Die Sage von der gelbe Ziege von Torridon

In Schottland stößt man beim Wandern nicht nur auf Regen, Midges oder eine verlorene Schafherde – manchmal auch auf Geschichten, bei denen einem kurz die Broonie-Marmelade vom Scone fällt. So ging es mir, als ich auf die Legende der Great Yellow Goat stieß. Eine Geschichte, so herrlich absurd und gleichzeitig tief in der Highland-Folklore verwurzelt, dass ich gar nicht anders konnte, als mich selbst auf Spurensuche zu begeben.

Die Geschichte beginnt irgendwo zwischen Alligin und Diabeg – einem Gebiet, das heute gern unterschätzt wird, aber früher ein echter Höllenritt war. Ein Mann aus Braebeg wollte zur Kommunion nach Gairloch. Der direkte Weg? Über den Druim Buie – eine einsame, windumtoste Hochfläche, auf der sich, wie man sich damals erzählte, eine riesige, gelbe Ziege herumtrieb. Nicht die freundliche Sorte mit Glocke und Gras im Bart. Nein, dieses Exemplar war so gefährlich, dass es schon Menschenleben auf dem Gewissen hatte.

Unser Mann – Jäger von Beruf, mutig, bewaffnet mit Schwert, Gewehr und einem gesunden Selbstbewusstsein – ließ sich nicht beirren. Als er auf halber Strecke bei einem kleinen Haus am Druim Buie vorbeikam, wurde er von einem freundlichen Schneider und dessen Frau hereingebeten, wie es in den Highlands üblich ist. Tee, Brot, ein gutes Wort.

„Fürchtest du dich nicht vor der Ziege?“, fragte der Schneider.

Der Mann grinste nur und tätschelte sein Gewehr. Nein, er fürchtete sich nicht. Er war ja vorbereitet.

Er zog weiter – und traf tatsächlich auf die Ziege. Groß. Gelb. Böse. Und schneller als gedacht hatte sie ihn umgeworfen, trat auf ihn ein, ließ ihn kaum zu Atem kommen. Er schlug mit dem Schwert – es verbog. Er schoss mit dem Gewehr – ohne Wirkung. Die gelbe Ziege schien aus Eisen. Oder aus etwas noch Dunklerem.

In letzter Not griff er zum kleinen Dolch, den er in seiner Socke trug – ein unscheinbares Teil, kaum der Rede wert. Zwei schnelle Stiche – die Ziege jaulte, drehte sich auf den Hufen und rannte davon, blutend und brüllend.

Der Jäger schleppte sich zurück zum Haus des Schneiders. Blutverschmiert, entkräftet, hämmerte er an die Tür. Die Schneiderin öffnete – erschrak – versuchte ihn abzuwehren. Doch der Mann drängte sich hinein. Und fand den Schneider tot am Boden. Mit genau zwei Dolchwunden.

Da wurde ihm klar: Der Schneider war die Ziege gewesen.

Mit dunkler Magie hatte er sich in das Tier verwandelt, seine Gäste ausgefragt, welche Waffen sie bei sich trugen – und war so gegen alles vorbereitet. Alles – bis auf den kleinen Dolch in der Socke, den der Jäger nie erwähnt hatte. Das war seine Rettung. Und das Ende der gelben Ziege vom Druim Buie.

Natürlich bin ich hingefahren.

Ich wollte es sehen. Diese wilde, karge Landschaft zwischen Nebel und Stein. Und was soll ich sagen: Sie hat mich umgehauen. So schön, dass man fast glaubt, die Legende könnte wahr sein. Nur von der gelben Ziege – keine Spur. Kein Meckern, kein Hufabdruck. Nur Stille.

Und da dachte ich an die Ziegen in Glenshiel. Die sind nicht magisch, aber zuverlässig. Sie stehen pünktlich wie die Queen beim Tee auf der Straße, klauen dem Nachbarn die Blumen im Garten und haben ihre ganz eigene Highland-Attitüde. Und vor allem: Sie sind echt.

Also, wenn ihr das nächste Mal in den Highlands unterwegs seid, schaut genau hin. Vielleicht ist da ja doch mehr an der alten Sage dran. Und wenn nicht – habt ihr wenigstens eine Ziege gesehen. Was ja nie verkehrt ist.

Quelle: Spooky Scotland – Legends and Lore

Also, wenn ihr das nächste Mal in den Highlands unterwegs seid, schaut genau hin. Vielleicht ist da ja doch 📚 Mehr schräge Geschichten, echte Erlebnisse und Highlands zum Schmunzeln?

Dann schaut in meine Abenteuer Highlands-Reihe rein! In Band 1 bis 4 nehme ich euch mit auf mein Leben zwischen Loch und Lachanfall – mit jeder Menge Coorie, schottischem Wahnsinn und dem ein oder anderen tierischen Mitbewohner.

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Die besten Geheimtipps für Schottland-Reisende

Oder nicht? Warum ich keine schottische Reiseagentur aufmache

Es beginnt harmlos.
„Liebe Nellie, darf ich dich mal was fragen? Du kennst dich doch aus mit Schottland.“

Ich ahne schon, was kommt. Es ist nie eine Frage zu schottischem Gebäck oder zur besten Sockenwahl im Hochlandregen. Nein, es geht immer um Urlaub. Um ihren Urlaub. Und zwar so, als könnte ich aus dem Stand ein komplettes Reisebüro aufmachen – mit Spezialgebiet „Unvergessliche Individualreisen, möglichst günstig, gern abgelegen, aber mit WLAN“.

Ich bleibe höflich.
„Klar, frag ruhig.“
Dann kommt sie – die Frage. Entweder ganz vage:
„Was würdest du denn so empfehlen, so ganz grob?“
Oder wahnsinnig konkret:
„Wir wollen im Juni für zwölf Tage mit einem Hybridauto durch die Highlands, möglichst ohne Midges, mit drei Schlössern, einem Steinkreis, nicht zu touristisch, aber mit gutem WLAN. Hast du da was?“

Hab ich. Ich hab sogar viel. Aber…
Reisen sind wie Stricksocken: Es passt nicht jeder Fuß in jedes Muster. Manche Menschen brauchen täglich neue Eindrücke und mindestens ein Castle pro Tag. Andere wollen nur sitzen, gucken, staunen – und vielleicht noch einen Single Malt dazwischen.

