Der tote Ehemann der „Killerlady“

Lochaber und die Morvern Halbinsel strahlen eine ganz eigene Faszination aus an einem nebligen Sommermorgen. Es ist still in der Frühe, Nebelschleier überziehen den Blick in die Natur. Das Meer ruht grau, die Berge grün, irgendwo ruft ein Kuckuck.

Morvern @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Kingairloch ist ein gepflegter Estate, privater Großgrundbesitz, mit einer Reihe von Ferienhäusern und ordentlichen Wegweisern. Die Begräbnisstätte „The Field of the Church“, Dail na Cille, liegt fast am Ende der schmalen Straße, man muss wissen, wonach man sucht, wenn man diesen Ort finden will. Kingairloch ist ein abgelegener Teil der Morvern-Halbinsel.

Das Feld der Kirche – Dail na Cille

Im „Feld der Kirche“ gibt es keine Kirche mehr, nur ein paar alte und neue Gräber und ehemalige Grabanlagen. Keine Mauer trennt die Gräber vom Feld. Das Meer ist nur wenige Meter entfernt.

Das ist das Setting. Nehmen wir die alte Begräbnisstätte etwas genauer unter die Lupe.

Einige der Grabsteine ​​tragen überhaupt keine Inschriften. Das ist in den Highlands nicht ungewöhnlich. Nur wenige konnten es sich leisten, die Steinmetze für die teure Arbeit des Schreibens im Stein zu bezahlen. Außerdem befürchteten die Gälen, dass ein geschriebener Name auf dem Stein der gleichnamigen und noch lebenden lebenden Familie Unglück bringen könnte. Einen intensiveren Blick wert sind aber ausnahmsweise nicht die alten Grabsteine, sondern die neuen Steinhügel, die an der Front zum Wasser mit einer gewissen Wucht platziert wurden. Ihre Geschichte ist die spannendste, die dieser Ort erzählen kann.

Arthur Strutt Gedenkstein @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Das Verschwinden von Arthur Strutt

An diesem Ort wurde die Asche von Arthur Strutt verstreut. Ein Gedenkstein erinnert an den ehemaligen englischen Besitzer von Kingairloch, der im Urlaub in Kingairloch auf mysteriöse Weise verschwand. Trotz einer intensiven Suche der örtlichen Polizei, die auch das Militär und die Bergrettung von Lochaber mit ihren gut ausgebildeten Suchhunden einschloss, wurde er erst gefunden, als seine sterblichen Überreste kaum mehr existent waren.

Die Leiche des Ehemann war an einen Baum gelehnt

Fünf Jahre nach seinem Verschwinden wurde Arthur Strutt von einigen Waldarbeitern in einer kleinen Plantage weniger als eine halbe Meile von der Kingairloch-Haus, dem Jagdsitz der Strutts, gefunden. Was noch von seinem Körper übrig war, lehnte an einem Baum. Warum wurde er fünf Jahre lang nicht gefunden? Warum ist er gestorben? Wie konnte seine Leiche nicht gefunden werden? Hatte man ihn so platziert oder hatte er sich selbst so hingesetzt? Auf seinem eigenen Grund und Boden fünf Jahre lang verschollen? Sein Tod bleibt ein Rätsel.

Paricia Strutt Gedenkstein @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands


Die Killerlady Patricia Strutt

Mrs Strutt, Arthur Strutts Frau und Witwe, verwaltete das Gut bis zu ihrem Tod im hohen Alter im Jahr 2001. Sie war eine außergewöhnliche Frau, eine erfahrene Jägerin, die nach eigenen Angaben 2000 Hirsche getötet haben will. Sie wurde wegen ihrer Vorliebe für das Schießen mit dem Gewehr die Killerlady von Kingairloch genannt. Das war, bevor jemand vom toten Mr. Strutt wusste. Kingairloch House war ihre herrschaftliche Jagdhütte. Die Strutts hatten Geld. Nun ja, nach dem Tod ihres Ehemanns hatte vor allem Frau Strutt Geld.

