Kindheitserinnerungen aus Kilninian

Lady Norah Fairfax-Lucy war die jüngste einer achtköpfigen Familie, die 1895 in Calgary auf der Insel Mull lebte. Sie war eine geborene Mackenzie von Mornish, ihr Vater war Ältester (elder) der etablierten Church of Scotland. In ihrer Autobiografie widmet sie ein ganzes Kapitel der Art und Weise, wie ihre Familie die Sonntage auf der Isle of Mull verbrachte. Wie sehr sich die doch von den Sonntagen heute unterschieden.

Der Tag begann mit Gebeten im Familienkreis um 9 Uhr im Haus, dann machte sich der Haushalt auf in die Kirche. Das Transportmittel war ein Pferdewagen, die anderen Inselbewohner kamen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Ponys. Als sie älter waren, durften die Mädchen zu Pferd in die Kirche. Für die Familie war es normal, Hunde mit in die Kirche zu nehmen, manchmal waren es sogar drei Hunde gleichzeitig.

Es gab immer einen ersten Gottesdienst auf Gälisch, danach einen weiteren auf Englisch. Sie besuchten beide und brachten Sandwiches zum Essen mit, die sie in der Pause zwischen den beiden (vermutlich recht langen ) Gottesdiensten außen. Zur tea-time zu Hause gab es Bannocks mit Marmelade und dann Bibelstunden bei der Mutter. „Es gab immer ein kaltes Abendessen am Sonntagabend,“ schreibt sie, „das wir (die Kinder) abräumen mussten, aber es war den Dienern überlassen, am nächsten Tag abzuwaschen.“

Normalerweise besuchten sie die Kirche in Mornish. Manchmal fand der Gottesdienst  auch in der Kirche von Kilninian statt. Dann nutzte die Familie den Billardraum für einen privaten Gottesdienst. Nur zu besonderen Anlässen nahm die Familie den weiten Weg (10km) nach Kilninian auf sich. Kilninian war die weitaus ältere Kirche aber nicht so gut besucht wie Mornish, da die Gegend dünn besiedelt war.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, diente Lady Norah Fairfax-Lucy als Krankenschwester, damit endet ihre Autobiografie Hebridean Childhood. Ich hätte gerne mehr gelesen.

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Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ist da

Nach Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland ist Nellie Merthe Erkenbach mit Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ein weiteres wahres, humorvolles und herzerwärmendes Buch gelungen, in dem zwischen den Zeilen ihre tiefe Liebe für das Land ihrer Liebe durchscheint – Schottland.

Auf in neue Abenteuer Highlands, wo buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler den Alltag beherrschen, Poeten und tapfere Schneiderlein mit Monstern kämpfen, Moorleichen gar nicht so gruselig sind und Hexen und Geister ganz selbstverständlich. Von Extrawürsten und gefährlichen Frühstücken und der Kunst, trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinzubekommen

 

 

 

Abenteuer Highlands Teil 2 ist da!!!

book cover

Kann eine Seele mehr als nur eine Heimat haben? Sie kann! Und wie.

Nellie Merthe Erkenbach geht in ihr zehntes Jahr Fernbeziehung mit einem Highlander – ein Leben zwischen Schwarzwald und Schottland.

Dem anfängliche Bedürfnis des entscheiden Müssens hat sie widerstanden und ist nun erfolgreich in zwei Welten zu Hause:  dem Schwarzwald, wo sie gerne lebt, gerne isst und ihre Arbeit hat und in den Highlands, wo sie schreibt, fotografiert und Zeit mit dem Mann in der großen Weite der Westküste Schottlands genießt. Das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, in zwei Welten zu leben macht die Dinge klarer und bewusster.

Der besondere Charme dieses Lebensentwurfs: die beiden Leben sind gänzlich unterschiedlich. Das deutsche ist hektisch und aufregend, ihre Arbeit beim Fernsehen abwechslungsreich, auch durch die Reisen nach Russland, China, Japan oder Brasilien.

