Das tapfere Schneiderlein

Klöster, die von Monstern heimgesucht werden, sind selten, nicht nur in Schottland, aber der Legende nach gab es genau hier in Beauly einst ein ganz grauenhaftes Monster.

Der Glaube war weit verbreitet, dass die Eaglais Mhòr na Manachain, die große Kirche des Klosters, von einer schrecklichen Kreatur heimgesucht wurde und niemand, der den Kirchhof oder die Grabstätten in der Kirche über Nacht beobachtete, jemals lebend zurückkam.

Wer würde es also wagen, sich künftig dem Unaussprechlichen zu stellen?

Abtei von Beauly

Es war natürlich ein Schneider. Es sind immer die Schneider in den alten Geschichten, die klug und mutig sind. Dieser besondere Scheider aus Beauly, das schottische tapfere Schneiderlein, beschloss, eine Nacht auf dem Friedhof zu verbringen, um eine Hose zu nähen. Wenn er schon auf Schlaf verzichtete, dann wollte er wenigstens etwas Vernüftiges tun.

In seiner Nacht auf dem Friedhof schien ein heller Vollmond und als die Glocken Mitternacht läuteten, tauchte der schreckliche, graue Kopf eines Monsters aus einem Grab auf. Der Spòg Liath (Graue Pfote) sah den Schneider mit toten Augen an und begann mit ihm zu sprechen.

Wann immer der Schneider sprach, blieb die Kreatur still und bewegte sich nicht, aber sobald der Schneider den Atem anhielt, wurde die grausige graue Gestalt immer größer und sagte ihm, wie hungrig sie war. Während des Gesprächs setzte der Schneider seine Arbeit fort, er war nicht gewillt, sich vertreiben zu lassen. Gerade als die Kreatur vollständig auftauchte und ihre knochige Hand nach ihrem Opfer ausstreckte, das jetzt nur noch wenige Zentimeter entfernt war, beendete der Schneider den letzten Stich und rannte zum Tor, um in letzter Sekunde die Flucht zu ergreifen. Anscheinend waren viele Jahre lang Spuren der Klauen des Tieres am Türrahmen der Kirche zu sehen. Es soll danach nie mehr aufgetaucht sein.

Abtei von Beauly

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