Die besten Geheimtipps für Schottland-Reisende

Oder nicht? Warum ich keine schottische Reiseagentur aufmache

Es beginnt harmlos.
„Liebe Nellie, darf ich dich mal was fragen? Du kennst dich doch aus mit Schottland.“

Ich ahne schon, was kommt. Es ist nie eine Frage zu schottischem Gebäck oder zur besten Sockenwahl im Hochlandregen. Nein, es geht immer um Urlaub. Um ihren Urlaub. Und zwar so, als könnte ich aus dem Stand ein komplettes Reisebüro aufmachen – mit Spezialgebiet „Unvergessliche Individualreisen, möglichst günstig, gern abgelegen, aber mit WLAN“.

Ich bleibe höflich.
„Klar, frag ruhig.“
Dann kommt sie – die Frage. Entweder ganz vage:
„Was würdest du denn so empfehlen, so ganz grob?“
Oder wahnsinnig konkret:
„Wir wollen im Juni für zwölf Tage mit einem Hybridauto durch die Highlands, möglichst ohne Midges, mit drei Schlössern, einem Steinkreis, nicht zu touristisch, aber mit gutem WLAN. Hast du da was?“

Hab ich. Ich hab sogar viel. Aber…
Reisen sind wie Stricksocken: Es passt nicht jeder Fuß in jedes Muster. Manche Menschen brauchen täglich neue Eindrücke und mindestens ein Castle pro Tag. Andere wollen nur sitzen, gucken, staunen – und vielleicht noch einen Single Malt dazwischen.

Was die Sache so knifflig macht: Viele wissen gar nicht, was sie wollen. Sie sagen es nicht. Oder sie sagen es und tun dann genau das Gegenteil.

Nehmen wir die Geschichtslehrerin.
Ich geb mir Mühe: Iona, Elgin, Whithorn – ich denke: Volltreffer.
Und was macht sie?
Sie geht zu den Fairy Pools.
Ich sag mal so: schöner Wasserfall, aber eben auch Selfiestick-Hotspot. Ich hatte sie einfach falsch eingeschätzt.

Oder mein ehemaliger Kollege.
Ich sag: „Skye ist ein Muss. Wenn du noch nie in Schottland warst – auf jeden Fall.“
Er antwortet eine Woche später: „War uns zu teuer. Wir sind in die Trossachs.“
Tja. Auch nett. Aber da hätte ich nie gedacht, dass er so aufs Budget schaut.

Oder der Typ mit Entscheidungsnot.
„Nellie, Ort A oder B?“
Ich: „A. Ganz klar. B ist lauter, A hat die schöneren Wege.“
Er: „Ja, aber B wäre halt auch nett.“
Ich geb’s auf.

Deshalb kommt hier jetzt, einmal und nie wieder (haha):

©Ewan Roy MacGregor

Die ultimative Liste für Schottland-Reisende nach Typ.

Wenn ihr euch irgendwo wiederfindet – nehmt’s mit. Und wenn nicht – fragt mich trotzdem. Ich mach’s ja gern. Und schüttle dann hinterher einfach ein bisschen den Kopf.

1. Für Sparreisende („Wir machen Selbstversorger und duschen notfalls im See“)

  • Glen Coe – dramatisch, geschichtsträchtig, kostenfrei. Aber Achtung: Es gibt nur wenige Parkplätze, und die sind oft voll. Früh dran sein lohnt sich.
  • Loch Morar – wild campen mit Blick aufs Wasser, mit Glück hört man den Zug nach Mallaig.
  • Isle of Mull mit Bus & Zelt – günstiger als Skye, dafür genauso eindrucksvoll.
  • Pitlochry & Killin – gute Basis für Ausflüge, Supermarkt vorhanden.
  • Geheimtipp: Craigtoun Country Park bei St Andrews – gratis Park, Bötchen, Picknickglück.

2. Für Camper und Vanlifer („Wir schlafen im Auto, aber bitte mit Aussicht“)

  • Ardnamurchan Peninsula – einsam, rau, traumhaft.
  • Applecross über Bealach na Bà – Nervenkitzel und Aussicht inklusive.
  • Loch Torridon – Parken direkt am Wasser, mit Glück ein Otter vorm Fenster.
  • Castle Trail in Aberdeenshire – eine Burg schöner als die nächste, und man ist ständig draußen.

3. Für Luxusreisende („Wir wollen schon was Besonderes, aber authentisch, bitte“)

  • The Fife Arms in Braemar – opulent, aber mit Charme.
  • Isle of Eriska Hotel – Luxus mit Aussicht und eigenem Golfplatz.
  • Boutique-Hotels entlang der North Coast 500 – wild und weich zugleich.
  • Inverlochy Castle Hotel – Dinner mit Geschichte.
  • Und: Private Tastings in kleinen Destillen – ohne Gruppenfoto.

4. Für Ersttäter in Schottland („Wir waren noch nie da – was muss man sehen?“)

  • Edinburgh – Altstadt, Holyrood, Arthur’s Seat.
  • Loch Ness & Urquhart Castle – ja, touristisch. Aber legendär.
  • Isle of Skye – Quiraing, Fairy Glen, Old Man of Storr. Bitte mit Regencape.
  • Glenfinnan Viadukt – Hogwarts-Feeling für Groß und Klein.
  • Oban – Fisch essen, Inselhüpfen, Menschen gucken.

