Die Kurzschlacht von Prestonpans

Schottische Schlachten, wie in der Tat viele andere Schlachte auch, brannten sich aus mehreren Gründen in das Gedächtnis ihrer Nation ein:  wegen der vielen Verluste, die auf einer oder beiden Seiten erlitten wurden, wegen der Heldentaten Einzelner oder der Dauer, in der sie wüteten. Prestonpans war eine der kürzesten Schlachten in der Geschichte Schottlands, sie dauerte nur knappe 10 Minuten.

Es war der 21. September 1745. Prince Charles war gekommen, das Land zu regieren und es von der englischen Herrschaft zu befreien. Gerade hatte er die Hauptstadt, Edinburgh, eingenommen, wo man den (so hoffte man) künftigen König der Schotten euphorisch feierte.

Keine guten Nachrichten für die Engländer und ihren General Sir John Cope, denn der führte eine Truppe Soldaten an, die wenig Erfahrung hatte im Kriegsgeschäft. Dennoch musste er eingreifen und marschierte gen Edinburgh.

Küstenlinie East Lothian

Auf dem Weg dorthin lagerten sie in Haddington, was den Jakobiten in Edinburgh nicht verborgen blieb. Am Abend hielt Charles Edward Stuart Kriegsrat. Man wollte Cope und seine Truppen schon auf ihrem Weg nach Edinburgh zur Schlacht zwingen und sie nicht erst in der Hauptstadt erwarten. Die Schotten marschierten los, und als General Cope das vernahm, ging er auf einem Feld, das auf der einen Seite von einem unzugänglichen Moor geschützt war, in Stellung, um den schottischen Rebellenprinzen und dessen Männer zu erwarten. Hier sollte die Schlacht von Prestonpans geschlagen werden.

Prestonpans Friedhof

Cope kommandierte 2000 Männer und verfügte über Artillerie. Die Rebellen bezogen auf einer Erhebung Stellung, von der aus sie das Camp des General Cope gut übersehen konnten. Sie hatten nur wenig Musketen, keine Artillerie, nur ihre Breitschwerter und die dirks, die typischen Messer der Highlander. Es blieb ihnen also keine andere Möglichkeit, als frontal anzugreifen. Der Abend kam, der nächste Morgen würde Sieg, Tod oder Gefangenschaft bringen.

An diesem Abend meldete sich der junge Robert Anderson zu Wort. Er kam aus Whitburgh und kannte sich in der Gegend gut aus. Er wusste, es gab einen Pfad durch das Moor, auf dem man die englischen Truppen würde erreichen können, ohne dass man sie dort erwarten würde. Es war dunkel und vom Meer her zog dichter Nebel über das Moor. Robert Anderson führte die Highlander bei Nacht und Nebel durch das Moor, in kleinen Gruppen auf dem schmalen Pfad, eine potenziell tödliche Route, doch Anderson hielt was er versprochen hatte und führte die Männer sicher ans Ziel.

Wolken über dem Forth of Forth

Als die ersten Sonnenstrahlen den Nebel auflösten, standen die Schotten überraschend an der Ostflanke der englischen Truppen. Die Artillerie blickte direkt in die aufgehende Sonne und war damit ihrer Stärke beraubt. Cope saß in der Falle und mit ihm seine Männer. Nach 10 Minuten waren 150 Mann der Regierungstruppen tot oder verwundet, einige flohen, der Rest wurde gefangengenommen. Die Highlander hatten nicht nur einen großen Sieg für die Moral errungen, sie hatten auch Waffen und Munition erbeutet. Und sie hatten an Ansehen gewonnen, denn nun sah man auch in London, dass die Highlander nicht nur wilde Einzelkämpfer, sondern vielmehr auch kluge Strategen waren.

Cope selbst entkam mit ein paar seiner Männer und brachte seinen Vorgesetzten die Nachricht seiner Niederlage persönlich. In den nachfolgenden Jahrhunderten waren spöttische Gedichte und Lieder über General Cope eine beliebte Art, sich an die Schlacht von Prestonpans zu erinnern.

Hey, Johnnie Cope are ye wauking yet? Hey Johnnie Cope, bist du schon wach? ist bis heute ein sehr beliebtes Lied mit einprägsamer Melodie. So ziemlich jede schottische Band hat das Lied irgendwann einmal aufgenommen, so auch die Corries und die Tannahill Weavers.

