Der Mörder in mir

Es ist schon eine Weile her, dass ich die Idee hatte, einen Krimi zu schreiben. Gehört unter Journalisten inzwischen fast schon zum guten Ton. Außerdem hab ich schon so viel über mein Leben und die Geschichte Schottlands geschrieben, es war Zeit für was Neues, Zeit für Fiktion.

Natürlich sollte es ein Schottland Krimi sein, ich habe eines Tages einfach angefangen und losgeschrieben. Die Angst for dem Anfang, vor einer leeren Seite, hatte ich noch nie. Doch diese war eine andere Art des Schreibens, die mich natürlich sofort zu der Frage brachte – was für ein Typ Krimiautor bin ich eigentlich? Einer, der lange und wohüberlegt ein komplexes Plot entwickelt und strukturiert Passagen entwirft? Oder einer, der sich treiben lässt von Ideen und Charakteren seiner Geschichte? Thomas Mann hätte es den dionysischen und den appolonischen Ansatz genannt.

Welche Sorte Krimiautor bin ich?

Ich stelle fest, ich bin beides. Was die sortierte Herangehensweise und die Arbeitsdisziplin anbelangt, bin ich definitiv appolonisch, man könnte auch sagen sehr deutsch. Ich stehe auf, mache Sport und schreibe mit Disziplinfür ein paar Stunden. Da ich noch berufstätig bin, eben an den Wochenenden. Aber beim Schreiben selbst hört die Ordnung auf und zu meiner eigenen Überraschung übernehmen die Figuren im Buch das Kommando. Der Krimi schreib sich ganz von selbst und ich schaute nicht nur gebannt zu, ich dokumentierte, was ich sah.

Ich hatte den Anfang gemacht, der Mord, der Mörder, alles war klar und das Buch auf einem guten Weg. Dann schoben sich andere Projekte in den Vordergrund und ich legte den Krimi erst mal auf Eis.

Was braucht man, um einen Krimi zu schreiben?

Und dann ging ich es richtig an: Ich entwarf ein crime board an meiner Schreibüttenwand, klebte bunte Post-its drauf, hing eine Landkarte auf, wo ich Tatort und Fundort der Leiche markierte. Jetzt tauchte ich tief ein in die Mordgeschichte. Meine Schreibhütte mit dem traumhaften Blick auf Meer ud Berge der schottischen Highlands gab mit die Abgeschiedenheit und Ruhe, die ich für den Prozess brauchte und gleichzeitig die Inspiration für das Setting der Handlung.

Nun begann ich ernsthaft zu schreiben und wenige Kapitel später wurde mir klar: Das Motiv meines Möders überzeugte mich nicht wirklich und eigentlich fand ich ihn viel zu sympathisch, um ihn zu einem Killer zu machen. Und nun? Ich musste umschreiben.

Wenn der Krimi ein Eigenleben entwickelt

Ich machte einen anderen meiner Charaktere zum Mörder. Doch damit änderte sich auch die Mordwaffe, denn die ist etwas sehr persönliches. Und damit war klar, ich musste noch einmal komplett durch die bisherigen Kapitel und umschreiben, denn wenn sich die Todesursache ändert, ändert sich so Vieles ebenfalls: Erkenntnisse des Pathologen, Entsorgung der Waffe, Verfügbarkeit der Waffe, Zeugen, Verdächtige …

Nun floss die Geschichte förmlich aus mir heraus. In dem Moment, in dem ich mich an dem Schreibtisch setzte und den Laptop aufklappte, lebten meine Protagonisten und ich schrieb auf, was sie dachten und durchmachten. Ich war mittendrin.

Demnächst: Der Tatort

Schottland für stille Stunden

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Schottland ist ein Land voller Geschichte, Geschichten und Geheimnisse. Oft sind die drei nicht exakt voneinander zu trennen. Das macht dieses Land so wunderbar und einzigartig. Diese Geschichten wurden für den WordPress Blog Graveyards of Scotland über viele Jahre zusammengetragen, ausgegraben und entdeckt. Quellen waren meist historische Reiseführer aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Funde oft schaurig, schön, lustige oder grausam. Eine ungewöhnliche Annäherung an die Geschichte eines Landes, die erstaunliche Ergebnisse hervorbrachte. Man muss aber die Leidenschaft der Autorin für Friedhöfe nicht teilen, um diese Buch genießen zu können. Die meisten Geschichten spielen ja nicht auf einem Friedhof, sie enden lediglich da.

