Wie ChatGPT das Leben einer Autorin leichter macht … Oder?
Künstliche Intelligenz – alle reden davon, viele nutzen sie, warum also nicht ich, dachte ich und machte mich auf in das Abenteuer der digitalen Texterstellung. Nach einigem Hin- und Herprobieren mit Blogposts zum Thema Schottland kam ich auf die Idee, dem Bot folgende Aufgabe zu geben: Schreibe einen Artikel über die Isle of Skye für den Blog Abenteuer Highlands im Stil von Nellie Merthe Erkenbach.
Klingt das wie ich? Was denkt Ihr?
Eine Reise ins Herz der Magie: Die Verzaubernde Isle of Skye
Die Landschaft, von der die Träume gewoben sind, erstreckt sich in all ihrer Pracht auf der Isle of Skye. Ein Ort, der die Seele in eine mystische Umarmung hüllt und das Herz mit einem Flüstern vergangener Zeitalter erfüllt. Die Insel, die von Legenden durchdrungen ist und von der Natur selbst gemalt zu sein scheint, ist ein Schatzkästchen voller Wunder und Poesie. Der Himmel über der Isle of Skye ist ein Gemälde, das in den Nuancen der Wolken und dem lebhaften Tanz des Nordlichts geschrieben ist. Wenn die Sonne über den Horizont gleitet, tauchen die Berge und Täler in ein sanftes Leuchten ein, das die Seele berührt und den Geist in eine meditative Ehrfurcht versetzt. Doch es sind nicht nur die Farben des Himmels, die den Betrachter verzaubern, sondern auch die Landschaft selbst. Majestätische Berge, die sich in den Himmel recken, als ob sie den Göttern nahe sein wollten, umgeben von weichen Hügeln und grünen Tälern, die von klaren Bächen durchzogen werden. Es ist, als ob die Natur hier eine eigene Sprache spricht, die nur diejenigen verstehen können, die bereit sind, sich in ihre Stille zu vertiefen. Jeder Schritt auf der Isle of Skye ist eine Reise durch Jahrhunderte der Geschichten, die in den Steinen und dem Wind eingebettet sind.
Doch nicht nur die Natur allein ist es, die diesen Ort so außergewöhnlich macht. Die Menschen, die hier leben, tragen die Weisheit vergangener Generationen in ihren Augen und die Wärme der Gemeinschaft in ihren Herzen. In den kleinen Dörfern kann man das rhythmische Schlagen der Zeit spüren, während Geschichten am Kaminfeuer erzählt werden und Lieder in den Wind getragen werden. Hier gibt es keine Eile, keine Hast – nur das fließende Leben im Einklang mit den Gezeiten der Natur. Die Isle of Skye ist auch ein Ort der Legenden, wo Mythen von tapferen Kriegern, geheimnisvollen Feen und verzauberten Kreaturen in der Luft schweben. Die alten Ruinen von Burgen und Festungen erzählen von einer Zeit, in der der Kampf um Macht und Ehre das Land geprägt hat. Die Felsformationen, die sich aus dem Boden erheben, scheinen Geschichten aus längst vergangenen Tagen zu erzählen, wenn man nur bereit ist, ihnen zuzuhören. Jeder Augenblick auf der Isle of Skye ist eine Einladung, sich in die Arme der Natur und der Geschichte zu begeben. Ein Ort, der die Seele nährt und den Geist erhebt, während er sanft darauf hinweist, dass die Welt noch immer einen Platz für Magie und Wunder hat. In der Stille der Berge und dem Flüstern des Windes kann man den Klang der eigenen Gedanken hören und die Essenz des Lebens einfangen. Die Isle of Skye ist nicht nur ein Ort auf der Landkarte, sondern ein Ort im Herzen, der für immer in der Erinnerung lebt. Quelle: ChatGPT August 3 Version
Ein Artikel im Stil von Nellie Merthe Erkenbach? Hat nicht richtig funktioniert, oder? Was denkt Ihr?
Awa’ an bile yer heid ist ein Satz, den man in Schottland verwendet, wenn einem jemand wirklich auf die Nerven geht. Im Klartext bedeutet es: „Geh und koch deinen Kopf“. Die nette Übersetzung ist „verschwinde“, das Wort, das den Begriff korrekter beschreibt, hat ein „p“ und zwei „s“. Ihr wisst, was ich meine. Ich umschreibe das lieber, falls noch nicht alle Kinder im Bett sind.
Die andere Nellie und ich haben uns an einem Tag im Februar früh aus den jeweiligen Betten gequält, denn wir wollen ausnahmsweise mal nicht nur Kaffee trinken gehen, sondern richtig frühstücken. Blöd nur, dass es ausgerechnet in der Nacht wie verrückt geschneit hat und wir am Morgen eine geschlossene Schneedecke auf der Straße vorfinden. Nicht, dass das uns zwei von einem Frühstück auf der Isle of Skye abhalten würde. Ich bin aus dem Schwarzwald, die andere Nellie aus dem Sauerland. Wir können Berge und Winter.
Außer uns anscheinend nicht viele andere, denn wir sind so ziemlich allein unterwegs. Dummerweise auch mit zwei Autos, weil Nellie davor noch einen Arzttermin hat und ich anschließend noch Besorgungen machen will. Deshalb sind wir mit zwei Autos unterwegs. Ich bin als erstes am verabredeten Ort. Auf der steilen, gewundenen Abfahrt zum Café liegen ungefähr drei Zentimeter Schnee. Hinunter käme ich ohne Probleme, ich bin mir nur nicht sicher, ob ich dann auch wieder raufkomme. Dass Schnee geräumt wird, ist hier keine Selbstverständlichkeit. Ich beschließe, das Auto oben an einer Seitenstraße abzustellen und die paar Meter zu laufen. So komme ich auf jeden Fall wieder weg.
Als ich gerade losgehen will, kommt die andere Nellie. Sie hatte denselben Gedanken und stellt sich auf die andere Straßenseite vor ein weiteres Café, das geschlossen aussieht. Dann gehen wir gemeinsam zu unserem Frühstück. Wir sitzen in einer ehemalige Mühle an Holztischen zwischen alten Steinmauern und bestellen erst mal zwei Latte, bevor wir uns der Speisekarte widmen. Noch ist es sehr ruhig. Sie haben gerade aufgemacht. Außer uns sitzt nur noch ein junges Paar im Raum.
Da kommt Sean, einer der beiden Betreiber des Cafés. Er hat ein Telefon am Ohr und schaut uns an.
„Hat eine von euch ein deutsches Kennzeichen?“
Nellie nickt.
„Du sollst umparken. Ich hab den Mann vom anderen Café oben in der Seitenstraße dran. Er sagt, du blockierst den Verkehr“, berichtet Sean und sein Gesicht sagt, dass er Parkrügen wohl nicht zum ersten Mal weitergibt. Wahrscheinlich ist der Typ oben genervt von der Tatsache, dass die Leute bei ihm parken aber bei Sean Kaffee trinken.
Nellie ist entrüstet. Da war kein Schild, dass man da nicht parken darf. Sie fragt nach:
„Und es geht nur um das Auto mit dem deutschen Kennzeichen?“
Tim nickt und Nellie schnappt ihre Autoschlüssel.
Mit einem „Das wollen wir ja mal sehen!“ zieht sie indigniert in den Kampf.
Kurze Zeit später sehe ich ihr Auto auf den Parkplatz vor unserem Café fahren. Sie hat offensichtlich beschlossen, umzuparken.
Empört berichtet sie von der Auseinandersetzung mit dem Anwohner an der Straße. Der hatte ihr nicht nur eine sehr unfreundliche Notiz am Scheibenwischer hinterlassen, sondern auch noch mit ihr gestritten, als sie zum Wagen kam. Nellie ist richtig in Rage. Auf Deutsch hätte sie ihn in Grund und Boden geredet.
„Der spinnt, der Typ“, sagt sie. „Ich hab ihn gefragt, warum ich umparken muss und du auf der anderen Straßenseite nicht. Weißt du, was er geantwortet hat?“
Ich schüttle den Kopf.