Was die Sache so knifflig macht: Viele wissen gar nicht, was sie wollen. Sie sagen es nicht. Oder sie sagen es und tun dann genau das Gegenteil.

Nehmen wir die Geschichtslehrerin.
Ich geb mir Mühe: Iona, Elgin, Whithorn – ich denke: Volltreffer.
Und was macht sie?
Sie geht zu den Fairy Pools.
Ich sag mal so: schöner Wasserfall, aber eben auch Selfiestick-Hotspot. Ich hatte sie einfach falsch eingeschätzt.

Oder mein ehemaliger Kollege.
Ich sag: „Skye ist ein Muss. Wenn du noch nie in Schottland warst – auf jeden Fall.“
Er antwortet eine Woche später: „War uns zu teuer. Wir sind in die Trossachs.“
Tja. Auch nett. Aber da hätte ich nie gedacht, dass er so aufs Budget schaut.

Oder der Typ mit Entscheidungsnot.
„Nellie, Ort A oder B?“
Ich: „A. Ganz klar. B ist lauter, A hat die schöneren Wege.“
Er: „Ja, aber B wäre halt auch nett.“
Ich geb’s auf.

Deshalb kommt hier jetzt, einmal und nie wieder (haha):

©Ewan Roy MacGregor

Die ultimative Liste für Schottland-Reisende nach Typ.

Wenn ihr euch irgendwo wiederfindet – nehmt’s mit. Und wenn nicht – fragt mich trotzdem. Ich mach’s ja gern. Und schüttle dann hinterher einfach ein bisschen den Kopf.

1. Für Sparreisende („Wir machen Selbstversorger und duschen notfalls im See“)

  • Glen Coe – dramatisch, geschichtsträchtig, kostenfrei. Aber Achtung: Es gibt nur wenige Parkplätze, und die sind oft voll. Früh dran sein lohnt sich.
  • Loch Morar – wild campen mit Blick aufs Wasser, mit Glück hört man den Zug nach Mallaig.
  • Isle of Mull mit Bus & Zelt – günstiger als Skye, dafür genauso eindrucksvoll.
  • Pitlochry & Killin – gute Basis für Ausflüge, Supermarkt vorhanden.
  • Geheimtipp: Craigtoun Country Park bei St Andrews – gratis Park, Bötchen, Picknickglück.

2. Für Camper und Vanlifer („Wir schlafen im Auto, aber bitte mit Aussicht“)

  • Ardnamurchan Peninsula – einsam, rau, traumhaft.
  • Applecross über Bealach na Bà – Nervenkitzel und Aussicht inklusive.
  • Loch Torridon – Parken direkt am Wasser, mit Glück ein Otter vorm Fenster.
  • Castle Trail in Aberdeenshire – eine Burg schöner als die nächste, und man ist ständig draußen.

3. Für Luxusreisende („Wir wollen schon was Besonderes, aber authentisch, bitte“)

  • The Fife Arms in Braemar – opulent, aber mit Charme.
  • Isle of Eriska Hotel – Luxus mit Aussicht und eigenem Golfplatz.
  • Boutique-Hotels entlang der North Coast 500 – wild und weich zugleich.
  • Inverlochy Castle Hotel – Dinner mit Geschichte.
  • Und: Private Tastings in kleinen Destillen – ohne Gruppenfoto.

4. Für Ersttäter in Schottland („Wir waren noch nie da – was muss man sehen?“)

  • Edinburgh – Altstadt, Holyrood, Arthur’s Seat.
  • Loch Ness & Urquhart Castle – ja, touristisch. Aber legendär.
  • Isle of Skye – Quiraing, Fairy Glen, Old Man of Storr. Bitte mit Regencape.
  • Glenfinnan Viadukt – Hogwarts-Feeling für Groß und Klein.
  • Oban – Fisch essen, Inselhüpfen, Menschen gucken.

5. Für Krimiliebhaber („Wir lesen gern düstere Dinge“)

  • Dornoch – Witch Trial Memorial, Kopfkino gratis.
  • Glencoe – Massacre Site mit Gänsehautpotenzial (und sehr wenigen Parkplätzen).
  • Isle of Jura – Orwell, Einsamkeit, Wildheit.
  • St. Kilda – für Abenteurer mit Bootsvertrauen.
  • Die Orte aus meinen Highland-Krimis, die ihr vielleicht schon kennt – oder noch entdecken wollt:
    • Avernish – wo fünf Tote und ein düsteres Geheimnis am Loch schlummern.
    • Achnacarry – Clan-Land und Schauplatz zwischen Nebel und Vergangenheit.
    • Skiary – abgelegen, still und voller Schatten.
    • Glenelg – mit den alten Brochs und neuen Fragen.
    • Nostie – ein kleines Tal, das mehr weiß, als es sagt.
    • Glendale – friedlich auf den ersten Blick…
    • Armadale – Geschichten über die Meerenge hinweg.
    • Kinlochhourn – Ende der Straße, Anfang des Unheimlichen.

Und ganz wichtig:
„Schottland für stille Stunden“ – mein Reiseführer für Fortgeschrittene, die gern mit Gänsehaut reisen. Erhältlich als Taschenbuch oder E-Book bei Amazon.
Darin: die schönsten schottischen Friedhöfe – für alle, die sich lieber an Grabsteinen als an Reiseführern orientieren.

6. Für Schottland-Profis („Wir waren schon zehn Mal da – überrasch mich!“)

  • Sandwood Bay – Wanderung zum einsamsten Strand Schottlands.
  • Assynt Region – Berge wie aus einem Fantasy-Roman.
  • Inseln wie Eigg oder Rum – autofrei, vogelreich, eigenwillig.
  • Crinan Canal – Schottland vom Boot aus erleben.
  • Borgue & Galloway Forest Park – Nacht wird hier wirklich dunkel.

