Frauen und Männer in Kilbride auf der Insel Skye

Kilbride auf der Isle of Skye ist heute nicht mehr als ein paar verstreute Häuser, Schafe und ein Marmor-Steinbruch in Strath Swordale, aber es war einst ein Ort der Anbetung, der Magie und der Rituale und ein Ort der Frauen oder zumindest ein Ort, an dem Frauen ihre Spuren hinterlassen haben.

Die verschwundene Kapelle der Äbtissin

Wie aufgrund seines Namens ziemlich offensichtlich ist, stand einst eine Kapelle in Kilbride, Cille Bhrìghde auf Gälisch, die Kirche der Heiligen Brigid, die wie so viele andere Heilige in Schottland irgendwann Ende des 5.  Anfang des 6. Jahrhunderts aus Irland kam. Von der Kapelle, die einst hier stand und der Äbtissin gewidmet wurde, sind keine Spuren mehr vorhanden. Die Existenz dieser keltischen Kultstätte lebt nur in dem Namen weiter, den der standing stone  in der Nähe trägt: Clach na h-Annait, Stein der Kapelle.

Clach na h-Annait

Die Mutter in der Höhle

Die heilige Brigid war nicht die erste, die hier verehrt wurde. Archäologen haben Spuren einer Siedlung und von Bestattungen in einer Höhle in Kilbride gefunden, die etwa 2700 Jahre zurückreichen. Eisenzeitliche Rundhäuser sind in der Gegend um Kilbride weit verbreitet. Ausgrabungen, die inzwischen wieder aufgefüllt wurden, enthüllten drei Gräber, eine Frau, einen Fötus und ein Kind. Warum sie hier beigesetzt wurden und wer sie waren,lässt sich nicht mehr sagen. Diese Frau hat keine Spuren hinterlassen, die Kinder auch nicht, aber die Höhle wurde wahrscheinlich für Rituale genutzt.

Der Quelle der Bräute

War diese Mutter in der Höhle der Ursprung einer anderen Legende? Anscheinend war es für junge Bräute der Gegend üblich, die Quelle Tobar Tà zu besuchen, um ihre Fruchtbarkeit sicherzustellen. Leider ist die Quelle im feuchten Boden nicht mehr auffindbar. Sie lag jedenfalls nahe der Straße von Broadford nach Elgol.

beach KIlbride

Die drei Toten der Quelle

Der Brunnen war einst berühmt dafür, dass er Teil der Prophezeiungen des Brahan-Sehers im 16. Jahrhundert war. Er hatte vorausgesagt, dass drei Torquils an einem nassen Tag im Bereich des Brunnens getötet werden würden. Dies wird im Allgemeinen drei Mitgliedern des Clans zugeschrieben, die starben, um Bonnie Prince Charlie während des Aufstands im Jahr 1745 und seiner Flucht nach Frankreich im Jahr 1746 im Regiment von MacKinnon of Strath zu unterstützen. Es wird angenommen, dass John MacInnes, Alexander MacLean und William Ross in der Gegend Zuflucht suchten und hier getötet wurden, wie es die Vorhersage des Sehers behauptet hatte. Es war schließlich auch hier, an Strand von Kilbride, wo Flora MacDonald und der flüchtende Prinz an Land gingen.

Tobar sin, is Tobar Tà

Tobar aig an cuirear blàr;

Marbhar Torcuil nan trì Torcuil

Luft latha fliuch aig Tobar Tà.

Die Quelle da ist Tobar Tà,

eine Quelle, an der eine Schlacht ausgetragen wird,

getötet wird Torquil der drei Torquils,

an einem nassen Tag bei Tobar Tà .

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Der König im Kino

Robert Bruce war nicht nur ein König, er war der König von Schottland. Wenn also die Aussicht besteht, den König zu treffen und mit ihm zu reden, dann sagt man da nicht nein.