„Die arbeitet hier. Die kann stehen bleiben“, ergänzt Nellie voller Entrüstung.
Das ist natürlich eine Frechheit, wenn von uns beiden ist die andere Nellie diejenige, die in Schottland arbeitet. Sie ist Frühstücksköchin in einem Guesthouse. Ich schreibe hier nur Bücher und war zeitweise remote für meinen deutschen Arbeitgeber tätig. Aber ich bin eben mit einem einheimischen Auto unterwegs, während das der anderen Nellie nach Touristin aussieht.
„Besser, du parkst auch um!“ rät sie.
Ich denke nach. Ich weiß, dass ich nicht im Parkverbot stehe und von mir aus kann dieser Möchtegern-Parkwächter einen Kopfstand machen und mit den Zehen wackeln, ich muss nicht umparken. Aber ich würde mir den gerne mal ansehen. Also gebe ich meine Frühstückbestellung auf und mache mich auf den kurzen Weg zum Wagen.
Als ich um die Ecke biege sehen ich einen Mann Mitte Dreißig in Jogginghosen, der gerade ein Handyfoto von meinem Auto macht, dann aber so tut, als würde er, in Ermangelung eines anderen Motivs, das Café fotografieren.
„Pass auf!“, ruft er mir entgegen. Seinen Akzent kann ich nicht richtig verorten, aber er klingt nicht, als wäre er von hier. „Die Reifenspuren auf der Straße sind gefroren. Es ist sehr glatt, nicht stürzen.“
Aha, denke ich. Warum auf einmal so freundlich? Ich bin ein Meter achzig groß und blond. Als Schottin gehe ich niemals durch.
„Keine Sorge“, sage ich, steige in das Auto und wende auf der Straße. Der Mann geht schnell ins das Café, in dem nun Licht brennt. Es hat offensichtlich inzwischen auf und jetzt auch genügend Stellfläche für potenzielle Kunden. Die andere Nellie wird jedenfalls nicht mehr dazu gehören. Die hat er vergrault. Für immer. Kein so richtig schlauer Schachzug, wenn man ein Café betreibt.
Wie sich später herausstellt, ist der „Parkwächter“ wohl einer der beiden Besitzer. Der eine ist aus Nordirland, der andere aus Tasmanien. Das erfahre ich, als ich zu einem späteren Zeitpunkt alleine dort bin. Von den Besitzern keine Spur, die Belegschaft ausgesprochen nett und freundlich. Eine junge Frau, gerade mit der Schule fertig, erzählt mir, sie könne sich nicht vorstellen wegzugehen. Das kann ich verstehen und wir unterhalten uns angeregt.
Geht doch, denke ich. Vielleicht kann ich die andere Nellie dazu bewegen, sich das nochmal anzusehen. Obwohl die beiden haben wegen des Parkplatzes aneinandergeraten sind. Das kommt mir so deutsch und so gar nicht schottisch vor.
Ein Schotte hätte Awa’ an bile yer heid gesagt und gut wäre gewesen. Nellies Kopf hat noch eine ganze Weile danach vor sich hin gekocht. Vielleicht ganz gut, denn Nellie wohnt im Kühlschrank.
Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.
Highland Crime Band 2: Im Dunkel von Skye
Ich habe ein Leben lang leidenschaftlich gerne Krimis gelesen und 2021 meinen ersten geschrieben: Schatten über Skiary, Band 1 der Highland Crime Serie um DI Robert Campbell und die deutschen Übersetzerin Isabel Hartmann. Der Krimi spielt in Glenelg und an einem der abgelegensten Orte Lochabers – Skiary.
In Band 2 finden die Ermittlungen auf der Isle of Skye statt.
DI Robert Campbell genießt seinen Motorrad-Urlaub an der schottischen Westküste. Übersetzerin Isabel, Issy, Hartmann ist auf der Insel Skye, um Gälisch zu lernen. Am Sabhal Mòr Ostaig College stößt sie unvermittelt auf einen ungeklärten Todesfall.
Starb die Studentin wirklich eines natürlichen Todes? Issy hat ihre Zweifel und stellt Nachforschungen an. Wer im Sprachkurs könnte ein Motiv gehabt haben? Und wie war es gelungen, die Tat zu verschleiern?
Weil Isabel Hartmann ihn um Hilfe bittet, nimmt sich DI Robert Hartmann inoffiziell des Falls an. Doch dann gibt es einen weiteren Toten, der offensichtlich mit den ursprünglichen Ermittlungen in Verbindung steht. Unvermittelt wird Isabel von der Hobbydetektivin zu einer Verdächtigen.
Been there, done it! Das ist in der Regel ein Prozess, den Touristen überall auf der Welt, aber natürlich auch in Schottland durchlaufen: Eilean Donan Castle, Loch Ness, Royal Mile, Highland Games … Been there, done it. Gesehen und erledigt. Haken dran.
In einem etwas feineren Sinn bedeutet der Ausdruck aber auch, dass man selbst an diesem inneren Punkt gewesen ist und genau dasselbe getan hat, also zum Beispiel eine Hochzeit absagen, eine Schönheits-OP machen lassen, seine Frau betrogen, den Job verlieren. Been there, done it. Letztendlich ist der Ausdruck die tröstliche Gewissheit, dass der andere genau die gleichen Erfahrungen gemacht hat, wie man selbst.
Die andere Nellie ist mein been there, done it und das hat etwas sehr Schönes, denn es verbindet uns nicht nur auf eine besondere Art, es kann einen in den eigenen Entscheidungen bestärken und unterstützen, denn da gibt es jemand, dem es oft ganz genauso geht wie mir.
Wie ich in der Anfangszeit bringt sie jede Menge Dinge mit, die in ihrem deutschen Leben eine Rolle spielen, wenn sie zwischen beiden Ländern hin und her fährt: ein Fondue Set, Bier, Raclette Käse.
Nellie fährt Motorrad, ich eine Harley, sie eine Triumph. Das ist etwas Gemeinsames und ein Faktor, der uns unterscheidet. Ich gehöre zur Chopper-Fraktion, sie kommt aus der Racer-Ecke. Und was erzählt sie mir als eines ihrer ersten Erlebnisse hier in den Highlands? Sie hat ihr Nummernschild verloren. Ist das nicht kurios? Ich hätte mit der SR 500 schon fast das Schild verloren, am Ende hing es in Teilen in der Halterung. Mit der LS 650 war es dann ganz weg. Nur das Intruder Schild hat gehalten. Und für alle, die jetzt gönnerhaft lächeln – wir sind beide durchaus in der Lage, Schrauben festzuziehen. Die Straßen hier sind Hölle und wenn man nicht regelmäßig kontrolliert, ist es wegvibriert. Das Problem: M muss es ja auch wieder in Deutschland beim TÜV vorstellen, aber wie kommt man über die Grenze ohne Nummernschild?
Been there, done it! Vielleicht ein wenig tröstlich für beide Nellies. Die Quelle einer gewissen Frustration für mich ist allerdings, dass sie das Moped in den Highlands hat und meines in Deutschland steht. Meine Maschine fehlt mir! Ich schaue nach draußen, während ich das schreibe und relativiere. Es stürmt und der Wind treibt die Wellen mit Macht an den Strand. Der Regen kommt waagrecht. Jetzt wäre es lebensgefährlich mit dem Motorrad. Im Schwarzwald sind die Wetterbedingungen bei weitem nicht so extrem und die Straßen deutlich besser. Außerdem habe ich derzeit kein Auto, das Moped ist also mein einziges Fortbewegungsmittel in Deutschland. Das brauche ich. Hier haben wir ja ein Auto. Ich sage mir immer wieder, dass das so mehr Sinn macht, aber mir graut vor dem Tag an dem die andere Nellie textet:
Mit dem Motorrad unterwegs nach Applecross.
