Geliebte auf Lebenszeit

Eines der Dinge, über die man auf einem Friedhof am besten nachdenken kann, ist Leben. Im Falle des wunderschön klingenden Kirktons von Kingoldrum fällt mir das Leben und der Glaube von Marion Ogilvie ein. Sie lebte südlich des Dorfes in Balfour Castle. Oder vielleicht auch nicht und der Turm dort ist nicht das, was von ihrem Haus übrig geblieben ist, aber die Ruinen des Schlosses Melgund waren einst ihr Wohnsitz. Die Quellen sind sich da nicht ganz einig. Nehmen wir einfach an, das Gebiet um Kirkton von Kingoldrum war Ogilvie-Land und es war ziemlich wahrscheinlich, dass Marion Ogilvie hier lebte. Oder  irgendwo anders in Angus. Zumindest irgendwann.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Angus

Obwohl sie als Geliebte eines Mannes in Sünde lebte, der überhaupt keine Frau hätte haben sollen. Sie war nicht nur eine kurzfristige Leidenschaft des gut aussehenden David Beaton, sie gebar ihm auch acht Kinder, drei Töchter und fünf Söhne.

David Beaton wurde 1494 geboren, in St. Andrews, Glasgow und Paris ausgebildet und dort zum Gesandten der Krone ernannt. Das klingt in gewisser Weise wie ein Mann, der eine Geliebte hätte, wenn es nicht für den Rest seiner Karriere wäre. Er kehrte nach Schottland zurück und wurde Abgeordneter, indem er Abt von Arbroath wurde. Zu dieser Zeit nicht als Mönch, sondern als Laie.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Angus

Anschließend wechselte er zum Berater des jungen Königs James V, der den katholischen Glauben gegen die starken Strömungen des Protestantismus verteidigte. Kardinal Beaton wurde 1546 ermordet, ein einflussreicher Anhänger des alten Glaubens war verschwunden.

Ein Verteidiger eines Glaubens, der unter seinen Geistlichen das Zölibat forderte.

Er war ein mächtiger Mann und lebte sein Leben mit der Frau seiner Wahl. Das ist in vielerlei Hinsicht eine schöne Liebesgeschichte. Schließlich waren damals Männer der Kirche Adlige mit Einfluss. Das Keuschheitsgelübde wurde im Laufe der Jahrhunderte oft missachtet.

Aber was hätte das für seine lebenslange Geliebte bedeutet? Sie starb 1575, fast 30 Jahre nach dem Vater ihrer Kinder. Sie hatte einen anderen Mann geheiratet, der nur wenige Monate nach dem Gelübde starb. Als Witwe war die Herrin ein Leben lang wieder allein.

War sie glücklich mit ihrem Schicksal?

Oder wünschte sie sich jemals ein normales Leben mit einem normalen Ehemann und einem Grab an seiner Seite?

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Der Zauberer von Gordonstoun

Dies ist eine Geschichte über den Teufel, der eine Seele jagt und sie dann an den heiligen Boden von Birnie Kirkyard verliert. Dies ist ein alter Ort, die Kirche selbst ist eine der ältesten in Schottland, die noch aktiv ist.

Christen beten hier seit dem 12. Jahrhundert und die Kelten haben noch einige Jahrhunderte zuvor hier ihren Glauben ausgeübt. Birnie war die Kathedrale des Bischofs von Moray, eine der wichtigsten Diözesen des katholischen Schottland unter König David I. Das Bistum endete mit der Reformation.

Aber zurück zum Teufel und zur Geschichte von Sir Robert Gordon, auch bekannt als der Zauberer von Gordonstoun, der hier 1704 starb, angeblich auf diesem Friedhof. Der Teufel war hinter ihm her und Gordon sprang in einer wilden Verfolgungsjagd über die Mauer, um sich zu retten und heiligen Boden zu erreichen. Unerreichbar für den Teufel, der ihn verfolgte. Gordon rettete seine Seele, sein Leben jedoch nicht. Sir Robert Gordon hatte sich den Hals gebrochen, als er über die Kirchhofsmauer fiel.