Der Feenhügel in Inverness, ein Salpetermord auf Shetland, eine Familie von Linkshändern, Wölfe gestern und heute, Robert the Bruce und William Wallace einmal ganz anders, die geheime Bucht des Schriftstellers Gavin Maxwell, ein mordender Dichter und alles, was Schottland außer Whisky, Schafe und Tartan noch ausmacht. Schottland für Experten, nicht für Anfänger.

Machen sie es sich in ihrem Lieblingslesesessel gemütlich und genießen sie Schottland für stille Stunden.

Zitate

Das Meer ist ein gefährlicher Freund, eine verlockende Schönheit und ein brutaler Mörder zugleich. Selbst an ruhigen Tagen sind hier Menschen in den Gewässern rund um die Inseln ertrunken. Wenn die Herbststürme einsetzten, hatten die gewaltigen Wellen in der Vergangenheit oft ein tödliches Fest. Auf Shetland spülte am Sumburgh Head, wo der Atlantik auf die Nordsee trifft, so mancher Körper an Land.

Als William Soutar klar wurde, dass die Krankheit nicht nur sein Leben begleiten, sondern es sogar beenden würde, soll er einen Moment innegehalten haben. Dies war der Moment der Erkenntnis: Nun konnte, nun musste er Dichter werden. Er wurde einer der besten seines Landes.

Anders die Abendstimmung, blaue Stunde und eine ähnlich milde Stimmung wie am Morgen aber viel dramatischer, wenn die Nacht hereinbricht und die letzten Sonnenstrahlen noch ein paar Sekunden über den Wolken verweilen, bevor der Tag zu Ende geht. Das Blau scheint direkt vom Meer zu kommen, mit einem schwachen Duft nach Sommertag wie die Erinnerung gelebter Stunden.

Zeitreise ohne Steinkreis

Fort George ist wieder einmal Gastgeber der Celebration of the Centuries. Von Samstag, 13. August 2022 bis Sonntag, 14. August 2022 werden Reenactors die mächtige Festung mit einer lebendigen Zeitleiste, die über zweitausend Jahre schottische Geschichte darstellt, zum Leben erwecken.

So die offizielle Ankündigung von Historic Scotland. Mehr Infos gibt es hier.

Aber wie fühlt sich das an? Diese schottische Zeitreise ganz ohne Steinkreis?

Celebration of the Centuries, Fort George (82)

von schottischen Schlachten und anderen schrägen Wochenendveranstaltungen

Sonntag war Zeitreisetag. Der Mann und ich sind früh aufgestanden und nach Norden gefahren, um in die Welt der Pikten, Kelten und Römer einzutauchen, um Mittelalter zu erleben und uns den Ersten und Zweiten Weltkrieg anzusehen. Alles hinter 12 Meter hohen Sandsteinmauern.

Celebration of the Centuries, Fort George (59)

Fort George, ein paar Meilen außerhalb von Inverness, der Hauptstadt der Highlands, gleich neben dem Flughafen. Eine Befestigungsanlage aus dem 18. Jahrhundert, gebaut von den Engländern um das aufrührerische Schottland nach dem gescheiterten jakobitischen Aufstand von 1745 zu befrieden.

Die Anlage dient heute noch als Garnison und beherbergt die Soldaten der sogenannten Black Watch, das 3. Bataillon des Royal Regiment of Scotland. Eine alte und hochdekorierte Einheit. Sie sind so was wie die Superstars der schottischen Militärgeschichte. Allerdings geht auch ihre Zeit in Fort George zu Ende.

Celebration of the Centuries, Fort George (12)

Am Wochenende war hier alles anders: Celebration of the Centuries. Für die Freunde längst vergangener Tage. Ein geschauspielerter Einblick in diverse Volksgruppen und Jahrhunderte – ein wenig wie Braveheart trifft die Ritter der Tafelrunde bevor der mit Indiana Jones dann Zurück in die Zukunft fliegt.

Sie waren alle da, die Schotten, die bei der Schlacht von Bannockburn 1314 einen ihrer wichtigsten Siege über die Engländer feierten.