Denn dann kann ich nur denken, dass ich das zwar auch schon oft gemacht habe, aber dass ich nie genug davon bekommen kann. In diesem Sinne also:
Eine Reise durch Geschichte, Kultur und atemberaubende Landschaften
Schottland, ein Land von unvergleichlicher Schönheit und historischer Bedeutung, zieht Besucher aus der ganzen Welt an. Von den majestätischen Highlands bis zu den pulsierenden Städten hat Schottland viel zu bieten. Mit einer reichen Geschichte, einer vielfältigen Kultur und einer atemberaubenden Landschaft ist es kein Wunder, dass Schottland zu den beliebtesten Reisezielen zählt.
Historische Wurzeln und kulturelles Erbe
Die Geschichte Schottlands erstreckt sich über Jahrhunderte und hat tiefe Spuren in der Kultur des Landes hinterlassen. Ein Höhepunkt ist zweifellos das Edinburgh Castle, das hoch über der Hauptstadt thront. Dieses beeindruckende Bauwerk beherbergt die schottischen Kronjuwelen und bietet einen Einblick in die turbulenten Zeiten der schottischen Geschichte. Die Schlacht von Culloden, die letzte Schlacht auf britischem Boden, ist ein weiteres historisches Highlight, das die Besucher in die dramatischen Ereignisse des 18. Jahrhunderts eintauchen lässt.
Die schottische Kultur ist geprägt von Musik, Tanz, Kunst und Literatur. Die Klänge des Dudelsacks sind fast schon ein Synonym für Schottland, und die schottische Tanzkunst, insbesondere der Highland Dance, ist weltweit bekannt. Schottland hat auch eine reiche literarische Tradition, angeführt von Größen wie Robert Burns und Sir Walter Scott. Ihre Werke spiegeln die schottische Identität und die Liebe zur Heimat wider.
Unglaubliche Landschaften
Die Landschaft Schottlands ist von atemberaubender Schönheit und Vielfalt geprägt. Die Highlands, eine Region aus sanften Hügeln, tiefen Tälern und majestätischen Bergen, bieten Wanderern und Naturliebhabern unzählige Möglichkeiten. Der Loch Ness, einer der tiefsten Seen Europas, zieht nicht nur wegen der Legende um das Ungeheuer von Loch Ness Besucher an, sondern auch wegen seiner beeindruckenden Umgebung.
Die Isle of Skye, mit ihren bizarren Felsformationen und zerklüfteten Küsten, ist ein weiteres Highlight der schottischen Landschaft. Hier trifft man auf die raue Schönheit der Natur, die Künstler und Fotografen gleichermaßen inspiriert hat.
Städte und Moderne
Schottland mag reich an Geschichte sein, aber es ist auch ein Ort der Modernität und Dynamik. Städte wie Edinburgh und Glasgow bieten eine aufregende Mischung aus altem Charme und modernem Flair. Edinburgh, die Hauptstadt, verzaubert mit ihrer mittelalterlichen Altstadt und dem eleganten Georgianischen Viertel. Die jährliche Edinburgh Festival Fringe, das weltgrößte Kunstfestival, lockt Künstler und Besucher aus aller Welt an.
Glasgow hingegen ist für seine Kunstszene, pulsierendes Nachtleben und moderne Architektur bekannt. Die Stadt hat sich von ihrer industriellen Vergangenheit zu einem Zentrum der Kreativität und Innovation entwickelt.
Kulinarische Köstlichkeiten
Die schottische Küche hat sich über die Jahre entwickelt und bietet eine Reihe von Köstlichkeiten. Von Haggis und Neeps (Rüben) bis zu geräuchertem Lachs und Scotch Whisky bietet die kulinarische Szene Schottlands eine Vielzahl von Geschmacksrichtungen, die die lokalen Zutaten und Traditionen widerspiegeln.
Fazit
Schottland ist ein Land der Kontraste, in dem Geschichte und Moderne, Natur und Kultur auf faszinierende Weise miteinander verschmelzen. Die schottische Landschaft mit ihren majestätischen Highlands und malerischen Inseln ist ebenso beeindruckend wie die lebendigen Städte voller Kunst, Kultur und Dynamik. Wer Schottland besucht, wird in eine Welt eintauchen, die sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart in einem unvergleichlichen Panorama vereint.
Und wer dann noch abseits der ausgetretenen Touristenpfade Neues entdecken will, der solte sich Schottland für stille Stunden zulegen.
🌎 Schottland für stille Stunden – ein Reiseführer in die Seele Schottlands📚
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A nod’s as guid as a wink tae a blind horse. Nicken ist so gut wie Augenzwinkern für ein blindes Pferd, sagt dieses ur-schottische Sprichwort. Die Bedeutung: Egal, wie sehr man sich anstrengt, manche werden die subtilen Hinweise und Signale einfach nicht verstehen. Daher ist es oft besser, direkt zu sagen, was man meint. Aber was, wenn diese Person den Schlaf der Gerechten schläft?
Es ist Freitag und in letzter Zeit sind wir regelmäßig mit Kinderbetreuung beschäftigt. Die Trennung der Eltern beeinflusst unser aller Leben. Vielleicht ist der Kleine deshalb zuletzt ein wenig anders und nicht ganz so unbeschwert fröhlich und unproblematisch, wie sonst. Tagsüber spielen er und der Mann im Garten und mit der Eisenbahn und ich versorgte ihn mit Snacks, Vitaminen und Abendessen. Er hat einen ausgesprochen gesunden Appetit und man muss schauen, dass man hinterher kommt mit dem „füttern“.
Am Ende des Abends sind wir total kaputt. Er darf natürlich länger aufbleiben, wenn er bei uns ist. Am nächsten Tag ist ja auch keine Schule. Es ist nach zehn Uhr, als er endlich schläft und wir wenig später auch. Gegen ein Uhr nachts weckt mich ein Geräusch und dieses Mal ist es ausnahmsweise nicht das Schnarchen des Mannes, sondern der Kleine, der gefühlt noch kleiner als sonst vor meinem Bett steht und vorsichtig flüstert:
„Mir ist das was passiert.“
Ich bin sofort wach und gehe in Kümmermodus.
„Komm, lassen wir Seanair (Opa, sprich: Schinner) schlafen und schaun mal, was los ist.“
In seinem Zimmer angekommen ist jede Menge los. Ihm war offensichtlich übel und er musste sich übergeben. Im Bett, auf dem Teppichboden, im Flur, im Wohnzimmer, im Flur zum Bad, über der Toilette, über dem Waschbecken und über der Wand mit den Handtüchern. Dann hat er seinen Pyjama und ein paar Handtücher genommen und versucht, alles wieder sauber zu machen, bevor ihm klar wurde, dass er das ohne Hilfe nicht schafft. Er hat sich sogar einen frischen Schlafanzug angezogen. Allerdings die restlichen sauberen Klamotten in dem Erbrochenen auf dem Boden verteilt.
Ich atme tief durch und beurteile die Lage. Hier ist ein Großputz erforderlich, mal schnell nächtlich drüberwischen wird nicht reichen.
Doch zuerst drück‘ ich den Kurzen fest und sage ihm, dass das überhaupt nicht schlimm ist und er mich in Zukunft gleich rufen soll, damit ich ihm helfen kann. Es scheint ihm gut zu gehen, nachdem sein Magen alles losgeworden ist und er ist sauber. Also stecke ich ihn an meiner statt ins Bett zu seinem Opa, der sich nicht rührt. Bekommt der denn gar nichts mit?
Dann gehe ich in Putzmodus und stelle fest, dass er außerdem noch ins Bett gepinkelt hat. Die feuchte Stelle hat er dann mit meinem Handtuch aus dem Bad zu trocknen versucht. Es ist ein Uhr dreißig am Morgen. Ich ziehe meine gelben Gummihandschuhe an und lege los, ziehe das Bett ab und stecke es mit den Handtüchern in die Waschmaschine.
Ob der Mann wohl bald aufwacht und mir hilft? Ich will nicht ins Schlafzimmer, um den Kleinen nicht zu wecken. Aber er muss mich ja hören. Putzen macht ja Lärm.