Dail na Cille Begräbnisstätte @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Warum hat die Killerlady ihren vermissten Ehemann nie gefunden?

Patricia Strutt war nicht nur eine treffsicher Jägerin, sie war auch eine ausgezeichnete Tennisspielerin und fuhr bis zu ihrem 80. Lebensjahr zum Skifahren nach Davos. Frau Strutt liebte schnelle Autos und das Leben. Ob sie auch ihren Man liebte, war den Quellen nicht zu entnehmen.

Ein tödlicher Schrei

Schon mal in Kingairloch gewesen? Wahrscheinlich werden die meisten Leser diese Frage mit nein beantworten, Kingairloch gehört weder zu den Tourismus-Hotspots noch ist es unter den Einheimischen sonderlich berühmt. Zu Unrecht, wie ich finde. Es gibt hier einiges zu entdecken und die Morvern Halbinsel ist ohnehin voller wilder Schönheit. Irgendwie war Kingairloch in der Vergangenheit häufig an jenseitigen und übernatürlichen Phänomenen beteiligt. Die meisten von ihnen hatten mit einem Schrei zu tun, oft mit einem tödlichen Schrei. Es waren die Schreie von gefährlichen Frauenwesen.

Kingairloch Morvern @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Die Gegend um Kingairloch wurde einst von einer Glaistig heimgesucht.

Die Glaistig war ein Fabelwesen, das in Form einer kleinen Frau, die dünn und grau (tana glas) war, mit langen blonden Haaren, die bis zu den Fersen reichten. Sie war grün gekleidet und suchte bestimmte Orte oder Bauernhöfe heim. In einigen Fällen wachte sie über das Haus, in anderen über das Vieh. (…) Sie soll ursprünglich eine ehrenvolle Frau gewesen sein, eine ehemalige Herrin des Hauses, die verzaubert worden war und nun eine Feennatur verliehen bekam. (…) Ihre Stärke war sehr groß, viel größer als die jeder Fee, und ein Schrei von ihr genügte, um die Echos der fernen Hügel zu wecken.

John Gregorson Campbell: Die gälische Anderswelt – Aberglauben der Highlands und der Insel. (1900) Edinburgh, Birlinn, 2008

Die Glaistig war also etwas Ähnliches wie die Banshee, ihr irisches Äquivalent. Diese besondere Glaistig hütete Schafe und Rinder und übernachtete in einer Eibe. Nicht weit von ihrem Baumhaus lebte ein Mann namens Dougall zusammen mit seiner Frau in einer Höhle. Gelegentlich stahl er seinen Nachbarn Schafe. Eines Tages wollte er mit seinem kleinen Boot zur Insel Lismore rudern, als eine kleine Frau kam und um Mitfahrt bat. Als sie an Bord war, begann zu schreien, er solle schneller rudern. Auch sie selbst ergriff die Ruder und beschämte den kräftige Highlander, denn der konnte kaum mithalten. Als er am Ufer ankam, war die Frau verschwunden, aber er konnte immer noch ihre Schreie in seinen Ohren hören: Hùg oirre, Dhùghaill! Rudere härter, Douglas.

In diesem Fall waren die Schreie der Glaistig harmlos, wenn auch anstrengend. Aber in einem anderen Fall waren sie tödlich.

Loch a' Choire @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Es war eine Sommernacht in Kingairloch, als über Loch a’ Choire schreckliche Schreie zu hören waren. Sie klangen menschlich, aber hätten auch ein Schaf oder eine Ziege gewesen sein können, die geschlachtet wurden. Was auch immer es war, es klang furchtbar und wer den Schrei hörte, dem lief es eiskalt den Rücken runter.

Der Schrei kam vom alten Gräberfeld Dail na Cille, nur ein paar Meter vom Ufer entfernt. Im Loch lag ein Schiff vor Anker. Es war 8 Uhr am Abend.