5. Für Krimiliebhaber („Wir lesen gern düstere Dinge“)

  • Dornoch – Witch Trial Memorial, Kopfkino gratis.
  • Glencoe – Massacre Site mit Gänsehautpotenzial (und sehr wenigen Parkplätzen).
  • Isle of Jura – Orwell, Einsamkeit, Wildheit.
  • St. Kilda – für Abenteurer mit Bootsvertrauen.
  • Die Orte aus meinen Highland-Krimis, die ihr vielleicht schon kennt – oder noch entdecken wollt:
    • Avernish – wo fünf Tote und ein düsteres Geheimnis am Loch schlummern.
    • Achnacarry – Clan-Land und Schauplatz zwischen Nebel und Vergangenheit.
    • Skiary – abgelegen, still und voller Schatten.
    • Glenelg – mit den alten Brochs und neuen Fragen.
    • Nostie – ein kleines Tal, das mehr weiß, als es sagt.
    • Glendale – friedlich auf den ersten Blick…
    • Armadale – Geschichten über die Meerenge hinweg.
    • Kinlochhourn – Ende der Straße, Anfang des Unheimlichen.

Und ganz wichtig:
„Schottland für stille Stunden“ – mein Reiseführer für Fortgeschrittene, die gern mit Gänsehaut reisen. Erhältlich als Taschenbuch oder E-Book bei Amazon.
Darin: die schönsten schottischen Friedhöfe – für alle, die sich lieber an Grabsteinen als an Reiseführern orientieren.

6. Für Schottland-Profis („Wir waren schon zehn Mal da – überrasch mich!“)

  • Sandwood Bay – Wanderung zum einsamsten Strand Schottlands.
  • Assynt Region – Berge wie aus einem Fantasy-Roman.
  • Inseln wie Eigg oder Rum – autofrei, vogelreich, eigenwillig.
  • Crinan Canal – Schottland vom Boot aus erleben.
  • Borgue & Galloway Forest Park – Nacht wird hier wirklich dunkel.

7. Für stille Stunden („Ich will einfach nur Ruhe. Und vielleicht ein Schaf.“)

  • Rannoch Moor – Einsamkeit pur.
  • The Isle of Lismore – Inselidylle ohne Trubel.
  • Glen Affric – Bäume, Seen, Frieden.
  • North Harris – dramatische Küsten und himmlische Ruhe.
  • Und nicht vergessen: 📘 „Schottland für stille Stunden“ – alles drin. Vor allem: keine Reisegruppen.

Mini-Quiz: Welcher Schottlandtyp bist du?

  1. Dein Lieblingsgeräusch im Urlaub:
    a) Gluckern der Espressomaschine – Luxus
    b) Das Platschen der Gummistiefel im Matsch – Camper
    c) Blätterrascheln zwischen Grabsteinen – Krimifreak
    d) Vogelzwitschern ohne Empfangsbalken – Stille-Suchende
  2. Dein Albtraum:
    a) Kaltes Duschwasser
    b) Busgruppen mit Selfiesticks
    c) Kein WLAN im Cottage
    d) Überraschungsbesuch von den Schwiegereltern

Das starke Bild des Alterns: Frauen im Wandel

Die Verpackung ist höflich – der Inhalt herablassend

„Little old lady“ – das klingt erst einmal niedlich. Fast liebevoll. Aber wer genauer hinhört, merkt schnell: Dieser Ausdruck ist ein Euphemismus für das, was unsere Gesellschaft Frauen ab einem bestimmten Alter gern andichtet – sie seien klein, hilfsbedürftig, harmlos. Und vor allem: still.

Alt bedeutet nicht automatisch schwach

Ich bin noch nicht alt – aber ich höre sie schon näherkommen, diese unausgesprochenen Erwartungen. Dass ich irgendwann leiser treten soll. Dankbarer sein. Mich führen lassen. Im Zweifel sogar über die Straße. Ohne zu fragen, ob ich da überhaupt rüber will.
Aber ich bin nicht auf dem Weg zum Zebrastreifen der gesellschaftlichen Unsichtbarkeit. Ich bin auf dem Weg zur vollen Sichtbarkeit – mit Helm, Haltung und meiner Harley.

Ich bereite mich nicht auf ein sanftes Altern vor

Ich übe nicht das braves Nicken beim Einkaufen. Ich plane keine Karriere im Danksagen. Ich übe Haltung. Ich übe das Nein. Ich übe das „Fahr zur Seite, ich komm jetzt durch.“
Denn alt zu werden bedeutet für mich nicht, Platz zu machen – sondern mehr Raum einzunehmen. Mit jeder Falte ein bisschen mehr.

Die Zukunft ist laut

Wenn ich älter werde – und das werde ich mit Stil – dann nicht leise und freundlich, sondern unbequem und unübersehbar. Ich werde keine „little old lady“. Ich werde eine „bold old bitch“.

Wir brauchen Frauen, die sich nicht zurücknehmen. Frauen, die klar sagen, wie sie gesehen werden wollen. Frauen, die keine Angst mehr haben, als „zu viel“ zu gelten.
Denn genau das ist es, was unsere Gesellschaft weiterbringt: Frauen, die sich nicht entschuldigen – sondern fahren.

