doch so deutsch

Ich bin wieder zurück!

Es ist kalt aber klar und die Five Sisters of Kintail trutzen mit weißen Schneehauben über dem stillen und kalten Wasser des Lochs.

Weihnachten in der Wildnis.

foto by the man

Christmas in den Highlands

Nach zwei Tagen Fahrt durch die Zivilisation, immer weiter nach Norden, fast 1.800 Kilometer samt Kanalüberquerung. Der Moloch London eine andere Welt.

Ich übernachte in einem Hotel in der Nähe von Birmingham, dessen Eingangsbereich mich fatal an den Film The Shining erinnert; einsames Hotel, irrer Axt schwingender Schriftsteller, Geister…..

Die Rezeptionistinn raucht draußen vor der Tür erst mal in aller Ruhe ihre Zigarette fertig, bevor sie mich eincheckt. Jack Nicholson, denke ich nur. Jack Nicholson und starre ihr wild in die Augen. Aber sie tippt ungerührt auf der Computertastatur herum. Ich versuche ein wenig Hochlandgelassenheit und gehe auf mein Zimmer. Ich bin ohnehin zu müde für Irrsinn, der wahre Wahnsinn steht mir noch bevor.

Am nächsten Tag, es ist der 23. Dezember, fahre ich den Rest. Alles problemlos und nach Glasgow ist der Verkehr spärlich. Die Sonne geht gerade unter, als ich beim letzten Supermarkt parke, um die Weihnachtseinkäufe zu machen. Ich und gefühlt eine Million andere Menschen im Weihnachtswahnsinn und Hamsterkaufzwang. hilflose Ehemänner zerren an überfüllten Einkaufswagen und versuchen erfolglos mit ihren einkaufenden Frauen Schritt zu halten. Was unweigerlich dazu führt, dass sie  dabei mit anderen Frauen kollidieren. Die sind schneller beim Mehl, dem Frischkäse oder der Remouladensoße. Es wird geschubst und gedrängelt, ich sehe sogar Frauen mit genervtem Augenaufschlag und Einkaufszetteln.

Deutschland! Es fühlt sich an als wäre ich immer noch in Deutschland.

Selbst an der Kasse geben sie Gas und man kommt mit dem zusammen packen fast nicht hinterher. Die Ehemänner sammeln sich samt der quengelnden Kleinkinder derweil in scheuen Kleingruppen fluchtbereit nahe des Ausgangs.

gen NordenIch entfliehe dem Wahnsinn mit einem vollgepackten Auto. Noch eineinhalb Stunden durch die einsame kalte Nacht der schottischen Highlands und ich bin da.

organised and shot by the man

Tannenbaum

Und natürlich feiern wir am 24. und nicht am 25. Dezember. Der Mann hat einen Weihnachtsbaum „besorgt“, kaufen kann man sie nirgends. Ich packe Linzertorte (danke Mama!), Stollen (danke Papa!) und Sauerbraten aus. Mit Truthahn könnte ich mich ja noch anfreunden aber nicht mit Papierkronen, Rentierpullovern und diesen explodierende Weihachtspäckchen am Tisch. Der Mann ist Gott sei Dank auch nicht wahnsinnig wild drauf.

Also feiern wir am 24. und ganz deutsch. Alle perfekt organisiert.

Eins meiner Geschenke unter dem deutschen Weihnachtsbaum ist ein T-Shirt mit dem Hauch schriftlicher Ironie, die nur ein entspannter Schotte im Weihnachtswahn abrufen kann.

ohne Worte

Ein Rentierpullover wäre schlimmer gewesen!

Frohe Weihnachten an allen Schotten und andere Organisationstalente.

2 Gedanken zu “doch so deutsch

  1. Das war mal wieder ein netter Blog-Beitrag. Die haben mir gefehlt. Habe gerade meinem Mann gesagt, dass er genau aus diesem (T-Shirt-)Grund mit mir verheiratet ist. Alles Gute fuers Neue Jahr an Dich und den Mann.
    Carina

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