Dail na Cille Friedhof @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

In der nächsten Nacht ertrank der Kapitän des Schiffes unter mysteriösen Umständen und keiner der Schiffsbesatzung hatte etwas gesehen. Sie konnten sich nur noch an den Schrei in der Nacht zuvor und den Klang der schweren Schiffskette in der Todesnacht erinnern. Als ob etwas von jemandem vom Meeresgrund aus kräftig daran gezogen hätte…

marker Loch Linnhe @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

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Sind sie die Friedhofsfrau?

Teil 1/3

Es war mal wieder einer jener Tage, an dem ich unterwegs auf der Suche nach Friedhöfen war. Das Wetter war so lala, ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen, dazu viel Wolken, ideal für eine Autofahrt also. Ich war auf Erkundungstour und hatte zwei Friedhöfe auf der Liste, die ich erkunden wollte, ich hatte auch so eine ungefähre Ahnung, wo sie waren. Zwei kleine Weiler, die ich auf der Karte gefunden hatte, der Rest konnte ja nicht so schwer sein. Dachte ich!

Ben Nevis ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
towards Ben Nevis

Loch Arkaigs Angler

Loch Arkaig ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
Loch Arkaig

Ich fuhr fröhlich vor mich hin und erkundete zunächst die Gegend rund um mein Ziel, die ich en Detail so nicht kannte. Loch Arkaig ist eine etwas kuriose Ansammlung einzelner kleiner Angelparzellen, garniert mit ausrangierten Wohnmobilen samt zerschlissener Vorzelte, rostiger Barbecues und seltsamer willkürlich zusammengeschusterter Holzmöbel für den Gartengebrauch.

„Aha“, denke ich, „Scheint mir eine Art Männer-Angel-Enklave zu sein.“

Das ist umso erstaunlicher, als auf der Zufahrt zum Loch Arkaig jede Menge stattlicher Villen stehen. Aber wen wundert’s wirklich in Schottland, dem Land der Gegensätze?

Murlaggans Einsamkeit

Ich fahre also auf der Singletrack Road entlang des Lochs die sich anfühlt wie eine Achterbahnfahrt im Trips Drill im ständigen auf und ab der Straßenführung und entdecke einen weiteren Friedhof, von dem nichts mehr übrig ist als ein Schild und ein Gedenkstein. Murlaggan ist nicht mehr als ein einziges unbewohntes Haus. Einsam hier.

Die lange Straße entlang des Lochs ist eine Sackgasse und ich muss wieder zurück. Auf dem hierher hatte ich bereits alle Augen offen, aber vergeblich nach den Friedhöfen Ausschau gehalten. Plötzlich muss ich voll in die Bremsen. Vor mir hat ein Tourist sein Auto mitten auf der Straße abgestellt. Direkt neben der Straße ist eine geschotterte Fläche, auf der mindestens 20 Autos Platz hätten. Er hat trotzdem mitten auf der Straße geparkt und ist los ein Foto machen. Fast hätte er auch ein Foto von dem Schaden an seinem Auto machen können.

parking at Loch Arkaig ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau

Es geht entlang der dunklen Meile, der Mìle Dorcha, die nach dem Abholzen des Waldes nicht mehr ganz so dunkel aber noch immer ziemlich verwunschen daherkommt. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier Soldaten trainiert.

Mìle Dorcha ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
The Dark Mile

Frau Erkenbachs Gespür für Grabsteine

Jetzt mache ich mich auf die ernsthafte Suche nach dem Friedhof von Clunes. Doch der ist nirgends zu finden. Drei dunkle Holzhäuser der Forstkommission, ein weißgekalktes mittelgroßes Anwesen, ansonsten nur Weiden weit und breit. Das ist es auch schon in Clunes. Der Friedhof von Clunes bleibt ein Rätsel. Komisch! Nach rund 300 Friedhöfen, über die ich für meine Blogs geschrieben und fotografiert habe, habe ich eigentlich ein Gespür fürs Finden von Grabsteinen.

