Clackmannanshire

Clackmannanshire war früher eine der traditionellen schottischen Grafschaften und die kleinste von allen, ganz abseits der üblichen Touristenattraktionen. Rund 50000 Einwohner teilen sich heute die 160 Quadratkilometer. Kleine Dörfchen und milde Landschaften, das sind die sogenannten Hillfoots südlich der Ochil Berge. Insgesamt sechs dieser idyllischen Dörfer schmiegen sich an die Berge, fünf davon gehören zu Clackmananshire, klein aber fein und ganz zu Unrecht unbeachtet.

Das alte Clackmannanshire hat wahrhaft schöne und historische Friedhöfe, die über den speziell angelegten Kirkyard Trail zu Fuß zu erreichen sind. Es gibt sieben Friedhöfe (kirk ist das schottische Wort für Kirche, ein kirkyard ist der Friedhof an einer parish church, einer Gemeindekirche) unter den Hillfoots, die offiziell zum Wanderweg gehören, einer davon ist privat, Muckhart ist vielleicht der interessanteste, denn wie überall in Schottland erzählen auch hier die uralte Steine Geschichten der Vergangenheit.

Der Friedhof gehört zu zwei Siedlungen, dem Weiler Yetts o ‚Muckhart und Pool of Muckart, wo die Pfarrkirche steht. Das georgianische Gebäude enthält verschiedene Steine früherer Gebäude, sie sind von außen gut zu erkennen. Die erste Kirche in Muckhart geht auf das 13. Jahrhundert zurück.

Hier liegt eine sehr bemerkenswerten Frau begraben: Isabella Christie von Cowden, Ella genannt. Sie wurde 1861 geboren und starb 1949. Sie liegt im Familiengrab hinter der Kirche. Ella war zweifellos eine der eigenständigsten Frauen ihrer Zeit. Sie heiratete nie, statt dessen bereiste sie die Welt und besuchte die ungewöhnlichsten Orte: Usbekistan, Russland, Amerika, Indien, Tibet, Borneo und den Fernen Osten. Ihre Familie war reich, sie konnte es sich leisten. Aber es braucht mehr als nur Geld um solche Reisen zu unternehmen, es braucht eine gewisse Neugier, Mut und Zuversicht. Ganz besonders, weil sie eine Frau war. Gleichberechtigung war zu ihrer Zeit eher ein Ziel als eine Tatsache.

Ella schien ein sehr unabhängiger Geist gewesen zu sein. Sie lernte den Dalai Lama kennen, tafelte mit dem Maharadscha beim Bankett und schuf in den Zeiten, in denen sie nicht reiste, einen beeindruckenden japanischen Garten ganz in der Nähe von Muckhardt, inspiriert von dem, was sie während ihrer ausgedehnten Reisen und vor allem in Japan im Jahr 1907 gesehen hatte.

Der erste und wichtigste Gärtner von Ella Christie war Shinzaburo Matsuo. Er war nach Cowden gekommen, nachdem er bei einem Erdbeben seine Familie verloren hatte. Er starb 1937 fern der Heimat. Matsuo trug wesentlich zur Wahrhaftigkeit und Authentizität des japanischen Gartens bei.

Muckhart ist ein idealer Start zum Kirkyard Trail, weitere Punkte sind Upper und Lower Tillicoultry, Dollar, Muckhart, Logie und Alva sowie die private Begräbnisstätte des Harviestoun Castle, das Tait Mausoleum, ein Ort um den sich Spukgeschichten ranken. Der tote Mister Tait soll sich an der Straße zwischen Dollar und Menstrie schon öfter als Tramper versucht haben.

Der Sohn im Verließ von Girnigoe

In der Sinclair Bay, nur einen Spaziergang entfernt von Wick, stehen die Ruinen zweier Türme. Der eine ist Sinclair Castle, der andere ist Girnigoe Castle. In den Verließ des letzteren trug sich eine grausame Story zu. Hier kommt die Geschichte, die fantastischen Fotos stammen alle von Britta Dicken. Danke!

romantische Ruine

Was heute als romantische Ruine über dem Meer thront, war im 15. Jahrhundert ein Neubau und Instrument der absoluten Machtausübung. Hier herrschte der Earl of Sinclair. Mitte des 16. Jahrhunderts war George Sinclair Earl of Caithness. Sein ältester Sohn und Erbe war John Sinclair und den schickte der Earl eines Tages nach Süden, um Dornoch zu vernichten, die Folgen einer Fehde, die der Earl mit einem Vernichtungsschlag zu beenden gedachte.

Glaube und Grausamkeit

Er schickte seinen Sohn und mit ihm seinen Verbündeten, den Mackay of Strathnaver. Als die beiden aber in Dornoch ankamen, hatte der Earl zuhause die vier Geiseln ermorden lassen, die die Bürger in gutem Glauben als Pfand nach Sinclair Bay geschickt hatten. In was für eine Situation hatte er da seinen Sohn und dessen Begleiter gebracht! Das wohl sehend weigerten sich der Sohn des Earls und der Mackay, Dornoch zu vernichten. Mit der Befehlsverweigerung war dem Sohn natürlich die Heimkehr verbaut und er folgte dem Mackay of Strathnaver in dessen Heimat. Dort blieb er einige Jahre, was unter anderem auch an der Tochter des Mackay lag, die er zur Frau nahm und mit der er Kinder zeugte.