7. Für stille Stunden („Ich will einfach nur Ruhe. Und vielleicht ein Schaf.“)

  • Rannoch Moor – Einsamkeit pur.
  • The Isle of Lismore – Inselidylle ohne Trubel.
  • Glen Affric – Bäume, Seen, Frieden.
  • North Harris – dramatische Küsten und himmlische Ruhe.
  • Und nicht vergessen: 📘 „Schottland für stille Stunden“ – alles drin. Vor allem: keine Reisegruppen.

Mini-Quiz: Welcher Schottlandtyp bist du?

  1. Dein Lieblingsgeräusch im Urlaub:
    a) Gluckern der Espressomaschine – Luxus
    b) Das Platschen der Gummistiefel im Matsch – Camper
    c) Blätterrascheln zwischen Grabsteinen – Krimifreak
    d) Vogelzwitschern ohne Empfangsbalken – Stille-Suchende
  2. Dein Albtraum:
    a) Kaltes Duschwasser
    b) Busgruppen mit Selfiesticks
    c) Kein WLAN im Cottage
    d) Überraschungsbesuch von den Schwiegereltern

Die politische Dimension von Händels Judas Maccabaeus

Judas Maccabaeus: Händel, der Duke of Cumberland und die Musik der Machtudas Maccabaeus war für mich lange Zeit der Klang von Weihnachten – festliche Trompeten, triumphale Chöre, der Sound eines Sieges. Doch dann sah ich eine Dokumentation von Lucy Worsley, die mir eine neue Perspektive eröffnete. Diese Musik war mehr als ein festlicher Ohrwurm, sie war politisch aufgeladen, verknüpft mit einer der brutalsten Episoden in der Geschichte Schottlands.

Der Duke of Cumberland: Vom Helden zum „Butcher“

Das Oratorium feiert den Duke of Cumberland, den Sieger von Culloden. In Schottland nennt man ihn nur den „Butcher“. Nach der Niederlage der Jakobiten ließ er das Hochland brutal unterwerfen: Verwundete wurden erschossen, Dörfer niedergebrannt, ganze Familien ausgelöscht. Sein Ziel war nicht nur die Zerschlagung der Rebellion, sondern die Zerschlagung einer ganzen Kultur. Die gälische Sprache, die Clansysteme, die traditionelle Kleidung – all das wurde systematisch unterdrückt, um jede weitere Erhebung unmöglich zu machen. Seine Truppen folgten dem berüchtigten „No Quarter“-Befehl: keine Gefangenen, keine Gnade. Dass Händel diesen Mann musikalisch ehrte, verleiht „Judas Maccabaeus“ eine ganz andere Dimension.

Duke of Cumberland (ChatGPT)

Händel und die Machtelite des 18. Jahrhunderts

Doch warum feierte Händel überhaupt Cumberland? Die Antwort liegt in den engen Verbindungen zwischen der Musik und der Machtelite des 18. Jahrhunderts. Georg Friedrich Händel war ein deutscher Komponist, der sich in London etabliert hatte und dort nicht nur als Musiker, sondern als eine Art kultureller Diplomat wirkte. Die hannoversche Königsdynastie hatte sich gerade erst auf dem Thron gesichert, nachdem Georg I. im Jahr 1714 König wurde – trotz seiner fernen Position in der Erbfolge. Die Stuarts, die eigentlichen Thronanwärter, waren Katholiken, und das Act of Settlement von 1701 hatte ihnen den Weg versperrt. Georg von Hannover, der kaum Englisch sprach und sein Königreich vor allem aus der Perspektive eines deutschen Fürsten regierte, war eine pragmatische, wenn auch unpopuläre Wahl für das Establishment. Doch um seine Macht zu festigen, brauchte es kulturelle Symbole – und genau hier kam Händel ins Spiel.

Georg Friedrich Händel (Chat GPT)

Händel als musikalischer Architekt der Monarchie

Händel war ein Meister darin, sich in das System einzufügen und die Bedürfnisse seiner Gönner zu bedienen. Sein Talent und seine Fähigkeit, sich an politische Strömungen anzupassen, machten ihn zum führenden Komponisten seiner Zeit in England. Er komponierte für Könige, Adelige und für das Bürgertum, das ihn ebenso verehrte. Seine Werke waren nicht nur Unterhaltung, sie dienten auch der politischen Legitimation. Mit „Zadok the Priest“ schuf er eine Hymne für königliche Krönungen, die bis heute gespielt wird. „Judas Maccabaeus“ war eine weitere Huldigung an die herrschende Macht – die Musik eines Siegers für einen Sieger.

Der gnadenlose Feldherr: William Augustus, Duke of Cumberland

William Augustus, Duke of Cumberland, war genau dieser Sieger. Als jüngster Sohn von Georg II. genoss er eine hervorragende militärische Ausbildung und wurde früh auf seine Rolle als Verteidiger der Krone vorbereitet. Doch sein Ruf als brillanter Stratege wich bald dem Bild eines gnadenlosen Feldherrn. Seine Niederschlagung des Jakobitenaufstands 1746 war nicht nur eine militärische, sondern auch eine psychologische Kriegsführung. Nach Culloden folgte die „Pacification of the Highlands“, eine systematische Verfolgung der Jakobiten und aller, die sie unterstützt hatten. Seine Politik hinterließ tiefe Wunden, die bis heute in Schottland nachwirken.

Die Stuarts: Die verlorene Hoffnung der Jakobiten

Die Stuarts hingegen standen für eine ganz andere Vorstellung von Monarchie. Sie beanspruchten den Thron als direkte Nachkommen von Maria Stuart und versprachen, das Land wieder unter katholische Herrschaft zu bringen. Doch ihre Nähe zu Frankreich und der katholischen Kirche machte sie für viele im Parlament untragbar. Der gescheiterte Jakobitenaufstand von 1745 war der letzte große Versuch, die Stuart-Dynastie wieder auf den Thron zu bringen – und er endete in einem Fiasko.