Einige der in der Schlacht von Prestonpans gefallenen Soldaten wurden auf dem Friedhof in Prestonpans begraben. Leider sind einige der alten Grabsteine zerstört worden. Eine bleibt jedoch, die von John Stuart von Phisgul, der im Regiment von Generalleutnant Peregrine Lascelles gegen die Jakobiten gekämpft hatte.

Hier liegen die Überreste on John Stuart of Phisgul, ein Galloway Gentleman and Captain in Lassel’sRegiment. Ein Mann von wahrer Tapferkeit, der ehrenhaft starb in Verteidigung seines Königs und seines Landes sowie der heiligen und bürgerlichen Freiheit, bis er gegen Ende der Schlacht auf dem Gebiet von Preston am 21. September 1745 von vier Highlandern barbarisch ermordet wurde.

Bei meinem Besuch auf dem Friedhof traf eich eine ausgesprochen liebenswerte ältere Dame, die mit großer Hingabe säuberte, pflanzte und goss. Ihr Sohn (sehr scheu und verschlossen) half ihr, wenig später kam ihr Mann, um sie abzuholen. Sie führte mich stolz zu dem Grab des gefallenen Captains, stolz, weil der Grabstein ihr persönlicher Bezug zur berühmten schottischen Schlacht war.

„Machen Sie das Tor gut zu.“ sagte sie, bevor sie zu ihrem Mann ins Auto stieg und mich allein lies mit ihrem Friedhof.

„Und bringen Sie das nächste Mal eine Drohne mit, da sieht man alles besser!“ rief der Gatte mir aus dem Auto zu. Er war offensichtlich nicht minder stolz darauf, Teil der schottischen Geschichte zu sein.

So ist das eben mit Friedhöfen in Schottland. Sie lassen einen nicht mehr los, weil sie die Verbindung sind zwischen persönlichem Erfahren und dem Erbe einer ganzen Nation. Egal ob man Schottin ist oder Deutsche.

Bass Rock

Bass Rock

Seitdem ich von Schottland aus voll arbeite und nicht mehr so wie früher in Deutschland viel und in Schottland nichts, ist deutlich weniger Zeit, hier die Dinge zu tun, die ich sonst immer hier getan habe, nämlich Bücher schreiben und Friedhöfe besuchen. Nun aber habe ich ein paar Tage Urlaub und los geht’s nach East Lothian.der Mann kann leider nicht, der hat deutlich weniger Urlaubstage als ich. Der Arme.

Feierabendbier

Ich arbeite ich mich den Tag über durch die Friedhöfe der Region in Richtung des kleinen Inns in einem idyllischen Dörfchen an der Küste, in dem ich übernachten werde. Es waren stolze 8 Friedhöfe, bis ich bei meinem Feierabendbier ankomme.

@nme Nellie Merthe Erkenbach Schottland für stille Stunden
St. Andrew’s Kirk Ports, North Berwick, East Lothian

Sehenswürdigkeiten in East Lothian

Am nächsten Morgen beim Frühstück höre ich wie der junge Man den Fehler begeht, die anderen Gäste zu fragen, was sie den Tag über machen wollen. Da steht er nun mit den dreckigen Geschirr in den Händen, das er gerade von einem anderen Tisch abgeräumt hat und kommt nicht mehr weg von der Redeflut des Engländers. Der zählt sämtliche Sehenswürdigkeiten auf, die es in East Lothian gibt. Ich lächle in stillem Mitleid mit dem Ober in mich hinein. An meinen „Sehenswürdigkeiten“ werde ich die Touristen nicht treffen und den Klassiker habe ich noch am Abend auf dem Rückweg vom letzten Friedhof des Tages fotografiert – ganz von weitem und im Sturm, der an dem Tag über die Ostküste fegte.

Stevenson Leuchtturm, Bass Rock

Leuchtturm und Basstölpel

Der berühmte Bass Rock ist eine kleine Insel, die wie ein monströser Stein etwa 1 Meile vor der Küste East Lothians liegt. Eine Touristenattraktion, zu Beginn des letzten Jahrhunderts nahm man das Dampfschiff, aber nur bei gutem Wetter, war es windig, konnte man an der einzigen Anlegestelle der kleinen Insel nicht festmachen. Dieser steinerne Berg im Meer ist beeindruckend. Bevölkert von tausenden Basstölpeln, die früher noch auf dem schottischen Speiseplan standen. Dazu ein Stevenson Leuchtturm, der an der Steilwand zu kleben scheint, und die Ruinen eines uralten Wohnsitzes mitten im Stein. Hier wächst nichts außer der Einsamkeit.