Die Römer, die Britannien besetzten aber im Norden nach Schottland hin eine Mauer bauen mussten, um vor den wilden Pikten Ruhe zu haben.

Celebration of the Centuries, Fort George (18)

Die wiederum saßen friedlich und blau tätowiert am Feuer.

Celebration of the Centuries, Fort George (120)

Mittelalterliche Ritter pflegten Schwerter und Schilde. Die Frauen bereiteten die traditionellen Bannocks auf offenem Feuer zu.

Und die Soldaten hatte Weltkrieg.

Wir hatten nach drei Stunden und insgesamt 1500 Jahren Geschichte genug gesehen und gingen mit ein paar mittelalterlichen Bauern, einem Pestarzt und Soldaten mit Hellebarden dem Ausgang entgegen.

Celebration of the Centuries, Fort George (2)

Im Auto hab ich sicherheitshalber mal das Smartphone angemacht und den Kalender geprüft. Nur um ganz sicher zu sein, daß wir auch im richtigen Jahrhundert nach Hause fahren.

 

Die Linkshänderfamilie

Der Teviot ist ein deutlich kleinerer Fluss als der mächtige Tweed, der über Jahrhunderte die Grenze markierte. Über ihm ragen die Cheviot Hills auf. Wie auch der Fluss ist das Tal enger als der Tweed und etwas wilder: Teviotdale (Dale ist im Süden Schottlands und im Norden Englands der oft verwendete Name für Tal.). In den Highlands ist das das Wort Glen.

Die Ruine von Cessford Castle ragt zwischen Jedburgh und Kelso über dem Wasser auf. Die Burg stammt aus dem 15. Jahrhundert, erbaut von der Familie Ker (manchmal auch Kerr), deren Clanoberhaupt der Duke of Roxburghe ist. Ab dem 18. Jahrhundert residierte der dann im sehr beeindruckenden Floors Castle, etwas 7 Meilen nördlich der Ruine. Ein weiterer aber weniger glanzvoller Familiensitz war Ferniehurst Castle.

Die Kerrs waren eine außergewöhnliche Familie, denn sie waren fast ausschließlich alle Linkshänder. Das war so auffällig, dass es sprichwörtlich wurde. Wenn man also jemanden als kerry-pawed (oder carry-pawed) bezeichnet, dann meint man, er ist Linkshänder. Wahrscheinlich bedeutete der Nachname das bereits, er stammt aus dem Gälischen, wo  cearragach (sprich: kiarragach) linkshändig bedeutet.

Angeblich wurden die Treppen der Wehrtürme der Burgen der Kers entgegen dem Uhrzeigersinn statt im Uhrzeigersinn nach oben drehend gebaut, damit die Linkshänder, die ihr Schwert dann natürlich rechts trugen, beim hinauflaufen nicht behindert wurden.

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Familienbesuch – Take 3

Heute nun der dritte und letzte Teil der Familiensaga zum Besuch. Nachdem wir die Frage geklärt hatten, wann ein Frühstück ein Frühstück ist und was genau in einem schottischen Kühlschrank Standard ist, klären wir hier die Frage Home oder Away.

Take Away oder Home Cooking?

Ich zeige dem Mann die Speisekarte des Café Sia. „Schau doch mal, das ist unsere Lösung. Hier ist für jeden was drauf. Es gibt auch Pizza mit Würstchen.“

Er ist nicht überzeugt und auch wenn seine Familie umgekehrt so gut wie nie was kocht, wenn Besuch kommt, er hätte es wohl gerne gesehen, wenn wir unseren Gästen home cooking geboten hätten. Take Away ist in Glasgow eher Standard als die Ausnahme. Das ist in Deutschland sicherlich anders. Aber so richtig klar sagt er auch nicht, was er will,

Ich beschließe, taktisch klug zu agieren in diesem potenziellen deutsch-schottischen Mienenfeld.

„Lass es uns doch heute Abend mal testen. Hast du Lust? Wir fahren einfach hin und schauen, ob sie das mit der Pizza nach machen. Sie bieten ja auch noch andere Sachen an, da laufen wir keine Gefahr, an zwei Abenden hintereinander das Gleiche zu essen.“

Er brummt etwas Unverständliches und schickt sich in sein Schicksal.

