Die Sage von der gelbe Ziege von Torridon

In Schottland stößt man beim Wandern nicht nur auf Regen, Midges oder eine verlorene Schafherde – manchmal auch auf Geschichten, bei denen einem kurz die Broonie-Marmelade vom Scone fällt. So ging es mir, als ich auf die Legende der Great Yellow Goat stieß. Eine Geschichte, so herrlich absurd und gleichzeitig tief in der Highland-Folklore verwurzelt, dass ich gar nicht anders konnte, als mich selbst auf Spurensuche zu begeben.

Die Geschichte beginnt irgendwo zwischen Alligin und Diabeg – einem Gebiet, das heute gern unterschätzt wird, aber früher ein echter Höllenritt war. Ein Mann aus Braebeg wollte zur Kommunion nach Gairloch. Der direkte Weg? Über den Druim Buie – eine einsame, windumtoste Hochfläche, auf der sich, wie man sich damals erzählte, eine riesige, gelbe Ziege herumtrieb. Nicht die freundliche Sorte mit Glocke und Gras im Bart. Nein, dieses Exemplar war so gefährlich, dass es schon Menschenleben auf dem Gewissen hatte.

Unser Mann – Jäger von Beruf, mutig, bewaffnet mit Schwert, Gewehr und einem gesunden Selbstbewusstsein – ließ sich nicht beirren. Als er auf halber Strecke bei einem kleinen Haus am Druim Buie vorbeikam, wurde er von einem freundlichen Schneider und dessen Frau hereingebeten, wie es in den Highlands üblich ist. Tee, Brot, ein gutes Wort.

„Fürchtest du dich nicht vor der Ziege?“, fragte der Schneider.

Der Mann grinste nur und tätschelte sein Gewehr. Nein, er fürchtete sich nicht. Er war ja vorbereitet.

Er zog weiter – und traf tatsächlich auf die Ziege. Groß. Gelb. Böse. Und schneller als gedacht hatte sie ihn umgeworfen, trat auf ihn ein, ließ ihn kaum zu Atem kommen. Er schlug mit dem Schwert – es verbog. Er schoss mit dem Gewehr – ohne Wirkung. Die gelbe Ziege schien aus Eisen. Oder aus etwas noch Dunklerem.

In letzter Not griff er zum kleinen Dolch, den er in seiner Socke trug – ein unscheinbares Teil, kaum der Rede wert. Zwei schnelle Stiche – die Ziege jaulte, drehte sich auf den Hufen und rannte davon, blutend und brüllend.

Der Jäger schleppte sich zurück zum Haus des Schneiders. Blutverschmiert, entkräftet, hämmerte er an die Tür. Die Schneiderin öffnete – erschrak – versuchte ihn abzuwehren. Doch der Mann drängte sich hinein. Und fand den Schneider tot am Boden. Mit genau zwei Dolchwunden.

Da wurde ihm klar: Der Schneider war die Ziege gewesen.

Mit dunkler Magie hatte er sich in das Tier verwandelt, seine Gäste ausgefragt, welche Waffen sie bei sich trugen – und war so gegen alles vorbereitet. Alles – bis auf den kleinen Dolch in der Socke, den der Jäger nie erwähnt hatte. Das war seine Rettung. Und das Ende der gelben Ziege vom Druim Buie.

Natürlich bin ich hingefahren.

Ich wollte es sehen. Diese wilde, karge Landschaft zwischen Nebel und Stein. Und was soll ich sagen: Sie hat mich umgehauen. So schön, dass man fast glaubt, die Legende könnte wahr sein. Nur von der gelben Ziege – keine Spur. Kein Meckern, kein Hufabdruck. Nur Stille.

Und da dachte ich an die Ziegen in Glenshiel. Die sind nicht magisch, aber zuverlässig. Sie stehen pünktlich wie die Queen beim Tee auf der Straße, klauen dem Nachbarn die Blumen im Garten und haben ihre ganz eigene Highland-Attitüde. Und vor allem: Sie sind echt.

Also, wenn ihr das nächste Mal in den Highlands unterwegs seid, schaut genau hin. Vielleicht ist da ja doch mehr an der alten Sage dran. Und wenn nicht – habt ihr wenigstens eine Ziege gesehen. Was ja nie verkehrt ist.

Quelle: Spooky Scotland – Legends and Lore

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Dann schaut in meine Abenteuer Highlands-Reihe rein! In Band 1 bis 4 nehme ich euch mit auf mein Leben zwischen Loch und Lachanfall – mit jeder Menge Coorie, schottischem Wahnsinn und dem ein oder anderen tierischen Mitbewohner.

