Mord und Handwerker: Ein schottisches Drama

Mordgedanken und Aperol

Es gibt Tage, da meint es das Schicksal gut mit einem. Und dann gibt es Tage wie diesen. Ich hatte beschlossen, einen Krimiplot zu durchdenken – und dazu brauche ich Bewegung. Still sitzen ist nichts für kreative Verbrechen. Agatha Christie ist angeblich auch immer durch Devon marschiert, während sie über ihre Mörder nachdachte. Ich aber lebe nicht in Devon. Ich lebe in den Highlands. Und da ist es mit dem entspannten Spazierengehen so eine Sache.

Denn hier heißt „ein bisschen wandern“: auf Ziegenpfaden balancieren, durch knöcheltiefen Matsch stapfen und gleichzeitig versuchen, nicht über einen der unzähligen Steine zu stürzen, die sich einem wie bockige Ponys in den Weg legen. Krimiplots entwickeln? Ja, klar – wenn man nebenbei auch noch jonglieren kann. Ich also beschließe, auf einer Teerstraße zu laufen. Geradeaus. Flach. Und vor allem mit wenig Verkehr. Was in der Touristensaison ungefähr so wahrscheinlich ist wie ein einsamer Strand in den Sommerferien.

Aber ich bin motiviert. Die Sonne scheint! Es ist April – normalerweise bedeutet das: vier Jahreszeiten pro Stunde. Doch heute: strahlender Himmel, 14 Grad, und sogar die Schafe sehen zufrieden aus. Ich schwinge mich also ins Auto, bereit für frische Luft, Mordgedanken und ein bisschen literarische Selbstfindung.

Dummerweise fahre ich genau in die einzige Ecke Schottlands, über der sich eine riesige, dunkelgraue Regenwolke ausbreitet. Natürlich. Wo sonst. Ich fluche leise, parke trotzdem und ziehe die Kapuze über den Kopf. Man kann auch bei trübem Wetter kreativ sein. Sagt man.

Ich stapfe also los, ganz bei mir und meinen Gedanken. Doch da pingt es. Der Mann. Heute in Inverness. Sollte bei Lidl Aperol kaufen – Vorrat für das Wochenende. Stattdessen schreibt er: „Wo steht denn der Aperol? Ich find den nicht.“

Ich überlege kurz, ob ich zurückschreibe: „Neben dem Klopapier, gleich hinterm griechischen Joghurt.“ Aber dann reiße ich mich zusammen. Ich tippe zurück: „Da, wo der Gin steht.“ Keine zehn Sekunden später: „Hab ihn!“ Zufriedener Mann, gesichertes Wochenende. Ich nicke still. So viel zur Konzentration.

Kaum habe ich mich wieder auf meinen Mörder konzentriert – der in meinem Kopf so vielversprechend war –, da pingt es erneut. Meine Chefin. „Darf ich dich kurz stören? Nichts Dramatisches, aber es hat eine Veränderung gegeben.“ Und zack, statt Krimi: Kopfkino. Kündigungswelle? Umstrukturierung? Muss ich doch zurück zur Konferenzplanung?

Ich antworte: „Bin erreichbar.“ Was bleibt mir auch anderes übrig. Weiter geht’s.

Zehn Meter weiter: ping. Fiverr-App. Meine Designerin. Das Cover sei fertig, ob ich bitte direkt schauen könne. Natürlich. Ich. Jetzt. Im Nieselregen. Auf einem schottischen Wanderweg mit schlechter Netzabdeckung.

Ich nehme mir vor, jetzt aber wirklich den Mörder weiterzudenken. Doch da – beginnt der zweite Akt: die Handwerkerpanik.

Wenn Handwerker zu Krimifiguren werden

Ich hatte mit meiner Schwester in Deutschland abgesprochen, dass ich mich um einen Handwerker für unsere Eltern kümmere. Sie hat ohnehin schon genug zu tun, wenn ich weg bin, also übernehme ich. Sie hatte eine Empfehlung von einer Kollegin, ich hatte den Herrn kontaktiert – wir waren per WhatsApp in Kontakt.

Er war etwas zögerlich, wegen der Entfernung. Aber ja, er würde es gegen Anfahrtskosten machen. Ich bitte ihn um einen Terminvorschlag. Eine Woche vergeht. Nichts. Ich frage nochmal – wieder nichts. Also beschließe ich an einem Sonntag, einfach ein anderes Unternehmen zu kontaktieren. Mail an die Infoadresse, und siehe da: Montagmorgen um zehn der Rückruf.

Er will’s sich anschauen. Ich erkläre ihm alles. Biete an, den Termin mit meinen Eltern abzustimmen. Aber nein, über drei Ecken sei das zu kompliziert. Ich soll ihm die Nummer der Eltern geben. Gut, mache ich.

Am Abend: „Habe niemanden erreicht. Ist die Nummer korrekt?“ Ich prüfe. Natürlich. Ich rufe meine Eltern an: „Alles gut bei euch?“„Ja, alles fein.“

Ich sage ihm, er soll’s einfach nochmal probieren oder spontan vorbeischauen. Tut er. Nur: Meine Eltern sind beim Arzt. Also klingelt er bei der Nachbarin.

