Die Kurzschlacht von Prestonpans

Schottische Schlachten, wie in der Tat viele andere Schlachte auch, brannten sich aus mehreren Gründen in das Gedächtnis ihrer Nation ein:  wegen der vielen Verluste, die auf einer oder beiden Seiten erlitten wurden, wegen der Heldentaten Einzelner oder der Dauer, in der sie wüteten. Prestonpans war eine der kürzesten Schlachten in der Geschichte Schottlands, sie dauerte nur knappe 10 Minuten.

Es war der 21. September 1745. Prince Charles war gekommen, das Land zu regieren und es von der englischen Herrschaft zu befreien. Gerade hatte er die Hauptstadt, Edinburgh, eingenommen, wo man den (so hoffte man) künftigen König der Schotten euphorisch feierte.

Keine guten Nachrichten für die Engländer und ihren General Sir John Cope, denn der führte eine Truppe Soldaten an, die wenig Erfahrung hatte im Kriegsgeschäft. Dennoch musste er eingreifen und marschierte gen Edinburgh.

Küstenlinie East Lothian

Auf dem Weg dorthin lagerten sie in Haddington, was den Jakobiten in Edinburgh nicht verborgen blieb. Am Abend hielt Charles Edward Stuart Kriegsrat. Man wollte Cope und seine Truppen schon auf ihrem Weg nach Edinburgh zur Schlacht zwingen und sie nicht erst in der Hauptstadt erwarten. Die Schotten marschierten los, und als General Cope das vernahm, ging er auf einem Feld, das auf der einen Seite von einem unzugänglichen Moor geschützt war, in Stellung, um den schottischen Rebellenprinzen und dessen Männer zu erwarten. Hier sollte die Schlacht von Prestonpans geschlagen werden.

Prestonpans Friedhof

Cope kommandierte 2000 Männer und verfügte über Artillerie. Die Rebellen bezogen auf einer Erhebung Stellung, von der aus sie das Camp des General Cope gut übersehen konnten. Sie hatten nur wenig Musketen, keine Artillerie, nur ihre Breitschwerter und die dirks, die typischen Messer der Highlander. Es blieb ihnen also keine andere Möglichkeit, als frontal anzugreifen. Der Abend kam, der nächste Morgen würde Sieg, Tod oder Gefangenschaft bringen.

An diesem Abend meldete sich der junge Robert Anderson zu Wort. Er kam aus Whitburgh und kannte sich in der Gegend gut aus. Er wusste, es gab einen Pfad durch das Moor, auf dem man die englischen Truppen würde erreichen können, ohne dass man sie dort erwarten würde. Es war dunkel und vom Meer her zog dichter Nebel über das Moor. Robert Anderson führte die Highlander bei Nacht und Nebel durch das Moor, in kleinen Gruppen auf dem schmalen Pfad, eine potenziell tödliche Route, doch Anderson hielt was er versprochen hatte und führte die Männer sicher ans Ziel.

Wolken über dem Forth of Forth

Als die ersten Sonnenstrahlen den Nebel auflösten, standen die Schotten überraschend an der Ostflanke der englischen Truppen. Die Artillerie blickte direkt in die aufgehende Sonne und war damit ihrer Stärke beraubt. Cope saß in der Falle und mit ihm seine Männer. Nach 10 Minuten waren 150 Mann der Regierungstruppen tot oder verwundet, einige flohen, der Rest wurde gefangengenommen. Die Highlander hatten nicht nur einen großen Sieg für die Moral errungen, sie hatten auch Waffen und Munition erbeutet. Und sie hatten an Ansehen gewonnen, denn nun sah man auch in London, dass die Highlander nicht nur wilde Einzelkämpfer, sondern vielmehr auch kluge Strategen waren.

Cope selbst entkam mit ein paar seiner Männer und brachte seinen Vorgesetzten die Nachricht seiner Niederlage persönlich. In den nachfolgenden Jahrhunderten waren spöttische Gedichte und Lieder über General Cope eine beliebte Art, sich an die Schlacht von Prestonpans zu erinnern.

