Der Schlüssel zu 4000 Jahren

Ich als „Schottlandexperte“ weiß selbstverständlich, das manches anders ist hier in den Highlands als in Deutschland. Am Wochenende habe ich gelernt, dass es draußen auf den Inseln nochmal eine ganze Ecke anders ist als hier in den Highlands. Eine ganze Ecke!

Flieger nach SumburghWir fliegen nach Sumburgh (sprich Sambarra) ganz unten, an der Südspitze von Shetland Mainland, der Hauptinsel der großen Inselgruppe in Schottlands Norden. Der Wind ruckelt mit 35 Meilen an der kleinen Propellermaschine, die uns von Inverness in einer knappen Stunde hinaus in die kalte, windige Weite der Shetlands bringt. Die Landung ist problemlos, wir holen unser Gepäck vom einzigen Förderband, dann den Mietwagen und machen uns auf zum Sumburgh Hotel, das man  schon vom Flughafen aus sehen kann.

Jarlshof, Shetland (2)An der Rezeption warten die Schlüssel zu einem der spannendsten und umfassendsten archäologischen Funde, den ich je in Schottland gesehen habe: Jarlshof.

Jarlshof, Shetland (10)

Jarlshof, Shetland (13)Siedlungsgeschichte von der harten Steinzeit über die wilden Wikinger bis hin zu den mittelalterlichen Bauern und den edlen Adligen der Renaissance. 4000 Jahre, neben und übereinander: Brochs, Langhäuser, Burgruinen. Steine über Steine und ein Besucherzentrum.

Jarlshof, Shetland (3)Für all das, hat man uns bei Historic Scotland die Schlüssel hinterlassen. Kein Problem hatte es geheißen. Die Saison ist vorbei und alles ist zu aber wer will, kann sich die Schlüssel holen. Das ist ein wenig so als ob man sich den Schlüssel zur Berliner Museumsinsel an der nächsten Tankstelle abholt. Naja, ein bischen so.

Später erfahre ich, dass es auf einer der nördlichen Inseln eine Burgruine gibt, wo man am Eingang Taschenlampen aus einer Besucherbox mitnehmen kann. Die Taschenlampen werden immer alle zurückgebracht.

Ich nehme an, in Shetland schließt keiner sein Haus ab.

Jarlshof, Shetland (12)Jarlshof, Shetland (6)Ich komme mir vor wie ein Burgfräulein, als ich mit dem großen Schlüsselbund das Besucherzentrum aufschließe. Nachdem wir dann auch den Lichtschalter gefunden haben, können wir in aller Ruhe die Informationen studieren bevor wir raus in den rauhen Wind und 4000 Jahre Siedlungsgeschichte gehen.

Sumburgh HotelNach einer knappen Stunde geben wir den Schlüssel wieder im Hotel ab und machen uns auf zum nächsten Abenteuer. Zunächst (keine 500 Meter weiter) aber halten wir an einer von zwei roten Ampeln, die wir auf Shetland gefunden haben. Ein Flieger kommt und dann darf man nicht über die Landebahn fahren. Da führt die Hauptverkehrsader gen Norden nämlich drüber. Scheint, als habe es auf Shetland Tradition, daß sämtliche Phasen der Entwicklungsgeschichte eng beieinander liegen, alte Straße und neue Landebahn.

Wir fahren Richtung Lerwick, wo schon das nächste Abenteuer auf uns wartet.

Und wer mehr über Jarlshof wissen will, es gibt eine fantastische Videoanimation von Historic Scotland:

 

 

Wanderung zur Wikinger Werft

Die gute Nachricht zuerst: wir haben tatsächlich gesehen, was wir erwandern wollten. Das war ja nicht immer so (https://abenteuerhighlands.wordpress.com/2013/07/25/wandern-2/). Und wir mussten uns auch nicht durch Schlammbäder oder Waldwüsten quälen (https://abenteuerhighlands.wordpress.com/2014/06/02/und-zweitens-als-man-denkt/). Das Klettern am Klippenabgrund vergesse ich mal genauso schnell wieder wie den ersten Schritt.

Herrliches Herbstwetter hatte uns auf die Isle of  Skye gelockt:. Der Mann hatte eine Route ausfindig gemacht, an deren Ende eine uralte Wikinger Werft zu sehen sein sollte. So richtig konnte ich mir unter einer Wikinger Werft nichts vorstellen. So eine Art Anlegestelle aus Holz hatte ich vermutet.

Rund 15 Kilometer begannen mit einem falschen Schritt . Für eine von uns….

Rubh' an Dunain (1)

Den weiteren Verlauf der Wanderung konnte ich einigermaßen fehlerfrei gestalten.

Rubh' an Dunain (11)Entlang der blauen See und den herbstbraunen Hängen zog sich der Pfad Richtung Westen. Nach gut zwei Stunden tauchte eine verlassene Siedlung auf. Schon zuvor waren wir auf lange Steinmauern gestoßen, die wie graue Ketten die Hügel entlangzogen. long forgotten viewDie Ruine eines außergewöhnlich hohen Hauses zeugte vom Reichtum der Siedlung, die wohl Ende des 19. Jahrhunderts verlassen wurde. Heute ist die Landspitze nichts als Wildnis und Einsamkeit. Als die Macaskills noch hier gelebt haben, muß es ein blühendes Dorf, voller Menschen, Schafe, Hochlandrinder und natürlich Fisch gewesen sein.

Rubh' an Dunain (20)

Das kleine Loch na h-Airde ist ein Süßwassersee und damit hervorragend zur Fischzucht geeignet. Das Loch liegt unterhalb der verlassenen Siedlung.

Loch na h'Airde

Wikinger hatten genau hier, in der Verbindung von Loch und Meer einen kleinen Kanal ausgehoben und befriedet. Hier wurde Schiffe gewartet und aus den unruhigen Gewässern in Sicherheit gebracht, wenn nötig. Was für ein lebhaftes Treiben muß hier geherrscht haben vor rund siebenhundert Jahren.

Wir stehen vor der Wikinger Werft.

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Seit dem 8. Jahrhundert waren die Wikinger an Schottlands Küsten eingefallen; raubend, brandschatzend und vergewaltigend. Aber sie ließen sich auch nieder und siedelten. So wie hier am Rubh‘ an Dunain, einer Landzunge im westlichen Teil der Insel Skye. Bis ins 15. Jahrhundert dauerte der Einfluß der Wikinger in Schottland, der sich vor allem auf die Inseln erstreckte: auf Orkney, Shetland, die Hebriden und weiter südlich auch die Isle of  Man. Auf Skye zeugen noch heute zahllose Ortsnamen von der intensiven Kolonialisierung der Nordmänner. Und eben die Werft.

Rubh' an Dunain (50)

Unterwasserarchäoloen haben bei der Wikinger Werft Schiffsreste aus dem 12. Jahrhundert gefunden. Es soll sich um ein 6 Meter langes Ruderboot gehandelt haben.

Wir haben leider nur einen toten kleinen Schweinswal gefunden.

porpoise

Für mehr Informationen zur Wikinger Werft:

http://canmore.rcahms.gov.uk/en/site/11028/details/skye+rubh+an+dunain+viking+canal/