Familie ohne Frieden

Nichts hätte seinen Vater mehr gegen ihn aufbringen können, als das. Der Erbe zeugte einen Erben im Exil und er? Er hätte weitere Erben zeugen sollen, er fühlte noch genug Kraft in sich, für den weiteren Fortbestand der Linie zu sorgen. Er war der Mann in der Familie, aber er war inzwischen Witwer. Er wäre derjenige gewesen, der heiratet. Nicht sein Sohn. So spukte es ihm wohl im Kopf herum. Der männliche Dominanztrieb war in seiner Gesellschaft Mitte des 16. Jahrhunderts außerordentlich stark ausgeprägt. Die Familie des Sohns war ein Angriff auf seine Macht und seine Männlichkeit.

vermeintliche Vergebung

Sinclair schickte eine Nachricht an seinen Sohn und an den Mackay, sprach von Vergebung und Wiedergutmachung und von dem Wunsch, die Familie wieder zu vereinen. Und so machten sich John und sein Schwiegervater auf zum Castle Sinclair. Als sie dort ankamen, fiel dem Mackay die ungewöhnlich zahlreichen Wachen auf, die in der Burg waren. Er war schon auf der Zugbrücke, ergriff in letzter Sekunde die Flucht und rettete sich. Für John kam die Erkenntnis zu spät. Er war bereits in der väterlichen Burg. Dort nahm man ihn fest und warf ihn in den Kerker von Girnigoe.

Dort lag er nun, elend in der Burg, die er einst erben sollte, vernachlässigt in dem kalten, feuchten Gemäuer. Ein Gefangener seines Vaters. Viele Jahre brachte er so in Girnigoe zu. Und mit jedem Tag schwand die Hoffnung immer mehr, eines Tages wieder Sonnenlicht auf der Haut zu spüren.

vereitelter Fluchtversuch

Sein Wärter hatte Mitleid mit ihm und wollte ihm helfen zu fliehen. Er bezahlte dafür mit seinem Leben, sein Kopf wurde abgeschlagen und auf einen Pfahl auf der Burgmauer aufgespießt. Ob John ihn von seinem Verließ sehen konnte? Den Fluchtversuch hatte Johns Bruder William aufgedeckt und bestraft, denn der Earl war auf Reisen. William war der jüngere aber mit dem Tod des Gefangenen würde er nach seines Vaters Tod alles erben, den Titel, die Macht und den Reichtum. Eines Tages wagte sich William in Johns Zelle, um ihn zu töten und bezahlte selbst mit dem Leben dafür. Sein Bruder, der trotz der langen Gefangenschaft noch immer ein sehr kräftiger Mann war, hatte ihm in einem verzweifelten Kampf den Brustkorb zerquetscht.

elendes Ende

Als der Vater zurückkam, ernannte er zwei Männer zum Wärter seines Erben, zwei grausame, sadistische Männer, die beiden Sinclairs Ingram und James, denen der Earl mit aller Wahrscheinlichkeit klar gemacht hatte, dass er auf das Leben seines Sohnes nicht viel Wert legte. Also ließen die Sinclairs den Erben ihres Chiefs hungern. Tagelang bekam John nichts zu essen. Bis sie ihm dann gepökeltes Fleisch servierten, das der ausgehungerte junge Mann hinunterschlang. Das Salz tat seine Wirkung doch die beiden Sinclairs verweigertem ihrem Gefangenen jegliches Wasser und so starb John Sinclair einen qualvollen Tod im Kerker von Girnigoe Castle. Er verdurstete. Am 15. März 1556 war er tot und wurde bald darauf auf dem alten Friedhof von Wick begraben.

Sein Vater starb sieben Jahre nach der Ermordung seines Sohnes. Das Erbe trat der Enkel an. Jener Sohn, den John gezeugt hatte, als er noch glücklich und sicher weit weg von seinem Vater beim Mackay of Strathnaver und dessen Tochter lebte.

 

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James of the Glen

Die Geschichte von James Stuart  erzählt von Macht, Politik, Betrug und Ungerechtigkeit. Sie ist so grausam wie wahr und einige Aspekte werden wohl  nie ans Licht kommen. Viele glauben, dass der Appin-Mord einer der größten, wenn nicht der größte Justizfehler in der Geschichte Schottlands war. Das Gesetz machte James of the Glen zu einem Mörder, die Legende machte ihn zum Opfer. Seine Knochen ruhen auf dem alten Friedhof von Keil in Appin. Er starb in Ballachulish am Ufer des Loch Leven am 8. November 1752.

 

Auf dem kleinen Hügel über dem Pier der ehemaligen Fähre (heute verbindet eine Brücke die beiden Ufer) wurde ein Galgen errichtet. Der 50-jährige James Stewart, auch bekannt als Seaumas a ‚Ghlinne, James of the Glen, wurde hier hingerichtet. Er wurde wegen Mordes gehängt, den er höchstwahrscheinlich nie begangen hat. Der mutmaßliche Mörder wurde nicht nicht gerichtet wer wurde ermordet. Auf dem Hügel, auf dem der Galgen stand, ist eine Gedenkstädte aber man muss danach suchen, um sie oberhalb der Brücke zu finden. Parken ist schwierig.

James of the Glen war ein ruhiger und beliebter Mann, er war gebildet, konnte in beiden schottischen Sprachen lesen und schreiben. Er war mit seiner Cousine Margaret verheiratet, die beiden hatten drei Kinder und lebten auf einer Farm in Glen Duror, ein paar Meilen südlich von Ballachulish. Er hatte auf dem Feld von Culloden gekämpft und den Kampf überlebt, um schließlich zu Hause getötet zu werden.

James of the Glen war ein Stewart of Appin und damit natürlich auch ein Anhänger von Charles Edward Stuart. Die Campbells waren Anhänger des englischen Königs und taten sich besonders damit hervor, so viele Stewarts wie möglich von ihrem Land zu vertreiben.  James of the Glen und Colin Campbell, den sie „den roten Fuchs“ nannten, hatten sich in einer Kneipe wegen dieser Vertreibungen geprügelt. Dafür gab es jede Menge Zeugen.