Hey, Johnnie Cope are ye wauking yet? Hey Johnnie Cope, bist du schon wach? ist bis heute ein sehr beliebtes Lied mit einprägsamer Melodie. So ziemlich jede schottische Band hat das Lied irgendwann einmal aufgenommen, so auch die Corries und die Tannahill Weavers.

Einige der in der Schlacht von Prestonpans gefallenen Soldaten wurden auf dem Friedhof in Prestonpans begraben. Leider sind einige der alten Grabsteine zerstört worden. Eine bleibt jedoch, die von John Stuart von Phisgul, der im Regiment von Generalleutnant Peregrine Lascelles gegen die Jakobiten gekämpft hatte.

Hier liegen die Überreste on John Stuart of Phisgul, ein Galloway Gentleman and Captain in Lassel’sRegiment. Ein Mann von wahrer Tapferkeit, der ehrenhaft starb in Verteidigung seines Königs und seines Landes sowie der heiligen und bürgerlichen Freiheit, bis er gegen Ende der Schlacht auf dem Gebiet von Preston am 21. September 1745 von vier Highlandern barbarisch ermordet wurde.

Bei meinem Besuch auf dem Friedhof traf eich eine ausgesprochen liebenswerte ältere Dame, die mit großer Hingabe säuberte, pflanzte und goss. Ihr Sohn (sehr scheu und verschlossen) half ihr, wenig später kam ihr Mann, um sie abzuholen. Sie führte mich stolz zu dem Grab des gefallenen Captains, stolz, weil der Grabstein ihr persönlicher Bezug zur berühmten schottischen Schlacht war.

„Machen Sie das Tor gut zu.“ sagte sie, bevor sie zu ihrem Mann ins Auto stieg und mich allein lies mit ihrem Friedhof.

„Und bringen Sie das nächste Mal eine Drohne mit, da sieht man alles besser!“ rief der Gatte mir aus dem Auto zu. Er war offensichtlich nicht minder stolz darauf, Teil der schottischen Geschichte zu sein.

So ist das eben mit Friedhöfen in Schottland. Sie lassen einen nicht mehr los, weil sie die Verbindung sind zwischen persönlichem Erfahren und dem Erbe einer ganzen Nation. Egal ob man Schottin ist oder Deutsche.

Friedhofs-Attacke

Ein paar von euch haben es vielleicht auf Instagram verfolgt: Ich war mal wieder auf Friedhofstour, einmal ging es nach East Lothian und einmal nach Caithness, wobei die Reise in den nördlicheren Landesteil deutlich aufregender war.

wind farm near Camster @nme Nellie Merthe Erkenbach Graveyards of Scotland

Wir schreiben einen Samstag Mitte September, das Wetter ist gnädig, es ist relativ warm wenn auch windig, aber trocken, ideal also, um Friedhöfe zu erkunden und Fotos zu machen für den Blog Graveyards of Scotland. Ich fotografiere mich langsam nach Norden, der erste Friedhof auf der Liste, ist Dingwall. Da war ich zwar schon einige Male, aber habe es irgendwie nie geschafft, den Friedhof zu besuchen.

Danach arbeite ich mich Meile um Meile nach Norden, wo ich in der Nähe von Thurso ein Hotel gebucht habe. Der Tag neigt sich seinem Ende entgegen und weil das Hotel klein ist, hat die Rezeption nur bis 19:30 geöffnet. Ich bin zuversichtlich, dass ich das schaffe. Zehn Friedhöfe habe ich an dem Tag schon fotografiert und einen letzten will ich noch besuchen, bevor ich dann Feierabend mache und mich ins Hotel zurückziehe.

