denkwürdiger Dudelsackspieler

Schottische Dudelsackspieler hatten in den letzten Jahrhunderten einen sehr gefährlichen Job. Sie spielten nicht nur bei Hochzeiten oder Beerdigungen, sondern auch während Scharmützeln, Schlachten und Kriegen, ohne sich selbst verteidigen zu können. Sie mussten sich auf die Waffen und die Einsatzbereitschaft der Männer verlassen, für die sie spielten. Die Melodien der Dudelsackspieler begleiteten den Clan in den Kampf, der Tod eines jeden wurde intensiv betrauert.

Ein Dudelsackspieler war ein hoch angesehenes Mitglied der Gemeinde, sein Beruf war oft erblich und die Familie erhielt Land und Wohnung für den Dienst am Instrument.  Auf der Isle of Skye waren die MacArthurs piper der MacDonalds, sie lebten im Weiler Hungladder und lehrten ihre Fähigkeiten auf einem Hügel in der Nähe, dem Cnoc a ‚Phiobaire, dem Piper’s Knoll.

Auf dem Kirchhof von Kilmuir erinnert ein Stein an einen dieser Dudelsackspieler, doch die Inschrift wurde nie fertiggestellt. Dies könnte oder auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass der Sohn des verstorbenen Musikers im Minch ertrank, bevor er den Steinmetz für den Grabstein seines Vaters bezahlen konnte. Also stellte der Steinmetz die Arbeit ein, denn ohne Geld keine Buchstaben. So will es zumindest die offizielle Hinweistafel.

Der tote Dudelsackspieler muss mehr als einen Sohn gehabt haben. Andernfalls wäre die erbliche Linie der MacArthurs, die den MacDonalds dienten hier zu Ende gegangen. Aber sie waren noch im 18. Jahrhundert die offiziellen Dudelsackspieler. Dieser andere Sohn hätte also den Steinmetz bezahlen können, den Stein des Vaters fertigzustellen und vielleicht den Namen seines Bruders hinzuzufügen. Es ist weitaus wahrscheinlicher, dass die Einstellung der Arbeit am Stein auf einen Rechtschreibfehler zurückzuführen ist, ein doppeltes „the“. Aber warum hat er dennoch Weg in den Friedhof gefunden?

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mörderische Dänen und die Kirche auf den Klippen

Es war zu Beginn der letzten Jahrtausendwende, die Dänen machten noch immer die schottischen Küsten unsicher und die Clanchiefs hatten alle Hände voll zu tun, die Eindringlinge abzuwehren. Im Jahr 1004 fielen die Dänen in Banffshire ein und wurden von den Einheimischen mit aller Härte empfangen.

Es gab nicht viele Stellen an der Küste, wo mehrere Boote problemlos anlegen konnten, hier war eine und die Einwohner hatten die Eindringlinge erwartete. Sie hatten sich mit allem bewaffnet, was ihr bescheidenes Leben hergab. Selbst die Frauen füllten ihre Strümpfe mit Steinen und schleuderten diese auf die heranstürmenden Männer, die eigentlich weiter nach Caithness wollten aber Wasser und etwas zu essen brauchten. Sie hatten nicht die Absicht, freundlich darum zu bitten. Es waren weit über 500 hungrige und wilde Männer, die da auf Gamrie und seine Einwohner zustürmten.

Die Schlacht der Bleedy Pits von Gamrie war eine Schlacht, die viel mit schlachten zu tun hatte. Das Schlachtfeld oben auf dem Moor soll vom Blut der Dänen so durchtränkt gewesen sein, dass sich in den Senken blutige Seen bildeten. Wie viele es genau waren ist nicht überliefert aber die Zahl der Toten muss groß gewesen sein. Man hatte die Leichen zur Massenbestattung in die Senken geworfen. Aber es war noch nicht vorbei.

Diese für die Schotten so siegreiche Schlacht war der Grund, warum heute eine Kirche in Gamrie steht, denn der Clanchef, der Than von Buchan, hatte geschworen, an der Stelle wo die Dänen ihr Lager aufgeschlagen hatten eine Kirche zu bauen und sie dem Heiligen Johannes zu weihen, wenn der Herr ihm den Sieg über einen zweiten Angriff gewähren würde.