Colin Campbell hatte Räumungsbefehle bei sich, als man ihn am 14. Mai 1752, wenige Tage nach der Kneipenschlägerei, auf dem Weg nach Duror erschossen fand. Ein Mann mit einer Muskete war im Wald verschwunden hatten Augenzeugen behauptet. Wer war dieser Mann? Und wo war er?

Alan Breck, der Pflegesohn von James Stewart, war der offensichtlichste Verdächtige, und sein Pflegevater wurde beschuldigt, an dem Mord beteiligt gewesen zu sein. Breck floh nach Frankreich,  James Stewart wurde  gefangen genommen. Einen Rechtsbeistand gestand man ich erst 36 Stunden vor dem Prozess zu. Richter war der Duke of Argyll, Chef des Clans Campbell. Elf der fünfzehn Geschworenen waren ebenfalls Campbells. Von einer unabhängigen Einschätzung war dieses Gericht weit entfernt. Justitia war nicht blind und James Stewart hatte keine Chance. Er hat sich nie wirklich verteidigt, wahrscheinlich nicht, weil er schuldig war, sondern weil er keinen seiner Verwandten gefährden wollte.

Sie hängten ihn auf, legten ihm dann Eisenketten um seinen Körper und ließen ihn drei Jahre am Galgen hängen. Als der Leichnam abfiel, sammelte seine Frau Margaret ein, was von ihm übrig war und beerdigte die Knochen in der Ruine der Kirche von Keil. Eine kleine Gedenktafel erinnert  daran.

Der ermordete Colin Campbell wurde im Kloster Ardchattan beigesetzt. Dessen Geschichte folgt am nächsten Sonntag.

Mord am Hochzeitstag

Ich finde bei meinen Recherchen zu Schottland immer wieder Gruseliges und Grausames, der Mord in Appin ist wie ich finde dennoch ein ganz besonderer. Überhaupt scheint Appin eine ganz besondere Anziehungskraft für Mörder zu haben. Hier also nun ein wahrer Krimi aus dem 15. Jahrhundert. 

Castle Stalker

Dies ist die Geschichte der Ermordung von John Stewart, Lord of Lorn an seinem Hochzeitstag und die der Ermordung seines Mörders Alan MacDougall und es ist gleichzeitig die Geschichte der dramatischen Geburt der Stewarts of Appin.

Appin

Die Anfänge des Clans Stewart von Appin waren bestimmt von Lust, vielleicht sogar von Liebe. Es war das Jahr 1445 und Sir John Stewart war auf dem Weg nach Hause zu seiner Burg Dunstaffnage, als er auf eine junge Frau traf, in die er sich sofort verliebte. Sir John war ein verheirateter Mann, was ihn keineswegs davon abhielt, mit dieser Frau einen Sohn zu zeugen. Sie war eine Tochter des MacLaren von Ardvech, deren Name nirgendwo überliefert wurde. Ein Schicksal, das sie mit vielen Frauen teilte, die Geschichte ist voller namenloser Frauen, auch die schottische.

Diese Geliebte wollte Sir John schließlich fünf Jahre nach dem Tod seiner rechtmäßigen Frau heiraten. Seine Frau hatte ihm drei Töchter geboren aber keinen männlichen Erben. Er war gezwungen, die Linie mit einem Erben zu sichern und mit der Geliebten hatte er bereits einen Sohn und möglichen Erben. Er musste also nur die Mutter heiraten und den Sohn anerkennen. Die Vermutung liebt nahe, dass die geplante Ehe wenig mit Liebe zu tun hatte.

Die Hochzeit der beiden fand am 20. Dezember 1463 statt, die Zeremonie fiel kürzer aus als erwartet denn Männer drangen plötzlich in die Kirche ein, die Waffen wurden gezogen. Sir John wurde von einem Dolch tödlich verwundet. Sie zerrten den sterbende Bräutigam aus der Kirche, die Zeremonie war beendet. Doch noch bevor Sir John den letzten Atemzug tat, streifte ihm der geistesgegenwärtige Priester den Ring über den Finger und besiegelte so die Ehe der beiden.

Die namenlose Frau war Braut war Witwe an einem Tag, ihr achtzehnjähriger Sohn Dugald der rechtmäßige Erbe des Vermögens eines Vaters, dessen Sohn er offiziell gerade geworden war.

Es war dieser ehemalige Bastard und nun rechtmäßige Erbe von Sir John Stewart, Lord of Lorn, der die Linie der Stewarts of Appin begründete. Der Mörder am Hochzeitstag war Alan MacDougall und er hatte seine Gründe für seine grausame Tat.

Die MacDougalls hatten früher das Castle Stalker besessen, Sir John hatte es ihnen genommen. Jetzt übernahm Dugald seinen Platz ein als Stewart von Appin und plante seine Rache mit Ruhe und kalter Besonnenheit. Fünf Jahre kamen und gingen, die Differenzen mündeten 1468 schließlich in die blutige Schlacht von Stalc, in der viele Hundert fielen als die MacLarens den Stewarts of Appin und Dugald, ihrem Chief halfen, die MacDougalls und deren Verbündete die MacFarlanes, vernichtend zu schlagen. Alan MacDougall, der Mörder von Dugals Vater, wurde ebenfalls getötet.

Dugal regierte Appin für mehr als dreißig Jahre. Was aus seiner Mutter wurde, ist nicht überliefert.

Mütter und Söhne

Wenn man die kleine A938 Richtung Osten fährt, dann kommt man ganz im Süden von Inverness-shire irgendwann einmal nach Duthil. Man könnte es aber auch einfach völlig verpassen, denn mehr als ein paar Häuser sind es nicht, was man aber ganz und gar nicht verpassen sollte, das sind die beiden Seafield Mausoleen. Auch wenn sie verschlossen und nicht zugänglich sind. Sie sind beeindruckend, etwas gruselig und irgendwie genau so, wie sich das leidenschaftliche Leser der Shelleys oder Edgar Allan Poe immer vorgestellt haben: grau, gotisch und gruselig.