Und das war der Fehler. Denn sie informiert sofort die gesamte Nachbarschaft, alle Verwandten und vermutlich auch die lokale Zeitung. „Ein Handwerker! Und keiner wusste davon!“

Ich bekomme pings von allen Seiten. Meine Schwester: „Wie heißt der nochmal?“
Ich: „Wieso?“
Klingeling: Meine Mutter. „Da war ein Handwerker, und keiner hat uns was gesagt!“

Ich atme tief durch. Warum die Nachbarin eigentlich wissen sollte, dass meine Eltern einen Handwerker bekommen, bleibt mir ein Rätsel.

Ich schicke also nochmal allen den Kontakt. Bitte die Mutter, sich direkt bei ihm zu melden. Dann erkläre ich meiner Schwester alles noch mal von vorne.

Mein Krimiplot? Liegt inzwischen reglos im Moor. Ich bin entweder kurz davor, einen Handwerker umzubringen – oder ich schreibe meinen nächsten Mord in ein Funkloch.

Hauptsache, keiner kann mich erreichen.

Highland Crime – DI Robert Campbell Band 5 | In der Kälte der Nacht

Am 1. August erscheint der fünfte Band meiner Highland-Crime-Reihe um DI Robert Campbell: In der Kälte der Nacht.

Ich freue mich riesig, diese Geschichte endlich mit euch teilen zu können. Viele Monate Recherche, unzählige Stunden am Schreibtisch und ebenso viele Stunden in den schottischen Highlands liegen hinter diesem Roman.

Ab morgen ist In der Kälte der Nacht als Taschenbuch und eBook bei Amazon erhältlich.

Hier geht’s zum eBook.

Was In der Kälte der Nacht so besonders macht

Jeder Band der Highland-Crime-Reihe erzählt einen eigenen Fall. Trotzdem entwickeln sich die Figuren und ihre Beziehungen von Buch zu Buch weiter.

In der Kälte der Nacht fühlt sich für mich anders an als die vorherigen Bände. Nicht lauter, nicht blutiger, sondern intensiver.

Zum ersten Mal spielt die Handlung vollständig im November. Wer die Highlands kennt, weiß, wie schnell das Wetter dort alles verändern kann. Sturm, Schnee und Dunkelheit sind diesmal nicht nur Kulisse, sondern bestimmen die Ermittlungen. Straßen werden unpassierbar, Hilfe kommt nicht rechtzeitig, Entscheidungen müssen unter enormem Druck getroffen werden.

Genau das macht diesen Fall so besonders.

Ein Locked-in-Mystery in den schottischen Highlands

Ich liebe Geschichten, in denen Menschen nicht einfach verschwinden können.

Ein abgelegener Ort, ein kleiner Kreis von Menschen und das Gefühl, dass jeder etwas verbirgt. Daraus entwickelt sich ein klassisches Locked-in-Mystery, das mit Erwartungen spielt und immer wieder neue Wendungen nimmt.

Nicht alles ist so, wie es zunächst scheint.

Isabel Hartmann und DI Robert Campbell ermitteln wieder gemeinsam

Natürlich begleiten euch auch diesmal wieder Isabel Hartmann und DI Robert Campbell.

Nach vier gemeinsamen Fällen kennen sie sich besser denn je. Doch gerade das macht ihre Zusammenarbeit nicht einfacher. Vertrauen entsteht langsam und kann in einem einzigen Moment erschüttert werden.

Auch Dr. Janne Asikainen ist wieder mit dabei. Viele von euch haben mir geschrieben, dass der finnische Rechtsmediziner inzwischen zu euren Lieblingsfiguren gehört. Ich glaube, ihr werdet auch diesmal nicht enttäuscht sein.

Mehr verrate ich an dieser Stelle lieber nicht.

Originalschauplätze in den schottischen Highlands

Loch Cluanie, Glen Shiel und die winterlichen Highlands gehören zu den Landschaften, die mich seit vielen Jahren begleiten und inspirieren.

Viele Schauplätze des Romans beruhen auf Orten, an denen ich selbst unterwegs war. Mir ist wichtig, dass sich die Landschaft nicht wie eine Kulisse anfühlt, sondern wie ein Teil der Geschichte.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum mir so viele Leser schreiben, dass sie beim Lesen das Gefühl haben, selbst durch die Highlands zu fahren.

Danke, dass ihr Highland Crime begleitet

Dass wir inzwischen beim fünften Band angekommen sind, hätte ich zu Beginn der Reihe niemals erwartet.

Viele von euch begleiten Isabel Hartmann und DI Robert Campbell bereits seit Schatten über Skiary. Ihr rätselt mit, fiebert mit und schreibt mir nach jedem Band eure Gedanken und Theorien. Dafür möchte ich euch von Herzen danken. Eure Nachrichten und eure Begeisterung bedeuten mir unglaublich viel.

Ab morgen, dem 1. August, ist In der Kälte der Nacht als Taschenbuch und eBook bei Amazon erhältlich.

Ich wünsche euch viele spannende Lesestunden und freue mich schon jetzt auf eure Rückmeldungen.

