Der Mann spricht gerne, klassisch von Angesicht zu Angesicht, per WhatsApp oder Facebook, per Twitter, alles seins. Zu der Kategorie des schottischen Schweigers darf man ihn also keinesfalls zählen.
An meinen Redebedarf kommt er natürlich nicht heran aber das ist ja auch nicht weiter überraschend, Frau und Journalistin!
Im Gegensatz zu mir redet er auch gerne mit ihm wildfremden Menschen, manchmal fast schon überfallartig. Ein scheues englisches Touristenpaar, das nichts ahnend auf einem stillen Spaziergang von einem langhaarigen Einheimischen gestellt und herzlich begrüßt wird, ist keine Seltenheit. Sie murmeln meist oder schauen betreten zu Seite. So ein fröhliches Guten Morgen, wie geht es Ihnen? Was für ein großartiger Tag heute, oder? Ist dann doch etwas zuviel für das touristische Distanzbedürfnis der Urlauber aus dem Süden des Vereinigten Königreichs. Sie starren meist verkrampft aufs Wasser oder ringen sich ein etwas unrundes Nicken ab. Manchmal, wenn er besonders gut drauf ist, dann erschreckt er die Passanten gar mit einer Begrüßung auf Gälisch.
Ich lauere immer noch auf einen Gälisch sprechenden Touristen, der ihn mit einer Antwort aus dem Konzept bringt. Bislang ist noch keiner aufgetaucht.
Wie dem auch sei, der Mann ist kommunikativ, das ist ein urschottischer Wesenszug. Man spricht miteinander, auch (oder vielleicht ganz besonders) mit Fremden.
Es gibt aber Gegenüber, mit denen spricht der Schotte sehr ungerne. Der Stimme beim MacDonald’s Drive Through in Deutschland zum Beispiel. Er kann kein Deutsch aber das braucht man da ja nicht in dem Restaurant mit schottischen Namen, dessen Gerichte fast ausschließlich alle englische Bezeichnungen tragen aber wenn er einen toast mit cheese und bacon zum Frühstück (nicht, dass er das wollte aber für mich) oder ein Bacon Big Mac für sich, dann hört man die Fragezeichen förmlich aus dem Lautsprecher der Bestellsäule schweben. Man hat ihn nicht verstanden. Zu viel Akzent im Englischen.
Jemand, mit der der Mann auch nicht gerne spricht, ist Alexa. Ich spreche gerne mit Alexa und nutze sie auch häufig. Und man kann sie ja auch auf Englisch einstellen. Gar kein Problem.
Alexa, play Deep Purple.
Tut mir leid, das habe ich nicht verstanden.
Deep Purple!
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Alexa versteht kein schottisches Englisch. Man kann sie einstellen auf Amerikanisches Englisch, auf südafrikanisches Englisch, auf was weiß ich nicht für ein Englisch aber nicht auf schottisches Englisch. Ist genau so wie in meiner Lieblingscomedy mit den Schotten im Aufzug.
Warum sprichst du denn nicht mit Alexa frage ich heimtückisch. Wohl wissend, warum.
Er schaut mir tief in die Augen.
Un dann habe ich zwei Frauen, die gleichzeitig reden? Das ist mir zuviel.
Treffer. Versenkt.
