Das Grab am Meer: Geheimnisse der Isle of Arran

Ein ungelöster Mord. Ein düsteres Familiengeheimnis. Ein Sommer auf der Isle of Arran.

Ich freue mich sehr, euch heute mein neues Buch vorzustellen:
„Das Grab am Meer“ – Highland Crime Band 4 – ist ab sofort erhältlich! 📚🌊

Eine Insel zwischen Nebel, Meer und Vergangenheit

Die Isle of Arran ist nicht nur Schauplatz dieser Geschichte, sie ist ein eigener Charakter – geheimnisvoll, eindrucksvoll und voller Schatten. Hier, inmitten von Bergen und Küsten, wird die Vergangenheit lebendig.

In „Das Grab am Meer“ treffen zwei Spuren aufeinander:

  • Ein echter historischer Mordfall, der nie vollständig aufgeklärt wurde.
  • Und das Verschwinden einer jungen Frau, das eine Familie über Jahrzehnte hinweg geprägt hat.

Worum geht’s im Buch?

DI Robert Campbell reist auf die Insel, um für eine True-Crime-Dokumentation den Goatfell-Mord von 1889 neu zu untersuchen – ein Fall, den kaum jemand außerhalb Schottlands kennt, der aber viele offene Fragen hinterließ.

Isabel Hartmann, deren Schwester vor dreißig Jahren auf Arran verschwand, kehrt zur gleichen Zeit zurück. Ihre Suche nach der Wahrheit wird zu einer gefährlichen Reise in alte, verdrängte Familiengeheimnisse.

Zwei Zeitebenen – eine Wahrheit

Das Grab am Meer“ verwebt wahre Begebenheiten mit fiktiver Spannung.
Der Roman bewegt sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Schuld, Erinnerung und dem menschlichen Bedürfnis nach Klarheit.

Atmosphärisch dicht, emotional vielschichtig – und immer wieder überraschend.

Jetzt erhältlich – als eBook und Taschenbuch

📖 „Das Grab am Meer“ ist ab sofort als Taschenbuch und eBook auf Amazon verfügbar.
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Wenn ihr düstere Inselkrimis liebt, gerne tief in Geschichten eintaucht und True Crime euch fasziniert – dann könnte dieses Buch genau das Richtige für euch sein.

Nächste Woche auf dem Blog: True Crime Spezial

🔍 In der kommenden Woche geht es hier um den wahren Mordfall, der dem Roman zugrunde liegt:
Der Goatfell-Mord von 1889 – ein ungelöstes Verbrechen mit spektakulären Wendungen.

Ich erzähle euch, was wirklich geschah, was die Presse damals schrieb – und warum dieser Fall bis heute nicht abgeschlossen ist.

Ich freue mich auf euer Feedback!

Wenn ihr das Buch lest, freue ich mich über jede Rückmeldung:
Ob Rezension, Kommentar oder Nachricht – euer Feedback macht meine Arbeit lebendig.
Lasst mich wissen, wie euch der neue Fall von Campbell & Hartmann gefallen hat!

„Das Grab am Meer“ gibt es hier

Kulinarische Entdeckung: Vegetarische Optionen in England

Der Mann und ich freuen uns jedes Mal, wenn wir unterwegs sind. Nicht nur wegen der Landschaft, der Geschichte oder der Abenteuer – nein, auch wegen des Essens. Oder besser gesagt, wegen der Herausforderung, etwas zu essen zu finden. Denn die kulinarische Reise in England kann eine ganz eigene Erfahrung sein.

Unterwegs gibt es zwei sichere Häfen für uns: Costa’s für mich und McDonald’s für den Mann. Dieses Mal landen wir bei McDonald’s. Die vegetarischen Optionen sind – sagen wir mal – überschaubar. Also bestelle ich mir ein Porridge. Das gibt es wahlweise mit Zucker, mit Marmelade oder mit Golden Syrup, geschmacklich irgendwo zwischen Honig und Ahornsirup. Sehr fein und mit sehr viel Kalorien. Ich löffle glücklich mein Porridge, aber kurz danach ist mir seltsam. Ob es am Porridge liegt? Ich hatte keine Wahl, es war die einzige Nicht-Fleisch-Option auf der Frühstückskarte ist.

Für den Mann ist Porridge keine Option. Er würde lieber verhungern. Ich hingegen würde lieber verhungern, als diesen Double Sausage Bacon McMuffin zu essen, den er sich mit Genuss einverleibt. Wir haben also einen Konsens gefunden: Ich bleibe bei meinem Haferbrei, er bleibt bei seinen Frühstückswürstchen, und so starten wir gestärkt – oder zumindest gesättigt – in den Tag.

Abendessen – Ein Hoch auf die Pubs

Das Abendessen hingegen ist eine ganz andere Geschichte. Am ersten Abend kehren wir in einen klassischen Pub ein – und ich bin begeistert. Die Auswahl an vegetarischen Gerichten ist fantastisch: vegetarischer Burger, Risotto, Rote-Bete-Bällchen, Salate – alles super. Der Mann ist glücklich mit seinem Steak, ich bin glücklich mit meinem Essen, und wir stoßen zufrieden mit unseren Getränken an. So geht’s doch!

Am zweiten Abend geht es in ein Fischrestaurant. Der Mann liebt Fisch, also bin ich natürlich dabei. Die Speisekarte sieht vielversprechend aus, und ich entdecke ein Zucchini-Pilz-Risotto. Perfekt! Als das Essen kommt, stelle ich allerdings schnell fest: Das ist kein Risotto. Das ist einfach nur Reis mit Zucchini und Pilzen. Risotto lebt von seiner cremigen Konsistenz, von der Geduld, es langsam zu rühren, bis der Reis genau die richtige Bissfestigkeit hat. Das hier ist einfach nur … na ja, Reis.

