Schottland Foto Challenge – Isle of Skye von Britta Dicken

Schottland und das Wetter

Jeder, der sich länger als fünf Minuten mit Schottland beschäftigt hört oder liest den Spruch: Gefällt Dir das Wetter nicht, warte ein paar Minuten. Oder alternativ:  Nur in Schottland gibt es alle vier Jahreszeiten an einem Tag!

Bisher haben wir immer darüber gelächelt. Ja, ab und an hat uns auch mal ein Regenschauer überrascht, sogar Hagel haben wir schon abbekommen und danach direkt wieder Sonnenschein. Aber nichts, wirklich nichts hat uns auf die paar Tage im April 2017 auf der Isle of Skye vorbereitet. Ja, ich weiß auch, April ist jetzt nicht die bevorzugte Reisezeit für Schottland. Aber wir hatten ein Ziel vor Augen: Eine Woche auf der Isle of Skye und zwei Tage davon mit einem Fotoworkshop zur Langzeitbelichtung mit einem preisgekrönten Fotografen. Der Workshop war toll, das Wetter war halt typisch schottisch durchwachsen. Angenehme 10 Grad, konstant ein leicht eisiger Wind und ab und an Sonne. Es hätte schlimmer kommen können, haben wir uns gedacht! An den Fairy Pools hingen die Wolken schön tief und gaben eine grandiose Kulisse für unsere Versuche der Langzeitbelichtung. Die Ergebnisse sind nicht perfekt, aber ich bin damit sehr zufrieden!

 

Nach dem Workshop wollten wir die Insel auf eigene Faust erkunden. Der Himmel war bedeckt (wann ist er das mal nicht auf Skye), aber bis auf ein paar verirrte Regentropfen, war alles in bester Ordnung. Ein leichter Graupelschauer überraschte uns auf der Columba’s Isle, einer kleinen Friedhofsinsel mit einigen außergewöhnlichen Grabsteinen. Mehr im Gedächtnis geblieben sind uns allerdings eher die Wachgänse auf der Straße zur Insel, die lautstark jeden unserer Schritte kommentiert haben und versucht haben, uns durch den Zaun zu beißen. Wer braucht Hunde, wenn er Gänse hat!

Von dort aus sind wir ins wunderschöne Fairy Glen gefahren. Eine verwunschene Landschaft … schöner, als sie jedes Bild wiedergeben kann! Überrascht hat uns allerdings die Schneekuppe auf der Trotternish Ridge. Unser Host hatte uns zwar erzählt, dass es in der vergangenen Nacht geschneit hätte, aber bisher hatten wir davon nichts gesehen. Uns erwartete ein ausgedehnter Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein und einem eisigen und starken Wind! Aber der Kampf gegen die Sturmböen hat sich gelohnt. Ich weiß nun auf jeden Fall, warum dies das Tal der Feen ist!

Doch wir wollten an diesem Tag noch weiter. Duntulm Castle, die Ruine auf dem Felsen ganz am nördlichen Ende der Insel ist nicht so sehenswert. Aber die kleine Bucht ist ein Traum. Wir waren bereits vor Jahren dort und wollten uns unbedingt nochmals in Ruhe umschauen. Doch je weiter wir nach Norden fuhren, auf der einzigen Straße dort oben im Nirgendwo, desto kälter wurde es. Gefühlt mit jedem Kilometer sank die Temperatur um ein weiteres Grad und plötzlich wurde aus dem leichten Nieselregel ein leichter Graupelschauer und aus dem Graupelschauer wurde Schnee. Erst nur kleine Flöckchen, dann immer größere und im Nu war die Straße kaum mehr zu erkennen. Ohne Begrenzungen, wofür auch, fahren hier wahrscheinlich am Tag keine drei Autos lang, war das gar nicht so ungefährlich. Schlimmer jedoch waren die Schafe. Schafe? Schlimm? Ja, spätestens dann, wenn sie so zugeschneit sind, das man sie kaum sehen kann, was sie natürlich dennoch nicht davon abhält mal eben über die Straße zu laufen.

Gesehen haben wir Duntulm Castle im dichten Schneetreiben nicht und sind gaaaaaanz langsam weitergefahren. Ab Portree war der Spuk übrigens wieder zu Ende. Der Schnee hielt sich noch ungefähr eine Stunde auf der Straße, dann war auch schon wieder geschmolzen und die Temperatur pendelte sich wieder auf schnuckelige 10 Grad ein. So im Nachhinein hört sich das ganz witzig an, aber selbst mit Winterreifen haben wir Blut und Wasser geschwitzt! Wenn wir es nicht selbst erlebt hätten, würden wir es wahrscheinlich heute noch nicht glauben.

Doch schon der nächste Morgen war außergewöhnlich! Strahlend blauer Himmel, Sonne satt und schneebedeckte Bergkuppen! Ein Traum-Wetter zum Fotografieren. Ich glaube, an keinem anderen Tag haben wir so schnell gefrühstückt wie an diesem Morgen! Wir wollten einfach nur raus und es war einfach gigantisch. Wir sind den ganzen Tag über die Insel gefahren. Haben mal hier gehalten, mal dort eine Pause gemacht und uns so langsam unserem Wunsch-Ziel des Tages genähert: Elgol.

Elgol ist ein verschlafenes Nest an einem kleinen Hafen. Alleine die Anfahrt ist schon außergewöhnlich. Die Straße ist so eng und so steil, dass selbst mein Alpenerfahrener Mann mit sehr viel Bedacht gefahren ist. Die Aussicht vom Hafen lohnt die Mühe aber auf jeden Fall! Ein Traum! In einer leichten Jacke haben wir den Strand erkundet und einen Adler verfolgt. Leider ist der so hoch geflogen, dass selbst mit dem großen Tele auf dem Bild nur ein Umriss zu sehen ist. Erst als wir ihn aus den Augen verloren haben, haben wir entdeckt, was da plötzlich auf uns zukommt. Dicke, dunkle, bedrohliche Wolken hatten sich am Sgùrr Alasdair aufgetürmt und kamen in einer rasenden Geschwindigkeit über die Bucht auf uns zu. Wir haben es mit Mühe und Not so gerade ins Auto geschafft, bevor einen kleines Unwetter über uns hereinbrach. Zwischen den beiden Fotos liegen übrigens knapp 30 Minuten! So viel dann zu dem schnell wechselnden Wetter in Schottland. Schneller geht es nirgendwo

Die Woche auf Skye war auf jeden Fall ein echtes Erlebnis und das Wetter zum Fotografieren ein Traum und Albtraum zugleich. Ach ja, das Unwetter war übrigens nach gut 10 Minuten wieder vorbei und die Sonne strahlte wieder vom Himmel. Ganz nach dem Motto: Warte ein paar Minuten, dann gefällt Dir das Wetter wieder.

Einmal mehr wunderbare Fotos. Vielen Dank dafür und dass du dir die Mühe gemacht hast, uns diese Geschichte zu schreiben. Natürlich gebe ich die völlig recht, die Isle of Skye ist auch im Winter wunderschön.  😊  LGN