Herzliche Grüße

Nellie Merthe Erkenbach

Die magische Zahl vierzig in Schottland

Ein Blogpost über schottische Eigenheiten, Zahlenmystik und Schwiegereltern mit Vorlauf

Wenn die Schafe flüstern – und die Zahlen sprechen

Man sagt ja, jede Region habe ihre Eigenheiten. In den Highlands zum Beispiel reden die Schafe mit dem Wind, und die Einheimischen antworten mit einem Nicken, das je nach Winkel ganz verschiedene Dinge bedeuten kann.
Aber nichts – wirklich nichts – ist so ein Mysterium wie die magische Zahl vierzig.

Zufall? Nicht wirklich

Ich dachte erst, es sei Zufall.
Ein netter Herr mit Labrador auf einem matschigen Wanderpfad erzählt mir, dass seine Schwiegereltern „vor vierzig Jahren hierhergezogen“ seien.
Aha, denke ich, das ist mal eine präzise Zahl. Ich vergesse es.

Bis meine Freundin sagt, ihre Eltern seien – richtig geraten – „vor vierzig Jahren hierhergezogen“. Jetzt werde ich stutzig.

Der Zoom-Moment der Erkenntnis

Dann, bei einem Zoom-Vortrag über Windfarmen und seltene Flechtenarten, sagt der Referent mit Stirnband und Solarpanel-Expertise plötzlich mit ernster Stimme:
„Meine Schwiegereltern sind vor vierzig Jahren nach Skye gezogen.“
Ich reiße die Augen auf.
Da ist sie wieder. Die Vierzig.

1986 – das Jahr des großen Umzugs?

Was war los 1986?
War das ein geheim abgesprochener Exodus aus Kent, Surrey und den besseren Vierteln von Brighton?
Hatte Maggie Thatcher verkündet, dass in Schottland ab sofort mehr Wetter, aber weniger Nachbarn herrscht?

Oder war’s am Ende ganz profan: die Hauspreise.
Damals kostete ein Steincottage mit Meerblick und drei Geistern aus dem 18. Jahrhundert wahrscheinlich so viel wie heute ein Parkplatz in Reading.

Die große Schwiegereltern-Offensive

Und so sind sie gekommen – die Schwiegereltern.
Die Vorhut der Engländer mit ihren Gartenhandschuhen und dem Traum vom schottischen Idyll.
Sie kamen, sie sahen – sie renovierten.

Und jetzt stehen ihre Nachfahren da, mit ähnlichen Geschichten, nur in modernem Akzent:
„Wir wollten unseren Kindern eine bessere Kindheit ermöglichen.“

Vierzig – das Gütesiegel der Zugehörigkeit

Die Vierzig ist mehr als eine Zahl.
Sie ist ein Ritterschlag. Ein schottischer Integrationsausweis.

„Wir sind nicht erst seit gestern hier“, sagen sie, und meinen:
„Wir haben schon in Gummistiefeln gestanden, da warst du noch nicht mal auf Google Maps.“

Ohne Vierzig kein Respekt?

Ich überlege, ob ich das auch mal sagen soll. Einfach so, zum Spaß.
„Meine Nachbarn sind vor vierzig Jahren hergezogen.“

Denn der Mann ist noch nicht so lange hier. Und ich auch nicht.
Uns fehlt die magische Vierzig.

Ein Mythos mit Wurzeln

Vierzig ist schließlich nicht irgendeine Zahl.
Vierzig ist ein Mythos.
Ein Dauerparkplatz im schottischen Gedächtnis.

Zwischen Mikrophon und Manuskript

Mein Ringen mit dem geschriebenen Wort

Vom gesprochenen zum geschriebenen Wort

Seit über zwanzig Jahren lebe ich vom gesprochenen Wort. Ich schreibe fürs Hören – für Radio und Fernsehen. Für Formate, in denen das Timing wichtiger ist als das Komma. Wo der Klang zählt, nicht die Orthografie. Wo aus einem schnell hingeworfenen Satz ein lebendiges Gespräch wird. Und wo ein fehlendes Wort niemanden stört, solange der Tonfall stimmt.

Das gesprochene Wort ist mein Zuhause. Es ist spontan, lebendig und flexibel. Fehler? Geschenkt. Improvisation? Alltag.

Schreiben mit dem Rotstift im Nacken

Wenn ich heute an meinen Büchern arbeite, merke ich, wie sehr sich das unterscheidet. Plötzlich zählt jedes Zeichen. Plötzlich kann ich nicht mehr einfach „drüber weg sprechen“. Das geschriebene Wort ist nicht kulant. Es bleibt da – schwarz auf weiß – und schaut mich an, als wollte es sagen: „Du kannst das besser.“

Und ich? Ich fluche, feile, verwerfe. Ich lese laut. Ich schleife. Ich beginne von vorn.

Ohne Testleser wäre ich verloren

Was mich rettet? Meine Testleserinnen und Testleser. Ohne sie würde ich mich heillos verirren im Dickicht der Buchstaben. Sie sind mein Korrektiv. Mein Resonanzraum. Mein „Stopp, das geht so nicht!“. Sie holen das Beste aus mir heraus – und aus meinen Texten.