Die Vorzüge des Mondänen hat sie in Deutschland und dem Rest der Welt, In den Highlands dagegen wird es still und ruhig. Nellie Merthe Erkenbach lebt dann zurückgezogen, liest viel, wandert und schreibt über das Land, das sie so gut kennt. Diese Seite ihres Lebens gibt ihr die Kraft, das Hochgeschwindigkeitsleben in Deutschland mit Freude und Energie anzupacken.

Nach Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland ist Nellie Merthe Erkenbach mit Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ein weiteres wahres, humorvolles und herzerwärmendes Buch gelungen, in dem zwischen den Zeilen ihre tiefe Liebe für das Land ihrer Liebe durchscheint – Schottland.

Auf in neue Abenteuer Highlands, wo buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler den Alltag beherrschen, Poeten und tapfere Schneiderlein mit Monstern kämpfen, Moorleichen gar nicht so gruselig sind und Hexen und Geister ganz selbstverständlich. Von Extrawürsten und gefährlichen Frühstücken und der Kunst, trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinzubekommen.

3d mock up

Das neue Abenteuer Highlands gibt es als Ebook oder Taschenbuch beim Amazon. Ich hoffe es gefällt euch und freue mich auf euer Feedback!

Liebe Grüße,

eure Nellie

Abenteuer Highlands 2.0 ist bald da!

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Abenteuer den Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland geschrieben und nach dem Rückzieher des Verlags wegen Einstellung der Reihe, in der das Buch erscheinen sollte, das Werk schließlich im Selbstverlag veröffentlicht habe. Seither habe ich zwei weitere Bücher geschrieben, eigentlich drei: Riding Towards Shadows, das 2018 erschienen ist und Schottland für stille Stunden, das zum Jahresende 2020 rauskam. Das gibt es 2021 auch auf Englisch und wird Scotland for Quiet Moments heißen. Wer also gedacht hat, ich sitze in meiner wunderbaren Schreibhütte, schaue aufs Meer und tue nichts, der liegt völlig falsch. Allen Stromausfällen und Sturmschäden zum Trotz: ich habe weitergeschrieben und hier ist er nun, der zweite Teil von Abenteuer Highlands. Der ein oder andere von euch hat schon darauf gewartet.

Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland

Abenteuer Highlands 2.0 zwischen Schwarzwald und Schottland

Inzwischen lebe ich seit 10 Jahren in meiner schottischen Fernbeziehung und habe nach dem anfänglichen Gefühl des entscheiden Müssens sehr bald gemerkt, dass eine Seele mehr als nur eine Heimat haben kann. Ich habe zwei zu Hause: eines im Schwarzwald, wo ich gerne lebe, gerne esse und meine Arbeit habe und eines in den Highlands, wo ich schreibe, und meine Zeit mit dem Mann an der großen Weite der Westküste Schottlands genieße. Das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, es lässt Dinge klarer werden und man macht sich bewusster, was man will und womit man seine Zeit verbringen möchte.

Der besondere Charme an diesem Lebensentwurf: beide Leben sind gänzlich unterschiedlich. Das deutsche ist hektisch und aufregend, meine Arbeit beim Fernsehen abwechslungsreich, ich reise viel, nach Russland, China, Japan, Brasilien und genieße die Vorzüge des Stadtlebens. In den Highlands dagegen wird es still und ruhig, zurückgezogen. Ich lese viel, wandere und schreibe. Diese Seite meines Lebens gibt mir die Kraft, das Hochgeschwindigkeitsleben in Deutschland mit Freude und Energie anzupacken.

Die Zeit, in der wir getrennt sind, überbrücken wir durch Social Media und ein tägliches Skype-Gespräch von einer Stunde. Und mal ehrlich, in wie vielen Beziehungen spricht man täglich mindestens eine Stunde miteinander? Ein solch intensiver Austausch wird im Alltag oft vernachlässigt. Ich liebe dieses Leben, das ich führe und was als Abenteuer in der Fremde begann, ist nun ein Leben in zwei Welten geworden. Aber auch das kann abenteuerlich sein. Ihr werdet schon sehen!

