Der Goldschatz von Loch Arkaig

Der Mythos des Jakobitengoldes und die Wanderung zum Invermallie Bothy

Die Highlands sind Heimat für zahllose Geschichten von Helden und Verrätern. Viele Legenden und Mythen habe die Zeit überdauert. Eine der faszinierendsten Geschichten ist die des Jakobitengoldes, das angeblich am Loch Arkaig versteckt wurde. Diese Legende zieht nicht nur Geschichtsinteressierte, sondern auch Wanderer und Abenteurer an, die die Schönheit der schottischen Wildnis erleben möchten. Eine Wanderung zum Invermallie Bothy bietet eine perfekte Gelegenheit, sich in diese faszinierende Geschichte zu vertiefen. Ich war unterwegs, weil ich ein paar Wetbefotos für das neue Buch machen wollte. Das hat zwar keine Verbindung zum Goldschatz, aber zu Achnacarry und Loch Arkaig.

Die Toten von Avernish – Highland Crime – DI Robert Campbells 3. Fall gibt es as eBook und Taschenbuch bei Amazon.

Der Jakobitenschatz am Loch Arkaig

Die Geschichte des Jakobitengoldes beginnt im 18. Jahrhundert, als die Jakobiten unter der Führung von Charles Edward Stuart, auch bekannt als Bonnie Prince Charlie, versuchten, den britischen Thron zurückzuerobern. Nach der Niederlage in der Schlacht von Culloden im Jahr 1746 floh Bonnie Prince Charlie und versteckte sich einige Zeit in den Highlands, bevor er schließlich nach Frankreich flüchtete.

Es wird gesagt, dass während dieser chaotischen Zeit eine große Menge Gold, das zu spät von französischen Unterstützern zur Finanzierung des Aufstands geschickt wurde, am Loch Arkaig versteckt wurde. Der Schatz soll damals einen Wert von 400.000 Pfund gehabt haben – heute wären das mehrere Millionen. Viele haben seitdem versucht, den Schatz zu finden, doch bis heute bleibt sein Verbleib ein Rätsel. Diese Legende hat die Fantasie von Generationen beflügelt und zieht noch immer Schatzsucher und Geschichtsforscher an.

Loch Arkaig

Die Wanderung zum Invermallie Bothy

Für diejenigen, die die Landschaft genießen und gleichzeitig in die Geschichte eintauchen möchten, ist die Wanderung zum Invermallie Bothy ideal. Das Bothy, eine einfache Hütte, die Wanderern kostenlos Unterkunft bietet, liegt malerisch am Ufer von Loch Arkaig und bietet einen perfekten Ausgangspunkt für Erkundungen.

Die Wanderung beginnt am Chia-Aig, einem Wasserfall, der auch in meinem neuen Krimi eine Role spielt. Der Weg zum Bothy ist gut markiert und führt etwa 10 Kilometer entlang der Nordseite von Loch Arkaig. Die Route ist weitgehend flach, der Weg gut ausgebaut. Bis auf das letzte Stück. Dort, so heißt es in der Wegbeschreibung, kann es etwas matschig werden. Matschig???

Wanderwege unter Wasser

Merke: Wenn der schottische Wandergührer sagt, es kann matschig werden bedeutet das, dass das Seepferdchen nicht ausreicht. Man braucht mindestens den Freischwimmer!

Invermallie Bothy

Das Invermallie Bothy selbst ist ein einfacher, aber gemütlicher Zufluchtsort für müde Wanderer. Es gibt einen Kamin, einfache Schlafplätze und eine Quelle in der Nähe für frisches Wasser. Hier kann man die Ruhe der Wildnis genießen und sich in die Vergangenheit zurückversetzen.

Viel spannender als das Bothy fand ich ein verlassenes Haus unterwegs, das irgendwie nach russischer Datscha aussieht. Was denkt ihr?

Datscha Loch Arkaig

Vom Gold des Prinzen habe ich leider keine Spur gefunden.

Morgennebel am See

Aber was haltet ihr davon, wenn Issy sich in Band 4 oder 5 auf die Suche macht? Schreibt es mir in die Kommentare!

