Schottland Foto Challenge – Isle of Skye von Antje Babendererde

Hier ist Antjes Textbeitrag zur Foto-Challenge:
Halbinsel Waternish. Im Jahr 1578 wurde die kleine Trumpan Church Schauplatz eines fürchterlichen Verbrechens, als die MacDonalds von Uist bei Nacht und Nebel von ihrer Insel herüberkamen, um ihrerseits für ein Massaker Rache zu nehmen, dass die MacLeods in einer Höhle auf der Insel Eigg an ihrem Clan verübt hatten.
Während eines Gottesdienstes verriegelten die MacDonalds die Tür der Kirche und verbrannten alle Kirchgänger bei lebendigem Leib. Man sagt, ein junges Mädchen schnitt sich eine Brust ab, um durch eines der schmalen Kirchenfenster zu gelangen und ihre Leute auf Dunvegan Castle um Hilfe zu holen. Die Krieger der McLeods töteten alle MacDonalds, bevor sie Skye wieder verlassen konnten.
Drei MacLeods errichteten später die St. Clements Church in Rodel auf der Insel Harris, um Buße zu tun für ihre Taten. Steinern ruhen die einstigen Inselherren in Kettenhemd und Spitzhelm auf ihren Gräbern in der Kirche.

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Wer mehr wissen möchte zu der Geschichte in der Kirche von Trumpan oder über St Clement’s in Harris findet das auf Graveyards of Scotland

Burn the church!

an ax wound, mass murder and lust

 

Das war der letzte Beitrag zur Schottland Foto Challenge. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird am 8.11.2020 bekannt gegeben. Abstimmen könnt ihr noch bis zum 31.10.2020. Und denkt daran, es zählen die Likes, nicht die Votes. 😉 Viel Glück!

Schottland Foto Challenge – Andys Liebe zu Schottland

Liebe Leser,

hier kommt Andys zweiter Teil, ihr habt bestimmt schon darauf gewartet. Viel Spaß damit!

LGN

Die folgenden Jahre bin ich dann auf verschiedene Art und Weise nach – und durch Schottland gereist, mal mit Wohnmobil (9 m lang und 4,20 hoch ist definitv nichts für die Highlands, mal mit Wohnwagen (auch zu groß mit 10 m Länge zzgl. 5 m Auto – da findet man ja zum Teil keinen Campingplatz – „Oh my god, what is this?? Are you kidding me?“) und dann lieber mit gemieteten Ferienhäusern, von wo ich aus die jeweilige Gegend erforscht habe.

Eine Reihe dieser Bilder sind hier sehen, oft natürlich bekannte Plätze, aber trotzdem immer wieder wunderschön.

Ich habe Schottland die folgenden Jahre zu allen Monaten und Jahreszeiten bereist und  sogar das schottische Wetter lieben gelernt. Das Essen in den Restaurants und Pubs hat sich über die Jahre deutlich verbessert, man hat gelernt, dass man mit erstklassigen Lebensmitteln auch gutes Essen machen kann.

Sogar das Bier hat sich verbessert, aus dem faden, spülwasser-ähnlichen Gebräu – sowohl vom Geschmack als auch vom Alkoholgehalt her – haben sich wahre Kunstwerke entwickelt.

Und vor 6 Jahren habe ich sogar meine Leidenschaft für Whisky entdeckt.

Mit Spontanität nach Schottland – von April bis September – zu schönen Plätzen war allerdings die letzten Jahre nicht mehr möglich, man musste zum Teil ein Jahr im Voraus buchen, was allerdings nicht immer so einfach ist. Immer mehr Menschen haben dieses Land für sich entdeckt und alles belegt…

Vor zwei Jahre habe ich – nachdem ein gemietetes Feriencottage mal wieder fototechnisch zwar sehr gut angeboten wurde, aber in der Realität blanker Horror war – spontan ein älteres Cottage zwischen Lochgilphead und Oban fest angemietet. Ich war eh 2-3 mal im Jahr dort und durch das gemietete Haus war ich jederzeit in der Lage mit Handgepäck (voll mit deutschem Brot – da hat sich nichts verbessert) ein paar Tage zu verschwinden.

Auch wenn es – trotz Ofen und Heizlüfter – draussen wärmer als drinnen war und ich dank eines undichten Daches im Bad auch ohne den Wasserhahn abzudrehen duschen konnte – so hatte ich endlich meinen eigenen Platz in meiner Herzensheimat.