Lauder of the Bass

Bereits im 6. Jahrhundert weilte hier der Heilige Baldred und tat Wunder. Doch der eigentliche Name, mit dem der Bass verknüpft ist, ist Lauder. Der 1. Lauder of the Bass bekam diesen Titel für seine heldenhafte Unterstützung des Unabhängigkeitskämpfers William Wallace. So ein Stein im Meer wäre an sich nicht unbedingt ein überwältigendes Zeichen der Dankbarkeit gewesen, aber der Stein kam zusammen mit beachtlichen Ländereien auf dem Festland und das war dann schon wieder eine andere Angelegenheit. Die Familie Lauder brachte im Laufe der Jahre viele Botschafter und Kirchenmänner hervor.

Bass Rock

Das schottische Alcatraz

Der Bass Rock ist nicht nur berühmt, er ist auch berüchtigt als das schottische Alcatraz. Hier, auf dem ehemaligen Sommerwohnsitz der Familie Lauder, wurden etwa 40 Covenanter in den Glaubenskriegen gefangen gehalten. Dieses Gefängnis war kalt, feucht und ganz und gar furchtbar. Nach der Revolution von 1688 wendete sich das Schicksal, 4 Gefangene konnten sich befreien und weil eine Flucht unmöglich war, nahmen sie stattdessen ihre Wärter gefangen. Eine echte Gefängnisrevolution.

Der Regierung blieb nichts anderes übrig, als von der Küste aus hilflos zuzuschauen. Alle Versuche, den Bass Rock zurück zu erobern scheiterten. Es dauerte 3 Jahre, bis die Besatzer aufgaben. Das Gefängnis wurde Ende des 18. Jahrhunderts zerstört, bevor Bass Rock verkauft wurde.

stilles Frühstück

Zurück ins Hier und Heute. Der Ober kommt vorsichtig an meinen Tisch und will das Geschirr abräumen. Ich lächle ihm ermunternd zu. Er braucht sich nicht sorgen, dass auch ich ihm eine lange Liste der Sehenswürdigkeiten vorbete, die ich heute besuchen werde. Obwohl meine Liste für ihn sicher mal was Neues gewesen wäre.

Frühstück in East Loathian

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Ein Chief, zwei Musiker und ein Prinz

Kilmarie auf der Isle of Skye war traditionell eine Hochburg der Mackinnons und man muss nicht unbedingt auf dem alten Friedhof hinter Kilmarie House nach ihnen suchen, man findet ihre Spuren überall auf dem Strathaird Estate, der jetzt vom John Muir Trust verwaltet wird. Die Ländereien liegen zwischen Loch Slapin und Loch Scavaig auf Westseite der Isle of Skye. Außerdem besaß der Clan noch Grund auf der Insel Mull und war zumindest zeitweise einer der einflussreichsten in den Highlands.

Während des Aufstands von 1745 stellte sich der Laird  auf die Seite von Bonnie Prince Charlie und half dem Prinzen bei seiner langen und mühsamen Flucht vor den englischen Truppen nach Culloden. Für seine erbrachten Leistungen ging Mackinnon in England ins Gefängnis und wurde später im Juli 1747 aus dem Southwark-Gefängnis befreit.

Der Chief kehrte nach Kilmarie (Kilmaree) zurück und zeugte zwei Söhne und eine Tochter, was per se erst mal keine sehr beeindruckende Tatsache ist, wohl aber wenn man bedenkt, dass der Chief zu diesem Zeitpunkt bereits 71 Jahre alt war. Diese späte Vaterschaft macht entweder ihn außerordentlich viril oder seine Frau außerordentlich lösungsorientiert.

Obwohl man ihn für seinen Anteil an der gelungenen Flucht des schottischen Prinzen nach Frankreich  enteignet hatte, bestand Bedarf an einem Erben (solche Bestrafungen waren immer wieder zurückgenommen worden und die Führungsrolle innerhalb des Clans war von der Enteignung nicht betroffen), und Mackinnon bekam zwei. Irgendwie. Der jüngere Sohn Lachlan starb später in Jamaika, der ältere Charles wurde nach dem Tod seines Vaters der neue Chief.