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Die magische Zahl vierzig in Schottland

Ein Blogpost über schottische Eigenheiten, Zahlenmystik und Schwiegereltern mit Vorlauf

Wenn die Schafe flüstern – und die Zahlen sprechen

Man sagt ja, jede Region habe ihre Eigenheiten. In den Highlands zum Beispiel reden die Schafe mit dem Wind, und die Einheimischen antworten mit einem Nicken, das je nach Winkel ganz verschiedene Dinge bedeuten kann.
Aber nichts – wirklich nichts – ist so ein Mysterium wie die magische Zahl vierzig.

Zufall? Nicht wirklich

Ich dachte erst, es sei Zufall.
Ein netter Herr mit Labrador auf einem matschigen Wanderpfad erzählt mir, dass seine Schwiegereltern „vor vierzig Jahren hierhergezogen“ seien.
Aha, denke ich, das ist mal eine präzise Zahl. Ich vergesse es.

Bis meine Freundin sagt, ihre Eltern seien – richtig geraten – „vor vierzig Jahren hierhergezogen“. Jetzt werde ich stutzig.

Der Zoom-Moment der Erkenntnis

Dann, bei einem Zoom-Vortrag über Windfarmen und seltene Flechtenarten, sagt der Referent mit Stirnband und Solarpanel-Expertise plötzlich mit ernster Stimme:
„Meine Schwiegereltern sind vor vierzig Jahren nach Skye gezogen.“
Ich reiße die Augen auf.
Da ist sie wieder. Die Vierzig.

1986 – das Jahr des großen Umzugs?

Was war los 1986?
War das ein geheim abgesprochener Exodus aus Kent, Surrey und den besseren Vierteln von Brighton?
Hatte Maggie Thatcher verkündet, dass in Schottland ab sofort mehr Wetter, aber weniger Nachbarn herrscht?

Oder war’s am Ende ganz profan: die Hauspreise.
Damals kostete ein Steincottage mit Meerblick und drei Geistern aus dem 18. Jahrhundert wahrscheinlich so viel wie heute ein Parkplatz in Reading.

Die große Schwiegereltern-Offensive

Und so sind sie gekommen – die Schwiegereltern.
Die Vorhut der Engländer mit ihren Gartenhandschuhen und dem Traum vom schottischen Idyll.
Sie kamen, sie sahen – sie renovierten.

Und jetzt stehen ihre Nachfahren da, mit ähnlichen Geschichten, nur in modernem Akzent:
„Wir wollten unseren Kindern eine bessere Kindheit ermöglichen.“

Vierzig – das Gütesiegel der Zugehörigkeit

Die Vierzig ist mehr als eine Zahl.
Sie ist ein Ritterschlag. Ein schottischer Integrationsausweis.

„Wir sind nicht erst seit gestern hier“, sagen sie, und meinen:
„Wir haben schon in Gummistiefeln gestanden, da warst du noch nicht mal auf Google Maps.“

Ohne Vierzig kein Respekt?

Ich überlege, ob ich das auch mal sagen soll. Einfach so, zum Spaß.
„Meine Nachbarn sind vor vierzig Jahren hergezogen.“

Denn der Mann ist noch nicht so lange hier. Und ich auch nicht.
Uns fehlt die magische Vierzig.

Ein Mythos mit Wurzeln

Vierzig ist schließlich nicht irgendeine Zahl.
Vierzig ist ein Mythos.
Ein Dauerparkplatz im schottischen Gedächtnis.

Abenteuer Highlands 4: Geschichten aus Schottland

„Abenteuer Highlands 4“ ist da – Schottland-Happen für Fortgeschrittene


Ein neues Kapitel Highland-Leben – mit Ottern, Pannen, Pointen und stillen Momenten. „Abenteuer Highlands 4 – Schottland-Happen für Fortgeschrittene“ ist ab sofort als eBook und Taschenbuch erhältlich!


Wer schon einmal versucht hat, mit einem deutschen Navi über eine schottische einspurige Straße zu fahren, weiß: Das Leben in den Highlands ist nichts für Anfänger.

In „Abenteuer Highlands 4 – Schottland-Happen für Fortgeschrittene“ erzähle ich Geschichten von dort, wo die Landschaft atemberaubend, das WLAN fragil und das Wetter ein Charakter in sich ist. Es geht um verlorene Schlüssel, widerspenstige Technik, eine Ziege mit tragischer Geschichte – und um all die kleinen und großen Missgeschicke, die mich in Schottland begleiten.

Aber zwischen all dem Lachen, dem Kopfschütteln und der schrägen Situationskomik gibt es auch leise Töne. Momente, die nachdenklich machen. Über das Zusammenleben mit Mensch und Tier, über Verantwortung, Hilfsbereitschaft – und über das, was wirklich zählt.

