Kreative Begegnungen in den Highlands

Es ist einer dieser schottischen Sonntagnachmittage, an denen der Regen horizontal fällt und der Wind einem ins Gesicht peitscht, egal in welche Richtung man sich dreht. Trotzdem brechen wir auf – der Mann mit dem Fahrrad, ich zu Fuß, Stöcke in der Hand und Regenjacke fest zugezogen. Der Weg führt uns eine Stunde lang durch das unnachgiebige Wetter zu einem kleinen Dorf, wo wir uns mit unserer Eichhörnchengruppe treffen. Der Wind heult so laut, dass wir kaum ein Wort wechseln können, und meine Kapuze klatscht unaufhörlich gegen mein Gesicht.

Als wir ankommen, ist das Bootshaus sofort zu sehen: ein kleines, charmantes Gebäude, geformt wie ein umgedrehtes Boot, das fast direkt am Wasser steht. Der Wind rüttelt an den Fensterläden, und die See ist so nah, dass ich beim ersten Schritt hinein ein leichtes Gefühl von Seekrankheit verspüre. Das Bootshaus scheint zu schwanken, was natürlich nur eine Illusion ist, aber es dauert eine Weile, bis ich mich an die Nähe der Wellen gewöhnt habe.

Das Bootshaus: Ein Ort voller maritimer Erinnerungen

Drinnen umfängt uns Wärme. Die Wände sind in Blau gestrichen, dekoriert mit nautischen Bildern: Segelboote, alte Karten und eine Sammlung von Muscheln. Auf einem Regal steht ein antiker Kompass neben einem kleinen Modellschiff. Der Coffee-Table im Zentrum des Raums ist übersät mit Büchern über Eichhörnchen und kleinen Figuren roter Eichhörnchen, die Nüsse in den Pfoten halten.

Der Wind heult weiterhin draußen, die Regentropfen klatschen gegen die kleinen Fenster, während wir begrüßt werden. Es ist eine kleine, aber lebendige Gruppe, fast alle aus England, und die meisten – wie wir – sind nur gelegentlich hier.

Eine bunte Truppe voller Geschichten

Da ist das Paar aus Cornwall. Sie spielt die Harfe und erzählt von Konzerten an der Küste, wo die Klänge ihrer Musik mit den Wellen verschmelzen. Er war einst auf einem großen Kreuzfahrtschiff angestellt, wo sich die beiden kennengelernt haben. „Romantisch, nicht wahr?“ sagt sie mit einem Lächeln, während sie eine Hand an seine Schulter legt.

Dann das zweite Paar: Er hat Handbücher für technische Geräte geschrieben, sie malt Aquarelle, inspiriert von den wechselnden Lichtstimmungen der Highlands. Sie beschreibt, wie sie die Farben der Wolken und der Heide in ihren Bildern einfängt. „Manchmal“, sagt sie, „reicht ein kurzer Blick aus dem Fenster, um ein ganzes Gemälde zu füllen.“

Das dritte Paar ergänzt die Gruppe mit ganz anderen Geschichten. Er war Lehrer und später Arzt, sie webt – ihre Stoffe erzählen von den Landschaften, die sie umgeben. „Die Struktur von Moos, die Wellen des Grases – all das findet sich in meinen Mustern wieder“, sagt sie leise, während der Wind draußen erneut gegen die Tür drückt.

Dann sind da noch zwei alleinstehende Männer, die ohne Frauen und ohne sichtbare kreative Leidenschaften gekommen sind. Sie reden mit ernster Miene über Boote, als ob die Welt davon abhängen würde, welches Material am besten für Rümpfe geeignet ist.

Cracker, Pilzpaste und Gemeinschaft

Wir setzen uns um den kleinen Tisch, auf dem Cracker mit Pilzpaste aus der Tube und ein saftiger Dattelkuchen bereitstehen. Ich bin skeptisch, was die Pilzpaste angeht, aber nach einem Bissen überrascht sie mich angenehm. Der Dattelkuchen hingegen ist ein Hit. Während der Wind draußen gegen die Wände drückt, erzählen wir uns Geschichten: von Eichhörnchen, die die neuen Futterstationen entdeckt haben, von Mardern, die nachts alles stehlen, und von Beobachtungen, die uns alle zum Lachen bringen.

Es ist seltsam und wunderbar, wie eine so unterschiedliche Gruppe von Menschen sich durch diese eine gemeinsame Aufgabe verbunden fühlt. Wir sind Eichhörnchenbeschützer, eine seltsame kleine Gemeinschaft, die sich mit Pilzpaste und Dattelkuchen gegen den Sturm stemmt.

Kreative Frauen in den Highlands

Während wir reden, fällt mir auf, wie viele der Frauen hier ihre Kreativität in die Highlands getragen haben. Bei den Männern scheint es mehr die harte Arbeit, Holz, Boote, Natur zu sein. Erestaunlich bleibt, wie sich vieles gleicht, obwohl wir alle doc so unterschiedlich sind.