Ich gehe mit dem Reiniger über alle waschbaren Flächen. Später mit dem Wischmop über die Böden. Dann mache ich mich mit Bürste und Teppichreiniger an den Boden in seinem Zimmer. Um drei Uhr stecke ich die Wäsche in den Trockner und lasse den laufen. Dann reinige ich die Toilette und das Waschbecken und bin endlich soweit durch mit der Putzerei. Der Teppichboden ist Hochflor und sehr schwierig zu säubern. Ich werde ein Teppichreinigungsgerät organisieren müssen.
Wie kann der Mann bei diesem Lärm nicht aufwachen?
Jetzt bin ich todmüde, aber habe ja keinen Platz mehr im Bett. Den hat ja jetzt der Kleine. Also lege ich mich auf die Wohnzimmercouch und versuche einzuschlafen, obwohl die Couch recht unbequem ist und es draußen langsam hell wird. Im Wohnzimmer haben wir ein großes Fenster ohne Vorhänge oder Jalousien. Die mag der Mann nicht. Der Mann, der seelenruhig durch drei Stunden nächtlichen Großputz geschlafen hat. Der Mann, der sonst nie durchschläft und immer Probleme mit seinem Schlaf hat. Der Mann, der zwei Stunden später aufsteht und mich weckt mit den Worten.
„Schatz, warum schläfst du auf der Couch und der Kleine bei mir?“
„Schatz“, antworte ich. „Ich habe „genickt“ und „gezwinkert“, aber das „Pferd“ in meinem Bett ist „blind“ geblieben.
Abenteuer Highlands 3 – Ja hört das denn nie auf!
Nach den ersten Erfahrungen mit den Highlands habe ich das erste Buch geschrieben: Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland. Damals noch ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es vielleicht mehrere geben könnte.
Die Jahre gingen ins Land und die Abenteuer wurden nicht weniger. Deshalb, und weil ich immer wieder gefragt wurde, ob es nicht bald einen zweiten Teil von Abenteuer Highlands gäbe, habe ich ihn geschrieben. Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland – alles, was ein Doppelleben in zwei Ländern aufregend und erzählenswert macht.
Nun ist Abenteuer Highlands offiziell eine Serie und der nächste Band Abenteuer Highlands 3 – Ja hört das denn nie auf! seit Oktober 2023 als Taschenbuch und eBook bei Amazon verfügbar.
Auch die andere Nellie macht ihre Erfahrungen mit schottischen Männern und durchlebte die erste Krise. Nicht alle schottischen Schlachten liegen in der Vergangenheit, manchmal gibt es sie im eigenen Haus. Oder besser gesagt, im Haus des anderen, auf fremdem Territorium. Wir sind ja dazu gezogen.
„Eine Frau braucht doch etwas mehr persönlichen Stauraum als eine freie Schublade“, sagt sie.
So eine Situation ist nicht immer leicht und gerade in den Wintermonaten kann man sich nicht aus dem Weg gehen. Die Erfahrung machen natürlich nicht nur wir deutschen Frauen, aber wir haben hier nicht das soziale Netzwerk und die „Fluchtmöglichkeiten“, die Frauen haben, die von hier kommen.
Nellie war also auf der Suche nach einer bezahlbaren Bleibe und ein wenig Abstand. Dream on! Hätte ich ihr am liebsten zugerufen als sie mir davon erzählt. Träum weiter. Bezahlbaren Wohnraum? Es gibt überhaupt keinen Wohnraum und wenn, dann ist er in der Regel nicht bezahlbar mit den Löhnen, die hier gezahlt werden. In der Regel bekommt man den Mindestlohn und die Mieten liegen bei sieben bis zehn Euro pro Quadratmeter, es gibt schlicht keine kleinen Wohneinheiten, keine Einzimmerapartments. Dazu kommen die Nebenkosten, die trotz der Preisdeckelung der Regierung seit 2022 exorbitant hoch sind.
Im Vereinigten Königreich kauft man Wohneigentum und mietet nicht, aber der Durchschnittspreis einer Immobilie in den Highlands liegt bei rund £207.000 also je nach Kurs um die €236.000. Wer kann das bei den Gehältern bezahlen? Zudem laufen die meisten Jobs hier nur von April bis Oktober, also während der Touristensaison. In dem Wintermonaten muss man von dem leben, was man während des Sommers angespart hat.
Die Frage ist nun, wo leben?
Nellie hat sich hier inzwischen eine Existenz aufgebaut, Freundschaften geknüpft, sie fühlt sich hier zuhause und will verständlicherweise nicht weg. Nun braucht sie eine bezahlbare Unterkunft. Ich kenne Einige, die mit Mitte Zwanzig und sogar mit Mitte Dreißig noch bei den Eltern leben, weil sie es sich schlicht nicht leisten können, alleine zu wohnen.
Nellie ist da ganz anders. Die ist eine coole Socke und weil sie in der Gegend schon so gut vernetzt ist, hat sie unter der Hand gehört, dass ein Haus frei steht und vermietet werden soll, sobald einige kleinere Arbeiten abgeschlossen sind. Nellie hat herausgefunden wo und es sich angesehen. Ein Traum! Genau, was sie gesucht hat.
„Es ist mir ganz egal, wie es drinnen aussieht!“, ruft sie euphorisiert. Sie kann es sich nicht leisten, wählerisch zu sein und das Haus liegt wirklich sehr schön und ruhig. Ich kann sie gut verstehen, es ist ein traditionelles Cottage mit schönem Blick und nur zehn Minuten von ihrem jetzigen zuhause entfernt. Da würde ich auch einziehen.
Sie wird mir als Nachbarin fehlen. Den Weg zwischen den beiden Häusern haben wir schon den Nellie-Nellie-Weg getauft. Man kann ihn auf der Straße oder oben am Berg gehen. Und es dauert zu Fuß nur eine knappe halbe Stunde, zum neuen Haus eher eineinhalb, im Winter im Dunkeln ist das keine Option. Aber wenn sie happy ist, bin ich auch happy.
Nur, noch hat sie es ja nicht.
Wir entwerfen einen Masterplan. Sie backt ihr legendäres Shortbread und besucht die Eigentümer. Bei Kaffee und Keksen kann man in den Highlands viel erreichen. Zumal die Familie zu den Einheimischen gehört, das heißt sie lebt seit mindestens fünfzig Generationen vor Ort. Die haben eine präzise Vorstellung davon, wie so etwas zu laufen hat. Wenn sie ihre Lage schildert – Beziehung ist in der Krise, wahrscheinlich zu Ende, sie muss raus aus dem Haus- dann könnte das die Entscheidung für positiv beeinflussen. Außerdem kann sie einige Leumundszeugen angeben. Und sie hat sich einen Ruf erarbeitet, für Sauberkeit und Ordnungssinn. Nicht zuletzt, weil sie in ihrem Job, bevor sie in der Küche war im Housekeeping gearbeitet hat, also die Zimmer im Hotel gemacht hat. So jemanden will man doch als Mieterin, denke ich. Nun will Nellie auch ihre potenziellen Vermieter von der Idee zu überzeugen.
Und das tut sie, besucht die Vermieterin und bliebt zum Plausch, hakt dann nach einer Woche nochmal nach und schaut erneut, scheinbar zufällig, vorbei. Dann hat sie sie weichgekocht und darf besichtigen.
Das Haus ist alt und hat kleine Zimmer, aber sie mag es und warum auch nicht, es hat Charme, auch wenn die Möblierung etwas altmodisch und abgewohnt daherkommt. Nellie hätte wie ich lieber ihre eigenen Sachen um sich, aber leere Mietwohnungen sind nicht existent. Wenigstens kann sie ihr eigenes Bett mitnehmen, muss aber das vorhandene auseinanderbauen und irgendwie verstauen. Ich würde mich in fremden Sachen nicht wohl fühlen, aber Nellie kann und hat dem Haus schnell und effizient ihren eigenen Stil hinzugefügt.