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Ob du Schottland-Fan bist, selbst mal ausgewandert bist oder einfach gern lachst – in diesem Band findest du skurrile Beobachtungen, ehrliche Gefühle und ganz viel Highland-Flair.


Felicity: Schottlands mysteriöse Puma-Legende

Die Legende von Felicity und ihren geheimnisvollen Nachfahren

Stellt euch vor, ihr wandert durch die ruhigen Wälder der schottischen Highlands, das Moor glitzert im Morgenlicht – und plötzlich taucht zwischen den Bäumen eine große schwarze Katze auf, mit einem Schweif wie ein Peitschenschlag und Augen, die Funken sprühen. Fantasie oder Wirklichkeit? Genau diese Frage sorgt seit Jahrzehnten für Diskussionen in Schottland. Willkommen in der Welt der mysteriösen Highland-Großkatzen!

1980: Ein Puma namens Felicity

Vor über 40 Jahren wurde im kleinen Cannich, nahe Glen Affric, eine Katze gefangen, die alles veränderte: Felicity, eine pummelige Puma-Dame, die von einem entschlossenen Farmer in eine Falle gelockt wurde. Während die Medien über „das Tier, das die Highlands terrorisierte“ berichteten, entpuppte sich Felicity als eher gemütlich denn gefährlich. Mit etwas Arthritis und einer Vorliebe fürs Streicheln war sie eher Haustier als Raubtier. Dennoch: Felicity war real, und damit begann der Hype um die Highland-Katzen.

Sichtungen, die bis heute anhalten

Auch nach Felicitys Gefangennahme riss die Flut an Berichten über große Katzen in Schottland nicht ab. Von Easter Ross bis Ayrshire behaupten Menschen, riesige schwarze Katzen gesehen zu haben, die durch Wälder streifen oder gemütlich über Hügel schleichen. Manche schwören auf Panther, andere sprechen von mysteriösen Mischwesen. Aber was steckt dahinter?

Die Theorie der ausgesetzten Exoten

Ein häufig genanntes Szenario führt uns zurück ins Jahr 1976, als das britische Gesetz für gefährliche Wildtiere in Kraft trat. Plötzlich mussten private Besitzer exotischer Tiere wie Leoparden und Puma ihren Schützlingen entweder artgerechte Gehege bieten – oder sie freilassen. Und was wäre ein besserer Zufluchtsort als die weiten, menschenleeren Highlands?

Beweise oder Anekdoten?

Während offizielle Stellen wie NatureScot seit Jahrzehnten keinerlei stichfeste Beweise für wilde Großkatzen in Schottland vorlegen können, bleibt die Begeisterung der Menschen ungebrochen. Geschichten von Sichtungen, rätselhaften Spuren oder sogar Angriffen auf Haustiere finden ihren Weg in lokale Pubs und Zeitungen. Und seien wir ehrlich: Ein bisschen Magie schadet niemandem.

Ein Mythos, der bleibt

Die Highlands sind bekannt für ihre Geschichten – ob es sich um Geister, den Loch Ness Monster oder eben geheimnisvolle Raubkatzen handelt. Felicity mag zwar schon lange in den ewigen Jagdgründen schnurren, doch ihre vermeintlichen Nachfahren sorgen weiterhin für Gänsehaut und Spekulationen.

Warum also nicht beim nächsten Highland-Ausflug selbst die Augen offen halten? Vielleicht entdeckt ihr ja Spuren im Moos – oder zumindest eine spannende Geschichte für die nächste Runde am Kaminfeuer. Denn eines ist sicher: In Schottland wird jede Geschichte ein kleines bisschen größer und ein bisschen wilder. Und genau das lieben wir doch, oder?

Quelle: BBC – On the trail of Scotland’s mysterious big cats

Die Sieben Männer von Glenmoriston: Ein Stück schottischer Geschichte

Die Highlands bergen so viele Geschichten – einige sind voller Romantik, andere von Tragik gezeichnet. Doch eine, die mich besonders fasziniert, ist die der Sieben Männer von Glenmoriston.

Die Stille im Corrie Dho ist beinahe greifbar. Zwischen den sanften Hügeln, die Glenmoriston von Glen Affric trennen, liegt dieses breite, fruchtbare Tal – unscheinbar und doch Schauplatz einer bemerkenswerten Episode der schottischen Geschichte. Hier, in den entlegenen Seitentälern des Corrie Dho, fanden einst sieben Männer Zuflucht, die nach der Schlacht von Culloden beschlossen hatten, niemals zu kapitulieren. Sie waren Nachbarn, die zusammenhielten, während andere in der Region ihre Waffen niederlegten. Ihr Versteck, eine Höhle, die als Uamh Ruaraidh na Seilg – die Höhle von Roderick dem Jäger – bekannt ist, bot ihnen Schutz vor den englischen Soldaten.