Der angebliche Zauberer war der 3. Earl of Gordon und ein hochgebildeter Mann. Dies war zu der Zeit ein Grund für Verdacht. Gordon war eher ein Wissenschaftler als ein Spiritist. Er hatte in Italien studiert und fühlte sich den Menschen in Moray wahrscheinlich fremd. Die wiederum beschuldigten ihn, sich mit dem Teufel zu unterhalten, mit nackten Frauen zu tanzen und (am schlimmsten) keinen Schatten zu besitzen. Ein sicheres Zeichen, zu dieser Zeit ein Zauberer zu sein. Die nackten Frauen schienen da nicht ganz so wesentlich aber immerhin nicht zu vernachlässigen.

Zu seinen Lebzeiten war er vor Strafverfolgung geschützt, schließlich war er der Earl und nicht nur einflussreich, sondern auch reich. Manch eine Frau hatte in den Tagen der Hexenjagden nicht so viel Glück wie Gordon.
Sehr wahrscheinlich war er nicht viel mehr als ein nerdiger und etwas seltsamer Wissenschaftler, aber für die Leute von Moray war Sir Robert Gordon ein Zauberer. Und er starb hier auf dem Kirchhof von Birnie im Jahr 1704.

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Campbells Canna

John Lorne Campbell war ein Farmer, Fischer, Gelehrter, Lepidopterologe und ein Sammler und Bewahrer von gälischen Liedern und Gedichten. Seine Familie hatte Landbesitz, war aber nicht adlig. Von klein an streifte John durch Wiesen und Wälder, die seiner Familie seit Generationen gehörten. Sie waren die Campbells of Inverneill.

John und seine Brüder Charles, Colin und George wuchsen in der Obhut ihrer Gouvernante, einer gewissen Miss Martin, und der Großeltern auf. Die Eltern waren viel unterwegs und kümmerten sich nicht sonderlich um die Kinder. Der Großvater war einer der typisch viktorianischen Patriarchen, der in Indien gedient hatte und die Enkelkinder im Kilt und Dudelsack spielend zur Kirche führte. Adlige und Militärs gingen ein und aus in Inverneill und Taynish House.

Der Erste Weltkrieg hatte verheerende Folgen für die Finanzen der Familie und die beiden Landsitze. Man musste nach London umziehen, Geld war knapp. John ging nach Oxford und studierte. Er war nun ein echter Gentleman, den nichts von einem klassischen Adligen mit Landbesitz unterschied. Nichts als eine Sache, das nötige Geld, um sich diesen Lebensstil auch leisten zu können.

Er war ein stiller, unsicherer Mann, der zurückgezogen lebte. Seine Leidenschaft waren die Schmetterlinge und die gälische Sprache. Er lernte sie von den Angestellten auf Taynish House und er sollte sich sein Leben lang der Faszination dieses klangvollen Idioms nicht mehr entziehen können. Sein erster Lehrer war Hector MacLean von der Insel Tiree, Lehrstoff war das Neue Testament.

Nach Abschluss eines Studiums und Jahren der Forschung veröffentlichte John Lorne Campbell die Highland Songs of the Forty-Five, die Lieder der Highlands, die den Aufstand von 1745 unter Prinz Charles Edward Stuart gegen die Engländer zum Thema hatten. Ihn interessierte nicht nur die Sprache sondern auch der politische Inhalt dieser Lieder, er verurteilte die Vorurteile, die viele der Sprache entgegen brachten und er verurteilte die Ignoranten, denen nicht klar war, dass Gälisch die Sprache der Hälfte der schottischen Bevölkerung war, die die Engländer nach 1745 auszuradieren versucht hatte. Wo es um seine politischen Überzeugungen ging war von der Scheu des jungen Mannes nichts mehr zu spüren, er war ein leidenschaftlicher Verfechter seiner politischen Überzeugungen.

Zunächst lebte er mehrere Jahre auf der Insel Barra, wo er sich erfolgreich für die Probleme der Fischer einsetzte und er wehrte sich gegen die Straßensteuern, die man auf Barra bezahlen musste, obwohl es auf der Insel so gut wie keine Straßen gab.  Den Norden und den Süden verband nur der Traigh Mhòr, der große Strand, der bei Ebbe befahrbar ist und heute als Flughafen genutzt wird.

