Schottland Foto Challenge – Edinburgh und Inchcolm von Britta Dicken

Edinburgh und Inchcolm im Herbst

Die bevorzugte Reisezeit für Städtereisen ist sicherlich der Frühling. Aber wir waren von unserem ersten Schottland-Besuch so begeistert, dass wir direkt im gleichen Jahr noch ein verlängertes Wochenende in Edinburgh drangehangen haben.

Im Oktober ist Edinburgh sehr schön. Es ist nicht so voll, das Wetter ist … schottisch und die Leute sind entspannt, denn die Festivalsaison liegt hinter ihnen. Wir haben die drei Tage in vollen Zügen ausgenutzt und haben die Stadt zu Fuß erkundet.

Das absolute Highlight war jedoch ein spontaner Ausflug zur Isle of Inchcolm. Mit dem Bus geht es von Edinburgh aus nach South Queensferry und dann mit einem kleinen Boot weiter. Das Wetter ist für einen Bootsausflug eigentlich nicht geeignet, aber drinnen sieht man so wenig. Also, Kapuze auf, Taschentuch zum Reinigen der Linse griffbereit in die Tasche und Zähne zusammenbeißen.

Die Isle of Inchcolm ist heute unbewohnt und liegt mitten im Firth of Forth, der Meeresarm, der sich bis weit ins Landesinnere erstreckt. Sie soll angeblich schon von den Römern genutzt worden sein, aber das für uns Interessante ist die Ruine des Klosters. Ihr sichtbare Geschichte beginnt um 560 herum, als der irische Mönch Columba von Iona die Insel besuchte. Aus dieser Zeit soll auch das steinerne kleine Gebäude stammen. In dieser Einsiedelei lebte um 1123 ein Mönch, der Alexander I. und seinen Begleitern nach einem Sturm Obdach gewährte. Alexander I. versprach ein Kloster zu gründen, doch erst ein Jahr später konnte sein Bruder und Nachfolger, David I., dieses Versprechen erfüllen.

Erst bestand die Kirche nur aus einem kleinen Schiff mit einem kurzen Chor. Bereits um 1200 wurde der Chor mit einem Turm gekrönt und ein neuer Chor angebaut. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde dann das achteckige Kapitelhaus mit zwei Stockwerken erbaut. Die Abtei wurde immer wieder erweitert, so dass schließlich das gesamte Erdgeschoss als Kreuzgang genutzt werden konnte. Erst zu Zeiten der Reformation wurde die Abtei aufgelöst.

Dank ihrer abgeschiedenen Lage ereilte sie jedoch nicht das Schicksal vieler anderer aufgelöster Abteien. Sie wurde nicht als Steinbruch genutzt, so dass die Ruine in einem sehr guten Erhaltungszustand ist.

Erst zu Zeiten des Ersten und zweiten Weltkrieges wurde die taktische Lage der Insel wiederentdeckt und einige Geschützstände zur Verteidigung der Küste auf ihr montiert. Auch diese Überreste sind heute noch zu sehen, doch für uns waren sie nicht so interessant.

Viel interessanter ist jedoch, dass sich auf der Insel auch Brutkolonien von Möwen und Eissturmvögeln befinden. Daher ist ein Großteil der Insel für Besucher nicht zugänglich, um die Vögel nicht bei der Brut zu stören. Zudem tummeln sich, so wie gefühlt auf jedem Felsen im Firth of Forth, auch einige Robben rund um die Insel. Einige davon haben uns die Wartezeit bis zur Ankunft unseres Bootes versüßt. Leider hatte ich damals nur eine kleine Kompaktkamera ohne nennenswerten Zoom, aber erfreut habe ich mich dennoch an ihnen und ihren Spielen im Wasser!

Wer also in der Ecke ist und einfach mal dem Großstadttrubel entfliehen möchte, der sollte sich überlegen, ob die Isle of Inchcolm nicht ein Besuch wert ist  Ich würde sagen: Auf jeden Fall!