Letztes Jahr hat mir dann mein damaliger Vermieter mitgeteilt, dass er das Cottage und seine Wohnung in Glasgow verkaufen würde um nach Irland zu ziehen (Wie kann man nur? Mal dort Urlaub zu machen ist ja ok, aber von Schottland weg??).

Da ich nicht wusste, ob ich dort dann weiter wohnen können würde, war das der Anlass mir etwas neues zu suchen. Und – nach anfänglichen Problemen – fand ich dann tatsächlich meinen Traum in dieser Gegend, nur 8 km weit weg bei Crinan, modern, warm und mit Blick aufs Meer. Und mit Glasfaserinternet!!!  in der Nähe eines Dorfes mit 74 Einwohnern  (75 – wenn ich dort bin).

Die Pandemie der letzten Wochen hat ja gezeigt, dass man – wenn man Glück hat – auch vom Homeoffice gut arbeiten kann und das ist halt dann 2000 km weit weg vom Büro….

Teppich-Matrosen aus dem Fachhandel

Neulich nachts musste ich mal und machte mich auf dem Weg ins Badezimmer.

„Komisches Geräusch.“ denke ich und öffne die Tür, um Sekunden später plötzlich hellwach und völlig durchnässt vor einer großen Frage zu stehen.

„Was zum Neptun ist hier los?!“

Wir haben einen Wasserrohrbruch und das eiskalte Wasser schwappt schon in den Flur. Ich wecke den Mann, der dreht das Wasser ab, setzt sich die Kopflampe auf und sucht Werkzeug im Schuppen. Ich wische derweil eimerweise Wasser auf. Am nächsten Morgen kommt ein befreundeter Installateur und bringt uns Abklemmschrauben, die neuen Leitungen kommen tags drauf von Amazon.

Nachdem alles getrocknet ist, ist klar, der Linoleumboden muss erneuert werden. Wir fahren also am Wochenende nach Inverness zum Fachbetrieb für Bodenbeläge und finden schnell, was wir suchen. Weil ich mir nicht sicher bin, ob die Rolle in den kleinen Panda passt, frage ich vorsichtshalber nach, ob sie auch liefern?

„Klar.“ sagt der Verkäufer und stellt eine kleine Frage, die bei mir große Wirkung erzielt.

By boat?

Boote

Ich sehe ihn vor mir, den schwimmenden Teppich Händler, das stolze, weiße, Boot, das majestätisch in den Meeresarm vor unserem Haus gleitet. Die Möwen rufen und der Mann rudert hinaus durch türkisblaue Wellen und lädt kostbare Seidenteppiche und duftendes Echtholzparkett in sein Boot. Teppich-Matrosen winken mir von Deck aus zu. Ich stehe an der Mole, den Wind im Haar und die Kreditkarte in der Hand.

Ja, so muss er sein, der Teppichkauf. Ob der Kapitän zum Kassieren kommt?

Mole

No, we live on the mainland. antwortet der Mann, nichtsahnend von meinem Bootsfantasien. Nein, wir leben auf dem Festland.

Puff!

Der Traum ist futsch.

„Ah gut, das macht es billiger,“ erwidert der Teppichverkäufer, der auch nicht ahnt, was ich gerade für ein Kopfkino hatte.

Natürlich liefern die Bodenbeläge per Boot nur auf die Inseln. Zu uns käme ein schnöder Transporter. Da zwänge ich mich doch lieber neben die Linoleumrolle auf den Beifahrersitz. Wenn ich das Fenster aufmache und die Augen schließe, kann ich das Meer riechen. Immerhin!

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bodenständig wandern in Schottland

Scots pines

Ich liebe ja diese Wanderbeschreibungen in denen ein (meist männlicher) Held alleine oder in Begleitung seiner treuen Hunde (selten mit Partnerin, was möglicherweise bereits Aussagekraft besitzt) die schottische Wildnis mühelos bezwingt und sich Karten deutend und Kompass schwenkend durch die Gefahren der Highlands navigiert, während er mit freundlicher Herablassung auch gerne den weniger berufenen Wanderern  zu Seite steht und sich als vertrauenerweckende Führungsperson erweist, hinter dem es sich unwissend aber sicher hertrotteln lässt.