Dann lernte er die Musikerin Margaret Fay Shaw kennen und heiratete sie 1935. Beide konvertierten später zum katholischen Glauben. Die Zeremonie wurde auf Gälisch abgehalten. Margaret teilte Johns Leidenschaft für die Erhaltung der gälischen Sprache und Kultur. Sie wollte sie aufzeichnen, um sie der Nachwelt zu erhalten. Und damit begann ihr gemeinsames Projekt, die Lieder von Barra aufzunehmen, in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts war das in Gegensatz zu heute eine ziemlich aufwändige Aufgabe.

Nun begann sich John immer mehr politisch für die Inseln und ihre Lebensgemeinschaften einzusetzen. Immer mehr verließen die Inseln, auf St. Kilda, auf Raasay, auf Eigg. Er suchte nach Wegen, die es möglich machten auf den Inseln ein Auskommen zu haben und damit die Kultur der Inseln zu erhalten. Die meisten der kleineren Inseln waren in sogenannte sporting estates verwandelt worden, also reine Jagdreviere für reiche Großgrundbesitzer und ihre Gäste.

John Lorne Campbell lebte inzwischen auf Canna und überlebte da auch den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. Die Inselbewohner konnte sich im Gegensatz zu den Menschen in London gut ernähren. John und Margaret waren nun so etwas wie das Zentrum der gälischen Forschung. Sie pflegten interessante Freundschaften, Gavin Maxwell und die Dichterin Kathleen Raine gehörten zu den Besuchern. Mit der „guten Gesellschaft“ von Argyll hatten die beiden allerdings weniger am Hut, zu reaktionär für den Geschmack des Paars.

Unter großen finanziellen Opfern und dank einer unerwarteten Erbschaft gelang es John Lorne Campbell Canna zu kaufen. Er lebte dort viele Jahre und schuf auf der Insel mit viel Leidenschaft die wirtschaftlichen Voraussetzungen für ein unabhängiges Leben.

Iain Latharna Caimbeul, so sein Name auf Gälisch, starb an einem Herzinfarkt kurz vor seinem 90. Geburtstag. Margret starb wenige Tage nach ihrem 101. Geburtstag Seine Insel schenkte er 1981 dem National Trust for Scotland.

Quelle und weiterführende Literatur: Ray Perman: The Man Who Gave Away His Island. A Life of John Lorne Campbell of Canna. Edinburgh, Birlinn, 2013

Der etwas andere Reiseführer ist da!

Schottland für stille Stunden ist kein klassischer Reiseführer, hier finden sich keine Touristenziele oder Öffnungszeiten. Schottland für stille Stunden führt vielmehr an weitgehend unbekannte Orte und erzählt historische, abgründige, romantische oder lustige Geschichten durch die Jahrhunderte. Entdecken sie die Seele statt der Sehenswürdigkeiten Schottlands, Tipps aus dem wahren schottischen Leben und Orte, die es möglich machen ein Land so zu erleben, wie es wirklich ist. Mit dem Reiseinspirationsbuch kann man dieses wunderbare Land vor Ort ohne Trubel ganz anders erfahren oder sich einfach zu Hause auf dem Sofa hinein träumen. Der Reiseführer in die Seele Schottlands beschreibt Schottland für Fortgeschrittene, die aufregende Geschichte, die atemberaubende Natur und die fast vergessenen Orte abseits der Touristenströme von Arthur’s Seat, Loch Ness oder Glencoe und dennoch mitten im Herzen Schottlands.

35 Kapitel entsprechen den alten und klangvollen Shires, Burghs und Sheriffdoms, die traditionellen Regionen statt der modernen Verwaltungsbezirke, weil sie zum einen für viele Schotten noch immer das Maß der geographischen Dinge sind und weil Geschichte eine ganz große Rolle spielt in dem etwas anderen Reiseführer von Nellie Merthe Erkenbach. Kleine Änderungen wurden aus logischen und logistischen Gründen vorgenommen. So wurde Berwick berücksichtigt, obwohl es heute in England liegt und einige der Inseln getrennt behandelt, Lewis gehörte zum Beispiel zu Rosshire, Harris zu Argyll und sind nicht zwei, sondern eine Insel der Äußere Hebriden.

