Die Freimaurer-Pyramide

Gosford House ist der Stammsitz der Familie Charteris, des Earl of Wemyss (sprich: Wimms) and March. Das herrschaftliche Gebäude ist beeindruckend, umgeben von einer gepflegten und sehr weiträumigen Parkanlage. Ich bin in East Lothian unterwegs und suche all die Friedhöfe, zu denen ich Geschichten recherchiert habe. Einer meiner wichtigsten Punkte der Wochenend-Tagesordnung ist kein Friedhof, sondern ein einzelnes, freistehendes Mausoleum, das versteckt zwischen den Bäumen des Parks Der Zugang ist auf die Sommermonate beschränkt, aber ich hatte im Vorfeld beim Estate Manager um Erlaubnis gebeten. Die hat man mir nicht nur gewährt, sondern auch einiges an Informationsmaterial zugeschickt.

Einfahrt Gosford House @nme Abenteuer Highlands

Schon ein komisches Gefühl, so außerhalb der Saison durch die beeindruckende Einfahrt zu fahren. Wo soll ich parken, frage ich mich und entscheide mich für den Platz direkt neben dem Torgebäude. Da steht bereits ein schicker alter Schlitten. Wem der gehört, finde ich schnell heraus. Eine Frau, ihrem Akzent nach zu urteilen kommt sie von weiter südlich, beschimpft mich, dass ich hier nicht parken dürfe. Das sei ihr Stellplatz. Ich frage mich, ob sie Deutsche Vorfahren hat und erkläre ihr, dass ich die Erlaubnis der Verwaltung habe. Doch das ist ihr egal, sie gehört nicht zum Anwesen. Sie wohnt im Torhaus. Also fahre ich das Auto ein paar Meter weiter und parke auf der langen und sehr breiten Zufahrtsstraße am Rand.

Godford House @nme Abenteuer Highlands

Es gibt viele Gründe, warum man sich für das Gosford House interessieren könnte, aber das Wemyss-Mausoleum ist für mich der weitaus überzeugendste. Unweit des Eingangs des Anwesens führt eine lange und gerade mit Linden, Platanen und Eichen flankierte Allee zu zwei massiven Steinsäulen mit zwei ungewöhnlichen und überlebensgroße Steinfiguren, die den Eingang bewachen zum Mausoleum bewachen. Wer sind sie?

Marmorstatue von Arrotino Wemyss Mausoleum @nme Abenteuer Highlands

Die Figuren auf den steinernen Torpfeilern sind Kopien der antiken römischen Marmorstatue von Arrotino, auch der Klingenschärfer genannt. Er war Teil einer Gruppe, die Apollo repräsentierte, der den Satyr Marsyas lebendig enthäutete, weil der die Göttin Athene herausgefordert hatte, indem er eine Flöte aufhob, die sie weggeworfen hatte, und Apollo selbst zu einem musikalischen Wettbewerb herausforderte. Er bezahlte seine Hybris mit seinem Fell und seinem Leben. Die Figuren sind eine grausame Erinnerung an die Schmerzen des Todes und eine Warnung für alle, die sich dem Mausoleum nähern. Der in gebückter Haltung dargestellte Arrotino hält noch immer das Messer zum Enthäuten in der Hand. Dies ist sicherlich kein gewöhnliches Grab.

Anfahrt Wemyss Mausoleum @nme Abenteuer Highlands

Wer liegt im Wemyss-Mausoleum begraben? Einfach gesagt, der Earl of Wemyss. Francis Wemyss Charteris (1723-1808) war ein schottischer Landbesitzer, 6. Earl of Wemyss. Sein älterer Bruder David, Lord Elcho, war in den Jakobitenaufstand von 1745 verwickelt. Er starb 1787 kinderlos, daher erbte Charteris den Titel als 7. Earl of Wemyss. David war einer der wenigen Jakobiten gewesen, die vom Entschädigungsgesetz von 1747 ausgeschlossen waren. Er kehrte nie nach Schottland zurück, sondern verbrachte den Rest seines Lebens in Frankreich und der Schweiz. Als seine Frau Sofia 1777 bei der Geburt starb, hinterließ Lord Elcho keine legitimen Nachkommen. Nach seinem Tod im Jahr 1787 ging sein Besitz an seinen jüngeren Bruder über: Francis Wemyss Charteris (1723-1808).

Im Jahr 1756 beauftragte Francis Wemyss Charteris Isaac Ware mit dem Bau des monumentalen Amisfield House auf dem Grundstück, das seine Großmutter mütterlicherseits gekauft und nach ihrem Wohnort Amisfield benannt hatte. Er beauftragte außerdem John Henderson mit dem Umbau des Hauses im Jahr 1784, nachdem er 1781 Gosford House gekauft hatte, um dort während der Bauarbeiten zu wohnen. Die meisten Menschen, die ich kenne, wohnen hier in Caravans, während sie bauen, nicht in Manor Houses.

Wemyss Mausoleum @nme Abenteuer Highlands

Als Amisfield House zur Wiederbesetzung bereit war, beauftragte Charteris Robert Adam mit der Überarbeitung des gesamten Designs von Gosford House. Charteris starb im August 1808 im Alter von 84 Jahren und wurde im Wemyss-Mausoleum bestattet. Er ist der Einzige der Familie, der hier beigesetzt wurde.

