denkwürdiger Dudelsackspieler

Schottische Dudelsackspieler hatten in den letzten Jahrhunderten einen sehr gefährlichen Job. Sie spielten nicht nur bei Hochzeiten oder Beerdigungen, sondern auch während Scharmützeln, Schlachten und Kriegen, ohne sich selbst verteidigen zu können. Sie mussten sich auf die Waffen und die Einsatzbereitschaft der Männer verlassen, für die sie spielten. Die Melodien der Dudelsackspieler begleiteten den Clan in den Kampf, der Tod eines jeden wurde intensiv betrauert.

Ein Dudelsackspieler war ein hoch angesehenes Mitglied der Gemeinde, sein Beruf war oft erblich und die Familie erhielt Land und Wohnung für den Dienst am Instrument.  Auf der Isle of Skye waren die MacArthurs piper der MacDonalds, sie lebten im Weiler Hungladder und lehrten ihre Fähigkeiten auf einem Hügel in der Nähe, dem Cnoc a ‚Phiobaire, dem Piper’s Knoll.

Auf dem Kirchhof von Kilmuir erinnert ein Stein an einen dieser Dudelsackspieler, doch die Inschrift wurde nie fertiggestellt. Dies könnte oder auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass der Sohn des verstorbenen Musikers im Minch ertrank, bevor er den Steinmetz für den Grabstein seines Vaters bezahlen konnte. Also stellte der Steinmetz die Arbeit ein, denn ohne Geld keine Buchstaben. So will es zumindest die offizielle Hinweistafel.

Der tote Dudelsackspieler muss mehr als einen Sohn gehabt haben. Andernfalls wäre die erbliche Linie der MacArthurs, die den MacDonalds dienten hier zu Ende gegangen. Aber sie waren noch im 18. Jahrhundert die offiziellen Dudelsackspieler. Dieser andere Sohn hätte also den Steinmetz bezahlen können, den Stein des Vaters fertigzustellen und vielleicht den Namen seines Bruders hinzuzufügen. Es ist weitaus wahrscheinlicher, dass die Einstellung der Arbeit am Stein auf einen Rechtschreibfehler zurückzuführen ist, ein doppeltes „the“. Aber warum hat er dennoch Weg in den Friedhof gefunden?

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Das Bilderbuchdorf der Prophetin

Fordyce ist zunächst mal eins – wunderschön. Wenn man ein idyllisches schottisches Dörflein malen müsste, es sähe ganz genauso aus mit den steinernen Häusern, den gewundenen Sträßchen und den gepflegten Gärten. Hier gibt es nichts, was die Idylle stören könnte. Nicht mal ein Pub. Früher aber gab es das schon. Früher gab es auch einen jährlichen Markt, der Abwechslung brachte, aber der den örtlichen Geistlichen recht unglücklich machte, wegen der Betrunkenen oder sonstiger Unordnung, die den Frieden des Dörfchens störte.

Fordyce castle

Es gibt ein kleines castle an der Straßenecke und eine uralte Kirche samt Friedhof, geweiht dem ungewöhnlichen Talarican, einem katholischen Priester aus Irland. Hier wurde über 1000 Jahre lang zu Gott gebetet und von hier stammt eine Frau, die sich selbst anbetete und die wohl ungewöhnlichste Sekte Schottlands (the Buchanites) gründen sollte: Elspeth Simpson.

Baby Elspeth wurde 1739 in der Gemeinde Fordyce geboren. Ihr Vater war John Simpson, ihm gehörte ein Inn in der Nähe, die Mutter war Margaret Gordon. Als ihre Mutter starb, kümmerte sich eine Verwandte um Elspeth, sie soll ihre eine gute Erziehung gegeben haben. Diese Verwandte heiratete einen Farmer von den Westindischen Inseln und machte sich daran, zu ihm auszuwandern. Elspeth aber sprang in der sprichwörtlich letzten Sekunde ab und blieb im Greenock. Das Leben dort muss ihr wild und aufregend erschienen sein nach der Ruhe von Fordyce. Von nun an war sie auf sich allein gestellt.