Langsam geht der Nachmittag in den Abend über. Ich fahre durch eine öde Wildnis, in der es nichts zu geben scheint als Weite, Wind und Windräder. Irgendwoher hier muss Camster sein. Es gibt nur eine einzige Abfahrt aber die ist Privatstraße und gesperrt. Ein rostiges Schild am Gatter weist auf die Farm hin, die denselben Namen trägt wie der Friedhof, zu dem ich mich jetzt aufmache. Spannend, denke ich mir, bestimmt ein kleiner Friedhof für eine winzige Siedlung, vielleicht nur für die Farm.

Camster farm and access to burial ground @nme Nellie Merthe Erkenbach Graveyards of Scotland

Ich packe die Gummistiefel an die Füße und ziehe los, der Abendwind bringt Kühle vom Meer und ich stelle den Kragen meiner Wachsjacke auf. Nach einer knappen halben Stunde Fußmarsch führt mich der Schotterweg zur Camster Farm und es ist mir nicht klar, wo hier der Friedhof hier sein soll. Ich scanne das Gelände aber erkenne keine Mauern, die auf einen kleinen Friedhof schließen lassen. Das ist nicht immer ganz einfach, oft sind die Mauern auch nur für die Schafe oder waren im Laufe der Generationen für verschiedenen Dinge. Von Weiten sieht das alles gleich aus. Auch wenn ich meine Augen inzwischen auf das Erkennen von Friedhöfen trainiert habe.

Camster burial ground @nme Nellie Merthe Erkenbach Graveyards of Scotland

Hier sieht es aus, wie es auf so vielen schottischen Farmen aussieht, ein paar verrostete Autos am Wegesrand, dazu etwas ausgedientes Werkzeug und sonstige Maschinen, die ich nicht zuordnen kann Ein Mann läuft vom Farmhaus zum Tor, fünf Border Collies springen lauthals bellend um ihn herum. Ich gehe auf ihn zu, winke verhalten und rufe, dass ich auf der Suche nach dem Friedhof bin. Er scheint mir zunicken, er sagt auch etwas, was ich aber nicht verstehen kann, das Gebell der Hunde ist viel zu laut. Wie Gummibälle irren die schwarz-weißen Schafhüter um ihn herum.

Der Farner bleibt hinter dem dünnen Drahtzaun stehen und murmelt etwas. Ich trete näher und auf einmal ist die Hölle los. So schnell kann ich gar nicht reagieren, da hat mich einer der Border Collies durch den Zaun durch am Arm gepackt, Gott sei Dank aber nur den Ärmel erwischt. Noch bevor mir diese Attacke bewusst wird, ist er schon Richtung mein Gesicht gesprungen, so schnell kann ich gar nicht zurücktreten. Ich schnappe nach Luft und mache endlich einen Schritt zurück. Hinter dem Zaun wütet die Meute.

„Ich habe Ihnen doch gesagt er ist keine Menschen gewohnt“. rügt der Farmer vorwurfsvoll. Als hätte ich gerade nach seinem Hund geschnappt und nicht umgekehrt.

Hat er das gesagt? Wenn ja, habe ich es nicht gehört. Wie auch, in dem Lärm.

Meine Wachsjacke hat drei Löcher, wo die Zähne des beißeifrigen Farmbegleiters durch das Material gedrungen sind, mein linkes Brillenglas hat eine riesige Schramme. Das war knapp! Soll ich mich beschweren? Ich bin allein, auf seinem Grundstück und er hat fünf Hunde. Die Frage ist also rhetorisch.

„Gehen Sie durch die zwei Gatter aber machen sie sie ja wieder ordentlich zu! Dann müssen Sie über den Fluss, aber nehmen sie nicht die Brücke, die ist nicht sicher. Dann gehen Sie über die Wiese hin zum Friedhof.“

Ich nehme die Anweisungen entgegen wie ein folgsamer Hund.

„Wir dürfen da nichts machen“ sagt er. „Früher gab es eine Vereinigung, die hat sich um den kleinen Friedhof gekümmert, aber inzwischen kommt da keiner mehr. Wir dürfen nicht rein.“

Er schaut mich streng an, als hätte ich es ihm verboten. Ich lächle etwas verkrampft.