Später plaudert der Chef und Koch mit uns. Ich frage ihn, ob er Italiener ist, weil ich seinen Akzent nicht genau zuordnen kann. Er lacht und sagt: „Nein, Portugiese.“ Dann frage ich nach dem Risotto. Er winkt ab. „Nee, mach ich nicht. Dauert ja viel zu lange, wenn man es richtig kocht.“ Aha. So kann man es natürlich auch sehen.

Frühstück im Hotel – Voll Englisch und eingedeckt

Wir haben das Zimmer ohne Frühstück gebucht – ganz bewusst, damit wir flexibel bleiben. Doch nun, am Morgen, überkommt uns doch der Hunger, und wir beschließen, im zum Hotel gehörenden Pub nach Frühstück zu fragen.

Als ich eintrete, ist der Raum fast leer. Nur ein Ehepaar sitzt da, begleitet von zwei Hunden, die unter dem Tisch dösen. Der Mann raucht sicherheitshalber draußen. Nicht, dass er noch etwas fragen muss – das wäre ihm viel zu unangenehm.

Die Bedienung begrüßt mich freundlich. Irgendwas Ostdeutsches klingt in ihrem Akzent mit, aber genau deuten kann ich es nicht. Sie ist höflich und fragt, ob sie mir helfen kann. „Gibt es vielleicht Frühstück für uns?“, frage ich vorsichtig. Sie überlegt kurz, nickt dann und weist mich an, mich an den allerersten Tisch neben der Bar zu setzen. Direkt neben das Ehepaar mit den zwei Hunden.

Der Pub ist riesig. Unfassbar viele Tische. Doch aus irgendeinem Grund muss ich genau dort sitzen, als wäre es die letzte verbliebene Sitzgelegenheit. Das Ehepaar sieht nicht begeistert aus. Ich frage mich, warum man Gäste in einem fast leeren Raum zwingend nebeneinandersetzen muss. Vielleicht erfahre ich es noch.

Für das Frühstück im Hotel gönne ich mir dann doch mal ein Full English – vegetarisch natürlich. Gebratene Tomaten, vegetarische Würstchen, weiße Bohnen in Soße, gebratene Riesenpilze und ein Ei. Das Ei gebe ich dem Mann, den Rest esse ich mit braunem Toast und fühle mich tatsächlich ganz und gar zu Hause. Aber auch nach all den Jahren hier gibt es Dinge, an die ich mich nie gewöhnen werde. Und andere, die ich absolut liebe.

Als wir fertig sind, kommt die Bedienung zurück und fragt mit ernstem Blick: „Wollen Sie vielleicht morgen auch wieder hier frühstücken? Nur damit ich es weiß, wegen dem Eindecken.“

Ich blicke mich um. Auf den anderen Tischen steht genau das, was auch bei uns steht: ein Salzstreuer, ein Pfefferstreuer und zwei in Servietten eingewickelte Besteckteile. Ich frage mich, wie groß der logistische Aufwand wohl sein kann, diese gegenstände auf die Tischplatte zu legen. Ich schaue die Bedienung fragend an, sie hebt nur die Schultern und sagt: „Naja, ich muss ja eindecken.“

Ja, natürlich. Ich lächle verständnisvoll und sage: „Morgen nicht. Morgen sind wir unterwegs.“


Hadrianswall: Das römische Bollwerk gegen die Pikten

Hadrianswall – Eine Mauer gegen die Pikten

Der Hadrianswall ist eine der beeindruckendsten Hinterlassenschaften des Römischen Reiches in Großbritannien. Im Jahr 122 n. Chr. beschließt Kaiser Hadrian, dass es jetzt reicht mit den wilden Barbaren aus dem Norden. Also lässt er eine Mauer bauen. Eine große Mauer. Eine sehr lange Mauer. Ganze 117 Kilometer erstreckt sie sich von der Ostküste bei Newcastle bis zur Westküste bei Bowness-on-Solway.

Und warum? Wegen der Pikten. Die Pikten sind die Urbewohner Schottlands – furchtlose Krieger, die sich mit blauer Farbe bemalen, mit Vorliebe nachts angreifen und sich in den Wäldern verstecken, wenn die Römer zurückschlagen wollen. Guerillakrieg, bevor es überhaupt ein Wort dafür gibt. Das Problem für die Römer: Sie lieben ordentliche, planbare Kriege mit geraden Schlachtreihen. Die Pikten halten sich nicht an diese Regeln. Also bleibt den Römern nur eine Möglichkeit: Sie mauern sich ein.

Und was für eine Mauer das ist! Bis zu sechs Meter hoch, fast drei Meter dick und gespickt mit Wachtürmen, Meilenkastellen und großen Garnisonen. Sie ist ein militärisches Bollwerk, aber auch eine Art antike Zollstation. Wer aus dem Norden nach Süden will, braucht eine Genehmigung. Klingt mühsam, aber für die Römer ist es besser als ständig plündernde Pikten in den Grenzstädten.

Der Hadrianswall bleibt für Jahrhunderte in Betrieb, bis die Römer irgendwann einsehen, dass sie Britannien ohnehin nicht halten können. Danach verfällt er langsam, die Steine werden für Bauernhäuser und Straßen verbaut, und irgendwann sieht er mehr nach Ruine als nach Grenzfestung aus. Aber heute ist er noch erstaunlich gut erhalten.