Die leise Kraft des geschriebenen Wortes

Und je länger ich mich auf diesen Prozess einlasse, desto mehr wächst mein Respekt. Das geschriebene Wort ist nicht einfach nur „nicht gesprochen“. Es ist etwas Eigenes. Es verlangt Hingabe – aber es schenkt auch etwas: Tiefe. Dauer. Präsenz.

Vielleicht sind wir noch keine alten Freundinnen, das geschriebene Wort und ich. Aber wir nähern uns an. Tag für Tag. Buchstabe für Buchstabe.

Skullduggery: Ein skurriles Wort mit Geschichte

Wort des Tages: Skullduggery
klingt wie ein Pirat mit Zahnschmerzen – bedeutet aber viel mehr.

Es ist eines dieser englischen Wörter, das beim ersten Hören eher nach einem schottischen Getränk, einem räudigen Seemann oder einer missglückten Yoga-Position klingt. Dabei ist Skullduggery (auch skulduggery) ein echtes Sprachjuwel – und so herrlich bildhaft.

Was heißt es?
Kurz gesagt: Heimtücke, Trickserei, durchtriebene Machenschaften – alles, was ein bisschen zwielichtig und ein bisschen charmant ist.

Englisch:
Ein Hauch von Ironie, ein Gentleman mit gezücktem Degen, der die Wahrheit ein klein wenig verbiegt.
“A bit of skullduggery in the House of Lords, what?”

Amerikanisch:
Eher politisch, gerne in Krimis, immer mit ernstem Blick.
“There’s been some skullduggery in the mayor’s office.”

Ursprung?
Kommt aus dem Schottischen – natürlich. Ursprünglich bedeutete es so etwas wie „obscenities“ (Anstößiges), entwickelte sich aber im 19. Jahrhundert in den USA zu „underhanded dealing“. Aus dem derben Fluchen wurde also feines Tricksen. Eine echte Karriere.

Warum wir es lieben:
Weil es so klingt, als hätte sich ein viktorianischer Krimi-Autor mit einem Disney-Schurken zusammengetan.

Und im Alltag?
Wenn jemand im Büro heimlich die besten Kekse klaut? Skullduggery.
Wenn dein Kater plötzlich auf der Tastatur liegt und dein Dokument löscht? Skullduggery.
Wenn du dir selbst ein Stück Kuchen weggegessen hast und so tust, als wär’s der Partner gewesen? 100 % Skullduggery.

Also: Heute ruhig ein bisschen skullduggern. Aber stilvoll, bitte.

Die Spukgeschichte der Falls von Glomach

picture @Ewan Roy MacGregor

Eine Spukgeschichte aus den Highlands

Die Highlands sind voller Mythen und Legenden, doch manche Geschichten sind älter als die Zeit selbst. Eine davon erzählt vom Schäfer von Lienassie – und von der Frau, die ihn nie wieder losließ.

Die Falls von Glomach – Ein Ort des Schreckens

Die Falls von Glomach gehören zu den höchsten und abgelegensten Wasserfällen Schottlands. Ihr donnerndes Rauschen hallt durch die Berge, während die steilen Klippen ein Gefühl der Einsamkeit verstärken. Hier, an diesem düsteren Ort, geschah die Geschichte, die man sich in Kintail bis heute nur flüsternd erzählt.

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Die Begegnung mit der Frau und ihren Ziegen

Ein Schäfer aus Lienassie war eines Abends auf dem Rückweg von den Fällen, als er sie sah: eine Frau, die regungslos am Rand der Klippe stand. Ihr Gesicht war blass wie die Gischt des Wasserfalls, ihr Gewand von Wind und Wetter gezeichnet. Doch es waren ihre Augen, die ihn lähmten – tief, schwarz, leer.

Er hielt sie für die Frau, die hier oben die Ziegen hütete. Doch irgendetwas war seltsam an ihr. Der Schäfer wollte fliehen, doch die Frau hob langsam die Hand.

„Geh nach Plockton“, hauchte sie. „Sag ihnen …“

Der Wind riss die Worte fort. Sie gab ihm ein Haus und einen Namen.

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Von Angst getrieben rannte der Schäfer ins Tal. In Plockton angekommen, fand er das Haus, das die Frau ihm genannt hatte. Doch als er die Geschichte erzählte, erblasste der Mann vor ihm.

„Das ist unmöglich“, flüsterte er.

Die Frau, die der Schäfer gesehen hatte, war tot. Sie hatte sich Tage zuvor in die Falls von Glomach gestürzt. Ihr Körper wurde nie gefunden.

Die Flucht über das Meer

Der Schäfer verließ Plockton am nächsten Morgen.

„Ich muss das Meer zwischen mich und sie bringen“, murmelte er. Und so verließ er das Land, um nie wieder zurückzukehren.

Die Spukgestalt der Falls von Glomach

Bis heute erzählen sich Wanderer, dass sie eine Frau am Rand der Klippen gesehen haben. Man sagt, wenn der Wind sich dreht, hört man sie flüstern.

Und wer zu lange zuhört, den nimmt sie mit.