Ich stehe an einer Anhöhe, von der aus ich das Tal überblicken kann. Der Wind pfeift durch die Gräser, und es ist leicht vorstellbar, wie sich die Sieben Männer in diesem rauen Gelände bewegten, es nutzten, um sich zu verbergen und immer wieder kleine Nadelstiche gegen die verhassten Truppen zu setzen, die ihr Land verwüsteten. Guerillakrieger wider Willen, angetrieben von ihrer Loyalität zu ihrem Land und ihrem Hass auf die Besatzer.

Bonnie Prince Charlie und die Sieben Männer

Im Juli 1746 erreichte Bonnie Prince Charlie erneut das schottische Festland und begab sich auf eine gefährliche Reise durch die Highlands. Die Strapazen forderten ihren Tribut: nass, hungrig und erschöpft gelangte der Prinz am 29. Juli nach Glenmoriston. Sein Führer, ein Mann aus Glengarry, kannte das Versteck der Sieben Männer und schlug vor, dort Unterschlupf zu suchen. Trotz des Risikos nahmen die Männer ihn auf – nicht aus politischen Gründen, sondern aus einem tief verwurzelten Ehrenkodex heraus. Ein jeder von ihnen hätte mit einem Verrat das Kopfgeld von 30.000 Pfund kassieren können. Doch keiner tat es.

Ich frage mich, wie es gewesen sein muss, mit dem meistgesuchten Mann der Highlands in einer Höhle zu hausen. Mitten im Nichts, aufeinander angewiesen, stets in Gefahr, entdeckt zu werden. Die Männer versorgten den Prinzen so gut sie konnten. Einer von ihnen lief sogar nach Fort Augustus, um Brot und Zeitungen zu besorgen – und kehrte mit einem besonderen Geschenk zurück: einem Stück Ingwerkuchen, der kostbarsten Leckerei, die er für den Prinzen auftreiben konnte. Eine kleine Geste, die in ihrer Schlichtheit berührend ist. Ein Moment von Menschlichkeit inmitten von Verfolgung und Unsicherheit.

Nach drei Tagen verlegten sie ihr Versteck in die benachbarte Höhle von Corrie Sgrainge – das „Corrie of Gloom“. Dort blieben sie weitere vier Tage, bevor sie ihre Reise in Richtung Poolewe fortsetzten. Doch die erhofften französischen Schiffe waren bereits weitergesegelt. Und so kehrten sie schließlich nach Glenmoriston zurück, immer auf der Flucht, immer in Bewegung.

Ein unbeugsamer Geist

Ein Laird begegnete später zwei der Sieben Männer und stellte ihnen neugierige Fragen. Wo sie sich verbargen, wovon sie lebten. Doch anstatt zuzugeben, dass sie noch immer im Widerstand waren, gaben sie eine ebenso kluge wie herausfordernde Antwort: „Da die Feinde das Land plünderten, war es nur recht und billig, sich einen Teil der Beute zu nehmen, anstatt alles den Rotröcken zu überlassen.“

Ich spüre fast, wie mir ein Lächeln über die Lippen huscht. Die Tapferkeit, die List und der ungebrochene Stolz dieser Männer beeindrucken mich. Hier, in diesen einsamen Highlands, schrieben sie ein Stück Geschichte – nicht mit Waffen, sondern mit ihrer unbeugsamen Entschlossenheit. Und während ich durch das raue Land wandere, wird mir klar: Es ist nicht nur die spektakuläre Landschaft, die die Highlands so faszinierend macht. Es sind die Geschichten derer, die hier lebten – und kämpften. Heute ist hier, auf Ceannacroc Estate, alles gut in Schuss und bepflanzt, aus den Flüssen zieht man Energie – ein stilles Echo der Vergangenheit, das in die Zukunft reicht.

Der Goldschatz von Loch Arkaig

Der Mythos des Jakobitengoldes und die Wanderung zum Invermallie Bothy

Die Highlands sind Heimat für zahllose Geschichten von Helden und Verrätern. Viele Legenden und Mythen habe die Zeit überdauert. Eine der faszinierendsten Geschichten ist die des Jakobitengoldes, das angeblich am Loch Arkaig versteckt wurde. Diese Legende zieht nicht nur Geschichtsinteressierte, sondern auch Wanderer und Abenteurer an, die die Schönheit der schottischen Wildnis erleben möchten. Eine Wanderung zum Invermallie Bothy bietet eine perfekte Gelegenheit, sich in diese faszinierende Geschichte zu vertiefen. Ich war unterwegs, weil ich ein paar Wetbefotos für das neue Buch machen wollte. Das hat zwar keine Verbindung zum Goldschatz, aber zu Achnacarry und Loch Arkaig.