Das ist mir zuviel Expertentum!

summer walk

Ich will einfach nur die Bewegung in der schönen Natur genießen, deshalb wandere ich in den Sommermonaten auch nie auf den ausgewiesenen Wanderrouten, folge keinem Wanderführer, lasse meine kleinen Büchlein mit den Tipps stecken, und suche auch nicht im Netz nach Wanderanleitungen, denn überall da, wo Menschen gerne von ihren Erlebnissen berichten, sind eben Menschen, die alle auch genau diese Erlebnisse haben wollen, meist ziemlich viele und dann ist es mit dem Natur genießen für mich eben nicht mehr so schön, wie ohne sie. Ich mag die Highlands am liebsten still und verlassen.

Weg in die Stille

Ich möchte auch keine Gipfel erklimmen, von denen ich dann erzählen und die ich zählen kann. Damit könnte ich mich mit anderen erfolgreichen Wanderern messen, aber das würde mir so gar keinen Spaß machen. Das ist was für Gipfelzähler, die  haben ihre Errungenschaften gut dokumentiert. Ich habe allenfalls einen Ordner für die Fotos, die ich gemacht habe. Mir geht es um die Zeit in der Natur, nicht um Kilometer, Gipfel oder andere Elemente mit deren Hilfe man sich mit anderen messen kann.

stiller Fluss

Gipfelzähler und Dosenspaghetti

Ich möchte auch nicht tosende Gebirgsbäche durchqueren oder über Felsgrate balancieren oder vor lauter Matsch auf dem Weg nicht mehr sehen, wo ich eigentlich hinlaufe. Ich möchte auch nicht wie die Fernwanderer tagelang unterwegs sein, mich in Seen waschen und Dosenspaghetti essen.

mein Weg ist mein Ziel

Ich bin ein Flachwanderer, ein Straßenwanderer, ein Alleinwanderer, der die Sonne auf dem Gesicht mag, gerne Sandwiches auf einem Stein sitzend isst und sich mit Schafen unterhält. Ich rieche an Blüten, höre den Wildgänsen beim schnattern zu oder grusle mich über Knochenfunde, die irgendein Jäger hinterlassen hat.

Ich hatte mal wieder eine Straße gefunden, die über Meilen durch die Einsamkeit führte und am Ende zu einem gut ausgebauter Feldweg wurde, 15 Kilometer Einsamkeit, nur unterbrochen von ein paar freundlich winkenden Arbeitern des Estates mit ihren Pickups. Also alles in allem überhaupt nichts, worüber man erzählen könnte. Schottland ist nämlich überall schön, nicht nur auf den Gipfeln, finde ich.

Mein Ziel, ist der Weg. 

Scottish heather

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Schottland Foto Challenge – Outlander Locations von Antje Babendererde

Und hier ist Antjes Outlander-Geschichte:
2015 waren wir unter anderem auch auf Outlanderspuren. Ich fand es faszinierend, diese Filmkulissen zu sehen, weil es so wenig bedurfte, im Film die Illusion entstehen zu lassen.
In Doune Catle traf ich auf eine Amerikanerin, die mit ihrer schottischen Reiseführerin auf Outlander-Tour war. Damals war “Outlander” in Schottland kaum bekannt, weil die Serie ja nur zu streamen war und man in Großbritannien nicht wollte, dass die Schotten die Serien vor dem Referendum zu sehen bekommen.
Ich hatte einige Schauplätze von zuhause recherchiert, aber “Lallybroch” hatte ich nicht finden können. In Culross begegnete ich den beiden Frauen wieder und erzählte ihnen, wie genervt mein Mann ist, ob meiner Schauplatzsuche. Er fand im engen Culross keinen Parkplatz … Die Reisleiterin lachte und meinte, so wie es “Golfwitwen” gibt, wären nun die “Outlander-Witwer” dazugekommen.
Und sie verriet mir, wie ich Lallybroch finde und dorthin komme. Unweit von Midhope Castle davon gibt es einen Naturkostladen, in dem muss man nachfragen. Dort bekommt man eine Erlaubnis, die muss man unterschreiben, und dann kann sich mit Wegbeschreibung auf den Weg machen.
Als ich im Naturkostladen nach Lallybroch fragte, horchen alle Mitarbeiter auf und grinsten sich an. Ich bekam die Erlaubnis Nr.79 und dann sind wir durch den Wald geirrt, bis wir es gefunden hatten. Midhope Castle steht zwar unter Denkmalschutz, wird aber als Baustofflager genutzt. Im Inneren gibt es keine Fußböden mehr … und dennoch: Ich stand davor und konnte in meiner Vorstellung die Tür öffnen und mit Jenny und Ian eintreten in das gemütliche Haus. Und natürlich konnte ich auch Jamie im Tor sehen, wie er ausgepeitscht wurde …
Von allen Schauplätzen hat mich dieser Ort am meisten berührt. Vielleicht, weil wir ganz allein dort waren.