Ich konzentriere mich auf Plan B und mache mich auf nach Achnacarry. Das ist gleich um die Ecke (naja eine schottische Ecke, dauert also ein wenig). Nach einigen hin- und herfahren und wiederholtem Wenden wird mir klar: Um nach Achnacarry zu kommen, muss man ein Stück Privatstraße befahren. Die führt aber auch zum Cameron Museum, weshalb ich keine großen Bedenken habe, die Privatstraße zu nehmen. Ich will im Museum fragen, wo der Friedhof ist. Die müssen es ja wissen. Denn auch den Friedhof von Achnacarry finde ich beim besten Willen nicht. Auch auf Google Maps ist nichts zu erkennen.

Cameron Museum Achnacarry ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
Cameron Museum Achnacarry

Nächsten Sonntag: Sind sie die Friedhofsfrau? Teil 2/3 – Abenteuer in Achnacarry

Frauen und Männer in Kilbride auf der Insel Skye

Kilbride auf der Isle of Skye ist heute nicht mehr als ein paar verstreute Häuser, Schafe und ein Marmor-Steinbruch in Strath Swordale, aber es war einst ein Ort der Anbetung, der Magie und der Rituale und ein Ort der Frauen oder zumindest ein Ort, an dem Frauen ihre Spuren hinterlassen haben.

Die verschwundene Kapelle der Äbtissin

Wie aufgrund seines Namens ziemlich offensichtlich ist, stand einst eine Kapelle in Kilbride, Cille Bhrìghde auf Gälisch, die Kirche der Heiligen Brigid, die wie so viele andere Heilige in Schottland irgendwann Ende des 5.  Anfang des 6. Jahrhunderts aus Irland kam. Von der Kapelle, die einst hier stand und der Äbtissin gewidmet wurde, sind keine Spuren mehr vorhanden. Die Existenz dieser keltischen Kultstätte lebt nur in dem Namen weiter, den der standing stone  in der Nähe trägt: Clach na h-Annait, Stein der Kapelle.

Clach na h-Annait

Die Mutter in der Höhle

Die heilige Brigid war nicht die erste, die hier verehrt wurde. Archäologen haben Spuren einer Siedlung und von Bestattungen in einer Höhle in Kilbride gefunden, die etwa 2700 Jahre zurückreichen. Eisenzeitliche Rundhäuser sind in der Gegend um Kilbride weit verbreitet. Ausgrabungen, die inzwischen wieder aufgefüllt wurden, enthüllten drei Gräber, eine Frau, einen Fötus und ein Kind. Warum sie hier beigesetzt wurden und wer sie waren,lässt sich nicht mehr sagen. Diese Frau hat keine Spuren hinterlassen, die Kinder auch nicht, aber die Höhle wurde wahrscheinlich für Rituale genutzt.

Der Quelle der Bräute

War diese Mutter in der Höhle der Ursprung einer anderen Legende? Anscheinend war es für junge Bräute der Gegend üblich, die Quelle Tobar Tà zu besuchen, um ihre Fruchtbarkeit sicherzustellen. Leider ist die Quelle im feuchten Boden nicht mehr auffindbar. Sie lag jedenfalls nahe der Straße von Broadford nach Elgol.

beach KIlbride

Die drei Toten der Quelle

Der Brunnen war einst berühmt dafür, dass er Teil der Prophezeiungen des Brahan-Sehers im 16. Jahrhundert war. Er hatte vorausgesagt, dass drei Torquils an einem nassen Tag im Bereich des Brunnens getötet werden würden. Dies wird im Allgemeinen drei Mitgliedern des Clans zugeschrieben, die starben, um Bonnie Prince Charlie während des Aufstands im Jahr 1745 und seiner Flucht nach Frankreich im Jahr 1746 im Regiment von MacKinnon of Strath zu unterstützen. Es wird angenommen, dass John MacInnes, Alexander MacLean und William Ross in der Gegend Zuflucht suchten und hier getötet wurden, wie es die Vorhersage des Sehers behauptet hatte. Es war schließlich auch hier, an Strand von Kilbride, wo Flora MacDonald und der flüchtende Prinz an Land gingen.