Glen Lichd: Wo Dunkelheit und Legende sich begegnen

Es gibt Orte in den Highlands, die eine Schwere in sich tragen – nicht nur durch die raue Natur oder das unberechenbare Wetter, sondern durch Geschichten, die seit Jahrhunderten in der kalten Luft hängen. Einer dieser Orte ist Glen Lichd, ein Tal, das von massiven Bergen flankiert wird. Es ist dunkel, selbst an den längsten Tagen im Sommer, denn der gewaltige Beinn Fhada und die hinteren Hänge der Fünf Schwestern von Kintail blockieren das Licht. Doch es ist nicht nur die Dunkelheit, die den Menschen Unbehagen bereitet. Es ist die Legende.

Das Verschwinden von Murdoch

Es war ein besonders harter Winter, als eine Gruppe von Jägern sich aufmachte, um in den abgelegenen Wäldern von Glenlicht Hunt Wild zu erlegen. Sie waren erfahrene Männer, bestens ausgerüstet, und unter ihnen war Murdoch, ein geschickter Schütze und ein mutiger Mann. Doch als die Jagd vorbei war und sich alle sammelten, fehlte einer – Murdoch war verschwunden.

Zunächst dachten seine Kameraden, er sei vielleicht umgekehrt oder hätte sich verirrt. Doch Tage vergingen, und von ihm fehlte jede Spur. 15 Tage und Nächte suchte man nach ihm. Seine Familie und Freunde streiften durch das Tal, riefen seinen Namen, durchkämmten jede Felsspalte. Die Kälte wurde gnadenloser, die Hoffnung schwand.

Die unheimliche Entdeckung

Dann, am dritten Tag, wurde er gefunden. Sein Körper lag am Fuße einer Schlucht. Der Schnee um ihn herum war unberührt, als hätte ihn jemand vorsichtig dort abgelegt. Keine Spuren, keine Anzeichen eines Kampfes, keine Erklärung für seinen Tod. Doch die Highlander hatten eine.

Ein dunkler Geist sei in Glen Lichd erwacht, flüsterten sie. Eine uralte Kraft, die ihre Opfer in den Nebel lockte, sie verschluckte und zurückließ, wenn ihre Seelen fort waren. Murdochs Bruder Duncan, ergriffen von der Tragik, verfasste ein Gedicht und ein Lied für seinen toten Bruder. Der berühmte Barde Iain Lom tat es ihm gleich. Bald kannte jeder in Lochaber und Kintail die traurige Melodie, die vom „verlorenen Jäger von Glen Lichd“ erzählte.

Die Jagd nach dem Monster

Jahrzehnte später konnte ein Mann die Geschichte nicht vergessen. Er beschloss, dem Fluch auf den Grund zu gehen. Er war kein abergläubischer Highlander, sondern ein entschlossener Skeptiker – und er hatte einen Plan. Mit zwei Pistolen, geladen mit Silberkugeln, zog er für 15 Nächte in das Tal. Er lagerte an jener Stelle, an der Murdoch gefunden worden war, wartete und beobachtete.

Die Nächte waren lang und eiskalt. Der Wind peitschte durch die Schluchten. Doch nichts geschah.

Der 16. Tag

Dann kam der 16. Tag.

Der Mann kehrte zurück – aber er war nicht mehr derselbe. Er sprach nicht über das, was er gesehen hatte. Er erzählte niemandem, was in jener Nacht passiert war. Doch seine Augen waren verändert, sein Blick unstet. „Ich habe ihn vertrieben“, murmelte er nur. Mehr sagte er nie.

Doch die Highlander glauben nicht, dass das Tal wirklich befreit wurde. Noch immer vermeiden es die Einheimischen, nach Einbruch der Dunkelheit in Glen Lichd zu gehen. Der Wind trägt manchmal eine unheimliche Stille mit sich, als hielte das Tal den Atem an. Und hin und wieder – wenn der Nebel schwer auf den Berghängen liegt – erzählen sich die Alten, dass dort immer noch etwas lauert.

Kreative Begegnungen in den Highlands

Es ist einer dieser schottischen Sonntagnachmittage, an denen der Regen horizontal fällt und der Wind einem ins Gesicht peitscht, egal in welche Richtung man sich dreht. Trotzdem brechen wir auf – der Mann mit dem Fahrrad, ich zu Fuß, Stöcke in der Hand und Regenjacke fest zugezogen. Der Weg führt uns eine Stunde lang durch das unnachgiebige Wetter zu einem kleinen Dorf, wo wir uns mit unserer Eichhörnchengruppe treffen. Der Wind heult so laut, dass wir kaum ein Wort wechseln können, und meine Kapuze klatscht unaufhörlich gegen mein Gesicht.

Als wir ankommen, ist das Bootshaus sofort zu sehen: ein kleines, charmantes Gebäude, geformt wie ein umgedrehtes Boot, das fast direkt am Wasser steht. Der Wind rüttelt an den Fensterläden, und die See ist so nah, dass ich beim ersten Schritt hinein ein leichtes Gefühl von Seekrankheit verspüre. Das Bootshaus scheint zu schwanken, was natürlich nur eine Illusion ist, aber es dauert eine Weile, bis ich mich an die Nähe der Wellen gewöhnt habe.

