Die Spukgeschichte der Falls von Glomach

picture @Ewan Roy MacGregor

Eine Spukgeschichte aus den Highlands

Die Highlands sind voller Mythen und Legenden, doch manche Geschichten sind älter als die Zeit selbst. Eine davon erzählt vom Schäfer von Lienassie – und von der Frau, die ihn nie wieder losließ.

Die Falls von Glomach – Ein Ort des Schreckens

Die Falls von Glomach gehören zu den höchsten und abgelegensten Wasserfällen Schottlands. Ihr donnerndes Rauschen hallt durch die Berge, während die steilen Klippen ein Gefühl der Einsamkeit verstärken. Hier, an diesem düsteren Ort, geschah die Geschichte, die man sich in Kintail bis heute nur flüsternd erzählt.

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Die Begegnung mit der Frau und ihren Ziegen

Ein Schäfer aus Lienassie war eines Abends auf dem Rückweg von den Fällen, als er sie sah: eine Frau, die regungslos am Rand der Klippe stand. Ihr Gesicht war blass wie die Gischt des Wasserfalls, ihr Gewand von Wind und Wetter gezeichnet. Doch es waren ihre Augen, die ihn lähmten – tief, schwarz, leer.

Er hielt sie für die Frau, die hier oben die Ziegen hütete. Doch irgendetwas war seltsam an ihr. Der Schäfer wollte fliehen, doch die Frau hob langsam die Hand.

„Geh nach Plockton“, hauchte sie. „Sag ihnen …“

Der Wind riss die Worte fort. Sie gab ihm ein Haus und einen Namen.

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Von Angst getrieben rannte der Schäfer ins Tal. In Plockton angekommen, fand er das Haus, das die Frau ihm genannt hatte. Doch als er die Geschichte erzählte, erblasste der Mann vor ihm.

„Das ist unmöglich“, flüsterte er.

Die Frau, die der Schäfer gesehen hatte, war tot. Sie hatte sich Tage zuvor in die Falls von Glomach gestürzt. Ihr Körper wurde nie gefunden.

Die Flucht über das Meer

Der Schäfer verließ Plockton am nächsten Morgen.

„Ich muss das Meer zwischen mich und sie bringen“, murmelte er. Und so verließ er das Land, um nie wieder zurückzukehren.

Die Spukgestalt der Falls von Glomach

Bis heute erzählen sich Wanderer, dass sie eine Frau am Rand der Klippen gesehen haben. Man sagt, wenn der Wind sich dreht, hört man sie flüstern.

Und wer zu lange zuhört, den nimmt sie mit.

Glen Lichd: Wo Dunkelheit und Legende sich begegnen

Es gibt Orte in den Highlands, die eine Schwere in sich tragen – nicht nur durch die raue Natur oder das unberechenbare Wetter, sondern durch Geschichten, die seit Jahrhunderten in der kalten Luft hängen. Einer dieser Orte ist Glen Lichd, ein Tal, das von massiven Bergen flankiert wird. Es ist dunkel, selbst an den längsten Tagen im Sommer, denn der gewaltige Beinn Fhada und die hinteren Hänge der Fünf Schwestern von Kintail blockieren das Licht. Doch es ist nicht nur die Dunkelheit, die den Menschen Unbehagen bereitet. Es ist die Legende.

Das Verschwinden von Murdoch

Es war ein besonders harter Winter, als eine Gruppe von Jägern sich aufmachte, um in den abgelegenen Wäldern von Glenlicht Hunt Wild zu erlegen. Sie waren erfahrene Männer, bestens ausgerüstet, und unter ihnen war Murdoch, ein geschickter Schütze und ein mutiger Mann. Doch als die Jagd vorbei war und sich alle sammelten, fehlte einer – Murdoch war verschwunden.

Zunächst dachten seine Kameraden, er sei vielleicht umgekehrt oder hätte sich verirrt. Doch Tage vergingen, und von ihm fehlte jede Spur. 15 Tage und Nächte suchte man nach ihm. Seine Familie und Freunde streiften durch das Tal, riefen seinen Namen, durchkämmten jede Felsspalte. Die Kälte wurde gnadenloser, die Hoffnung schwand.

Die unheimliche Entdeckung

Dann, am dritten Tag, wurde er gefunden. Sein Körper lag am Fuße einer Schlucht. Der Schnee um ihn herum war unberührt, als hätte ihn jemand vorsichtig dort abgelegt. Keine Spuren, keine Anzeichen eines Kampfes, keine Erklärung für seinen Tod. Doch die Highlander hatten eine.

Ein dunkler Geist sei in Glen Lichd erwacht, flüsterten sie. Eine uralte Kraft, die ihre Opfer in den Nebel lockte, sie verschluckte und zurückließ, wenn ihre Seelen fort waren. Murdochs Bruder Duncan, ergriffen von der Tragik, verfasste ein Gedicht und ein Lied für seinen toten Bruder. Der berühmte Barde Iain Lom tat es ihm gleich. Bald kannte jeder in Lochaber und Kintail die traurige Melodie, die vom „verlorenen Jäger von Glen Lichd“ erzählte.

Die Jagd nach dem Monster

Jahrzehnte später konnte ein Mann die Geschichte nicht vergessen. Er beschloss, dem Fluch auf den Grund zu gehen. Er war kein abergläubischer Highlander, sondern ein entschlossener Skeptiker – und er hatte einen Plan. Mit zwei Pistolen, geladen mit Silberkugeln, zog er für 15 Nächte in das Tal. Er lagerte an jener Stelle, an der Murdoch gefunden worden war, wartete und beobachtete.

Die Nächte waren lang und eiskalt. Der Wind peitschte durch die Schluchten. Doch nichts geschah.

Der 16. Tag

Dann kam der 16. Tag.

Der Mann kehrte zurück – aber er war nicht mehr derselbe. Er sprach nicht über das, was er gesehen hatte. Er erzählte niemandem, was in jener Nacht passiert war. Doch seine Augen waren verändert, sein Blick unstet. „Ich habe ihn vertrieben“, murmelte er nur. Mehr sagte er nie.

Doch die Highlander glauben nicht, dass das Tal wirklich befreit wurde. Noch immer vermeiden es die Einheimischen, nach Einbruch der Dunkelheit in Glen Lichd zu gehen. Der Wind trägt manchmal eine unheimliche Stille mit sich, als hielte das Tal den Atem an. Und hin und wieder – wenn der Nebel schwer auf den Berghängen liegt – erzählen sich die Alten, dass dort immer noch etwas lauert.

Der schwarze Strand

ublack shore

Der gälische Ausdruck dubh-chladach, meint schwarzer Strand oder schwarze Steine und bezeichnet das Stück am Strand unterhalb der Linie, die der Seetang nach der Flut (ròlag ròid) hinterlässt. Schwarz, weil das Stück des Strandes oft noch feucht und deshalb dunkler ist, als der Rest.

Glaubt man den gälischen Mythen, dann ist dieses Stück ist das sicherste des Strandes, denn hier können einen weder böse Geister, noch Feen, Monster oder sonstige übernatürliche Wesen erreichen. Wer sich unterhalb der Flutmarke aufhält, dem kann nichts Böses geschehen.

 

Cha t’thig olc sam bith on fhairge – nichts Schlechtes kommt vom der See.

Außerdem können Geister auch Wasserläufe wie Flüsse oder Bäche nicht überqueren.

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