Tobar sin, is Tobar Tà

Tobar aig an cuirear blàr;

Marbhar Torcuil nan trì Torcuil

Luft latha fliuch aig Tobar Tà.

Die Quelle da ist Tobar Tà,

eine Quelle, an der eine Schlacht ausgetragen wird,

getötet wird Torquil der drei Torquils,

an einem nassen Tag bei Tobar Tà .

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Brückentage

Es gibt durchaus einige Konzepte, die ich dem Mann nicht so wirklich vermitteln kann. Da gehört zum Beispiel auch der Brückentag dazu, denn so etwas wie einen Brückentag gibt es in Schottland schlicht und einfach nicht.

Für mich gibt es Brückentage ebenfalls nicht, weil ich oft an Feiertagen und den Wochenenden arbeiten muss. Aber nun, an Fronleichnam, habe ich auch mal einen Brückentag gemacht und damit vier wunderbare kleine Urlaubstage geschaffen. Wieso habe ich das nicht früher schon mal versucht? Einfach mal frei machen! Herrlich!

©nme Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach Brückentage
einfach mal die Seele baumeln lassen

Warum gibt es in Schottland keine Brückentage?

Gerade im Mai und Juni fallen ja so einige Feiertage auf Donnerstag und dann gibt es eben Freitag den Brückentag. Das ist ein Konzept, das dem Mann völlig fremd ist. Er hat so gut wie keine klassischen Feiertage und wenn er mal welche hat, dann verstecken sie sich meist in den Wochenenden. Aber da gibt es im Vereinigten Königreich ja die wunderbare Variante des Ersatzfeiertags, auch Bank Holdiday Day genannt, weil da die Banken geschlossen haben.

Fällt ein Feiertag auf ein Wochenende, dann schauen die Deutschen blöd aus der Freizeitwäsche, während die Schotten sich verlässlich auf einen freien Montag freuen können. Damit haben sie immer ein verlängertes Feiertags-Wochenende?

Welche Feiertage haben die Schotten?

Seit die Regierung 1871 mit dem Bank Holiday Act den Banken erlaubte, an einem Montag zu schließen, hat der Mann seine Feiertage gesetzlich zugesichert. Außerdem sind die Feiertage oft nicht mehr christlich, sondern haben einen anderen Anlass. Oft wurden in den wirtschaftlichen Zentren wie Glasgow oder Lanark Feiertage geschaffen, die man dann auf die christlichen legte, zum Beispiel der Glasgow Fair, der Glasgower Messe bzw. dem Glasgower Markt, den es seit dem 12. Jahrhundert gibt und bei dem die Schüler in Glasgow frei bekommen.

Sind Feiertage in England und Schottland gleich?

Schottland hat viele andere Feiertag als England, zu anderen Zeiten und mit anderem Gewicht. So ist Weihnachten hier von untergeordneter Bedeutung, das hatte schließlich Queen Victoria durch ihren Ehemann von Deutschland nach England importiert. Für die Schotten ist Hogmanay, also Silvester, ein viel bedeutenderer Feiertag als Weihnachten und der 2. Januar ist hier ebenfalls frei und damit so eine Art verlängerter Ausnüchterungstag für die Schotten, die die Neujahrsfeierlichkeiten damit auf drei Tage ausweiten können.

©nme Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach Brückentage
Strand von Opinan im Januar

Und den letzten Montag im Mai haben sie auch frei, während wir uns am 1. Mai mit Leiterwägen belustigen, wenn nicht gerade Pandemie ist.

Welchen Einfluss hatte Queen Victorias Ehemann?

Betrachtet man aber die Brückentage, dann wir Deutschen im Vorteil, denn wir haben nicht nur einen Tag länger frei, wir können uns durch einen Urlaubstag ganze vier freie Tage erkaufen. Dumm nur, dass diese Tage niemals mit den schottischen synchronisierbar sind.