Mord und Handwerker: Ein schottisches Drama

Mordgedanken und Aperol

Es gibt Tage, da meint es das Schicksal gut mit einem. Und dann gibt es Tage wie diesen. Ich hatte beschlossen, einen Krimiplot zu durchdenken – und dazu brauche ich Bewegung. Still sitzen ist nichts für kreative Verbrechen. Agatha Christie ist angeblich auch immer durch Devon marschiert, während sie über ihre Mörder nachdachte. Ich aber lebe nicht in Devon. Ich lebe in den Highlands. Und da ist es mit dem entspannten Spazierengehen so eine Sache.

Denn hier heißt „ein bisschen wandern“: auf Ziegenpfaden balancieren, durch knöcheltiefen Matsch stapfen und gleichzeitig versuchen, nicht über einen der unzähligen Steine zu stürzen, die sich einem wie bockige Ponys in den Weg legen. Krimiplots entwickeln? Ja, klar – wenn man nebenbei auch noch jonglieren kann. Ich also beschließe, auf einer Teerstraße zu laufen. Geradeaus. Flach. Und vor allem mit wenig Verkehr. Was in der Touristensaison ungefähr so wahrscheinlich ist wie ein einsamer Strand in den Sommerferien.

Aber ich bin motiviert. Die Sonne scheint! Es ist April – normalerweise bedeutet das: vier Jahreszeiten pro Stunde. Doch heute: strahlender Himmel, 14 Grad, und sogar die Schafe sehen zufrieden aus. Ich schwinge mich also ins Auto, bereit für frische Luft, Mordgedanken und ein bisschen literarische Selbstfindung.

Dummerweise fahre ich genau in die einzige Ecke Schottlands, über der sich eine riesige, dunkelgraue Regenwolke ausbreitet. Natürlich. Wo sonst. Ich fluche leise, parke trotzdem und ziehe die Kapuze über den Kopf. Man kann auch bei trübem Wetter kreativ sein. Sagt man.

Ich stapfe also los, ganz bei mir und meinen Gedanken. Doch da pingt es. Der Mann. Heute in Inverness. Sollte bei Lidl Aperol kaufen – Vorrat für das Wochenende. Stattdessen schreibt er: „Wo steht denn der Aperol? Ich find den nicht.“

Ich überlege kurz, ob ich zurückschreibe: „Neben dem Klopapier, gleich hinterm griechischen Joghurt.“ Aber dann reiße ich mich zusammen. Ich tippe zurück: „Da, wo der Gin steht.“ Keine zehn Sekunden später: „Hab ihn!“ Zufriedener Mann, gesichertes Wochenende. Ich nicke still. So viel zur Konzentration.

Kaum habe ich mich wieder auf meinen Mörder konzentriert – der in meinem Kopf so vielversprechend war –, da pingt es erneut. Meine Chefin. „Darf ich dich kurz stören? Nichts Dramatisches, aber es hat eine Veränderung gegeben.“ Und zack, statt Krimi: Kopfkino. Kündigungswelle? Umstrukturierung? Muss ich doch zurück zur Konferenzplanung?

Ich antworte: „Bin erreichbar.“ Was bleibt mir auch anderes übrig. Weiter geht’s.

Zehn Meter weiter: ping. Fiverr-App. Meine Designerin. Das Cover sei fertig, ob ich bitte direkt schauen könne. Natürlich. Ich. Jetzt. Im Nieselregen. Auf einem schottischen Wanderweg mit schlechter Netzabdeckung.

Ich nehme mir vor, jetzt aber wirklich den Mörder weiterzudenken. Doch da – beginnt der zweite Akt: die Handwerkerpanik.

Wenn Handwerker zu Krimifiguren werden

Ich hatte mit meiner Schwester in Deutschland abgesprochen, dass ich mich um einen Handwerker für unsere Eltern kümmere. Sie hat ohnehin schon genug zu tun, wenn ich weg bin, also übernehme ich. Sie hatte eine Empfehlung von einer Kollegin, ich hatte den Herrn kontaktiert – wir waren per WhatsApp in Kontakt.

Er war etwas zögerlich, wegen der Entfernung. Aber ja, er würde es gegen Anfahrtskosten machen. Ich bitte ihn um einen Terminvorschlag. Eine Woche vergeht. Nichts. Ich frage nochmal – wieder nichts. Also beschließe ich an einem Sonntag, einfach ein anderes Unternehmen zu kontaktieren. Mail an die Infoadresse, und siehe da: Montagmorgen um zehn der Rückruf.

Er will’s sich anschauen. Ich erkläre ihm alles. Biete an, den Termin mit meinen Eltern abzustimmen. Aber nein, über drei Ecken sei das zu kompliziert. Ich soll ihm die Nummer der Eltern geben. Gut, mache ich.

Am Abend: „Habe niemanden erreicht. Ist die Nummer korrekt?“ Ich prüfe. Natürlich. Ich rufe meine Eltern an: „Alles gut bei euch?“ – „Ja, alles fein.“

Ich sage ihm, er soll’s einfach nochmal probieren oder spontan vorbeischauen. Tut er. Nur: Meine Eltern sind beim Arzt. Also klingelt er bei der Nachbarin.

