Schottlandreise während Corona – Finde einen Flug

Um nach Schottland zu kommen, bucht man einen Flug. So war das zumindest vor der Corona-Krise. Nun aber ist das mit dem Flug buchen nicht so einfach, es gibt nämlich keine.

Frankfurt – Glasgow? Fehlanzeige.

Stuttgart – Edinburgh? Keine Flüge

Und so geht es weiter und weiter.

Die Verbindungen haben sich im Laufe der Jahre immer geändert und ich bin schon so ziemlich alle Verbindungen zwischen Süddeutschland und Schottland geflogen. Frankfurt – Glasgow war bisher der einzig sinnvolle Direktflug gewesen. Der ist nun nicht mehr da.

Und die Flüge mit einer Zwischenlandung kosten zwischen 1300,- und 1600,- €. Nur der Hinflug!

Ich entscheide mich schließlich für KLM und den Flug von Amsterdam nach Inverness, setze einen Google Alert und beschließe noch nicht zu buchen. Er kostet 163,- €, was mir leicht überteuert scheint, aber vielleicht wird er ja noch billiger.

Der Flug ist deshalb praktisch, weil der Mann mich von Inverness abholen kann und ob ich nun nach Frankfurt an den Flughafen fahre oder nach Amsterdam macht auch nicht einen so großen Unterschied, denke ich. Es sind halt ein paar Stunden mehr Anfahrt.

Denkste!

Am nächsten Morgen stehe ich früh auf und schnüre die Laufschuhe für eine kleine Einheit im Wald. Ich stelle das Telefon an und will gerade aus der Tür, als es pingt, eine Mail von Google.

Der Preis ihres Fluges ist gestiegen. Der Flug kostet nun 571,- €.

AAAhhhhhh!

Ich setze mich um kurz nach 6 Uhr in der Früh in Laufklamotten ans Macbook und buche sofort den Flug von Amsterdam nach Inverness zwei Tage später, da hat er noch den niedrigen Preis.

Und dann, denke ich mit einem Lächeln, buche ich einfach einen Mietwagen und lasse den in Schiphol. Das sind zwar 6 Stunden Fahrt bis zum Flughafen aber der Flug ist ja erst am Abend. Mit ein bisschen Glück kann ich den Mietwagen morgens holen und am Nachmittag in den Niederlanden abgeben.

Schwarzwald Weg

Zufrieden mache ich mich auf in den Wald. Ich Ahnungslose!

Morgen: Ein Königreich für ein Auto

Die Würde des Menschen ist unantastbar!

Ich hasse den Flughafen in Frankfurt/Main, hasse ihn aus ganzem Herzen. Die Anfahrt ist jedes Mal mit Stau verbunden, das Parken entweder mit einem Vermögen oder einer Shuttle-Odyssee von wer weiß wo in Hessen und Security macht mich mit großer Zuverlässigkeit so aggressiv, ich möchte Amok laufen gegen die Herdenhaltung von Passagieren und dem damit einhergehenden Verlust der Würde und Selbstbestimmung.

Es hat ja noch verhältnismäßig lustig angefangen. Der Mann und ich waren in meinem Auto unterwegs nach Frankfurt, dort haben wir den Check-In beim Shuttle-Unternehmen schnell gefunden und auch die Parkanleitung (mit Code für das Rolltor) problemlos gemeistert. Der Busfahrer, der uns zum Terminal 1 brachte, war gut gelaunt und plauderte wild auf den Mann los. Der kann zwar seit er Duolingo macht sogar etwas Deutsch sprechen aber mit seinem Paradesatz „Ich habe fünf Hunde und elf Katzen“ kommt er nicht weit. Ich erkläre also dem Busfahrer, dass der Mann kein Deutsch spricht.

Flughafen-Shuttle Schild

„Was ist er denn?“ fragt er vom Fahrersitz herüber.

„Schotte.“ sage ich.

„Dann spricht er also Englisch.“ stellt der Busfahrer mit Überzeugung fest.

„Naja,“ sage ich. „So eine Art.“

Worauf der Mitreisende im Bus zu kichern beginnt.

