Ein tödlicher Schrei

Schon mal in Kingairloch gewesen? Wahrscheinlich werden die meisten Leser diese Frage mit nein beantworten, Kingairloch gehört weder zu den Tourismus-Hotspots noch ist es unter den Einheimischen sonderlich berühmt. Zu Unrecht, wie ich finde. Es gibt hier einiges zu entdecken und die Morvern Halbinsel ist ohnehin voller wilder Schönheit. Irgendwie war Kingairloch in der Vergangenheit häufig an jenseitigen und übernatürlichen Phänomenen beteiligt. Die meisten von ihnen hatten mit einem Schrei zu tun, oft mit einem tödlichen Schrei. Es waren die Schreie von gefährlichen Frauenwesen.

Kingairloch Morvern @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Die Gegend um Kingairloch wurde einst von einer Glaistig heimgesucht.

Die Glaistig war ein Fabelwesen, das in Form einer kleinen Frau, die dünn und grau (tana glas) war, mit langen blonden Haaren, die bis zu den Fersen reichten. Sie war grün gekleidet und suchte bestimmte Orte oder Bauernhöfe heim. In einigen Fällen wachte sie über das Haus, in anderen über das Vieh. (…) Sie soll ursprünglich eine ehrenvolle Frau gewesen sein, eine ehemalige Herrin des Hauses, die verzaubert worden war und nun eine Feennatur verliehen bekam. (…) Ihre Stärke war sehr groß, viel größer als die jeder Fee, und ein Schrei von ihr genügte, um die Echos der fernen Hügel zu wecken.

John Gregorson Campbell: Die gälische Anderswelt – Aberglauben der Highlands und der Insel. (1900) Edinburgh, Birlinn, 2008

Die Glaistig war also etwas Ähnliches wie die Banshee, ihr irisches Äquivalent. Diese besondere Glaistig hütete Schafe und Rinder und übernachtete in einer Eibe. Nicht weit von ihrem Baumhaus lebte ein Mann namens Dougall zusammen mit seiner Frau in einer Höhle. Gelegentlich stahl er seinen Nachbarn Schafe. Eines Tages wollte er mit seinem kleinen Boot zur Insel Lismore rudern, als eine kleine Frau kam und um Mitfahrt bat. Als sie an Bord war, begann zu schreien, er solle schneller rudern. Auch sie selbst ergriff die Ruder und beschämte den kräftige Highlander, denn der konnte kaum mithalten. Als er am Ufer ankam, war die Frau verschwunden, aber er konnte immer noch ihre Schreie in seinen Ohren hören: Hùg oirre, Dhùghaill! Rudere härter, Douglas.

In diesem Fall waren die Schreie der Glaistig harmlos, wenn auch anstrengend. Aber in einem anderen Fall waren sie tödlich.

Loch a' Choire @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Es war eine Sommernacht in Kingairloch, als über Loch a’ Choire schreckliche Schreie zu hören waren. Sie klangen menschlich, aber hätten auch ein Schaf oder eine Ziege gewesen sein können, die geschlachtet wurden. Was auch immer es war, es klang furchtbar und wer den Schrei hörte, dem lief es eiskalt den Rücken runter.

Der Schrei kam vom alten Gräberfeld Dail na Cille, nur ein paar Meter vom Ufer entfernt. Im Loch lag ein Schiff vor Anker. Es war 8 Uhr am Abend.

Dail na Cille Friedhof @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

In der nächsten Nacht ertrank der Kapitän des Schiffes unter mysteriösen Umständen und keiner der Schiffsbesatzung hatte etwas gesehen. Sie konnten sich nur noch an den Schrei in der Nacht zuvor und den Klang der schweren Schiffskette in der Todesnacht erinnern. Als ob etwas von jemandem vom Meeresgrund aus kräftig daran gezogen hätte…

marker Loch Linnhe @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Lust auf mehr? Schottland für stille Stunden gibt es bei Amazon!