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Die Autorin

Nellie Merthe Erkenbach ist Fernseh-Journalistin und Autorin und teilt sich ihr Leben zwischen Deutschland und Schottland auf. Sie bereist Schottland seit nunmehr über 35 Jahren, hat schottische Geschichte und schottische Literatur an der Universität Glasgow studiert und lernt derzeit schottisches Gälisch in Sabhal Mòr Ostaig auf der Isle Skye. Dieses wunderbare Land, ohne die gängigen Klischees zu zeigen, war ihr schon viele Jahre ein Anliegen, nun ist es ein Buch geworden. Weitere Bücher von Nellie Merthe Erkenbach sind Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland (Amazon 2018) und Riding Towards Shadows (Amazon 2018).

Fotos

Ewan Roy MacGregor fotografiert seine Heimat Schottland seit vielen Jahrzehnten. Nach einer erfolgreichen Karriere als Musiker in Glasgow lebt er nun in den schottischen Highlands, die ihn immer wieder aufs Neue zu herausragenden Bildern inspirieren. Leider stellten sich die Produktionskosten beim Taschenbuch als zu hoch heraus, um die Bilder darin zu veröffentlichen. In der eBook Version sind sie aber enthalten.

Ab sofort als eBook und Taschenbuch bei Amazon erhältlich!

eBook

Taschenbuch

Britta Dicken und Andreas Winzen gewinnen die Schottland Foto Challenge

Liebe Freunde von Abenteuer Highlands,

vielen Dank für euer wunderbaren Beiträge zur Foto Challenge. Es waren stimmungsvolle und beeindruckende  Bilder, die die Sehnsucht nach Schottland bei all denen, die dieses Jahr nicht hinreisen konnten, ein wenig gestillt haben.

Meine ganz herzlichen Glückwunsch an die beiden Gewinner Britta Dicken und Andreas Winzen, die beide 11 Likes (Stand 31.10.2020) bekommen haben.

Schottland Foto Challenge – Ein Man, eine Idee©AndreasWinzen

Schottland Foto Challenge – Isle of Skye von Britta Dicken©Britta Dicken

Platz 2 teilen sich mit 9 Likes Rolf Eckerle

Schottland Foto Challenge – Landschaft von Rolf Eckerle

©Rolf Eckerle

und Andreas Winzen

Schottland Foto Challenge – Andys Liebe zu Schottland

©AndreasWinzen

Der neue Reiseführer und das kleine Präsent sind demnächst unterwegs zu euch. Da wir ja jetzt einen Doppelsieg haben, muss ich mir neben dem schottischen Minz noch was einfallen lassen. 😉3d mock up

Euch allen Danke fürs Mitmachen. Es war eine Freude, eure Bilder und Geschichten zu posten.

Und hier das weitere Ranking, Stand 31.10.2020, schaut gern nochmal vorbei an all den wunderbaren Beiträgen.

Schottland Foto Challenge – Schottlands unbekannter Süden von Steffi Arendt

7 Likes

Schottland Foto Challenge – Beckys St. Andrews

7 Likes

Schottland Foto Challenge – Highlands und Lowlands von Rolf Eckerle

6 Likes

Schottland Foto Challenge – Honeymoon in Scotland von Britta Dicken

6 Likes

Schottland Foto Challenge – Orkney von Verena Grashei

5 Likes

Schottland Foto Challenge – Coast-to-Coast im September von Britta Dicken

5 Likes

Schottland Foto Challenge – Edinburgh und Inchcolm von Britta Dicken

5 Likes

Schottland Foto Challenge – Outlander Locations von Antje Babendererde

5 Likes

Schottland Foto Challenge – Schnappschüsse von Ewan Roy MacGregor

5 Likes

Schottland Foto Challenge – „On The Road“ von Antje Babendererde

4 Like

Schottland Foto Challenge – Durness von Antje Babendererde

4 Likes

Schottland für stille Stunden

Der Reise-Inspirationsführer Schottland ist in den nächsten Tagen als Ebook und Taschenbuch bei Amazon erhältlich!