In Abenteuer Highlands habe ich euch durch ein Jahr in Schottland geführt. Dies sind die wahren Geschichten, die ich in den Jahren seither in meiner Fernbeziehung mit einem Schotten erlebt habe. Nicht in der zeitlichen Reihenfolge, in der sie passiert sind, die bekäme ich gar nicht mehr richtig auf die Reihe, der Mann und ich sind schon so lange ein Paar. Die Struktur ist nicht die Zeit, sondern das Wort, von A – Z: A wie Aberglaube, B wie Banff, C wie Corona usw.

Amüsiert euch über buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler, lernt Poeten und tapfere Schneiderlein kennen, gruselt euch über Moorleichen, Hexen und Geister, lacht über Extrawürste und gefährliche Frühstücke und findet heraus, wie man trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinbekommt.

Taschenbuch und Ebook erscheinen demnächst auf Amazon. Ihr erfahrt natürlich hier, wann es soweit ist.

 

Standing Stones – Steine für die Ewigkeit

Kilmartin in Argyll, ein Tal voller Geschichte, die Spuren noch immer so klar erkennbar wie an kaum einem anderen Ort in Schottland. Hier siedelten Menschen seit 5000 Jahren und man muss rund 170 Generationen zurückdenken, um sich in das Leben und die Bedingungen hier hineinversetzen zu können. 170 Generationen klingt schon viel näher und vertrauter als 5000 Jahre und doch – es liegt so lange zurück.

Was geblieben ist sind ihre Gräber und die Symbole ihrer Macht, ihres Glaubens und ihres Wissens. Die standing stones, Steine für die Ewigkeit. Die Menschen, die hier lebten, hielten Vieh und bestellten Felder und sie errichteten Steine für sich und die  Generationen nach ihnen.

Was genau sie symbolisieren ist nach wie vor nicht vollständig zu erfassen. Waren es Kalender, Treffpunkte, Zeichen der Macht? Wer vermag das mit Sicherheit zu sagen nach 5000 Jahren? Orientierten sie sich nach der Sonne oder dem Mond?

In Kilmartin sind die standing stones so zahlreich wie kaum an einem anderen Ort Schottlands. Sie sind frei zugängig und abgesehen von ein paar neugierigen Schafen stört außerhalb der Tourismussaison auch kaum etwas die tiefe Ruhe, die diese magischen Steine ausstrahlen.  Die Rituale von einst bleiben der Phantasie des Einzelnen überlassen.

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Der Dichter und sein Freund

Robert Burns hat viele denkwürdige Gedichte und Lieder geschrieben, einige lustig, einige witzig, viele frech und einige sehr berührend. John Anderson. Mein Jo ist eines der letzteren, ein Lied über das Zusammenwachsen, über die Liebe und Kameradschaft gegen Ende eines Lebens. Es ist ein sanftes und rücksichtsvolles Werk, obwohl es auf einer Ballade basiert, die war weitaus expliziter, fast schon anrüchig ist. Aber nicht „Mein Jo!“

John Anderson, my jo, John,

We clamb the hill thegither;

And mony a cantie day, John,

We’ve had wi‘ ane anither:

Now we maun totter down, John,

And hand in hand we’ll go,

And sleep thegither at the foot,

John Anderson, my jo.

John Anderson, mein Jo, John,
Wir kraxeln den Hügel hinunter;
Und viele lustige Tage, John,
Die hatten wir miteinander:
Jetzt taumeln wir runter, John,
Und Hand in Hand gehen wir,
Und schlafen beide am Fuß des Hügels,
John Anderson, mein Jo.

Burns schrieb das Gedicht für John Anderson, seinen Freund John Anderson. Sein Jo. Ein Mann, der 84 Jahre alt wurde und 1832 starb. Der Barde sollte nie wissen, wie es wäre, zusammen alt zu werden. Er starb ziemlich jung und fast 40 Jahre vor seinem Freund John Anderson, der Zimmermann war. Einige sagen, er habe sogar den Sarg für Burns Beerdigung gemacht.

John Anderson wurde in Kilchuiman (manchmal Kilchuimen) in der Nähe von Fort Augustus begraben. Er stammte ursprünglich aus Ayrshire und hatte sich auf die Westseite von Loch Ness zurückgezogen, wo seine Tochter einen Gastwirt geheiratet hatte. Das Inn wurde später in das Glengarry Hotel umgewandelt. Hier wohnte Burns, als er John Anderson besuchte, und es heißt, er sei bei seinem Besuch inspiriert worden, das Gedicht zu schreiben.