Eine Verbindung durch Wind und Regen

Als wir uns verabschieden, umarmen wir uns kurz, lachen über den anhaltenden Sturm und treten hinaus in den Regen. Der Mann schwingt sich auf sein Fahrrad, während ich die Stöcke in die Hand nehme und die Kapuze festziehe. Der Wind bläst uns entgegen, und der Regen klatscht auf unsere Gesichter, doch die Rückwanderung fühlt sich leichter an.

Es ist ein seltsames, aber gutes Gefühl, zu dieser Gruppe zu gehören. Wir schützen nicht nur die Eichhörnchen, sondern teilen auch ein Stück von uns selbst: Geschichten, Lachen, und vielleicht ein bisschen Pilzpaste aus der Tube. Während wir nach Hause gehen, denke ich an das Bootshaus, die Bücher, die Geschichten – und daran, wie seltsam und wunderbar die Highlands sind.

Die Magie der Fahrt nach Sabhal Mòr Ostaig

Die Fahrt nach Sabhal Mòr Ostaig ist für mich fast genauso wichtig wie der Kurs selbst. Eine knappe Stunde dauert es, von meinem Zuhause bis zur Hochschule für Gälisch auf Skye zu fahren, aber die Zeit vergeht wie im Flug. Die Straßen winden sich durch die atemberaubende Landschaft der Highlands, vorbei an glitzernden Lochs und kargen Bergen, die in der Dämmerung fast unwirklich erscheinen. Ich fahre absichtlich immer etwas früher los, damit ich vor dem Kurs noch im Auto sitzen und aufs Meer hinausblicken kann. Es gibt nichts Besseres, um den Kopf frei zu bekommen.

Gestern war einer dieser besonderen Tage. Der Himmel war den ganzen Nachmittag über klar gewesen, und als die Sonne langsam unterging, brannte der Horizont in warmem Gold und tiefem Orange. Wir hatten uns gerade in dem kleinen Café versammelt, in dem unser Kurs stattfindet, als einer von uns aus dem Fenster schaute und abrupt verstummte. „Seht euch das an!“ Keine Sekunde später sprangen wir alle auf, ließen unsere Teetassen stehen und rannten hinaus. Mit gezückten Handys und Kameras standen wir auf dem Parkplatz und hielten diesen magischen Moment fest. Das Meer lag still da, als wolle es den Himmel spiegeln, und die Silhouetten der Berge zeichneten sich gestochen scharf vor dem leuchtenden Abendrot ab.

Zurück im Café, leicht fröstelnd von der kühler werdenden Luft, setzte sich die lockere Runde fort. Der Gälisch-Kurs – ein sogenannter „Srupag“ (gälisch: Srùpag, ausgesprochen sruu-pak), ein geselliger Treff mit Gesprächen auf Gälisch – besteht aus einer bunten Mischung von Menschen. Das Wort bedeutet eigentlich eine kleine Tasse Tee oder Kaffee und steht sinnbildlich für eine entspannte Runde, in der man miteinander plaudert. Einige sind fest entschlossen, die Sprache fließend zu beherrschen, andere wollen einfach nur ein wenig plaudern und die Klangmelodie der Sprache aufsaugen. Ich bin irgendwo dazwischen. Als ich das erste Mal erwähnte, dass ich Autorin bin, gab es neugierige Blicke und ein paar bewundernde „Oh“s. Die Reaktionen reichen von ehrlichem Interesse bis zu scherzhaften Kommentaren wie: „Schreibst du dann auch auf Gälisch?“ oder „Gibt es Morde in deinen Büchern? Hoffentlich nicht hier in Sabhal Mòr!“

Natürlich morde ich auch im College! In Band 2 meiner Reihe, Nightfall on Skye, gibt es ein Verbrechen direkt dort, und das sorgte prompt für neue Diskussionen. Eine der Teilnehmerinnen hatte mein Buch sogar im Auto liegen! Als sie es kurzerhand hereingebracht und stolz herumgezeigt hat, hätte ich beinahe vor Freude gequiekt. Es war einer dieser Momente, in denen ich so richtig gemerkt habe, dass meine Geschichten ihren Weg zu den Menschen finden.

Es ist eine besondere Gemeinschaft, die sich hier trifft – Menschen, die ihre Liebe zur gälischen Sprache teilen und dabei Geschichten austauschen, die oft genauso faszinierend sind wie die Landschaft um uns herum. Nach dem gestrigen Sonnenuntergang und dem spontanen Foto-Shooting war der Kurs gefühlt noch lebendiger als sonst. Vielleicht, weil wir uns alle bewusst waren, wie kostbar diese kleinen Momente sind, in denen die Welt stillzustehen scheint und sich die schottischen Highlands von ihrer spektakulärsten Seite zeigen.