Und das war der Fehler. Denn sie informiert sofort die gesamte Nachbarschaft, alle Verwandten und vermutlich auch die lokale Zeitung. „Ein Handwerker! Und keiner wusste davon!“

Ich bekomme pings von allen Seiten. Meine Schwester: „Wie heißt der nochmal?“
Ich: „Wieso?“
Klingeling: Meine Mutter. „Da war ein Handwerker, und keiner hat uns was gesagt!“

Ich atme tief durch. Warum die Nachbarin eigentlich wissen sollte, dass meine Eltern einen Handwerker bekommen, bleibt mir ein Rätsel.

Ich schicke also nochmal allen den Kontakt. Bitte die Mutter, sich direkt bei ihm zu melden. Dann erkläre ich meiner Schwester alles noch mal von vorne.

Mein Krimiplot? Liegt inzwischen reglos im Moor. Ich bin entweder kurz davor, einen Handwerker umzubringen – oder ich schreibe meinen nächsten Mord in ein Funkloch.

Hauptsache, keiner kann mich erreichen.

Highland Crime – DI Robert Campbell Band 5 | In der Kälte der Nacht

Am 1. August erscheint der fünfte Band meiner Highland-Crime-Reihe um DI Robert Campbell: In der Kälte der Nacht.

Ich freue mich riesig, diese Geschichte endlich mit euch teilen zu können. Viele Monate Recherche, unzählige Stunden am Schreibtisch und ebenso viele Stunden in den schottischen Highlands liegen hinter diesem Roman.

Ab morgen ist In der Kälte der Nacht als Taschenbuch und eBook bei Amazon erhältlich.

Hier geht’s zum eBook.

Was In der Kälte der Nacht so besonders macht

Jeder Band der Highland-Crime-Reihe erzählt einen eigenen Fall. Trotzdem entwickeln sich die Figuren und ihre Beziehungen von Buch zu Buch weiter.

In der Kälte der Nacht fühlt sich für mich anders an als die vorherigen Bände. Nicht lauter, nicht blutiger, sondern intensiver.

Zum ersten Mal spielt die Handlung vollständig im November. Wer die Highlands kennt, weiß, wie schnell das Wetter dort alles verändern kann. Sturm, Schnee und Dunkelheit sind diesmal nicht nur Kulisse, sondern bestimmen die Ermittlungen. Straßen werden unpassierbar, Hilfe kommt nicht rechtzeitig, Entscheidungen müssen unter enormem Druck getroffen werden.

Genau das macht diesen Fall so besonders.

Ein Locked-in-Mystery in den schottischen Highlands

Ich liebe Geschichten, in denen Menschen nicht einfach verschwinden können.

Ein abgelegener Ort, ein kleiner Kreis von Menschen und das Gefühl, dass jeder etwas verbirgt. Daraus entwickelt sich ein klassisches Locked-in-Mystery, das mit Erwartungen spielt und immer wieder neue Wendungen nimmt.

Nicht alles ist so, wie es zunächst scheint.

Isabel Hartmann und DI Robert Campbell ermitteln wieder gemeinsam

Natürlich begleiten euch auch diesmal wieder Isabel Hartmann und DI Robert Campbell.

Nach vier gemeinsamen Fällen kennen sie sich besser denn je. Doch gerade das macht ihre Zusammenarbeit nicht einfacher. Vertrauen entsteht langsam und kann in einem einzigen Moment erschüttert werden.

Auch Dr. Janne Asikainen ist wieder mit dabei. Viele von euch haben mir geschrieben, dass der finnische Rechtsmediziner inzwischen zu euren Lieblingsfiguren gehört. Ich glaube, ihr werdet auch diesmal nicht enttäuscht sein.

Mehr verrate ich an dieser Stelle lieber nicht.

Originalschauplätze in den schottischen Highlands

Loch Cluanie, Glen Shiel und die winterlichen Highlands gehören zu den Landschaften, die mich seit vielen Jahren begleiten und inspirieren.

Viele Schauplätze des Romans beruhen auf Orten, an denen ich selbst unterwegs war. Mir ist wichtig, dass sich die Landschaft nicht wie eine Kulisse anfühlt, sondern wie ein Teil der Geschichte.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum mir so viele Leser schreiben, dass sie beim Lesen das Gefühl haben, selbst durch die Highlands zu fahren.

Danke, dass ihr Highland Crime begleitet

Dass wir inzwischen beim fünften Band angekommen sind, hätte ich zu Beginn der Reihe niemals erwartet.

Viele von euch begleiten Isabel Hartmann und DI Robert Campbell bereits seit Schatten über Skiary. Ihr rätselt mit, fiebert mit und schreibt mir nach jedem Band eure Gedanken und Theorien. Dafür möchte ich euch von Herzen danken. Eure Nachrichten und eure Begeisterung bedeuten mir unglaublich viel.

Ab morgen, dem 1. August, ist In der Kälte der Nacht als Taschenbuch und eBook bei Amazon erhältlich.

Ich wünsche euch viele spannende Lesestunden und freue mich schon jetzt auf eure Rückmeldungen.

Herzliche Grüße

Nellie Merthe Erkenbach

Die magische Zahl vierzig in Schottland

Ein Blogpost über schottische Eigenheiten, Zahlenmystik und Schwiegereltern mit Vorlauf

Wenn die Schafe flüstern – und die Zahlen sprechen

Man sagt ja, jede Region habe ihre Eigenheiten. In den Highlands zum Beispiel reden die Schafe mit dem Wind, und die Einheimischen antworten mit einem Nicken, das je nach Winkel ganz verschiedene Dinge bedeuten kann.
Aber nichts – wirklich nichts – ist so ein Mysterium wie die magische Zahl vierzig.

