Glen Lichd: Wo Dunkelheit und Legende sich begegnen

Es gibt Orte in den Highlands, die eine Schwere in sich tragen – nicht nur durch die raue Natur oder das unberechenbare Wetter, sondern durch Geschichten, die seit Jahrhunderten in der kalten Luft hängen. Einer dieser Orte ist Glen Lichd, ein Tal, das von massiven Bergen flankiert wird. Es ist dunkel, selbst an den längsten Tagen im Sommer, denn der gewaltige Beinn Fhada und die hinteren Hänge der Fünf Schwestern von Kintail blockieren das Licht. Doch es ist nicht nur die Dunkelheit, die den Menschen Unbehagen bereitet. Es ist die Legende.

Das Verschwinden von Murdoch

Es war ein besonders harter Winter, als eine Gruppe von Jägern sich aufmachte, um in den abgelegenen Wäldern von Glenlicht Hunt Wild zu erlegen. Sie waren erfahrene Männer, bestens ausgerüstet, und unter ihnen war Murdoch, ein geschickter Schütze und ein mutiger Mann. Doch als die Jagd vorbei war und sich alle sammelten, fehlte einer – Murdoch war verschwunden.

Zunächst dachten seine Kameraden, er sei vielleicht umgekehrt oder hätte sich verirrt. Doch Tage vergingen, und von ihm fehlte jede Spur. 15 Tage und Nächte suchte man nach ihm. Seine Familie und Freunde streiften durch das Tal, riefen seinen Namen, durchkämmten jede Felsspalte. Die Kälte wurde gnadenloser, die Hoffnung schwand.

Die unheimliche Entdeckung

Dann, am dritten Tag, wurde er gefunden. Sein Körper lag am Fuße einer Schlucht. Der Schnee um ihn herum war unberührt, als hätte ihn jemand vorsichtig dort abgelegt. Keine Spuren, keine Anzeichen eines Kampfes, keine Erklärung für seinen Tod. Doch die Highlander hatten eine.

Ein dunkler Geist sei in Glen Lichd erwacht, flüsterten sie. Eine uralte Kraft, die ihre Opfer in den Nebel lockte, sie verschluckte und zurückließ, wenn ihre Seelen fort waren. Murdochs Bruder Duncan, ergriffen von der Tragik, verfasste ein Gedicht und ein Lied für seinen toten Bruder. Der berühmte Barde Iain Lom tat es ihm gleich. Bald kannte jeder in Lochaber und Kintail die traurige Melodie, die vom „verlorenen Jäger von Glen Lichd“ erzählte.

Die Jagd nach dem Monster

Jahrzehnte später konnte ein Mann die Geschichte nicht vergessen. Er beschloss, dem Fluch auf den Grund zu gehen. Er war kein abergläubischer Highlander, sondern ein entschlossener Skeptiker – und er hatte einen Plan. Mit zwei Pistolen, geladen mit Silberkugeln, zog er für 15 Nächte in das Tal. Er lagerte an jener Stelle, an der Murdoch gefunden worden war, wartete und beobachtete.

Die Nächte waren lang und eiskalt. Der Wind peitschte durch die Schluchten. Doch nichts geschah.

Der 16. Tag

Dann kam der 16. Tag.

Der Mann kehrte zurück – aber er war nicht mehr derselbe. Er sprach nicht über das, was er gesehen hatte. Er erzählte niemandem, was in jener Nacht passiert war. Doch seine Augen waren verändert, sein Blick unstet. „Ich habe ihn vertrieben“, murmelte er nur. Mehr sagte er nie.

Doch die Highlander glauben nicht, dass das Tal wirklich befreit wurde. Noch immer vermeiden es die Einheimischen, nach Einbruch der Dunkelheit in Glen Lichd zu gehen. Der Wind trägt manchmal eine unheimliche Stille mit sich, als hielte das Tal den Atem an. Und hin und wieder – wenn der Nebel schwer auf den Berghängen liegt – erzählen sich die Alten, dass dort immer noch etwas lauert.

Kreative Begegnungen in den Highlands

Es ist einer dieser schottischen Sonntagnachmittage, an denen der Regen horizontal fällt und der Wind einem ins Gesicht peitscht, egal in welche Richtung man sich dreht. Trotzdem brechen wir auf – der Mann mit dem Fahrrad, ich zu Fuß, Stöcke in der Hand und Regenjacke fest zugezogen. Der Weg führt uns eine Stunde lang durch das unnachgiebige Wetter zu einem kleinen Dorf, wo wir uns mit unserer Eichhörnchengruppe treffen. Der Wind heult so laut, dass wir kaum ein Wort wechseln können, und meine Kapuze klatscht unaufhörlich gegen mein Gesicht.