Auch die Beziehung hat sich wieder einigermaßen eingerenkt und alles könnte so schön sein. Wenn da nicht der Winter wäre! Es regnet, es windet und es ist kalt und Nellie findet heraus, was es bedeutet, in einem schlecht isolierten Haus mit Nachtspeicherheizungen zu leben. Nachtspeicherheizungen sammeln Wärme in der Nacht, wo der Strom billiger ist, und gebe sie am Tag wieder ab. Das Problem bei Nellie ist, die Wärmeabgabe ist so gering, dass sie nicht mehr als zwölf Grad in der Bude hat. Und das, obwohl die Heizung volle Pulle läuft und sie Kilowattstunde für Kilowattstunde Geld den Kamin hoch bläst. Energetisch eine Katastrophe.
Ach ja, sie hat sogar zwei Kamine, die aber mehr für Zugluft als für Wärme sorgen. Ein offenes Feuer macht eben nicht sehr warm und ist auch problematisch im Unterhalt, wenn man aus dem Haus muss. Also hat sie überall Heizlüfter stehen, friert und ist gefrustet, weil sie viel Geld bezahlt, und es trotzdem nicht warm ist. Und die Vermieter? Die finden das alles völlig normal. Wahrscheinlich ist es bei ihnen nicht wärmer und sie leben schon seit Jahrzehnten so. Man könnte überlegen, ob es nach Jahrzehnten nicht vielleicht Sinn machen könnte, Heizkörper auszutauschen. Je mehr Nellie nachhakt und Alternativvorschläge macht, desto mehr blocken sie.
Und Nellie friert. Und friert. Und friert. Ausgerechnet in diesem Jahr dauerte der Winter länger als sonst. Im April liegt immer noch Schnee und die Temperaturen fallen des Öfteren noch unter den Gefrierpunkt. Wie sich jetzt herausstellt, hatte das Haus schon immer einen Ruf, ein kaltes Gemäuer zu sein. Nellie lebt in einer Gefriertruhe und noch ist der Frühling nicht in Sicht, während die Vermieter auf dem Standpunkt beharren, dass das alles normal ist.
Ich werde Nellie für das nächste Treffen mit den Vermietern von der schottischen Redewendung erzählen, die man benutzt, wenn der andere Blödsinn redet. Daran soll sie denken, wenn sie mit ihren Vermietern redet. Das wird sie aufheitern.
Yer bum’s oot the windae! Dein Popo hängt zum Fenster raus!
Abenteuer Highlands 3 – Ja hört das denn nie auf!
Nach den ersten Erfahrungen mit den Highlands habe ich das erste Buch geschrieben: Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland. Damals noch ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es vielleicht mehrere geben könnte.
Die Jahre gingen ins Land und die Abenteuer wurden nicht weniger. Deshalb, und weil ich immer wieder gefragt wurde, ob es nicht bald einen zweiten Teil von Abenteuer Highlands gäbe, habe ich ihn geschrieben. Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland – alles, was ein Doppelleben in zwei Ländern aufregend und erzählenswert macht.
Nun ist Abenteuer Highlands offiziell eine Serie und der nächste Band Abenteuer Highlands 3 – Ja hört das denn nie auf! seit Oktober 2023 als Taschenbuch und eBook bei Amazon verfügbar.
DI Robert Campbell genießt seinen Motorrad-Urlaub an der schottischen Westküste. Übersetzerin Isabel, Issy, Hartmann ist auf der Insel Skye, um Gälisch zu lernen. Am Sabhal Mòr Ostaig College stößt sie unvermittelt auf einen ungeklärten Todesfall.
Starb die Studentin wirklich eines natürlichen Todes? Issy hat ihre Zweifel und stellt Nachforschungen an. Wer im Sprachkurs könnte ein Motiv gehabt haben? Und wie war es gelungen, die Tat zu verschleiern?
Weil Isabel Hartmann ihn um Hilfe bittet, nimmt sich DI Robert Campbell inoffiziell des Falls an. Doch dann gibt es einen weiteren Toten, der offensichtlich mit den ursprünglichen Ermittlungen in Verbindung steht. Unvermittelt wird Isabel von der Hobbydetektivin zu einer Verdächtigen.
Und so geht der Krimi los …
Lichtblaue See so weit das Auge reichte. Wie friedlich es hier war. Das Meer atmete still im Rhythmus der Gezeiten. Von ihrem Aussichtspunkt am Ende der Sleat-Halbinsel war davon nichts auszumachen. Aus der Ferne schien die See still an der Oberfläche, voller Leben und Bewegung, kam man näher. Die Farben des Meers, mal grau-silbrig schimmernd, strahlend in türkis, fast schon grün leuchtend, gelegentlich auch bedrohlich dunkel. Issy war glücklich.
Dort, wo die Berge dunkel in den Himmel ragten, konnte man Kinloch Hourn gerade so erahnen. Die Sandaig Bucht musste auch irgendwo da drüben sein. Beides Orte, die sie lebhaft in Erinnerung hatte. Auf der anderen Seite der Meerenge war sie dem Tod begegnet.
An ihrer Liebe zu den schottischen Highlands hatten die Erlebnisse letzten Winter nichts geändert. Vielmehr hatten sie Issy den Menschen hier nähergebracht. Sie war ein Teil ihrer Geschichte geworden und nun war sie wieder zurück.
Was für ein schöner Moment das gewesen war, mit dem Auto über die unsichtbare Grenzlinie von England nach Schottland zu fahren. Es gab keinen Grenzbaum, keine Mauer, keine Linie, nur ein großes Schild mit dem Saltire, dem weißen Andreaskreuz auf blauem Grund der schottischen Nationalflagge und dem herzlichen Willkommen: Fàilte gu Alba. Das überbordende Glücksgefühl, das dieses profane Schild an der M74 in ihr auslöste, war schwer zu beschreiben, wie eine Mischung aus Heimweh und Heimkommen.
Sie war wieder zurück und dieses Mal war sie nicht gekommen, um ein Buch zu übersetzen, sondern um Gälisch zu lernen. Diese wunderbare Sprache, die sie aus den Liedern von Runrig und Capercaillie kannte und deren Klang sie schon immer bezaubert hatte: kraftvoll und ursprünglich, aber leider auch gänzlich unverständlich. Fremd und altertümlich, eine Sprache, die mit einem einzigen Wort eine ganze Welt ausdrücken konnte. Eine Sprache der Crofter und Arbeiter, Ausdruck einer anderen Welt, die beinahe verloren gegangen wäre, hätte man sie in Schottland nicht mit viel Energie und Aufwand vor dem Aussterben bewahrt. Heute war sie lebendiger als je zuvor.
Als Übersetzerin war sie schon immer der Ansicht gewesen, dass man ein Land und seine Menschen nur dann wirklich verstand, wenn man ihre Sprache beherrschte. Nun, sie wollte mehr begreifen und suchte gezielt nach dieser Verbindung. Fàilte gu Alba. Willkommen in Schottland. Deshalb war sie nach Sabhal Mòr Ostaig gekommen, dem gälischen College auf der Insel Skye, für eine Woche Sprachkurs an einem der wunderbarsten Orte der Welt. Danach würde es sich hoffentlich ein bisschen mehr wie ihre Welt anfühlen.
Mit einem zufriedenen Lächeln zog die den Reißverschluss ihrer Jacke zu. Es war frisch, die Sonne mochte noch nicht richtig wärmen Anfang April. Sie hielt das Gesicht ins Licht.
„Ich bin wieder da“, murmelte sie in ihren Jackenkragen.
Einkaufen ist in den schottischen Highlands in der Regel eine größere Aktion. Der nächste Supermarkt ist eine gute halbe Stunde entfernt und nicht nur sehr teuer, die Auswahl ist begrenzt und oft nicht frisch. Deshalb fahre ich in die nächste Stadt, Fort William, um einzukaufen und zu tanken. Ich habe ja schon mehrfach darüber geschrieben.
Das dauert außerhalb der Saison etwas eineinhalb Stunden. Und dann gehe ich eben nicht nur einkaufen, sondern unterwegs spazieren, recherchieren oder mache mich auf die Suche nach Friedhöfen und ja, auch nach so vielen Jahren hier finde ich immer noch spannende Ecken, an denen ich noch nicht gewesen bin. Auch auf meiner Einkaufsroute. Im Dezember war das der MacSorlie Friedhof in Glen Nevis.