Der Mann und ich haben beide noch nie viel davon gesehen, also erkunden wir ihn. Oder versuchen es zumindest. Ein Spaziergang entlang der Mauer klingt in der Theorie fantastisch, aber in der Praxis ist es gar nicht so einfach. Parkplätze? Nur an den offiziellen, kostenpflichtigen Bereichen. Einfach irgendwo anhalten? Fehlanzeige. Also suchen wir eine Stelle, wo wir endlich ein Stück laufen können. Und was soll ich sagen? Diese Mauer ist beeindruckend. Breit, stabil und unfassbar präzise gebaut – und das alles ohne Maschinen. Ich stehe fassungslos davor und frage mich, wie viele Legionäre und Sklaven wohl geflucht haben, als sie die Steine schleppten. Wahrscheinlich alle.

Die Borders – Umkämpftes Grenzland

Während der Hadrianswall eine militärische Grenze war, haben die Borders – das Grenzgebiet zwischen Schottland und England – eine ganz andere Geschichte. Über Jahrhunderte hinweg ist diese Region ein einziger Spielplatz für Kriege, Überfälle und Plünderungen. Hier verschiebt sich die Grenze ständig, je nachdem, wer gerade die Oberhand hat. Die Schotten? Die Engländer? Die Clans, die mal für die eine, mal für die andere Seite kämpfen? Niemand weiß es genau. Klar ist nur: Leben möchte man hier in der Vergangenheit lieber nicht.

Warum ist dieses Gebiet so umkämpft? Ganz einfach: Es ist fruchtbares Land, reich an Bodenschätzen und Handelsrouten. Wer die Borders kontrolliert, ist mächtig.

Im Mittelalter treiben hier die berüchtigten Border Reivers ihr Unwesen – Reiterbanden, die für niemanden außer sich selbst kämpfen. Heute würde man sie wohl als mittelalterliche Gangster bezeichnen. Sie stehlen Vieh, brennen Dörfer nieder und verschwinden wieder in den Hügeln. Namen wie Armstrong, Elliot oder Scott sind hier legendär – entweder als Helden oder als gefürchtete Banditen.

Erst mit der Vereinigung Schottlands und Englands 1707 beruhigt sich die Lage, aber bis dahin ist es ein wilder Ritt. Heute ist die Landschaft friedlich, grün und wunderschön – kein Vergleich zu früher. Während wir entlang des Hadrianswalls laufen, stelle ich mir vor, wie hier einst römische Soldaten Wache hielten, Pikten lauerten und Jahrhunderte später schottische und englische Krieger um dasselbe Stück Land kämpften. Heute sind es nur wir, ein paar Wanderer und eine beeindruckende Mauer, die noch immer standhaft die Geschichte bewacht.

Ein Roadtrip entlang der alten Grenze

Der Mann und ich fahren mit dem Auto quer an der alten Grenzlinie entlang, die uns mal nach England, mal nach Schottland bringt. Es ist eine witzige Erfahrung, denn es gibt nicht immer ein Schild, das uns mitteilt, wo wir gerade sind. Während auf den großen Straßen selbstverständlich riesige Schilder prangen – „Welcome to Scotland“ hier, „Welcome to England“ dort – verschwinden sie auf den kleinen Straßen oft völlig. Ich frage mich, ob wir uns gerade in England oder Schottland befinden, während der Mann nur trocken meint: „Ist doch egal, solange wir nicht zurück in den römischen Grenzbereich kommen.“ Sehr witzig.

Bamburgh Castle und Skelette: Eine Reise nach Northumbria

Ein Winterwochenende voller Abenteuer und Geschichte – genau das erwartete uns auf unserer Reise nach Northumbria. Anlass ist mein Geburtstag, und der Mann und ich haben beschlossen, mit dem Auto nach Bamburgh (spricht sich bamborra) zu fahren. Während er die Burg sehen will, die eine Rolle in den schottischen Unabhängigkeitskriegen spielte, habe ich einfach Lust, einmal eine andere Ecke Großbritanniens zu erkunden. Schließlich liegt die englisch-schottische Grenze nur wenige Kilometer weiter nördlich.

Eine Fahrt durch wechselnde Landschaften

Obwohl Winter, strahlt die Sonne am Himmel, und bei knapp 3°C ist es erstaunlich angenehm. Die Straßen sind ruhig, und wir genießen die Fahrt. Über Spean Bridge und Dalwhinnie geht es zur A9, dann um Edinburgh herum und entlang der Küste nach England. Mit jeder Stunde wandelt sich die Landschaft – von den schroffen Highlands mit schneebedeckten Gipfeln über sanfte Lowland-Hügel bis hin zur offenen Weite der Küstenregion Northumbrias.

Northumbria hat eine bewegte Geschichte. Einst eines der mächtigsten angelsächsischen Königreiche, war es ein Zentrum von Kunst und Gelehrsamkeit. Die berühmten Lindisfarne-Evangelien entstanden hier, bevor das Kloster von Lindisfarne von Wikingern überfallen wurde. Die Region wurde zudem immer wieder Schauplatz der Konflikte zwischen England und Schottland – und Burgen wie Bamburgh Castle spielten dabei eine Schlüsselrolle.

Bamburgh Castle – imposant, aber nicht ganz authentisch

Nach einer ausgedehnten Autofahrt erreichten wir schließlich Bamburgh Castle. Die Burg thront spektakulär auf einem Felsen mit Blick aufs Meer – ein beeindruckender Anblick. Doch drinnen machte sich eine leicht angestaubte Atmosphäre breit. Vieles wirkte rekonstruiert, was uns unweigerlich zur Frage brachte: Warum zahlen wir dem aktuellen Burgherrn eigentlich so viel Eintritt und Parkgebühren? Stolze Preise für ein Stück Geschichte!

Trotzdem machen wir das Beste daraus, gönnen uns einen Kaffee und einen sündhaft guten Brownie im Burg-Café und tauchen ein wenig in die Historie des Ortes ein.