Als wir ankommen, ist das Bootshaus sofort zu sehen: ein kleines, charmantes Gebäude, geformt wie ein umgedrehtes Boot, das fast direkt am Wasser steht. Der Wind rüttelt an den Fensterläden, und die See ist so nah, dass ich beim ersten Schritt hinein ein leichtes Gefühl von Seekrankheit verspüre. Das Bootshaus scheint zu schwanken, was natürlich nur eine Illusion ist, aber es dauert eine Weile, bis ich mich an die Nähe der Wellen gewöhnt habe.

Das Bootshaus: Ein Ort voller maritimer Erinnerungen

Drinnen umfängt uns Wärme. Die Wände sind in Blau gestrichen, dekoriert mit nautischen Bildern: Segelboote, alte Karten und eine Sammlung von Muscheln. Auf einem Regal steht ein antiker Kompass neben einem kleinen Modellschiff. Der Coffee-Table im Zentrum des Raums ist übersät mit Büchern über Eichhörnchen und kleinen Figuren roter Eichhörnchen, die Nüsse in den Pfoten halten.

Der Wind heult weiterhin draußen, die Regentropfen klatschen gegen die kleinen Fenster, während wir begrüßt werden. Es ist eine kleine, aber lebendige Gruppe, fast alle aus England, und die meisten – wie wir – sind nur gelegentlich hier.

Eine bunte Truppe voller Geschichten

Da ist das Paar aus Cornwall. Sie spielt die Harfe und erzählt von Konzerten an der Küste, wo die Klänge ihrer Musik mit den Wellen verschmelzen. Er war einst auf einem großen Kreuzfahrtschiff angestellt, wo sich die beiden kennengelernt haben. „Romantisch, nicht wahr?“ sagt sie mit einem Lächeln, während sie eine Hand an seine Schulter legt.

Dann das zweite Paar: Er hat Handbücher für technische Geräte geschrieben, sie malt Aquarelle, inspiriert von den wechselnden Lichtstimmungen der Highlands. Sie beschreibt, wie sie die Farben der Wolken und der Heide in ihren Bildern einfängt. „Manchmal“, sagt sie, „reicht ein kurzer Blick aus dem Fenster, um ein ganzes Gemälde zu füllen.“

Das dritte Paar ergänzt die Gruppe mit ganz anderen Geschichten. Er war Lehrer und später Arzt, sie webt – ihre Stoffe erzählen von den Landschaften, die sie umgeben. „Die Struktur von Moos, die Wellen des Grases – all das findet sich in meinen Mustern wieder“, sagt sie leise, während der Wind draußen erneut gegen die Tür drückt.

Dann sind da noch zwei alleinstehende Männer, die ohne Frauen und ohne sichtbare kreative Leidenschaften gekommen sind. Sie reden mit ernster Miene über Boote, als ob die Welt davon abhängen würde, welches Material am besten für Rümpfe geeignet ist.

Cracker, Pilzpaste und Gemeinschaft

Wir setzen uns um den kleinen Tisch, auf dem Cracker mit Pilzpaste aus der Tube und ein saftiger Dattelkuchen bereitstehen. Ich bin skeptisch, was die Pilzpaste angeht, aber nach einem Bissen überrascht sie mich angenehm. Der Dattelkuchen hingegen ist ein Hit. Während der Wind draußen gegen die Wände drückt, erzählen wir uns Geschichten: von Eichhörnchen, die die neuen Futterstationen entdeckt haben, von Mardern, die nachts alles stehlen, und von Beobachtungen, die uns alle zum Lachen bringen.

Es ist seltsam und wunderbar, wie eine so unterschiedliche Gruppe von Menschen sich durch diese eine gemeinsame Aufgabe verbunden fühlt. Wir sind Eichhörnchenbeschützer, eine seltsame kleine Gemeinschaft, die sich mit Pilzpaste und Dattelkuchen gegen den Sturm stemmt.

Kreative Frauen in den Highlands

Während wir reden, fällt mir auf, wie viele der Frauen hier ihre Kreativität in die Highlands getragen haben. Bei den Männern scheint es mehr die harte Arbeit, Holz, Boote, Natur zu sein. Erestaunlich bleibt, wie sich vieles gleicht, obwohl wir alle doc so unterschiedlich sind.