Von Kilmarie House führt ein hübscher wenn auch matschiger Rundweg zum Dun Ringill, das im Sommer leider so überwuchert ist, dass es schier unmöglich zu entdecken ist. Hier war der uralte Sitz der MacKinnons.

Diese frühe Befestigungsanlage inspirierte Ian Anderson zum gleichnamigen Song. Mit der Musik von Jethro Tull hatte Anderson so gut verdient, dass er sich das Anwesen leistete und ein eigenes Studio in Kilmarie House einrichtete. Ursprünglich kommt der Schotte aus Dunfermline in Fife, inzwischen lebt er in England und der Schweiz.  Das Alter des legendären Mackinnon Chiefs hat er bereits überschritten, seine Kinder, ein Sohn und eine Tochter, sind aber im Gegensatz zu denen des Mackinnon bereits erwachsen. Anderson ist auf andere Weise produktiv, er macht noch immer Musik.

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Der schwarze Strand

ublack shore

Der gälische Ausdruck dubh-chladach, meint schwarzer Strand oder schwarze Steine und bezeichnet das Stück am Strand unterhalb der Linie, die der Seetang nach der Flut (ròlag ròid) hinterlässt. Schwarz, weil das Stück des Strandes oft noch feucht und deshalb dunkler ist, als der Rest.

Glaubt man den gälischen Mythen, dann ist dieses Stück ist das sicherste des Strandes, denn hier können einen weder böse Geister, noch Feen, Monster oder sonstige übernatürliche Wesen erreichen. Wer sich unterhalb der Flutmarke aufhält, dem kann nichts Böses geschehen.

 

Cha t’thig olc sam bith on fhairge – nichts Schlechtes kommt vom der See.

Außerdem können Geister auch Wasserläufe wie Flüsse oder Bäche nicht überqueren.

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Das tapfere Schneiderlein

Klöster, die von Monstern heimgesucht werden, sind selten, nicht nur in Schottland, aber der Legende nach gab es genau hier in Beauly einst ein ganz grauenhaftes Monster.

Der Glaube war weit verbreitet, dass die Eaglais Mhòr na Manachain, die große Kirche des Klosters, von einer schrecklichen Kreatur heimgesucht wurde und niemand, der den Kirchhof oder die Grabstätten in der Kirche über Nacht beobachtete, jemals lebend zurückkam.

Wer würde es also wagen, sich künftig dem Unaussprechlichen zu stellen?

Abtei von Beauly

Es war natürlich ein Schneider. Es sind immer die Schneider in den alten Geschichten, die klug und mutig sind. Dieser besondere Scheider aus Beauly, das schottische tapfere Schneiderlein, beschloss, eine Nacht auf dem Friedhof zu verbringen, um eine Hose zu nähen. Wenn er schon auf Schlaf verzichtete, dann wollte er wenigstens etwas Vernüftiges tun.

In seiner Nacht auf dem Friedhof schien ein heller Vollmond und als die Glocken Mitternacht läuteten, tauchte der schreckliche, graue Kopf eines Monsters aus einem Grab auf. Der Spòg Liath (Graue Pfote) sah den Schneider mit toten Augen an und begann mit ihm zu sprechen.

Wann immer der Schneider sprach, blieb die Kreatur still und bewegte sich nicht, aber sobald der Schneider den Atem anhielt, wurde die grausige graue Gestalt immer größer und sagte ihm, wie hungrig sie war. Während des Gesprächs setzte der Schneider seine Arbeit fort, er war nicht gewillt, sich vertreiben zu lassen. Gerade als die Kreatur vollständig auftauchte und ihre knochige Hand nach ihrem Opfer ausstreckte, das jetzt nur noch wenige Zentimeter entfernt war, beendete der Schneider den letzten Stich und rannte zum Tor, um in letzter Sekunde die Flucht zu ergreifen. Anscheinend waren viele Jahre lang Spuren der Klauen des Tieres am Türrahmen der Kirche zu sehen. Es soll danach nie mehr aufgetaucht sein.

Abtei von Beauly

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Der erste und der letzte Baron Innes

Sir Hugh Innes war der einzige jemals existierende schottische Baronet dieses Namens, der erste und der letzte. Es wurden zwar drei weitere Baronetcies für diesen Namen geschaffen, jedoch in Nova Scotia und nicht im Vereinigten Königreich. Der einzige schottische wurde am 28. April 1819 geschaffen. Zwei Jahre hatte der frisch gebackene Baronet auf seine Titel warten müssen, bevor er ihn am am 29. Oktober 1818 bekam und offiziell zum 1. Baronet Innes von Lochalsh, Balmacara, Ross-shire und von Coxton, Morayshire, wurde.