Am Terminal 1 angekommen ist aber Schluss mit lustig. Der Mann muss seinen Koffer einchecken. Wir fliegen Lufthansa und das heißt ab an den Automaten. Ich hasse diese Dinger, weil sie nie funktionieren. Und na klar – er funktioniert nicht. Das gelangweilt rumstehende Servicepersonal der Lufthansa hat im Laufe der Karriere das Ignorieren von hilflosen Fluggästen an einem ihrer Automaten perfektioniert und schlendert beiläufig hin und her. Alle vier!

Gepäcktrolleys am Flughafen Glasgow

„Entschuldigung. Wäre einer von Ihnen mal so freundlich, zu helfen?“ sage ich im Kommandoton. Einer zuckt mit den Schultern und schlurft zum Mann hin. Er murmelt ein paar sinnlose Ratschläge und besteht darauf, dass er den Automaten nicht berühren darf. Das sind die Regeln, meint er mit einem Gesichtsausdruck, der keinen Widerspruch duldet. Ich bin kurz versucht ihm verständlich zu machen, was ich von seinen Regeln halte, ziehe es aber dann doch vor an den Schalter mit dem echten Personal zu gehen, zu dem man nur gelangt, wenn man vorher am Automaten ein paar Nerven gelassen hat.

Nachdem der Koffer endlich weg ist, kommt die Sicherheitskontrolle. Man treibt uns durch endlose Sinnlosschleifen von Absperrband Richtung nächstem Automaten. In Schottland treiben sie so die Schafe zum Desinfizieren. Ich bin völlig Laus frei und schon ziemlich genervt. Natürlich funktioniert auch dieser Automat nicht, mit dem die Bordkarte gescannt wird und ich werde in eine andere Schlange getrieben. Irgendwann sind der Mann und ich dann da, wo das Handgepäck geprüft wird und man alles wieder auspacken muss. Hinter mir drängeln die deutschen Urlauber mit ihren eingetüteten Flüssigkeiten unter 50 ml. Vor mir sortiert sich ein englisches Paar. Der Mann kämpft in der Schlange neben mir. „Ich bin so genervt, ich möchte mich lauthals auf Artikel eins des deutschen Grundgesetzes berufen und Die Würde des Menschen ist unantastbar! schreiend durch die Security Zone brechen,“ murmle ich dem Mann zu.

„Keine gute Idee meint er und schaut nach vorne.“ Mein Blick fällt auf die drei schwer bewaffneten Polizisten, die am anderen Ende des Raumes stehen, mit Gewehr und schusssicheren Westen.

„Ich wäre wohl nicht erfolgreich aber einen Aufstand könnte ich schon machen,“ sage ich. Schließlich bin ich Journalistin.

„Das ist bei uns nicht unbedingt ein Nachweis der Integrität,“ meint der Mann mit leichtem Sarkasmus im Unterton. Er ist kein Freund der BBC.

Ich schreite durch den Bodyscanner, stelle meine Füße brav in die vorgeschriebenen Fußspuren und halte meine Arme genauso, wie sie es wollen und sammle die Einzelteile meines Gepäcks wieder ein. Da tritt die Engländerin auf mich zu, die vorhin in der Schlange vor mir war.

„I‘m sorry. I just wanted to say thank you for what you do.“

Ich schaue sie verständnislos an. Wofür bedankt sie sich bei mir? Was tue ich denn?

„Ich meine es ernst,“ sagt sie und nickt. „Danke, dass sie in diesen dunklen Zeiten Journalistin sind.“

Frankfurt Flughafen

Sie meinte natürlich die schwierige politische Situation rund um den unsäglichen Brexit und weniger die Behandlung, die einem an großen Flughäfen wie Frankfurt zu Teil wird. Ich sah der Frau nach, wie sie mit ihrem Mann im Gewühl der Menschen auf dem Weg nach irgendwo verschwand.

Sie hatte mir soeben meine Würde wiedergegeben.

PS: Der Mann weist mich gerade darauf hin, dass er sagen kann „Ich habe elf Katzen und fünf Hunde“ und nicht „Ich habe fünf Hunde und elf Katzen“. Ordnung muss sein. 😂