Sie arbeitete als Dienstmädchen und heiratete einen Töpfer namens Robert Buchan, ursprünglich aus Banff. Sie bekamen drei Kinder. Robert wollte lieber wieder zurück in seinen Heimatort Banff, also zog die Familie wieder nach Norden, doch Roberts Töpferei war nicht gerade erfolgreich und die Ehe war auch nicht glücklich. Er verließ Frau und Kinder und verschwand nach Glasgow. Seine Frau war ihm wohl schnell nicht ganz geheuer.

Banff Hafen

Elspeth veränderte sich. Aus der eigenwilligen jungen Frau wurde eine religiöse Fanatikerin. Manchmal fastetet sie über Wochen und vernachlässigte ihre Kinder, sie nervte die Nachbarn und die machten ihr schließlich das Leben so schwer, dass sie sich gezwungen sah, nach Glasgow zu ihrem Mann zu gehen. Dort lernte sie Reverend Hugh White aus Irvine kennen, der so einige Probleme mit der Kirche hatte, weil er unorthodoxe Lehren verbreitete. Durch ihn wurde auch Elspeth immer extremer, bis sie schließlich der festen Überzeugung war, eine Prophetin und Figur aus der Bibel zu sein, die nicht nur unsterblich war, sondern die auch ihre Mitmenschen unsterblich machen konnte, indem sie auf sie herab atmete.

Steinbecken in Herzform

Es gab Menschen, die ihr das glaubten und eine kleine Sekte voller Suchender mit dem Wunsch nach Unsterblichkeit, bildete sich um die Frau aus Fordyce. Die Gruppe reiste in Schottland von Ort zu Ort, versuchte sich niederzulassen und wurde oft mit Gewalt wieder vertrieben, sobald man ihre Ansichten erkannte. Nach Fordyce ist Elspeth wohl nicht zurück gekommen.

Diese so außergewöhnliche wie befremdliche Frau soll eine aufsehenerregende rote Robe getragen haben. Ihre Anhänger waren meist sehr junge Frauen. Deshalb auch der Name Mutter Buchan. Die Gruppe schaffte die Ehe ab, Kinder wurden von allen gemeinsam erzogen. Nach zwei abgebrochenen und recht chaotischen Versuchen, gemeinsam in den Himmel aufzusteigen, verließen einige Anhänger die Gruppe. Elspeth Buchan starb am 29. März 1791, versprach aber den anderen Sektenmitgliedern in sechs Tagen wieder zurück zu kommen. Schließlich war sie ja unsterblich. Aber nur, wenn der Glaube der Anhänger fest genug war. Wenn nicht, würde es länger dauern, bis sie zurückkäme.

Ihr Körper wurde nicht beerdigt, wie man die anderen und vor allem die Behörden glauben ließ, sondern in der Küche der Farm verscharrt, auf der die Gruppe lebte. Der 50. Todestag von Mutter Buchan kam und ging und sie war noch immer nicht zurückgekommen. Als einer der letzten noch übrige gebliebenen Anhänger dem Tod entgegensah, wollte er, dass sein Körper über dem ihren begraben würde. So würde sie ihn wecken, sollte sie sich erheben und endlich auferstehen.

Elspeth Buchans mumifizierter Körper wurde noch im selben Jahr in Newhouse, Crocketford (Dumfriesshire) entdeckt. Auf einem kleinen Friedhof auf dem Gelände der Farm sollen auch die restlichen Anhänger der Sekte nach deren Tod begraben worden sein.

Noch immer ist keiner von ihnen auferstanden.

alte KIrche und Kirchhof Fordyce

In Fordyce erinnert nichts an Elspeth Buchan. Wahrscheinlich ist man nicht sonderlich stolz.