„Vergessen Sie nicht, die Gatter wieder zu schließen!“ ruft er mir nach.

Als ob ich das vergessen würde, mit einem Blick auf seine fünf Berserker. Wenn die mir in freier Wildbahn begegnen, ist es aus. Tod auf dem Friedhof, denke ich und muss leise lächeln als ich mir die unterschiedlichsten Schlagzeilen dazu vorstelle.

Journalistin Opfer von Killer-Hunden

Das letzte Kapitel der Autorin

Von Farmhunden zerfleischt

Ich könnte ewig so weitermachen.

Derart amüsiert stapfe ich durch die Weide, schließe gehorsam beide Gatter mit höchst kunstvollen Seilschlaufen, balanciere durch zwei gummistiefeltiefe, glitschige Wasserläufe, um dann endlich am geheimnisvollen kleinen Friedhof von Camster anzukommen. Eine kleine Einfassung, eine uralte Steinmauer, wunderbar blühende Weidenröschen und eine alte, wackelige Holztür, die kaum mehr in ihren Angeln hängt.  

WOW!

Camster Friedhof @nme Nellie Merthe Erkenbach Graveyards of Scotland

Ich gehe einmal drum herum und ziehe dann mühsam die Tür auf. Als ich eintrete, reicht mir die Vegetation bis unter die Arme. Man kann mit etwas Mühe ein paar Grabsteine erkennen aber weiß überhaupt nicht, wo man hingeht. Nie im Leben würde ich mich nachts hierher trauen. Das ist schon tagsüber relativ gruselig.

Hier ist seit Jahren keiner mehr gewesen.

Weidenröschen und Grabstein Camster @nme Nellie Merthe Erkenbach Graveyards of Scotland

Plötzlich denke ich an Schlangen, Ratten und alle möglichen Tiere mit scharfen Zähnen, die sich hier verstecken könnten und vorsichtig, ganz vorsichtig, gehe ich rückwärts wieder aus diesem völlig zugewachsenen Friedhof heraus. Wer weiß, welches Tier mich hier aus dem Dickicht anfallen könnte!

Ich mache lieber Fotos von draußen und freue mich über mein Zoom Objektiv. Auf dem Rückweg schaue ich immer wieder Richtung Farmhaus, die Hunde sind inzwischen im Zwinger und Ich bin safe, aber ich fühle mich erst wieder richtig sicher, als ich im Auto sitze und Richtung Zivilisation fahre.

Caithness @nme Nellie Merthe Erkenbach Graveyards of Scotland

Wer hätte gedacht, dass schottische Friedhöfe so gefährlich sein können.

Bass Rock

Bass Rock

Seitdem ich von Schottland aus voll arbeite und nicht mehr so wie früher in Deutschland viel und in Schottland nichts, ist deutlich weniger Zeit, hier die Dinge zu tun, die ich sonst immer hier getan habe, nämlich Bücher schreiben und Friedhöfe besuchen. Nun aber habe ich ein paar Tage Urlaub und los geht’s nach East Lothian.der Mann kann leider nicht, der hat deutlich weniger Urlaubstage als ich. Der Arme.

Feierabendbier

Ich arbeite ich mich den Tag über durch die Friedhöfe der Region in Richtung des kleinen Inns in einem idyllischen Dörfchen an der Küste, in dem ich übernachten werde. Es waren stolze 8 Friedhöfe, bis ich bei meinem Feierabendbier ankomme.