Eine Verbindung durch Wind und Regen

Als wir uns verabschieden, umarmen wir uns kurz, lachen über den anhaltenden Sturm und treten hinaus in den Regen. Der Mann schwingt sich auf sein Fahrrad, während ich die Stöcke in die Hand nehme und die Kapuze festziehe. Der Wind bläst uns entgegen, und der Regen klatscht auf unsere Gesichter, doch die Rückwanderung fühlt sich leichter an.

Es ist ein seltsames, aber gutes Gefühl, zu dieser Gruppe zu gehören. Wir schützen nicht nur die Eichhörnchen, sondern teilen auch ein Stück von uns selbst: Geschichten, Lachen, und vielleicht ein bisschen Pilzpaste aus der Tube. Während wir nach Hause gehen, denke ich an das Bootshaus, die Bücher, die Geschichten – und daran, wie seltsam und wunderbar die Highlands sind.

Die Schönheit makelloser Muscheln am Meer

Muscheln, Haut und die Kunst des Alterns

Ich lebe am Meer, und diese Nähe ist ein unverzichtbarer Teil meines Lebens. Dort, an den kühlen Stränden, wo die Wellen ihre Geschichten flüstern, finde ich etwas, das für viele nur eine Laune der Natur ist: Muscheln. Aber nicht die gebrochenen, zerklüfteten Exemplare, sondern die makellosen, symmetrischen Schönheiten, die wie kleine Kunstwerke der Natur wirken. Sie spiegeln für mich das Ideal wider – die Harmonie und Perfektion, die die Natur erschaffen kann.

farbenfrohe Muscheln

Warum perfekte Muscheln so faszinierend sind

Eine perfekte Muschel ist wie ein kleines Wunder. Ihre symmetrische Form, ihre glatte Oberfläche und die oft zarten Farben erinnern mich daran, wie präzise und gleichzeitig verspielt die Natur sein kann. Jede unversehrte Muschel ist ein Zeugnis ihrer Reise – geformt von der See, aber dennoch unversehrt.

Für mich sind diese makellosen Muscheln wie kleine Schätze, die ich hüten möchte. Sie erinnern mich an die Momente im Leben, in denen alles im Einklang ist – selten und wertvoll.

Wenn ich eine perfekte Muschel in meinen Händen halte, fühle ich eine tiefe Verbindung zur Natur. Sie ist wie ein kleiner Anker, der mich daran erinnert, dass es inmitten von Chaos und Unbeständigkeit auch Momente von Perfektion geben kann.

Food For Thought – Miesmuscheln

Altern als Kunst begreifen

Das Altern – ob bei Landschaften oder uns selbst – ist ein Prozess, der oft Angst macht. Aber was, wenn wir es als Kunst sehen? Jede Falte und jede Spur auf unserer Haut ist eine Errungenschaft, ein Beweis dafür, dass wir gelebt haben.

Muscheln und Haut haben mehr gemeinsam, als man denkt. Beide sind Oberflächen, die ihre Umwelt widerspiegeln und von ihr geprägt werden. Unsere Haut schützt uns, sie regeneriert sich, aber sie altert auch. Ebenso tragen Muscheln die Spuren ihrer Umgebung – die Schärfe des Sandes, die Kraft der Wellen und die Berührung von Steinen.

Während gebrochene Muscheln oft von ihrer Vergänglichkeit zeugen, sehe ich in den makellosen Muscheln eine zeitlose Schönheit – eine Erinnerung daran, dass auch in der Natur Momente der Perfektion existieren, die Bestand haben können.

ein Sack voller Jacobsmuscheln

Die Magie von Muscheln: Ein Symbol der Harmonie

Makellose Muscheln tragen eine gewisse Magie in sich. Sie sind für mich ein Symbol der Harmonie und der Balance. Indem ich diese Muscheln in meine Hände nehme, fühle ich mich mit der Natur verbunden und finde Frieden in dem Gedanken, dass Perfektion nicht nur ein Ideal ist, sondern manchmal auch eine greifbare Wirklichkeit.

Begegnung mit meinen eigenen Krimi-Figuren

Ein Schreibtag, der nach frischer Luft ruft

Nach einem langen, intensiven Schreibtag brauche ich dringend eine Pause. Mein Kopf ist voller Worte, meine Gedanken noch tief in der Geschichte vergraben. Also beschließe ich, rauszugehen. Die Highlands rufen – und ich folge. Ich stelle mein Auto an meiner gewohnten Stelle ab und laufe los.

Kaum habe ich die ersten Meter hinter mir, kommt mir eine junge Frau auf einem Quad entgegen. Sie nickt mir lässig zu, dann verschwindet sie. Cool, denke ich. Sie wirkt, als gehöre sie genau hierher, als wäre die Landschaft eine Verlängerung ihres Wesens. Fast wie eine Figur aus meinen Büchern.