Andersons Tochter Catherine starb einige Monate später im selben Jahr wie ihr Vater. Sein Schwiegersohn starb in der Seekatastrophe von 1825, als die PS Comet II vor Kempock Point mit dem Dampfer Ayr kollidierte. 62 Männer ertranken. Die Besatzung der Ayr bot keine Hilfe an und drehte ab. Angeblich waren allen am Tanzen gewesen, als das Unglück geschah. Es muss sich ein wenig wie auf der Titanic angefühlt haben.

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Der etwas andere Reiseführer ist da!

Schottland für stille Stunden ist kein klassischer Reiseführer, hier finden sich keine Touristenziele oder Öffnungszeiten. Schottland für stille Stunden führt vielmehr an weitgehend unbekannte Orte und erzählt historische, abgründige, romantische oder lustige Geschichten durch die Jahrhunderte. Entdecken sie die Seele statt der Sehenswürdigkeiten Schottlands, Tipps aus dem wahren schottischen Leben und Orte, die es möglich machen ein Land so zu erleben, wie es wirklich ist. Mit dem Reiseinspirationsbuch kann man dieses wunderbare Land vor Ort ohne Trubel ganz anders erfahren oder sich einfach zu Hause auf dem Sofa hinein träumen. Der Reiseführer in die Seele Schottlands beschreibt Schottland für Fortgeschrittene, die aufregende Geschichte, die atemberaubende Natur und die fast vergessenen Orte abseits der Touristenströme von Arthur’s Seat, Loch Ness oder Glencoe und dennoch mitten im Herzen Schottlands.

35 Kapitel entsprechen den alten und klangvollen Shires, Burghs und Sheriffdoms, die traditionellen Regionen statt der modernen Verwaltungsbezirke, weil sie zum einen für viele Schotten noch immer das Maß der geographischen Dinge sind und weil Geschichte eine ganz große Rolle spielt in dem etwas anderen Reiseführer von Nellie Merthe Erkenbach. Kleine Änderungen wurden aus logischen und logistischen Gründen vorgenommen. So wurde Berwick berücksichtigt, obwohl es heute in England liegt und einige der Inseln getrennt behandelt, Lewis gehörte zum Beispiel zu Rosshire, Harris zu Argyll und sind nicht zwei, sondern eine Insel der Äußere Hebriden.

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Die Autorin

Nellie Merthe Erkenbach ist Fernseh-Journalistin und Autorin und teilt sich ihr Leben zwischen Deutschland und Schottland auf. Sie bereist Schottland seit nunmehr über 35 Jahren, hat schottische Geschichte und schottische Literatur an der Universität Glasgow studiert und lernt derzeit schottisches Gälisch in Sabhal Mòr Ostaig auf der Isle Skye. Dieses wunderbare Land, ohne die gängigen Klischees zu zeigen, war ihr schon viele Jahre ein Anliegen, nun ist es ein Buch geworden. Weitere Bücher von Nellie Merthe Erkenbach sind Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland (Amazon 2018) und Riding Towards Shadows (Amazon 2018).

Fotos

Ewan Roy MacGregor fotografiert seine Heimat Schottland seit vielen Jahrzehnten. Nach einer erfolgreichen Karriere als Musiker in Glasgow lebt er nun in den schottischen Highlands, die ihn immer wieder aufs Neue zu herausragenden Bildern inspirieren. Leider stellten sich die Produktionskosten beim Taschenbuch als zu hoch heraus, um die Bilder darin zu veröffentlichen. In der eBook Version sind sie aber enthalten.

Ab sofort als eBook und Taschenbuch bei Amazon erhältlich!

eBook

Taschenbuch

Schottland für stille Stunden

Der Reise-Inspirationsführer Schottland ist in den nächsten Tagen als Ebook und Taschenbuch bei Amazon erhältlich!

