Lochcarrons blutige Fehde

Donald MacDonald war der 8. Glengarry und seine Regierungszeit war aus vielen Gründen unvergesslich, vor allem wegen der Gewalt, die seinen Weg als Chief seines Clans begleitete.

Zwischen seiner Familie und den MacKenzies tobte eine Fehde, die aus einem Streit um Eigentum in Lochcarron entstanden war. Blut wurde vergossen, Vieh wurde überfallen, Eigentum zerstört. Mord und Rache beherrschten das Gebiet Ende des 16. Jahrhunderts über 20 Jahre lang.

Duncan war einer der Glengarry MacDonalds, er war ein Stalker und schoss hauptsächlich Hirsche in der Gegend von Glasletter, dem Wald der Mackenzies von Gairloch. An einem schönen Tag im Wald trafen er und ein anderer Mann zwei Mackenzies. Die Mackenzies verdächtigten sie der Wilderei, beide Männer waren bewaffnet und es war bekannt, dass sie in der Vergangenheit gewildert hatten.

Ein Streit entbrannte, der außer Kontrolle geriet und die beiden Männer wurden getötet und direkt am Tatort  begraben, damit die Tat unbemerkt blieb. Aber das Verschwinden von Duncan und dem anderen Mann blieb offensichtlich nicht unbemerkt. Die beiden Mackenzies kamen vor Gericht, wurden aber nie für schuldig befunden.

Jahre später wurden Duncans Knochen von einem Freund geborgen, der nie aufgehört hatte, nach ihm zu suchen. Jetzt hatten die MacDonalds den Beweis, dass Duncan ermordet worden war. Der Beweis lag bleich und kalt in der Erde vom Glasletter Wald.  Der Mord konnte nicht ungesühnt bleiben.

Bald darauf töteten die MacDonalds einen der Brüder des Mörders, als der seine Felder in Glenstrathfarrar pflügte. Das wiederum musste von Rory Mor gerächt werden, einem Mackenzie, dem das Land gehörte auf der der Bruder des Mörders ermordet worden war. Rory Mor wollte die MacDonalds nicht mit Mord in seinem Gebiet davonkommen lassen. Er bat Dugall MacKenzie von Applecross um Hilfe, die beiden waren Freunde und heckten einen Plan aus.  Ihr Ziel: der MacDonald, der zu dieser Zeit in Strome Castle in Lochcarron lebte.

Also arrangierten sie in Kishorn ein Treffen zwischen Dugall und dem MacDonald, die beiden waren Nachbarn und hatten ohnehin verschiedene Dinge zu besprechen.  Dugall überzeugte dann den Glengarry, den Rückweg auf dem Landweg zu nehmen und seine Frau mit ein paar Männern zum Schutz alleine per Boot nach Hause zu schicken. So hätte sie es doch viel bequemer. Und so tat es der MacDonald, ohne zu ahnen, dass er im Begriff war, überfallen zu werden.

Rory Mor und weitere Mackenzies warteten auf den MacDonald und seine Männer. Sie nahmen ihm nicht das Leben, aber sie nahmen das Leben von allen, die bei ihm waren. Die Fehde war aber immer noch nicht zu Ende. Lochcarron würde in den kommenden Jahren mehr Gewalt zwischen den MacDonalds und den Mackenzies erleben.

Quelle und weiterführende Literatur:

Alexander Mackenzie: History of the Macdonalds and Lords of the Isles. With genealogies of the principal families of the name. Inverness, Mackenzie; 1881

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dringende Bedürfnisse

Gestern war der Tag der dringenden Bedürfnisse.

