Korrektorat, Karte und Layout

Jedes Manuskript braucht ein Korrektorat. Ich habe zwar Deutsch studiert, neige aber zu Tipp- und Flüchtigkeitsfehlern und die Rechtschreibreform habe ich auch weitgehend ignoriert. Solange man für Fensehen und Radio arbeitet, ist das kein Problem. Ein falsches Komma hört man nicht.

Ein schlechtes Korrektorat verfolgt dich

Bei einem Buch sieht das schon wieder anders aus. Außerdem neige ich dazu, Dinge (und somit auch Fehler) zu überlesen. Ich scanne Texte mehr als dass ich sie wirklich lese. Das geht schneller. Kurz – ich wäre eine hoffnungslose Korrektorin und brauche dieses zweite paar Augen, das jedes überflüssige Blank und jeden fehlenden Buchstaben sofort erkennt. Und natürlich die Kommata.

Korrektorat Abenteuer Highlands 2.0 @nme
Korrektorat Abenteuer Highlands 2.0

Qualität ist nicht billig und kostet mehrere hundert Euro, je nach Länge des Manuskripts sind da schnell auch mal tausend Euro weg. Das vorzulegen ist ein ganz schönes Brett und die Ausgabe mit den Einnahmen aus dem Verkauf im Selbstverlag wieder reinzubekommen, ist schwer.

Dennoch halte ich die Position Korrektorat für die wichtigste überhaupt, denn es verärgert viele Leser, wenn sie Fehler in einem Buch finden, das sie gekauft haben. Ich hatte sogar einen Fall, da hat eine Autorin eines anderen schottischen Reiseführers die (inzwischen korrigierten) Schreibfehler in meinem (Schottland für stille Stunden) kritisiert. Ihre Rezension steht auf Amazon immer noch weit oben, obwohl die Fehler korrigiert wurden. Es ist die schlechteste unter den sonst wirklich sehr guten Bewertungen.

Das Büchlein enthält viele historische Infos, die eher unbekannt sind, und ist eine nette Lektüre für diejenigen, die die üblichen Touristen-Hotspots schon kennen. Allerdings sollte es noch einmal korrekturgelesen werden. Es ist voll von Rechtschreib- und Grammatikfehlern und lässt auch stilistisch etwas zu wünschen übrig.

Die anderen Rezensionen sind Gott sei Dank viel positiver. Was das Beispiel aber zeigt: Ein schlechtes Korrektorat verfolgt dich. Länger als dir lieb ist!

Kritiken zu Schottland für stille Stunden

Karte im Buch

Doch das sind nicht die einzigen Kosten, die auf hoffnungsvolle Bestsellerautoren zukommen. Bereits bei Schottland für stille Stunden hatte ich mich für eine Karte im Buch entschieden – macht Sinn, bei einem Reiseführer.

Für den Krimi schien es mir ebenso wichtig zu sein. Hier spielen unbekannte und sehr abgelegene Orte eine Rolle. Um meinen Lesern eine Orientierung mitzugeben, entschied ich mich auch für diese weitere Ausgabe. Fantasykarten kriegt man schon für wenig Geld, soll es aber die Zeichnung einer maßstabsgetreuen Karte sein, geht der Preis rasant nach oben. Mit 50€ muss man mindestens rechnen. Das Ganze ging in mehrere Korrekturschleifen, bis die endgültige Version verabschiedet war. Natürlich in schwarz-weiß, Farbduck ist unbezahlbar.

Ausschnitt aus der Krimi Karte @nme
Ausschnitt aus der Krimi Karte

Und dann war das Manuskript lektoriert, korrigiert und um eine Karte bereichert, aber immer noch nicht fertig. Das Layout stellt neue Herausforderungen.

Manuskript Layout – finde einen Formatierer

Ich veröffentliche meine Bücher als Taschenbuch und als e-Book bei Amazon. Ich brauche also eine Version samt passendem Cover für eines der digitalen Buchformate, z.B. .epub. Das Taschenbuch wird in der Regel in ein .pdf konvertiert. Das ist kein einfacher Prozess und ich source ihn gerne aus. Wenn man Glück hat, bleiben die Kosten unter 100 €.

Kommen die Manuskripte in der neuen Form zurück, müssen sie hochgeladen und online geprüft werden. Dann kann man Testkopien erstellen und sich die schicken lassen. Es dauert manchmal mehr als eine Woche, bis ein Testexemplar für das Taschenbuch im Briefkasten liegt. Auf dem Kindle Reader ist das natürlich einfacher. Es sind zwei Versionen und müssen beide geprüft werden. Die Erfahrung zeigt: Auch hier kann so viel schief gehen. Stimmt die Formatierung nicht, dann kann es z.B. falsche Worttrennungen geben.

Falsche Trennungen im Testprint von Abenteuer Highlands 2.0 @nme
Falsche Trennungen im Testprint von Abenteuer Highlands 2.0

Was als Erkenntnis übrig bleibt

Ein Krimi schreibt sich schnell. Ihn zu veröffentlichen dauerte doppelt bis dreimal so lang wie das Schreiben. Aber hey – ich habe es fast geschafft!