Das Bootshaus: Ein Ort voller maritimer Erinnerungen

Drinnen umfängt uns Wärme. Die Wände sind in Blau gestrichen, dekoriert mit nautischen Bildern: Segelboote, alte Karten und eine Sammlung von Muscheln. Auf einem Regal steht ein antiker Kompass neben einem kleinen Modellschiff. Der Coffee-Table im Zentrum des Raums ist übersät mit Büchern über Eichhörnchen und kleinen Figuren roter Eichhörnchen, die Nüsse in den Pfoten halten.

Der Wind heult weiterhin draußen, die Regentropfen klatschen gegen die kleinen Fenster, während wir begrüßt werden. Es ist eine kleine, aber lebendige Gruppe, fast alle aus England, und die meisten – wie wir – sind nur gelegentlich hier.

Eine bunte Truppe voller Geschichten

Da ist das Paar aus Cornwall. Sie spielt die Harfe und erzählt von Konzerten an der Küste, wo die Klänge ihrer Musik mit den Wellen verschmelzen. Er war einst auf einem großen Kreuzfahrtschiff angestellt, wo sich die beiden kennengelernt haben. „Romantisch, nicht wahr?“ sagt sie mit einem Lächeln, während sie eine Hand an seine Schulter legt.

Dann das zweite Paar: Er hat Handbücher für technische Geräte geschrieben, sie malt Aquarelle, inspiriert von den wechselnden Lichtstimmungen der Highlands. Sie beschreibt, wie sie die Farben der Wolken und der Heide in ihren Bildern einfängt. „Manchmal“, sagt sie, „reicht ein kurzer Blick aus dem Fenster, um ein ganzes Gemälde zu füllen.“

Das dritte Paar ergänzt die Gruppe mit ganz anderen Geschichten. Er war Lehrer und später Arzt, sie webt – ihre Stoffe erzählen von den Landschaften, die sie umgeben. „Die Struktur von Moos, die Wellen des Grases – all das findet sich in meinen Mustern wieder“, sagt sie leise, während der Wind draußen erneut gegen die Tür drückt.

Dann sind da noch zwei alleinstehende Männer, die ohne Frauen und ohne sichtbare kreative Leidenschaften gekommen sind. Sie reden mit ernster Miene über Boote, als ob die Welt davon abhängen würde, welches Material am besten für Rümpfe geeignet ist.

Cracker, Pilzpaste und Gemeinschaft

Wir setzen uns um den kleinen Tisch, auf dem Cracker mit Pilzpaste aus der Tube und ein saftiger Dattelkuchen bereitstehen. Ich bin skeptisch, was die Pilzpaste angeht, aber nach einem Bissen überrascht sie mich angenehm. Der Dattelkuchen hingegen ist ein Hit. Während der Wind draußen gegen die Wände drückt, erzählen wir uns Geschichten: von Eichhörnchen, die die neuen Futterstationen entdeckt haben, von Mardern, die nachts alles stehlen, und von Beobachtungen, die uns alle zum Lachen bringen.

Es ist seltsam und wunderbar, wie eine so unterschiedliche Gruppe von Menschen sich durch diese eine gemeinsame Aufgabe verbunden fühlt. Wir sind Eichhörnchenbeschützer, eine seltsame kleine Gemeinschaft, die sich mit Pilzpaste und Dattelkuchen gegen den Sturm stemmt.

Kreative Frauen in den Highlands

Während wir reden, fällt mir auf, wie viele der Frauen hier ihre Kreativität in die Highlands getragen haben. Bei den Männern scheint es mehr die harte Arbeit, Holz, Boote, Natur zu sein. Erestaunlich bleibt, wie sich vieles gleicht, obwohl wir alle doc so unterschiedlich sind.

Eine Verbindung durch Wind und Regen

Als wir uns verabschieden, umarmen wir uns kurz, lachen über den anhaltenden Sturm und treten hinaus in den Regen. Der Mann schwingt sich auf sein Fahrrad, während ich die Stöcke in die Hand nehme und die Kapuze festziehe. Der Wind bläst uns entgegen, und der Regen klatscht auf unsere Gesichter, doch die Rückwanderung fühlt sich leichter an.

Es ist ein seltsames, aber gutes Gefühl, zu dieser Gruppe zu gehören. Wir schützen nicht nur die Eichhörnchen, sondern teilen auch ein Stück von uns selbst: Geschichten, Lachen, und vielleicht ein bisschen Pilzpaste aus der Tube. Während wir nach Hause gehen, denke ich an das Bootshaus, die Bücher, die Geschichten – und daran, wie seltsam und wunderbar die Highlands sind.