Die Toten von Avernish – Highland Crime – DI Robert Campbells 3. Fall gibt es as eBook und Taschenbuch bei Amazon.

Der Jakobitenschatz am Loch Arkaig

Die Geschichte des Jakobitengoldes beginnt im 18. Jahrhundert, als die Jakobiten unter der Führung von Charles Edward Stuart, auch bekannt als Bonnie Prince Charlie, versuchten, den britischen Thron zurückzuerobern. Nach der Niederlage in der Schlacht von Culloden im Jahr 1746 floh Bonnie Prince Charlie und versteckte sich einige Zeit in den Highlands, bevor er schließlich nach Frankreich flüchtete.

Es wird gesagt, dass während dieser chaotischen Zeit eine große Menge Gold, das zu spät von französischen Unterstützern zur Finanzierung des Aufstands geschickt wurde, am Loch Arkaig versteckt wurde. Der Schatz soll damals einen Wert von 400.000 Pfund gehabt haben – heute wären das mehrere Millionen. Viele haben seitdem versucht, den Schatz zu finden, doch bis heute bleibt sein Verbleib ein Rätsel. Diese Legende hat die Fantasie von Generationen beflügelt und zieht noch immer Schatzsucher und Geschichtsforscher an.

Loch Arkaig

Die Wanderung zum Invermallie Bothy

Für diejenigen, die die Landschaft genießen und gleichzeitig in die Geschichte eintauchen möchten, ist die Wanderung zum Invermallie Bothy ideal. Das Bothy, eine einfache Hütte, die Wanderern kostenlos Unterkunft bietet, liegt malerisch am Ufer von Loch Arkaig und bietet einen perfekten Ausgangspunkt für Erkundungen.

Die Wanderung beginnt am Chia-Aig, einem Wasserfall, der auch in meinem neuen Krimi eine Role spielt. Der Weg zum Bothy ist gut markiert und führt etwa 10 Kilometer entlang der Nordseite von Loch Arkaig. Die Route ist weitgehend flach, der Weg gut ausgebaut. Bis auf das letzte Stück. Dort, so heißt es in der Wegbeschreibung, kann es etwas matschig werden. Matschig???

Wanderwege unter Wasser

Merke: Wenn der schottische Wandergührer sagt, es kann matschig werden bedeutet das, dass das Seepferdchen nicht ausreicht. Man braucht mindestens den Freischwimmer!

Invermallie Bothy

Das Invermallie Bothy selbst ist ein einfacher, aber gemütlicher Zufluchtsort für müde Wanderer. Es gibt einen Kamin, einfache Schlafplätze und eine Quelle in der Nähe für frisches Wasser. Hier kann man die Ruhe der Wildnis genießen und sich in die Vergangenheit zurückversetzen.

Viel spannender als das Bothy fand ich ein verlassenes Haus unterwegs, das irgendwie nach russischer Datscha aussieht. Was denkt ihr?

Datscha Loch Arkaig

Vom Gold des Prinzen habe ich leider keine Spur gefunden.

Morgennebel am See

Aber was haltet ihr davon, wenn Issy sich in Band 4 oder 5 auf die Suche macht? Schreibt es mir in die Kommentare!

Die wilden Ziegen von Glenshiel: Eine Familiengeschichte

Wer durch Glenshiel reist, wird oft von den zähen, langhaarigen Ziegen überrascht, die sich sicher auf den steilen Hängen bewegen und fast eins mit der wilden Landschaft der Highlands wirken. Seit Jahren ranken sich Geschichten um ihre Herkunft – manche behaupten, sie stammten aus der Zeit der Jakobiten oder seien Überbleibsel der Highland Clearances. Doch so spannend diese Legenden auch sind, die wahre Geschichte der Ziegen von Glenshiel ist viel greifbarer – und mit dem Schicksal einer ganz bestimmten Familie verbunden.

picture @Ewan Roy MacGregor

Woher kommen die Ziegen in Glenshiel

Die Geschichte beginnt am Eas nan Arm, dem Wasserfall unterhalb des historischen Schlachtfelds von Glenshiel. Hier lebte einst Alexandrina (Ina) MacRae, die in Ault a’Chruinn geboren und aufgewachsen war. Sie heiratete einen Stewart aus Tomdoun, und gemeinsam lebten sie in der Nähe des Wasserfalls, während ihr Mann für den Rat arbeitete und Straßen durch das abgelegene Hochland baute – eine harte, aber notwendige Arbeit.

Doch wie so viele Highland-Familien standen auch sie vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Als die Bauarbeiten abgeschlossen waren, gab es keine Arbeit mehr in der Gegend, und die Familie zog nach Edinburgh, wo Ina’s Mann eine Anstellung bei der Eisenbahn fand.