Ein schottischer Clan ist eine Gruppe von Menschen, die glauben, denselben Vorfahren zu haben. Ein Clan ist weit mehr als eine Familie. In den Highlands waren sie auch eine politische Einheit, eine Quelle der militärischen Unterstützung und Verteidigung. Eine Septe ist jedoch etwas anderes und das muss man bedenken, wenn man über den MacSorlie-Friedhof in Glen Nevis spricht, denn keiner der Steine hier trägt den Namen MacSorlie oder MacSorley. Die Verstorbenen werden als Camerons in Erinnerung bleiben. Dieser Friedhof hat nicht nur viele spannende Aspekte der Clangeschichte zu bieten, er ist auch wunderschön, fast schon verwunschen an einem kalten Wintermorgen.
Von der Straße kann man ihn nicht erkennen. Man muss wissen wo, das Auto parken und ein paar hundert Meter von der Straße entlang auf der alten coffin road gehen, dem Pfad, auf dem die Särge einst zu dem Friedhof getragen wurden. Es heißt, dass die Reise für viele Menschen zu weit war, die Angehörigen unterwegs oft aufgaben und ihre Lieben entlang des Weges begruben. Gruslige Vorstellung.
Die Aussicht von diesem friedlichen Ort in Richtung Ben Nevis ist spektakulär. Diese Grabstätte hat eine ganz besondere Atmosphäre. Ein Gefühl uralter Loyalität und Zugehörigkeit.
Einer der ursprünglichen vier Zweige des Clan Cameron (und daher technisch gesehen keine „Septe“, aber hier zur Klarstellung enthalten) waren die MacSorlies einer der frühesten Stämme von Lochaber. Sie sollen ursprünglich von demselben „Stamm“ abstammen wie die MacDonalds, wie ihr Vatername andeutet – „Sliochd Shomhairle Ruaidh“, „The Race of Somerled the Red.“ Eng mit ihren Nachbarn, den MacMartins, verbündet, residierten die MacSorlies in Glen Nevis.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kamen die MacSorlies unter die Führung des Clan Cameron, obwohl sie den Namen Cameron scheinbar erst im frühen 17. Jahrhundert annahmen. Die MacSorlies/Camerons von Glen Nevis waren nicht die treuesten Anhänger der Cameron Chiefs. Es war bekannt, dass sie bei zahlreichen Gelegenheiten mit ihnen in Fehde standen.
Im Jakobiteraufstand von 1745 waren die MacSorlies/Camerons von Glen Nevis unter ihrem Anführer Alexander Cameron von Glen Nevis nicht „out“, aber viele von ihnen waren trotzdem bei Lochiels Regiment; Alexanders Bruder Angus hat die Rannoch Camerons versammelt, um sich dem Regiment anzuschließen.“ (Quelle: clan-cameron.org)In der Nähe des Glen Nevis House auf einem Hügel südlich der Straße liegt ein kleiner Friedhof namens „Tom-eas-an-t-slinnean“ (Hügel des Wasserfalls der Schulter). Hier liegen die alten Camerons von Glen Nevis begraben, die das Patronym von MacSorlie trugen, einem inzwischen ausgestorbenen Zweig des Clans Cameron. (Quelle: Canmore)
Abenteuer Highlands 3 – Ja hört das denn nie auf!
Nach den ersten Erfahrungen mit den Highlands habe ich das erste Buch geschrieben: Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland. Damals noch ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es vielleicht mehrere geben könnte.
Die Jahre gingen ins Land und die Abenteuer wurden nicht weniger. Deshalb, und weil ich immer wieder gefragt wurde, ob es nicht bald einen zweiten Teil von Abenteuer Highlands gäbe, habe ich ihn geschrieben. Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland – alles, was ein Doppelleben in zwei Ländern aufregend und erzählenswert macht.
Nun ist Abenteuer Highlands offiziell eine Serie und der nächste Band Abenteuer Highlands 3 – Ja hört das denn nie auf! seit Oktober 2023 als Taschenbuch und eBook bei Amazon verfügbar.
Man kennt es, es zieht einen Täter immer wieder und unwiderstehlich zurück zum Ort der Tat. Als Krimiautorin ist man ja auch so eine Art Täterin und ja, es zieht mich zurück zum Ort meiner Tat. Bewaffnet mit einer Kopie meines ersten Krimis wollte ich nach Skiary, um Fotos zu machen. Ein Plan, den ich schon länger in meinem Kopf hatte, aber nie so richtig motiviert war, ihn umzustezen. Bis dann die andere Nellie Interesse anmeldete. Sie hat Schatten über Skiary gelesen und wollte das Cottage unbedingt sehen.
Okay, zwei Nellies on Tour? Das klingt gut und Emma kommt natürlich mit.
„Es ist ein ziemliches Stück zu fahren!“ warne ich, knapp zwei Stunden von uns aus für eine Strecke, die Liftlinie nun wirklich nicht weit ist. Aber wie es nun mal so ist in Schottland. Die Straßen führen selten direkt zum Ziel und man muss Umwege in Kauf nehmen. Dazu ist die Strecke weitgehen single track road, also nur eine Fahrspur für beide Seiten.
Wir haben Glück und es sind nur wenige Autofahrer unterwegs und auch die Camper und Wohnmobile halten sich in Grenzen. Für die ist die Straße ohnehin weder gemacht noch erlaubt, was allerdings die wenigsten zu stören scheint im Urlaub.
Die andere Nellie ist zum ersten Mal nach Kinlochhourn unterwegs und beeindruckt.
„Warte mal ab“, sage ich. „Vom Ende der Straße sind es noch eine Dreiviertelstunde Fußweg auf einem schmalen Felsenpfand entlang der Küste.
Emma trabt fröhlich voraus und erkundet den Weg. Nellie hat Spaß, die Dinge persönlich zu entdecken, von denen sie gelesen hat und ich habe sehr viel Spaß, das alles mit ihr zu teilen.
In Skiary angekommen sieht vieles anders aus. Die Besitzer müssen dagewesen sein, seit ich das letzte Mal hier war. Es liegt eine andere Wachsdecke auf dem Tisch im Glashaus, die Fenster sind nicht mehr verbarrikadiert und zwei Gasflaschen stehen vor dem Haus. Zu sehen ist allerdings niemand. Schade, ich hätte gerne mein Buch dagelassen. So als Überraschung für die unbekannten Besitzer.
Emma erschnüffelt den Tatort und Nellie und ich machen es uns auf der Picknick Bank mit Chips und Cocktails gemütlich. Aus er Dose, muss ich zugeben. Aber ganz lecker. Martini mit Passionsfrucht. Passt so gar nicht nach Skiary, aber was soll’s.
Auf dem Rückweg treffen wir auf ein Paar, beide Ende Vierzig, Engländer in Funktionskleidung. Sie wollen wissen, wo wir herkommen.
„Skiary!“ sagen beide Nellies im Duett.
„Ah“, sagt sie. „Ist Skiary das Haus da unten?“
„Ja. Aber vorsicht. Ich bin Krimiautorin und dort unten passiert mein erster Mord“, antworte ich.
Sie schaut mich entgeistert an, dann lächelt sie und will wissen, wie das Buchg heisst.
„Schatten über Skiary“, sage ich. „Leider gibt es das aber nur auf Deutsch.“
„Schade!“ antwortet sie und macht sich mit ihrem Mann auf, Skiary zu erkunden während Nellie, Emma und ich uns auf den Heimweg machen.
„Wer weiß“, sage ich. „Vielleicht kommen irgendwann einmal tatsächlich Menschen hierher, weil sie das Buch gelesen haben.“
Als Isabel, Issy, Hartmann eine Wanderung zu einer idyllischen Bucht an der schottischen Westküste unternimmt, ist das Letzte, was sie zu entdecken erwartet, die Leiche eines Deutschen. Unvermittelt findet sich die Übersetzerin mitten in einer Mordermittlung, die sie immer wieder vor neue Herausforderungen stellt.
Detective Inspector Robert Campbell ist in der Gegend aufgewachsen und steht vor einem Rätsel: ein erschossener Tourist, mitten im Winter, den kein Einheimischer gesehen haben will. Was hat er da draußen in der Wildnis gewollt?