Die Schönheit makelloser Muscheln am Meer

Muscheln, Haut und die Kunst des Alterns

Ich lebe am Meer, und diese Nähe ist ein unverzichtbarer Teil meines Lebens. Dort, an den kühlen Stränden, wo die Wellen ihre Geschichten flüstern, finde ich etwas, das für viele nur eine Laune der Natur ist: Muscheln. Aber nicht die gebrochenen, zerklüfteten Exemplare, sondern die makellosen, symmetrischen Schönheiten, die wie kleine Kunstwerke der Natur wirken. Sie spiegeln für mich das Ideal wider – die Harmonie und Perfektion, die die Natur erschaffen kann.

farbenfrohe Muscheln

Warum perfekte Muscheln so faszinierend sind

Eine perfekte Muschel ist wie ein kleines Wunder. Ihre symmetrische Form, ihre glatte Oberfläche und die oft zarten Farben erinnern mich daran, wie präzise und gleichzeitig verspielt die Natur sein kann. Jede unversehrte Muschel ist ein Zeugnis ihrer Reise – geformt von der See, aber dennoch unversehrt.

Für mich sind diese makellosen Muscheln wie kleine Schätze, die ich hüten möchte. Sie erinnern mich an die Momente im Leben, in denen alles im Einklang ist – selten und wertvoll.

Wenn ich eine perfekte Muschel in meinen Händen halte, fühle ich eine tiefe Verbindung zur Natur. Sie ist wie ein kleiner Anker, der mich daran erinnert, dass es inmitten von Chaos und Unbeständigkeit auch Momente von Perfektion geben kann.

Food For Thought – Miesmuscheln

Altern als Kunst begreifen

Das Altern – ob bei Landschaften oder uns selbst – ist ein Prozess, der oft Angst macht. Aber was, wenn wir es als Kunst sehen? Jede Falte und jede Spur auf unserer Haut ist eine Errungenschaft, ein Beweis dafür, dass wir gelebt haben.

Muscheln und Haut haben mehr gemeinsam, als man denkt. Beide sind Oberflächen, die ihre Umwelt widerspiegeln und von ihr geprägt werden. Unsere Haut schützt uns, sie regeneriert sich, aber sie altert auch. Ebenso tragen Muscheln die Spuren ihrer Umgebung – die Schärfe des Sandes, die Kraft der Wellen und die Berührung von Steinen.

Während gebrochene Muscheln oft von ihrer Vergänglichkeit zeugen, sehe ich in den makellosen Muscheln eine zeitlose Schönheit – eine Erinnerung daran, dass auch in der Natur Momente der Perfektion existieren, die Bestand haben können.

ein Sack voller Jacobsmuscheln

Die Magie von Muscheln: Ein Symbol der Harmonie

Makellose Muscheln tragen eine gewisse Magie in sich. Sie sind für mich ein Symbol der Harmonie und der Balance. Indem ich diese Muscheln in meine Hände nehme, fühle ich mich mit der Natur verbunden und finde Frieden in dem Gedanken, dass Perfektion nicht nur ein Ideal ist, sondern manchmal auch eine greifbare Wirklichkeit.

Die politische Dimension von Händels Judas Maccabaeus

Judas Maccabaeus: Händel, der Duke of Cumberland und die Musik der Machtudas Maccabaeus war für mich lange Zeit der Klang von Weihnachten – festliche Trompeten, triumphale Chöre, der Sound eines Sieges. Doch dann sah ich eine Dokumentation von Lucy Worsley, die mir eine neue Perspektive eröffnete. Diese Musik war mehr als ein festlicher Ohrwurm, sie war politisch aufgeladen, verknüpft mit einer der brutalsten Episoden in der Geschichte Schottlands.

Der Duke of Cumberland: Vom Helden zum „Butcher“

Das Oratorium feiert den Duke of Cumberland, den Sieger von Culloden. In Schottland nennt man ihn nur den „Butcher“. Nach der Niederlage der Jakobiten ließ er das Hochland brutal unterwerfen: Verwundete wurden erschossen, Dörfer niedergebrannt, ganze Familien ausgelöscht. Sein Ziel war nicht nur die Zerschlagung der Rebellion, sondern die Zerschlagung einer ganzen Kultur. Die gälische Sprache, die Clansysteme, die traditionelle Kleidung – all das wurde systematisch unterdrückt, um jede weitere Erhebung unmöglich zu machen. Seine Truppen folgten dem berüchtigten „No Quarter“-Befehl: keine Gefangenen, keine Gnade. Dass Händel diesen Mann musikalisch ehrte, verleiht „Judas Maccabaeus“ eine ganz andere Dimension.

Duke of Cumberland (ChatGPT)

Händel und die Machtelite des 18. Jahrhunderts

Doch warum feierte Händel überhaupt Cumberland? Die Antwort liegt in den engen Verbindungen zwischen der Musik und der Machtelite des 18. Jahrhunderts. Georg Friedrich Händel war ein deutscher Komponist, der sich in London etabliert hatte und dort nicht nur als Musiker, sondern als eine Art kultureller Diplomat wirkte. Die hannoversche Königsdynastie hatte sich gerade erst auf dem Thron gesichert, nachdem Georg I. im Jahr 1714 König wurde – trotz seiner fernen Position in der Erbfolge. Die Stuarts, die eigentlichen Thronanwärter, waren Katholiken, und das Act of Settlement von 1701 hatte ihnen den Weg versperrt. Georg von Hannover, der kaum Englisch sprach und sein Königreich vor allem aus der Perspektive eines deutschen Fürsten regierte, war eine pragmatische, wenn auch unpopuläre Wahl für das Establishment. Doch um seine Macht zu festigen, brauchte es kulturelle Symbole – und genau hier kam Händel ins Spiel.