Schottland ist ein Land voller Geschichte, Geschichten und Geheimnisse. Oft sind die drei nicht exakt voneinander zu trennen. Das macht dieses Land so wunderbar und einzigartig. Diese Geschichten wurden für den WordPress Blog Graveyards of Scotland über viele Jahre zusammengetragen, ausgegraben und entdeckt. Quellen waren meist historische Reiseführer aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Funde oft schaurig, schön, lustige oder grausam. Eine ungewöhnliche Annäherung an die Geschichte eines Landes, die erstaunliche Ergebnisse hervorbrachte. Man muss aber die Leidenschaft der Autorin für Friedhöfe nicht teilen, um diese Buch genießen zu können. Die meisten Geschichten spielen ja nicht auf einem Friedhof, sie enden lediglich da.

Der Feenhügel in Inverness, ein Salpetermord auf Shetland, eine Familie von Linkshändern, Wölfe gestern und heute, Robert the Bruce und William Wallace einmal ganz anders, die geheime Bucht des Schriftstellers Gavin Maxwell, ein mordender Dichter und alles, was Schottland außer Whisky, Schafe und Tartan noch ausmacht. Schottland für Experten, nicht für Anfänger.

Machen sie es sich in ihrem Lieblingslesesessel gemütlich und genießen sie Schottland für stille Stunden.

3d

Zitate

Das Meer ist ein gefährlicher Freund, eine verlockende Schönheit und ein brutaler Mörder zugleich. Selbst an ruhigen Tagen sind hier Menschen in den Gewässern rund um die Inseln ertrunken. Wenn die Herbststürme einsetzten, hatten die gewaltigen Wellen in der Vergangenheit oft ein tödliches Fest. Auf Shetland spülte am Sumburgh Head, wo der Atlantik auf die Nordsee trifft, so mancher Körper an Land.

Als William Soutar klar wurde, dass die Krankheit nicht nur sein Leben begleiten, sondern es sogar beenden würde, soll er einen Moment innegehalten haben. Dies war der Moment der Erkenntnis: Nun konnte, nun musste er Dichter werden. Er wurde einer der besten seines Landes.

Anders die Abendstimmung, blaue Stunde und eine ähnlich milde Stimmung wie am Morgen aber viel dramatischer, wenn die Nacht hereinbricht und die letzten Sonnenstrahlen noch ein paar Sekunden über den Wolken verweilen, bevor der Tag zu Ende geht. Das Blau scheint direkt vom Meer zu kommen, mit einem schwachen Duft nach Sommertag wie die Erinnerung gelebter Stunden.

Schottland Foto Challenge – Isle of Skye von Antje Babendererde

Hier ist Antjes Textbeitrag zur Foto-Challenge:
Halbinsel Waternish. Im Jahr 1578 wurde die kleine Trumpan Church Schauplatz eines fürchterlichen Verbrechens, als die MacDonalds von Uist bei Nacht und Nebel von ihrer Insel herüberkamen, um ihrerseits für ein Massaker Rache zu nehmen, dass die MacLeods in einer Höhle auf der Insel Eigg an ihrem Clan verübt hatten.
Während eines Gottesdienstes verriegelten die MacDonalds die Tür der Kirche und verbrannten alle Kirchgänger bei lebendigem Leib. Man sagt, ein junges Mädchen schnitt sich eine Brust ab, um durch eines der schmalen Kirchenfenster zu gelangen und ihre Leute auf Dunvegan Castle um Hilfe zu holen. Die Krieger der McLeods töteten alle MacDonalds, bevor sie Skye wieder verlassen konnten.
Drei MacLeods errichteten später die St. Clements Church in Rodel auf der Insel Harris, um Buße zu tun für ihre Taten. Steinern ruhen die einstigen Inselherren in Kettenhemd und Spitzhelm auf ihren Gräbern in der Kirche.

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Wer mehr wissen möchte zu der Geschichte in der Kirche von Trumpan oder über St Clement’s in Harris findet das auf Graveyards of Scotland

Burn the church!

an ax wound, mass murder and lust

 

Das war der letzte Beitrag zur Schottland Foto Challenge. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird am 8.11.2020 bekannt gegeben. Abstimmen könnt ihr noch bis zum 31.10.2020. Und denkt daran, es zählen die Likes, nicht die Votes. 😉 Viel Glück!