 

Schottland Foto Challenge – ein Mann, eine Idee

Liebe Nellie,

Auch wenn ich es ursprünglich vorgeschlagen hatte, dass wir alle unseren schönsten Bilder einsenden, so war es alles andere als einfach für mich meinen Beitrag zu leisten. Es ist sehr schwer mich zu entscheiden, vor allem da ich die allerschönsten Bilder im Kopf habe und nicht als Foto… Ich kann auch leider nicht so tolle Geschichten zum Besten geben wie meine Vorgängerinnen (wieso eigentlich immer nur Frauen?? Bin ich hier der einzige Vertreter meiner Gattung???)

Ich dachte, ich erzähle einfach mal meine Geschichte wie ich zum Herzensschotten wurde…

Schon als Kind haben mich Geschichte, Burgen, wilde Landschaften und das Meer fasziniert. Bücher wie „Die Schatzinsel“, „Der seltsame Fall von Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ über „William Wallace“, „Maria Stuart“ aber später auch mal Werke von Robert Burns haben mich stundenlang gefesselt. Natürlich aber auch „Outlander“ (als Bücher verschlungen – aber auch als Film sehr genossen) Last but not least – die Geschichte über das Leben unserer Lieblingsautorin mit ihren „Abenteuern Highlands“ hat mich lauthals amüsiert.

2005 habe ich mit meiner damals neu kennengelernten Beziehung spontan meine erste Reise zu Pfingsten mit dem Auto nach Schottland gemacht. Völlig planlos nach Gefühl haben wir in Edinburgh begonnen (eine der schönsten Städte in Europa), dabei jeden Tag wo es uns gefiel quer durch Schottland in einem B & B übernachtet (oder auch mal auf Isle of Skye – wenn nichts zu finden war – im 19,99 € Discounter-Zelt bei strömenden Regen festgestellt, wie besitzergreifend Frauen um jegliche Decke im Schlaf kämpfen können – blutige Nase verursacht durch einen Tritt eines zarten Frauenfusses).

Ich habe auch gelernt, dass die putzigen „Eintagsfliegen“ dann blutsaugende Midges waren, Black Pudding nichts mit einer Süßspeise zu tun hat, Schulenglisch in Schottland – vor allem an der Westküste – soviel bringt wie Polnisch in der Mongolei und dass die Menschen dort eine Gastfreundschaft, einen Humor und eine Herzlichkeit haben, die seinesgleichen sucht.

Über 2500 km später war mir klar, dass ich meinen Herzensplatz gefunden hatte.

 

Danke lieber Andy dass du es noch geschafft hast, wenige Stunden vor Einsendeschluss deine Bilder zu schicken. Ich bin mir sicher, dass nicht nur ich mich darüber freue. Der zweite Teil kommt demnächst. 

Schottlandreise während Corona – über den Wolken

Die kleine Maschine der KLM ist eine Cityhopper. Ja, vor Corona ist man ganz selbstverständlich von einer großen Stadt zur anderen „gehüpft“. Es fühlt sich anders an und es ist auch anders. Mit dem Virus hat sich‘s ausgehüpft.

Am Gate finden sich wenige Menschen ein, die meisten sind ganz offensichtlich Schotten, ich vermute ein bis zwei Engländer und ein Touristenpaar, zwei Männer, möglicherweise aus Spanien oder Italien, ich kann es nicht abschließend beurteilen, sie reden nicht miteinander.

Spuckschutz Gate Amsterdam Shiphol

Die Crew hat sich zum Boarding hinter einem überdimensionalen Spuckschutz verschanzt. Man gibt das Telefon mit dem Ticket auf den Scanner und zeigt seinen Pass, wie sonst auch aber sie überprüfen auch die Mund- und Nasenbedeckung. Vor mir will ein Schotte an Bord, der ein weißes Schlauchtuch trägt.