Issy Hartmann ist sich sicher, dass die Lösung des Falls im kleinen Örtchen Glenelg liegt, dort, wo jeder ein Geheimnis hat und keiner das ist, was er zu sein vorgibt. Kann sie die Mauer des Schweigens durchbrechen?
In der rauen Einsamkeit des schottischen Winters werden Robert und Issy hineingerissen in einen tödlichen Strudel aus Liebe, Leidenschaft und Gewalt.
Meine Schreibhütte ist ein Geschenk, aus vielerlei Gründen. Wer Fotos davon auf meinen Social Media Accounts gesehen hat, wird das nachempfinden können. Die Berge, das Meer, der Wind; gelegentlich kommt draußen vor der Tür eine Maus vorbei oder ein Zaunkönig macht einen flüchtigen Besuch.
Und dann kommt der Tag, an dem draußen ein viel größeres Tier seinen Auftritt hat: Boris.
Ich sitze am Schreibtisch und arbeite an meinem ersten Krimi. Es ist ein trüber Wintermorgen, dunkel und kalt liegt das Meer vor mir. In meiner Hütte aber ist es muckelig warm. Der Mann ist unten am Wasser, um Fotos zu machen. Da ist er täglich, an den Wochenenden oft über Stunden, sein Happy Place.
Ping! Eine WhatsApp Nachricht.
Schatz, hast Du den Seehund gesehen? Ich glaube, mit dem stimmt was nicht.
Warum? Schreibe ich zurück. Mir ist nichts aufgefallen. Ich bin mitten im Morden.
Ich stehe schon über eine halbe Stunde hier, aber er bewegt sich nicht von der Stellen. Und er kommt so komisch senkrecht aus dem Wasser und taucht genauso gerade wieder unter. Als ob er mit den Flossen unten am Grund festhängt.
Oha, denke ich. Wenn der Mann derart ausführlich schreibt, dann macht er sich Sorgen. Ich blicke aus dem Fenster und kann den Kopf des Seehunds im linken unteren Quadrat des Sprossenfensters sehen. Sehr gut, so habe einen Anhaltspunkt, ob er sich fortbewegt oder an derselben Stelle bleibt. Hoffentlich ist das Tier nicht in Not.
Ich schreibe und schaue, und schaue und schaue, immer mehr abgelenkt von dem möglichen Drama, das sich da unter Wasser abspielt und wir nicht erkennen können. Der Mann hat Recht. Der Seehundkopf taucht senkrecht auf, so als würde man ihn an einer Schnur aus dem Wasser ziehen. Sonst kommen die Köpfe eher in einer gleitenden Bewegung an die Oberfläche und dann sehen sie sich meist auch um. Wie ein Mensch, der die Umgebung prüft, ob er sicher ist. Dieser Seehund tut nichts dergleichen. Er benimmt sich, als hinge er im Wasser.
Jetzt, wo sich vor mir derartige Dramen abspielen, kann ich mich nicht mehr aufs Schreiben konzentrieren. Ich klappe das MacBook zu und schlüpfe in die Gummistiefel. Schnell gehe ich hinunter zu Strand. Der Seehund ist gerade untergetaucht. Die Stelle scheint ganz nah. Ob man vielleicht sogar hin waten kann?
Der Mann und ich debattieren, was zu tun ist. Hin waten gut und schön, aber was dann? Der Meeresboden fällt bald stark ab, wahrscheinlich müsste man den Rest schwimmen. Das Wasser hat 8° Celsius. Und dann? Was, wenn dem Seehund nicht klar ist, dass ich seine Rettung bin? Er könnte ja auch vermuten, dass ich ihn angreifen möchte. Oder generell in Panik um sich beißen. Sind Seehunde gefährlich? Die sehen so nett aus.
Der Mann findet, sie sehen eher gefährlich aus. Er weiß, das ich Greenpeace Mitglied bin und möglicherweise zu spektakulären Aktionen neige.
Google ist mein Freund, denke ich und mache mich an die Recherche.
Wie gut, wenn man eine Journalistin im Haus hat, denkt der Mann und beobachtet weiter.
Der schottische Tierschutzbund RSPCA hat alles auf der Seite, was man wissen muss. Einschließlich Telefonnummern, die man in einem Notfall anrufen kann. Ich checke die Sektion „verletzte Wildtiere“ und finde folgende Information:
Seien Sie vorsichtig, wenn Sie sich wilden Tieren nähern, da sie aus Angst kratzen und beißen können – besonders wenn sie verletzt sind. Wenn es nach dem Beobachten aus sicherer Entfernung möglich ist, das verletzte Tier zu einem nahe gelegenen Tierarzt oder Wildtierpfleger zu bringen, rufen Sie zuerst an, um sicherzustellen, dass das Tier untersucht und behandelt werden kann.
Wenn Sie eines dieser Tiere verletzt sehen, halten Sie einen sicheren Abstand, fassen Sie es nicht an und transportieren Sie es nicht:
Reh
Seehund
Wildschwein
Otter
Dachs
Fuchs
Schlange
Raubvögel (einschließlich Eulen)
Schwan
Gans
Reiher
Möwe
Ich stelle mir vor, wie der Mann und ich gemeinsam versuchen, ein Wildschwein in den Fiat Panda zu bekommen und muss grinsen.
Draußen taucht wieder der grauen Kopf den unglücklichen Tiers auf. Zeit für die Rettungskräfte, denke ich, rufe an und schildere den Notfall. Die Frau am anderen Ende der Leitung ist sehr nett, fragt nach und lässt mich erklären.
„Gehen Sie auf keinen Fall näher an das Tier heran. Seehunde sind gefährlich und haben scharfe Zähne. Ein ausgewachsenes Tier kann bis zu 300 Pfund wiegen und über einen Biss üble Krankheiten übertragen“, sagt die freundliche Schottin.
Oha, denke ich. Gut, dass ich nicht rausgewatet bin.
Ich gebe ihr unseren Post Code und sie checkt den Computer.
„Wir können Ihnen einen wildlife officer schicken. Das sind freiwillige Wildpfleger. Aber ich weiß nicht, ob ich sie an einem Sonntag gleich erreiche. Ich versuche es. Falls ja, kann sie in einer halben Stunde bei Ihnen sein“ erklärt die Frau vom Tierschutzbund.
„Und was macht die Wildpflegerin dann?“ möchte ich wissen. Wie will die ein derart schweres Tier transportieren?
„Oh, sie transportiert das Tier nicht“, erklärt die Tierschützerin am Telefon. „Sie hat eine Decke dabei. Die wirft sie dann über das Tier.“
Okay, denke ich. Wie kommt sie mit ihrer Decke zum Seehund? Und was passiert, nachdem sie sie Decke über ihn geworfen hat? Ich bin verwirrt.
Die nette Dame am anderen Ende erklärt: „Wir brauchen noch ein Boot, um näher an das Tier heranzukommen und einen Taucher, der sich dem Tier nähert und es möglicherweise losschneidet.“
Verstehe, die Decke kommt erst an Land zum Einsatz. Ich hatte vor meinem inneren Auge schon einen Deckenweitwurfwettbewerb am Strand gesehen. Ein bisschen wie mit den Ringen am Jahrmarkt. Und der arme Seehund mittendrin.
Der RSPCA kann eine Taucherin organisieren, aber die kommt aus Portree. Das sind neunzig Minuten, wenn die Straßen frei sind. Hoffentlich hält das Tier so lange durch. Das Wasser steigt, die Flut kommt. Was, wenn es ihm nicht mehr gelingt, die Nase über der Oberfläche zu halten. Dann stirbt das Tier. Man hört ja immer wieder davon. Wale, die qualvoll verenden, weil sie sich in Netzen verfangen haben und so. Wir müssen uns beeilen!
Die Taucherin ist vom BDML, dem British Divers Marine Life Rescue, auch sie ist auf freiwilliger Basis unterwegs aber ausgebildet für solche Fälle. Wahnsinn!