Ich hatte seit Tagen das dringende Bedürfnis nach einem kleinen Ausflug: rumfahren, Landschaft genießen, fotografieren. Einfach mal raus und Schottland erleben. Das Wettergrau hatte mich bis gestern im Haus gehalten und noch in der Früh sah es eher trüb als ausflugsverlockend aus.

towards Applecross (1)Pünktlich zur Abfahrt aber kommt die Sonne aus den Wolken hervor, als wolle sie mich aus dem Haus locken in die grandiose Weite des schottischen Hochlands. Ich mache mich auf, ohne gefrühstückt zu haben. Ich habe nur einen Kaffee in der Warmhaltetasse, ich will zum Spar in Lochcarron, da gibt es die leckersten pieces weit und breit. Zwei Brötchen, eins mit Ei und Speck und eins mit Mayonnaisenei und Zwiebel im Gepäck, mache ich mich nach auf Applecross.

towards Applecross (5)

Es hat frische 8 Grad aber ich beschließe, daß es sicher ist, die Paßstraße zu nehmen. Die Umfahrung dauert gut eine Stunde länger. Der Bealach na Ba hat es in sich und die Warnhinweise sind nicht nur zum Spaß da. Wer also das dringende Bedürfnis nach Abenteuer hat….

towards Applecross (7)Sicher oben angekommen, hat es nur noch 4,5 Grad und das Auto blinkt Glättewarnungen. Doch die Straßen sind ok. Was für eine atemberaubende Gegend, weit und breit nur Einsamkeit und Steinwüste. Die schlichte aber überwältigende Größe der Torridon Berge. Weit und breit nichts, kein Baum und kein Strauch.

Kein Baum und kein Strauch!

towards Applecross (4)

Der Kaffee fordert Tribut und da ist einem als Frau so ein Baum oder ein Strauch schon ganz recht. Wer weiß, ob in der großen Einsamkeit nicht ausgerechnet doch im falschen Moment ein Auto vorbei kommt.

towards Applecross (8)

toilet ApplecrossWeil es nicht mehr weit bis Applecross ist, bleibe ich trotz Druck tiefenentspannt. Die öffentliche Toilettendichte ist hoch in den Highlands. Wo es Menschen gibt, gibt es Toiletten und die sind immer so gepflegt, dass man auch ohne Bäume und Sträucher leben kann, falls man mal ein dringendes Bedürftnis entwickeln sollte.

Apropos!

towards Applecross (2)Ich habe inzwischen Mörderhunger, es ist Mittag und die Brötchen sind noch unberührt. Die Straßen sind einfach nicht zum Essen gemacht. Wärend ich in Deutschland im Auto alles Mögliche tue (essen, trinken, telefonieren, schminken) geben einem die Straßen hier keine Chance; rauf, runter, enge Haarnadelkurven, einspurige Streckenabschnitte mit Ausweichbuchten. Und Telefonsignal gibt es ohnehin selten eins.

Ich halte, kaue und genieße.

past Applecross (2)

Zurück fahre ich die lange aber passlose Strecke über Shieldaig und beschließe beim Co-op noch schnell ein paar Sachen zum Essen einzukaufen. Im Laden sind mehr Mitarbeiter, die Regale auffüllen, als Kunden. Der weitgehend haarlose Herr an der Kasse hat Zeit.

co-op KyleOb ich wüsste, wie viele Ebola Fälle es inzwischen im Land gäbe, will er wissen.

Während ich nach in meinem Hirn nach einer Antwort auf eine derart unerwartete Frage krame, erzählt er mir von seinem Leben. Er war mal Soldat. Und Koch. Und man müsse doch was tun wegen Ebola und so. Und überhaupt Viren, die sind vor allem auf dem Geld, meint er.

Ich bezahle mit Kreditkarte und versuche noch, all diese Informationen zu verarbeiten, da ist er auch schon beim Sinn des Lebens angekommen. Das ist nun wirklich ein wenig viel an der Supermarktkasse. Der freundliche Herr philosophiert ungerührt von meiner Sprachlosigkeit weiter. Er wollte wohl einfach mal über was anderes reden.

Schließlich war gestern der Tag der dringenden Bedürfnisse.Applecross