@nme Nellie Merthe Erkenbach Schottland für stille Stunden
St. Andrew’s Kirk Ports, North Berwick, East Lothian

Sehenswürdigkeiten in East Lothian

Am nächsten Morgen beim Frühstück höre ich wie der junge Man den Fehler begeht, die anderen Gäste zu fragen, was sie den Tag über machen wollen. Da steht er nun mit den dreckigen Geschirr in den Händen, das er gerade von einem anderen Tisch abgeräumt hat und kommt nicht mehr weg von der Redeflut des Engländers. Der zählt sämtliche Sehenswürdigkeiten auf, die es in East Lothian gibt. Ich lächle in stillem Mitleid mit dem Ober in mich hinein. An meinen „Sehenswürdigkeiten“ werde ich die Touristen nicht treffen und den Klassiker habe ich noch am Abend auf dem Rückweg vom letzten Friedhof des Tages fotografiert – ganz von weitem und im Sturm, der an dem Tag über die Ostküste fegte.

Stevenson Leuchtturm, Bass Rock

Leuchtturm und Basstölpel

Der berühmte Bass Rock ist eine kleine Insel, die wie ein monströser Stein etwa 1 Meile vor der Küste East Lothians liegt. Eine Touristenattraktion, zu Beginn des letzten Jahrhunderts nahm man das Dampfschiff, aber nur bei gutem Wetter, war es windig, konnte man an der einzigen Anlegestelle der kleinen Insel nicht festmachen. Dieser steinerne Berg im Meer ist beeindruckend. Bevölkert von tausenden Basstölpeln, die früher noch auf dem schottischen Speiseplan standen. Dazu ein Stevenson Leuchtturm, der an der Steilwand zu kleben scheint, und die Ruinen eines uralten Wohnsitzes mitten im Stein. Hier wächst nichts außer der Einsamkeit.

Lauder of the Bass

Bereits im 6. Jahrhundert weilte hier der Heilige Baldred und tat Wunder. Doch der eigentliche Name, mit dem der Bass verknüpft ist, ist Lauder. Der 1. Lauder of the Bass bekam diesen Titel für seine heldenhafte Unterstützung des Unabhängigkeitskämpfers William Wallace. So ein Stein im Meer wäre an sich nicht unbedingt ein überwältigendes Zeichen der Dankbarkeit gewesen, aber der Stein kam zusammen mit beachtlichen Ländereien auf dem Festland und das war dann schon wieder eine andere Angelegenheit. Die Familie Lauder brachte im Laufe der Jahre viele Botschafter und Kirchenmänner hervor.

Bass Rock

Das schottische Alcatraz

Der Bass Rock ist nicht nur berühmt, er ist auch berüchtigt als das schottische Alcatraz. Hier, auf dem ehemaligen Sommerwohnsitz der Familie Lauder, wurden etwa 40 Covenanter in den Glaubenskriegen gefangen gehalten. Dieses Gefängnis war kalt, feucht und ganz und gar furchtbar. Nach der Revolution von 1688 wendete sich das Schicksal, 4 Gefangene konnten sich befreien und weil eine Flucht unmöglich war, nahmen sie stattdessen ihre Wärter gefangen. Eine echte Gefängnisrevolution.

Der Regierung blieb nichts anderes übrig, als von der Küste aus hilflos zuzuschauen. Alle Versuche, den Bass Rock zurück zu erobern scheiterten. Es dauerte 3 Jahre, bis die Besatzer aufgaben. Das Gefängnis wurde Ende des 18. Jahrhunderts zerstört, bevor Bass Rock verkauft wurde.

stilles Frühstück

Zurück ins Hier und Heute. Der Ober kommt vorsichtig an meinen Tisch und will das Geschirr abräumen. Ich lächle ihm ermunternd zu. Er braucht sich nicht sorgen, dass auch ich ihm eine lange Liste der Sehenswürdigkeiten vorbete, die ich heute besuchen werde. Obwohl meine Liste für ihn sicher mal was Neues gewesen wäre.