Wer waren diese Seafields, die hier bestattet wurden und warum bauten sie gleich zwei fast identischen Mausoleen nebeneinander?

Die Lairds of Grant waren die Chiefs des Clan Grant, es gelang ihnen, das Earldom of Seafield und die ausgedehnten Gebiete der Ogilvies, Earls of Findlater und Seafield zu erobern. Das Wappen der Ogilvie Grants und Earls of Seafield befindet sich auf dem Mausoleum, das am nächsten an der Kirche von Duthil liegt, nicht jedoch auf dem zweiten.

Das Symbol des Clan Grant ist die lange und uralte schottische Kiefer, einige ragen hoch hinter den Mausoleen empor. Die Kirche steht hier seit dem 17. Jahrhundert, aber die erste Kirche in Duthil stammt aus dem Jahr 1400. Das Clan Grant Center bietet Informationen und Hilfe hauptsächlich für Clanmitglieder aus der ganzen Welt, viele Grants aus Amerika oder Kanada suchen in Schottland nach ihren Ursprüngen. Das Clan Grant Center ist eine der Anlaufstellen für Namenstouristen aus Übersee.

Die Geschichte der Seafield Mausoleen ist tragisch, in ihrem Zentrum stehen Mütter und ihre Söhne, es geht um Trauer und individuellen Verlust, über das Weiterleben und den Versuch, damit fertig zu werden.

Die Grants bauten im 19. Jahrhundert das erste Mausoleum, das mit dem Familienwappen. Mary Ann Dunn, die Frau des 6. Earl of Seafield, starb 1840 im Alter von 45 Jahren. Sie sollte die erste sein, die im neuen Familienmausoleum beigesetzt wird. Sie hatte geheiratet, als sie erst 16 Jahre alt war, und dem Earl sechs Söhne und eine Tochter geboren. Der erste Sohn war in sehr jungen Jahren gestorben, der zweite, wurde dann Erbe und trug damit den Titel Master of Grant. Sein Name war Francis William, er war Kirchenältester und Abgeordneter im Parlament in Inverness.

Als seine Mutter starb, machte er sich auf den Weg nach Cullen House. Francis William war in London gewesen und kehrte nun gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder John Charles nach Hause zurück. Er fühlte sich nicht gut und ging ins Bett. Francis William Grant wurde am nächsten Tag tot in seinem Bett aufgefunden. Er war nur 25 Jahre alt geworden.

Der Sohn stand bei der Beerdigung nicht am Grab seiner Mutter, er wurde mit seiner Mutter beigesetzt, in dem Mausoleum, das die Familie frisch gebaut hatte. Nicht ein Tod wurde von der Familie betrauert, sondern zwei. Der Schmerz der Angehörigen muss immens gewesen sein.

Die Beerdigung war groß und machte einen ebenso großen Eindruck, nicht nur regional. Die Zeitungen berichteten über die Tragödie, die Arbeit in der Gegend ruhte, die Kirchenglocken läuteten und der Trauerzug war fast eine Meile lang. Der Kutsche mit der Leiche von Lady Grant war schwarz dekoriert, die ihres Sohnes ganz weiß. Es war Frühling 1840 und das Mausoleum war neu und leer. Jetzt nahm es gleich zwei Leichen auf einmal auf. Es sollten noch mehr kommen.

Der trauernde Vater und Ehemann heiratete drei Jahre nach der doppelten Beerdigung erneut, bekam aber keine Kinder mehr. Seine zweite Frau ging nach seinem Tod zwei weitere Ehen ein. Und John Charles trat die Nachfolge seines Vaters als 7. Earl of Seafield an.

Die Frau von John Charles beschloss ein paar Jahre darauf, die letzte Seafield zu sein, die in dem Mausoleum ruhen würde. Es war Herbst 1911 und Caroline Stuart, die Witwe des Earls führte die Geschäfte. Sie hatte dieses Recht von ihrem Sohn, dem 8. Earl of Seafield, geerbt, der vor ihr gestorben war. Er war der einzige Sohn des Paares gewesen.

Die Frau und die Mutter des Earls war die Letzte, die sich im Familienmausoleum bestatten ließ. Für die kommenden Generationen ließ sie ein neues bauen, das aber genauso aussah, wie das, in dem sie bestattet werden wollte. Mit ihr würde eine Linie zu Ende gehen.

Die Beerdigung der Witwe von Seafield war ein düsteres Ereignis, der Geistliche hielt die Ansprache im Mausoleum selbst, die Menschen standen im Friedhof und hörten zu. Dann trat Duncan MacDonald aus dem Schatten der Bäume. Er war der Dudelsackspieler der Mackintoshs und er verabschiedete Lady Caroline Stuart mit all den Ehren, die einer Gutsherrin ihrer Klasse zustand. Er spielte The Lament for the Only Son, die Klage um den einzigen Sohn.

Dann wurden die Türen des Mausoleums für immer verschlossen.

 

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Banff-tastisch

Mit quietschenden Schuhen verließ der adrette Ober den Raum. Ich sah mich um im Speisesaal des County Hotel. Das konnte ich ganz ungeniert tun, ich war der einzige Gast. Ein beeindruckendes Gebäude, elegant auf zwei Ebenen, gebaut für den Provost (Bürgermeister) George Robinson im Jahre 1770. Später gehörte es wohl einer reichen Bürgerin, die mit Leinen viel Geld gemacht hatte und ich bin mir sicher, dass sie den Blick aus dem ersten Stock genauso genossen hat wie ich.