Zufall? Nicht wirklich

Ich dachte erst, es sei Zufall.
Ein netter Herr mit Labrador auf einem matschigen Wanderpfad erzählt mir, dass seine Schwiegereltern „vor vierzig Jahren hierhergezogen“ seien.
Aha, denke ich, das ist mal eine präzise Zahl. Ich vergesse es.

Bis meine Freundin sagt, ihre Eltern seien – richtig geraten – „vor vierzig Jahren hierhergezogen“. Jetzt werde ich stutzig.

Der Zoom-Moment der Erkenntnis

Dann, bei einem Zoom-Vortrag über Windfarmen und seltene Flechtenarten, sagt der Referent mit Stirnband und Solarpanel-Expertise plötzlich mit ernster Stimme:
„Meine Schwiegereltern sind vor vierzig Jahren nach Skye gezogen.“
Ich reiße die Augen auf.
Da ist sie wieder. Die Vierzig.

1986 – das Jahr des großen Umzugs?

Was war los 1986?
War das ein geheim abgesprochener Exodus aus Kent, Surrey und den besseren Vierteln von Brighton?
Hatte Maggie Thatcher verkündet, dass in Schottland ab sofort mehr Wetter, aber weniger Nachbarn herrscht?

Oder war’s am Ende ganz profan: die Hauspreise.
Damals kostete ein Steincottage mit Meerblick und drei Geistern aus dem 18. Jahrhundert wahrscheinlich so viel wie heute ein Parkplatz in Reading.

Die große Schwiegereltern-Offensive

Und so sind sie gekommen – die Schwiegereltern.
Die Vorhut der Engländer mit ihren Gartenhandschuhen und dem Traum vom schottischen Idyll.
Sie kamen, sie sahen – sie renovierten.

Und jetzt stehen ihre Nachfahren da, mit ähnlichen Geschichten, nur in modernem Akzent:
„Wir wollten unseren Kindern eine bessere Kindheit ermöglichen.“

Vierzig – das Gütesiegel der Zugehörigkeit

Die Vierzig ist mehr als eine Zahl.
Sie ist ein Ritterschlag. Ein schottischer Integrationsausweis.

„Wir sind nicht erst seit gestern hier“, sagen sie, und meinen:
„Wir haben schon in Gummistiefeln gestanden, da warst du noch nicht mal auf Google Maps.“

Ohne Vierzig kein Respekt?

Ich überlege, ob ich das auch mal sagen soll. Einfach so, zum Spaß.
„Meine Nachbarn sind vor vierzig Jahren hergezogen.“

Denn der Mann ist noch nicht so lange hier. Und ich auch nicht.
Uns fehlt die magische Vierzig.

Ein Mythos mit Wurzeln

Vierzig ist schließlich nicht irgendeine Zahl.
Vierzig ist ein Mythos.
Ein Dauerparkplatz im schottischen Gedächtnis.

Zwischen Mikrophon und Manuskript

Mein Ringen mit dem geschriebenen Wort

Vom gesprochenen zum geschriebenen Wort

Seit über zwanzig Jahren lebe ich vom gesprochenen Wort. Ich schreibe fürs Hören – für Radio und Fernsehen. Für Formate, in denen das Timing wichtiger ist als das Komma. Wo der Klang zählt, nicht die Orthografie. Wo aus einem schnell hingeworfenen Satz ein lebendiges Gespräch wird. Und wo ein fehlendes Wort niemanden stört, solange der Tonfall stimmt.

Das gesprochene Wort ist mein Zuhause. Es ist spontan, lebendig und flexibel. Fehler? Geschenkt. Improvisation? Alltag.

Schreiben mit dem Rotstift im Nacken

Wenn ich heute an meinen Büchern arbeite, merke ich, wie sehr sich das unterscheidet. Plötzlich zählt jedes Zeichen. Plötzlich kann ich nicht mehr einfach „drüber weg sprechen“. Das geschriebene Wort ist nicht kulant. Es bleibt da – schwarz auf weiß – und schaut mich an, als wollte es sagen: „Du kannst das besser.“

Und ich? Ich fluche, feile, verwerfe. Ich lese laut. Ich schleife. Ich beginne von vorn.

Ohne Testleser wäre ich verloren

Was mich rettet? Meine Testleserinnen und Testleser. Ohne sie würde ich mich heillos verirren im Dickicht der Buchstaben. Sie sind mein Korrektiv. Mein Resonanzraum. Mein „Stopp, das geht so nicht!“. Sie holen das Beste aus mir heraus – und aus meinen Texten.

Die leise Kraft des geschriebenen Wortes

Und je länger ich mich auf diesen Prozess einlasse, desto mehr wächst mein Respekt. Das geschriebene Wort ist nicht einfach nur „nicht gesprochen“. Es ist etwas Eigenes. Es verlangt Hingabe – aber es schenkt auch etwas: Tiefe. Dauer. Präsenz.

Vielleicht sind wir noch keine alten Freundinnen, das geschriebene Wort und ich. Aber wir nähern uns an. Tag für Tag. Buchstabe für Buchstabe.