„Hat das einen Filter?“ fragt ihn ein KLM Mitarbeiter.

„Nein.“ sagt der Schotte, „aber es ist speziell gegen Corona designt und wurde mit einer Chemikalie behandelt, die das Virus abweisen soll“.

Das aber wird nicht akzeptiert, entweder braucht er einen Filter oder eine andere Maske. Er holt eine Stoffmaske aus seinem Gepäck und schreibt seinem Chef eine Textnachricht.

„Die verwenden wir sogar in Hubschraubern.“ sagt er verärgert.

Meine Stoffmaske geht problemlos durch die Kontrolle, die hat aber auch keinen Filter. Im Flieger selbst trage ich die FFP2 Maske, mit der ich kaum sehen kann, weil meine Brille darauf nicht sitzt und sich bei meinem Astigmatismus und den sehr schwachen Augen die volle Sehschärfe nur einstellt, wenn die Brille exakt auf der Nase ruht. Wenn nicht, sehe ich schlecht und bekommen heftiges Kopfweh. Ich werde während des Flugs einfach die Augen schließen.

KLM City Hopper

Vielleicht hilft ein Bier, auch wenn es schier unmöglich ist, das mit dieser Maske zu sich zu nehmen. Eine Schwierigkeit, mit der ich mich gar nicht erst auseinandersetzen muss. Im Flieger wird kein Alkohol serviert. Ich kann Saft oder Wasser haben, offen ausgeschenkt, nicht in einer Dose oder Flasche. Ich lehne dankend ab und schließe die Augen.

Kurz bevor die kleine Maschine zur Landung ansetzt, gibt es eine Durchsage zu den Einreisebestimmungen. Alle müssen online das Formular (Public Health Passenger Location Form) ausgefüllt haben, dass es dem UK Government möglich macht, in einem Corona Fall alle Passagiere, die mit einem eventuellen Infiziertem an Bord waren , zu finden. Man muss seine genaue Adresse angeben, wo man sich 14 Tage in Selbstisolation begeben muss, wenn man vor dem 10. Juli einreist. Sie wollen Telefonnummern in Schottland und Deutschland, Notfallkontakte usw. Man muss das Formular ausdrucken oder auf dem Telefon abspeichern. Ausgedruckt sind es drei Seiten persönlich Informationen. Ich hatte bereits eine Woche vor Abflug begonnen, es auszufüllen. Abschließen kann man es erst 48 Stunden vor Einreise. Das System verlangt die Einreisezeit des Flugs, danach richtet sich die Berechnung. Man bekommt aber einen Link zugemailt, mit dem man an das bereits begonnenen Formular zurückgeführt wird.

public health passenger location form

Wir landen und laufen die paar Meter zur Einreisekontrolle: zwei Kabinen, abgesperrte Reihen, Markierungen für den korrekten Abstand, sie nehmen es offensichtlich ernst und Einweiser regulieren die Laufwege der Einreisenden.

Vor mir ist ein älteres Ehepaar, beide Schotten, keiner hat das Formular ausgefüllt. Das verursacht einige Aufregung, sie werden belehrt und dann eine wenig hilflos in die Ecke gesetzt, wo sie das Formular nun direkt ausfüllen müssen. Ob sie das mit Einreisenden aus einem anderen Land auch so machen würden? Die Einreise kann verweigert werden, wenn man das Formular nicht ausgefüllt hat.

Inverness Airport Arrivals

Der Spanier/Italiener neben mir radebrecht mit dem Zollbeamten. Er und sein Freund haben das Formular ausgefüllt. Ja, sie wissen, dass sie in Isolation müssen. Und ja, sie sind zum ersten Mal in Schottland. Ich frage mich, was für einen Urlaub diese beiden wohl geplant haben.

Dann bin ich dran und werde nochmal alles gefragt, was ich ohnehin schon in dem Formular ausgefüllt habe. Der Grund meines Kommens scheint ihn aber weniger zu interessieren. Wohl aber die Frage, ob ich auch über die Regelungen zur Selbstisolation informiert bin. Ich bejahe das und er winkt mich durch.

Ich habe es geschafft. Ich bin wieder in Schottland!