Schottland ist ein Land voller Geschichte, Geschichten und Geheimnisse. Oft sind die drei nicht exakt voneinander zu trennen. Das macht dieses Land so wunderbar und einzigartig. Diese Geschichten wurden für den WordPress Blog Graveyards of Scotland über viele Jahre zusammengetragen, ausgegraben und entdeckt. Quellen waren meist historische Reiseführer aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Funde oft schaurig, schön, lustige oder grausam. Eine ungewöhnliche Annäherung an die Geschichte eines Landes, die erstaunliche Ergebnisse hervorbrachte. Man muss aber die Leidenschaft der Autorin für Friedhöfe nicht teilen, um diese Buch genießen zu können. Die meisten Geschichten spielen ja nicht auf einem Friedhof, sie enden lediglich da.

Der Feenhügel in Inverness, ein Salpetermord auf Shetland, eine Familie von Linkshändern, Wölfe gestern und heute, Robert the Bruce und William Wallace einmal ganz anders, die geheime Bucht des Schriftstellers Gavin Maxwell, ein mordender Dichter und alles, was Schottland außer Whisky, Schafe und Tartan noch ausmacht. Schottland für Experten, nicht für Anfänger.

Machen sie es sich in ihrem Lieblingslesesessel gemütlich und genießen sie Schottland für stille Stunden.

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Zitate

Das Meer ist ein gefährlicher Freund, eine verlockende Schönheit und ein brutaler Mörder zugleich. Selbst an ruhigen Tagen sind hier Menschen in den Gewässern rund um die Inseln ertrunken. Wenn die Herbststürme einsetzten, hatten die gewaltigen Wellen in der Vergangenheit oft ein tödliches Fest. Auf Shetland spülte am Sumburgh Head, wo der Atlantik auf die Nordsee trifft, so mancher Körper an Land.

Als William Soutar klar wurde, dass die Krankheit nicht nur sein Leben begleiten, sondern es sogar beenden würde, soll er einen Moment innegehalten haben. Dies war der Moment der Erkenntnis: Nun konnte, nun musste er Dichter werden. Er wurde einer der besten seines Landes.

Anders die Abendstimmung, blaue Stunde und eine ähnlich milde Stimmung wie am Morgen aber viel dramatischer, wenn die Nacht hereinbricht und die letzten Sonnenstrahlen noch ein paar Sekunden über den Wolken verweilen, bevor der Tag zu Ende geht. Das Blau scheint direkt vom Meer zu kommen, mit einem schwachen Duft nach Sommertag wie die Erinnerung gelebter Stunden.

Fleischkäse und Fleischgetränke

Der Mann glaubt zu wissen, was der deutsche Fußball braucht. nein, er ist nicht unter die Trainer gegangen und ja, natürlich braucht der deutsche Fußball nach der Corona-Sperre vor allem wieder Zuschauer in den Stadien. Ist das erst wieder erreicht, da ist sich der Mann ganz sicher, dann braucht der deutsche Fußball unbedingt „Fleischkäse und Fleischgetränke“.

Das sagt er mir so eines Morgens wenige Sekunden nachdem der Wecker geklingelt hat und ich frage mich, was in aller Welt er denn geträumt hat. Bei dem Mann bekommt das Wort „Fleischeslust“ eine gänzlich andere Dimension.

Ich habe bereits bei unserem Besuch in einem schottischen Fußballstadium vor ein paar Jahren anklingen lassen, dass der Mann die 90 Minuten kaum durchhält, ohne pie and bovril also ohne Fleischpastete und dieses schreckliche Heißgetränk, das so eine Art Mischung zwischen brauner Soße und Fleischbrühe ist. Mir wird schlecht, wenn ich nur daran denke.

Der Mann aber denkt, die armen Deutschen, die Fußball sehen müssen, ohne diese unersetzlichen Grundnahrungsmittel genießen zu können. Er findet aber auch, dass die Deutschen mit dem Fleischkäse eine gute Alternative zum pie entwickelt haben und deshalb nur noch Brovril brauchen zu ihrem Glück, Und weil der Mann ja Deutsch lernt, hat er das auch gleich übersetzt: „Fleischgetränke“ also braucht der deutsche Fußballfan. Er hält das für eine großartige Business-Idee.