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Poet, Prolet und Grabräuber

Schottland hat im Laufe der Geschichte so einige große Poeten hervorgebracht und nicht alle, waren Poeten im klassischen Sinne. Statt Dichter und Denker waren sie oft Krieger und Kämpfer und eher selten der romantischen Gattung zuzuordnen.

Angus Martin scheint einer dieser denkwürdigen und andersartigen Poeten gewesen zu sein. Er wurde während der Regierungszeit von Mary, Queen of Scots, in einer Zeit religiöser Umwälzungen und politischer Unruhen geboren. Seine Familie hatte einen gewissen Status und war mit den MacDonalds of Sleat verbunden. Angus wuchs heran und wurde Seemann, Soldat und Tacksman, ein Verwalter, der das Land, das man ihm zur Verfügung gestellt hatte, an Bauern weiter verpachten konnte. Es war eine Position der Macht und zeigte das Vertrauen, das der MacDonald ihm entgegenbrachte.

Martin heiratete zweimal, hatte viele Kinder, seine zweite Frau war angeblich eine dänische Prinzessin. Aber so gut sein Verhältnis auch zu seinem Clan Chief war, Angus kam nicht mit dessen Frau  klar, die wollte von ihm eine Ode doch er wollte die Lady nicht lobpreisen. Seine gälischen Zeilen an die Frau seines Chefs waren beleidigend und nicht huldigend, er musste die Insel Skye verlassen. Er ging nach Irland, um zu kämpfen, und kam erst zurück, als ihre Ladyschaft verstorben war, um dann ein weiteres rüdes Gedicht über ihren Tod zu verfassen.

view from Iona

Der Legende nach hatte der streitbare Dichter und fähige Seemann,  auch Angus des Sturms, Aonish na Gaoithe, genannt, auf seinem Weg nach Hause einen Grabstein von einem schottischen Königsgrab auf der Insel Iona genommen und ihn für seine eigene Beerdigung in Kilmuir auf der Insel Skye zu verwenden. Der Stein ist heute noch da, doch an der Wahrheit dieses Teils der Geschichte darf gezweifelt werden, da die schottische Reformation und der damit einhergehende Bildersturm  sowie die Schließung der Klöster bereits in den 1560er Jahren ihren Höhepunkt erreichte,  ungefähr zu der Zeit, als Angus Martin geboren wurde. Bis Angus alt genug war, um nach Iona zu segeln und eine königliche Grabplatte mit nach Skye zu nehmen, kann es nicht mehr viele königliche Gräber gegeben haben, die man ausrauben konnte.

Isle of Skye

Es ist jedoch eine schöne kleine Geschichte und der Stein hat eine Schönheit an sich, egal für wen der Steinmetz ihn einst gemacht hat.

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Kein Königreich dank eines Pferds

Im Jahr 1286 sollte ein Pferd eine entscheidende Rolle in der Geschichte Schottlands spielen. Es war Mitte März und die Nächte lang und kalt. König Alexander III saß gemütlich mit ein paar Höflingen in Edinburgh und ließ es sich gut gehen, er tafelte und trank und dann fühlte er sich ziemlich allein.

Der König war in Roxburgh geboren und saß auf dem Thron, seit er sieben Jahre alt war.  Er war nicht nur der älteste Sohn des Königs Alexander II, er war auch der Enkel des Königs William the Lion. Er heiratete, wie man es von ihm erwartete. Seine Frau war Margaret, Tochter des englischen Königs. Er zeugte drei Kinder, Margaret, Alexander und David. Die Tochter Margaret heiratete den König von Norwegen und starb. Die Söhne Alexander und David starben beide bevor sie alt genug waren, Nachkommen zu zeugen. Auch seine Frau starb, nachdem sie die drei Kinder geboren hatte. Es blieb nur die Tochter seiner Tochter, das Baby Margaret in Norwegen als Erbin übrig.