Das Ambiente nobel und ein bisschen in die Jahre gekommen, Dekor schottisch mit einem französischen Touch, das muss am Chef liegen, der Franzose ist und auch kocht. Das war für mich der Grund, mich für ein Abendessen im Hotel zu entscheiden.  Den meisten Besuchern von Banff geht das wohl anders, der unglaublich großen Zahl von Fast Food Läden aller Nationen nach zu urteilen.

Nun saß ich also alleine beim Abendessen, vermisste den Mann ein wenig, hatte aber prinzipiell kein Problem damit. Ich hatte ja einen Ober, der mich unterhielt. Der quietschte gerade wieder herein.

„Was darf ich Ihnen zu trinken bringen?“ fragt er.

„Ich nehme ein Glas Rosé von dem Hauswein als Aperitif.“

Er schaut leicht verwirrt in die Karte und dann zu mir. „Was für ein Glas wollen sie?“

Ich überlege, derweil geht er zur Anrichte und bringt mir zwei leere Gläser.  „So eins, oder so eins?“ fragt er und hält je eins in der Hand.

Ich deute auf das kleinere der beiden und er quietscht mit seinen wohl neuen Schuhen und beiden Gläsern aus dem Speisesaal, kommt aber kurz darauf mit dem gefüllten kleineren Glas wieder zurück und stellt es vor mich hin. Es ist eiskalt und der Rosé sehr trocken, genau, wie man es von einem Franzosen in der Küche erwarten würde. Trés bien!

Der Ober kämpft jetzt mit drei Karten, dem Weihnachtsmenu, das noch Gültigkeit hat, der eigentlichen Karte und der Weinkarte und versucht mir alles aufgeschlagen gleichzeitig zu reichen. Wir jonglieren das gemeinsam irgendwie hin. Ich bestelle ein großes Glas Merlot und ein Rindersteak. Die Karte ist ein sehr guter französisch-schottischer Mix und es fällt mir sehr schwer, mich zu entscheiden.

„Wollen Sie eine Vorspeise?“ fragt der Ober und zappelt dabei unruhig.

„Nein.“ danke sage ich und knabbere an den Chips aus dem kleinen Schälchen, das es zum Aperitif gab.

„Wollen sie vielleicht noch mehr Chips?“ fragt er dann, fast schon erfreut. Das edle französische Ambiente ist eher nicht seins und er macht den Job noch nicht lange aber er ist mit vollem Engagement dabei.

Ich verneine mit einem strahlenden Lächeln und beantworte die nächste Frage, wie ich denn das Steak will, mit medium, aber schottisches medium, nicht französisches. Das ist mir zu blutig und bei einem französischen Koch…

Nun ist aber der Ober ganz verwirrt, trägt die Order aber wohl ganz genauso in der Küche vor, denn das Steak kommt perfekt so wie ich den Garpunkt gerne mag und es ist darüber hinaus unfassbar lecker. Die Röstzwiebeln leicht und knusprig, das Ratatouille würzig, die Pommes aus frischen Kartoffeln, die Pilze ein Genuß. Ich esse beglückt vor mich hin, da quietscht der Ober auf schnellen Schuhen wieder herein.

„Ich habe ihr Steakmesser vergessen.“ ruft er mir aus ein quer durch den Saal entgegen, ganz besorgt, wegen seines Versäumnisses. Der Chef hat in der Küche wohl nachgefragt, ob er auch daran gedacht hat. Nun steht dem jungen Mann schon der Schweiß auf der Stirn.

„Sagen sie den Chef es schmeckt wunderbar.“ sage ich ihm. „Das muss ganz schön schwer sein, das großartige Essen zu servieren und nichts davon essen zu dürfen.“ sage ich. Er sieht irgendwie hungrig aus.

„Ich darf nur servieren.“ sagt er mit Trauer in der Stimme, „nicht essen. Aber der Duft….!“ Diesen letzten Satz lässt er wie den Rauch einer guten Zigarre durch den Raum schweben.

Ich bin mir nicht sicher, ob er für den Job wirklich gemacht ist, aber wahrscheinlich gibt es in Banff nicht wahnsinnig viel Jobs zur Auswahl. Zum Nachtisch serviert er mir Vanilleeis mit Toffee und ich frage, ob sie Espresso haben. Dann wäre mein Glück wahrlich perfekt.

Er kommt wieder aus der Küche zurück, offensichtlich kann er keine meiner Fragen selbst beantworten, weil sehr wahrscheinlich nicht viele Gäste diese Fragen stellen in Banff. In Frankreich wohl aber das weiß der Ober ja nicht. Er schaut mahnend auf die Uhr, sagt aber nicht wie spät es ist.

„Sie können auch entkoffeinierten Kaffee haben.“

Es ist also spät. Ich versuche mein Lächeln zu verstecken. „Das schaffe ich schon, ist ja erst acht Uhr.“Dann genieße ich und nehme eine Flasche des hervorragenden französischen Weißweins mit aufs Zimmer. Endlich mal kein Chardonnay, den sie in Schottland sonst überall anbieten, warum wird sich mir nie erschließen.

„Mit einem großen Glas.“ sage ich gleich, damit er Bescheid weiß. Er kommt mit einem normalen Weißweinglas zurück, nix mit langem Stil und großem Kelch aber egal. Es kommt auf den Wein an und der ist klasse.

Es war ein ausgesprochen leckeres und auch amüsantes Essen im County Hotel in Banff. Ein Besuch lohnt sich, aus vielerlei Gründen.