Fehlt nur noch das Boot. Inzwischen hat mir die Frau vom RSCPA (gibt es eigentlich auch Männer bei der Rettung von Seehunden?) die Nummer der Taucherin und die der Deckenwerferin geschickt. Ich lege eine WhatsApp Gruppe seal in distress an und poste die Bilder, die der Mann gemacht hat. Alle sind unterwegs. Und noch haben wir kein Boot. Unseres ist im Winterschlaf und nicht seetauglich. Es ist Anfang Februar, um diese Jahreszeit hat hier kaum jemand sein Boot im Wasser. Außer der Fischer im Nachbarort, der hier ihm Loch seine Reusen ausgelegt hat. Ich habe keine Nummer von ihm, aber von seiner Lebensgefährtin. Die rufe ich an. Nur leider, wie ich tags darauf feststelle, geht sie sonntags nicht ans Telefon. Sie ist Künstlerin, wahrscheinlich zieht sie sich da zurück.
Woher ein Boot kriegen? Der Mann weiß auch keinen Rat.
„Was ist mit der Fischfarm?“ frage ich. „Die haben doch mehrere dieser schnellen Boote.“
„Ja“, bestätigt der Mann. „Die arbeiten auch an einem Sonntag. Aber ob gerade die einen Seehund retten wollen? Die Seehunde attackieren die Lachse. Ich nehme an, die Jungs von der Fischfarm sind nicht gut auf sie zu sprechen.“
Dann muss ich sie eben davon überzeugen, denke ich. Die Jungs von der Fischfarm (obwohl ausgewachsene Männer hier nur als fish farm boys bekannt) sind unsere einzige Hoffnung, wenn wir den Seehund retten wollen.
Gerade taucht seine Schnauze wieder aus dem Wasser auf. Ich stelle mir fest, wie die Flosse in Takelage oder alten Seilen festhängt, vielleicht ist er ja auch verletzt. Ich hole den Schlüssel und fahre zur Fischfarm. Dort angekommen ist alles wie ausgestorben. Wo sind denn alle? Die arbeiten doch sonst immer sonntags. Normalerweise stehen um die zehn Auto auf dem Parkplatz, außer einem grünen Range Rover ist der heute leer. Einer ist also da. Aber wo. Ich hoffe er ist nicht draußen an den Netzen, da kann ich ihn nicht erreichen.
Ich klopfe an beiden Türen am Haus. Kein Laut, keiner macht auf. Ich lächle dümmlich in die Sicherheitskamera. Keine Reaktion. Ich schaue mich um. Auf der anderen Seite der Straße, da wo die ganzen Maschinen und Gabelstapler stehen, ist eine große Lagerhalle. Vielleicht ist da jemand.
„Hallo? Ist da jemand?“
Habe ich tatsächlich den Horrorfilm Satz gerufen?
Die Tür geht auf und ein Bilderbuchfischer tritt heraus. Etwa ein Meter achtzig groß, schlank, weiße Harre, weißer Bart, wie frisch aus der Werbung für wasserdichte Funktionskleidung. Er trägt gelbe HellyHansen Hosen über einem Norwegerpullover und eine blaue Stickmütze. Fast schon zu perfekt, um wahr zu sein, denke ich.
Als er spricht, muss ich mir ein Lächeln verkneifen. Mit leiser Stimme, die so gar nicht zu dem Seemannslook passt, und in sehr gewähltem Englisch, frägt er mich höflich nach meinen Begehr. Er lächelt freundlich und ich erkläre ihm den Notfall.
„Ich habe auch Fotos“, sage ich. Nicht dass er denkt, ich habe das alles erfunden.
„Darf ich die mal sehen?“
Das muss der höflichste Fischer/Fischfarmarbeiter Schottlands sein.
Ich nicke und zeige ihm die Fotos aus meine Handy. Jetzt nickt auch er.
„Habe ich mir gedacht“, sagt er. „Das ist Boris.“
„Boris?“ echoe ich etwas ratlos. Meint er wie Boris Johnson?
„Ja, genau wie der. Und er hat eine kleine Freundin, die heißt Nicola, wie Nicola Sturgeon“, ergänzt er.
Die Jungs von der Fischfarm haben den Seehunden Namen von Politikern gegeben!
„Ich bin übrigens Alan“, durchbricht seine zarte Stimme meine Gedanken und auch ich stelle mich vor.
„Du musst die keine Sorgen machen, Nellie. Das macht Boris immer so. Er bleibt oft für eine Weile an einer Stelle und schaut, ob sich eine Gelegenheit bietet. Wir haben im Moment keine Fische in den Tanks. Die neuen kommen erst in ein paar Tagen. Deshalb sind hier auch keine anderen Mitarbeiter. Wahrscheinlich ist er einfach nur hungrig und will gefüttert werden. Die Jungs hier füttern ihn, obwohl sie das nicht sollten. Und nun wartet er darauf, dass ihr ihm was gebt. Aber ich komme gerne mit und schau es mir an.“
„Mit dem Boot? Es sind nur wenige Meilen bis zu uns. Ich erkläre ihm, wo wir sind.“
„Nein, es ist zu windig. Da kann ich nicht alleine raus und es ist niemand da, der mich retten könnte, wenn was passiert. Die offenen Boote sind nicht ungefährlich. Aber ich bin mir sicher, das wir kein Boot brauchen. Das ist nur Boris, der Hunger hat.“
Okay, denke ich. Haben wir hier eine Riesenpanik wegen nichts veranstaltet? Oh je.
Ich schreibe der Taucherin und der Teppichfrau, das es vermutlich eine Entwarnung gibt, wir das aber noch einmal überprüfen wollen. Die Taucherin wollte gerade ins Auto steigen und losfahren. Die Teppichfrau ist gerade beim Mann am Strand angekommen. Wenig später treffen auch Alan und ich ein. Und Boris ist immer noch da. Dann schaut er Alan mit dunklen Augen an, senkt den Kopf und gleitet geschmeidig in den Wellen davon.
Die Schweinebacke hat uns nur was vorgespielt!
Alan bleibt noch eine Weile und sucht mit seinem Fernglas das Meer ab. Die sehr nette Teppichfrau, die mit ihren grauen langen Haaren wie ein aus den Siebzigern entflohener Hippie aussieht, steigt wieder in ihr Auto und fährt nach Hause. Wir entschuldigen uns ausgiebig, aber sie will nichts davon hören.
„War nett, euch kennengelernt zu haben“, sagt sie und fährt davon. „Schönen Sonntag noch!“
Ich hätte gerne den Teppich gesehen. Dann verabschiedet sich auch Alan.
Der Mann und ich sind allein. Seal in distress! Von wegen!
Am nächsten Abend klopft es an unserer Küchentür. Ich öffne und aus dem Gartendunkel tritt Alan hervor.
„Hallo, ich wollte euch nur sagen, dass wir heute Boris gesehen haben. Es geht ihm gut.“
Dan dreht er sich um und geht freundlich winkend zurück zu seinem Auto.
Also mal ehrlich. Man möchte nie ein Tier in Not sehen, aber in Schottland verbindet es die Menschen und schafft neue Freundschaften. Und nun reden wir über Boris als gehöre er zur Familie.
„Hallo Schatz, ich habe Boris heute Morgen gesehen.“
„Ist das Boris da draußen?“
„Boris war heute da?“
Was Boris wohl über uns denkt?
Abenteuer Highlands 3 – Ja hört das denn nie auf!
Nach den ersten Erfahrungen mit den Highlands habe ich das erste Buch geschrieben: Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland. Damals noch ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es vielleicht mehrere geben könnte.
Die Jahre gingen ins Land und die Abenteuer wurden nicht weniger. Deshalb, und weil ich immer wieder gefragt wurde, ob es nicht bald einen zweiten Teil von Abenteuer Highlands gäbe, habe ich ihn geschrieben. Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland – alles, was ein Doppelleben in zwei Ländern aufregend und erzählenswert macht.
Nun ist Abenteuer Highlands offiziell eine Serie und der nächste Band Abenteuer Highlands 3 – Ja hört das denn nie auf! seit Oktober 2023 als Taschenbuch und eBook bei Amazon verfügbar.