Schottland für stille Stunden ist kein klassischer Reiseführer, hier finden sich keine Touristenziele oder Öffnungszeiten. Schottland für stille Stunden führt vielmehr an weitgehend unbekannte Orte und erzählt historische, abgründige, romantische oder lustige Geschichten durch die Jahrhunderte. Entdecken Sie die Seele anstatt der Sehenswürdigkeiten Schottlands, Tipps aus dem wahren schottischen Leben und Orte, die es möglich machen ein Land so zu erleben, wie es wirklich ist. Mit dem Reiseinspirationsbuch kann man dieses wunderbare Land vor Ort ohne Trubel ganz anders erfahren oder sich einfach zu Hause auf dem Sofa hinein träumen. Der Reiseführer in die Seele Schottlands beschreibt Schottland für Fortgeschrittene, die aufregende Geschichte, die atemberaubende Natur und die fast vergessenen Orte abseits der Touristenströme von Arthur’s Seat, Loch Ness oder Glencoe und dennoch mitten im Herzen Schottlands.

Sind sie die Friedhofs Frau?

Teil 3 Clans in Clunes

Die letzten zwei Sonntage habe ich euch von meiner Recherche Tour zum Loch Arkaig erzählt, auf der ich lange vergeblich nach den Friedhöfen vor Ort gesucht hatte. Einen hatte ich zwischenzeitlich gefunden, der zweite sollte ein echtes Highlight werden. Aus mehreren Gründen.

Die Brücke zum Friedhof

Das Rätsel der unauffindbaren Friedhöfe

Ich bin auf dem Weg zum Auto, das ich am Cameron Museum abgestellt hatte, um zum zweiten Friedhof des Ausflugs zu fahren, den mir Catriona am Telefon beschrieben hatte. Inzwischen ist die Tür zum Museum geöffnet, ein Besucher sieht sich drinnen um. Draußen, vor dem Museum, kniet eine schlanke junge Frau mit dunkelblonden Haaren vor einer Sitzbank und trägt Farbe mit einem großen Pinsel auf. Sie schaut mir entgegen und ich lächele ihr zu. Sie steht auf und lächelt vorsichtig zurück.

“Are you the graveyard lady?“  Sind sie die Friedhofsfrau?

„Ja, die bin ich“, sage ich und muss lachen. So hat man mich noch nicht bezeichnet, aber es ist natürlich absolut zutreffend. Ich bin tatsächlich eine graveyard lady.

Ich bedanke mich für ihre Hilfe und sie will nun doch genauer wissen, warum ich mich auf Friedhöfen rumtreibe. Wir unterhalten uns eine Weile. Schließlich sind Gespräche unter Wildfremden in Schottland Standard.

Csmeron Museum Achnacarry ©nme Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach

Das Geheimnis um das Grab von Charles Kennedy

Sie erzählt, wie auf den Friedhof in Clunes schon einige Journalisten wollten, weil da ein berühmter Mann begraben liegt. Charles Kennedy war ein hochrangiger Politiker und Parlamentsmitglied über viele Jahre. Als er starb, wollten natürlich alle Journalisten wissen, wo der Friedhof ist, um von der Beerdigung berichten zu können. Doch von den Einheimischen wollte es ihnen keiner verraten, damit die Familie nicht in ihrer Trauer gestört würde. Also haben alle so getan, als wüssten sie nicht, wo der Friedhof ist.

„Stellen sie sich dieses Bild vor“, sagt Catriona. „All die Journalisten in ihren schwarzen Smokings und Lackschuhen wanderten über die Felder und haben verzweifelt nach dem Friedhof von Clunes gesucht. Sie haben ihn nie gefunden und die Beerdigung wurde nicht gestört.“

Während ich in meinen lila Gummistiefeln loslaufe, denke ich mit einem Lächeln an Catriona, die Frau vom Museum zurück. Ich bin dankbar, dass sie wenigstens einer deutschen Journalistin den Weg zum Friedhof gewiesen hat.

Endlich – der Friedhof von Clunes

Um hier um hier zu kommen, muss man zunächst eine große Weide überqueren, dann einen Bach, sich dann auf einem schmalen Trampelpfad den Berg hinaufkämpfen durchs Unterholz, bis man plötzlich irgendwo zwischen Bäumen den Friedhof findet.