Die Magie der Weihnachtskrimis: Geheimnisse der Highlands

Hallo, mein Name ist Tessa Baywood und ich freue mich sehr, heute hier zu Gast sein zu dürfen, und danke dir von Herzen, Nellie, dass ich meine Weihnachtskrimis auf deinem Blog ein wenig näher vorstellen darf.

picture: ChatGPT

Wenn ich an Weihnachtsbücher denke, dann beginnt für mich alles nicht mit einer Handlung oder einer Figur, sondern mit einem Gefühl. Es ist dieses leise Innehalten, das sich oft schon Wochen vor den Feiertagen einstellt, ein kaum greifbarer Moment, in dem sich die Welt ein wenig langsamer zu drehen scheint und man sich nach Wärme sehnt, nach Kerzenlicht, nach Geschichten, die einen sanft umhüllen.

Vielleicht ist es genau das, was uns Jahr für Jahr zu diesen Büchern zurückkehren lässt. Weihnachten trägt stets beides in sich, das Leuchten und die leise Melancholie, die Erinnerung und die Gegenwart. Und irgendwo zwischen diesen Polen entstehen jene Geschichten, die uns besonders nahegehen, weil sie mehr sind als bloße Unterhaltung, weil sie etwas in uns berühren, das wir im Alltag oft überhören.

pcture: ChatGPT

Weihnachtskrimi schreiben und lesen – Die besondere Faszination festlicher Spannung

Mit der Zeit hat mich ein Gedanke nicht mehr losgelassen: Was geschieht, wenn man diese warme, beinahe vollkommene Weihnachtswelt ein kleines Stück aus dem Gleichgewicht bringt?

Denn gerade dort, wo alles von Harmonie erzählt, werden die feinen Risse umso deutlicher sichtbar. Ein festlich gedeckter Tisch, an dem nicht alle die Wahrheit sagen. Ein Lächeln, das einen Hauch zu lange verweilt. Eine Tradition, die vielleicht mehr verbirgt, als sie preisgibt.

Beim Schreiben meiner Weihnachtskrimis habe ich entdeckt, dass genau in diesem Spannungsfeld eine ganz eigene Form von Tiefe liegt. Es geht nicht allein um die Aufklärung eines Verbrechens, sondern um das Sichtbarmachen dessen, was unter der Oberfläche schlummert. Ein Mistelzweig, der für Nähe steht und doch zum stillen Zeugen wird. Ein Haus, das über viele Jahre hinweg mehr gesehen hat, als seine Mauern preisgeben. Oder ein Ort in der Natur, an dem man spürt, dass er nicht nur Kulisse ist, sondern eine eigene Geschichte trägt.

Vielleicht sind Weihnachtskrimis deshalb immer auch Geschichten über das Menschliche – über das, was wir zeigen, und über das, was wir sorgsam verbergen.

picture: ChatGPT

Weihnachtskrimis in Schottland – Highlands, Atmosphäre und leise Geheimnisse

Und dann ist da die Frage nach dem Ort, an dem all dies geschehen darf.

Ich habe mich oft gefragt, ob meine Geschichten ebenso gut an einem anderen Schauplatz hätten entstehen können, und vielleicht wäre das möglich gewesen. Doch immer wieder führen sie mich ganz von selbst zurück in die Highlands von Schottland.

Dort, so empfinde ich es, liegt eine besondere Ruhe in der Landschaft, eine Weite, die nicht leer wirkt, sondern erfüllt von Erinnerungen. Alte Häuser stehen dort, als hätten sie die Zeit ein wenig langsamer erlebt als anderswo, und kleine Dörfer tragen ihre Geschichten in sich, oft unausgesprochen, aber doch spürbar.

Gerade im Winter entfaltet sich diese Stimmung auf eine ganz eigene Weise. Nichts ist überladen, nichts drängt sich in den Vordergrund. Stattdessen legt sich eine stille Zurückhaltung über alles, die jedes Detail, jede Begegnung, jedes unausgesprochene Wort intensiver erscheinen lässt.

Vielleicht ist es genau diese leise Tiefe, die Schottland zu einem so stimmigen Ort für Weihnachtskrimis macht.

picture: ChatGPT

Mord & Mistelzweig – Ein cosy Weihnachtskrimi im schottischen Dorf

In „Mord & Mistelzweig“ führt mich die Geschichte in ein kleines Dorf, das sich eine Woche vor Weihnachten ganz der Vorfreude hingibt, bis ein Mord im Wald diese friedliche Stimmung erschüttert.

Gerade die Enge der Gemeinschaft, das vermeintliche Wissen umeinander, hat mich hier besonders interessiert. Jeder kennt jeden – und doch zeigt sich schnell, dass hinter den freundlichen Fassaden mehr verborgen liegt, als man zunächst vermuten würde.

Der Mistelzweig, der über allem schwebt, steht dabei nicht nur für Nähe und Tradition, sondern auch für jene leisen Momente, in denen man innehält und erkennt, dass nicht alles so ist, wie es scheint.

Weihnachtsmord auf Nellfield Hall – Ein Weihnachtskrimi im Herrenhaus

„Weihnachtsmord auf Nellfield Hall“ entfaltet sich in einem alten Herrenhaus, das durch Schnee von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Mich hat an dieser Geschichte besonders gereizt, nicht nur die Familie selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern vor allem jene, die im Hintergrund wirken. In der Küche, im Service, im Garten – dort entstehen oft die klarsten Beobachtungen, die ehrlichsten Einschätzungen.