Am Abend fahren wir auf die Isle of Skye. Telefonisch haben wir zwei Pizzen für 18 Uhr bestellt. Mit zwei göttlich duftenden Kartons kommt er zurück ins Auto und überbringt die schlechte Nachricht.

Take away machen sie eigentlich nicht mehr, auch wenn es noch auf der Webseite steht. Und die Preise sind happig, die zwei Pizzen haben £ 25 gekostet.“ erklärt er, während er sich mit den Kartons auf dem Beifahrersitz niederlässt.

Pizza vegetarisch Café Sia, Broadford, Isle of Skye

Pizzaduft füllt das Auto, durch das Fenster kommt die salzige Luft vom Meer. Die Möwen beobachten uns aufmerksam von oben, während sich die Sonne langsam anschickt unterzugehen.

„Lass uns ein paar Meter fahren“, schlage ich vor. Der Pizzamann auf dem Beifahrertisch nickt.

Mi einem Blick auf die Sonne steuere ich direkt Carr Brae an, der allerbeste Ort auf der Welt, um eine Pizza aus dem Karton zu essen. Oder habt ihr einen besseren?

Sonnenuntergang Eilean Donan Castle

Noch am selben Abend habe ich vier Lachsfilets aus der Gefriertruhe genommen und sie am nächsten Tag mit Reis und wahlweise Gemüse im Garten unter der Pergola serviert.

Und was sagt der Cousin des Mannes?

„Ich dachte, es gibt Würstchen!“

Familienbesuch – Take 2

Wir bekommen Besuch. Eigentlich keine besondere Sache, aber in Corona Zeiten wirklich nicht einfach und schon gar nicht, wenn der Mann mitmischt.

Wir freuen uns, denn sein Cousin samt Frau haben sich angekündigt, beides Biker, die Männer schon seit der Kindheit eng miteinander verbunden und auch wir Frauen verstehen uns gut. Wir organisieren also ein Treffen? Äh, ja…. alles nicht so einfach, wie ihr bei der Frage des Frühstücks in Teil 1 sicher bemerkt habt.

schottischer Kühlschrank Standard

Zwei Tag vor dem geplanten Besuch frage ich vorsichtig nach, wie er sich das mit den Würstchen so gedacht hat. Er sagt, er macht Bacon, Eggs and Sausages. Zu seinen Würstchen haben sich gedanklich also Eier und Speck gesellt. So etwas hatte ich fast vermutet. Eben doch ein Frühstück.

„Und wo sind der Speck, die Brötchen und alles andere, was man dazu braucht? Gehst du einkaufen?“ frage ich.

Er schaut verwirrt. Er hatte wohl angenommen, dass auf eine magische Art einfach alles so in der Küche erscheint, weil es sich ja um nichts großes, sondern nur um Eier, Würstchen und Speck handelt. Schottischer Kühlschrankstandard quasi. Eier, Würstchen und Speck stehen aber nicht auf meinem Essensplan und sind im germanischen Kühlschrank absolut verzichtbar. Ich stelle fest, dass wir ein Planungsproblem haben.

Gluten, Laktose, Cholesterin

Ich komme wohl um das Kochen nicht drumrum, denke ich. Ich arbeite gerade viel und Vollzeit von Schottland aus und habe unter der Woche definitiv keine Zeit einkaufen zu fahren. Frühestens Samstag aber da kommen sie ja schon um 12 Uhr und zum Supermarkt sind es im Sommer knapp zwei Stunden Fahrt. Im Winter ohne Touristen schafft man es in 90 Minuten. Jetzt im Herbst sind wir irgendwo dazwischen. Dennoch. Ich müsste um 6 Uhr losfahren, wenn ich um 12 Uhr gekocht haben will…

„Wie ist das noch mal mit ihrer Diät?“ erkundige ich mich beim Mann.

Er startet eine neue Konversation auf WhatsApp. Dann berichtet er.

„Also, er isst alles, außer Salat und Gemüse. Sie isst Salat und Gemüse, außerdem gluten- und laktosefrei. Beide essen Fleisch nur extrem durchgebraten.“ Der Mann nickt zufrieden. Alles ganz simpel.


In meinem Kopf stehen ganz viele Fragezeichen, denn ich muss diese zwei Diäten mit der des Mannes und mit meiner kombinieren. Wegen der Magenprobleme bin ich weg von scharf und fettig, aus ideologischen Gründen weitgehend weg vom Fleisch, ich esse mit Vorliebe italienisch. Der der Mann mag keine Pasta.