Frühstück in East Loathian

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totgebissen

Ausflüge in die schottische Geschichte sind in der Regel keine Angelegenheiten für zartbesaitete oder sensible Leser. Vielleicht gibt es ja gerade deshalb so viele Fans der Mythen und Sagen dieses wilden Lands. Gerade bin ich wieder über eine Geschichte gestolpert, die mich ausgesprochen fasziniert. Der Held heißt Ewan Cameron. Er war der Anführer seines Clans und lebte Mitte des 17. Jahrhunderts in Lochaber.

Glen Nevis ©nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands
Glen Nevis

Die Geschichte spielt in und um Fort William, eine sehr lebhafte kleine Stadt am Fuße von Ben Nevis. Hier herrscht im Sommer sehr viel Trubel, so dass der stille Blick zurück in die Vergangenheit nicht automatisch kommt, doch man sollte sich die Zeit dafür nehmen oder im Winter nach Lochaber kommen.

Fort William ©nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands
Fort William

Wer genau hinschaut, kann am Rande von Fort William Reste der ursprünglichen Garnison erkennen. Viele sind der Fantasieversion dieser Militäranlage in Outlander begegnet. Der Torbogen des Craigs Friedhofs stammt vom Fort und geht auf die späteren Tage der Garnison zurück, die Zeit von Culloden (1744), auch wenn die Plakette etwas anderes sagt.

Fort Williams Friedhof Craigs ©nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands
Fort Williams Friedhof Craigs

Die Garnison wurde 1654 erbaut und war ursprünglich das Fort von Inverlochy, erst später wurde daraus Fort William. Der gälische Ortsname klingt wie ein Vorwurf: An Gearasdan, die Garnison. General Monk brachte 2.000 Mann und ein Heer von Handwerkern aus England hierher, um die Garnison, die das Gebiet kontrollieren sollte, aufzubauen und zu befestigen. Er ließ Bäume fällen und Palisaden aufstellen. Vorräte wurden “organisiert“, die Soldaten nahmen sich mit Gewalt, was sie brauchten. Angesichts ihrer schieren Zahl und Macht, hatten sie keinen Grund, die Camerons vor Ort zu fürchten, doch das hätten sie mal besser getan, denn mit dem Chief war nicht zu spaßen.

Ewan Cameron führte einen kleinen Teil seiner kampferprobten Männer gegen den mächtigen Gegner. Sie waren zahlenmäßig den Engländern weit unterlegen und auch ihre Waffen waren denen der Besatzer nicht gewachsen, sie kämpften mit Pfeil und Bogen gegen ausgeklügelte Kriegswaffen, aber sie kämpften mit dem Geist eines wahren Highlanders.

Glen Nevis ©nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands
Glen Nevis

Irgendwann in der Schlacht wurde Ewan Cameron von seinen Männern getrennt und sah sich plötzlich einem englischen Offizier gegenüber. Beide zogen ihr Schwert, ein bitterer Kampf auf Leben und Tod entbrannte. Ein wilder und tödlicher Kampf entbrannte. Sie waren gleich stark und gleich entschlossen, aber irgendwann gelang es dem Rotrock, Ewan zu entwaffnen. Er setzte sich auf den auf dem Rücken liegenden Highlander und holte mit einem langen Messer zum tödlichen Stoß aus. Die Klinge blitze in der Sonne und das sollte das letzte sein, was der Offizier sah, bevor er starb, denn der Highlander bäumte sich auf und biss seinem Widersacher mit aller Macht in die Kehle, gnadenlos wie ein Raubtier nahm er dem Rotrock mit den Zähnen das Leben.

Der Legende nach starben nur fünf der Camerons.

Der tote Ehemann der „Killerlady“

Lochaber und die Morvern Halbinsel strahlen eine ganz eigene Faszination aus an einem nebligen Sommermorgen. Es ist still in der Frühe, Nebelschleier überziehen den Blick in die Natur. Das Meer ruht grau, die Berge grün, irgendwo ruft ein Kuckuck.