Georg Friedrich Händel (Chat GPT)

Händel als musikalischer Architekt der Monarchie

Händel war ein Meister darin, sich in das System einzufügen und die Bedürfnisse seiner Gönner zu bedienen. Sein Talent und seine Fähigkeit, sich an politische Strömungen anzupassen, machten ihn zum führenden Komponisten seiner Zeit in England. Er komponierte für Könige, Adelige und für das Bürgertum, das ihn ebenso verehrte. Seine Werke waren nicht nur Unterhaltung, sie dienten auch der politischen Legitimation. Mit „Zadok the Priest“ schuf er eine Hymne für königliche Krönungen, die bis heute gespielt wird. „Judas Maccabaeus“ war eine weitere Huldigung an die herrschende Macht – die Musik eines Siegers für einen Sieger.

Der gnadenlose Feldherr: William Augustus, Duke of Cumberland

William Augustus, Duke of Cumberland, war genau dieser Sieger. Als jüngster Sohn von Georg II. genoss er eine hervorragende militärische Ausbildung und wurde früh auf seine Rolle als Verteidiger der Krone vorbereitet. Doch sein Ruf als brillanter Stratege wich bald dem Bild eines gnadenlosen Feldherrn. Seine Niederschlagung des Jakobitenaufstands 1746 war nicht nur eine militärische, sondern auch eine psychologische Kriegsführung. Nach Culloden folgte die „Pacification of the Highlands“, eine systematische Verfolgung der Jakobiten und aller, die sie unterstützt hatten. Seine Politik hinterließ tiefe Wunden, die bis heute in Schottland nachwirken.

Die Stuarts: Die verlorene Hoffnung der Jakobiten

Die Stuarts hingegen standen für eine ganz andere Vorstellung von Monarchie. Sie beanspruchten den Thron als direkte Nachkommen von Maria Stuart und versprachen, das Land wieder unter katholische Herrschaft zu bringen. Doch ihre Nähe zu Frankreich und der katholischen Kirche machte sie für viele im Parlament untragbar. Der gescheiterte Jakobitenaufstand von 1745 war der letzte große Versuch, die Stuart-Dynastie wieder auf den Thron zu bringen – und er endete in einem Fiasko.

Print Charles Edward Stuart (Chat GPT)

Händels musikalisches Vermächtnis – mit Schattenseiten

Für Händel war das alles Hintergrundrauschen. Ihm ging es um seine Musik und seine Mäzene. Die Krone war die beste Adresse für Förderung, und Händel verstand es meisterhaft, seine Werke an die Bedürfnisse seiner Gönner anzupassen. Seine Werke wurden zu klanglichen Monumenten der Herrschaft – feierlich, triumphal, geeignet für große Zeremonien und öffentliche Aufführungen. Werke wie „Messiah“, „Samson“ und eben „Judas Maccabaeus“ wurden nicht nur aus künstlerischer, sondern auch aus politischer Perspektive zu nationalen Symbolen. Die Musik feierte nicht nur religiöse oder historische Figuren, sondern auch den Status quo der Monarchie und die militärischen Erfolge des Königshauses.

Doch sein Erfolg hatte auch eine Kehrseite: Händel dominierte die Musikszene so stark, dass einheimische Komponisten kaum eine Chance hatten. Während in anderen Ländern eigene musikalische Traditionen florierten, wurde die Insel musikalisch von einem deutschen Meister geprägt. Es dauerte fast anderthalb Jahrhunderte, bis mit Edward Elgar im späten 19. Jahrhundert wieder ein Komponist aus dem Vereinigten Königreich ins internationale Rampenlicht trat. Erst mit ihm kehrte eine eigene musikalische Identität zurück, die nicht mehr vollständig von importierten Komponisten und deren Stil geprägt war.

Edwar Elgars Musik (Chat GPT)

Elgar statt Cumberland Sausages

Elgar liebe ich. Seine Musik ist für mich der Inbegriff von Tradition und Eleganz – und untrennbar verbunden mit Sonntagszeitung lesen und Lunch im Pub. Eine Atmosphäre von Beständigkeit und Ruhe, eingebettet in eine Musik, die gleichzeitig stolz und nostalgisch klingt. Aber dann bitte ohne Cumberland Sausages. Die sind ebenfalls gestrichen – genau wie Judas Maccabaeus.

Fazit: Musik als Machtinstrument

„Judas Maccabaeus“ ist also nicht nur Musik, sondern auch ein politisches Statement. Es feiert einen umstrittenen Sieg, steht für eine Zeit, in der Kunst ein Mittel der Machtdemonstration war, und spiegelt die enge Verbindung zwischen Kultur und Politik wider. Die BBC-Dokumentation von Lucy Worsley, die übrigens auch auf YouTube zu finden ist, hat mir diese Zusammenhänge erst wirklich vor Augen geführt. BBC sei Dank – das ist öffentlich-rechtlicher Journalismus, wie er sein sollte.