Die vermisste Frau – oder bin ich es?

Nach ein paar Minuten höre ich ein „Oi!“ hinter mir. Eine Frau rennt auf mich zu, außer Atem, den Blick konzentriert auf mich gerichtet.

„Sie sind nicht zufällig die vermisste Frau?“ fragt sie.

Ich blinzele. „Nein“, sage ich. „Nicht zufällig.“

Sie zieht ihr Handy hervor und zeigt mir ein Foto. Eine verschwommene Gestalt, aufgenommen von einer Überwachungskamera. Das Gesicht ist nicht erkennbar – aber die Kleidung? Haargenau das, was ich heute trage.

Für einen Moment fühlt es sich an, als würde sich die Realität verschieben. Ist das ein Zufall? Eine Doppelgängerin? Wer trägt noch schwarze Hosen, rote Jacke und schwarze Basecap?

Die Suche geht weiter – und ich werde verfolgt

Ich verabschiede mich und wandere weiter, doch die Begegnung bleibt mir im Kopf. Dann hält plötzlich ein großer Pickup neben mir. Zwei Männer sehen mich scharf an.

„Ich bin nicht die vermisste Frau“, sage ich sofort.

Aber sie suchen gar nicht mich – sie wollen nur sicherstellen, dass das deutsche Auto, das sie gesehen haben, wirklich mir gehört. Nicht, dass es jemand anderem gehört, der vermisst wird. Sie sind ernsthaft auf der Suche.

Nach einer kurzen Unterhaltung fahren sie weiter, und ich laufe tiefer in die Wildnis hinein.

Ein Wiedersehen in der Wildnis

Eine Stunde vergeht. Ich genieße die Stille, das Knirschen meiner Schritte auf dem Pfad. Dann sehe ich sie wieder – diesmal sind es vier Männer, dazu die Frau von vorhin und zwei aufgeregte Border Collies. Die Hunde stürmen auf mich zu, einer von ihnen wirft spielerisch Grashalme in die Luft, als wolle er mir zeigen, was er alles kann.

„Nichts gefunden“, sagt die Frau. „Wir waren sogar in der Berghütte.“

„Und niemand dort?“ frage ich.

Sie schüttelt den Kopf. Ich nicke, verabschiede mich erneut und wandere weiter. Ich frage mich, was ich tun würde, wenn ich tatsächlich jemanden finde. Aber ich finde niemanden. Ich setze mich auf meinen Lieblingsstein, lausche der Stille, lasse meinen Blick über die Highlands schweifen.

Der Moment, in dem Fiktion und Realität verschwimmen

Auf dem Rückweg begegne ich ihnen ein viertes Mal. Sie versuchen, den riesigen Pickup zu wenden. Es gibt genug Platz, aber ich kommentiere lieber nicht Männer beim einparken.

Ich sage nichts und laufe einfach weiter. Kurz darauf halten sie wieder neben mir.

„Wollen Sie mitfahren?“

„Nein, danke“, sage ich. „Ich will ja wandern.“

Ich sehe ihnen nach, wie sie davonfahren, und plötzlich trifft es mich.

Das war die Bergwacht von Glenelg. Das waren Donald und Stacey. Das war Rhu, der verspielte Hund aus meinem Krimi. Natürlich nicht wirklich – ich habe sie erfunden, in Band 1 der Highland Crime Serie um DI Robert Campbell, Schatten über Skiary. Genau so könnten sie sein.

Für einen Moment bleibt die Welt stehen.

Habe ich sie erschaffen? Oder haben meine Figuren mich gefunden?

Abenteuer Highlands 4: Geschichten aus Schottland

„Abenteuer Highlands 4“ ist da – Schottland-Happen für Fortgeschrittene


Ein neues Kapitel Highland-Leben – mit Ottern, Pannen, Pointen und stillen Momenten. „Abenteuer Highlands 4 – Schottland-Happen für Fortgeschrittene“ ist ab sofort als eBook und Taschenbuch erhältlich!


Wer schon einmal versucht hat, mit einem deutschen Navi über eine schottische einspurige Straße zu fahren, weiß: Das Leben in den Highlands ist nichts für Anfänger.

In „Abenteuer Highlands 4 – Schottland-Happen für Fortgeschrittene“ erzähle ich Geschichten von dort, wo die Landschaft atemberaubend, das WLAN fragil und das Wetter ein Charakter in sich ist. Es geht um verlorene Schlüssel, widerspenstige Technik, eine Ziege mit tragischer Geschichte – und um all die kleinen und großen Missgeschicke, die mich in Schottland begleiten.