Alexander hatte (und das würde sich wie ein elender Leitfaden durch die schottische Geschichte ziehen) keinen direkten Erben mehr. Was in einem Land passierte, das keinen König hat oder einen König, der noch nicht alt genug war, das Land zu regieren, das hatte er selbst erfahren. Vierzehn Jahre lang war Schottland ohne regierenden König, bis Alexander im Alter von 21 Jahren die Regierung übernahm. Das Land war zerrissen von den Machtkämpfen der rivalisierenden Adligen im Namen des minderjährigen Königs.

Also machte Alexander sich daran, weitere Nachkommen zu zeugen und heiratete die schöne Gräfin Yolande de Dreux aus der Bretagne. Mit einer deutlich jüngeren Frau aus gutem Haus sollte es doch möglich sein, einen Erben zu stellen. Er wollte nicht der letzte König der gälischen Linie sein.

In diesem Sinne zurück also zu dem feuchtfröhlichen Abend in Edinburgh Castle und König Alexander, der plötzlich seine junge Ehefrau furchtbar vermisste und beschloss, sie noch in derselben Nacht aufzusuchen. Sie waren frisch verheiratet und die Königin war nicht in Edinburgh sondern in Kinghorn, dem Sitz des Paars auf der anderen Seite des Firth of Forth, den im 13. Jahrhundert natürlich noch keine Brücken überspannten. Es gab nur eine Fähre.

Der König war nicht mehr zu halten, die Höflinge versuchten es aber ohne Erfolg. Vom Alkohol bestärkt machte sich Alexander auf den Weg. Ein Sturm braute sich zusammen und der Fährmann wollte ihn erst nicht übersetzen. Doch der König ließ seine royalen Muskeln spielen und bestand auf der Überfahrt. In North Queensferry angekommen, nahm er sich ein frisches Pferd und ritt weiter. Der Name dieses Pferdes ist nicht überliefert aber es hatte einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den weiteren Verlauf der schottischen Geschichte. Alexander ritt Erlkönig gleich durch den Sturm zu seiner jungen Frau und das so schnell, dass er den Kontakt zu seinen Wachen verlor, die ihren König selbstverständlich begleiteten. Während dieses halsbrecherischen Ritts über den Klippenpfad nach Findhorn nun ereignete sich die Tragödie. Nur etwas mehr als einen Kilometer von seiner Burg und der schönen Frau entfernt, stürzte er ab. Das Pferd muss im Dunkeln den Tritt verloren haben und fiel mit dem Reiter in die Tiefe.

Der König war tot. Diener fanden seinen Leichnam am nächsten Morgen am Strand. Er hatte sich das Genick gebrochen. Alexander II war erst 44 Jahre alt. Als die junge Königin am Morgen aufwachte, war sie Witwe. Der 19. Mai  war ihr Geburtstag

Schottland war wieder ohne Herrscher aber Alexander hatte vorgesorgt und seine Enkeltochter, die kleine Margaret von Norwegen als Erbin bestimmt. In der gälischen Kultur herrschte nicht die direkte Erbfolge (Primogenitur) sondern vielmehr die erweiterte, die über den Großvater kam und für alle Nachkommen gleichermaßen galt.

Die Dreijährige, die sogenannte Maid of Norway war selbstverständlich zu jung, um zu regieren. Sie hatte die Mutter verloren und eine Reise wie die nach Schottland kam zunächst nicht in Frage. Erst als sie sieben Jahre alt war sollte sie die Reise nach Schottland antreten. In der Zwischenzeit regierten sechs Männer das Land.

Zwei der mächtigsten, Balliol und Bruce, hatten an geschworen, das Mädchen als Königin anzuerkennen, sie hatten über eine andere Linie ebenfalls Anspruch auf den schottischen Thron. Ihr Schwur war wichtig für Sicherheit und inneren Frieden. Aber auch der äußere stand auf sehr wackeligen Füßen. Englands König bleib eine ständige Bedrohung. Alle warteten nun auf die Ankunft der jungen Prinzessin aus Norwegen. Doch sie sollte nie schottischen Boden betreten. Sie starb auf den Orkney Inseln (die im 13. Jahrhundert noch zu Norwegen und nicht Schottland gehörten). Die königliche Linie Schottlands war am Ende. Wer sollte nun das Land regieren?

