben Sie vielleicht jemand, der morgen für sie in die Apotheke gehen und welches besorgen kann?“

Ich liege als Privatpatientin im Krankenhaus und soll jemanden organisieren, der mir meine Medikamente aus der Apotheke besorgt???

Im Laufe der Nacht bekommen sie die Übelkeit aber auch mit den im Krankenhaus vorhandenen Medikamenten in den Griff.

schottische Medikation und deutsche Standards

Ganz offensichtlich haben beide Länder nicht nur zwei grundsätzlich unterschiedliche Gesundheitssysteme, auch die Medikation ist gänzlich anders. Wahrscheinlich ist das auch eine Frage der Pharmaindustrie im jeweiligen Land. Keine Ahnung, ich bin keine Expertin. Ich bin im deutsch-schottischen Medikations-Limbo.

In Schottland bekomme ich Medizin, die man in Deutschland nur in der Palliativmedizin verwendet.

In Deutschland bekomme ich Medikamente, die in Schottland verboten sind und soll mir andere ins Krankenhaus bringen lassen. Ich bin im deutsch-schottischen Medikations-Limbo.

Schräg, oder?

Wenn ich nach er OP nicht meine Bauchmuskeln schonen müsste, ich würde Limbo tanzen bis zum Abwinken – großes hippokratisches Ehrenwort!

Im deutsch-schottischen Medikations-Limbo

Unterschiede zwischen NHS und deutschem Gesundheitssystem

(Teil 1)

Ich war im Krankenhaus und eigentlich hätte ich darüber gar nicht geschrieben. So ein Krankenhausaufenthalt ist schließlich in den seltensten Fällen lustig, interessant oder gar informativ.

Weil es aber in meinem Fall alle drei Kriterien erfüllt, werde ich euch teilhaben lassen an meinen Erlebnissen im deutsch-schottischen Medikations-Limbo, wobei ich mit Limbo den Schwebezustand des Unwissens und nicht den Tanz unter den Stangen meine.

Gerade habe ich die Entfernung meiner Gallenblase gut überstanden. Sie war auch dringend nötig, denn inzwischen hatten mich vier Gallenkoliken erwischt und die sind überhaupt nicht lustig, sondern SEHR schmerzhaft. Der Mann hat inzwischen jede Menge Übung darin, mich in die Notaufnahme zu fahren.

Bei einer Gallenkolik bekommt man in Schottland Morphium gegen die Schmerzen. Das machte mich zumindest beim ersten Mal recht glücklich. Ab dem zweiten Mal stellten sich starke Nebenwirkungen ein – mir wurde speiübel! Und diese Übelkeit dauert Tage an, wenn man nicht etwas dagegen unternimmt. Aber: Eine Tablette und innerhalb von 1 Minute ist man wieder ein glücklicher Mensch. Ich habe berichtet.

Hach, das Leben kann schön sein ohne Schmerzen und Übelkeit.

Kurz vor der Operation in Deutschland erwischte mich nochmals eine Kolik. Dieses Mal musste selbst in die nächste Notaufnahme fahren. Von Morphium wollte man da aber nichts wissen.

„Morphium? Das verabreichen wir nur Sterbenden“, sagt die Krankenschwester mit hochgezogenen Augenbrauen und großer Rüge im Blick, während sie mir die Infusion legt.

„Tschuldigung!“ nuschle ich und weiß gar nicht, warum ich mich entschuldigte.

Da liege ich nun am Tropf mit Novalgin und später an einem mit Buscopan. Die Schmerztherapie dauert drei Stunden im Gegensatz zu den 30 Sekunden Morphium der schottischen Spritze.

„Lustig“, sagt ich zu der Schwester, um eine Konversation zu beginnen. In schottischen Krankenhäusern unterhält man sich, auch wenn einem wegen der Schmerzen öfter die Luft wegbleibt.

„Ich habe vor Jahren in Schottland mal versucht, Novalgin zubekommen, weil ich die anderen Schmerzmittel wie Paracetamol und Aspirin nicht so gut vertrage mit dem Magen. Die Ärztin dort kannte Novalgin aber gar nicht.“

Wieder hat die Schwester die Rüge im Blick, während sie von oben auf mich herabschaut. Ihr sind wohl schweigende Patientinnen lieber.

„Novalgin ist in Großbritannien verboten“, belehrt sie mich. „Da gab es wohl zwei Todesfälle, dann haben sie es gesperrt.“

Während ich so daliege und dieses in Schottland verbotene Medikament langsam in meinen Blutkreislauf tropft, denke ich über diese etwas verwirrenden Bedingungen nach.

Hoffentlich versteht mein Körper, dass er gerade in Deutschland ist!