Die Skelette von Bamburgh

Richtig spannend wird es aber in der Krypta von St. Aidan’s Church. Dort erfahren wir von den „Bamburgh Bodies“ – über 110 Skelette, die zwischen 1998 und 2007 südlich der Burg entdeckt wurden. Diese Menschen lebten im 7. und 8. Jahrhundert und stammten aus verschiedenen Regionen der Britischen Inseln und darüber hinaus. Ein faszinierender Beweis dafür, dass Bamburgh einst ein bedeutendes Zentrum für Handel und kulturellen Austausch war.

„Schon verrückt, dass sie das alles aus Knochen herauslesen können“, murmele der Mann, während er auf eine Stele mit Gesichtsrekonstruktionen einiger Skelette zeigt. Die Überreste sind heute in einem kunstvoll gestalteten Ossuarium beigesetzt, das wir durch ein kunstvoll geschmiedetes Gitter bewundern. Der lokale Schmied Stephen Lunn hatte es mit keltischen Knotenmustern und stilisierten Tiersymbolen verziert – ein Symbol für die Mischung aus angelsächsischer und keltischer Kunst. Die Atmosphäre ist ruhig, fast meditativ, und wir fühlten uns für einen Moment mit der Vergangenheit verbunden.

„Irgendwie krass“, meine ich. „Diese Menschen haben hier vor über tausend Jahren gelebt. Und jetzt stehen wir hier und schauen uns ihre Gebeine an.“

Ein perfekter Abschluss am Meer

Zurück in der Sonne lassen wir den Blick über das endlose Meer schweifen. Der Strand von Bamburgh erstreckte sich kilometerweit mit feinem Sand und Dünengras – ein krasser Kontrast zu den felsigen Buchten Schottlands. Diese Weite und Ruhe fühlten sich wie die perfekte Abrundung unseres ersten Tages in Northumbria an.

Fazit: Bamburgh Castle ist sehenswert, aber noch spannender ist das, was darunter verborgen war.

Aberdeen – Stadt der Widersprüche

Fünf Tage in Aberdeen reichen aus, um zu erkennen, dass diese Stadt voller Kontraste steckt. Auf den ersten Blick wirkt sie durch ihren grauen Granit und das oft düstere Wetter eintönig und kühl, fast steril. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt eine lebendige Café-, Restaurant- und Shopping-Szene, die dem Stadtbild eine überraschende Dynamik verleiht. Es ist eine Stadt im Wandel, eine, die nicht ganz weiß, wo sie hingehört – zwischen vergangenem Reichtum und einer ungewissen Zukunft.

Marishall College

Früher war Aberdeen das pulsierende Zentrum des Ölbooms. Man erzählte mir, dass man keine Straße entlanggehen konnte, ohne alle paar Meter jemandem im Anzug zu begegnen. Heute ist das anders. Die Industrie zieht sich zurück, und mit ihr verschwindet auch der sichtbare Wohlstand. Das merkt man nicht nur an der Atmosphäre, sondern auch an den Immobilienpreisen – laut einer aktuellen Studie sind die Hauspreise hier die niedrigsten in ganz Schottland. Ein Glücksfall für Käufer, aber eben auch ein deutliches Zeichen dafür, dass der Markt sich woandershin verlagert.

Grey Granite

Gleichzeitig gibt es in Aberdeen eine tief verwurzelte Tradition des Wissens. Die Universität, gegründet im 15. Jahrhundert, gehört zu den ältesten des Landes. Besonders spannend finde ich, dass hier Kriminologie studiert werden kann – eine Disziplin, die einen faszinierenden Einblick in reale Verbrechen gewährt. Viele Professoren engagieren sich aktiv im True-Crime-Spektrum, was Aberdeen einen modernen, intellektuellen Anstrich gibt.

Old Aberdeen, University District

Architektonisch hat die Stadt einige beeindruckende Gebäude zu bieten: die Cowdray Hall, das Marischal College, die Music Hall – alle aus massivem Granit. An sonnigen Tagen reflektiert der Stein das Licht auf eine fast silbrige Weise, aber an trüben Tagen verstärkt er nur die monotone Farbgebung der Stadt. Es gibt wenig Farbe, weder im Stadtbild noch oft im Wetter. Umso spannender sind die Street-Art-Murals im Banksy-Stil, die plötzlich aus dem Grau herausstechen und Aberdeen einen Hauch von Subkultur verleihen.

Street Art

Aberdeen ist ein Ort, den man erlebt haben muss. Ihre Gegensätze machen sie faszinierend – eine Mischung aus reicher Geschichte, intellektuellem Anspruch und einem Hauch von Melancholie. Ob ich hier leben wollte, weiß ich nicht. Aber als Reiseziel? Absolut. Ein Ort, der überrascht und irritiert – aber genau das macht ihn spannend.

ab ins Pub
William Wallace

Das Gefängnis am Meer – Ein Besuch in Peterhead Prison

Schottland ist ein Land mit einer dunklen und faszinierenden Kriminalgeschichte. Ich war an der Ostküste und habe mir eines der bekanntesten und berüchtigtsten Gefängnisse des Landes angesehen: das Peterhead Prison, oft als Scotland’s Alcatraz oder Scotland’s Gulag bezeichnet. Teil meiner Recherche für das neue Buch in der Highland Crime Serie.

Ein Ort voller Geschichten

Das Gefängnis liegt direkt an der Küste von Peterhead, einer Stadt mit langer Seefahrtsgeschichte. Ursprünglich wurde es gebaut, um billige Arbeitskräfte für den nahegelegenen Admiralty Yard zu haben, ein strategischer Stützpunkt der Royal Navy. Die Häftlinge wurden jedoch nicht – wie oft angenommen – für den Hafenbau eingesetzt, sondern ausschließlich für Zwangsarbeit im Steinbruch.