Ich schüttle mich und merke an, dass der Deutsche an sich vielmehr Bier braucht, um 90 Minuten durchstehen zu können. Bier dürfen die Schotten ja nicht im Stadion, da herrscht Alkoholverbot. Das wiederum erscheint mir nur schwer aushaltbar angesichts einiger Spiele, die ich gesehen habe, allerdings im alkoholsicheren Wohnzimmer und nicht im fleischlastigen Stadion.

Ich lasse den Mann an seiner Geschäftsidee feilen und beschäftige mich mit der Wasserkochernäheren Zukunft. Am Sonntag ist das Champions League Finale. Ich werde Chips und Bier für mich bereitstellen. Der Mann bekommt Burger mit Chips und wenn er will, dann werfe ich auch den Wasserkocher an und löse ihm einen Brühwürfel auf. Da kann er sich sogar aussuchen, ob er Rind, Huhn oder Schwein haben will. Ich kann nämlich Fleischgetränke mit verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Fleischgetränke

Prost!

 

 

Die Reise nach Banff

Ich hatte diese Kurzreise schon länger geplant und nun ging es also los: Recherche für das neue Buch, ein paar Friedhöfe und ein leckeres Abendessen so war der Plan und so ist es meist mit unseren Kurztrips. Nur dieses Mal konnte der Mann leider nicht mitkommen. Wir hatten es mehrfach hin und her geschoben aber keine Luft an den wenigen Wochenenden, an denen ich in den Highlands bin. Also bin ich unter der Woche alleine los. Das Ziel: Banff und Banffshire.

Das alte Banffshire treibt einen Keil zwischen Inverness-shire und Elginshire im Westen und Aberdeenshire im Osten, bis tief hinein in die Cairngorms. Die Region umfasste damit sowohl flaches Küstengebiet im Norden als auch hohe Berge an der südlichsten Spitze. Dazwischen breiten sich im Wechsel dunkelbraune die Farmerde und flachsfarbene Getreidefelder aus. Die Küste Banffshires, mal flach mal steil, war trotz ihrer bescheidenen Länge im frühen 20. Jahrhundert eine der wichtigsten für die schottische Schifffahrt.

Ich habe ein paar Punkte auf Google Maps gesetzt und mache mich auf den Weg. Der Winter in diesem Jahr ist seltsam, kein Eis, so gut wie kein Schnee aber dauerhaft Wind und Regen. Auf dem Weg nach Banff aber Sturm mit Böen von bis zu 80 km/h. Eine ganz schön wacklige Angelegenheit. Eine Stunde brauche ich bis zum Laden mit der ersten Costa Kaffeemaschine und frischen Brötchen, hier gibt es sogar Baguette. Aber leider ist die Maschine außer Betrieb und ich muss nochmal eine halbe Stunde bis zum Frühstück draufpacken. Dann bin ich schon hinter Inverness und das Banff Abenteuer kann beginnen.

Ich stoppe an den Seafield Mausoleen in Duthill, schlage mich durch den Sturm und das Hinterland und zwischendurch kommt sogar mal die Sonne raus. Die Bilder muss man aber vom Auto aus machen, weil der Sturm so stark ist, dass man nicht geradestehen kann. In Banff angekommen mache ich eine kleine Tour durch das sehr hübsche Städtchen und natürlich an den Hafen, wunderschön in der Abendstimmung. Es ist zwar erst gegen 15:30 Uhr aber im Januar wird es ja schnell dunkel.

Das Auto habe ich am Hotel abgestellt und weil ich ja nun nicht mehr fahren muss, beschließe ich, mir einen kleinen pre-dinner Drink zu gönnen. Wo also ist in Banff das Pub? Ich wandere durch die Straßen, bewundere das Marktkreuz, den schmalen Turm, das Gerichtsgebäude und alles, was es sonst noch an edlen Gebäuden aus vergangenen Jahrhunderten zu bewundern gilt.

Und die Einheimischen, die ihre letzten Besorgungen mit den Hausschuhen erledigen.

Ein Pub finde ich lange Zeit nicht, doch dann steht es vor mir, das Ship Inn. Drinnen ist es genauso, wie man sich ein Pub der Fischer vorstellt, etwas heruntergekommen, sehr klein und in Anbetracht der Tatsache, dass es Januar ist und damit so gut wie kein Fischer unterwegs auch ziemlich leer. Dafür brennt ein kleines Kaminfeuer. An einem Tisch sitzen zwei Frauen, die beide aufstehen, als ich hereinkomme.