Print Charles Edward Stuart (Chat GPT)

Händels musikalisches Vermächtnis – mit Schattenseiten

Für Händel war das alles Hintergrundrauschen. Ihm ging es um seine Musik und seine Mäzene. Die Krone war die beste Adresse für Förderung, und Händel verstand es meisterhaft, seine Werke an die Bedürfnisse seiner Gönner anzupassen. Seine Werke wurden zu klanglichen Monumenten der Herrschaft – feierlich, triumphal, geeignet für große Zeremonien und öffentliche Aufführungen. Werke wie „Messiah“, „Samson“ und eben „Judas Maccabaeus“ wurden nicht nur aus künstlerischer, sondern auch aus politischer Perspektive zu nationalen Symbolen. Die Musik feierte nicht nur religiöse oder historische Figuren, sondern auch den Status quo der Monarchie und die militärischen Erfolge des Königshauses.

Doch sein Erfolg hatte auch eine Kehrseite: Händel dominierte die Musikszene so stark, dass einheimische Komponisten kaum eine Chance hatten. Während in anderen Ländern eigene musikalische Traditionen florierten, wurde die Insel musikalisch von einem deutschen Meister geprägt. Es dauerte fast anderthalb Jahrhunderte, bis mit Edward Elgar im späten 19. Jahrhundert wieder ein Komponist aus dem Vereinigten Königreich ins internationale Rampenlicht trat. Erst mit ihm kehrte eine eigene musikalische Identität zurück, die nicht mehr vollständig von importierten Komponisten und deren Stil geprägt war.

Edwar Elgars Musik (Chat GPT)

Elgar statt Cumberland Sausages

Elgar liebe ich. Seine Musik ist für mich der Inbegriff von Tradition und Eleganz – und untrennbar verbunden mit Sonntagszeitung lesen und Lunch im Pub. Eine Atmosphäre von Beständigkeit und Ruhe, eingebettet in eine Musik, die gleichzeitig stolz und nostalgisch klingt. Aber dann bitte ohne Cumberland Sausages. Die sind ebenfalls gestrichen – genau wie Judas Maccabaeus.

Fazit: Musik als Machtinstrument

„Judas Maccabaeus“ ist also nicht nur Musik, sondern auch ein politisches Statement. Es feiert einen umstrittenen Sieg, steht für eine Zeit, in der Kunst ein Mittel der Machtdemonstration war, und spiegelt die enge Verbindung zwischen Kultur und Politik wider. Die BBC-Dokumentation von Lucy Worsley, die übrigens auch auf YouTube zu finden ist, hat mir diese Zusammenhänge erst wirklich vor Augen geführt. BBC sei Dank – das ist öffentlich-rechtlicher Journalismus, wie er sein sollte.

Abenteuer Highlands 4: Geschichten aus Schottland

„Abenteuer Highlands 4“ ist da – Schottland-Happen für Fortgeschrittene


Ein neues Kapitel Highland-Leben – mit Ottern, Pannen, Pointen und stillen Momenten. „Abenteuer Highlands 4 – Schottland-Happen für Fortgeschrittene“ ist ab sofort als eBook und Taschenbuch erhältlich!


Wer schon einmal versucht hat, mit einem deutschen Navi über eine schottische einspurige Straße zu fahren, weiß: Das Leben in den Highlands ist nichts für Anfänger.

In „Abenteuer Highlands 4 – Schottland-Happen für Fortgeschrittene“ erzähle ich Geschichten von dort, wo die Landschaft atemberaubend, das WLAN fragil und das Wetter ein Charakter in sich ist. Es geht um verlorene Schlüssel, widerspenstige Technik, eine Ziege mit tragischer Geschichte – und um all die kleinen und großen Missgeschicke, die mich in Schottland begleiten.

Aber zwischen all dem Lachen, dem Kopfschütteln und der schrägen Situationskomik gibt es auch leise Töne. Momente, die nachdenklich machen. Über das Zusammenleben mit Mensch und Tier, über Verantwortung, Hilfsbereitschaft – und über das, was wirklich zählt.

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Ob du Schottland-Fan bist, selbst mal ausgewandert bist oder einfach gern lachst – in diesem Band findest du skurrile Beobachtungen, ehrliche Gefühle und ganz viel Highland-Flair.


Felicity: Schottlands mysteriöse Puma-Legende

Die Legende von Felicity und ihren geheimnisvollen Nachfahren

Stellt euch vor, ihr wandert durch die ruhigen Wälder der schottischen Highlands, das Moor glitzert im Morgenlicht – und plötzlich taucht zwischen den Bäumen eine große schwarze Katze auf, mit einem Schweif wie ein Peitschenschlag und Augen, die Funken sprühen. Fantasie oder Wirklichkeit? Genau diese Frage sorgt seit Jahrzehnten für Diskussionen in Schottland. Willkommen in der Welt der mysteriösen Highland-Großkatzen!

1980: Ein Puma namens Felicity

Vor über 40 Jahren wurde im kleinen Cannich, nahe Glen Affric, eine Katze gefangen, die alles veränderte: Felicity, eine pummelige Puma-Dame, die von einem entschlossenen Farmer in eine Falle gelockt wurde. Während die Medien über „das Tier, das die Highlands terrorisierte“ berichteten, entpuppte sich Felicity als eher gemütlich denn gefährlich. Mit etwas Arthritis und einer Vorliebe fürs Streicheln war sie eher Haustier als Raubtier. Dennoch: Felicity war real, und damit begann der Hype um die Highland-Katzen.

Sichtungen, die bis heute anhalten

Auch nach Felicitys Gefangennahme riss die Flut an Berichten über große Katzen in Schottland nicht ab. Von Easter Ross bis Ayrshire behaupten Menschen, riesige schwarze Katzen gesehen zu haben, die durch Wälder streifen oder gemütlich über Hügel schleichen. Manche schwören auf Panther, andere sprechen von mysteriösen Mischwesen. Aber was steckt dahinter?

Die Theorie der ausgesetzten Exoten

Ein häufig genanntes Szenario führt uns zurück ins Jahr 1976, als das britische Gesetz für gefährliche Wildtiere in Kraft trat. Plötzlich mussten private Besitzer exotischer Tiere wie Leoparden und Puma ihren Schützlingen entweder artgerechte Gehege bieten – oder sie freilassen. Und was wäre ein besserer Zufluchtsort als die weiten, menschenleeren Highlands?

Beweise oder Anekdoten?