Testleserinnen – mein Zehn-Augen-Prinzip

Vor dem Korrektorat kommt das Lektorat und ich kann mich glücklich schätzen, Freundinnen zu haben, die gerne für mich testlesen. Für den Krimi hatte ich vier Frauen gefragt, ob sie nicht Zeit und Lust hätten, mein Manuskript zu lesen – ein Lektorat im Zehn-Augen-Prinzip.

Von ihnen erhoffte ich mir wertvollen Input zu Details wie: Sind die Charaktere stimmig? Ist es zu viel oder zu wenig Lokalkolorit? Wie überzeugend ist die Handlung? Ist es spannend?

Und, und, und.

Ich hatte viele Fragen, unter anderem auch: Kann ich überhaupt Krimis schreiben?

Schreibhüttenblick

Lehrerin, Leserin, Schulfreundin und Kollegin

Also ging das Manuskript an eine Leherin für Deutsch und Geschichte. Eine echte Fachfrau also, allerdings nicht gerade eine leidenschaftliche Krimileserin. Sie ist mehr in der großen Literatur zu Hause. Von ihr erhofte ich mir stilistischen Input, Hinweise auf sprachliche Mängel, Kritik an Struktur und Plot.

Die zweite ist nicht nur eine leidenschaftliche Leserin, sondern auch eine, die Krimis mag und meiner Einschätzung nach exakt die Zielgruppe darstellt. Da war mir vor allem wichtig, was bei ihr gut ankam und was sie weniger mochte in einem Krimi, also wie viel Blut, wie viel Emotion, mehr Sex oder lieber Land und Leute.

Die dritte Testleserin ist eine Schulfreundin, mit der ich gemeinsam Leistungskurse in Englisch und Deutsch besucht und in den Pausen Backgammon gespielt hatte. Letzteres ohne Einfluss auf meine literarischen Bemühungen, ersteres schon. Sie war nach dem Abitur in Richtung Kunstgeschichte und Design gegangen und konnte mir auch zum Cover gute Tipps geben.

Und dann war das noch die Kollegin, wie ich Journalistin, die als Mutter zweier Kinder ein ganz anders Leben führt als ich und mit der ich doch so viel gemeinsam habe. Unter anderem die Liebe zum Motorrad. Sie korrigiert täglich Texte, schnell, mit Übersicht und klugen Anmerkungen.

Bester Schreibplatz der Welt

Lektorat geteilt durch vier

Jede hatte ihre eigenen Schwerpunkte und Stärken und das würde mir helfen. Sie alle hatten von mir einen Monat Zeit bekommen, das Manuskript zu lesen. Mit dem Feedback würde ich in die erste Überarbeitung des Manuskripts gehen. Und wow, was für ein Feedback!

Jede der vier hatte eine ganz eigene Sicht der Dinge und alles war wertvoll: Es gab Hinweise zu Wortwiederholungen, Metaphern, Anschlussfehlern, charakterlichen Eigenheiten, Kulinarischem … Die Liste war lang und jeder waren ganz andere Dinge aufgefallen. Ich hatte jede Menge Punkte, die ich überarbeiten wollte und musste.

Und dann war da noch das große Fragezeichen: die Zeit. Ich hatte den ursprünglichen ersten Ertwurf im Präteritum geschrieben. Als ich dann das Manuskript wieder aufgenommen hatte, hatte ich alles ins Präsens umgeschrieben. Ich fand, damit wurde die Geschichte authentischer und die Spannung größer, weil es ja jetzt geschieht. Und doch waren sich alle einig – im Präteritum lässt es sich leichter lesen. Es störte nicht alle, aber das Präsens gefiel keiner.

Mist!

Aber die schönste Erkenntnis – das Buch hatte allen gefallen.

Puh!

Was tun mit den Hinweisen aus dem Lektorat?

Das komplette Manuskript in eine neue Zeit zu setzen ist eine Wahnsinnsarbeit. Aber wenn es die vier lieber mögen? Dann muss ich da wohl durch. Vielleicht hängt man als Journalistin zu sehr in der Sprache der aktuellen Berichtersttattung und schätzt es nicht richtig ein, wie es sich für andere anfühlt. Schließlich müssen sich meine Leser mit dem Buch wohlfühlen.

Acht Augen hatten entschieden und die letzten zwei, meine, gaben nach. Aus dem Präsens wurde das erzählerische Präteritum.

Und im Buch liest sich das dann so:

Ein Mann kam um die Ecke, nicht sonderlich groß, aber sehr kräftig, das Gesicht voller Ecken und Kanten. Der Kopf steckte in einer ausgeblichenen Wollmütze, die Füße in dreckigen Gummistiefeln, der Rest in Militärhosen und einem karierten Holzfäller-Fleece in der Farbe der Gummistiefel: grün und braun. Die waren das Einzige, das keine Löcher zu haben schien. Er roch nach Schweiß und Kuhscheiße und sein „WAS“ hatte ein Ausrufezeichen, kein Fragezeichen gehabt.

Nellie Merthe Erkenbach