Die Rede ist natürlich nicht von richtigen Robert Bruce, der starb ja bereits 1329. Die Rede ist vielmehr von Angus MacFadyen, dem Schauspieler, der in Braveheart den König spielte und nun mit seinem eigenen Film “Robert the Bruce” durchs Land reist, weil der Film nicht der Kassenschlager wurde, den man erhofft hat. Der Mann kennt MacFadyen nicht persönlich, obwohl er als Statist in Braveheart mitgewirkt hat.  Aber er kennt andere im Film und ist schon allein deshalb nicht abgeneigt, mit ins Kino zu gehen. Außerdem ist der Bruce Fan (der König, nicht der Schauspieler).

Sleat road

Ins Kino gehen? Naja, ganz so einfach ist das natürlich wieder nicht und gehen geht schon gar nicht. Das nächste richtige Kino ist in Inverness und damit 2 Stunden entfernt. Der Film wird in der Aula meines College gezeigt, das ist nur eine Stunde Fahrt von zu Hause. Richtigen Kinocharme hat das natürlich nicht, es ist nicht mehr als seine große Leinwand in einem Raum, der sich anfühlt wie eine Schulaula. Nichts für Cineasten also aber nach dem Film wird es eine Fragerunde mit dem Produzenten und Hauptdarsteller geben. Warum er gerade hierher in die Einsamkeit der Insel Skye kommt? Er hat Familie hier.

 

Die Fahrt ist trotz mäßigen Wetters wunderschön und wie freuen uns auf den Film. Und ich freue mich auf das College, mein nächster Gälischkurs steht bald an.

Angus MacFadyen

Wir finden einen Platz, das „Kino“ ist gut besucht und der König hält eine kleine Begrüßungsrede. Dann geht das Licht aus und wir reisen in den kalten Winter des Jahres 1306.

screening The Bruce in Sabhàl Mor OstaigDer Film ist Low Budget und hat keine der finanziellen Unterstützungen bekommen, auf die er gehofft hatte, die meisten Szenen wurden nicht in Schottland gedreht. Kamera und Schnitt bieten nichts Neues. Aber die Akzente sind gut, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass einige der Schauspieler Amerikaner sind. Der Film erzählt die fiktive Geschichte wie der König auf der Flucht und in einer Findungskrise im Haus einer Familie Schutz findet und über die Zeit der Genesung schließlich auch wieder zu sich selbst und der Aufgabe, die vor ihm liegt: Schottland zu vereinigen und gegen die Engländer zu verteidigen. Der Film hat nach dem ersten Drittel etwas Länge aber sonst ist er stimmungsvoll und für Schottlandfreunde auf jeden Fall sehenswert.

Weil sich der Film an den Kinokassen so schwer tut, muss MacFadyen eben durchs Land tingeln. In England kam der Film gar nicht erst in die Kinos, man hat ihm Nationalismus vorgeworfen. Zu Unrecht aber natürlich ist die Robert Bruce Story allein aus dem geschichtlichen Zusammenhang heraus eine Geschichte der Befreiung von England. Im Film kommt allerdings kein einziger Engländer vor. Dass aber Angus MacFadyen ein leidenschaftlicher Unterstützer der schottischen Unabhängigkeit ist, das weiß jeder, der ihm auf  Twitter @macfadyenangus folgt. Sein Hoodie beseitigt alle Zeifel.

MacFadyen in SMOEr spricht sehr offen über alles in der Fragerunde und als der offizielle Teil vorbei ist, drängen immer wieder Zuschauer um ihn, bitten um ein Foto. Vor mir ist eine Frau um die 60 mit schmalem Mund und grauem Pferdeschwanz. Sie hat das Bedürfnis sich zu rechtfertigen, weil sie Engländerin ist.

„I am an Anglo-Scots“ sagt sie mit südenglischem Akzent. Anglo-Schottin? Das habe ich auch noch nicht gehört. Der Bruce nickt und schweigt. Um ihn herum scharen sich die Engländer, die auf Skye leben und sich irgendwie nicht angesprochen fühlen möchten. Ganz offensichtlich hat der König auch 600 Jahre nach seinem Tod noch immer die Macht, Engländern das Fürchten zu lehren.