Zwischen 1890 und 1956 wurde das Gefängnis gebaut, doch durch Kriege und die Weltwirtschaftskrise zog sich die Fertigstellung über Jahrzehnte hin. Es war das einzige schottische Convict Prison, ein Hochsicherheitsgefängnis für die härtesten Fälle, und es sah mehrere Aufstände, darunter den berühmten Rooftop Riot von 1987, der erst nach fünf Tagen durch das Special Air Service (SAS) beendet wurde.

Düstere Einblicke in die Vergangenheit

Schon der Rundgang durch das Gefängnis war beklemmend. Mit einem Audioguide konnte ich mich frei bewegen – eine bittere Ironie in einem Ort, der genau das den Insassen verwehrte. Die winzigen Zellen, die Gänge mit den rostigen Gittern, der kahle Innenhof mit einem aufgemalten Fußballtor – als ob das hier jemals ein echtes Spielfeld gewesen wäre. Das Wort Strafraum bekam für mich eine ganz neue Bedeutung.

Besonders bedrückend empfand ich die Außenkäfige für den Freigang. Karge, ummauerte Flächen, von Stacheldraht umgeben. Hier konnten sich die Insassen „an der frischen Luft“ bewegen – allerdings unter maximaler Kontrolle.

Ich entdeckte Zellen mit künstlichem Blut, die an vergangene Verbrechen erinnerten, sah selbstgebastelte Waffen und originale Dokumente, die die Geschichte dieses Ortes erzählten. Die Strafen waren brutal: Gefangene wurden mit einer speziellen Peitsche ausgepeitscht, die das Fleisch aufriss. Das Gerüst, an das sie dafür gebunden wurden, existiert noch immer.

Und dann stand da ein Klavier. Ein Relikt aus einer Zeit, in der Musik vielleicht die einzige Möglichkeit war, dem monotonen, erbarmungslosen Gefängnisalltag zu entfliehen. Ein surrealer Anblick zwischen all der Kälte und Gewalt.

Kein Ort zum Verweilen

Am Ende meines Rundgangs kam ich in ein modernes, gemütliches Café. Der Kontrast hätte nicht größer sein können – aber ich hatte keinerlei Lust, mich hinzusetzen, einen Kuchen zu essen oder Kaffee zu trinken.

Es war ein Gefängnis.

Ich wollte einfach nur raus.

Wintersonnenwende in Schottland: Mystik, Tradition und ein Hauch von Humor

Die Wintersonnenwende, auf Gälisch „Oidhche nan Seachd Suipearan“, ist in Schottland – besonders in den Highlands und auf den Inseln – ein bedeutendes Ereignis. Sie markiert den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres, wenn das Licht zurückkehrt und die Tage wieder länger werden. Für viele Menschen in Schottland hat die Sonnenwende sogar mehr Bedeutung als Weihnachten selbst.

Die Wurzeln der Tradition

Die Kelten verehrten die Sonnenwende als spirituellen Wendepunkt: Das Wiedererwachen der Sonne symbolisierte den Triumph des Lichts über die Dunkelheit. Noch heute zeugen alte Steinmonumente wie die Callanish Stones auf der Isle of Lewis oder die Clava Cairns bei Inverness von dieser Ehrfurcht vor der Natur und den Sternen. Diese steinernen Zeitzeugen sind so ausgerichtet, dass sie die ersten Sonnenstrahlen des neuen Zyklus einfangen – ein beeindruckendes Zeugnis alter Himmelsbeobachtung und Spiritualität.

Clava Cairns near Inverness

Die Nacht der sieben Abendessen

Eine besondere gälische Tradition ist „Oidhche nan Seachd Suipearan“ – die „Nacht der sieben Abendessen“. Der Brauch sieht vor, dass man sieben kleine Mahlzeiten zu sich nimmt, um Fülle und Wärme während der dunkelsten Nacht des Jahres zu feiern. Moderne Varianten dieses Festes könnten ein gemütliches Beisammensein mit Freunden am Kamin sein, begleitet von Glühwein, Suppe oder köstlichem Gebäck. Doch der Kern der Tradition bleibt: Dankbarkeit und Freude über das Überstehen der dunklen Jahreszeit.

Clava Cairns

Wie die Schotten heute feiern

Auch heutzutage wird die Sonnenwende in Schottland mit einer Mischung aus alten Ritualen und modernen Eigenheiten gefeiert. Im Maeshowe Chambered Cairn auf Orkney zum Beispiel tauchen die letzten Sonnenstrahlen der Wintersonnenwende die alte Grabkammer in ein magisches Licht. Solche Momente verbinden Geschichte und Natur auf eine einzigartige Weise.

Doch das Wetter, das typisch schottisch sein kann – mit Regen, Wind und eisigen Temperaturen –, macht diese Feiern oft zu einem Abenteuer. Die Schotten nehmen das jedoch mit Humor: „Wenn dich der Wind nicht wegweht, bleibst du wenigstens warm am Feuer.“

Tipps für die Wintersonnenwende in Schottland

  1. Besuche einen Steinkreis: Die Callanish Stones oder die Clava Cairns sind beeindruckende Orte, um die Sonnenwende zu erleben.
  2. Zieh dich warm an: Wetterfeste Kleidung ist ein Muss – Schottland bleibt auch bei der Sonnenwende unberechenbar.
  3. Mach mit bei lokalen Bräuchen: Vielleicht findest du ein gemeinsames Festmahl oder eine Geschichtenerzählung – die Schotten teilen ihre Traditionen gerne.
  4. Nimm dir einen Moment für dich: Die Highlands bieten mit ihrer Weite und Stille den perfekten Ort für Reflexion und einen Neuanfang.