Aber zwischen all dem Lachen, dem Kopfschütteln und der schrägen Situationskomik gibt es auch leise Töne. Momente, die nachdenklich machen. Über das Zusammenleben mit Mensch und Tier, über Verantwortung, Hilfsbereitschaft – und über das, was wirklich zählt.

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Ob du Schottland-Fan bist, selbst mal ausgewandert bist oder einfach gern lachst – in diesem Band findest du skurrile Beobachtungen, ehrliche Gefühle und ganz viel Highland-Flair.


Glen Loyne: Wo italienische Komödie auf schottische Highlands trifft

Heute gibt es eine skurrile Geschichte, die mich jedes Mal zum Schmunzeln bringt, wenn ich an einem meiner liebsten Wanderorte vorbeikomme: der kurzlebige Friedhof von Glen Loyne, der für einen italienischen Film in den schottischen Highlands errichtet wurde – und danach spurlos verschwand.

Ort des Fim-Friedhofs
Film Location

Eine Komödie, die durch die Zeit reist

Die Geschichte beginnt mit dem italienischen Film „A spasso nel tempo – L’avventura continua“ („Ein Spaziergang durch die Zeit – Das Abenteuer geht weiter“), einer temporeichen Komödie aus dem Jahr 1997, inszeniert von Carlo Vanzina. Der Film folgt den chaotischen Zeitreise-Abenteuern von Ascanio (Christian De Sica) und Walter (Massimo Boldi), die von der Steinzeit bis zur Mondlandung stolpern und dabei jede Menge absurde Missgeschicke erleben.

Quelle: IMDB

Es ist schon fast eine Sportart geworden: Wer durch die Highlands wandert, sucht automatisch nach Drehorten aus Outlander. Kaum hat man einen alten Baum oder eine zerfallene Mauer entdeckt, hört man hinter sich schon jemanden rufen: „Ist das Craigh na Dun? Oh mein Gott, Jamie war bestimmt hier!“

Manchmal kommt es mir vor, als hätte jeder Stein in Schottland eine Statistenrolle in der Serie gehabt. Aber jetzt stellt euch die Gesichter der Fans vor, wenn ich ihnen erzähle, dass in Glen Loyne kein Fraser, sondern zwei italienische Chaoten herumgestolpert sind, die Highlander parodierten und statt Steinkreise Grabsteine besuchten.

Auf ihrer Reise landen die beiden Chaoten im mittelalterlichen Schottland. Dort werden sie von englischen Soldaten für Anhänger von William Wallace gehalten und geraten in allerlei brenzlige Situationen – inklusive einer Begegnung mit einem vermeintlich unsterblichen Ritter, der sie für seine Rivalen hält.

Ein Friedhof aus Pappmaché

Ein Wanderparadies wird zur Filmkulisse

Für eine Szene im mittelalterlichen Schottland suchten die Filmemacher ein authentisches Highland-Setting mit einem Friedhof. Da es in Glen Loyne keinen gab, baute das Produktionsteam kurzerhand einen künstlichen Friedhof mit Pappmaché-Grabsteinen. Der Friedhof wirkte täuschend echt – ein perfekter Schauplatz für die typische italienische Slapstick-Komik, bei der die Protagonisten in klassischer Manier stolpern, sich verstecken und jede Menge Blödsinn machen.

Für mich hat das einen besonderen Reiz: Glen Loyne ist einer meiner absoluten Lieblingsorte zum Wandern. Jedes Mal, wenn ich jetzt dort entlanggehe, kann ich mir die absurde Szene förmlich vorstellen – die albernen Protagonisten und die Pappmaché-Grabsteine, die im Wind wackeln.

Und dann war alles weg

Blick auf Stein in Glen Loyne

Zurück zur Natur

Nach Abschluss der Dreharbeiten verschwand der künstliche Friedhof so schnell, wie er errichtet wurde. Das Team nahm alle Requisiten mit, und Glen Loyne kehrte in seinen natürlichen, unberührten Zustand zurück.

Wart ihr schon einmal in Glen Loyne oder kennt ähnliche Geschichten von Drehorten, die euch überrascht haben? Schreibt es mir in die Kommentare – ich bin gespannt!