 

Morgen: Die letzten Meilen

Schottlandreise während Corona – Ich bin vorbereitet!

Ich zähle die Tage bis ich in Schottland bin. Endlich wieder! Jetzt gibt es schließlich ein Datum. Morgen ist es so weit, wenn alles gut geht und sie mich reinlassen ist wieder Licht am Horizont.

Sonnenuntergang

Ich mache mir viele Gedanken darum, ob ich eventuell den Mann gefährde, wenn ich zu ihm reise und ganz ausschließen lässt sich dieses Risiko nicht. Auf der anderen Seite sind wir in Deutschland soviel besser dran als die Menschen im Vereinigte Königreich. Wobei, in Schottland steht es dank der Umsicht von First Minister Nicola Sturgeon viel besser als in Prime Minister Boris Jonhnsons England. Schottland hat den Lockdown deutlich ernster genommen als die Nation im Süden. Aber die Vorstellung, das Virus vielleicht unwissentlich einzuschleppen ist beunruhigend.

Handgepäck

Ich habe FFP2 Masken bestellt, drei Stück für die Reise liegen schon im Koffer, dazu Reinigungstücher, Alkoholpads, Desinfektionsspray, Ersatzmasken, Einmalhandschuhe, alles was mir einfällt, um eine Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten. So einen seltsamen Koffer habe ich noch nie gepackt in all den Jahren, in denen ich zwischen Schottland und Deutschland hin und her pendle.

Und ich habe begonnen das Formular auszufüllen, ohne das man nicht ins Vereinigte Königreich einreisen kann, die Public Health Passenger Locator Form. Sie dient dazu, die Regierung mit Kontaktdaten (wann reise ich ein, wo wohne ich, wer ist mein Kontakt und unter welchen Telefonnummern bin ich wann zu erreichen) zu versorgen, damit ich informiert werden kann, sollte es auf meinem Flug einen bestätigten Infektionsfall gegeben haben, heißt es im Text zum Formular. Gerne gebe ich der Regierung all diese Daten nicht, aber was will ich machen, ohne darf man nicht einreisen. Ich fülle es so weit es geht aus und speichere es ab. Man bekommt einen Link, mit dem man das Formular dann innerhalb einer Woche vervollständigen und abschicken kann, aber eben erst 48 Stunden vor Einreise. Einchecken bei KLM für den Flug kann ich 30 Stunden zuvor. Bis dahin muss ich in Deutschland aushalten.

Schwarzwald

Der Mann hat derweil in Schottland die Vorbereitungsphase gestartet, die Küche geputzt und alle Zimmer gesaugt. Wir haben über die mögliche Gefahr gesprochen, die meine Reise zu ihm darstellen könnte. Gemeinsam haben wir beschlossen, dass wir dieses Risiko in Kauf zu nehmen bereit sind. Wir haben uns fast ein halbes Jahr nicht mehr gesehen. Wir wollen damit nicht warten, bis es einen Impfstoff gibt.

Der Countdown hat begonnen. Morgen ist der große Tag.

Morgen: Bis zur Grenze

 

 

Schottlandreise während Corona – Ein Königreich für ein Auto

Eine Reiseplanung beginnt man am Besten mit einer logischen Überlegung: Fährt man eine Strecke von A nach B aber (auf absehbare Zeit) nicht wieder zurück von B nach A, dann nimmt man sich am besten einen Mietwagen, holt ihn bei A und gibt ihn bei B wieder ab.

Das Leben kann so einfach sein mit As und Bs. Leider ist die Realität aber eine ganz andere. Die Reisebeschränkungen sind aufgehoben, langsam wachen die Flughäfen auf aber die Autovermietungen schlummern leider noch im tiefsten Tiefschlaf.

Ich versuche SIXT. Nach langem Rumspielen auf dem Online Formular stelle ich irgendwann fest, dass die Abgabe in den Niederlanden generell nicht möglich ist. Na ja, hätte man auch direkt sagen können, statt Kunden x-mal verschiedene Abhol- und Abgabevarianten durchspielen zu lassen.

Mit fällt AVIS ein. Da habe ich eine Nummer von der Filiale in der Nähe. Nicht die von der Zentrale. Ich will Beratung, denn auch auf diesem Online-Formular komme ich irgendwie nicht weiter. Die Abholung am Sonntag scheint ein Problem zu sein. Ich bin aber auch gerne bereit, die Abholung an einer anderen Filiale zu machen, aber die, die laut Eintrag sonntags auf haben, kann man nicht buchen. Ich versuche es old-school mit dem Telefon.