Der Abschied von den Ziegen

Ein Umzug in die Stadt war eine Sache, das Mitnehmen des Viehs eine andere. In jenen Tagen hatten Schafe und Rinder einen klaren wirtschaftlichen Wert – sie konnten verkauft oder mitgenommen werden. Ziegen hingegen? Die wurden kaum geschätzt. Sie galten als wenig nützlich und wurden nicht wie anderes Vieh gehandelt. Und so blieb der Familie keine andere Wahl, als ihre Ziegen zurückzulassen.

Das geschah noch vor dem Bau des Cluanie-Damms, der später die Landschaft der Region veränderte. Ihr Haus stand noch einige Zeit, doch 1967 wurde es abgerissen. Heute ist nur noch die Stelle zu erkennen, an der es einst stand – zum Glück existieren noch Fotos, die seine Erinnerung bewahren. Doch während das Haus verschwand, blieben die Ziegen.

Donald John Macmillan: Glen Shiel, Kintail – A history (2020)

Überleben in der Wildnis

Trotz ihres plötzlichen Schicksals bewiesen die Ziegen bemerkenswerten Überlebenswillen. Sie passten sich dem rauen Terrain an, ernährten sich von Heidekraut, Farnen und allem, was die Natur hergab. Über Jahrzehnte hinweg wuchs ihre Population, und sie wurden zu einem festen Bestandteil der Landschaft.

Heute glauben viele, dass diese Ziegen aus einer weit entfernten Vergangenheit stammen, dass sie vielleicht Nachfahren von Tieren sind, die mit den Jakobiten oder den vertriebenen Clans in Verbindung standen. Doch ihre Geschichte ist viel persönlicher – sie sind das Erbe einer Familie, die gezwungen war, weiterzuziehen, und der Tiere, die zurückbleiben mussten.

Und doch hat Ina sie nie vergessen. Jedes Mal, wenn sie zurückkam und die Ziegen sah, lächelte sie und sagte: „Das sind meine.“

picture: Ewan Roy MacGregor

Ein herzliches Dankeschön an Inas Verwandte für ihre Gastfreundschaft und dafür, dass sie diese Familiengeschichte geteilt hat – damit die wahre Herkunft der Ziegen von Glenshiel nicht in Vergessenheit gerät.

Wintersonnenwende in Schottland: Mystik, Tradition und ein Hauch von Humor

Die Wintersonnenwende, auf Gälisch „Oidhche nan Seachd Suipearan“, ist in Schottland – besonders in den Highlands und auf den Inseln – ein bedeutendes Ereignis. Sie markiert den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres, wenn das Licht zurückkehrt und die Tage wieder länger werden. Für viele Menschen in Schottland hat die Sonnenwende sogar mehr Bedeutung als Weihnachten selbst.

Die Wurzeln der Tradition

Die Kelten verehrten die Sonnenwende als spirituellen Wendepunkt: Das Wiedererwachen der Sonne symbolisierte den Triumph des Lichts über die Dunkelheit. Noch heute zeugen alte Steinmonumente wie die Callanish Stones auf der Isle of Lewis oder die Clava Cairns bei Inverness von dieser Ehrfurcht vor der Natur und den Sternen. Diese steinernen Zeitzeugen sind so ausgerichtet, dass sie die ersten Sonnenstrahlen des neuen Zyklus einfangen – ein beeindruckendes Zeugnis alter Himmelsbeobachtung und Spiritualität.

Clava Cairns near Inverness

Die Nacht der sieben Abendessen

Eine besondere gälische Tradition ist „Oidhche nan Seachd Suipearan“ – die „Nacht der sieben Abendessen“. Der Brauch sieht vor, dass man sieben kleine Mahlzeiten zu sich nimmt, um Fülle und Wärme während der dunkelsten Nacht des Jahres zu feiern. Moderne Varianten dieses Festes könnten ein gemütliches Beisammensein mit Freunden am Kamin sein, begleitet von Glühwein, Suppe oder köstlichem Gebäck. Doch der Kern der Tradition bleibt: Dankbarkeit und Freude über das Überstehen der dunklen Jahreszeit.

Clava Cairns

Wie die Schotten heute feiern

Auch heutzutage wird die Sonnenwende in Schottland mit einer Mischung aus alten Ritualen und modernen Eigenheiten gefeiert. Im Maeshowe Chambered Cairn auf Orkney zum Beispiel tauchen die letzten Sonnenstrahlen der Wintersonnenwende die alte Grabkammer in ein magisches Licht. Solche Momente verbinden Geschichte und Natur auf eine einzigartige Weise.