Fortsetzung folgt

3 Geistergeschichten von der Isle of Skye

Überall in Schottland, aber besonders in den Highlands, werden Geschichten von übernatürlichen Trauerzügen erzählt. Diese Prozessionen können nur wenige sehen, eigentlich nur Menschen, die für übernatürlich Phänomene empfänglich sind, aber für sie sehen diese Geister-Prozessionen so echt, aus wie eine echte Beerdigung. Nicht jeder weiß, ob er oder sie diese Gabe hat, Vorsicht ist also geboten. Diese Phantom Prozessionen weisen normalerweise auf einen bevorstehenden Todesfall hin, einige auf einen gerade eingetretenen. Sie führen alle zu einem Friedhof.

In Schottland war es in der Vergangenheit üblich, niemals mitten auf der Straße zu gehen, besonders an einsamen Orten und nachts, denn Sie wollten nicht in einem Trauerzug gehen, den Sie nicht sehen konnten, die Geister konnten Menschen zwingen, mit ihnen zu gehen.

Scavaig, Insel Skye

Straße von Heasta

Eine Skye-Frau sah einmal einen Trauerzug mit mehreren Särgen, aber, und das war ungewöhnlich, ging der nicht auf einer Straße, sondern über den Hang und unebenes Gelände. Dies geschah in Scavaig, einer abgelegenen Ecke auf der Isle of Skye. Die Frau starb. Zwei Jahre nach ihrer Vision ertranken drei Männer in Loch Scavaig. Ihre Leichen wurden in Ufernähe begraben und später wieder ausgegraben, um sie auf dem gleichen Weg, den die Frau gezeigt hatte, zum nächsten Friedhof zu tragen.

Strathaird, Insel Skye

Kilmarie Wanderweg

Eine andere übernatürliche Prozession wurde nicht weit davon in Strathaird, in der Nähe des Friedhofs von Kilmarie, gesehen. Die Männer trugen die Leiche eines Mannes in einem grauen Plaid, der im Fluss ertrunken war. Seine Leiche wurde Wochen später gefunden.

Portree, Insel Skye

Portree Friedhof

Ein tatsächlicher Hotspot für übernatürliche Ereignisse rund um Friedhöfe scheint Portree gewesen zu sein. Eines Nachts wachte ein Mann auf, als er einen Anruf von seinem Arbeitskollegen hörte, mit dem er normalerweise von The Braes nach Portree ging. Er stand auf und folgte der Stimme, die ihn, nachdem er immer wieder gerufen hatte, schließlich auf den Friedhof dort führte. Erst jetzt bemerkte er, dass sein Gefährte tot war und er eine Stimme hörte, die nicht von dieser Erde war.

In einer anderen Mondnacht in Portree ging schließlich ein Mann mit der Prozession. Als er fragte, an wessen Beerdigung er teilnehme, wurde ihm geantwortet: „Es ist deine eigene.“

Quelle:

Ronald Black (ed.): The Gaelic Otherworld. John Georgson Campbell’s Superstitions of the Highlands & Islands of Scotland and Witchcraft & Second Sight in the Highlands & Islands. Edinburgh, Birlinn Origin; 2019

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Die Kurzschlacht von Prestonpans

Schottische Schlachten, wie in der Tat viele andere Schlachte auch, brannten sich aus mehreren Gründen in das Gedächtnis ihrer Nation ein:  wegen der vielen Verluste, die auf einer oder beiden Seiten erlitten wurden, wegen der Heldentaten Einzelner oder der Dauer, in der sie wüteten. Prestonpans war eine der kürzesten Schlachten in der Geschichte Schottlands, sie dauerte nur knappe 10 Minuten.

Es war der 21. September 1745. Prince Charles war gekommen, das Land zu regieren und es von der englischen Herrschaft zu befreien. Gerade hatte er die Hauptstadt, Edinburgh, eingenommen, wo man den (so hoffte man) künftigen König der Schotten euphorisch feierte.

Keine guten Nachrichten für die Engländer und ihren General Sir John Cope, denn der führte eine Truppe Soldaten an, die wenig Erfahrung hatte im Kriegsgeschäft. Dennoch musste er eingreifen und marschierte gen Edinburgh.

Küstenlinie East Lothian

Auf dem Weg dorthin lagerten sie in Haddington, was den Jakobiten in Edinburgh nicht verborgen blieb. Am Abend hielt Charles Edward Stuart Kriegsrat. Man wollte Cope und seine Truppen schon auf ihrem Weg nach Edinburgh zur Schlacht zwingen und sie nicht erst in der Hauptstadt erwarten. Die Schotten marschierten los, und als General Cope das vernahm, ging er auf einem Feld, das auf der einen Seite von einem unzugänglichen Moor geschützt war, in Stellung, um den schottischen Rebellenprinzen und dessen Männer zu erwarten. Hier sollte die Schlacht von Prestonpans geschlagen werden.