Die Antwort auf diese Frage würde sich lang hinziehen und viele erbitterte Kämpfe brauchen, bis sie beantwortet war. Ein Herrscher aus der gälischen Linie würde es nicht mehr sein.

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Brexit – und jetzt?

Für ein schottisch-deutsches Paar beginnt nun eine Zeit, die keiner von uns wollte.
Als ob das Leben in der Fernbeziehung wegen COVID19 nicht schon kompliziert genug wäre!
So richtig kann sich keiner von uns auf das neue Jahr freuen.
Ich wünsche euch allen, die ihr mir auf diesem Blog folgt, ein glückliches und gesundes Neues Jahr. Euch geht es ja ähnlich, die meisten von euch warten darauf, wieder nach Schottland zu reisen. Drücken wir uns gegenseitig die Daumen.
Liebe Grüße,
 
Nellie
󠁧󠁢#GoodBye2020 #GoodbyeEU #BrexitReality #BrexitIsland #Schottland #Deutschland

Standing Stones – Steine für die Ewigkeit

Kilmartin in Argyll, ein Tal voller Geschichte, die Spuren noch immer so klar erkennbar wie an kaum einem anderen Ort in Schottland. Hier siedelten Menschen seit 5000 Jahren und man muss rund 170 Generationen zurückdenken, um sich in das Leben und die Bedingungen hier hineinversetzen zu können. 170 Generationen klingt schon viel näher und vertrauter als 5000 Jahre und doch – es liegt so lange zurück.

Was geblieben ist sind ihre Gräber und die Symbole ihrer Macht, ihres Glaubens und ihres Wissens. Die standing stones, Steine für die Ewigkeit. Die Menschen, die hier lebten, hielten Vieh und bestellten Felder und sie errichteten Steine für sich und die  Generationen nach ihnen.

Was genau sie symbolisieren ist nach wie vor nicht vollständig zu erfassen. Waren es Kalender, Treffpunkte, Zeichen der Macht? Wer vermag das mit Sicherheit zu sagen nach 5000 Jahren? Orientierten sie sich nach der Sonne oder dem Mond?

In Kilmartin sind die standing stones so zahlreich wie kaum an einem anderen Ort Schottlands. Sie sind frei zugängig und abgesehen von ein paar neugierigen Schafen stört außerhalb der Tourismussaison auch kaum etwas die tiefe Ruhe, die diese magischen Steine ausstrahlen.  Die Rituale von einst bleiben der Phantasie des Einzelnen überlassen.

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Lust und Verlust

Diese Geschichte reicht bis ins 7. Jahrhundert zurück, was sie um die 1400 Jahre alt macht. Sie könnte sogar noch älter sein. Niemand kann wirklich sagen, wann genau sie tatsächlich passiert ist. Sie beginnt nicht in Schottland, sondern in Kolossai in Südanatolien. Dort wurde ein Mädchen geboren, das zu einer schönen Frau heranwuchs. Sie hatte die dunklen Augen ihres Volkes und den Geist einer Heiligen. Sie muss aber auch ein Gefühl von Abenteuer in sich gehabt haben, denn sie reiste den ganzen Weg nach Schottland, gute 4000 Kilometer. Eine echte Herausforderung im 7. Jahrhundert.

Abenteuer Highlands Schottland mit dem Wohnmobil

Sie hieß Triduana und ließ sich nach ihrer Ankunft in Schottland in Rescobie in Forfar nieder. Anscheinend hatte sie dem Heilige Rude geholfen, die Knochen des Heiligen Andreas nach Schottland zu bringen. Die Kapelle von Rescobie gehörte zum Priorat von St. Andrews.