Die Magie der Fahrt nach Sabhal Mòr Ostaig

Die Fahrt nach Sabhal Mòr Ostaig ist für mich fast genauso wichtig wie der Kurs selbst. Eine knappe Stunde dauert es, von meinem Zuhause bis zur Hochschule für Gälisch auf Skye zu fahren, aber die Zeit vergeht wie im Flug. Die Straßen winden sich durch die atemberaubende Landschaft der Highlands, vorbei an glitzernden Lochs und kargen Bergen, die in der Dämmerung fast unwirklich erscheinen. Ich fahre absichtlich immer etwas früher los, damit ich vor dem Kurs noch im Auto sitzen und aufs Meer hinausblicken kann. Es gibt nichts Besseres, um den Kopf frei zu bekommen.

Gestern war einer dieser besonderen Tage. Der Himmel war den ganzen Nachmittag über klar gewesen, und als die Sonne langsam unterging, brannte der Horizont in warmem Gold und tiefem Orange. Wir hatten uns gerade in dem kleinen Café versammelt, in dem unser Kurs stattfindet, als einer von uns aus dem Fenster schaute und abrupt verstummte. „Seht euch das an!“ Keine Sekunde später sprangen wir alle auf, ließen unsere Teetassen stehen und rannten hinaus. Mit gezückten Handys und Kameras standen wir auf dem Parkplatz und hielten diesen magischen Moment fest. Das Meer lag still da, als wolle es den Himmel spiegeln, und die Silhouetten der Berge zeichneten sich gestochen scharf vor dem leuchtenden Abendrot ab.

Zurück im Café, leicht fröstelnd von der kühler werdenden Luft, setzte sich die lockere Runde fort. Der Gälisch-Kurs – ein sogenannter „Srupag“ (gälisch: Srùpag, ausgesprochen sruu-pak), ein geselliger Treff mit Gesprächen auf Gälisch – besteht aus einer bunten Mischung von Menschen. Das Wort bedeutet eigentlich eine kleine Tasse Tee oder Kaffee und steht sinnbildlich für eine entspannte Runde, in der man miteinander plaudert. Einige sind fest entschlossen, die Sprache fließend zu beherrschen, andere wollen einfach nur ein wenig plaudern und die Klangmelodie der Sprache aufsaugen. Ich bin irgendwo dazwischen. Als ich das erste Mal erwähnte, dass ich Autorin bin, gab es neugierige Blicke und ein paar bewundernde „Oh“s. Die Reaktionen reichen von ehrlichem Interesse bis zu scherzhaften Kommentaren wie: „Schreibst du dann auch auf Gälisch?“ oder „Gibt es Morde in deinen Büchern? Hoffentlich nicht hier in Sabhal Mòr!“

Natürlich morde ich auch im College! In Band 2 meiner Reihe, Nightfall on Skye, gibt es ein Verbrechen direkt dort, und das sorgte prompt für neue Diskussionen. Eine der Teilnehmerinnen hatte mein Buch sogar im Auto liegen! Als sie es kurzerhand hereingebracht und stolz herumgezeigt hat, hätte ich beinahe vor Freude gequiekt. Es war einer dieser Momente, in denen ich so richtig gemerkt habe, dass meine Geschichten ihren Weg zu den Menschen finden.

Es ist eine besondere Gemeinschaft, die sich hier trifft – Menschen, die ihre Liebe zur gälischen Sprache teilen und dabei Geschichten austauschen, die oft genauso faszinierend sind wie die Landschaft um uns herum. Nach dem gestrigen Sonnenuntergang und dem spontanen Foto-Shooting war der Kurs gefühlt noch lebendiger als sonst. Vielleicht, weil wir uns alle bewusst waren, wie kostbar diese kleinen Momente sind, in denen die Welt stillzustehen scheint und sich die schottischen Highlands von ihrer spektakulärsten Seite zeigen.

Die wilden Ziegen von Glenshiel: Eine Familiengeschichte

Wer durch Glenshiel reist, wird oft von den zähen, langhaarigen Ziegen überrascht, die sich sicher auf den steilen Hängen bewegen und fast eins mit der wilden Landschaft der Highlands wirken. Seit Jahren ranken sich Geschichten um ihre Herkunft – manche behaupten, sie stammten aus der Zeit der Jakobiten oder seien Überbleibsel der Highland Clearances. Doch so spannend diese Legenden auch sind, die wahre Geschichte der Ziegen von Glenshiel ist viel greifbarer – und mit dem Schicksal einer ganz bestimmten Familie verbunden.

picture @Ewan Roy MacGregor

Woher kommen die Ziegen in Glenshiel

Die Geschichte beginnt am Eas nan Arm, dem Wasserfall unterhalb des historischen Schlachtfelds von Glenshiel. Hier lebte einst Alexandrina (Ina) MacRae, die in Ault a’Chruinn geboren und aufgewachsen war. Sie heiratete einen Stewart aus Tomdoun, und gemeinsam lebten sie in der Nähe des Wasserfalls, während ihr Mann für den Rat arbeitete und Straßen durch das abgelegene Hochland baute – eine harte, aber notwendige Arbeit.