Hier liegen viele Kennedys begraben, einfach nur ein paar Gräber im nirgendwo. Ein paar Meter weiter eine alte Steinmauer, das rostige Tor liegt abgerissen daneben, die Grabsteine hängen schief in der Zeit, Moos tropft vo ihnen wie uralte Regentropfen. Hier liegen die Camerons.

Noch ein paar Fotos, dann gehe wieder. Der Tag hat doch noch ein erfolgreiches Ende genommen.

Ich fühle mich wie eine echter Entdeckerin: Schließlich bin ich die erste Journalistin auf dem Friedhof von Clunes!

Cameron Friedhof Clunes ©nme Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach
Cameron Friedhof Clunes

Lust auf mehr? Dann schaut doch mal bei Amazon vorbei!

Schottland für stille Stunden gibt es als eBook und Paperback @Amazon

Schottland für stille Stunden ist kein klassischer Reiseführer, hier finden sich keine Touristenziele oder Öffnungszeiten. Schottland für stille Stunden führt vielmehr an weitgehend unbekannte Orte und erzählt historische, abgründige, romantische oder lustige Geschichten durch die Jahrhunderte. Entdecken Sie die Seele anstatt der Sehenswürdigkeiten Schottlands, Tipps aus dem wahren schottischen Leben und Orte, die es möglich machen ein Land so zu erleben, wie es wirklich ist. Mit dem Reiseinspirationsbuch kann man dieses wunderbare Land vor Ort ohne Trubel ganz anders erfahren oder sich einfach zu Hause auf dem Sofa hinein träumen. Der Reiseführer in die Seele Schottlands beschreibt Schottland für Fortgeschrittene, die aufregende Geschichte, die atemberaubende Natur und die fast vergessenen Orte abseits der Touristenströme von Arthur’s Seat, Loch Ness oder Glencoe und dennoch mitten im Herzen Schottlands.

Sind sie die Friedhofs Frau? Teil 2 Abenteuer in Achncacarry

Letzten Sonntag habe ich von meinem Versuch berichtet, in Lochaber zwei Friedhöfe zu finden, die ganz offensichtlich nicht gefunden werden wollen. Ich habe einen ganzen Tag damit verbracht. Der Weg zur Lösung war wie immer eine typisch schottische Angelegenheit.

Telefonjoker am Cameron Museum

Auf der Suche nach Hilfe erreiche ich das Museum, ein altes, wunderbar weiß gekalktes ehemaliges Postgebäude mit Kanone. Leider wegen COVID geschlossen, aber an der Tür ein Schild. Catriona schreibt, sie wohne in der Nähe und könne das Museum jederzeit aufschließen. Einfach anrufen steht da und eine Telefonnummer. Ich rufe an.

„Hallo, mein Name ist Nellie. Ich bin Journalistin aus Deutschland und suche ihren Friedhof.“

„Welchen Friedhof?“ fragt die Stimme im Telefon „Wir haben hier mehrere!“

„Ich suche eigentlich zwei, aber jetzt dachte ich erstmal an den von Achnacarry.“

„Es gibt auch noch einen in Clunes“, sagt die Stimme.

„Richtig, den suche ich auch, aber ich bin bei beiden gescheitert“ antworte ich.

Warum sucht denn eine deutsche Journalistin hier bei uns Friedhöfe?

„Ich habe einen Blog, der heißt Graveyards of Scotland, für den recherchiere ich Geschichte und Geschichten zu schottischen Friedhöfen, das mache ich schon seit vielen Jahren. Ich habe an der Uni in Glasgow Schottische Geschichte und Literatur studiert.“

Überreste des alten Schlosses von Achnacarry

Die Cameron Clan Chiefs sind schwer zu finden

Das versteht sie und weist mir den Weg telefonisch. In Ermangelung eines Stück Papiers kritzle ich ihre Wegbeschreibung auf die Innenseite meiner Straßenkarte, die im Auto vor sich hinvegetiert, weil ich keinen Zettel zur Hand habe. Dann laufe ich mit der unhandlichen DIN A 4 Karte ihre Anweisungen befolgend durch Kuhfelder und Schafweiden, gehe zwischen Wassertanks, Kuhfladen und Satellitenschüsseln verloren und rufe schließlich nochmal an.