Sein Grab befindet sich in Kirkton von Lochalsh, wo der Baronet am 16. August 1831 beigesetzt wurde. Mit dem 67-Jährigen starb auch sein Titel, weil er keinen Erben hatte. Seine Beerdigung muss ein besonderer Anlass gewesen sein, denn ein Baronet hat Anspruch auf Sonderbehandlung bei einer Beerdigung: zwei Trauernde, ein Haupttrauernder und vier Sargträger.

Sein Vater war Reverend in Glasgow gewesen, Sir Hugh verdiente mit Baumwollhandel jede Menge Geld und wurde Politiker und Abgeordneter im Parlament für Ross-shire und später für Sutherland. Zu Hause war er in Balmacara House, das er im 19. Jahrhundert mit der stolzen Anzahl von 13 Schlafzimmern bauen ließ. Es wird heute vom Militär genutzt, die Kampftaucher wohnen dort während ihrer Ausbildung. Im Notfall können 100 Soldaten in Balmacara unterkommen, die U-Boote liegen unerkannt im Hafen von Kyle. Außerdem baute er die Kirche in Kirkton und die in Plockton sowie einige Straßen und Häuser dort.

Kyle of Lochalsh

Ein Baronet wird als „Sir“ bezeichnet, nicht zu verwechseln mit einem Baron, der zum höheren Adel gehört. Ein Baronet ist vergleichbar mit einem Ritterorden, ist ihnen sogar übergeordnet, es sei denn es handelt sich um bestimmte Ritterorden, wie der der Order of the Thistle, dem Sir Hugh beizutreten versucht hatte, aber abgelehnt worden war. Geschaffen wurde der Titel im Mittelalter, heute gibt es noch rund tausend Baronets.

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Sind sie die Friedhofs Frau?

Teil 3 Clans in Clunes

Die letzten zwei Sonntage habe ich euch von meiner Recherche Tour zum Loch Arkaig erzählt, auf der ich lange vergeblich nach den Friedhöfen vor Ort gesucht hatte. Einen hatte ich zwischenzeitlich gefunden, der zweite sollte ein echtes Highlight werden. Aus mehreren Gründen.

Die Brücke zum Friedhof

Das Rätsel der unauffindbaren Friedhöfe

Ich bin auf dem Weg zum Auto, das ich am Cameron Museum abgestellt hatte, um zum zweiten Friedhof des Ausflugs zu fahren, den mir Catriona am Telefon beschrieben hatte. Inzwischen ist die Tür zum Museum geöffnet, ein Besucher sieht sich drinnen um. Draußen, vor dem Museum, kniet eine schlanke junge Frau mit dunkelblonden Haaren vor einer Sitzbank und trägt Farbe mit einem großen Pinsel auf. Sie schaut mir entgegen und ich lächele ihr zu. Sie steht auf und lächelt vorsichtig zurück.

“Are you the graveyard lady?“  Sind sie die Friedhofsfrau?

„Ja, die bin ich“, sage ich und muss lachen. So hat man mich noch nicht bezeichnet, aber es ist natürlich absolut zutreffend. Ich bin tatsächlich eine graveyard lady.

Ich bedanke mich für ihre Hilfe und sie will nun doch genauer wissen, warum ich mich auf Friedhöfen rumtreibe. Wir unterhalten uns eine Weile. Schließlich sind Gespräche unter Wildfremden in Schottland Standard.

Csmeron Museum Achnacarry ©nme Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach

Das Geheimnis um das Grab von Charles Kennedy

Sie erzählt, wie auf den Friedhof in Clunes schon einige Journalisten wollten, weil da ein berühmter Mann begraben liegt. Charles Kennedy war ein hochrangiger Politiker und Parlamentsmitglied über viele Jahre. Als er starb, wollten natürlich alle Journalisten wissen, wo der Friedhof ist, um von der Beerdigung berichten zu können. Doch von den Einheimischen wollte es ihnen keiner verraten, damit die Familie nicht in ihrer Trauer gestört würde. Also haben alle so getan, als wüssten sie nicht, wo der Friedhof ist.