Morvern @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Kingairloch ist ein gepflegter Estate, privater Großgrundbesitz, mit einer Reihe von Ferienhäusern und ordentlichen Wegweisern. Die Begräbnisstätte „The Field of the Church“, Dail na Cille, liegt fast am Ende der schmalen Straße, man muss wissen, wonach man sucht, wenn man diesen Ort finden will. Kingairloch ist ein abgelegener Teil der Morvern-Halbinsel.

Das Feld der Kirche – Dail na Cille

Im „Feld der Kirche“ gibt es keine Kirche mehr, nur ein paar alte und neue Gräber und ehemalige Grabanlagen. Keine Mauer trennt die Gräber vom Feld. Das Meer ist nur wenige Meter entfernt.

Das ist das Setting. Nehmen wir die alte Begräbnisstätte etwas genauer unter die Lupe.

Einige der Grabsteine ​​tragen überhaupt keine Inschriften. Das ist in den Highlands nicht ungewöhnlich. Nur wenige konnten es sich leisten, die Steinmetze für die teure Arbeit des Schreibens im Stein zu bezahlen. Außerdem befürchteten die Gälen, dass ein geschriebener Name auf dem Stein der gleichnamigen und noch lebenden lebenden Familie Unglück bringen könnte. Einen intensiveren Blick wert sind aber ausnahmsweise nicht die alten Grabsteine, sondern die neuen Steinhügel, die an der Front zum Wasser mit einer gewissen Wucht platziert wurden. Ihre Geschichte ist die spannendste, die dieser Ort erzählen kann.

Arthur Strutt Gedenkstein @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Das Verschwinden von Arthur Strutt

An diesem Ort wurde die Asche von Arthur Strutt verstreut. Ein Gedenkstein erinnert an den ehemaligen englischen Besitzer von Kingairloch, der im Urlaub in Kingairloch auf mysteriöse Weise verschwand. Trotz einer intensiven Suche der örtlichen Polizei, die auch das Militär und die Bergrettung von Lochaber mit ihren gut ausgebildeten Suchhunden einschloss, wurde er erst gefunden, als seine sterblichen Überreste kaum mehr existent waren.

Die Leiche des Ehemann war an einen Baum gelehnt

Fünf Jahre nach seinem Verschwinden wurde Arthur Strutt von einigen Waldarbeitern in einer kleinen Plantage weniger als eine halbe Meile von der Kingairloch-Haus, dem Jagdsitz der Strutts, gefunden. Was noch von seinem Körper übrig war, lehnte an einem Baum. Warum wurde er fünf Jahre lang nicht gefunden? Warum ist er gestorben? Wie konnte seine Leiche nicht gefunden werden? Hatte man ihn so platziert oder hatte er sich selbst so hingesetzt? Auf seinem eigenen Grund und Boden fünf Jahre lang verschollen? Sein Tod bleibt ein Rätsel.

Paricia Strutt Gedenkstein @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands


Die Killerlady Patricia Strutt

Mrs Strutt, Arthur Strutts Frau und Witwe, verwaltete das Gut bis zu ihrem Tod im hohen Alter im Jahr 2001. Sie war eine außergewöhnliche Frau, eine erfahrene Jägerin, die nach eigenen Angaben 2000 Hirsche getötet haben will. Sie wurde wegen ihrer Vorliebe für das Schießen mit dem Gewehr die Killerlady von Kingairloch genannt. Das war, bevor jemand vom toten Mr. Strutt wusste. Kingairloch House war ihre herrschaftliche Jagdhütte. Die Strutts hatten Geld. Nun ja, nach dem Tod ihres Ehemanns hatte vor allem Frau Strutt Geld.

Dail na Cille Begräbnisstätte @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Warum hat die Killerlady ihren vermissten Ehemann nie gefunden?

Patricia Strutt war nicht nur eine treffsicher Jägerin, sie war auch eine ausgezeichnete Tennisspielerin und fuhr bis zu ihrem 80. Lebensjahr zum Skifahren nach Davos. Frau Strutt liebte schnelle Autos und das Leben. Ob sie auch ihren Man liebte, war den Quellen nicht zu entnehmen.