„Hallo, hier ist nochmal Nellie“, sage ich „Wir haben eben telefoniert.“

„Das dachte ich mir“, kontert Catriona. „Sie sind die einzige Deutsche, die mich anruft, zurzeit.“

Wahrscheinlich bin ich auch die einzige Deutsche, die derzeit auf Achnacarrys Kuhweiden verlorengeht.

Stellt sich raus, ich habe das falsche Gatter genommen, finde umgehend das richtige und damit auch den Friedhof der Cameron Clan Chiefs – kein Schild, keine angelegte Vegetation, kein Parkplatz, nichts, was in irgendeiner Form auf einen Friedhof hindeutet. Man muss wirklich wissen, wo die Clan Chiefs begraben sind. Für einen derart elitären Friedhof fehlt jeglicher Pomp. Gefällt mir.

Aber noch bin ich nicht am Ende meiner Recherchereise. Jetzt will ich unbedingt auch den Friedhof von Clunes finden.

Nächsten Sonntag: Clans in Clunes – der letzte Teil der Sind-sie-die-Friedhofsfrau-Geschichte.

Abenteuerlustig?

Dann schaut doch mal bei Amazon vorbei!

Nach Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland ist Nellie Merthe Erkenbach mit Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ein weiteres wahres, humorvolles und herzerwärmendes Buch gelungen, in dem zwischen den Zeilen ihre tiefe Liebe für das Land ihrer Liebe durchscheint – Schottland.

Auf in neue Abenteuer Highlands, wo buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler den Alltag beherrschen, Poeten und tapfere Schneiderlein mit Monstern kämpfen, Moorleichen gar nicht so gruselig sind und Hexen und Geister ganz selbstverständlich. Von Extrawürsten und gefährlichen Frühstücken und der Kunst, trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinzubekommen

Suardalan und die Kreatur aus dem See

Suardalan bedeutet die nahrhafte Weide und so sieht Suardalan auch heute noch aus. Eine große, quadratische Weide an einem kleinen Hügel gelegen. Die alten Trockenmauern erzählen von vergangenen Tagen, vereinzelte Schafe weiden still das saftige Grün. Das Cottage ist inzwischen verlassen und wird als mountain bothy, als Berghütte, genutzt, außer in Zeiten des Corona-Virus.

Suardalain mountain bothy

Suardalan ist ein magischer und sehr idyllischer Ort, friedlich und ruhig, sieht man einmal von den Baumfällarbeiten in der Nachbarschaft ab. Im Spätsommer blüht die Heide, ihr intensives Lila überzieht die braunen Hänge, dunkle Tannen und leuchtende Birken sprenkeln Grüntöne dazwischen und an einem klaren Tag schenkt die Sonne blauen Himmel. Schottland geht fast nicht schöner.

Glen Bheag

Es gibt eine kleine Geschichte zu diesem Ort, die allgemein nicht sehr bekannt ist. Ein Mann namens John MacInnes aus der Gegend um Glenelg sah eines Tages ein schönes Pferd am Ufer des kleinen Lochs oberhalb von Suardalan. Der See trägt inzwischen seinen Namen: Loch Iain Mhic Aonghais.

Loch Iain Mhic Aonghais

Wie nun jeder Schotte weiß, ein fremdes Pferd alleine in der Einsamkeit – das kann nur ein water-horse sein, eine mythische Kreatur, ein gefährliches Pseudopferd, dem Wasser entsprungen. Vorsicht ist geboten mit Tieren wie diesem. Mr MacInnes aber ließ sich von dem übersinnlichen Gerede nicht irritieren und nahm das Pferd mit zu sich nach Hause. So ein schönes Tier einfach so in der Wildnis stehen zu lassen, schien ihm wenig sinnvoll. Ein so schönes Tier in seinem Stall zu haben, ohne dafür bezahlen zu müssen, dagegen schon.

Der weise Mann aus dem Ort, im Schottischen sage genannt, wies ihn auf die Gefahren hin aber auch darauf, dass er relativ sicher sei, solange er das Pferd mit heiligem Wasser bespritze und es nicht reite.