Während offizielle Stellen wie NatureScot seit Jahrzehnten keinerlei stichfeste Beweise für wilde Großkatzen in Schottland vorlegen können, bleibt die Begeisterung der Menschen ungebrochen. Geschichten von Sichtungen, rätselhaften Spuren oder sogar Angriffen auf Haustiere finden ihren Weg in lokale Pubs und Zeitungen. Und seien wir ehrlich: Ein bisschen Magie schadet niemandem.

Ein Mythos, der bleibt

Die Highlands sind bekannt für ihre Geschichten – ob es sich um Geister, den Loch Ness Monster oder eben geheimnisvolle Raubkatzen handelt. Felicity mag zwar schon lange in den ewigen Jagdgründen schnurren, doch ihre vermeintlichen Nachfahren sorgen weiterhin für Gänsehaut und Spekulationen.

Warum also nicht beim nächsten Highland-Ausflug selbst die Augen offen halten? Vielleicht entdeckt ihr ja Spuren im Moos – oder zumindest eine spannende Geschichte für die nächste Runde am Kaminfeuer. Denn eines ist sicher: In Schottland wird jede Geschichte ein kleines bisschen größer und ein bisschen wilder. Und genau das lieben wir doch, oder?

Quelle: BBC – On the trail of Scotland’s mysterious big cats

Glen Loyne: Wo italienische Komödie auf schottische Highlands trifft

Heute gibt es eine skurrile Geschichte, die mich jedes Mal zum Schmunzeln bringt, wenn ich an einem meiner liebsten Wanderorte vorbeikomme: der kurzlebige Friedhof von Glen Loyne, der für einen italienischen Film in den schottischen Highlands errichtet wurde – und danach spurlos verschwand.

Ort des Fim-Friedhofs
Film Location

Eine Komödie, die durch die Zeit reist

Die Geschichte beginnt mit dem italienischen Film „A spasso nel tempo – L’avventura continua“ („Ein Spaziergang durch die Zeit – Das Abenteuer geht weiter“), einer temporeichen Komödie aus dem Jahr 1997, inszeniert von Carlo Vanzina. Der Film folgt den chaotischen Zeitreise-Abenteuern von Ascanio (Christian De Sica) und Walter (Massimo Boldi), die von der Steinzeit bis zur Mondlandung stolpern und dabei jede Menge absurde Missgeschicke erleben.

Quelle: IMDB

Es ist schon fast eine Sportart geworden: Wer durch die Highlands wandert, sucht automatisch nach Drehorten aus Outlander. Kaum hat man einen alten Baum oder eine zerfallene Mauer entdeckt, hört man hinter sich schon jemanden rufen: „Ist das Craigh na Dun? Oh mein Gott, Jamie war bestimmt hier!“

Manchmal kommt es mir vor, als hätte jeder Stein in Schottland eine Statistenrolle in der Serie gehabt. Aber jetzt stellt euch die Gesichter der Fans vor, wenn ich ihnen erzähle, dass in Glen Loyne kein Fraser, sondern zwei italienische Chaoten herumgestolpert sind, die Highlander parodierten und statt Steinkreise Grabsteine besuchten.

Auf ihrer Reise landen die beiden Chaoten im mittelalterlichen Schottland. Dort werden sie von englischen Soldaten für Anhänger von William Wallace gehalten und geraten in allerlei brenzlige Situationen – inklusive einer Begegnung mit einem vermeintlich unsterblichen Ritter, der sie für seine Rivalen hält.

Ein Friedhof aus Pappmaché

Ein Wanderparadies wird zur Filmkulisse

Für eine Szene im mittelalterlichen Schottland suchten die Filmemacher ein authentisches Highland-Setting mit einem Friedhof. Da es in Glen Loyne keinen gab, baute das Produktionsteam kurzerhand einen künstlichen Friedhof mit Pappmaché-Grabsteinen. Der Friedhof wirkte täuschend echt – ein perfekter Schauplatz für die typische italienische Slapstick-Komik, bei der die Protagonisten in klassischer Manier stolpern, sich verstecken und jede Menge Blödsinn machen.

Für mich hat das einen besonderen Reiz: Glen Loyne ist einer meiner absoluten Lieblingsorte zum Wandern. Jedes Mal, wenn ich jetzt dort entlanggehe, kann ich mir die absurde Szene förmlich vorstellen – die albernen Protagonisten und die Pappmaché-Grabsteine, die im Wind wackeln.

Und dann war alles weg

Blick auf Stein in Glen Loyne

Zurück zur Natur

Nach Abschluss der Dreharbeiten verschwand der künstliche Friedhof so schnell, wie er errichtet wurde. Das Team nahm alle Requisiten mit, und Glen Loyne kehrte in seinen natürlichen, unberührten Zustand zurück.

Wart ihr schon einmal in Glen Loyne oder kennt ähnliche Geschichten von Drehorten, die euch überrascht haben? Schreibt es mir in die Kommentare – ich bin gespannt!

Das Grab am Meer: Geheimnisse der Isle of Arran

Ein ungelöster Mord. Ein düsteres Familiengeheimnis. Ein Sommer auf der Isle of Arran.

Ich freue mich sehr, euch heute mein neues Buch vorzustellen:
„Das Grab am Meer“ – Highland Crime Band 4 – ist ab sofort erhältlich! 📚🌊

Eine Insel zwischen Nebel, Meer und Vergangenheit

Die Isle of Arran ist nicht nur Schauplatz dieser Geschichte, sie ist ein eigener Charakter – geheimnisvoll, eindrucksvoll und voller Schatten. Hier, inmitten von Bergen und Küsten, wird die Vergangenheit lebendig.

In „Das Grab am Meer“ treffen zwei Spuren aufeinander:

  • Ein echter historischer Mordfall, der nie vollständig aufgeklärt wurde.
  • Und das Verschwinden einer jungen Frau, das eine Familie über Jahrzehnte hinweg geprägt hat.

Worum geht’s im Buch?

DI Robert Campbell reist auf die Insel, um für eine True-Crime-Dokumentation den Goatfell-Mord von 1889 neu zu untersuchen – ein Fall, den kaum jemand außerhalb Schottlands kennt, der aber viele offene Fragen hinterließ.