Die strenge Pyramide ist ein ungewöhnlicher Anblick und sicherlich ein ungewöhnlicher Stil für ein Mausoleum in Schottland. Der Grund dafür ist keine architektonische Fantasie oder Mode, sondern der starke Glaube seines Schöpfers – Francis Wemyss Charteris war Freimaurer.

antike Säulen ujd Tür Wemyss Mausoleum @nme Abenteuer Highlands

Das schlichte Mausoleum aus grauem Stein wurde zwischen 1795 und 1798 erbaut. Der Schein der Einfachheit täuscht, es steckt mehr dahinter, als man denkt. Freimaurer Symbole, Numerologie und Geometrie spielen eine große Rolle. Wer Zahlen mag, ist bei den Freimaurern gut aufgehoben.

Dieses Mausoleum mit 64 Nischen oder Loculi bestand aus einem 33 Fuß großen quadratischen Quader, 18 Fuß hoch, mit vier Portiken mit jeweils vier einfachen, monolithischen toskanischen dorischen Säulen mit ungewöhnlichen Stufengiebeln, die von einer Steinpyramide überragt wurden, die in einem Winkel von ruhte Die Neigung seines Mausoleums mit 64 Nischen oder Loculi bestand aus einem 33 Fuß großen quadratischen Quader, 18 Fuß hoch, mit vier Portiken mit jeweils vier einfachen, monolithischen toskanischen dorischen Säulen mit ungewöhnlichen Stufengiebeln, die von einer Steinpyramide überragt wurden, die an einem ruhte Neigungswinkel von 53° 39° – ähnlich dem 51° 50° 46″-Neigungswinkel, der heute als Neigungswinkel der Großen Pyramide gilt

Eines der letzten Projekte des Architekten im Jahr 1808 bestand darin, den Fluss Gosford umzuleiten, am Fuß des versunkenen Zauns und unter der Allee, die vom New House zum Mausoleum führt. Infolgedessen würde jeder, der von dem üppigen Lustgarten – dessen Gesamtform einem Mutterleib nachempfunden ist – zur Nekropole und zum Mausoleum ging, über den versunkenen Zaun und eine Brücke gehen, über den Bach, wo er geräuschvoll über eine Höhe von 5 Fuß hinunter stürzte. Der weit überhängendr Wasserfall symbolisiert den Übergang von einem Reich zum anderen. Außerdem würde jeder Trauerzug vom Neuen oder Alten Haus zum Mausoleum auf halbem Weg entlang der grasbewachsenen Allee denselben Bach über eine einfache Brücke überqueren. Auf diese Weise war sichergestellt, dass jeder, der die Nekropole betrat, fließendes Wasser überqueren würde, wie es in den meisten Mythologien Seelen auf ihrem Weg in die nächste Welt tun müssen. Sie würden auch, wenn sie sich zuerst entlang der Allee näherten, durch drei Tore aus Eisen und Bronze gehen, und es ist wahrscheinlich, dass alle drei geschlossen gewesen wären. (Das Mausoleum. Gosford-Konzepte.)

Freimaurer zu sein scheint mir eine recht komplizierte Angelegenheit. Ich sehe mich um und lasse den Ort auf mich wirken.

Francis Wemyss Charteris war 1747 und 48 Großmeister der Freimaurer der Grand Lodge of Scotland. Sein Haus in der St. John Street in Edinburgh hatte eine Tür, die direkt mit der benachbarten Lodge Canongate Kilwinning Nr. 2 verbunden war. Diese Lodge war eine besondere. Sie wurde 1677 gegründet und war eine Tochterloge der Loge Mutter Kilwinning (oder Loge Nr. 0), der am meisten verehrten Freimaurerloge der Welt.

Wie es sich für einen lebenslangen Freimaurer gehört, übte Francis Diskretion. Von Tagebüchern oder Memoiren ist nichts erhalten, und nur zwei Briefe sind erhalten. Es ist möglich, dass seine persönlichen schriftlichen Aufzeichnungen von seinen Erben in einem ähnlichen Geist zerstört wurden wie die Zerstörung der Flügel seines Neuen Hauses; aber es ist ebenso wahrscheinlich, dass er sie aus Gründen der Diskretion selbst zerstört hat. Aufgrund dieser Hypothese beabsichtigte er, dass sein erstaunliches Erbe an Landschaften, Gebäuden und Kunst sowie seine eigene Persönlichkeit ein Rätsel darstellen sollten, das die Nachwelt selbst enträtseln muss, wenn sie dazu in der Lage ist. (Das Mausoleum. Gosford-Konzepte)

Es gibt keinen Zugang zum eigentlichen Mausoleum und freimaurerische Zahlen, Strukturen und Linien sind mit bloßem Auge selten zu erkennen. Das Mausoleum der Freimaurer bleibt mir ein Rätsel. Aber einen Besuch ist es allemal wert, denke ich und mache mich auf nach Aberlady, wo der nächste Friedhof und mein B&B auf mich warten.

Abenteuer Highlands 3 – Ja hört das denn nie auf!

Nach den ersten Erfahrungen mit den Highlands habe ich das erste Buch geschrieben: Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland. Damals noch ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es vielleicht mehrere geben könnte. 

Die Jahre gingen ins Land und die Abenteuer wurden nicht weniger. Deshalb, und weil ich immer wieder gefragt wurde, ob es nicht bald einen zweiten Teil von Abenteuer Highlands gäbe, habe ich ihn geschrieben. Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland – alles, was ein Doppelleben in zwei Ländern aufregend und erzählenswert macht. 

Nun ist Abenteuer Highlands offiziell eine Serie und der nächste Band Abenteuer Highlands 3 – Ja hört das denn nie auf! seit Oktober 2023 als Taschenbuch und eBook bei Amazon verfügbar. 

Nellie Merthe Erkenbach

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