Die hübsche, aber fromme Frau aus dem Süden, erregte bald das Interesse der Männer im Norden, und Nectan, der König der Picten, wollte die ausländische Jungfrau haben. Viele Quellen sprechen über die Liebe, die dieser Mann für sie empfand, vielleicht war es Liebe, vielleicht war es nichts als Lust. Was auch immer es war, es war Triduana nicht willkommen. Sie verließ Rescobie, um sich in Dunfallandy zu verstecken.

Der König schickte seine Männer nach ihr, um sie von seiner Liebe zu ihr und besonders von ihren schönen dunklen Augen zu überzeugen. Man kann annehmen, dass Gewalt Teil der Überzeugungskraft war. Triduana war jedoch nicht zu überzeugen und ergriff verzweifelte Maßnahmen. Sie nahm ein Messer und kratzte sich beide Augen aus. Dann gab sie den Männern des Königs die blutigen Augäpfel. Möge er ihre Augen haben, sie aber würde sie nicht bekommen.

Sie hätte seine lustvollen Augen herauskratzen sollen und nicht ihre eigenen, es hätte sie zu einer Kämpferin statt zu einer Heiligen gemacht. Sie starb in Restalrig (Edinburgh) und wurde dort begraben. In Recobie gibt es nichts mehr, was darauf hindeutet, dass Triduana einst hier lebte und die Aufmerksamkeit eines mächtigen Mannes auf sich zog, dennoch wurde sie zur Legende. Die Menschen glaubten, die Heilige Triduana könne Augenkrankheiten heilen, und das soll sie im Laufe der Jahrhunderte auch mehrfach getan haben.

Nur weil der König der Pikten ein Auge auf sie geworfen hatte.

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Lochcarrons blutige Fehde

Donald MacDonald war der 8. Glengarry und seine Regierungszeit war aus vielen Gründen unvergesslich, vor allem wegen der Gewalt, die seinen Weg als Chief seines Clans begleitete.

Zwischen seiner Familie und den MacKenzies tobte eine Fehde, die aus einem Streit um Eigentum in Lochcarron entstanden war. Blut wurde vergossen, Vieh wurde überfallen, Eigentum zerstört. Mord und Rache beherrschten das Gebiet Ende des 16. Jahrhunderts über 20 Jahre lang.

Duncan war einer der Glengarry MacDonalds, er war ein Stalker und schoss hauptsächlich Hirsche in der Gegend von Glasletter, dem Wald der Mackenzies von Gairloch. An einem schönen Tag im Wald trafen er und ein anderer Mann zwei Mackenzies. Die Mackenzies verdächtigten sie der Wilderei, beide Männer waren bewaffnet und es war bekannt, dass sie in der Vergangenheit gewildert hatten.

Ein Streit entbrannte, der außer Kontrolle geriet und die beiden Männer wurden getötet und direkt am Tatort  begraben, damit die Tat unbemerkt blieb. Aber das Verschwinden von Duncan und dem anderen Mann blieb offensichtlich nicht unbemerkt. Die beiden Mackenzies kamen vor Gericht, wurden aber nie für schuldig befunden.

Jahre später wurden Duncans Knochen von einem Freund geborgen, der nie aufgehört hatte, nach ihm zu suchen. Jetzt hatten die MacDonalds den Beweis, dass Duncan ermordet worden war. Der Beweis lag bleich und kalt in der Erde vom Glasletter Wald.  Der Mord konnte nicht ungesühnt bleiben.

Bald darauf töteten die MacDonalds einen der Brüder des Mörders, als der seine Felder in Glenstrathfarrar pflügte. Das wiederum musste von Rory Mor gerächt werden, einem Mackenzie, dem das Land gehörte auf der der Bruder des Mörders ermordet worden war. Rory Mor wollte die MacDonalds nicht mit Mord in seinem Gebiet davonkommen lassen. Er bat Dugall MacKenzie von Applecross um Hilfe, die beiden waren Freunde und heckten einen Plan aus.  Ihr Ziel: der MacDonald, der zu dieser Zeit in Strome Castle in Lochcarron lebte.

