Die magische Zahl vierzig in Schottland

Ein Blogpost über schottische Eigenheiten, Zahlenmystik und Schwiegereltern mit Vorlauf

Wenn die Schafe flüstern – und die Zahlen sprechen

Man sagt ja, jede Region habe ihre Eigenheiten. In den Highlands zum Beispiel reden die Schafe mit dem Wind, und die Einheimischen antworten mit einem Nicken, das je nach Winkel ganz verschiedene Dinge bedeuten kann.
Aber nichts – wirklich nichts – ist so ein Mysterium wie die magische Zahl vierzig.

Zufall? Nicht wirklich

Ich dachte erst, es sei Zufall.
Ein netter Herr mit Labrador auf einem matschigen Wanderpfad erzählt mir, dass seine Schwiegereltern „vor vierzig Jahren hierhergezogen“ seien.
Aha, denke ich, das ist mal eine präzise Zahl. Ich vergesse es.

Bis meine Freundin sagt, ihre Eltern seien – richtig geraten – „vor vierzig Jahren hierhergezogen“. Jetzt werde ich stutzig.

Der Zoom-Moment der Erkenntnis

Dann, bei einem Zoom-Vortrag über Windfarmen und seltene Flechtenarten, sagt der Referent mit Stirnband und Solarpanel-Expertise plötzlich mit ernster Stimme:
„Meine Schwiegereltern sind vor vierzig Jahren nach Skye gezogen.“
Ich reiße die Augen auf.
Da ist sie wieder. Die Vierzig.

1986 – das Jahr des großen Umzugs?

Was war los 1986?
War das ein geheim abgesprochener Exodus aus Kent, Surrey und den besseren Vierteln von Brighton?
Hatte Maggie Thatcher verkündet, dass in Schottland ab sofort mehr Wetter, aber weniger Nachbarn herrscht?

Oder war’s am Ende ganz profan: die Hauspreise.
Damals kostete ein Steincottage mit Meerblick und drei Geistern aus dem 18. Jahrhundert wahrscheinlich so viel wie heute ein Parkplatz in Reading.

Die große Schwiegereltern-Offensive

Und so sind sie gekommen – die Schwiegereltern.
Die Vorhut der Engländer mit ihren Gartenhandschuhen und dem Traum vom schottischen Idyll.
Sie kamen, sie sahen – sie renovierten.

Und jetzt stehen ihre Nachfahren da, mit ähnlichen Geschichten, nur in modernem Akzent:
„Wir wollten unseren Kindern eine bessere Kindheit ermöglichen.“

Vierzig – das Gütesiegel der Zugehörigkeit

Die Vierzig ist mehr als eine Zahl.
Sie ist ein Ritterschlag. Ein schottischer Integrationsausweis.

„Wir sind nicht erst seit gestern hier“, sagen sie, und meinen:
„Wir haben schon in Gummistiefeln gestanden, da warst du noch nicht mal auf Google Maps.“

Ohne Vierzig kein Respekt?

Ich überlege, ob ich das auch mal sagen soll. Einfach so, zum Spaß.
„Meine Nachbarn sind vor vierzig Jahren hergezogen.“

Denn der Mann ist noch nicht so lange hier. Und ich auch nicht.
Uns fehlt die magische Vierzig.

Ein Mythos mit Wurzeln

Vierzig ist schließlich nicht irgendeine Zahl.
Vierzig ist ein Mythos.
Ein Dauerparkplatz im schottischen Gedächtnis.

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