schottische Küche

Die Welt braucht mehr Kochsendungen! Ja, ganz im Ernst. Obwohl sie so inflationär sind im deutschen Fernsehen. Für mich jedenfalls gilt: Lieber Kochesendungen als Dokumentationen.

foto by the man

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Wenn wir den Dokumentationen im deutschen Fernsehen glauben dürfen, dann ist Schottland voller einsamer, felsiger Berge, wo zwischen purpurnen Heideflächen glückliche Schafe und majestätische Hochlandrinder weiden. Die Schotten produzieren den ganzen Tag entweder Whisky oder scheren ihre Schafe, die Alten sitzen vor ihren weiß gekalten Steinhäusern und singen traurige gälische Lieder, die Jungen stehen mit Kilt und Dudelsack an jeder größeren Straßenecke. Dann gibt es noch ein Unterwassermonster (Loch Ness) samt Experten, einen glücklosen Möchtegernkönig (Bonnie Prince Charlie) sowie einen ebenso tragischen Revolutionär (Braveheart) und für die Intellektuellen vielleicht noch einen Schriftsteller (George Orwell zum Beispiel, die Auswahl ist groß), der sich zu Inspirationszwecken auf irgend eine Hebriden-Insel zurückgezogen hat. Im Herbst röhrt der Hirsch, springt der Lachs und balzt der Auerhahn. Der Rest ist Runrig.

Und natürlich ist das Essen schlecht und der Wein kommt von der Mosel, die Restaurants sind sonntags geschlossen, haben häßliche Gardinen und draußen regnets.

Ja, das kann tatsächlich alles ganz genau so sein. Kann sein, muß aber nicht!

Die Alten, die ich kenne, haben Ipads und bestellen ihre Einkäufe online. Vor den weißgekalkten Häusern sitzen allenfalls die Touristen, die haben sie nämlich für viel Geld gemietet. Karierte Röcke tragen vornehmlich Teenager aus Japan. Und wer sich aus Inspirationszwecken in die schottische Einsamkeit zurückzieht, ist zumeist eine malende oder töpfernde englische Ehefrau aus der oberen Mittelklasse. Und ja, es gibt sie noch die fetttriefenden Würste und Pommes im Brötchen.

Aber es geht auch ganz anders.

Lecker, mit gutem Wein und so herrlich frischem Fisch, dass man nie mehr weg möchte aus diesem Land der unendliche Köstlichkeiten.

Zuletzt erlebt im Café Fish in Tobermory auf der Isle of Mull. Man sollte aber unbedingt einen Tisch reservieren, der Andrang ist vor allem in der Saison sehr groß. Und mit typisch schottischem Humor werben sie mit dem Slogan:

Das Einzige was bei uns tiefgefroren ist, ist der Fischer, nicht der Fisch.

Vielleicht sollte man statt Dokumentationen lieber Kochsendungen über Schottland produzieren. Solche wie die Hairy Bikers (BBC): Zwei langhaarige Motorradfahrer röhren durch die Lande und kochen.

In den Dokumentationen röhrt immer nur der Hirsch!

http://www.thecafefish.com/

http://www.hairybikers.com/

 

 

 

 

 

 

 

 

Sommerhitze

Ich will Regen!!!

Nie hätte ich geglaubt, daß ich dieses Wort benutze, wenn ich über Schottland schreibe aber ich kann nicht anders – es ist heiß (!) in den Highlands. Richtig heiß. So heiß, dass alles irgendwie still steht und der Schweiß von der Stirn läuft, sobald man das Haus verlässt.

beach

Wir haben seit einer Woche an die 30 Grad und mein letztes Restchen Sonnenmilch Faktor 15 (in den vergangenen Jahren mehr eine sommerliche Geste als eine Notwendigkeit) schwindet. Ich sitze im Garten und lese, unfähig mich mehr zu bewegen, als es für das umblätttern einer Buchseite notwendig ist. Seit Tagen steht die Welt still, weil Schottland heißer ist als normal.

beachIch lese. Mehr geht nicht in der Hitze. Manchmal, wenn das Gefühl zu kochen überhand nimmt, dann ziehe ich meine rosa Gummieschuhe (es gab keine andere Farbe!) an und balanciere über Kiesel und Kelp (Seetang) zum Wasser. Das ist wie gewohnt eiskalt aber auch voller Unterwasserpflanzen und -getier. Ich begrüße die Qualle, die hier seit neuestem ihr durchsichtiges Unwesen treibt und tauche kurz unter. Herrlich erfrischend.

Während ich am Strand sitze und trockne, springen die Lachse. Denen ist bestimmt auch warm. Ein komischen Grunzen kündigt die Schweinswale an, noch bevor man sie sieht. Die finden es gerade sehr angenehm im Meer, ihre schmalen Finnen durchschneiden die Wasseroberfläche genau da, wo ich eben noch im Wasser kühlte. Ein letztes Grunzen und sie sind wieder weg. Schwein gehabt!Schweinswal

Am Strand ist nie ein Mensch. Trotz der Hitze. Kein Eiscafé, keine Strandbude, keiner verkauft Kokosnüsse oder Strandtücher. Kein Magnum Mandel! Nur ich und eine Großfamilie Graugänse.

Es ist Sommer in Schottland – so viel wie noch nie seit ich hier bin.

Fürs Wochenende haben sie Regen angekündigt. Viel Regen. Und sinkende Temperaturen.

Endlich!