Also arrangierten sie in Kishorn ein Treffen zwischen Dugall und dem MacDonald, die beiden waren Nachbarn und hatten ohnehin verschiedene Dinge zu besprechen.  Dugall überzeugte dann den Glengarry, den Rückweg auf dem Landweg zu nehmen und seine Frau mit ein paar Männern zum Schutz alleine per Boot nach Hause zu schicken. So hätte sie es doch viel bequemer. Und so tat es der MacDonald, ohne zu ahnen, dass er im Begriff war, überfallen zu werden.

Rory Mor und weitere Mackenzies warteten auf den MacDonald und seine Männer. Sie nahmen ihm nicht das Leben, aber sie nahmen das Leben von allen, die bei ihm waren. Die Fehde war aber immer noch nicht zu Ende. Lochcarron würde in den kommenden Jahren mehr Gewalt zwischen den MacDonalds und den Mackenzies erleben.

Quelle und weiterführende Literatur:

Alexander Mackenzie: History of the Macdonalds and Lords of the Isles. With genealogies of the principal families of the name. Inverness, Mackenzie; 1881

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Der Dichter und sein Freund

Robert Burns hat viele denkwürdige Gedichte und Lieder geschrieben, einige lustig, einige witzig, viele frech und einige sehr berührend. John Anderson. Mein Jo ist eines der letzteren, ein Lied über das Zusammenwachsen, über die Liebe und Kameradschaft gegen Ende eines Lebens. Es ist ein sanftes und rücksichtsvolles Werk, obwohl es auf einer Ballade basiert, die war weitaus expliziter, fast schon anrüchig ist. Aber nicht „Mein Jo!“

John Anderson, my jo, John,

We clamb the hill thegither;

And mony a cantie day, John,

We’ve had wi‘ ane anither:

Now we maun totter down, John,

And hand in hand we’ll go,

And sleep thegither at the foot,

John Anderson, my jo.

John Anderson, mein Jo, John,
Wir kraxeln den Hügel hinunter;
Und viele lustige Tage, John,
Die hatten wir miteinander:
Jetzt taumeln wir runter, John,
Und Hand in Hand gehen wir,
Und schlafen beide am Fuß des Hügels,
John Anderson, mein Jo.

Burns schrieb das Gedicht für John Anderson, seinen Freund John Anderson. Sein Jo. Ein Mann, der 84 Jahre alt wurde und 1832 starb. Der Barde sollte nie wissen, wie es wäre, zusammen alt zu werden. Er starb ziemlich jung und fast 40 Jahre vor seinem Freund John Anderson, der Zimmermann war. Einige sagen, er habe sogar den Sarg für Burns Beerdigung gemacht.

John Anderson wurde in Kilchuiman (manchmal Kilchuimen) in der Nähe von Fort Augustus begraben. Er stammte ursprünglich aus Ayrshire und hatte sich auf die Westseite von Loch Ness zurückgezogen, wo seine Tochter einen Gastwirt geheiratet hatte. Das Inn wurde später in das Glengarry Hotel umgewandelt. Hier wohnte Burns, als er John Anderson besuchte, und es heißt, er sei bei seinem Besuch inspiriert worden, das Gedicht zu schreiben.

Andersons Tochter Catherine starb einige Monate später im selben Jahr wie ihr Vater. Sein Schwiegersohn starb in der Seekatastrophe von 1825, als die PS Comet II vor Kempock Point mit dem Dampfer Ayr kollidierte. 62 Männer ertranken. Die Besatzung der Ayr bot keine Hilfe an und drehte ab. Angeblich waren allen am Tanzen gewesen, als das Unglück geschah. Es muss sich ein wenig wie auf der Titanic angefühlt haben.

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