Die nächste Nacht kann ich nicht schlafen, weil mein Kopf verzweifelt versucht zu ergründen, was ich kochen kann für vier Personen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, ohne gleich vier verschiedene Mahlzeiten zubereiten zu müssen, zumal man die ja auch noch draußen im Regen servieren muss. Ein Rätsel, das mir Nerven und Schlaf raubt.

Am nächsten Morgen bin ich schlecht gelaunt und beschließe, wir besorgen Essen. Das Café Sia auf der Isle of Skye macht auch glutenfreie Pizza. Inzwischen haben die nicht nur das Restaurant, sondern auch noch einen Imbiss übernommen. Da kann man Pizza holen. Einen Tisch bestellen können wir ja nicht, weil Cousin und Frau wegen Corona nicht in andere Häuser gehen. Ich habe die Lösung, Pizza essen alle. Heureka!

Nächstes Mal: Warum ist es am heimischen Herd so schön und der schottische Pizzamann.

Grüße zur Wochenmitte

©nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands 2022 Winterblick

Am Wochenende hat es hier in den Highlands ziemlich gewütet und ein Sturm folgte auf den nächsten. Tagsüber war mal kurz Zeit zum Luft holen. Wie ich diese Momente genieße. Einfach mal Stille, Natur und Raum, die Gedanken schweifen zu lassen. Ich bin gespannt, wie es diese Woche hier aussieht und ob bald der Schnee kommt, der sonst den Januar so schön macht. Statt dessen tauchen hier schon die ersten Frühlingsblumen auf.

©nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands 2022
Frühlingsgrüße

Es lebt sich am Meer einfach so viel enger mit der Natur, als man das von zu Hause und den Städten kennt.

Jeder Tag ist anders. Selbst wenn man auf dieselbe Szenerie schaut. Die Sonne, die Wolken, das Wasser, die Berge, Schnee oder kein Schnee, Regen oder trocken. Ich freue mich über alles und über die Abwechslung.

©nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands 2022
Schreibhüttenblick

Ich hoffe ihr hattet alle ein wunderbares Wochenende und seid entspannt in der Mitte der neuen Arbeitswoche angekommen

Familienbesuch – Take 1

Wir bekommen Besuch. Eigentlich keine besondere Sache, aber in Corona Zeiten wirklich nicht einfach und schon gar nicht, wenn der Mann mitmischt.

Wir freuen uns, denn sein Cousin samt Frau haben sich angekündigt, beides Biker, die Männer schon seit der Kindheit eng miteinander verbunden und auch wir Frauen verstehen uns gut. Wir organisieren also ein Treffen? Äh, ja….

Es ist der Sommer 2021. Allein schon die Wahl des richtigen Wochenende ist schwierig, obwohl ich noch einen ganzen Monat habe, bevor ich mich wieder nach Deutschland verabschiede. Am ersten Wochenende bekommen sie Holz für den Ofen, am zweiten haben sie Hochzeitstag und am dritten regnet es in Strömen. Nun also, an meinem letzten Wochenende in Schottland, klappt es endlich. Allerdings regnet es auch an diesem Wochenende. Ist aber ja auch nichts Neues hier in den Highlands. Das Problem mit dem Regen ist nur, wir treffen uns draußen und nicht drinnen, weil sie wegen diverser Krankheiten nicht gegen Corona geimpft werden kann. Um die Sicherheit für alle zu gewährleisten, müssen wir Abstand waren und uns draußen treffen.

Wie machen wir das mit der Toilette, frage ich mich. Ich frage mich noch 1000 andere Sachen und versuche alle zu lösen, während der Mann das alles fröhlich vor sich hin ignoriert. Wird schon irgendwie…. denkt der Schotte und entspannt. Aber was, wenn…. denkt die Deutsche und hadert. Ich mache also die ersten Pläne. Was kochen wir, wie kochen wir, wo sitzen wir. Klingt leichter als es ist.

Grillen und al fresco dining in Schottland

In der leisen Hoffnung, dass der Mann sich an der Organisation irgendwie mit beteiligt, frage ich: „Wie wäre es mit BBQ?“ Schließlich übernehmen andere Männer im Sommer auch das Kochen im Freien. Es ist August also kalendarisch durchaus Sommer.