Autovermietung

Einen Moment bitte. Es ist gleich ein Mitarbeiter für sie da.

Ich mache mir einen Kaffee und gieße die Pflanzen.

Einen Moment bitte. Es ist gleich ein Mitarbeiter für sie da.

Ich leere den Mülleimer und putze den Badezimmerspiegel.

Leider sind all unsere Mitarbeiter in einem Kundengespräch. Bitte hinterlassen sie eine Nachricht nach dem Piepton, wir rufen sie so schnell wie möglich zurück.

Ich hole Luft und warte auf den Piepton. Stattdessen kommt eine weitere Ansage:

Sie haben die maximale Anzahl der Nachrichten erreicht. Auf Wiederhören.

Okay, streiche AVIS, versuche Europcar.

Autovermietung

Auch hier gestehe ich mir nach einer gefühlten Ewigkeit mein Scheitern bei der Online Buchung ein. Anscheinend muss man ein Auto freitags abholen, wenn es montags haben will. Die vier Tage kosten so um die 500,- €.

Es muss doch irgendwo eine Filiale geben, die am Wochenende auf hat. Ich ziehe wieder den Telefon-Joker und diesmal habe ich tatsächlich jemanden am Apparat. Wegen Covid-19 sind alle Autovermietungen in meiner Region nur stundenweise besetzt. Es bleibt bei Freitag und fast 500,- €. Und ich müsste mit dem Taxi hinfahren, was ein weiterer Fünfziger wäre, mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann ich die Mietwagenstation nicht erreichen.

Morvern from Sleat

Ich werd‘ irre! Ich will nach Schottland!

Morgen: Zügig zum Ziel

Schottlandreise während Corona – Finde einen Flug

Um nach Schottland zu kommen, bucht man einen Flug. So war das zumindest vor der Corona-Krise. Nun aber ist das mit dem Flug buchen nicht so einfach, es gibt nämlich keine.

Frankfurt – Glasgow? Fehlanzeige.

Stuttgart – Edinburgh? Keine Flüge

Und so geht es weiter und weiter.

Die Verbindungen haben sich im Laufe der Jahre immer geändert und ich bin schon so ziemlich alle Verbindungen zwischen Süddeutschland und Schottland geflogen. Frankfurt – Glasgow war bisher der einzig sinnvolle Direktflug gewesen. Der ist nun nicht mehr da.

Und die Flüge mit einer Zwischenlandung kosten zwischen 1300,- und 1600,- €. Nur der Hinflug!

Ich entscheide mich schließlich für KLM und den Flug von Amsterdam nach Inverness, setze einen Google Alert und beschließe noch nicht zu buchen. Er kostet 163,- €, was mir leicht überteuert scheint, aber vielleicht wird er ja noch billiger.

Der Flug ist deshalb praktisch, weil der Mann mich von Inverness abholen kann und ob ich nun nach Frankfurt an den Flughafen fahre oder nach Amsterdam macht auch nicht einen so großen Unterschied, denke ich. Es sind halt ein paar Stunden mehr Anfahrt.

Denkste!

Am nächsten Morgen stehe ich früh auf und schnüre die Laufschuhe für eine kleine Einheit im Wald. Ich stelle das Telefon an und will gerade aus der Tür, als es pingt, eine Mail von Google.

Der Preis ihres Fluges ist gestiegen. Der Flug kostet nun 571,- €.

AAAhhhhhh!

Ich setze mich um kurz nach 6 Uhr in der Früh in Laufklamotten ans Macbook und buche sofort den Flug von Amsterdam nach Inverness zwei Tage später, da hat er noch den niedrigen Preis.

Und dann, denke ich mit einem Lächeln, buche ich einfach einen Mietwagen und lasse den in Schiphol. Das sind zwar 6 Stunden Fahrt bis zum Flughafen aber der Flug ist ja erst am Abend. Mit ein bisschen Glück kann ich den Mietwagen morgens holen und am Nachmittag in den Niederlanden abgeben.

Schwarzwald Weg

Zufrieden mache ich mich auf in den Wald. Ich Ahnungslose!

Morgen: Ein Königreich für ein Auto