Die Dänen hatten sich auf den Klippen so gut verschanzt, dass es schier unmöglich schien, sie zu bezwingen. Nach Monaten der Belagerung gewährte der Herr (so glaubte der Than) ihm den Sieg und nun blickt die Kirchenruine grau und mahnend hinaus aufs Meer über die rostbraunen Klippen als wolle sie noch immer einfallenden Dänen entgegenstehen. Die heutige Kirche ist natürlich späteren Datums, der erste Bau stammt aus dem 12 Jahrhundert, die heutige Ruine geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Der Name Gamrie ist Gälisch (Ghaemerie) und bedeutet die laufende Schlacht. Heute heißt der Ort Gardenstown.

Allein drei große dänische Herrscher waren unter den Toten auf dem Moor. Ihre abgetrennten Schädel wurden in die Kirchenfassade gemauert so heißt es, um dort ganze 800 Jahre mit grausigem Grinsen an die Schlacht zu erinnern, in der sie ihren Tod erblickten. Davon ist nichts mehr zu sehen, doch der Standort der Kirche ist einzigartig, der Blick atemberaubend.

Der Weg dorthin ein kleines Abenteuer auf der steilen Single Track Road. Am Ende geht es nur noch zu Fuß. St John’s war über viele Jahre die Gemeindekirche und was das an einem Sonntag bedeutet hat für die gläubigen Familien, im Anzug und dem besten Kleid den langen Weg von Gamrie oder Macduff bis zur Kirche auf den Klippen, das ist heute nur schwer vorstellbar.

Sneak Preview 1 – Reiseinspirationsbuch Schottland

1.     Angus

Die Grafschaft Angus ist auch bekannt als Forfarshire. Angus ist das Land der Pikten, der Rinder, der Fischerei und letztendlich ist Angus der Ursprung Schottlands. Hier wurde die politisch grundlegende Declaration of Arbroath, die schottische Unabhängigkeitserklärung, verfasst und geschrieben. Angus hat von allem etwas, die Berge der Cairngorms im Norden und Westen, deren einsame Täler als Weideland genutzt werden, im Süden und Westen wird das Land weicher, flacher und ertragreicher.  Das Salz der See liegt in der Luft, der Rest ist Geschichte und Geschichten.

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Der Tiger von Brechin

Die Lindsays waren im 15. Jahrhundert eine einflussreiche Familie mit beträchtlichem Besitz in Angus und den Mearns. Generationen lang lieferten sie sich eine Fehde mit den Ogilvies und deren Anhängern. Aber die Ogilvies waren nicht das einzige Problem der Lindsays, sie hatten einen noch mächtigeren Feind: den König.

James II von Schottland war seit er sechs Jahre alt war Monarch von Schottland. Sein älterer Zwillingsbruder Alexander war früh verstorben, als James I ermordet wurde, folgte ihm James II auf den Thron. Der minderjährige König wuchs zu einem temperamentvollen und launischen Mann heran. Genau wie Alexander Lindsay, der 4. Earl von Crawford. Der Graf war wegen seines grausamen Temperaments auch als Tiger bekannt. Zwei Feinde wie füreinander geschaffen.

Sie waren beide eigensinnig, skrupellos und entschlossen, die Schlacht von Brechin am 18. Mai 1452 zu gewinnen, die nicht weit von der Kathedrale ausgetragen wurde. Das Land gehörte zwar dem Bischof von Brechin aber der Tiger war Sheriff der Stadt, daher war sein Wille Gesetz, zumal alles Land, das Brechin umgab, entweder seinen Verwandten oder seinen Vasallen gehörte. Der Earl of Crawford, alias der Tiger, regierte wie ein König, ein gefährlicher König obendrein.

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Viele Geschichten ranken sich um der Grafen von Crawford, manchmal auch der bärtige Graf genannt. Einmal soll er einen Minnesänger für unbestimmte Zeit an einem Haken an der Spitze des Kirchturms aufgehängt haben, weil der prophezeit hatte, dass der Earl und sein Verbündeter, der Earl of Douglas, bei Brechin eine klare Niederlage erleiden würden.