Offensichtlich gab John nicht viel auf die Warnung des Sage, seine Felder und sein Haus lagen weit auseinander, es schien ihm dumm, nach dem Pflügen neben dem Pferd nach Hause zu laufen anstatt es nach Hause zu reiten und so schwang er sich auf den Rücken der Kreatur und aus dem scheinbar normalen Pferd wurde wieder das gefürchtete water-horse. Mit einem Wiehern, das wie ein Schrei durch die Stille des Tals hallte, bäumte sich das Pferd auf und raste mitsamt seinem Reiter auf den See zu, wo es für immer verschwand.

Loch Iain Mhic Aonghais

John MacInnes wurde nie wieder gesehen. Seine Leiche nie gefunden. Er ertrank wohl in dem Lochan, das seinen Namen trägt.

Lust auf mehr? Dann schaut mal bei Amazon vorbei!

©nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Schottland für stille Stunden ist kein klassischer Reiseführer, hier finden sich keine Touristenziele oder Öffnungszeiten. Schottland für stille Stunden führt vielmehr an weitgehend unbekannte Orte und erzählt historische, abgründige, romantische oder lustige Geschichten durch die Jahrhunderte. Entdecken Sie die Seele anstatt der Sehenswürdigkeiten Schottlands, Tipps aus dem wahren schottischen Leben und Orte, die es möglich machen ein Land so zu erleben, wie es wirklich ist. Mit dem Reiseinspirationsbuch kann man dieses wunderbare Land vor Ort ohne Trubel ganz anders erfahren oder sich einfach zu Hause auf dem Sofa hinein träumen. Der Reiseführer in die Seele Schottlands beschreibt Schottland für Fortgeschrittene, die aufregende Geschichte, die atemberaubende Natur und die fast vergessenen Orte abseits der Touristenströme von Arthur’s Seat, Loch Ness oder Glencoe und dennoch mitten im Herzen Schottlands.

Weiterlesen

Abenteuer Highlands 2.0 ist bald da!

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Abenteuer den Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland geschrieben und nach dem Rückzieher des Verlags wegen Einstellung der Reihe, in der das Buch erscheinen sollte, das Werk schließlich im Selbstverlag veröffentlicht habe. Seither habe ich zwei weitere Bücher geschrieben, eigentlich drei: Riding Towards Shadows, das 2018 erschienen ist und Schottland für stille Stunden, das zum Jahresende 2020 rauskam. Das gibt es 2021 auch auf Englisch und wird Scotland for Quiet Moments heißen. Wer also gedacht hat, ich sitze in meiner wunderbaren Schreibhütte, schaue aufs Meer und tue nichts, der liegt völlig falsch. Allen Stromausfällen und Sturmschäden zum Trotz: ich habe weitergeschrieben und hier ist er nun, der zweite Teil von Abenteuer Highlands. Der ein oder andere von euch hat schon darauf gewartet.

Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland

Abenteuer Highlands 2.0 zwischen Schwarzwald und Schottland

Inzwischen lebe ich seit 10 Jahren in meiner schottischen Fernbeziehung und habe nach dem anfänglichen Gefühl des entscheiden Müssens sehr bald gemerkt, dass eine Seele mehr als nur eine Heimat haben kann. Ich habe zwei zu Hause: eines im Schwarzwald, wo ich gerne lebe, gerne esse und meine Arbeit habe und eines in den Highlands, wo ich schreibe, und meine Zeit mit dem Mann an der großen Weite der Westküste Schottlands genieße. Das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, es lässt Dinge klarer werden und man macht sich bewusster, was man will und womit man seine Zeit verbringen möchte.

Der besondere Charme an diesem Lebensentwurf: beide Leben sind gänzlich unterschiedlich. Das deutsche ist hektisch und aufregend, meine Arbeit beim Fernsehen abwechslungsreich, ich reise viel, nach Russland, China, Japan, Brasilien und genieße die Vorzüge des Stadtlebens. In den Highlands dagegen wird es still und ruhig, zurückgezogen. Ich lese viel, wandere und schreibe. Diese Seite meines Lebens gibt mir die Kraft, das Hochgeschwindigkeitsleben in Deutschland mit Freude und Energie anzupacken.