„Haben wir nicht noch eines dieser fertigen BBQs in der Scheune? Die, die man als Ganzes im Supermarkt kaufen kann, mit Kohle und allem?“

Ich hatte ihm ja mal einen ziemlich coolen amerikanischen Smoker gekauft, aber der ist unbenutzt vor sich hingerostet, weil der Mann in seiner schottischen Panik vor rohem Fleisch Smoker zwar toll findet, sie aber nie selbst benutzen würde. Ich streiche den Gedanken an BBQ, zumal das auch eine andere Problematik hat.

Wir haben eine Sitzecke im Garten, die ist aber direkt neben dem Öltank.

„Wollen wir da nicht woanders sitzen, wenn wir ein Feuer machen wollen“, frage ich.

„Wir können nicht woanders sitzen, weil wir die Pergola da aufgestellt haben wir brauchen die Pergola, weil es regnen wird“, sagt der Mann.

„Können wir nicht die Pergola mal woanders aufstellen?“ will ich wissen.

Der Mann meint nein, weil es keinen anderen Fleck gibt, der großflächig eben wäre und weil die Pergola umständlich zu transportieren ist.

„Dann stellen wir die Pergola auf den Strand. Das wird super mit dem Blick auf die Berge und dem Rauschen der Wellen.“

Der Mann sieht mich an als hätte ich ihm vorgeschlagen, in der Hudson Bay eine Beach Party zu veranstalten.

Okay! Also aus Sicherheits- und Positionsgründen kein BBQ. Schade eigentlich!

Die schottische Definition von Frühstück

Also beschließe ich, zu kochen, aber was nur? Und vor allem wann?

„Kannst du mal nachfragen, wann sie kommen wollen: zum Frühstück, Mittagessen oder Abendessen?“

Der Mann beginnt eine WhatsApp-Konversation mit seinem Cousin, weil ich wissen will, wann sie kommen, morgens mittags oder abends. Das könnte ja Einfluss auf das Essen haben. Bei dem Mann hat sich aber das Grillen von Würstchen im Kopf festgesetzt und er denkt über schottisches Frühstück nach. Dabei spielt die Uhrzeit keine Rolle, denn offensichtlich kann man Frühstück zu jeder Tageszeit machen. Das wäre bei uns dann eher Brunch und schon in der Mitte des Tages, aber mit etwas Mühe kann ich mich da auch reindenken. Die Definition, ob es sich bei den Würstchen um Frühstück handelt oder nicht, ist noch aus einem anderen Grund wichtig: Frühstück macht der Mann, den er ist viel besser im Wurstwaren und Speck braten als ich.

„Also machst du Frühstück?“ frage ich.

„Nein“, sagt er.“Ich brate doch nur Würstchen.“

Den Gedankengang verstehe ich nicht ganz, aber ich nehme das mal so hin

„Sie kommen um zwölf?“

Der Mann nickt. Gut. Das wäre geklärt. Ich kann mich entspannen und das Kochen den Mann überlassen.

Nächstes Mal: Wie vermeintliche Grundnahrungsmittel in schottische Kühlschränke gelangen – oder eben auch nicht!

Der Stein von Picardy

Der Stein von Picardy markiert eine Grabstätte. Wer der Verstorbene war, wird für immer unbekannt bleiben. Er oder sie wurde vor etwa 1.500 Jahren im ländlichen Aberdeenshire beigesetzt. Es gibt nichts Spektakuläres hier aber dennoch ist der Ort in vielerlei Hinsicht bemerkenswert.

Stehende Steine ​​markieren selten Grabstellen. Die meisten von ihnen wurden im Laufe der Geschichte an einen anderen Ort gebracht oder in ein Museum gegeben. Einige wurden in der Vergangenheit sogar als Baumaterialien verwendet. Der Picardy Symbol Stein ist anders und besonders.

Es ist immer noch dort, wo er einst aufgestellt wurde.  Unter ihm wurde eine kleine Grabstelle gefunden. Die Doppelscheiben- und Z-Schnitzerei und die Schlange sind wahrscheinlich Indikatoren dafür, wer vor so langer Zeit hier begraben wurde. Leider bleibt das, was die Symbole bedeuten, ein Rätsel. Sie dokumentieren dennoch eine lebendige und außergewöhnliche Kultur eines Volkes, das aufgrund des Mangels an schriftlichen Aufzeichnungen oder mündlicher Überlieferung schwer fassbar geblieben ist.