Während oben im Salon gestritten und geschwiegen wird, entwickelt sich unten eine ganz eigene Dynamik. Und genau dort beginnt die eigentliche Suche nach der Wahrheit.

Das Herrenhaus wird so zu einem geschlossenen Kosmos, in dem sich Spannungen verdichten und langsam ihren Weg an die Oberfläche finden.

Stille Nacht – Mystischer Weihnachtskrimi in den schottischen Highlands

In „Stille Nacht – Dunkle Geheimnisse in den Highlands“ wird die Geschichte stiller, vielleicht auch eine Spur geheimnisvoller.

Die junge Polizistin Rowan MacNeill kommt in das abgelegene Dorf Lochmuir, auf der Suche nach einem Neuanfang. Doch die Idylle trügt. Als eine Leiche am Fuß eines alten Baumes gefunden wird, führen die Ermittlungen tief hinein in Legenden, in Erinnerungen und in Fragen, die sich nicht so leicht beantworten lassen.

Der Wald spielt dabei eine besondere Rolle. Er ist nicht nur Schauplatz, sondern wirkt beinahe wie ein eigener Charakter, ruhig, beobachtend, und doch voller Geschichten, die darauf warten, gehört zu werden.

Diese Verbindung aus Wärme und leiser Dunkelheit, fasziniert mich an Weihnachtskrimis immer wieder aufs Neue. Dass sie uns Geborgenheit schenken und zugleich den Blick für das öffnen, was im Verborgenen liegt.

Es sind Geschichten, zu denen wir in der stillsten Zeit des Jahres immer wieder zurückkehren.

Solltest du nun Lust verspüren, selbst ein wenig durch verschneite Dörfer zu streifen, alte Herrenhäuser zu betreten oder den Schatten eines Waldes zu folgen, so findest du alle drei Bücher derzeit als E-Book für 1,99 bei Amazon.

Und wenn du nach der Lektüre eine Rezension hinterlassen möchtest, sei es nur ein kurzer Eindruck, so würde ich mich sehr darüber freuen.

Ich danke dir fürs Lesen, fürs Verweilen – und vielleicht auch fürs Weitertragen dieser kleinen Winterwelten.

Deine Tessa

Skullduggery: Ein skurriles Wort mit Geschichte

Wort des Tages: Skullduggery
klingt wie ein Pirat mit Zahnschmerzen – bedeutet aber viel mehr.

Es ist eines dieser englischen Wörter, das beim ersten Hören eher nach einem schottischen Getränk, einem räudigen Seemann oder einer missglückten Yoga-Position klingt. Dabei ist Skullduggery (auch skulduggery) ein echtes Sprachjuwel – und so herrlich bildhaft.

Was heißt es?
Kurz gesagt: Heimtücke, Trickserei, durchtriebene Machenschaften – alles, was ein bisschen zwielichtig und ein bisschen charmant ist.

Englisch:
Ein Hauch von Ironie, ein Gentleman mit gezücktem Degen, der die Wahrheit ein klein wenig verbiegt.
“A bit of skullduggery in the House of Lords, what?”

Amerikanisch:
Eher politisch, gerne in Krimis, immer mit ernstem Blick.
“There’s been some skullduggery in the mayor’s office.”

Ursprung?
Kommt aus dem Schottischen – natürlich. Ursprünglich bedeutete es so etwas wie „obscenities“ (Anstößiges), entwickelte sich aber im 19. Jahrhundert in den USA zu „underhanded dealing“. Aus dem derben Fluchen wurde also feines Tricksen. Eine echte Karriere.

Warum wir es lieben:
Weil es so klingt, als hätte sich ein viktorianischer Krimi-Autor mit einem Disney-Schurken zusammengetan.

Und im Alltag?
Wenn jemand im Büro heimlich die besten Kekse klaut? Skullduggery.
Wenn dein Kater plötzlich auf der Tastatur liegt und dein Dokument löscht? Skullduggery.
Wenn du dir selbst ein Stück Kuchen weggegessen hast und so tust, als wär’s der Partner gewesen? 100 % Skullduggery.

Also: Heute ruhig ein bisschen skullduggern. Aber stilvoll, bitte.

Die Spukgeschichte der Falls von Glomach

picture @Ewan Roy MacGregor

Eine Spukgeschichte aus den Highlands

Die Highlands sind voller Mythen und Legenden, doch manche Geschichten sind älter als die Zeit selbst. Eine davon erzählt vom Schäfer von Lienassie – und von der Frau, die ihn nie wieder losließ.

Die Falls von Glomach – Ein Ort des Schreckens

Die Falls von Glomach gehören zu den höchsten und abgelegensten Wasserfällen Schottlands. Ihr donnerndes Rauschen hallt durch die Berge, während die steilen Klippen ein Gefühl der Einsamkeit verstärken. Hier, an diesem düsteren Ort, geschah die Geschichte, die man sich in Kintail bis heute nur flüsternd erzählt.

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Die Begegnung mit der Frau und ihren Ziegen

Ein Schäfer aus Lienassie war eines Abends auf dem Rückweg von den Fällen, als er sie sah: eine Frau, die regungslos am Rand der Klippe stand. Ihr Gesicht war blass wie die Gischt des Wasserfalls, ihr Gewand von Wind und Wetter gezeichnet. Doch es waren ihre Augen, die ihn lähmten – tief, schwarz, leer.