Doch das Wetter, das typisch schottisch sein kann – mit Regen, Wind und eisigen Temperaturen –, macht diese Feiern oft zu einem Abenteuer. Die Schotten nehmen das jedoch mit Humor: „Wenn dich der Wind nicht wegweht, bleibst du wenigstens warm am Feuer.“

Tipps für die Wintersonnenwende in Schottland

  1. Besuche einen Steinkreis: Die Callanish Stones oder die Clava Cairns sind beeindruckende Orte, um die Sonnenwende zu erleben.
  2. Zieh dich warm an: Wetterfeste Kleidung ist ein Muss – Schottland bleibt auch bei der Sonnenwende unberechenbar.
  3. Mach mit bei lokalen Bräuchen: Vielleicht findest du ein gemeinsames Festmahl oder eine Geschichtenerzählung – die Schotten teilen ihre Traditionen gerne.
  4. Nimm dir einen Moment für dich: Die Highlands bieten mit ihrer Weite und Stille den perfekten Ort für Reflexion und einen Neuanfang.

Warum die Sonnenwende wichtig bleibt

Die Wintersonnenwende erinnert uns an den Zyklus der Natur und die Kraft, die uns in den dunkelsten Momenten des Jahres am Leben hält. Es ist ein Fest der Hoffnung, des Lichtes und der Gemeinschaft. In Schottland, wo sich alte Bräuche mit modernem Leben vermischen, wird dieser Tag zu einem besonderen Ereignis, das Herz und Seele berührt.

Wenn du also jemals die Gelegenheit hast, eine Sonnenwende in Schottland zu erleben, nutze sie. Es ist eine Zeit der Magie, des Lachens und der kleinen, aber bedeutsamen Momente – sei es beim siebten Gang des Festmahls oder beim ersten Lichtstrahl, der über die uralten Steine tanzt. Und vergiss nicht, einen kleinen Schluck Whisky einzupacken, um die Nacht zu wärmen.

burial chamber Clava Cairns

Tod der Prinzessin und ihrem ungeborenen Kind

Schottland hat über die Jahrhunderte viele starke und beeindruckende Frauen hervorgebracht. Ich stoße immer wieder auf sie und freue mich jedes Mal aufs neue, wenn Frauen in der Geschichte Spuren hinterlassen haben. Die gilt es zu bewahren.

old gravestone Aberlady @nme Abenteuer Highlands

Viele grausame und frauenfeindliche Geschichten werden aus vergangenen Zeiten erzählt. Die Geschichte von Theneu scheint besonders entsetzlich. Ein Vater, der versucht, seine schwangere Tochter zu töten. Er scheitert, versucht es erneut und sie entbindet schließlich allein auf einem Boot in der Nordsee. Normalerweise konzentriert sich die Geschichte entweder auf den Vater, denn er war Loth, ein mächtiger König oder auf den Sohn, den sie gebar: St. Kentigern of Glasgow. Aber was war mit ihr? Von ihrem Vater misshandelt, vom Vater ihres Kindes verlassen, allein in einem Boot bei der Geburt – diese Prinzessin hatte gewiss kein Märchenleben.

Gehen wir zurück ins sechste Jahrhundert und zu der Frage, wer das Kind gezeugt hat.

kull and crossbones old gravestone Aberlady @nme Abenteuer Highlands

Theneu war die Tochter von Loth, einem piktischen König, der einen Teil Lothians regierte. Nach dem Abzug der Römer blieben die Pikten nicht nur innerhalb der Grenzen ihrer eigenen Provinz, sondern ließen sich in verschiedenen Teilen von Alba nieder.

Über seinen Vater ist überhaupt wenig bekannt. Der Legende nach war er Eugenius II, König der Schotten. Jedenfalls war der Säugling ein ungewolltes Kind, und kurz vor seiner Geburt ließ sein Großvater, wütend über die Schande seiner Tochter, den grausamen Sitten seines Stammes folgend, sie von der Spitze von Traprain Law werfen in der Hoffnung, dass der Sturz sie umbringen würde. Die Prinzessin entkam jedoch unverletzt und König Loth, der mit dieser Barbarei nicht zufrieden war, befahl, sie nach Aberlady Bay bringen zu lassen und sie in ein mit Fell bedecktes Boot zu setzen, von dem die Ruder entfernt worden waren.

Aberlady grabeyard @nme Abenteuer Highlands

Dieses fragile Fortbewegungsmittel und seine unglückliche Insassin wurden dann weit hinaus aufs Meer geschleppt und ihrem Schicksal überlassen. Der sichere Tod, doch Gott wschte über sie, so heißt es. Anstatt weiter aufs Meer hinausgetrieben zu werden, führten Wind und Gezeiten das kleine Boot um die Isle of May herum, vorbei an Inchkeith und Inchcolm und den Fluss Forth hinauf, bis es sicher am Ufer bei Culross gestrandet war. Während dieser ereignisreichen Reise wurde ein kleiner Junge geboren, der dazu bestimmt war, das Christentum in Schottland neu zu beleben und das Werk von St. Ninian weiterzuführen.