Suardalan

Der Name bedeutet nahrhafte Weide und so sieht Suardalan heute noch aus. Eine große, quadratische Weide auf einem kleinen Hügel gelegen. Die alten Trockenmauern erzählen von vergangenen Tagen, vereinzelte Schafe weiden still das saftige Grün. Das Cottage ist inzwischen verlassen und wird als mountain bothy, als Berghütte, genutzt.

Suardalan Mountain Bothy @nme Abenteuer Highlands

Suardalan ist ein magischer und sehr idyllischer Ort, friedlich und ruhig, sieht man einmal von den Baumfällarbeiten in der Nachbarschaft ab. Im Spätsommer blüht die Heide, ihr intensives Lila überzieht die braunen Hänge, dunkle Tannen und leuchtende Birken sprenkeln Grüntöne dazwischen und an einem klaren Tag schenkt die Sonne blauen Himmel. Schottland geht fast nicht schöner.

Es gibt eine kleine Geschichte zu diesem Ort, die allgemein nicht sehr bekannt ist. Ein Mann namens John MacInnes aus der Gegend um Glenelg sah eines Tages ein schönes Pferd am Ufer des kleinen Lochs oberhalb von Suardalan. Der See trägt inzwischen seinen Namen: Loch Iain Mhic Aonghais.

Loch Iain Mhic Aonghais @nme Abenteuer Highlands

Wie nun jeder Schotte weiß, ein fremdes Pferd alleine in der Einsamkeit kann nur ein water-horse sein, eine mythische Kreatur, ein gefährliches Pseudopferd, dem Wasser entsprungen und nicht auf dem Land zuhause. Vorsicht ist geboten mit Tieren wie diesem. Mr MacInnes aber ließ sich von dem übersinnlichen Gerede nicht irritieren und nahm das Pferd mit zu sich. So ein schönes Tier einfach so in der Wildnis stehen zu lassen, schien ihm sinnlos, ja überheblich gar. Ein so schönes Tier in seinem Stall zu haben, ohne dafür bezahlen zu müssen, war für ihn sehr viel logischer.

Der weise Mann aus dem Ort, im Schottischen sage genannt, wies ihn auf die Gefahren hin aber auch darauf, dass er relativ sicher sei, solange er das Pferd mit heiligem Wasser bespritze und es nicht reite. Offensichtlich gab John nicht viel auf die Warnung des Sage, seine Felder und sein Haus lagen weit auseinander, es schien ihm dumm, nach dem Pflügen neben dem Pferd nach Hause zu laufen, anstatt es nach Hause zu reiten und so schwang er sich auf den Rücken der Kreatur und aus dem scheinbar normalen Pferd wurde wieder das gefürchtete water-horse. Mit einem Wiehern, das wie ein Schrei durch die Stille des Tals hallte, bäumte sich die Kreatur auf und raste mitsamt seinem Reiter auf den See zu, wo es für immer verschwand.

Suardalan @nme Abenteuer Highlands

John MacInnes wurde nie wieder gesehen. Seine Leiche nie gefunden. Er ertrank wohl in dem Lochan, das seinen Namen trägt.

Der schwarze Strand

ublack shore

Der gälische Ausdruck dubh-chladach, meint schwarzer Strand oder schwarze Steine und bezeichnet das Stück am Strand unterhalb der Linie, die der Seetang nach der Flut (ròlag ròid) hinterlässt. Schwarz, weil das Stück des Strandes oft noch feucht und deshalb dunkler ist, als der Rest.

Glaubt man den gälischen Mythen, dann ist dieses Stück ist das sicherste des Strandes, denn hier können einen weder böse Geister, noch Feen, Monster oder sonstige übernatürliche Wesen erreichen. Wer sich unterhalb der Flutmarke aufhält, dem kann nichts Böses geschehen.

 

Cha t’thig olc sam bith on fhairge – nichts Schlechtes kommt vom der See.

Außerdem können Geister auch Wasserläufe wie Flüsse oder Bäche nicht überqueren.