Isabel Hartmann, deren Schwester vor dreißig Jahren auf Arran verschwand, kehrt zur gleichen Zeit zurück. Ihre Suche nach der Wahrheit wird zu einer gefährlichen Reise in alte, verdrängte Familiengeheimnisse.

Zwei Zeitebenen – eine Wahrheit

„Das Grab am Meer“ verwebt wahre Begebenheiten mit fiktiver Spannung.
Der Roman bewegt sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Schuld, Erinnerung und dem menschlichen Bedürfnis nach Klarheit.

Atmosphärisch dicht, emotional vielschichtig – und immer wieder überraschend.

Jetzt erhältlich – als eBook und Taschenbuch

📖 „Das Grab am Meer“ ist ab sofort als Taschenbuch und eBook auf Amazon verfügbar.
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Wenn ihr düstere Inselkrimis liebt, gerne tief in Geschichten eintaucht und True Crime euch fasziniert – dann könnte dieses Buch genau das Richtige für euch sein.

Nächste Woche auf dem Blog: True Crime Spezial

🔍 In der kommenden Woche geht es hier um den wahren Mordfall, der dem Roman zugrunde liegt:
Der Goatfell-Mord von 1889 – ein ungelöstes Verbrechen mit spektakulären Wendungen.

Ich erzähle euch, was wirklich geschah, was die Presse damals schrieb – und warum dieser Fall bis heute nicht abgeschlossen ist.

Ich freue mich auf euer Feedback!

Wenn ihr das Buch lest, freue ich mich über jede Rückmeldung:
Ob Rezension, Kommentar oder Nachricht – euer Feedback macht meine Arbeit lebendig.
Lasst mich wissen, wie euch der neue Fall von Campbell & Hartmann gefallen hat!

„Das Grab am Meer“ gibt es hier

Kulinarische Entdeckung: Vegetarische Optionen in England

Der Mann und ich freuen uns jedes Mal, wenn wir unterwegs sind. Nicht nur wegen der Landschaft, der Geschichte oder der Abenteuer – nein, auch wegen des Essens. Oder besser gesagt, wegen der Herausforderung, etwas zu essen zu finden. Denn die kulinarische Reise in England kann eine ganz eigene Erfahrung sein.

Unterwegs gibt es zwei sichere Häfen für uns: Costa’s für mich und McDonald’s für den Mann. Dieses Mal landen wir bei McDonald’s. Die vegetarischen Optionen sind – sagen wir mal – überschaubar. Also bestelle ich mir ein Porridge. Das gibt es wahlweise mit Zucker, mit Marmelade oder mit Golden Syrup, geschmacklich irgendwo zwischen Honig und Ahornsirup. Sehr fein und mit sehr viel Kalorien. Ich löffle glücklich mein Porridge, aber kurz danach ist mir seltsam. Ob es am Porridge liegt? Ich hatte keine Wahl, es war die einzige Nicht-Fleisch-Option auf der Frühstückskarte ist.

Für den Mann ist Porridge keine Option. Er würde lieber verhungern. Ich hingegen würde lieber verhungern, als diesen Double Sausage Bacon McMuffin zu essen, den er sich mit Genuss einverleibt. Wir haben also einen Konsens gefunden: Ich bleibe bei meinem Haferbrei, er bleibt bei seinen Frühstückswürstchen, und so starten wir gestärkt – oder zumindest gesättigt – in den Tag.

Abendessen – Ein Hoch auf die Pubs

Das Abendessen hingegen ist eine ganz andere Geschichte. Am ersten Abend kehren wir in einen klassischen Pub ein – und ich bin begeistert. Die Auswahl an vegetarischen Gerichten ist fantastisch: vegetarischer Burger, Risotto, Rote-Bete-Bällchen, Salate – alles super. Der Mann ist glücklich mit seinem Steak, ich bin glücklich mit meinem Essen, und wir stoßen zufrieden mit unseren Getränken an. So geht’s doch!

Am zweiten Abend geht es in ein Fischrestaurant. Der Mann liebt Fisch, also bin ich natürlich dabei. Die Speisekarte sieht vielversprechend aus, und ich entdecke ein Zucchini-Pilz-Risotto. Perfekt! Als das Essen kommt, stelle ich allerdings schnell fest: Das ist kein Risotto. Das ist einfach nur Reis mit Zucchini und Pilzen. Risotto lebt von seiner cremigen Konsistenz, von der Geduld, es langsam zu rühren, bis der Reis genau die richtige Bissfestigkeit hat. Das hier ist einfach nur … na ja, Reis.

Später plaudert der Chef und Koch mit uns. Ich frage ihn, ob er Italiener ist, weil ich seinen Akzent nicht genau zuordnen kann. Er lacht und sagt: „Nein, Portugiese.“ Dann frage ich nach dem Risotto. Er winkt ab. „Nee, mach ich nicht. Dauert ja viel zu lange, wenn man es richtig kocht.“ Aha. So kann man es natürlich auch sehen.

Frühstück im Hotel – Voll Englisch und eingedeckt

Wir haben das Zimmer ohne Frühstück gebucht – ganz bewusst, damit wir flexibel bleiben. Doch nun, am Morgen, überkommt uns doch der Hunger, und wir beschließen, im zum Hotel gehörenden Pub nach Frühstück zu fragen.

Als ich eintrete, ist der Raum fast leer. Nur ein Ehepaar sitzt da, begleitet von zwei Hunden, die unter dem Tisch dösen. Der Mann raucht sicherheitshalber draußen. Nicht, dass er noch etwas fragen muss – das wäre ihm viel zu unangenehm.

Die Bedienung begrüßt mich freundlich. Irgendwas Ostdeutsches klingt in ihrem Akzent mit, aber genau deuten kann ich es nicht. Sie ist höflich und fragt, ob sie mir helfen kann. „Gibt es vielleicht Frühstück für uns?“, frage ich vorsichtig. Sie überlegt kurz, nickt dann und weist mich an, mich an den allerersten Tisch neben der Bar zu setzen. Direkt neben das Ehepaar mit den zwei Hunden.