„Stellen sie sich dieses Bild vor“, sagt Catriona. „All die Journalisten in ihren schwarzen Smokings und Lackschuhen wanderten über die Felder und haben verzweifelt nach dem Friedhof von Clunes gesucht. Sie haben ihn nie gefunden und die Beerdigung wurde nicht gestört.“

Während ich in meinen lila Gummistiefeln loslaufe, denke ich mit einem Lächeln an Catriona, die Frau vom Museum zurück. Ich bin dankbar, dass sie wenigstens einer deutschen Journalistin den Weg zum Friedhof gewiesen hat.

Endlich – der Friedhof von Clunes

Um hier um hier zu kommen, muss man zunächst eine große Weide überqueren, dann einen Bach, sich dann auf einem schmalen Trampelpfad den Berg hinaufkämpfen durchs Unterholz, bis man plötzlich irgendwo zwischen Bäumen den Friedhof findet.

Hier liegen viele Kennedys begraben, einfach nur ein paar Gräber im nirgendwo. Ein paar Meter weiter eine alte Steinmauer, das rostige Tor liegt abgerissen daneben, die Grabsteine hängen schief in der Zeit, Moos tropft vo ihnen wie uralte Regentropfen. Hier liegen die Camerons.

Noch ein paar Fotos, dann gehe wieder. Der Tag hat doch noch ein erfolgreiches Ende genommen.

Ich fühle mich wie eine echter Entdeckerin: Schließlich bin ich die erste Journalistin auf dem Friedhof von Clunes!

Cameron Friedhof Clunes ©nme Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach
Cameron Friedhof Clunes

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Sind sie die Friedhofs Frau? Teil 2 Abenteuer in Achncacarry

Letzten Sonntag habe ich von meinem Versuch berichtet, in Lochaber zwei Friedhöfe zu finden, die ganz offensichtlich nicht gefunden werden wollen. Ich habe einen ganzen Tag damit verbracht. Der Weg zur Lösung war wie immer eine typisch schottische Angelegenheit.

Telefonjoker am Cameron Museum

Auf der Suche nach Hilfe erreiche ich das Museum, ein altes, wunderbar weiß gekalktes ehemaliges Postgebäude mit Kanone. Leider wegen COVID geschlossen, aber an der Tür ein Schild. Catriona schreibt, sie wohne in der Nähe und könne das Museum jederzeit aufschließen. Einfach anrufen steht da und eine Telefonnummer. Ich rufe an.

„Hallo, mein Name ist Nellie. Ich bin Journalistin aus Deutschland und suche ihren Friedhof.“

„Welchen Friedhof?“ fragt die Stimme im Telefon „Wir haben hier mehrere!“

„Ich suche eigentlich zwei, aber jetzt dachte ich erstmal an den von Achnacarry.“

„Es gibt auch noch einen in Clunes“, sagt die Stimme.

„Richtig, den suche ich auch, aber ich bin bei beiden gescheitert“ antworte ich.

Warum sucht denn eine deutsche Journalistin hier bei uns Friedhöfe?

„Ich habe einen Blog, der heißt Graveyards of Scotland, für den recherchiere ich Geschichte und Geschichten zu schottischen Friedhöfen, das mache ich schon seit vielen Jahren. Ich habe an der Uni in Glasgow Schottische Geschichte und Literatur studiert.“

Überreste des alten Schlosses von Achnacarry

Die Cameron Clan Chiefs sind schwer zu finden

Das versteht sie und weist mir den Weg telefonisch. In Ermangelung eines Stück Papiers kritzle ich ihre Wegbeschreibung auf die Innenseite meiner Straßenkarte, die im Auto vor sich hinvegetiert, weil ich keinen Zettel zur Hand habe. Dann laufe ich mit der unhandlichen DIN A 4 Karte ihre Anweisungen befolgend durch Kuhfelder und Schafweiden, gehe zwischen Wassertanks, Kuhfladen und Satellitenschüsseln verloren und rufe schließlich nochmal an.

„Hallo, hier ist nochmal Nellie“, sage ich „Wir haben eben telefoniert.“

„Das dachte ich mir“, kontert Catriona. „Sie sind die einzige Deutsche, die mich anruft, zurzeit.“

Wahrscheinlich bin ich auch die einzige Deutsche, die derzeit auf Achnacarrys Kuhweiden verlorengeht.