Die Zeit, in der wir getrennt sind, überbrücken wir durch Social Media und ein tägliches Skype-Gespräch von einer Stunde. Und mal ehrlich, in wie vielen Beziehungen spricht man täglich mindestens eine Stunde miteinander? Ein solch intensiver Austausch wird im Alltag oft vernachlässigt. Ich liebe dieses Leben, das ich führe und was als Abenteuer in der Fremde begann, ist nun ein Leben in zwei Welten geworden. Aber auch das kann abenteuerlich sein. Ihr werdet schon sehen!

In Abenteuer Highlands habe ich euch durch ein Jahr in Schottland geführt. Dies sind die wahren Geschichten, die ich in den Jahren seither in meiner Fernbeziehung mit einem Schotten erlebt habe. Nicht in der zeitlichen Reihenfolge, in der sie passiert sind, die bekäme ich gar nicht mehr richtig auf die Reihe, der Mann und ich sind schon so lange ein Paar. Die Struktur ist nicht die Zeit, sondern das Wort, von A – Z: A wie Aberglaube, B wie Banff, C wie Corona usw.

Amüsiert euch über buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler, lernt Poeten und tapfere Schneiderlein kennen, gruselt euch über Moorleichen, Hexen und Geister, lacht über Extrawürste und gefährliche Frühstücke und findet heraus, wie man trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinbekommt.

Taschenbuch und Ebook erscheinen demnächst auf Amazon. Ihr erfahrt natürlich hier, wann es soweit ist.

 

Schottland für stille Stunden

Der Reise-Inspirationsführer Schottland ist in den nächsten Tagen als Ebook und Taschenbuch bei Amazon erhältlich!

Schottland ist ein Land voller Geschichte, Geschichten und Geheimnisse. Oft sind die drei nicht exakt voneinander zu trennen. Das macht dieses Land so wunderbar und einzigartig. Diese Geschichten wurden für den WordPress Blog Graveyards of Scotland über viele Jahre zusammengetragen, ausgegraben und entdeckt. Quellen waren meist historische Reiseführer aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Funde oft schaurig, schön, lustige oder grausam. Eine ungewöhnliche Annäherung an die Geschichte eines Landes, die erstaunliche Ergebnisse hervorbrachte. Man muss aber die Leidenschaft der Autorin für Friedhöfe nicht teilen, um diese Buch genießen zu können. Die meisten Geschichten spielen ja nicht auf einem Friedhof, sie enden lediglich da.

Der Feenhügel in Inverness, ein Salpetermord auf Shetland, eine Familie von Linkshändern, Wölfe gestern und heute, Robert the Bruce und William Wallace einmal ganz anders, die geheime Bucht des Schriftstellers Gavin Maxwell, ein mordender Dichter und alles, was Schottland außer Whisky, Schafe und Tartan noch ausmacht. Schottland für Experten, nicht für Anfänger.

Machen sie es sich in ihrem Lieblingslesesessel gemütlich und genießen sie Schottland für stille Stunden.

3d

Zitate

Das Meer ist ein gefährlicher Freund, eine verlockende Schönheit und ein brutaler Mörder zugleich. Selbst an ruhigen Tagen sind hier Menschen in den Gewässern rund um die Inseln ertrunken. Wenn die Herbststürme einsetzten, hatten die gewaltigen Wellen in der Vergangenheit oft ein tödliches Fest. Auf Shetland spülte am Sumburgh Head, wo der Atlantik auf die Nordsee trifft, so mancher Körper an Land.

Als William Soutar klar wurde, dass die Krankheit nicht nur sein Leben begleiten, sondern es sogar beenden würde, soll er einen Moment innegehalten haben. Dies war der Moment der Erkenntnis: Nun konnte, nun musste er Dichter werden. Er wurde einer der besten seines Landes.

Anders die Abendstimmung, blaue Stunde und eine ähnlich milde Stimmung wie am Morgen aber viel dramatischer, wenn die Nacht hereinbricht und die letzten Sonnenstrahlen noch ein paar Sekunden über den Wolken verweilen, bevor der Tag zu Ende geht. Das Blau scheint direkt vom Meer zu kommen, mit einem schwachen Duft nach Sommertag wie die Erinnerung gelebter Stunden.