Weiterlesen

Ein tödlicher Schrei

Schon mal in Kingairloch gewesen? Wahrscheinlich werden die meisten Leser diese Frage mit nein beantworten, Kingairloch gehört weder zu den Tourismus-Hotspots noch ist es unter den Einheimischen sonderlich berühmt. Zu Unrecht, wie ich finde. Es gibt hier einiges zu entdecken und die Morvern Halbinsel ist ohnehin voller wilder Schönheit. Irgendwie war Kingairloch in der Vergangenheit häufig an jenseitigen und übernatürlichen Phänomenen beteiligt. Die meisten von ihnen hatten mit einem Schrei zu tun, oft mit einem tödlichen Schrei. Es waren die Schreie von gefährlichen Frauenwesen.

Kingairloch Morvern @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Die Gegend um Kingairloch wurde einst von einer Glaistig heimgesucht.

Die Glaistig war ein Fabelwesen, das in Form einer kleinen Frau, die dünn und grau (tana glas) war, mit langen blonden Haaren, die bis zu den Fersen reichten. Sie war grün gekleidet und suchte bestimmte Orte oder Bauernhöfe heim. In einigen Fällen wachte sie über das Haus, in anderen über das Vieh. (…) Sie soll ursprünglich eine ehrenvolle Frau gewesen sein, eine ehemalige Herrin des Hauses, die verzaubert worden war und nun eine Feennatur verliehen bekam. (…) Ihre Stärke war sehr groß, viel größer als die jeder Fee, und ein Schrei von ihr genügte, um die Echos der fernen Hügel zu wecken.

John Gregorson Campbell: Die gälische Anderswelt – Aberglauben der Highlands und der Insel. (1900) Edinburgh, Birlinn, 2008

Die Glaistig war also etwas Ähnliches wie die Banshee, ihr irisches Äquivalent. Diese besondere Glaistig hütete Schafe und Rinder und übernachtete in einer Eibe. Nicht weit von ihrem Baumhaus lebte ein Mann namens Dougall zusammen mit seiner Frau in einer Höhle. Gelegentlich stahl er seinen Nachbarn Schafe. Eines Tages wollte er mit seinem kleinen Boot zur Insel Lismore rudern, als eine kleine Frau kam und um Mitfahrt bat. Als sie an Bord war, begann zu schreien, er solle schneller rudern. Auch sie selbst ergriff die Ruder und beschämte den kräftige Highlander, denn der konnte kaum mithalten. Als er am Ufer ankam, war die Frau verschwunden, aber er konnte immer noch ihre Schreie in seinen Ohren hören: Hùg oirre, Dhùghaill! Rudere härter, Douglas.

In diesem Fall waren die Schreie der Glaistig harmlos, wenn auch anstrengend. Aber in einem anderen Fall waren sie tödlich.

Loch a' Choire @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Es war eine Sommernacht in Kingairloch, als über Loch a’ Choire schreckliche Schreie zu hören waren. Sie klangen menschlich, aber hätten auch ein Schaf oder eine Ziege gewesen sein können, die geschlachtet wurden. Was auch immer es war, es klang furchtbar und wer den Schrei hörte, dem lief es eiskalt den Rücken runter.

Der Schrei kam vom alten Gräberfeld Dail na Cille, nur ein paar Meter vom Ufer entfernt. Im Loch lag ein Schiff vor Anker. Es war 8 Uhr am Abend.

Dail na Cille Friedhof @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

In der nächsten Nacht ertrank der Kapitän des Schiffes unter mysteriösen Umständen und keiner der Schiffsbesatzung hatte etwas gesehen. Sie konnten sich nur noch an den Schrei in der Nacht zuvor und den Klang der schweren Schiffskette in der Todesnacht erinnern. Als ob etwas von jemandem vom Meeresgrund aus kräftig daran gezogen hätte…

marker Loch Linnhe @nme Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands

Lust auf mehr? Schottland für stille Stunden gibt es bei Amazon!