Aber jetzt stand der Earl of Crawford nicht einem armen, schwachen Minnesänger sondern einem weiteren Alphatier gegenüber, seinem König und mit dem hatte er wegen seines Verbündeten, dem Earl of Douglas, noch eine Rechnung offen.

König James II war ein Mörder, schlicht und ergreifend. Er und ein paar Adlige hatten William, den 8. Earl of Douglas, erstochen. An einem kalten und dunklen Winterabend in Stirling Castle hatte der König Douglas zum Abendessen geladen und ihn in der Nacht vom 21. Februar 1452 um gebracht. Ihr Streit war alt und über die Jahre immer bitterer geworden, in dieser Nacht nahm er schließlich ein brutales Ende. Dem Earl of Douglas wurden 26 Stichwunden zugefügt. Der König selbst stach zweimal zu, den Rest erledigten seine Höflinge.

Danach war natürlich nichts mehr dasselbe. Offene Rebellion brach im Land aus, der König war ein Mörder (was im Übrigen im Laufe der schottischen Geschichte mehrfach vorkam) und nun an vielen Orten mit Feinden konfrontiert. Der Earl of Douglas hatte viele Freunde, unter anderem den Earl of Crawford.

Der Tiger rief zur Unterstützung auf bei seinen Vasallen und Freunden in ganz Angus. Die Tat durfte nicht ungesühnt bleiben. Die Douglas Verbündeten trafen sich drei Monate später in der Nähe von Brechin, wo der Tiger regierte und wo seine Familie, die Lindsays, seit Generationen Land und Macht besaßen.

© Ewan Roy MacGregor Abenteuer Highlands AngusIhnen entgegen stand Alexander, Earl of Huntley, ein Verbündeter der Ogilvies, und die Streitmacht des Königs. Die Schlacht von Brechin endete mit der Niederlage der Lindsays und all derer, die die Sache der Douglas unterstützten. Sie wurden besiegt, weil einer ihrer Männer zum Verräter wurde und mitten in der Auseinandersetzung mit 300 seiner Männer das Schlachtfeld verließ, um sich den Streitkräften des Königs anzuschließen. Das hatte verheerende Folgen. Der Bruder des Earl und 60 seiner Männer starben. Auf der anderen Seite gab es nur wenige Tote, der Graf von Huntley verlor zwei seiner Söhne. Der Tiger floh, die Schlacht war verloren. Und nun sprach der Tiger die berühmten Worte von der Hölle.

Lieber rotte ich sieben Jahre in der Hölle als einen solchen Sieg zu feiern, wie ihn Huntley heute gefeiert hat.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Angus Brechin

Der Tiger hatte alles verloren, ein Ausgestoßener ohne Land und Macht. Einige Monate später wandte er sich an König James II. Er wurde begnadigt, starb jedoch kurz darauf an einem Fieber. Er wollte auf keinen Fall auf dem Friedhof in Brechin, am Ort seiner Niederlage, neben den restlichen Familienangehörigen begraben werden. Brechin blieb für ihn bis über den Tod hinaus eine furchtbare Schmach.

Liebe Leser,

wie manche von euch schon wissen schreibe ich gerade an einem weiteren Buch und natürlich spielt Schottland wieder die Hauptrolle. Ich habe über die Jahre in Schottland so viele Geschichten und spannende Hintergründe zusammengetragen, dass ich gar nicht anders kann, als sie zu einem Buch zusammenzufügen. 

Was ihr nun gelesen habt, ist ein Teil des ersten von rund 40 Kapiteln und nun ich hätte gerne von euch gern so viel wie möglich Feedback zu allem was euch gefällt oder nicht: Schreibstil, Themenauswahl, Inhalt, Struktur, Bilder usw. 

Die Fotos liefert der Mann zu, es wird also ein schottisch-deutsches Gesamtwerk und macht schon deshalb sehr große Freude. 

Im Juni werde ich immer sonntags Teile des ersten Kapitels hier vorveröffentlichen und hoffe sehr, dass von euch viele Rückmeldungen kommen. Seid kritisch!  Bringt euch ein! Danke. 