Stellt sich raus, ich habe das falsche Gatter genommen, finde umgehend das richtige und damit auch den Friedhof der Cameron Clan Chiefs – kein Schild, keine angelegte Vegetation, kein Parkplatz, nichts, was in irgendeiner Form auf einen Friedhof hindeutet. Man muss wirklich wissen, wo die Clan Chiefs begraben sind. Für einen derart elitären Friedhof fehlt jeglicher Pomp. Gefällt mir.

Aber noch bin ich nicht am Ende meiner Recherchereise. Jetzt will ich unbedingt auch den Friedhof von Clunes finden.

Nächsten Sonntag: Clans in Clunes – der letzte Teil der Sind-sie-die-Friedhofsfrau-Geschichte.

Sind sie die Friedhofsfrau?

Teil 1/3

Es war mal wieder einer jener Tage, an dem ich unterwegs auf der Suche nach Friedhöfen war. Das Wetter war so lala, ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen, dazu viel Wolken, ideal für eine Autofahrt also. Ich war auf Erkundungstour und hatte zwei Friedhöfe auf der Liste, die ich erkunden wollte, ich hatte auch so eine ungefähre Ahnung, wo sie waren. Zwei kleine Weiler, die ich auf der Karte gefunden hatte, der Rest konnte ja nicht so schwer sein. Dachte ich!

Ben Nevis ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
towards Ben Nevis

Loch Arkaigs Angler

Loch Arkaig ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
Loch Arkaig

Ich fuhr fröhlich vor mich hin und erkundete zunächst die Gegend rund um mein Ziel, die ich en Detail so nicht kannte. Loch Arkaig ist eine etwas kuriose Ansammlung einzelner kleiner Angelparzellen, garniert mit ausrangierten Wohnmobilen samt zerschlissener Vorzelte, rostiger Barbecues und seltsamer willkürlich zusammengeschusterter Holzmöbel für den Gartengebrauch.

„Aha“, denke ich, „Scheint mir eine Art Männer-Angel-Enklave zu sein.“

Das ist umso erstaunlicher, als auf der Zufahrt zum Loch Arkaig jede Menge stattlicher Villen stehen. Aber wen wundert’s wirklich in Schottland, dem Land der Gegensätze?

Murlaggans Einsamkeit

Ich fahre also auf der Singletrack Road entlang des Lochs die sich anfühlt wie eine Achterbahnfahrt im Trips Drill im ständigen auf und ab der Straßenführung und entdecke einen weiteren Friedhof, von dem nichts mehr übrig ist als ein Schild und ein Gedenkstein. Murlaggan ist nicht mehr als ein einziges unbewohntes Haus. Einsam hier.

Die lange Straße entlang des Lochs ist eine Sackgasse und ich muss wieder zurück. Auf dem hierher hatte ich bereits alle Augen offen, aber vergeblich nach den Friedhöfen Ausschau gehalten. Plötzlich muss ich voll in die Bremsen. Vor mir hat ein Tourist sein Auto mitten auf der Straße abgestellt. Direkt neben der Straße ist eine geschotterte Fläche, auf der mindestens 20 Autos Platz hätten. Er hat trotzdem mitten auf der Straße geparkt und ist los ein Foto machen. Fast hätte er auch ein Foto von dem Schaden an seinem Auto machen können.

parking at Loch Arkaig ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau

Es geht entlang der dunklen Meile, der Mìle Dorcha, die nach dem Abholzen des Waldes nicht mehr ganz so dunkel aber noch immer ziemlich verwunschen daherkommt. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier Soldaten trainiert.

Mìle Dorcha ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
The Dark Mile

Frau Erkenbachs Gespür für Grabsteine

Jetzt mache ich mich auf die ernsthafte Suche nach dem Friedhof von Clunes. Doch der ist nirgends zu finden. Drei dunkle Holzhäuser der Forstkommission, ein weißgekalktes mittelgroßes Anwesen, ansonsten nur Weiden weit und breit. Das ist es auch schon in Clunes. Der Friedhof von Clunes bleibt ein Rätsel. Komisch! Nach rund 300 Friedhöfen, über die ich für meine Blogs geschrieben und fotografiert habe, habe ich eigentlich ein Gespür fürs Finden von Grabsteinen.