Der Pub ist riesig. Unfassbar viele Tische. Doch aus irgendeinem Grund muss ich genau dort sitzen, als wäre es die letzte verbliebene Sitzgelegenheit. Das Ehepaar sieht nicht begeistert aus. Ich frage mich, warum man Gäste in einem fast leeren Raum zwingend nebeneinandersetzen muss. Vielleicht erfahre ich es noch.

Für das Frühstück im Hotel gönne ich mir dann doch mal ein Full English – vegetarisch natürlich. Gebratene Tomaten, vegetarische Würstchen, weiße Bohnen in Soße, gebratene Riesenpilze und ein Ei. Das Ei gebe ich dem Mann, den Rest esse ich mit braunem Toast und fühle mich tatsächlich ganz und gar zu Hause. Aber auch nach all den Jahren hier gibt es Dinge, an die ich mich nie gewöhnen werde. Und andere, die ich absolut liebe.

Als wir fertig sind, kommt die Bedienung zurück und fragt mit ernstem Blick: „Wollen Sie vielleicht morgen auch wieder hier frühstücken? Nur damit ich es weiß, wegen dem Eindecken.“

Ich blicke mich um. Auf den anderen Tischen steht genau das, was auch bei uns steht: ein Salzstreuer, ein Pfefferstreuer und zwei in Servietten eingewickelte Besteckteile. Ich frage mich, wie groß der logistische Aufwand wohl sein kann, diese gegenstände auf die Tischplatte zu legen. Ich schaue die Bedienung fragend an, sie hebt nur die Schultern und sagt: „Naja, ich muss ja eindecken.“

Ja, natürlich. Ich lächle verständnisvoll und sage: „Morgen nicht. Morgen sind wir unterwegs.“


Entdeckung der Gezeiteninseln: Lindisfarne und seine Geheimnisse

Lindisfarne, Northumbria

Gezeiteninseln – ein harmloser Begriff für eine potenzielle Todesfalle, wenn man nicht aufpasst. Also, für alle, die sich nicht täglich mit maritimen Begriffen befassen: Eine Gezeiteninsel ist eine Insel, die bei Ebbe mit dem Festland verbunden ist und bei Flut plötzlich – schwupps – wieder im Meer verschwindet. Klingt spannend, oder? Oder eher gruselig. Denn genau das ist mein Problem mit diesen Inseln.

Mir fallen sofort all die Horrorgeschichten von Kollegen ein, die sich nur knapp vor der Flut auf der Passage du Gois in Frankreich retten konnten. Die Passage du Gois verbindet das französische Festland mit der Île de Noirmoutier und ist nur bei Ebbe befahrbar. Das Problem? Die Straße verschwindet bei Flut vollständig unter Wasser – und das schneller, als man denkt. Es gibt genug Berichte von Autos, die mitten auf der Strecke einfach stehen bleiben und dann von der aufkommenden Flut eingeschlossen werden. Keine schöne Vorstellung! Es gibt sogar Rettungstürme, auf die sich Fußgänger retten können, falls sie sich mit der Zeit verschätzt haben.

Ich erinnere mich auch vage an einen Urlaub in Irland, gefühlt vor 200 Jahren, als wir eine Gezeiteninsel besucht haben, deren Name mir partout nicht mehr einfallen will. Aber was ich noch weiß: Wir sind rübergefahren – nicht gelaufen – und haben unterwegs die letzten Spaziergänger eingesammelt, während das Wasser langsam, aber bedrohlich zurückkam. Gruselig.

Lindisfarne – Die heilige Insel

Nun also Lindisfarne. Der Mann ist tapfer und organisiert. Er checkt die Gezeitenliste. Ich hätte sie garantiert wieder falsch gelesen und wäre auf der Insel geblieben – mit einem langsam versinkenden Auto und einer panischen Sprachnachricht an die Küstenwache. Aber dank des Mannes wissen wir: Um 8:15 Uhr können wir rüber, müssen aber spätestens um 13:15 Uhr zurück. Sonst ist es vorbei mit dem trockenen Heimweg.

Dementsprechend angespannt beginnen wir unsere Reise und stehen früh morgens um 8:15 Uhr tatsächlich am Causeway, der die Insel mit dem Festland verbindet. Noch liegt ein bisschen Wasser auf der Straße – nur Pfützen, aber für mich natürlich das ultimative Katastrophensignal. Der Mann fährt gelassen los, während ich aufgeregt filme und innerlich feiere, dass ich diese tödliche Überquerung überlebt habe. Natürlich nur dank des Mannes.

Ein Friedhof mit Geschichte

Kaum angekommen, erwartet uns direkt das nächste Abenteuer: der Parkplatz. Ich zahle für vier Stunden, länger geht nicht, wegen der Flut. Dass alle außerhalb des Dorfes parken sollen ist verständlich, schließlich werden die armen Insulaner der Holy Isle von Touristen überrannt. Da will man sie nicht auch noch mit parkenden Autos im Dorf belästigen. Außerdem ist die Heilige Insel so klein, dass man wirklich alles zu Fuß machen kann.

Und wo führt unser erster Weg hin? Natürlich auf den Friedhof der Abtei. Für mich nichts Ungewöhnliches, und auch für den Mann ein bekanntes Spiel. Hat hat sich über die Jahre mit meiner Friedhofsbegeisterung arrangiert.

Der Friedhof ist schön – wenn auch leider so touristisch, dass man gezwungen wird, auf den vorgegebenen Wegen zu bleiben. Kein freies Herumstreifen. Die Abtei selbst ist noch geschlossen. Sie scheint sich nicht groß für die Gezeiten oder unsere Besuchszeiten zu interessieren. Aber vom Tor aus sieht man eigentlich alles, was man sehen will.

Lindisfarne, auch als Holy Island bekannt, ist einer der wichtigsten spirituellen Orte Englands. Die Abtei wurde im Jahr 635 von dem irischen Mönch Aidan gegründet, der von Iona aus kam, um das Christentum in Northumbria zu verbreiten. Die Insel wurde zu einem der bedeutendsten Klöster der angelsächsischen Welt und brachte eine der berühmtesten mittelalterlichen Handschriften hervor: die Lindisfarne-Evangelien. Doch die Idylle hielt nicht lange. Im Jahr 793 wurde die Abtei Ziel eines der ersten dokumentierten Wikingerräuberzüge. Die plündernden Nordmänner metzelten die Mönche nieder, raubten Schätze und machten damit den Auftakt zur Wikingerzeit in England.