Ein tödlicher Schrei

Schon mal in Kingairloch gewesen? Wahrscheinlich werden die meisten Leser diese Frage mit nein beantworten, Kingairloch gehört weder zu den Tourismus-Hotspots noch ist es unter den Einheimischen sonderlich berühmt. Zu Unrecht, wie ich finde. Es gibt hier einiges zu entdecken und die Morvern Halbinsel ist ohnehin voller wilder Schönheit. Irgendwie war Kingairloch in der Vergangenheit häufig an jenseitigen und übernatürlichen Phänomenen beteiligt. Die meisten von ihnen hatten mit einem Schrei zu tun, oft mit einem tödlichen Schrei. Es waren die Schreie von gefährlichen Frauenwesen.

Kingairloch Morvern @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Die Gegend um Kingairloch wurde einst von einer Glaistig heimgesucht.

Die Glaistig war ein Fabelwesen, das in Form einer kleinen Frau, die dünn und grau (tana glas) war, mit langen blonden Haaren, die bis zu den Fersen reichten. Sie war grün gekleidet und suchte bestimmte Orte oder Bauernhöfe heim. In einigen Fällen wachte sie über das Haus, in anderen über das Vieh. (…) Sie soll ursprünglich eine ehrenvolle Frau gewesen sein, eine ehemalige Herrin des Hauses, die verzaubert worden war und nun eine Feennatur verliehen bekam. (…) Ihre Stärke war sehr groß, viel größer als die jeder Fee, und ein Schrei von ihr genügte, um die Echos der fernen Hügel zu wecken.

John Gregorson Campbell: Die gälische Anderswelt – Aberglauben der Highlands und der Insel. (1900) Edinburgh, Birlinn, 2008

Die Glaistig war also etwas Ähnliches wie die Banshee, ihr irisches Äquivalent. Diese besondere Glaistig hütete Schafe und Rinder und übernachtete in einer Eibe. Nicht weit von ihrem Baumhaus lebte ein Mann namens Dougall zusammen mit seiner Frau in einer Höhle. Gelegentlich stahl er seinen Nachbarn Schafe. Eines Tages wollte er mit seinem kleinen Boot zur Insel Lismore rudern, als eine kleine Frau kam und um Mitfahrt bat. Als sie an Bord war, begann zu schreien, er solle schneller rudern. Auch sie selbst ergriff die Ruder und beschämte den kräftige Highlander, denn der konnte kaum mithalten. Als er am Ufer ankam, war die Frau verschwunden, aber er konnte immer noch ihre Schreie in seinen Ohren hören: Hùg oirre, Dhùghaill! Rudere härter, Douglas.

In diesem Fall waren die Schreie der Glaistig harmlos, wenn auch anstrengend. Aber in einem anderen Fall waren sie tödlich.

Loch a' Choire @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Es war eine Sommernacht in Kingairloch, als über Loch a’ Choire schreckliche Schreie zu hören waren. Sie klangen menschlich, aber hätten auch ein Schaf oder eine Ziege gewesen sein können, die geschlachtet wurden. Was auch immer es war, es klang furchtbar und wer den Schrei hörte, dem lief es eiskalt den Rücken runter.

Der Schrei kam vom alten Gräberfeld Dail na Cille, nur ein paar Meter vom Ufer entfernt. Im Loch lag ein Schiff vor Anker. Es war 8 Uhr am Abend.

Dail na Cille Friedhof @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

In der nächsten Nacht ertrank der Kapitän des Schiffes unter mysteriösen Umständen und keiner der Schiffsbesatzung hatte etwas gesehen. Sie konnten sich nur noch an den Schrei in der Nacht zuvor und den Klang der schweren Schiffskette in der Todesnacht erinnern. Als ob etwas von jemandem vom Meeresgrund aus kräftig daran gezogen hätte…

marker Loch Linnhe @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

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