Nellie

Nächsten Sonntag: Die Untote von Edzell

Chips und das Leben

Ausflüge mit dem Mann sind immer ein kleines bis mittleres Abenteuer, kein Wunder, schließlich ist Schottland immer für eine Überraschung gut. Selbst so ganz unscheinbarer Schatz-ich-muss-für-eine-Schulung-nach-Inverness Trip kann lustiger werden, als es zunächst klingt. Inverness? Da denkt man sich ja nichts außer prima, der Mann ist für vier Stunden beschäftigt und ich kann das „Großstadtleben“ (Inverness hat weniger Einwohner als Baden-Baden ist aber dennoch die Hauptstadt der Highlands) genießen.

Natürlich begleite ich ihn. Dumm nur, dass er bereits um 8 Uhr dort sein muss. Wir fahren also um 6 Uhr los und schweigen in der frühmorgendlichen Findungsphase zu geistigem Bewusstsein gemeinsam so vor uns hin.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Chips und das Leben

Es ist mitten im Winter und deshalb noch ziemlich dunkel, als der Mann mich kurz vor 8 in der Nähe der Fußgängerbrücke (auch shouglie bridge  genannt) zur Innenstadt aus dem Auto lässt und weiterfährt. Ich habe den Rucksack mit der Fotoausrüstung dabei und mache mich über die Wackelbrücke auf zur Old High Church, wo sie den nach der Schlacht von Culloden (1746) gefangen genommenen Schotten in der Kirche den Prozess machten und sie direkt im Anschluss auf dem Friedhof erschossen. Sehr, sehr traurig und mindestens ebenso gruselig, es ist nämlich noch immer nicht hell und ich schlendere durch den blauen Morgendunst zwischen den die Gräber und denke an vergangene Schlachten, die Schotten und England.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Chips und das Leben

Jede Menge Geschichte und ich hab‘ noch nicht mal gefrühstückt. Also auf zu Costa’s da gibt es leckeren Kaffee und Toasties, mir ist nach was Warmem, was mit Käse. Comfort food nennt man das hier, Essen fürs wohlige Gefühl in Magen und Seele. Da ist definitiv was dran.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Chips und das LebenNach einem riesigen Latte Macchiato und einem Käsetoast mit Tomaten ist mir sehr wohlig und ich genieße es Zeit zu haben. Draußen vor der Tür dudelt Dudelsackmusik (kommt da das Wort dudeln her ???) aus den alten Lautsprechern vor dem Touriladen, der mit allerlei Krimskrams, Flaggen, Hochlandkühen als Plüschtier oder Kühlschrankmagnet, Tassen und Nessies in jeglicher Form Schottlandambiente verbreitet.

Die Einheimischen hasten vor dem Fenster vorbei zur Arbeit. Eine sehr magere Frau Anfang sechzig sitzt mit einer dünnen Lederjacke und einer Zigarette draußen im Nieselregen. Sie sieht nicht sonderlich wohlig aus. Aber sie hatte ja auch keinen Käsetoast.

Der Nieselregen scheint nicht mehr aufhören zu wollen, also beschließe ich mich drinnen zu vergnügen. Das Eastgate Center ist das Einkaufszentrum gleich um die Ecke: Schuhläden, Klamotten, Bücher, alles, was frau so braucht. Und einen Schuhmann, der hier witzigerweise nicht Mister Minit heißt. Wieso auch, in Schottland hat man mehr Zeit als nur eine schnöde Minute, auch für den Gummiabsatz, der bis eben noch auf meinen Nietenboots klebte. Billige Schuhe wirklich aber ich mag sie und hätte den Absatz gerne wieder drauf, das nasse Grass auf dem Friedhof muss wohl den Kleber gelöst haben.

„Haben sie Zeit?“ fragt der Schuhmann.

„Selbstverständlich!“ sage ich mit einem Ausrufezeichen. Ich bin ja in Schottland.

Er klebt den Absatz wieder auf und nagelt das Gummi zur Sicherheit zusätzlich. Auf beiden Schuhen. Friedhofssicher sozusagen. Ich sitze auf dem Hocker und baumle mit den Beinen. Mütter zerren ihre quengelnden Kinder vorbei, eine Gruppe jugendlicher Schulschwänzer schert sich nicht um die Sicherheitskameras und fährt Skateboard auf den Gängen. Ich hege Sympathie für diese altmodische Form der Insubordination.