Doch wie so viele Highland-Familien standen auch sie vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Als die Bauarbeiten abgeschlossen waren, gab es keine Arbeit mehr in der Gegend, und die Familie zog nach Edinburgh, wo Ina’s Mann eine Anstellung bei der Eisenbahn fand.

Der Abschied von den Ziegen

Ein Umzug in die Stadt war eine Sache, das Mitnehmen des Viehs eine andere. In jenen Tagen hatten Schafe und Rinder einen klaren wirtschaftlichen Wert – sie konnten verkauft oder mitgenommen werden. Ziegen hingegen? Die wurden kaum geschätzt. Sie galten als wenig nützlich und wurden nicht wie anderes Vieh gehandelt. Und so blieb der Familie keine andere Wahl, als ihre Ziegen zurückzulassen.

Das geschah noch vor dem Bau des Cluanie-Damms, der später die Landschaft der Region veränderte. Ihr Haus stand noch einige Zeit, doch 1967 wurde es abgerissen. Heute ist nur noch die Stelle zu erkennen, an der es einst stand – zum Glück existieren noch Fotos, die seine Erinnerung bewahren. Doch während das Haus verschwand, blieben die Ziegen.

Donald John Macmillan: Glen Shiel, Kintail – A history (2020)

Überleben in der Wildnis

Trotz ihres plötzlichen Schicksals bewiesen die Ziegen bemerkenswerten Überlebenswillen. Sie passten sich dem rauen Terrain an, ernährten sich von Heidekraut, Farnen und allem, was die Natur hergab. Über Jahrzehnte hinweg wuchs ihre Population, und sie wurden zu einem festen Bestandteil der Landschaft.

Heute glauben viele, dass diese Ziegen aus einer weit entfernten Vergangenheit stammen, dass sie vielleicht Nachfahren von Tieren sind, die mit den Jakobiten oder den vertriebenen Clans in Verbindung standen. Doch ihre Geschichte ist viel persönlicher – sie sind das Erbe einer Familie, die gezwungen war, weiterzuziehen, und der Tiere, die zurückbleiben mussten.

Und doch hat Ina sie nie vergessen. Jedes Mal, wenn sie zurückkam und die Ziegen sah, lächelte sie und sagte: „Das sind meine.“

picture: Ewan Roy MacGregor

Ein herzliches Dankeschön an Inas Verwandte für ihre Gastfreundschaft und dafür, dass sie diese Familiengeschichte geteilt hat – damit die wahre Herkunft der Ziegen von Glenshiel nicht in Vergessenheit gerät.

Aberdeen – Stadt der Widersprüche

Fünf Tage in Aberdeen reichen aus, um zu erkennen, dass diese Stadt voller Kontraste steckt. Auf den ersten Blick wirkt sie durch ihren grauen Granit und das oft düstere Wetter eintönig und kühl, fast steril. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt eine lebendige Café-, Restaurant- und Shopping-Szene, die dem Stadtbild eine überraschende Dynamik verleiht. Es ist eine Stadt im Wandel, eine, die nicht ganz weiß, wo sie hingehört – zwischen vergangenem Reichtum und einer ungewissen Zukunft.

Marishall College

Früher war Aberdeen das pulsierende Zentrum des Ölbooms. Man erzählte mir, dass man keine Straße entlanggehen konnte, ohne alle paar Meter jemandem im Anzug zu begegnen. Heute ist das anders. Die Industrie zieht sich zurück, und mit ihr verschwindet auch der sichtbare Wohlstand. Das merkt man nicht nur an der Atmosphäre, sondern auch an den Immobilienpreisen – laut einer aktuellen Studie sind die Hauspreise hier die niedrigsten in ganz Schottland. Ein Glücksfall für Käufer, aber eben auch ein deutliches Zeichen dafür, dass der Markt sich woandershin verlagert.

Grey Granite

Gleichzeitig gibt es in Aberdeen eine tief verwurzelte Tradition des Wissens. Die Universität, gegründet im 15. Jahrhundert, gehört zu den ältesten des Landes. Besonders spannend finde ich, dass hier Kriminologie studiert werden kann – eine Disziplin, die einen faszinierenden Einblick in reale Verbrechen gewährt. Viele Professoren engagieren sich aktiv im True-Crime-Spektrum, was Aberdeen einen modernen, intellektuellen Anstrich gibt.