Welchen Dämonen stand Theneu außer ihrem Vater gegenüber? Wie tief sah sie dem Tod in die Augen. Wie verzweifelt und wie allein fühlte sie sich draußen auf dem Meer, ohne das Boot steuern zu können? Und wie viel Schmerz hat sie ertragen? Woher nahm sie die Kraft, dieses Baby und sich selbst am Leben zu erhalten? Die Geschichte sagt es uns nicht. Schade.

boat @nme Abenteuer Highlands

Betrüger-Brüder

Im Gälischen nennt man das Jahr 1745 bliadhna Theàrlaich (sprich: blijanna tscherllich), Charlie’s Jahr. Das bezieht sich auf Charles Edward Stuart und dessen Versuch, 1745 des schottischen Thron zu erobern, den seine Linie verloren hatte. Ein Mann, der Geschichte geschrieben hat, romantische wie tragische. Der gescheiterte Versuch hate brutale Folgen für die gälisch sprechende Bevölkerung der Highlands.  

St Mary's Chapel Eskadale graveyard @nme Nellie Merthe Erkenbach

In Strathglass, einer katholischen Gegend in der die Unterstützung für Bonnie Prince Charlie groß war, findet sich das Grab zweier Brüder, beide vermeintliche Stuarts. Ein stolzes Steinkreuz markiert das Grab von John Sobieski Stuart, auch bekannt als „The Chevalier“, beide Namen sind nicht echt, man könnte sie tatsächlich als seine Künstlernamen bezeichnen, weil er ins Rampenlicht trat, um das zu sein, was jeder schottische Romantiker sehen wollte – ein verlorener Nachkomme des letzten und tragischen schottischen Prinzen. Er war ein Betrüger, genau wie sein Bruder.

Grab des Sobieski Stuart Eskadale @nme Nellie Merhe Erkenbach

John Carter Allen (1795–1872) und Charles Manning Allen (1802–1880) beschlossen eines Tages, sich als Enkel von Bonnie Prince Charlie zu etablieren, und zu behaupteten, der Prinz habe mit seiner deutschen Frau Prinzessin Louise von Stolberg-Gedern in Italien einen heimlichen Sohn gezeugt. Er sei damals 51 und sie 19 gewesen. Dann seien das Kind, der jakobitische Erbe, auf das Schiff des Großvaters gebracht worden. Der Großvater habe daraufhin diesen königlichen Flüchtling adoptiert und ihn als seinen eigenen aufgezogen. Als Söhne dieses Vaters behaupteten die beiden Brüder, verlorene Enkel von Charles Edward Stuart zu sein.

Das Grab der vermeintlichen Stuarts

Dies war natürlich eine komplette Erfindung, aber die Brüder lebten ihre Rolle. In Kilt und Tartan gekleidet durchstreiften sie die Highlands, konvertierten zum Katholizismus und lebten unter dem Schutz jakobitischer Clans wie den Frasers. Der 14. Lord Lovat baute sogar eine Jagdhütte auf einer Insel im Fluss Beauly für die beiden und gewährte ihnen eine letzte Ruhestätte im Kirchhof von St. Mary’s in Eskadale. Ob er ihnen geglaubt hat? Wer weiß, aber er hat sie sicherlich gut behandelt.

Diejenigen, die behaupteten, Charlies Enkel zu sein, gaben bis zum Ende vor, das zu sein, was sie nicht waren – von königlichem Blut. Sie hatten natürlich einen gewissen Einfluss auf ihre Zeit. Die Niederlage von Culloden und die anschließende Unterdrückung der Highlander, hatten blutige Narben in den Herzen aller schottischen Clanmitglieder hinterlassen. Was die Brüder gaben, war Hoffnung. Die Erfüllung der Sehnsucht, dass es noch nicht vorbei war. Nicht für immer verloren. Dass es eines Tages wieder einen Stuart auf dem schottischen Thron geben würde und, was die beiden „Stuarts“ anging, natürlich auch auf dem englischen.

Beide Brüder starben Ende des 19. Jahrhunderts und wurden in Eskadale begraben. Sie hatten mit ihren romantischen Geschichten aus der Vergangenheit ein Tartan-Revival ausgelöst. Nun rühmten sich gar die Grenzclans plötzlich mit einem eigenen Tartan, den sie zuvor nie besessen hatten. Ihnen und dem Vestiarium Scoticum (1842) sind viele der heute existierenden Clan-Tartans ist es zu verdanken.

Nellie Merthe Erkenbach: St Mary’s cemetery Eskadale

Diese und andere Geschichten findet ihr in Schottland für stille Stunden. Das Taschenbuch und auch das eBook gibt es bei Amazon.