Pirat und Held John Paul Jones

Einer der berühmtesten Piratenund Seefahrer, den Schottland je hervorgebracht hat, ist Paul Jones, Sohn eines Gärtners aus Kircudbright. Geboren wurde er am 6. Julie 1747 auf dem Herrensitz von Lord Selkirk, in Arbigland. Der Sohn trug (wie es in Schottland auch heute noch häufig üblich ist) denselben Namen wie sein Vater: John Paul. Seine Mutter war Jean MacDuff.

frozen bramblesDer Vater war ein echtes Unikum.

Einmal, als sein Herr durch den Garten ging, entdeckte der in den beiden baugleichen Sommerhäusern je einen jungen Burschen im Fenster. Er ging zu  Gärtner, um sich zu erkundigen, was es damit auf sich hatte.

„Der Junge hat Obst im Garten gestohlen.“ sagte der alte John Paul. „Da haben ich ihn eingesperrt.“

„Aber es sind zwei Jungen.“ berichtigte Lord Selkirk mit einer gewissen Logik.

„Meinen Sohn habe ich nur aus Gründen der Symmetrie ins andere Haus gesperrt.“ erwiderte der Gärtner.

Es war eben dieser Sohn, der ein ganz außergewöhnliches Leben haben würde.

Isle of Skye view from Carr Brae one autumn evening

Nicht lange nach der Symmetrie-Episode wurde das Arbeitsverhältnis mit John Paul Senior  beendet und die Familie zog um. Weil der alte John Paul ohnehin eher als Seefahrer denn als Gärtner taugte, ging er auch zur See. Mit 12 Jahren trat auch der junge John Paul in Whithaven sein Leben auf See an, zunächst als Lehrling, dann als Steuermann auf Sklavenschiffen, bereits mit 21 Jahren wurde er Kapitän. Er sah bald, wie viel lukrativer plündern war und wurde Pirat, nannte sich um von John Paul in Paul Jones. Er kannte die schottische Küste wie seine Westentasche, was ihm natürlich auf See sehr zugute kam. Bei einem Angriff auf seine Stadt Whitehaven war er zunächst Teil der Plünderer, warnte aber dann die schlafenden Bewohner vor der Gefahr und rettete so ihr Leben.

Überhaupt war Pirat Paul wohl der Netteste seiner Spezies. Nach den Ereignissen von Whitehaven machte sich die Besatzung des Schiffs auf nach Arbigland. Den Herrensitz von Lord Selkirk konnte man über das Wasser erreichen. Man ankerte und enterte, doch Lord Selkirk war nicht anwesend. Nur Lady Selkirk, die natürlich in dem Piraten vor ihr nicht den Gärtnerssohn erkannte. Eigentlich hatte die Crew Lord Selkirk entführen und Lösegeld fordern wollen., Was nun? Pirat Paul hielt die anderen davon ab, Schlimmeres zu tun und bat (!) Lady Selkirk um das teure Geschirr, das man gut verkaufen konnte. Die Lady, in vollen Bewusstsein, dass alles noch viel schlimmer sein könnte, ließ alles einpacken und steckte obendrein noch ihre silberne Teekanne, die sie noch warm vom Frühstückstisch nahm, an dem sie gesessen hatte, bevor die Piraten auftauchten.

Man zog von dannen. Bevor er das Haus verließ versprach Paul Jones ihrer Ladyschaft, dass sie eines Tages alles zurück bekommen würde. Es dauerte ein paar Jahre aber im Frühjahr 1783 war es soweit. Ein Paket traf ein mit dem Geschirr und der Teekanne, die Teeblätter vom Frühstück der Lady Selkirk waren noch immer darin. Die Teegeschichte erzählte  vom Charakter des „Piraten“, der in den nächsten Jahren zu einem amerikanischen See-Helden werden würde.

wake sea water ship

John Paul Jones kämpfte im Unabhängigkeitskrieg für Amerika gegen das Vereinte Königreich. Sein Schiff war zunächste die Bonhomme Richard, mit der er (zu der Zeit in französischem Dienst) auf die Serapis traf. Die fügte ihm in heimischen Gewässern einen solchen Schaden zu, dass er zu sinken begann. Gönnerhaft bot ihm der Kapitän der Serapis an, zu kapitulieren worauf Paul Jones antwortete: „Sir, ich habe noch nicht einmal angefangen zu kämpfen.“

John Paul Jones kommandierte das erste sinkende Schiff der Geschichte, das eine Seeschlacht für sich entscheiden  konnte. Für die Amerikaner war er ein Held der See und ein Unabhängigkeitskämpfer, der ganze acht Schiffe sank und mindestens ebenso viele plünderte.

Sein bewegtes Leben zog ihn weiter in andere Länder, er kämpfte für Russland gegen die Türken, lebte in Holland und in Frankreich wo er Ende des 18.Jahrhunderts auch starb. Über hundert Jahre später überführten die Vereinigten Staaten von Amerika die Überreste des schottischen Piraten in die USA, wo er in einem Bronzesarg in der US Navy Akademie liegt, von amerikanischen Marinesoldaten als einer ihrer Idole seit über einhundert Jahren bewacht.

 

Quellen: 

Biografie John Paul Jones auf Britannica.com

History of Paul Jones the pirate auf History.Navy.mil

 

Sanquhars Spukgeschichten

Schottland ist voller Geschichten, schräge und schreckliche, lustige und unheimliche und wahrscheinlich ist das ein Grund, warum so viele Menschen nicht mehr von dem Land lassen können, haben sie es einmal besucht. Der Glaube an das Übernatürliche ist weit verbreitet und auch heute noch für viele Schotten eine Selbstverständlichkeit. Was für ein Land für Gruselgeschichten!