Warum die Sonnenwende wichtig bleibt

Die Wintersonnenwende erinnert uns an den Zyklus der Natur und die Kraft, die uns in den dunkelsten Momenten des Jahres am Leben hält. Es ist ein Fest der Hoffnung, des Lichtes und der Gemeinschaft. In Schottland, wo sich alte Bräuche mit modernem Leben vermischen, wird dieser Tag zu einem besonderen Ereignis, das Herz und Seele berührt.

Wenn du also jemals die Gelegenheit hast, eine Sonnenwende in Schottland zu erleben, nutze sie. Es ist eine Zeit der Magie, des Lachens und der kleinen, aber bedeutsamen Momente – sei es beim siebten Gang des Festmahls oder beim ersten Lichtstrahl, der über die uralten Steine tanzt. Und vergiss nicht, einen kleinen Schluck Whisky einzupacken, um die Nacht zu wärmen.

burial chamber Clava Cairns

Achtung! Es wird eng hier!

Meine Wanderung von Achnashellach zum Easan Dorcha und Coulin Pass

Die schottischen Highlands, ein Ort von wilder Schönheit und ungebändigter Natur, bieten Wanderern unzählige Möglichkeiten, sich in der Weite der Landschaft zu verlieren. Die Wanderung von Achnashellach zum Coulin Pass ist eine Route, die nicht nur mit atemberaubenden Ausblicken belohnt, sondern auch mit einer Herausforderung für Körper und Geist aufwartet. Stichwort Ironie, aber dazu gleich mehr.

path from Achnashellach towards Easan Dorcha

Die Reise beginnt in Achnashellach

Unsere Tour beginnt im malerischen Dorf Achnashellach, das in den nördlichen Highlands Schottlands liegt. Von hier aus führt der Weg durch eine Landschaft von überwältigender Schönheit, geprägt von grünen Tälern, schroffen Bergen und klaren Bächen. Die Luft ist erfüllt vom Duft wilder Blumen und dem Gesang der Vögel. So, stelle ich mir vor, wirbt der Reiseveranstalter für seine geführte E-Mountainbike-Tour und so ist es auch weitgehend, sieht man mal von dem malerischen-Dorf-Teil ab. Achnashellach ist nicht mehr als ein Bahnhof im Nirgendwo. Aber ein schöner. Man kann aussteigen und direkt losradeln.

Easan Dorcha, the dark waterfall
Nightfall on Skye
Highland Crime
Campbell & Hartmann 2

Der Aufstieg zum Easan Dorcha

Der erste Teil meiner Wanderung führt uns zum Easan Dorcha, einem nicht allzu großen, dunklen Wasserfall (wie der Name besagt), der dennoch beeindruckt, weil er sich malerisch ins Tal stürzt, umgeben von uralten Pinien und leuchtendgrünen Birken. Der Weg schlängelt sich durch dichte Wälder und über steinige Pfade, während ich langsam an Höhe gewinne. Der Anstieg ist anspruchsvoll, aber die Aussicht auf den Wasserfall entschädigt für alle Mühen, denke ich. Bis mir die Gruppe Mountainbiker entgegenkommt. Es ist, als wäre in einem Cross-Country-Weltcup auf der Rennstrecke gelandet. Nur, dass es sich hier nicht um Profis handelt, sondern um Hobbyfahrer, die verzweifelt ihre Bikes den schmalen Bergpfad hinaufschieben oder in Zeitlupe einen halben Meter hinter sich bringen. Ich stelle mich in den Matsch neben den Pfad und warte. Der Weg ist schmal und man kommt nicht aneinander vorbei. Es dauert guten zehn Minuten, bis alle an mir vorbeigekämpft haben. Eine Trennung zwischen Wegen für Mountainbiker und Fußgänger, wie wir sie im Schwarzwald haben, gibt es in Schottland nicht. Zumindest ist mir keiner bekannt. Auf der Wanderroute aber herrscht Verkehr wie auf der A8 bei Pforzheim. Das ist neu.

narrow mountain path

Über den Coulin Pass

Nachdem ich die Biker-Horde und Easan Dorcha hinter mir gelassen haben, führt der Weg weiter den Coulin Pass hinauf. Dieser Abschnitt ist mit einem breiten Weg gesegnet, doch nun ist kein Hobbyradler weit und breit zu sehen. Dafür die unendlich große Weite des schottischen Hochlands, kaum ein Baum. In der Ferne die Berge von Torridon, nichts als Licht, Luft und Weite. Und ein Schild: Danger. Confined Space. Eine Warnung vor zu wenig Raum in der Mitte der unendlichen Weite? Mein erster Gedanke: Ironie. Doch den nehme ich wieder zurück. Wohl eher Health & Safety. Das allumfassende Sicherheitsdenken im Vereinigten Königreich für alle Lagen des täglichen Lebens. Auch an Orten, wo man zwei Stunden wandern muss, um überhaupt hinzukommen. Egal, dies ist ein Estate und hier wird gearbeitet. Hätten sie mal lieber ein Radfahrer-Warnschild hingestellt als in der endlosen Weite des Hochlands eine Warnung vor zu wenig Platz.

Achtung! Es wird eng hier!

Warnschild Danger! Confined space

Nach 15km bin ich müde, aber zufrieden wieder zurück am Parkplatz. Keines der Autos hier hat eine Fahrradhalterung. Die Gruppe kann auch nicht per Zug gekommen sein, der passiert Achnashellach erst gegen 13 Uhr. Ein Tour-Veranstalter hat sie wohl rausgelassen und sammelt sie später wieder ein. Durch die e-Bikes sind die Highlands ein gutes Stück kleiner geworden. Vielleicht war es auch das, was das Schild sagen wollte: Achtung! Es wird eng hier!