Meine Schuhe sind fertig. Beide Absätze gemacht.

„Zwei Pfund.“ sagt der Schuhmann.

Ich weiß nicht, ob man in Deutschland beim Schuhmann irgendwas für zwei Euro bekommt. Ein Loch im Gürtel vielleicht.

Frisch beschwingt mit neuem Absatz gehe ich ins Schuhgeschäft (ja, diese Schuhe brauche ich), zu H&M (diese Pullover brauche ich nicht wirklich es ist sale und soo bilig) und stöbere im Waterstones’s nach neuem Lesestoff und prüfe, ob sie vielleicht eines meiner Bücher im Regal haben. Leider nicht. Vielleicht sollte ich danach fragen? Ich traue mich aber nicht. Werbung in eigener Angelegenheit zu machen ist mir peinlich.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Chips und das LebenNoch eineinhalb Stunden, bis der Mann mit seiner Schulung fertig ist. Also gehe ich nochmal auf den Friedhof, um noch ein paar Bilder bei Tag zu machen. Es ist noch immer trübe und regnerisch aber die Sonne ist zumindest aufgegangen. Hat außer mir schon mal jemand versucht, mit einer Schuhtüte, einer großen H&M Tüte und einer Tüte Bücher auf einem Friedhof zu fotografieren?

Nein? Kann es nicht empfehlen!

Der Mann hat nun die Schulung hinter sich gebracht. Wollen wir noch eine Kleinigkeit essen, bevor wir wieder zurückfahren? Jetzt wo wir in der Zivilisation sind. Vielleicht im nächsten Pub?

Der Mann lässt sich überreden und steuert das Hootananny an, da gibt es Livemusik. Ich glaube der Mann hat da früher selbst gespielt. Gute Idee denke ich, man hört die Musik bis draußen auf die Straße. Der Laden ist voll und wir müssen an der Bar eine Weile warten, bis wir bedient werden. Essen gibt es hier nicht. Die Drei-Mann-Band ist laut, die Stimmung gut, der Gitarrist fängt an mit einer jungen Frau zu tanzen. Dass er aufgehört hat zu spielen ändert nichts am Sound, stelle ich erstaunt fest. Mit kindlicher Freude schwingt der Mann abwechselnd Gitarre und Tanzbein. Ich glaube, der war nur der Playback Künstler und hat sich mit jeder Menge Enthusiasmus in die Band geschlichen. Neben mir murmelt ein Mann Unverständliches in den Kragen seines Hawaiihemds, hinter ihm haben drei weitere Gäste ihre Rollatoren perfekt in Reihe geparkt, vor mir lächelt eine Mittachzigerin beseelt vor sich hin. Sie scheint allerdings nicht viel um sich herum wahr zu nehmen. Ich schaue mich genauer um, während der Mann bestellt.

Zwischen den vielen Menschen jenseits der 70 entdecke ich Begleitpersonal – das Altersheim hat wohl Ausflug. Der Mann hat mich ins Seniorenpub ausgeführt. Das dämmert ihm auch allmählich und er sieht mich etwas hilflos an mit seiner Cola. Ich trinke mein Pint und finde alles sehr lustig. Den Senioren geht es nicht anders. Partylunch.

Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach

Essen holen wir uns auf die Hand bevor wir aus Inverness rausfahren. Der Mann eine Blätterteigtasche mit einer Wurst drin, „frisch“ aus dem Dauerheizfach des kleinen Supermarkts. Bäh! Ich gehen zum Chippie nebenan und bestelle eine kleine Portion Pommes halb roh mit billigem Malzessig und viel Salz. Und während ich auf meine chips warte, denke ich über das Leben nach und die faszinierende Fähigkeit der Schotten, die Dinge auf das Wesentliche zu reduzieren. Hier sagt man he‘s had his chips wenn jemand sein Lebensende erreicht hat. Das geht auch im Neutrum als it’s had its chips wenn die Waschmaschine irreparabel kaputt ist. Ob Mann oder Maschine, seine Pommes gehabt zu haben heißt es ist vorbei.

Wie schön denke ich, dass die Seniorenresidenzler ihre Pommes noch mit voller Partylaune genießen.