Prestonpans Friedhof

Cope kommandierte 2000 Männer und verfügte über Artillerie. Die Rebellen bezogen auf einer Erhebung Stellung, von der aus sie das Camp des General Cope gut übersehen konnten. Sie hatten nur wenig Musketen, keine Artillerie, nur ihre Breitschwerter und die dirks, die typischen Messer der Highlander. Es blieb ihnen also keine andere Möglichkeit, als frontal anzugreifen. Der Abend kam, der nächste Morgen würde Sieg, Tod oder Gefangenschaft bringen.

An diesem Abend meldete sich der junge Robert Anderson zu Wort. Er kam aus Whitburgh und kannte sich in der Gegend gut aus. Er wusste, es gab einen Pfad durch das Moor, auf dem man die englischen Truppen würde erreichen können, ohne dass man sie dort erwarten würde. Es war dunkel und vom Meer her zog dichter Nebel über das Moor. Robert Anderson führte die Highlander bei Nacht und Nebel durch das Moor, in kleinen Gruppen auf dem schmalen Pfad, eine potenziell tödliche Route, doch Anderson hielt was er versprochen hatte und führte die Männer sicher ans Ziel.

Wolken über dem Forth of Forth

Als die ersten Sonnenstrahlen den Nebel auflösten, standen die Schotten überraschend an der Ostflanke der englischen Truppen. Die Artillerie blickte direkt in die aufgehende Sonne und war damit ihrer Stärke beraubt. Cope saß in der Falle und mit ihm seine Männer. Nach 10 Minuten waren 150 Mann der Regierungstruppen tot oder verwundet, einige flohen, der Rest wurde gefangengenommen. Die Highlander hatten nicht nur einen großen Sieg für die Moral errungen, sie hatten auch Waffen und Munition erbeutet. Und sie hatten an Ansehen gewonnen, denn nun sah man auch in London, dass die Highlander nicht nur wilde Einzelkämpfer, sondern vielmehr auch kluge Strategen waren.

Cope selbst entkam mit ein paar seiner Männer und brachte seinen Vorgesetzten die Nachricht seiner Niederlage persönlich. In den nachfolgenden Jahrhunderten waren spöttische Gedichte und Lieder über General Cope eine beliebte Art, sich an die Schlacht von Prestonpans zu erinnern.

Hey, Johnnie Cope are ye wauking yet? Hey Johnnie Cope, bist du schon wach? ist bis heute ein sehr beliebtes Lied mit einprägsamer Melodie. So ziemlich jede schottische Band hat das Lied irgendwann einmal aufgenommen, so auch die Corries und die Tannahill Weavers.

Einige der in der Schlacht von Prestonpans gefallenen Soldaten wurden auf dem Friedhof in Prestonpans begraben. Leider sind einige der alten Grabsteine zerstört worden. Eine bleibt jedoch, die von John Stuart von Phisgul, der im Regiment von Generalleutnant Peregrine Lascelles gegen die Jakobiten gekämpft hatte.

Hier liegen die Überreste on John Stuart of Phisgul, ein Galloway Gentleman and Captain in Lassel’sRegiment. Ein Mann von wahrer Tapferkeit, der ehrenhaft starb in Verteidigung seines Königs und seines Landes sowie der heiligen und bürgerlichen Freiheit, bis er gegen Ende der Schlacht auf dem Gebiet von Preston am 21. September 1745 von vier Highlandern barbarisch ermordet wurde.

Bei meinem Besuch auf dem Friedhof traf eich eine ausgesprochen liebenswerte ältere Dame, die mit großer Hingabe säuberte, pflanzte und goss. Ihr Sohn (sehr scheu und verschlossen) half ihr, wenig später kam ihr Mann, um sie abzuholen. Sie führte mich stolz zu dem Grab des gefallenen Captains, stolz, weil der Grabstein ihr persönlicher Bezug zur berühmten schottischen Schlacht war.

„Machen Sie das Tor gut zu.“ sagte sie, bevor sie zu ihrem Mann ins Auto stieg und mich allein lies mit ihrem Friedhof.

„Und bringen Sie das nächste Mal eine Drohne mit, da sieht man alles besser!“ rief der Gatte mir aus dem Auto zu. Er war offensichtlich nicht minder stolz darauf, Teil der schottischen Geschichte zu sein.

So ist das eben mit Friedhöfen in Schottland. Sie lassen einen nicht mehr los, weil sie die Verbindung sind zwischen persönlichem Erfahren und dem Erbe einer ganzen Nation. Egal ob man Schottin ist oder Deutsche.