Old Aberdeen, University District

Architektonisch hat die Stadt einige beeindruckende Gebäude zu bieten: die Cowdray Hall, das Marischal College, die Music Hall – alle aus massivem Granit. An sonnigen Tagen reflektiert der Stein das Licht auf eine fast silbrige Weise, aber an trüben Tagen verstärkt er nur die monotone Farbgebung der Stadt. Es gibt wenig Farbe, weder im Stadtbild noch oft im Wetter. Umso spannender sind die Street-Art-Murals im Banksy-Stil, die plötzlich aus dem Grau herausstechen und Aberdeen einen Hauch von Subkultur verleihen.

Street Art

Aberdeen ist ein Ort, den man erlebt haben muss. Ihre Gegensätze machen sie faszinierend – eine Mischung aus reicher Geschichte, intellektuellem Anspruch und einem Hauch von Melancholie. Ob ich hier leben wollte, weiß ich nicht. Aber als Reiseziel? Absolut. Ein Ort, der überrascht und irritiert – aber genau das macht ihn spannend.

ab ins Pub
William Wallace

Schottische Gritter: Kreative Namen und Gemeinschaftsgeist

Wenn Schnee und Eis auf schottischen Straßen regieren

In Schottland hat die kalte Jahreszeit eine ganz besondere Tradition – nicht nur wegen des Schnees, der die Highlands in ein Winterwunderland verwandelt, sondern vor allem wegen der Fahrzeuge, die dafür sorgen, dass die Straßen sicher befahrbar bleiben. Hier übernehmen keine anonymen Maschinen das Streuen und Räumen, sondern Charaktere mit Namen und Charme. Ja, Schottlands Räumfahrzeuge haben Namen, und zwar richtig kreative!

Ein landesweites Spektakel: Namensgebung als Volkswettbewerb

Seit Jahren werden die Namen der schottischen Räumfahrzeuge durch öffentliche Wettbewerbe gewählt. Die Aktion hat sich zu einer wahren Institution entwickelt, bei der Menschen aus allen Ecken des Landes Vorschläge einreichen können. Dabei zeigt sich die unbändige schottische Kreativität: Von humorvollen Wortspielen über Anspielungen auf Prominente bis hin zu liebevollen lokalen Bezügen ist alles dabei.

Die Aktion wird von Amey und anderen Organisationen durchgeführt, die für die Instandhaltung der Straßen in Nord- und Nordostschottland zuständig sind. Die Vorschläge werden gesammelt, eine Jury trifft eine Vorauswahl, und am Ende dürfen die Menschen abstimmen. Ein wunderschönes Beispiel dafür, wie eine alltägliche Aufgabe wie das Schneeräumen zu einem Gemeinschaftserlebnis wird.

Eine Tradition mit Herz

Diese besondere Praxis zeigt, wie viel Wert in Schottland auf Gemeinschaft und Identität gelegt wird. Ein Gritter (Räumfahrzeug) ist hier nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein kleines Symbol der Zusammengehörigkeit. Egal, ob auf den großen Routen der Highlands oder den kleinen Landstraßen – die liebevoll benannten Räumfahrzeuge sind ein beliebter Teil der schottischen Kultur.

Humor, der verbindet

Die Namen der Gritter erzählen Geschichten, bringen Menschen zum Lachen und schaffen eine Verbindung zwischen der Bevölkerung und der oft harten Realität des Winters. Und Hand aufs Herz: Wer hat nicht ein bisschen Spaß daran, zu erfahren, wie ein Gritter irgendwo in Schottland mit einem originellen Namen unterwegs ist, während er Straßen sicher und befahrbar macht?

Ein Blick auf die Karte

Für alle, die neugierig sind, wo diese charmanten Fahrzeuge gerade unterwegs sind, gibt es eine interaktive Karte. Diese zeigt in Echtzeit an, welche Gritter gerade im Einsatz sind. So kann man nicht nur die Straßenverhältnisse überprüfen, sondern auch sehen, ob ein Gritter mit einem besonders lustigen Namen in der Nähe unterwegs ist.

Ein Winterwunder aus Gemeinschaft und Kreativität

Schottlands Gritter sind mehr als nur Schneeräumfahrzeuge – sie sind ein Symbol für den schottischen Humor, den Gemeinschaftsgeist und die Verbindung zur eigenen Heimat. Also, wenn du das nächste Mal durch den Schnee in den Highlands fährst, schau genau hin: Vielleicht begegnet dir ein Gritter, der dich mit seinem lustigen Namen zum Schmunzeln bringt. Welcher ist dein Favorit?