Ich konzentriere mich auf Plan B und mache mich auf nach Achnacarry. Das ist gleich um die Ecke (naja eine schottische Ecke, dauert also ein wenig). Nach einigen hin- und herfahren und wiederholtem Wenden wird mir klar: Um nach Achnacarry zu kommen, muss man ein Stück Privatstraße befahren. Die führt aber auch zum Cameron Museum, weshalb ich keine großen Bedenken habe, die Privatstraße zu nehmen. Ich will im Museum fragen, wo der Friedhof ist. Die müssen es ja wissen. Denn auch den Friedhof von Achnacarry finde ich beim besten Willen nicht. Auch auf Google Maps ist nichts zu erkennen.

Cameron Museum Achnacarry ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
Cameron Museum Achnacarry

Nächsten Sonntag: Sind sie die Friedhofsfrau? Teil 2/3 – Abenteuer in Achnacarry

Frauen und Männer in Kilbride auf der Insel Skye

Kilbride auf der Isle of Skye ist heute nicht mehr als ein paar verstreute Häuser, Schafe und ein Marmor-Steinbruch in Strath Swordale, aber es war einst ein Ort der Anbetung, der Magie und der Rituale und ein Ort der Frauen oder zumindest ein Ort, an dem Frauen ihre Spuren hinterlassen haben.

Die verschwundene Kapelle der Äbtissin

Wie aufgrund seines Namens ziemlich offensichtlich ist, stand einst eine Kapelle in Kilbride, Cille Bhrìghde auf Gälisch, die Kirche der Heiligen Brigid, die wie so viele andere Heilige in Schottland irgendwann Ende des 5.  Anfang des 6. Jahrhunderts aus Irland kam. Von der Kapelle, die einst hier stand und der Äbtissin gewidmet wurde, sind keine Spuren mehr vorhanden. Die Existenz dieser keltischen Kultstätte lebt nur in dem Namen weiter, den der standing stone  in der Nähe trägt: Clach na h-Annait, Stein der Kapelle.

Clach na h-Annait

Die Mutter in der Höhle

Die heilige Brigid war nicht die erste, die hier verehrt wurde. Archäologen haben Spuren einer Siedlung und von Bestattungen in einer Höhle in Kilbride gefunden, die etwa 2700 Jahre zurückreichen. Eisenzeitliche Rundhäuser sind in der Gegend um Kilbride weit verbreitet. Ausgrabungen, die inzwischen wieder aufgefüllt wurden, enthüllten drei Gräber, eine Frau, einen Fötus und ein Kind. Warum sie hier beigesetzt wurden und wer sie waren,lässt sich nicht mehr sagen. Diese Frau hat keine Spuren hinterlassen, die Kinder auch nicht, aber die Höhle wurde wahrscheinlich für Rituale genutzt.

Der Quelle der Bräute

War diese Mutter in der Höhle der Ursprung einer anderen Legende? Anscheinend war es für junge Bräute der Gegend üblich, die Quelle Tobar Tà zu besuchen, um ihre Fruchtbarkeit sicherzustellen. Leider ist die Quelle im feuchten Boden nicht mehr auffindbar. Sie lag jedenfalls nahe der Straße von Broadford nach Elgol.

beach KIlbride

Die drei Toten der Quelle

Der Brunnen war einst berühmt dafür, dass er Teil der Prophezeiungen des Brahan-Sehers im 16. Jahrhundert war. Er hatte vorausgesagt, dass drei Torquils an einem nassen Tag im Bereich des Brunnens getötet werden würden. Dies wird im Allgemeinen drei Mitgliedern des Clans zugeschrieben, die starben, um Bonnie Prince Charlie während des Aufstands im Jahr 1745 und seiner Flucht nach Frankreich im Jahr 1746 im Regiment von MacKinnon of Strath zu unterstützen. Es wird angenommen, dass John MacInnes, Alexander MacLean und William Ross in der Gegend Zuflucht suchten und hier getötet wurden, wie es die Vorhersage des Sehers behauptet hatte. Es war schließlich auch hier, an Strand von Kilbride, wo Flora MacDonald und der flüchtende Prinz an Land gingen.

Tobar sin, is Tobar Tà

Tobar aig an cuirear blàr;

Marbhar Torcuil nan trì Torcuil

Luft latha fliuch aig Tobar Tà.

Die Quelle da ist Tobar Tà,

eine Quelle, an der eine Schlacht ausgetragen wird,

getötet wird Torquil der drei Torquils,

an einem nassen Tag bei Tobar Tà .

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