„Heute Frauenabend?“ frage ich und die beiden lachen.

„Sieht so aus.“ sagt die Blonde und tritt hinter den Tresen. Sie ist offensichtlich die Barfrau und sieht auch genauso aus, wie man es sich vorstellt, schlank, blond und ein Raucherinnengesicht wie frisch aus Coronation Street.

„Mir wird heute einfach nicht warm.“ sagt die andere, die einen pinkfarbenen Plüschmorgenmantel über ihren normalen Klamotten trägt. Ich schaue sie wohl etwas verwundert an. Das Outfit passt nun nicht gerade in meine Vorstellung vom Pub der Fischer.

Die Blonde hinter meinem Tresen hat meinen Blick wohl bemerkt und fügt mit einem Blick auf den Morgenmantel an: „Sie darf das, sie ist die Chefin.“

Ich nicke und setze mich an den Tresen. Ich bin also allein im Pub der Fischer mit einer Frau im Morgenmantel und einer, die mir das Bier zapft. Die Unterhaltung kreist um Donald Trump australische Buschfeuer und Enkelkinder. Wenig später geht die Tür auf und ein Mann kommt rein. Auch kein Fischer wie sich herausstellt. Das ist nun der Chef. Als letztes trottet ein zutraulicher Collie herein. Der Haushund.

„Muss eine ganz schöne Arbeit sein bei dem Fell, wenn der Hund im Meer war.“ sage ich zum Chef. Schließlich ist das Pub nur einen Steinwurf vom Strand entfernt.

„Oh, der geht nie ins Wasser.“ winkt der Chef des Ship Inn ab. „Wasser mag er nicht.“

Ich schon denke, ich und genieße den Rest der blauen Stunde draußen am Strand. Dann wartet das Abendessen im Hotel auf mich und das ist natürlich ein weiteres Abenteuer Highlands.

nächsten Sonntag: Banff-tastisch!

Ich bin ein Huhn

Ich bin ein Huhn – auf Deutsch eine (auch von mir) durchaus gebräuchliche Redewendung. In der Regel ist sie synonym für „Ich bin doof.“ Doof auf eine nette Weise aber eben trottelig oder schusselig.

Nun, der Mann nennt mich gelegentlich auch Huhn, aber damit meint er keineswegs trottelig oder doof. Im Gegenteil, der Mann ist ja aus Glasgow und da ist „Huhn“ eine liebevolle Bezeichnung für eine Frau, meist eine ältere Frau und es ist auch nicht wirklich Huhn, es ist Henne.

All right, hen?

Ist die Frage wie es mir geht.

Ein Glasgower meint das absolut liebevoll und die Henne steht der lassie (oder lass) um nichts nach. Dieser Begriff bezeichnet eine junge Frau oder ein Mädchen und wurde von amerikanischer Serienproduzenten als Name für den Lieblingscollie mancher Kindheit übernommen.

For God’s sake, lassie, what did you do?

Ist die Frage, wenn ich beim Rasen mähen von der Mauer falle und Bilder meines verschrammten Beins schicke.

Wenn der Mann sich erschreckt, wird die Frau ad hoc jünger. Aber ich kann ja nicht ständig von der Mauer fallen, um die jüngere Anrede zu rechtfertigen. Außerdem bin ich mit der Anrede hen eigentlich ganz zufrieden.

Mit Ausnahme der Momente, in denen er sie auch für sehr alte Frauen benutzt. Wie vor einiger Zeit in der Borders, als zwei wildfremde ältere Damen mühselig aus einem Friedhof wackelten und über die Straße wollten. Der Mann ließ die Autoscheibe runter und rief der Führenden ein fröhliches:

 

All right hen? On you go!

Die beiden tippelten glücklich über die Straße und ich kicherte auf dem Beifahrersitz des geduldig die Überquerung abwartenden Autos.

OK ihr Hühner, lauft los?

Irgendwie würde das in Deutschland nicht mit einem derart strahlenden Lächeln quittiert werden.