Die Pikten waren weder eine rückständige noch eine primitive Kultur, sondern eine, die mit den gälisch-sprachigen Bewohnern des frühen Schottlands verschmolz und dabei nur wenige Identitätsmerkmale behalten hat.

Wen der Stein von Picardy nur sprechen könnte!

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Weiterlesen

for those quiet moments on Sunday afternoons

©nme promo pic Scotland for Quiet Moments
Scotland for Quiet Moments is available as ebook and paperback on Amazon.

Scotland is a country full of history, stories and secrets. Often, the three cannot be separated. That is what makes this country so wonderful and unique. The stories of this book have been discovered and gathered for Nellie Merthe Erkenbach’s blog, Graveyards of Scotland, over many years. 

Her main sources were historical travel guides from the 18th and 19th centuries, where the finds were scary, beautiful, funny, and sometimes, cruel.This unusual approach to a country’s history has produced amazing results. You don’t have to share the author’s passion for cemeteries to enjoy this book; only a small number of the stories in this collection take place in graveyards, though they do all end in them, so perhaps it helps.

The fairy hill in Inverness, a nitrate murder on Shetland, a family of left-handers, wolves, Robert the Bruce and William Wallace shown in a new light, the secret bay of the writer Gavin Maxwell, a murdering poet and so many things you didn’t know about Scotland, its clans and its history.

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Im deutsch-schottischen Medikations-Limbo

Teil 2

Im ersten Teil habe ich euch berichtet, wie unterschiedlich die Behandlungen in schottischen und deutschen Notaufnahmen bei Gallenkoliken war. Nun aber stand die Entfernung der Gallenblase an und auch da lagen Welten zwischen der deutschen und der schottischen Herangehensweise.

Ein paar Tage später bin ich dann wieder im Krankenhaus. Diesmal für die OP. Danach geht es mir wie immer schlecht. Die OP ist gut verlaufen, aber mir ist sowas von schlecht. Ich frage die Schwester, ob sie mir Antihistamine geben kann. Die hatte ich in Schottland bekommen und die hatten geholfen.

verschreibungspflichtige Medikamente in Schottland

Damit kann die Krankenschwester aber nichts anfangen. Es ist nachts und kein Arzt wach im Krankenhaus. Der Mann whatsappt seiner vor Übelkeit fast verzweifelnden Deutschen ein Foto von ihrem schottischen Medikament, das man in schwächerer Form dort auch bei ALDI kaufen kann. Das zeige ich dann der Schwester.

Sie will helfen, geht raus, fünf Minuten später kommt sie zurück mit Rüge im Blick.

„Dieses Medikament verabreichen wir nur sterbenden Kindern und außerdem haben wir sowas gar nicht da. Haben Sie vielleicht jemand, der morgen für sie in die Apotheke gehen und welches besorgen kann?“

Ich liege als Privatpatientin im Krankenhaus und soll jemanden organisieren, der mir meine Medikamente aus der Apotheke besorgt???

Im Laufe der Nacht bekommen sie die Übelkeit aber auch mit den im Krankenhaus vorhandenen Medikamenten in den Griff.

schottische Medikation und deutsche Standards

Ganz offensichtlich haben beide Länder nicht nur zwei grundsätzlich unterschiedliche Gesundheitssysteme, auch die Medikation ist gänzlich anders. Wahrscheinlich ist das auch eine Frage der Pharmaindustrie im jeweiligen Land. Keine Ahnung, ich bin keine Expertin. Ich bin im deutsch-schottischen Medikations-Limbo.

In Schottland bekomme ich Medizin, die man in Deutschland nur in der Palliativmedizin verwendet.

In Deutschland bekomme ich Medikamente, die in Schottland verboten sind und soll mir andere ins Krankenhaus bringen lassen. Ich bin im deutsch-schottischen Medikations-Limbo.

Schräg, oder?

Wenn ich nach er OP nicht meine Bauchmuskeln schonen müsste, ich würde Limbo tanzen bis zum Abwinken – großes hippokratisches Ehrenwort!