Er hielt sie für die Frau, die hier oben die Ziegen hütete. Doch irgendetwas war seltsam an ihr. Der Schäfer wollte fliehen, doch die Frau hob langsam die Hand.

„Geh nach Plockton“, hauchte sie. „Sag ihnen …“

Der Wind riss die Worte fort. Sie gab ihm ein Haus und einen Namen.

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Von Angst getrieben rannte der Schäfer ins Tal. In Plockton angekommen, fand er das Haus, das die Frau ihm genannt hatte. Doch als er die Geschichte erzählte, erblasste der Mann vor ihm.

„Das ist unmöglich“, flüsterte er.

Die Frau, die der Schäfer gesehen hatte, war tot. Sie hatte sich Tage zuvor in die Falls von Glomach gestürzt. Ihr Körper wurde nie gefunden.

Die Flucht über das Meer

Der Schäfer verließ Plockton am nächsten Morgen.

„Ich muss das Meer zwischen mich und sie bringen“, murmelte er. Und so verließ er das Land, um nie wieder zurückzukehren.

Die Spukgestalt der Falls von Glomach

Bis heute erzählen sich Wanderer, dass sie eine Frau am Rand der Klippen gesehen haben. Man sagt, wenn der Wind sich dreht, hört man sie flüstern.

Und wer zu lange zuhört, den nimmt sie mit.

Glen Lichd: Wo Dunkelheit und Legende sich begegnen

Es gibt Orte in den Highlands, die eine Schwere in sich tragen – nicht nur durch die raue Natur oder das unberechenbare Wetter, sondern durch Geschichten, die seit Jahrhunderten in der kalten Luft hängen. Einer dieser Orte ist Glen Lichd, ein Tal, das von massiven Bergen flankiert wird. Es ist dunkel, selbst an den längsten Tagen im Sommer, denn der gewaltige Beinn Fhada und die hinteren Hänge der Fünf Schwestern von Kintail blockieren das Licht. Doch es ist nicht nur die Dunkelheit, die den Menschen Unbehagen bereitet. Es ist die Legende.

Das Verschwinden von Murdoch

Es war ein besonders harter Winter, als eine Gruppe von Jägern sich aufmachte, um in den abgelegenen Wäldern von Glenlicht Hunt Wild zu erlegen. Sie waren erfahrene Männer, bestens ausgerüstet, und unter ihnen war Murdoch, ein geschickter Schütze und ein mutiger Mann. Doch als die Jagd vorbei war und sich alle sammelten, fehlte einer – Murdoch war verschwunden.

Zunächst dachten seine Kameraden, er sei vielleicht umgekehrt oder hätte sich verirrt. Doch Tage vergingen, und von ihm fehlte jede Spur. 15 Tage und Nächte suchte man nach ihm. Seine Familie und Freunde streiften durch das Tal, riefen seinen Namen, durchkämmten jede Felsspalte. Die Kälte wurde gnadenloser, die Hoffnung schwand.

Die unheimliche Entdeckung

Dann, am dritten Tag, wurde er gefunden. Sein Körper lag am Fuße einer Schlucht. Der Schnee um ihn herum war unberührt, als hätte ihn jemand vorsichtig dort abgelegt. Keine Spuren, keine Anzeichen eines Kampfes, keine Erklärung für seinen Tod. Doch die Highlander hatten eine.

Ein dunkler Geist sei in Glen Lichd erwacht, flüsterten sie. Eine uralte Kraft, die ihre Opfer in den Nebel lockte, sie verschluckte und zurückließ, wenn ihre Seelen fort waren. Murdochs Bruder Duncan, ergriffen von der Tragik, verfasste ein Gedicht und ein Lied für seinen toten Bruder. Der berühmte Barde Iain Lom tat es ihm gleich. Bald kannte jeder in Lochaber und Kintail die traurige Melodie, die vom „verlorenen Jäger von Glen Lichd“ erzählte.

Die Jagd nach dem Monster

Jahrzehnte später konnte ein Mann die Geschichte nicht vergessen. Er beschloss, dem Fluch auf den Grund zu gehen. Er war kein abergläubischer Highlander, sondern ein entschlossener Skeptiker – und er hatte einen Plan. Mit zwei Pistolen, geladen mit Silberkugeln, zog er für 15 Nächte in das Tal. Er lagerte an jener Stelle, an der Murdoch gefunden worden war, wartete und beobachtete.

Die Nächte waren lang und eiskalt. Der Wind peitschte durch die Schluchten. Doch nichts geschah.

Der 16. Tag

Dann kam der 16. Tag.

Der Mann kehrte zurück – aber er war nicht mehr derselbe. Er sprach nicht über das, was er gesehen hatte. Er erzählte niemandem, was in jener Nacht passiert war. Doch seine Augen waren verändert, sein Blick unstet. „Ich habe ihn vertrieben“, murmelte er nur. Mehr sagte er nie.

Doch die Highlander glauben nicht, dass das Tal wirklich befreit wurde. Noch immer vermeiden es die Einheimischen, nach Einbruch der Dunkelheit in Glen Lichd zu gehen. Der Wind trägt manchmal eine unheimliche Stille mit sich, als hielte das Tal den Atem an. Und hin und wieder – wenn der Nebel schwer auf den Berghängen liegt – erzählen sich die Alten, dass dort immer noch etwas lauert.