In den Zentren wie Edinburgh werden die Geistergeschichten als Touren vermarktete un finden reißenden Absatz. Doch man kann sie auch selbst entdecken, die Geister der Toten. Eine Geschichte spielt weit ab von Touristentrubel der Hauptstadt im Süden, in Dumfries am Fluss Nith gelegen: Sanquhar. Einst eine freie Stadt beherbergt sie das älteste noch aktive Postamt der Welt und gleich drei gruselige Geister. Ich war für mein nächstes Buch auf einem Recherchetripp in die Borders und wollte die Geister von Sanquhar unbedingt suchen. Der Mann hielt sich lieber von den Geistern fern. Man weiß ja nie.

Sanquhar Castle

security fence and signDen einen Geist findet man in der Nähe von Sanquhar Castle. Die Burg liegt gleich am südlichen Ortseingang. Leider ist die Ruine in einem derart schlechten Zustand, das man sie vollständig eingezäunt hat. Betreten verboten. Der Zaun wäre einem Gefängnis würdig. Aber kann er auch Geister aufhalten?

sign danger keep outKönige und Königinnen gingen einst hier ein und aus. Ursprünglich war Sanquar Castle die Heimat der Familie Crichton und damit des Earls of Dumfries. Sie verkauften die Burg 1639 an Sir Willliam Douglas of Drumlanrig. Als der zum Duke of Queensberrry ernannt wurde, brauchte er ein etwas imposanteres Haus und baute Drumlanrig Castle. Der Verfall hatte begonnen.

Warum die Crichtons die Burg verkauften. Man möchte annehmen, es hatte finanzielle Gründe aber möglicherweise spielten auch John Wilson und Marion of Dalpeddar eine Rolle. Beide sollen in den bröckelnden Mauern der Crichtons spuken.

castle and farm building

Marion war eine Schönheit mit langem, flachsblondem Haar und einem weißen Spitzenkleid. Sie tauchte das erste Mal 1590 in der Burg auf. Keiner weiß genau, was sie für ein Schicksal hatte. Es wird vermutet, dass sie ein Opfer sexueller Übergriffe von Robert Crichton, Lord Sanquhar und damit auch Sheriff von Nithsdale geworden war. Bei dem Renovierungsversuch der Burg durch John Crichton-Stuart, dem Marquess of Bute im 19. Jahrhundert wurde das Skelett einer jungen Frau außerhalb der Burgmauern ausgegraben. Sie hatte noch lange blonde Haarreste am kalten Schädel. War sie die weiße Lady?

castle staircase ruinJohn Wilson dagegen erlitt ein ganz anderes Schicksal aber erstaunlicherweise genau zur gleichen Zeit wie die weiße Lady, im Jahr 1590. Sein Verderben war es, dass er zwischen die Fronten zweier mächtiger und selbstherrlicher Männer geriet. Ein Streit, der John Wilson sein Leben kostete. Der eine Mann war ein Freund von Lord Robert, dem Hauptverdächtigen beim Tod der jungen Frau und ihrer „Entsorgung“ außerhalb seiner Burgmauern, Douglas of Drumlanrig. Der andere war Sir Thomas Kirkpatrick, in dessen Dienst John Wilson stand. Wilson wurde mehrere schlimmer Taten beschuldigt, Sir Thomas verteidigte ihn aber Douglas of Drumlanrig ließ seine Beziehungen spielen und John Wilson hängen. Nur um Sir Thomas zu zeigen, dass er es konnte. So gesehen geht auch dieser Tod auf das Konto des gnadenlosen Sheriffs. John Wilson soll seitdem Ketten rasselnd und klagend durch die Mauern der Burg spuken.

So zumindest ist die gängige Variante. Aber vielleicht war John Wilson ja gar nicht so unschuldig und vielleicht war er eingesperrt und gehängt worden, weil er etwas mit dem Verschwinden der blonden Schönheit zu tun gehabt hatte?

Sanquhar Friedhof

Aber als wäre das nicht genug der mitternächtlichen Unruhe – es spukt nicht nur rund um die Burg, es spukt auch auf dem Friedhof von Sanquhar. Dieser Geist tauchte etwas später auf als die beiden von der Burg aber er scheint der deutliche gruseligere Geist zu sein. Die Geschichte von Abraham Crichton. Crichton war wohlhabend mit Gutsbesitz und ausgedehnten Ländereien in der Gegend. Dennoch meldete er Bankrott an. Man glaubte ihm nicht, dass er kein Geld mehr hatte und war in Sanquhar vielmehr davon überzeugt, Crichton habe es irgendwo versteckt. Er starb im Jahr 1745, vier Jahre nachdem er bankrott gegangen war.

Bauarbeiten Sanquhar Friedhof

Nun gab es in Sanquhar eine bereits lange anhaltende Diskussion um die Kirche von St. Bride, die nicht mehr genutzt wurde und verfiel. Einige wollten sie abreißen, andere hielte das für ein Sakrileg, das Gottes Zorn hervorrufen würde.

Sanquhar Friedhof DumfriesAbraham Crichton scherte sich nicht darum und ließ mit den Abrissarbeiten beginnen. Am Abend ritt er nach Hause als ein Blitz sein Pferd erschreckte, es bäumte sich auf und Crichton verlor den Halt. Das Pferd in Panik rannte los und zog Crichton, den Fuß im Steigbügel eingeklemmt, hinter sich her. Als Pferd und Reiten Dalpeddar erreichten, war der Reiter tot. Die Strafe Gottes für seine Lügen und seine Missachtung der Kirche, dachte man in Sanquhar und war nicht sonderlich traurig.

Abraham Crichton wurde im Friedhof bestattet, doch er tauchte immer wieder auf, verfolgte Trauernde, flehte sie an, erschreckte sie zu Tode. Keine wollte mehr im Dunkeln über den Friedhof gehen. Die Stadt war in Aufruhr.