Es sei denn, ein Deutscher oder eine Deutsche heiratet ins Königshaus ein, so wie einstmals Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Der brachte der Insel Weihnachten, der oder die nächste Deutsche vielleicht Feiertage an Donnerstagen. Also mehr Brücken kann ich den deutschen Adelshäusern nun wirklich nicht bauen!

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Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ist da. 

Nach Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland ist Nellie Merthe Erkenbach mit Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland ein weiteres wahres, humorvolles und herzerwärmendes Buch gelungen, in dem zwischen den Zeilen ihre tiefe Liebe für das Land ihrer Liebe durchscheint – Schottland.

Auf in neue Abenteuer Highlands, wo buchende Baroninnen und denkwürdige Dudelsackspieler den Alltag beherrschen, Poeten und tapfere Schneiderlein mit Monstern kämpfen, Moorleichen gar nicht so gruselig sind und Hexen und Geister ganz selbstverständlich. Von Extrawürsten und gefährlichen Frühstücken und der Kunst, trotz Corona und Brexit ein glückliches Leben in der Fernbeziehung hinzubekommen

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Templewood – Magie und Mysterium

Templewood ist ein außergewöhnlicher Ort. Eine prähistorische  Grabstätte mit verschiedenen Gräbern und Steinkreisen, magisch und geheimnisvoll.

Im Grab des Bogenschützen wurden drei Feuersteine und chemische Spuren eines Körpers gefunden. Wahrscheinlich ein Mann, wahrscheinlich ein Jäger, wahrscheinlich Tausende von Jahre tot. Der Rest wird Vermutung bleiben. Warum wurde er mit drei Feuersteinen begraben, die als Pfeilspitzen verwendet wurden? Damit er in einem Leben nach dem Tod jagen gehen oder sich verteidigen konnte? Und wie hätte das Leben nach dem Tod nach der Vorstellung der Menschen, die hier lebten, ausgesehen?

Im anderen Grab wurde ein Zahn eines kleinen Kindes gefunden. Der Sohn oder die Tochter des toten Bogenschützen? War das also ein Familiengrab? Sicherlich müssen diese Leute wichtig gewesen sein. Ihre Gräber sind aufwendig. Aber wer ist zuerst gestorben? Der Vater oder der Sohn?

Die Gräber wurden vor über 4000 Jahren errichtet. In einigen von ihnen wurden die Überreste vor der Bestattung verbrannt. Warum? Waren die Toten krank gewesen? Oder waren sie auf andere Weise etwas Besonderes? War es eine andere Kultur, die so bestattete? Wie sah ihr Weg ins Jenseits aus?

Templewood – die Magie der Unendlichkeit.

 

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Nellie, The Kid

Cowboys habe ich immer schon gemocht und ich sitze auch nie auf die Harley ohne meine Cowboystiefel. Mit Pferden hab‘ ich es jetzt eher nicht so, aber das Gefühl, ein echter Cowboy zu sein, kann sich schließlich auch auf zwei Rädern einstellen. Zu Fuß ist das dann schon deutlich seltener schwieriger, hey, in Schottland geht das auch. Natürlich. Hier geht alles.

Vor kurzem war ich Cowboy wider Willen. Ich habe es auch extra für euch dokumentiert. Und hier ist die Geschichte.

Ich war mal wieder zum Wandern unterwegs, im monatelangen schottischen Lockdown die einzig mögliche Freizeitbeschäftigung. Nachdem ich unbeschadet mehrere Herden Schafe und Rotwild durchschritten hatte, näherte ich mich langsam dem Müdigkeitspunkt, an dem ich eigentlich hätte umdrehen wollen. Doch ich war im Januar schon einmal hier gewesen und nach sieben Kilometern wieder umgedreht und das Tal wieder zurück gegangen, um später auf Google Maps festzustellen, dass ich einen recht großen See (Loch) knapp verpasst hatte. Das Loch wollte ich dieses Mal unbedingt sehen.