Schottland Foto Challenge – Äußere Hebriden von Antje Babendererde

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Die Äußeren Hebriden. Auf dem Flughafen von Barra, der größten Insel im Süden der Äußeren Hebriden, landen ein bis dreimal täglich kleine Flugzeuge aus Glasgow auf dem Strand. Es ist der einzige reguläre gezeitenabhängige Flughafen der Welt. Die Piste besteht aus Millionen von Herzmuschelschalen und bei Flut kann ihr nicht gelandet oder gestartet werden.
Vielen Dank liebe Antje für deinen Beitrag. Auch diese Fotos sind wieder klasse!
Antje wäre in diesem Jahr gern nach Schottland gereist aber… lest mehr zu ihr unten.
Ich bin in Thüringen geboren und aufgewachsen und lebe jetzt in Liebengrün, einem 300 Seelen Dorf, immer noch Thüringen.
Gelernt habe ich Töpferin, schreibe aber seit fast 30 Jahren. Thema bisher: die Indianer Nordamerikas. Vor ein paar Jahren kam dann die Leidenschaft für Schottland dazu. Eigentlich wollte ich meine Romane nie in einem weiteren fremden Land ansiedeln, denn es ist immer so ein Ding, über fremde Kulturen zu schreiben. Aber dann war ich bei meiner letzten Recherche in Moosonee an der Hudson Bay, und fand auf einem Indianerfriedhof keltische Kreuze und etliche Cree hießen Macdonald, MacLeod, Sutherland … und weil ich mich bei unserer letzten Schottlandreise in Durness und Umgebung verliebt habe, ist es dann doch dazu gekommen.
Allerdings quäle ich mich mit dem Schottland-Manuskript wie noch nie mit einem zuvor. Weil vom Verlag aus die Seitenzahl begrenzt ist, weil es eine leichte Liebesgeschichte sein soll und ich finstere Seelenqualen und Dramen mag …
Und habe gemerkt, dass dreimal dort gewesen sein nicht reicht.
Dieses Jahr sollte es die erste richtige Recherchereise allein sein. Mit Linksverkehr und Drum und Dran. Tja …

Schottland Foto Challenge – Isle of Skye von Britta Dicken

Schottland und das Wetter

Jeder, der sich länger als fünf Minuten mit Schottland beschäftigt hört oder liest den Spruch: Gefällt Dir das Wetter nicht, warte ein paar Minuten. Oder alternativ:  Nur in Schottland gibt es alle vier Jahreszeiten an einem Tag!

Bisher haben wir immer darüber gelächelt. Ja, ab und an hat uns auch mal ein Regenschauer überrascht, sogar Hagel haben wir schon abbekommen und danach direkt wieder Sonnenschein. Aber nichts, wirklich nichts hat uns auf die paar Tage im April 2017 auf der Isle of Skye vorbereitet. Ja, ich weiß auch, April ist jetzt nicht die bevorzugte Reisezeit für Schottland. Aber wir hatten ein Ziel vor Augen: Eine Woche auf der Isle of Skye und zwei Tage davon mit einem Fotoworkshop zur Langzeitbelichtung mit einem preisgekrönten Fotografen. Der Workshop war toll, das Wetter war halt typisch schottisch durchwachsen. Angenehme 10 Grad, konstant ein leicht eisiger Wind und ab und an Sonne. Es hätte schlimmer kommen können, haben wir uns gedacht! An den Fairy Pools hingen die Wolken schön tief und gaben eine grandiose Kulisse für unsere Versuche der Langzeitbelichtung. Die Ergebnisse sind nicht perfekt, aber ich bin damit sehr zufrieden!

 

Nach dem Workshop wollten wir die Insel auf eigene Faust erkunden. Der Himmel war bedeckt (wann ist er das mal nicht auf Skye), aber bis auf ein paar verirrte Regentropfen, war alles in bester Ordnung. Ein leichter Graupelschauer überraschte uns auf der Columba’s Isle, einer kleinen Friedhofsinsel mit einigen außergewöhnlichen Grabsteinen. Mehr im Gedächtnis geblieben sind uns allerdings eher die Wachgänse auf der Straße zur Insel, die lautstark jeden unserer Schritte kommentiert haben und versucht haben, uns durch den Zaun zu beißen. Wer braucht Hunde, wenn er Gänse hat!