Und wir auch liebe Britta. Vielen Dank für die großartigen Fotos! Auch wenn du viel mehr geschickt hast, als die 5 für den Wettbewerb erforderlichen. 😉 Dafür perfekt mit Text und Recherche. Das gibt von mir ein extra Like. 👍 LG Nellie

Schottland Foto Challenge – Coast-to-Coast im September von Britta Dicken

Das unwiderstehliche Schottland

Was macht man, wenn man schon länger als ein Jahr nicht in Schottland war und furchtbare Sehnsucht hat? Genau, man kratzt seine letzten Urlaubstage zusammen und plant mal eben einen kleinen Urlaub. 10 Tage, davon je ein einer der für An- und Abreise mit der Fähre draufgeht. Nun, da bleibt einem der weite Weg in die Highlands versperrt, wenn man nicht den ganzen Tag nur im Auto sitzen möchte. Also haben wir Ziele gesucht, die in halbwegs erreichbarer Nähe liegen und haben eine Coast-to-Coast-Tour gemacht. Im September!

Was soll ich sagen! So einen schönen und entspannten Urlaub hatten wir bis dahin in Schottland noch nicht gemacht. Wir hatten kurze Tagesstrecken zu bewältigen und haben Plätze gesehen, von denen man in der Regel nur recht selten hört. Häufig waren wir alleine unterwegs. Manchmal gar die ersten und einzigen Besucher an einem Tag. Wie immer haben wir dabei nette Menschen getroffen und viel erlebt.

Besonders schön war der Besuch von Dirleton Castle and Gardens. Die Pracht der Gärten kann ein Fot nicht wiedergeben, aber dieses Bollwerk an Burg, das konnten wir auf die Speicherkarte bannen. Für mich immer noch eines meiner persönlichen Highlight- und Best-of-Fotos, obwohl ich damals nur eine kleine Kompaktknipse dabei hatte. Aber an diesem Foto sieht man, auch mit kleinem Werkzeug kann man schöne Fotos machen. Die ganze Anlage ist übrigens sehr sehenswert! Der Garten ist toll und wirkt das Castle von dieser Seite so bedrohlich, sie sieht es mit der Zugbrücke von der anderen Seite ganz anders aus. Auf jeden Fall ist dieses Kleinod einen Abstecher wert!

So auch die kleinen Kirche in Abercorn. Ganz versteckt liegt sie und ist jedoch mit ihrem Portal ein echter Hingucker. Die Fahrt dorthin hat recht lange gedauert, denn alle paar Meter mussten wir warten bis die Straße frei war. Nein, keine Schafe, auch keine Highland Cattles, sondern Fasane. Dutzende Fasane bevölkerten die Straße, den Straßenrand, die Felder, die Büsche … sie waren einfach überall! Wenn es in Schottland ein Tier gibt, das eindeutig Suizid gefährdet ist, das ist es der Fasan. Oder sind die wirklich so dumm?

Nur ein Stückchen weiter liegt Blackness Castle, natürlich den Outlander-Fans bekannt. Wir haben uns dort schon versucht im Innenhof die Knochen zu brechen, da dachte noch niemand an die Verfilmung der Bücher  Für mich ist dies ein typisches Schottland-Bild, alt und neu, Landschaft und Gemäuer und über allem weht die Saltire.

Vom Firth of Forth ging es quer durchs Land. Mal hier ein Abstecher, mal dort ein Abstecher. An einem schönen lauen Abend haben wir Portpatrick besucht. Nach einem leckeren Abendessen im Pub haben wir dieses Foto beim Spaziergang an der Kaimauer gemacht. Ich mag diese kleinen Fischerdörfer. Und wenn ich irgendwann mal ganz viel Zeit habe, dann fahre ich sie alle ab. Jedes einzelne kleine Dorf, das direkt an der Küste liegt. Könnt ihr die frische Luft riechen, das leise Plätschern der Wellen hören? Das sind Abende, um die ganze Welt zu vergessen und das ist etwas, das ich nur in Schottland so gut kann!