Panorama Coulin Pass

Betrüger-Brüder

Im Gälischen nennt man das Jahr 1745 bliadhna Theàrlaich (sprich: blijanna tscherllich), Charlie’s Jahr. Das bezieht sich auf Charles Edward Stuart und dessen Versuch, 1745 des schottischen Thron zu erobern, den seine Linie verloren hatte. Ein Mann, der Geschichte geschrieben hat, romantische wie tragische. Der gescheiterte Versuch hate brutale Folgen für die gälisch sprechende Bevölkerung der Highlands.  

St Mary's Chapel Eskadale graveyard @nme Nellie Merthe Erkenbach

In Strathglass, einer katholischen Gegend in der die Unterstützung für Bonnie Prince Charlie groß war, findet sich das Grab zweier Brüder, beide vermeintliche Stuarts. Ein stolzes Steinkreuz markiert das Grab von John Sobieski Stuart, auch bekannt als „The Chevalier“, beide Namen sind nicht echt, man könnte sie tatsächlich als seine Künstlernamen bezeichnen, weil er ins Rampenlicht trat, um das zu sein, was jeder schottische Romantiker sehen wollte – ein verlorener Nachkomme des letzten und tragischen schottischen Prinzen. Er war ein Betrüger, genau wie sein Bruder.

Grab des Sobieski Stuart Eskadale @nme Nellie Merhe Erkenbach

John Carter Allen (1795–1872) und Charles Manning Allen (1802–1880) beschlossen eines Tages, sich als Enkel von Bonnie Prince Charlie zu etablieren, und zu behaupteten, der Prinz habe mit seiner deutschen Frau Prinzessin Louise von Stolberg-Gedern in Italien einen heimlichen Sohn gezeugt. Er sei damals 51 und sie 19 gewesen. Dann seien das Kind, der jakobitische Erbe, auf das Schiff des Großvaters gebracht worden. Der Großvater habe daraufhin diesen königlichen Flüchtling adoptiert und ihn als seinen eigenen aufgezogen. Als Söhne dieses Vaters behaupteten die beiden Brüder, verlorene Enkel von Charles Edward Stuart zu sein.

Das Grab der vermeintlichen Stuarts

Dies war natürlich eine komplette Erfindung, aber die Brüder lebten ihre Rolle. In Kilt und Tartan gekleidet durchstreiften sie die Highlands, konvertierten zum Katholizismus und lebten unter dem Schutz jakobitischer Clans wie den Frasers. Der 14. Lord Lovat baute sogar eine Jagdhütte auf einer Insel im Fluss Beauly für die beiden und gewährte ihnen eine letzte Ruhestätte im Kirchhof von St. Mary’s in Eskadale. Ob er ihnen geglaubt hat? Wer weiß, aber er hat sie sicherlich gut behandelt.

Diejenigen, die behaupteten, Charlies Enkel zu sein, gaben bis zum Ende vor, das zu sein, was sie nicht waren – von königlichem Blut. Sie hatten natürlich einen gewissen Einfluss auf ihre Zeit. Die Niederlage von Culloden und die anschließende Unterdrückung der Highlander, hatten blutige Narben in den Herzen aller schottischen Clanmitglieder hinterlassen. Was die Brüder gaben, war Hoffnung. Die Erfüllung der Sehnsucht, dass es noch nicht vorbei war. Nicht für immer verloren. Dass es eines Tages wieder einen Stuart auf dem schottischen Thron geben würde und, was die beiden „Stuarts“ anging, natürlich auch auf dem englischen.

Beide Brüder starben Ende des 19. Jahrhunderts und wurden in Eskadale begraben. Sie hatten mit ihren romantischen Geschichten aus der Vergangenheit ein Tartan-Revival ausgelöst. Nun rühmten sich gar die Grenzclans plötzlich mit einem eigenen Tartan, den sie zuvor nie besessen hatten. Ihnen und dem Vestiarium Scoticum (1842) sind viele der heute existierenden Clan-Tartans ist es zu verdanken.

Nellie Merthe Erkenbach: St Mary’s cemetery Eskadale

Diese und andere Geschichten findet ihr in Schottland für stille Stunden. Das Taschenbuch und auch das eBook gibt es bei Amazon.

Die Toten der Abtei von Lindores

Lindores Abbey ist heute nicht mehr als ein paar bröckelnde Mauern. Doch Einiges in der romantischen Ruine weist auf eine dunklere Vergangenheit hin. Hier ist schon mancher tragische Todesfall eingetreten. Viele Leichen wurden an diesen Ort gebracht. Die Abtei war einst ein Friedhof für die Reichen, Berühmten und Unglücklichen.

David, Earl of Huntingdon, gründete Lindores Abbey im späten 12. Jahrhundert. Französische Mönche machten es zu einem blühenden Machtzentrum, nach der Reformation wurde die Abtei nicht mehr genutzt. Ein Schicksal, das sie mit vielen katholischen religiösen Stätten in Europa teilte. David war der Enkel von David I, dem frommen schottischen Monarchen und anerkannten Heiligen. Zwei seiner kleinen Söhne, Robert und Henry, liegen ebenfalls in Lindores begraben.

Alexander, Erbe des schottischen Throns, starb im Januar 1283 in Lindores, wo er höchstwahrscheinlich von den Mönchen wegen einer unbekannten Krankheit behandelt wurde. Als die Nacht hereinbrach und sein Tod nahte, soll er gesagt haben: „Vor dem morgigen Sonnenaufgang wird die Sonne Schottlands untergegangen sein.“ Was folgte, war Krieg mit England und schließlich die Schlacht von Bannockburn.