Trotz aller Zerstörung wurde das Kloster mehrfach wieder aufgebaut, bevor es schließlich im Zuge der Auflösung der Klöster durch Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert endgültig verfiel. Heute sind die Ruinen ein beeindruckendes Zeugnis dieser bewegten Geschichte – und der perfekte Ort für ein bisschen Friedhofsromantik. Also tauchen wir ein in die Geschichte von Lindisfarne und lassen den mystischen Zauber der Insel auf uns wirken.

Hadrianswall: Das römische Bollwerk gegen die Pikten

Hadrianswall – Eine Mauer gegen die Pikten

Der Hadrianswall ist eine der beeindruckendsten Hinterlassenschaften des Römischen Reiches in Großbritannien. Im Jahr 122 n. Chr. beschließt Kaiser Hadrian, dass es jetzt reicht mit den wilden Barbaren aus dem Norden. Also lässt er eine Mauer bauen. Eine große Mauer. Eine sehr lange Mauer. Ganze 117 Kilometer erstreckt sie sich von der Ostküste bei Newcastle bis zur Westküste bei Bowness-on-Solway.

Und warum? Wegen der Pikten. Die Pikten sind die Urbewohner Schottlands – furchtlose Krieger, die sich mit blauer Farbe bemalen, mit Vorliebe nachts angreifen und sich in den Wäldern verstecken, wenn die Römer zurückschlagen wollen. Guerillakrieg, bevor es überhaupt ein Wort dafür gibt. Das Problem für die Römer: Sie lieben ordentliche, planbare Kriege mit geraden Schlachtreihen. Die Pikten halten sich nicht an diese Regeln. Also bleibt den Römern nur eine Möglichkeit: Sie mauern sich ein.

Und was für eine Mauer das ist! Bis zu sechs Meter hoch, fast drei Meter dick und gespickt mit Wachtürmen, Meilenkastellen und großen Garnisonen. Sie ist ein militärisches Bollwerk, aber auch eine Art antike Zollstation. Wer aus dem Norden nach Süden will, braucht eine Genehmigung. Klingt mühsam, aber für die Römer ist es besser als ständig plündernde Pikten in den Grenzstädten.

Der Hadrianswall bleibt für Jahrhunderte in Betrieb, bis die Römer irgendwann einsehen, dass sie Britannien ohnehin nicht halten können. Danach verfällt er langsam, die Steine werden für Bauernhäuser und Straßen verbaut, und irgendwann sieht er mehr nach Ruine als nach Grenzfestung aus. Aber heute ist er noch erstaunlich gut erhalten.

Der Mann und ich haben beide noch nie viel davon gesehen, also erkunden wir ihn. Oder versuchen es zumindest. Ein Spaziergang entlang der Mauer klingt in der Theorie fantastisch, aber in der Praxis ist es gar nicht so einfach. Parkplätze? Nur an den offiziellen, kostenpflichtigen Bereichen. Einfach irgendwo anhalten? Fehlanzeige. Also suchen wir eine Stelle, wo wir endlich ein Stück laufen können. Und was soll ich sagen? Diese Mauer ist beeindruckend. Breit, stabil und unfassbar präzise gebaut – und das alles ohne Maschinen. Ich stehe fassungslos davor und frage mich, wie viele Legionäre und Sklaven wohl geflucht haben, als sie die Steine schleppten. Wahrscheinlich alle.

Die Borders – Umkämpftes Grenzland

Während der Hadrianswall eine militärische Grenze war, haben die Borders – das Grenzgebiet zwischen Schottland und England – eine ganz andere Geschichte. Über Jahrhunderte hinweg ist diese Region ein einziger Spielplatz für Kriege, Überfälle und Plünderungen. Hier verschiebt sich die Grenze ständig, je nachdem, wer gerade die Oberhand hat. Die Schotten? Die Engländer? Die Clans, die mal für die eine, mal für die andere Seite kämpfen? Niemand weiß es genau. Klar ist nur: Leben möchte man hier in der Vergangenheit lieber nicht.

Warum ist dieses Gebiet so umkämpft? Ganz einfach: Es ist fruchtbares Land, reich an Bodenschätzen und Handelsrouten. Wer die Borders kontrolliert, ist mächtig.

Im Mittelalter treiben hier die berüchtigten Border Reivers ihr Unwesen – Reiterbanden, die für niemanden außer sich selbst kämpfen. Heute würde man sie wohl als mittelalterliche Gangster bezeichnen. Sie stehlen Vieh, brennen Dörfer nieder und verschwinden wieder in den Hügeln. Namen wie Armstrong, Elliot oder Scott sind hier legendär – entweder als Helden oder als gefürchtete Banditen.

Erst mit der Vereinigung Schottlands und Englands 1707 beruhigt sich die Lage, aber bis dahin ist es ein wilder Ritt. Heute ist die Landschaft friedlich, grün und wunderschön – kein Vergleich zu früher. Während wir entlang des Hadrianswalls laufen, stelle ich mir vor, wie hier einst römische Soldaten Wache hielten, Pikten lauerten und Jahrhunderte später schottische und englische Krieger um dasselbe Stück Land kämpften. Heute sind es nur wir, ein paar Wanderer und eine beeindruckende Mauer, die noch immer standhaft die Geschichte bewacht.

Ein Roadtrip entlang der alten Grenze

Der Mann und ich fahren mit dem Auto quer an der alten Grenzlinie entlang, die uns mal nach England, mal nach Schottland bringt. Es ist eine witzige Erfahrung, denn es gibt nicht immer ein Schild, das uns mitteilt, wo wir gerade sind. Während auf den großen Straßen selbstverständlich riesige Schilder prangen – „Welcome to Scotland“ hier, „Welcome to England“ dort – verschwinden sie auf den kleinen Straßen oft völlig. Ich frage mich, ob wir uns gerade in England oder Schottland befinden, während der Mann nur trocken meint: „Ist doch egal, solange wir nicht zurück in den römischen Grenzbereich kommen.“ Sehr witzig.