Auch wenn diese Seite der Küste selten besucht wird, so gibt es dort so viele Highlights. Dort habe ich den leckersten Lachs meines Lebens gegessen. Wir durften ein Castle besichtigen, obwohl wir eigentlich zu spät dran waren und der nette Mann von Historic Scotland für uns beide Augen zugedrückt hat und seinen Feierabend verschoben hat. Dort durften wir in einer kleinen Abbey die Angestelltentoilette benutzen, weil es keine für Besucher gab.

Doch eines der einprägsamsten Erlebnisse dieses Urlaubs war der Besuch von Cairnholy. Ich habe eine Schwäche für Friedhöfe, alte Abbeys und Steinkreise. Wir waren alleine dort und haben die Standing Stones bewundert. Plötzlich springt ein älterer Mann in einer zerissenen Jeans und in Gummistiefeln über den Zaun der angrenzenden Weide und macht ein Foto mach dem anderen von den Steinen. Ein wenig wirr erschien er uns schon, also haben wir nur freundlich gegrüßt und wollten weitergehen. Nix da, Pustekuchen. Joseph, so stellte er sich vor, ist der selbsternannte Experte von Cairnholy. Meinen Mann hatte er ganz schnell am Wickel und hat ihn ausgequetscht. Was er denn glauben würde, welche Bedeutung die Steine haben und ob er diese Einkerbung sehen würde und dort das Loch. Während mein Mann mit seinen, damals noch, nicht so tollen Englisch-Kenntnissen versuchte die Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Standing Stones von Cairnholy zu beantworten, habe ich mich lieber bedeckt gehalten. Die Sonne näherte sich dem Horizont und es wurde immer voller. Bald waren mehr als 20 Personen an diesem winzigen Steinkreis versammelt. Und dann erzählte Joseph es uns. Es war der Tag der Herbsttagundnachtgleiche UND das erste mal seit Menschengedenken (So hat er sich ungefähr ausgedrückt), dass die Sonne genau zwischen den beiden Hauptsteinen untergehen würde. Denn, erst Anfang des Jahres wären die Bäume am Horizont, auf diesem kleinen Hügel, gerodet worden. Wir versammelten uns also alle vor den beiden Kopfsteinen und je tiefer die Sonne in Richtung Horizont sank, desto ruhiger wurde die ganze Meute. Bis dahin, haben wir übrigens einen wunderschönen Tag gehabt. Blauer Himmel, leichte Brise und die Wolken hatten sich verzogen. Der Himmel nahm diese außergewöhnliche sanfte Farbe an und kurz, kurz bevor die Sonne den Horizont berührte, da war sie. Die Wolke, diese böse, riesige Wolke, die sich vor die Sonne schob. Ein enttäuschtes Raunen ging durch die Schar der Jospeh-Jünger und Joseph sagte nur „Verdammte Scheiße!“ Nein, ich habe es nicht übersetzt. Denn war Joseph uns unterschlagen hatte, er war jahrelang in Deutschland stationiert und sprach deutlich besser Deutsch als wir Englisch. Aber Spaß hatten wir dennoch alle miteinander und haben herzlich darüber gelacht!

Als hätte diese Wolke das Ende des Sommers eingeläutet, fing es am nächsten Tag an zu regnen und hörte nicht mehr auf. Vielleicht lag es auch daran, das wir die Grenze zu England überquert hatten? Wir wissen es nicht. Die letzten drei Tage waren auf jeden Fall geprägt von überfluteten Straßen, reizenden Flüssen und gesperrten Straßen. Wir hätten Schottland nie verlassen sollen!

Ich finde auch dieses Mal hat sich Britta wieder einen extra Applaus verdient, von mir und uns allen für die ausführliche Recherche und die wunderbaren Bilder.

Du bist eine echte Inspiration. Danke für deinen Beitrag. LG Nellie