Bis Pfarrer Hunter die Initiative ergriff und mit Schwert und Bibel bewaffnet die Nacht auf dem Friedhof verbrachte. Am nächsten Morgen verkündete er müde, dass der Geist nun nie mehr auftauchen würde. Er sollte recht behalten. Das Grab von Abraham Crichton hat man dennoch mit Ketten gesichert, für alle Fälle.

Die Kirche auf dem Friedhof ist ebenfalls eingezäumt. Bauarbeiten scheinen erneut zum Erliegen gekommen zu sein. Vom Grab Abraham Crichtons keine Spur.

Drei Geistergeschichten auf einem so kleinen Gebiet – Die Familie Crichton scheint (zumindest in Sanquhar) recht spukanfällig gewesen zu sein.

 

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NEU: Das Taschenbuch zum Blog

Nellie Marthe Erkenbach

Das Taschenbuch zum Blog

Dear Reader,

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…dass manche Dinge länger dauern als man möchte aber nun ist es endlich so weit. Das Taschenbuch ist veröffentlicht und ab sofort beim Amazon verfügbar.

Einfach hier klicken….Abenteuer Highlands

Abenteuer Highlands: Mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland

Taschenbuch: 241 Seiten

Verlag: Independently published (28. Juli 2018) by Kindle Direct Publishing/Amazon

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 1980806314

ISBN-13: 978-1980806318

Größe: 12,9 x 1,4 x 19,8 cm

Preis: 11,76 €

einsam mit Otter

Sandaig (25)Die schottischen Highlands sind aus vielerlei Gründen eine Herausforderung für das Seelenkostüm der Menschen; Wetter, Wildnis, Winterdunkel … die Liste zu bewältigenden Dinge ist lang.

Gerade im Winter, wenn es erst gegen 10 Uhr richtig hell wird (richtig hell ist hier relativ, denn bei Regen oder Nebel wird es den ganzen Tag nicht richtig hell) und mit dem Sonnenlicht auch schon kurz nach 15 Uhr wieder Schluß ist.

Dazu kommt die Einsamkeit, die viele Menschen nur schwer ertragen können, dieses Verschwinden in der Grösse der Naturgewalten.

Gavin Maxwell mit OtterOtter (7)Seit ich die Bücher von Gavin Maxwell gelesen habe, wollte ich den Ort sehen, der noch einsamer ist als der, an dem wir wohnen. Ja, das gibt es tatsächlich. Er schrieb, wie ich, er beobachtet Otter wie ich aber er tat alles noch viel intensiver. Viel intensiver!

Sandaig (49)

Ein paar Sonnenstunden Sonne ziehen mich nach draußen, durch den Schneematsch den Mam Ratagan hinauf und hinüber nach Glenelg und von dort Richtung Arnisdale. Eine kleine Wanderung von der Straße hinunter zum Meer und zur Sandaig Bucht, wohin Maxwell sich zurück gezogen hatte, um zu schreiben und der Welt abhanden zu kommen.

Sandaig (72)Was für ein traumhafter Ort. Winterwolken säumen den Horizont, die Gezeiten formen Sandwellen und Steine. Ein kleiner Fluß fliesst um das Grasland ins Meer. Eine Häuserruine rottet am Rand der Bucht vor sich hin. Sein Angestellter und Freund Jimmy Watt wohnte hier, er kochte für ihr und erledigte alle möglichen Aufgaben. Für ihn war Maxwell eine Art Vaterfigur.

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Maxwells Haus ist längst abgebrannt, nicht ist mehr übrig als ein Gedenkstein über der Asche des 1969 verstorbenen Schriftstellers. Ein paar Meter entfernt unter einer hohen Tanne liegt sein Otter Edal begraben. Besucher haben Muscheln und Steine an den Gedenktafeln hinterlassen.

Ein friedvoller, idyllischer Ort. Herrlich im Sommer, wenn die Tage endlos blau wie das Meer sind. Anders im Winter, wenn die Stürme vom Meer her über die Bucht ziehen. Bis zur nächsten menschlichen Siedlung ist es eine Dreiviertel Stunde Fußmarsch. Ist ihm diese Einsamkeit nie zuviel geworden? Er war ein Romantiker, oft melancholisch, immer intensiv fühlend, lebhaft und amüsant, empfindsam, manchmal schwierig. Ein Genie sagen die, die ihn gekannt haben. Seine Trilogie „Ring of Bright Water“ sucht definitiv ihresgleichen.

Sandaig (41)

Ob er einsam war, oder nur allein frage ich mich als ich hier an seinem Grab sitze und die Schönheit der Natur in mich aufsauge. Gibt es einen schöneren Ort auf der Welt?

Gavin Maxwell (1)Ich denke über Maxwell nach, er war ein faszinierender Mann, entstammte dem Adel, war homosexuell, bereiste den Irak und Marokko, arbeitete für den Britischen Geheimdienst im 2. Weltkrieg, fuhr Autorennen, war ein aussergewöhnlicher Schrifsteller (seine Bücher beeinflussten eine ganze Generation), er war voller Ideen aber er war auch depressiv und frustriert. Er mochte die Menschen wohl nicht besonders. Er liebte die Natur und seine Tiere. Sein Haus brannte 1968 ab, Otter Edal starb dabei. Alles war vorbei. Sein Camusfeàrna wie er es in den Büchern nannte, war nicht mehr. Ein Jahr später, 1969, starb auch Maxwell. Er hatte Krebs.

Sandaig (77)

Er ist noch immer hier. In der Natur und bei seinem Otter. Wahrscheinlich hat er es genau so gewollt.

Ich glaube er war nicht einsam, er war einfach nur gerne allein. Oder nicht gerne unter Menschen.

Und wo kann man das besser sein, als in den schottischen Highlands.

Eine großartige BBC-Dokumentation zu Gavin Maxwell.

https://www.youtube.com/watch?v=JP0IR2qWR50