Schottland für stille Stunden ist kein klassischer Reiseführer, hier finden sich keine Touristenziele oder Öffnungszeiten. Schottland für stille Stunden führt vielmehr an weitgehend unbekannte Orte und erzählt historische, abgründige, romantische oder lustige Geschichten durch die Jahrhunderte. Entdecken Sie die Seele anstatt der Sehenswürdigkeiten Schottlands, Tipps aus dem wahren schottischen Leben und Orte, die es möglich machen ein Land so zu erleben, wie es wirklich ist. Mit dem Reiseinspirationsbuch kann man dieses wunderbare Land vor Ort ohne Trubel ganz anders erfahren oder sich einfach zu Hause auf dem Sofa hinein träumen. Der Reiseführer in die Seele Schottlands beschreibt Schottland für Fortgeschrittene, die aufregende Geschichte, die atemberaubende Natur und die fast vergessenen Orte abseits der Touristenströme von Arthur’s Seat, Loch Ness oder Glencoe und dennoch mitten im Herzen Schottlands.

Frauen und Männer in Kilbride auf der Insel Skye

Kilbride auf der Isle of Skye ist heute nicht mehr als ein paar verstreute Häuser, Schafe und ein Marmor-Steinbruch in Strath Swordale, aber es war einst ein Ort der Anbetung, der Magie und der Rituale und ein Ort der Frauen oder zumindest ein Ort, an dem Frauen ihre Spuren hinterlassen haben.

Die verschwundene Kapelle der Äbtissin

Wie aufgrund seines Namens ziemlich offensichtlich ist, stand einst eine Kapelle in Kilbride, Cille Bhrìghde auf Gälisch, die Kirche der Heiligen Brigid, die wie so viele andere Heilige in Schottland irgendwann Ende des 5.  Anfang des 6. Jahrhunderts aus Irland kam. Von der Kapelle, die einst hier stand und der Äbtissin gewidmet wurde, sind keine Spuren mehr vorhanden. Die Existenz dieser keltischen Kultstätte lebt nur in dem Namen weiter, den der standing stone  in der Nähe trägt: Clach na h-Annait, Stein der Kapelle.

Clach na h-Annait

Die Mutter in der Höhle

Die heilige Brigid war nicht die erste, die hier verehrt wurde. Archäologen haben Spuren einer Siedlung und von Bestattungen in einer Höhle in Kilbride gefunden, die etwa 2700 Jahre zurückreichen. Eisenzeitliche Rundhäuser sind in der Gegend um Kilbride weit verbreitet. Ausgrabungen, die inzwischen wieder aufgefüllt wurden, enthüllten drei Gräber, eine Frau, einen Fötus und ein Kind. Warum sie hier beigesetzt wurden und wer sie waren,lässt sich nicht mehr sagen. Diese Frau hat keine Spuren hinterlassen, die Kinder auch nicht, aber die Höhle wurde wahrscheinlich für Rituale genutzt.

Der Quelle der Bräute

War diese Mutter in der Höhle der Ursprung einer anderen Legende? Anscheinend war es für junge Bräute der Gegend üblich, die Quelle Tobar Tà zu besuchen, um ihre Fruchtbarkeit sicherzustellen. Leider ist die Quelle im feuchten Boden nicht mehr auffindbar. Sie lag jedenfalls nahe der Straße von Broadford nach Elgol.

beach KIlbride

Die drei Toten der Quelle

Der Brunnen war einst berühmt dafür, dass er Teil der Prophezeiungen des Brahan-Sehers im 16. Jahrhundert war. Er hatte vorausgesagt, dass drei Torquils an einem nassen Tag im Bereich des Brunnens getötet werden würden. Dies wird im Allgemeinen drei Mitgliedern des Clans zugeschrieben, die starben, um Bonnie Prince Charlie während des Aufstands im Jahr 1745 und seiner Flucht nach Frankreich im Jahr 1746 im Regiment von MacKinnon of Strath zu unterstützen. Es wird angenommen, dass John MacInnes, Alexander MacLean und William Ross in der Gegend Zuflucht suchten und hier getötet wurden, wie es die Vorhersage des Sehers behauptet hatte. Es war schließlich auch hier, an Strand von Kilbride, wo Flora MacDonald und der flüchtende Prinz an Land gingen.

Tobar sin, is Tobar Tà

Tobar aig an cuirear blàr;

Marbhar Torcuil nan trì Torcuil

Luft latha fliuch aig Tobar Tà.

Die Quelle da ist Tobar Tà,

eine Quelle, an der eine Schlacht ausgetragen wird,

getötet wird Torquil der drei Torquils,

an einem nassen Tag bei Tobar Tà .

Weiterlesen