Von dort aus sind wir ins wunderschöne Fairy Glen gefahren. Eine verwunschene Landschaft … schöner, als sie jedes Bild wiedergeben kann! Überrascht hat uns allerdings die Schneekuppe auf der Trotternish Ridge. Unser Host hatte uns zwar erzählt, dass es in der vergangenen Nacht geschneit hätte, aber bisher hatten wir davon nichts gesehen. Uns erwartete ein ausgedehnter Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein und einem eisigen und starken Wind! Aber der Kampf gegen die Sturmböen hat sich gelohnt. Ich weiß nun auf jeden Fall, warum dies das Tal der Feen ist!

Doch wir wollten an diesem Tag noch weiter. Duntulm Castle, die Ruine auf dem Felsen ganz am nördlichen Ende der Insel ist nicht so sehenswert. Aber die kleine Bucht ist ein Traum. Wir waren bereits vor Jahren dort und wollten uns unbedingt nochmals in Ruhe umschauen. Doch je weiter wir nach Norden fuhren, auf der einzigen Straße dort oben im Nirgendwo, desto kälter wurde es. Gefühlt mit jedem Kilometer sank die Temperatur um ein weiteres Grad und plötzlich wurde aus dem leichten Nieselregel ein leichter Graupelschauer und aus dem Graupelschauer wurde Schnee. Erst nur kleine Flöckchen, dann immer größere und im Nu war die Straße kaum mehr zu erkennen. Ohne Begrenzungen, wofür auch, fahren hier wahrscheinlich am Tag keine drei Autos lang, war das gar nicht so ungefährlich. Schlimmer jedoch waren die Schafe. Schafe? Schlimm? Ja, spätestens dann, wenn sie so zugeschneit sind, das man sie kaum sehen kann, was sie natürlich dennoch nicht davon abhält mal eben über die Straße zu laufen.

Gesehen haben wir Duntulm Castle im dichten Schneetreiben nicht und sind gaaaaaanz langsam weitergefahren. Ab Portree war der Spuk übrigens wieder zu Ende. Der Schnee hielt sich noch ungefähr eine Stunde auf der Straße, dann war auch schon wieder geschmolzen und die Temperatur pendelte sich wieder auf schnuckelige 10 Grad ein. So im Nachhinein hört sich das ganz witzig an, aber selbst mit Winterreifen haben wir Blut und Wasser geschwitzt! Wenn wir es nicht selbst erlebt hätten, würden wir es wahrscheinlich heute noch nicht glauben.

Doch schon der nächste Morgen war außergewöhnlich! Strahlend blauer Himmel, Sonne satt und schneebedeckte Bergkuppen! Ein Traum-Wetter zum Fotografieren. Ich glaube, an keinem anderen Tag haben wir so schnell gefrühstückt wie an diesem Morgen! Wir wollten einfach nur raus und es war einfach gigantisch. Wir sind den ganzen Tag über die Insel gefahren. Haben mal hier gehalten, mal dort eine Pause gemacht und uns so langsam unserem Wunsch-Ziel des Tages genähert: Elgol.

Elgol ist ein verschlafenes Nest an einem kleinen Hafen. Alleine die Anfahrt ist schon außergewöhnlich. Die Straße ist so eng und so steil, dass selbst mein Alpenerfahrener Mann mit sehr viel Bedacht gefahren ist. Die Aussicht vom Hafen lohnt die Mühe aber auf jeden Fall! Ein Traum! In einer leichten Jacke haben wir den Strand erkundet und einen Adler verfolgt. Leider ist der so hoch geflogen, dass selbst mit dem großen Tele auf dem Bild nur ein Umriss zu sehen ist. Erst als wir ihn aus den Augen verloren haben, haben wir entdeckt, was da plötzlich auf uns zukommt. Dicke, dunkle, bedrohliche Wolken hatten sich am Sgùrr Alasdair aufgetürmt und kamen in einer rasenden Geschwindigkeit über die Bucht auf uns zu. Wir haben es mit Mühe und Not so gerade ins Auto geschafft, bevor einen kleines Unwetter über uns hereinbrach. Zwischen den beiden Fotos liegen übrigens knapp 30 Minuten! So viel dann zu dem schnell wechselnden Wetter in Schottland. Schneller geht es nirgendwo

Die Woche auf Skye war auf jeden Fall ein echtes Erlebnis und das Wetter zum Fotografieren ein Traum und Albtraum zugleich. Ach ja, das Unwetter war übrigens nach gut 10 Minuten wieder vorbei und die Sonne strahlte wieder vom Himmel. Ganz nach dem Motto: Warte ein paar Minuten, dann gefällt Dir das Wetter wieder.