Ein weiterer Thronfolger, David Stewart, Duke of Rothesay, starb unter schrecklichen Umständen im Falkland Palace und wurde in der Abtei von Lindores begraben. David hatte als Leutnant von Schottland gehandelt, während sein Vater nicht regierungsfähig war und der Konflikt mit England und zivile Unruhen das Land destabilisierten. Robert Stewart, Herzog von Albany, hatte vor ihm den Titel Stewart von Schottland getragen und selbst Ambitionen auf den Thron. Er ließ ihn verhaften und im Falkland Palace einsperren, wo er seinen Neffen verhungern ließ.

Das Sprichwort sagt, dass der Weg zwischen einem königlichen Gefängnis und einem königlichen Grabmal kurz ist. Die Tradition hat sein Scheiden dem Hungertod zugeschrieben; und während es Sir William Lindsay von Rossie und Sir John von Ramornie als Urheber seiner Verhaftung und zwei minderwertige Agenten, Selkirk und Wright von Falkland, als die unmittelbaren Täter des Mordes nennt, seinen Onkel Albany und Archibald Tyneman, den Sohn des grimmigen Earl of Douglas sollen sein Schwiegervater und der Ehemann seiner Schwester Anstifter gewesen sein. Die Geschichte von der Frau, die ihn mit Milch aus ihrer Brust ein wenig am Leben erhielt, die durch ein Rohr in seinen Kerker eingeführt wurde, und von einer anderen, die ihn mit einer mageren Hafermahlzeit versorgte, wie er sich von seinem eigenen Fleisch ernährte und welche Wunder vollbracht wurden bei seiner Leiche in Lindores, wo vielleicht noch sein leerer Steinsarg zu sehen ist, waren fiktive Ergänzungen, um die Düsterkeit der dunklen Geschichte zu verstärken. (John M. Leighton: Geschichte der Grafschaft Fife. Swan, Glasgow, 1840)

Die Wunder, die der Leichnam vollbrachte, waren Legende und sein Grab wurde zu einem Wallfahrtsort. Lindores war der „Ort der Wunder“.

1218 ereignete sich in der Abtei ein schrecklicher Unfall und der Prior von Durham verlor sein Leben. Er war von Aberdeen nach Süden reiste und hatte in Lindores übernachtet. Ein Feuer war ausgebrochen, verursacht durch die Unachtsamkeit der Bediensteten. Der Prior muss eine schwere Rauchvergiftung erlitten haben und starb wenige Wochen später.

James, 9. Earl of Douglas, war der letzte der berühmten, manche würden sagen, berüchtigten Black Douglas. Nach der Ermordung seines Bruders durch König James II und seiner Anhänger griff James Stirling in offener Rebellion gegen den König an. Er heiratete die Schwester seines Bruders und intrigierte aus England weiterhin gegen James II. 1484 wurde er gefangen genommen und in die Abtei von Lindores geschickt. Er soll gemurmelt haben: „Wer nicht besser sein kann, muss Mönch sein.“ Er sollte bis zu seinem Tod sieben Jahre später bei den Mönchen bleiben.

Viele der Schlüsselfiguren, mutige und rücksichtslose Männer, die die schottische Nation aufgebaut haben, haben Lindores Abbey besucht oder sind sogar in Lindores Abbey gestorben. William Wallace, der legendäre Kämpfer für die schottische Freiheit, pausierte ebenfalls hier, um Wasser für seine Verwundeten in den Wäldern zu sammeln.

Im Jahr 1306 schworen Sir Gilbert Hay of Errol, Sir Neil Campbell of Lochaw und Sir Alexander Seton, auch bekannt als die drei mächtigen Ritter, feierlich, „König Robert Bruce und seine Krone bis zum letzten Blut und Vermögen zu verteidigen“. In Lindores wurde ein Gelübde abgelegt, den König zu beschützen, der Schottland gemacht hat.

Auf der anderen Straßenseite steht eine Whisky Destillerie. Der Destillierapparat der Mönche wurde in einem Dokument aus dem 12. Jahrhundert erwähnt und ist damit einer der ältesten in Schottland. Heute ist schottischer Whisky nicht nur ein modernes, es ist auch ein internationales Geschäft. Die Gewinne gehen an drei russische Geschäftsleute.

Highland Crime Band 2: Im Dunkel von Skye

Ich habe ein Leben lang leidenschaftlich gerne Krimis gelesen und 2021 meinen ersten geschrieben: Schatten über Skiary, Band 1 der Highland Crime Serie um DI Robert Campbell und die deutschen Übersetzerin Isabel Hartmann. Der Krimi spielt in Glenelg und an einem der abgelegensten Orte Lochabers – Skiary.

In Band 2 finden die Ermittlungen auf der Isle of Skye statt.

DI Robert Campbell genießt seinen Motorrad-Urlaub an der schottischen Westküste. Übersetzerin Isabel, Issy, Hartmann ist auf der Insel Skye, um Gälisch zu lernen. Am Sabhal Mòr Ostaig College stößt sie unvermittelt auf einen ungeklärten Todesfall.

Starb die Studentin wirklich eines natürlichen Todes? Issy hat ihre Zweifel und stellt Nachforschungen an. Wer im Sprachkurs könnte ein Motiv gehabt haben? Und wie war es gelungen, die Tat zu verschleiern?

Weil Isabel Hartmann ihn um Hilfe bittet, nimmt sich DI Robert Hartmann inoffiziell des Falls an. Doch dann gibt es einen weiteren Toten, der offensichtlich mit den ursprünglichen Ermittlungen in Verbindung steht. Unvermittelt wird Isabel von der Hobbydetektivin zu einer Verdächtigen.