Eine Frau, ein Ziel.  Tapfer weiter, sage ich mir und schwinge die Nordic Walking Stöcke. Vor mir springt ein Reh über den gut ausgebauten Feldweg, der zu einem straff und proper geführten Estate gehört, also auf dem Gelände eines Großgrundbesitzers mit Vieh- und Waldwirtschaft. Hinter mir höre ich den Kuckuck rufen, sonst ist es still.

Hinter der nächsten Biegung steht unvermutet eine Herde Hochlandrinder, vielleicht 15 Kühe, die größte blickt mir angespannt entgegen. Es gibt hier weit und breit keinen Zaun und ich muss mitten durch diese zotteligen Schwergewichte mit Hörnern, die hinter einem Zaun deutlich süßer anmuten. Ohne Zaun kommen die spitzen, langen Hörner bedrohlich zur Geltung. Ich bleibe stehen und hadere: weitergehen bis zum See oder umkehren, wie ein Feigling?

Mein Cowboy-Gefühl ist plötzlich gänzlich abhandengekommen. Mag an den Wanderschuhen liegen, oder an der Horde Ungetüme, die mich unter langen Fellfransen anstarren, ohne sich zu bewegen. Die Sekunden ziehen sich in unwirkliche Längen. Das ist der Showdown. Nicht Cowboy gegen Cowboy, sondern Frau (und Möchtegern-Cowboy) gegen Kuh. Ein wahrhaft episches Duell um Leben und Tod. Naja, zumindest fühlt es sich so an. Ich kann fast die Musik hören…

Die größte Kuh schaut mir direkt in die Augen und …. ergreift die Flucht und alle anderen folgen ihr in wilder Panik. Und da bin ich, Nellie the Kid, und treibe die wilden Hochlandrinder vor mir her wie einst John Wayne am Rio Grande.  

Nur leider ist die Herde ziemlich einfältig und flieht auf dem Weg, auf dem ich gehe. Einmal brechen sie seitlich ins Moor aus und ich versuche an ihnen vorbei zu laufen. Doch die Panik treibt sie wieder zurück auf den Weg und hinauf, den nun immer steiler werdenden Pfad Richtung Bergsee. Ich treibe sie unfreiwillig immer weiter das Tal hinauf. Ihre Leiber dampfen nach der heißen Jagd in der schottischen Frühlingskälte.

Was wohl die estate worker dazu sagen, wenn sie Morgen ihre Kühe nicht mehr wieder finden? Ich beschließe, umzudrehen. Nicht dass sie noch wie die Lemminge ins Wasser springen, wenn die „wilde Posse“ den See erreicht.

Zurück wandere ich dann doch etwas aufrechter als auf dem Hinweg. Nellie, The Kid eben. Ein echter Cowboy treibt sein Vieh auch ohne Pferd oder Hund durch die Berge, ganz allein nur mit lässiger Willensstärke.

Ich glaube, heute Nachmittag koche ich im Garten in einer großen blauen Kanne Kaffee auf dem Lagerfeuer und denke zurück an meine Abenteuer in der gnadenlosen Prärie des schottischen Hochlands. Dann ziehe ich mir meinen Cowboyhut tiefer ins Gesicht und gehe zufrieden zurück ins Haus.

Im schottischen Abendregen können andere Cowboys unter freiem Himmel schlafen. Nellie, The Kid zieht Zentralheizungen vor.

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Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland geschrieben und nach dem Rückzieher des Verlags wegen Einstellung der Reihe, in der das Buch erscheinen sollte, schließlich im Selbstverlag veröffentlicht habe. Seither habe ich zwei weitere Bücher geschrieben, eigentlich drei: Riding Towards Shadows, das 2018 erschienen ist und Schottland für stille Stunden, das 2020 veröffentlicht wird. Das gibt es 2021 auch auf Englisch und wird Scotland for Quiet Moments heißen.  Wer also gedacht hat, ich sitze in meiner wunderbaren Schreibhütte, schaue aufs Meer und tue nichts, der liegt völlig falsch. Allen Stromausfällen und Sturmschäden zum Trotz: Ich habe weitergeschrieben und hier ist er nun, der zweite Teil von Abenteuer Highlands: Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland.