Einmal mehr wunderbare Fotos. Vielen Dank dafür und dass du dir die Mühe gemacht hast, uns diese Geschichte zu schreiben. Natürlich gebe ich die völlig recht, die Isle of Skye ist auch im Winter wunderschön.  😊  LGN 

Schottland Foto Challenge – Andys Liebe zu Schottland

Liebe Leser,

hier kommt Andys zweiter Teil, ihr habt bestimmt schon darauf gewartet. Viel Spaß damit!

LGN

Die folgenden Jahre bin ich dann auf verschiedene Art und Weise nach – und durch Schottland gereist, mal mit Wohnmobil (9 m lang und 4,20 hoch ist definitv nichts für die Highlands, mal mit Wohnwagen (auch zu groß mit 10 m Länge zzgl. 5 m Auto – da findet man ja zum Teil keinen Campingplatz – „Oh my god, what is this?? Are you kidding me?“) und dann lieber mit gemieteten Ferienhäusern, von wo ich aus die jeweilige Gegend erforscht habe.

Eine Reihe dieser Bilder sind hier sehen, oft natürlich bekannte Plätze, aber trotzdem immer wieder wunderschön.

Ich habe Schottland die folgenden Jahre zu allen Monaten und Jahreszeiten bereist und  sogar das schottische Wetter lieben gelernt. Das Essen in den Restaurants und Pubs hat sich über die Jahre deutlich verbessert, man hat gelernt, dass man mit erstklassigen Lebensmitteln auch gutes Essen machen kann.

Sogar das Bier hat sich verbessert, aus dem faden, spülwasser-ähnlichen Gebräu – sowohl vom Geschmack als auch vom Alkoholgehalt her – haben sich wahre Kunstwerke entwickelt.

Und vor 6 Jahren habe ich sogar meine Leidenschaft für Whisky entdeckt.

Mit Spontanität nach Schottland – von April bis September – zu schönen Plätzen war allerdings die letzten Jahre nicht mehr möglich, man musste zum Teil ein Jahr im Voraus buchen, was allerdings nicht immer so einfach ist. Immer mehr Menschen haben dieses Land für sich entdeckt und alles belegt…

Vor zwei Jahre habe ich – nachdem ein gemietetes Feriencottage mal wieder fototechnisch zwar sehr gut angeboten wurde, aber in der Realität blanker Horror war – spontan ein älteres Cottage zwischen Lochgilphead und Oban fest angemietet. Ich war eh 2-3 mal im Jahr dort und durch das gemietete Haus war ich jederzeit in der Lage mit Handgepäck (voll mit deutschem Brot – da hat sich nichts verbessert) ein paar Tage zu verschwinden.

Auch wenn es – trotz Ofen und Heizlüfter – draussen wärmer als drinnen war und ich dank eines undichten Daches im Bad auch ohne den Wasserhahn abzudrehen duschen konnte – so hatte ich endlich meinen eigenen Platz in meiner Herzensheimat.

Letztes Jahr hat mir dann mein damaliger Vermieter mitgeteilt, dass er das Cottage und seine Wohnung in Glasgow verkaufen würde um nach Irland zu ziehen (Wie kann man nur? Mal dort Urlaub zu machen ist ja ok, aber von Schottland weg??).

Da ich nicht wusste, ob ich dort dann weiter wohnen können würde, war das der Anlass mir etwas neues zu suchen. Und – nach anfänglichen Problemen – fand ich dann tatsächlich meinen Traum in dieser Gegend, nur 8 km weit weg bei Crinan, modern, warm und mit Blick aufs Meer. Und mit Glasfaserinternet!!!  in der Nähe eines Dorfes mit 74 Einwohnern  (75 – wenn ich dort bin).

Die Pandemie der letzten Wochen hat ja gezeigt, dass man – wenn man Glück hat – auch vom Homeoffice gut arbeiten kann und das ist halt dann 2000 km weit weg vom Büro….