Hexengrab

Glenmoriston (63)

Der Fluss Moriston ist ein friedliches und idyllisches Gewässer, er kann im Winter eisig und während einer Flut bedrohlich sein, aber er ist heutzutage ziemlich zahm. Hier haben sich jedoch einige Todesfälle ereignet und eine große Anzahl Männer sind in diesem Fluss ertrunken. Die lokale Tradition besagt, dass zwanzig Männer in einem Felsenbecken ertrunken sind. Der Ort ist nicht auf der Karte zu finden. Die Einheimischen kennen ihn als Linne Fichead, der Felspool der Zwanzig, nicht weit von Invermoriston entfernt. Warum diese Männer ertrunken sind, daran kann sich niemand erinnern. Wurden sie ermordet, verfolgt oder hatte sie einen Unfall? Vielleicht als sie den vereisten Fluss überqueren wollten? Es wird für immer ein Geheimnis bleiben.

witche's stone Glenmoriston (6)

Ebenso mysteriös ist ein Ort in der Nähe von Linne Fichead, der als Hexengrab bekannt ist. Anscheinend trug eine Gruppe von Männern die Leiche einer Hexe von Glengarry nach Glenmoriston, um sie dort beizusetzen. Die Beerdigungsprozession wurde von den Männern von Glenmoriston aber aufgehalten, weil die nicht wollten, dass die böse Frau bei ihnen begraben wurde. Von Hexen hielt man sich am Besten so weit es ging fern. Die Glengarry-Männer sollten die Leiche dorthin zurückbringen, wo sie herkam.

Die beiden Gruppen hatten eine hitzige Diskussion, konnten sich aber nicht einigen und beschlossen schließlich, die Hexe direkt an der Stelle zu begraben, an der sie standen und stritten. Sie legten einen Stein auf das Grab, um die letzte Ruhestätte der Hexe zu markieren, und gingen so schnell sie konnten. Andere Quellen sagen, dass sich eine bewaffnete Auseinandersetzung um die Hexe entwickelte und dabei Männer getötet wurden. Vielleicht waren es sogar zwanzig. Das würde dann die Toten von Linne Fichead erklären.

Geschichten von Hexen sind in den schottischen Highlands eher ungewöhnlich. Das Phänomen ist eher in den Lowlands zu finden. Die Vermutung liegt nahe, dass die gälisch sprechenden Highlander eher die fairies, also die übernatürlichen Wesen, für Dinge verantwortlich machten als ihre Nachbarn und es deshalb in der gälischen Kultur viel seltener zu Hexenverfolgungen kam als im Süden des Landes.

Ich glaube, ich habe den Stein nach langer Suche gefunden. Es liegt direkt neben der Straße von Bunloyne nach Invermoriston. Jahrelang habe ich auf Autofahrten den Straßenrand mit meinen Augen gescannt. Nie habe ich einen Stein gefunden, der es hätte sein können. Bis zum Sommer 2020. Da war er plötzlich. Der Hexenstein! Wenn man genau hinschaut, scheinen sich sogar Markierungen auf dem Stein zu befinden. Drei Löcher in einer Reihe angeordnet auf der einen Seite und so etwas wie die Ahnung einer Schrift auf der anderen. Aber vielleicht ist auch alles Einbildung….

witche's stone Glenmoriston (8)

Ein Meter neben dem Stein fand ich das Skelett eines Rehs, komplett intakt. Ich nahm es als Zeichen, dass dies tatsächlich die Grabstätte einer Hexe war. Der Stein, der Clach na Caillich, der Stein der alten Frau / Hexe ist Foklore. Seine Identität reine Vermutung meinerseits. Man findet ihn kurz vor dem Schießstand auf der linken Straßenseite, wenn man von Invermoriston kommt.

 

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