Schottlandsehnsucht – Foto Challenge

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Sehnsucht nach Schottland?

Ich habe sie, ihr habt sie und weil ich so wunderbare Leser mit inspirierenden Ideen habe, starten wir jetzt gemeinsam eine Aktion gehen den Daheimbleib-Frust. Jeder darf mitmachen.

Ein paar von euch mussten ihre Schottland-Urlaube verschieben, andere haben sie ganz abgesagt, wieder andere hoffen noch und auch ich weiß nicht, wann und für wie lange ich wieder zurück in meine zweite Heimat kann.

Das Corona Virus hat für so viele Menschen wirklich grausame Folgen und natürlich ist die Sehnsucht nach Schottland ein kleines Übel im Vergleich zum Verlust von Existenzen und Menschenleben. Uns bleibt die Hoffnung auf bessere Zeiten.

Um die Zeit der Ungewissheit und der Ferne zu überbrücken, kramt nun der ein oder andere seine Schottland Fotos aus. Und hier kommt Andys Idee: Lasst sie uns hier teilen. Eine Foto-Challenge auf Abenteuer Highlands. Hurrah!!!

Hier ist der Plan:

Schickt mir 5 eurer Lieblingsfotos aus Schottland auf die Adresse ErkenbachNellieMerthe@gmail.com als .jpg in einer Göße, die das Versenden per Mail erlaubt. Ja, ihr könnt auch mehrfach 5 schicken.

Ich stelle sie hier aus und wir können alle gemeinsam in Schottlandsehnsucht schwelgen. Wenn ihr noch eine kleine Geschichte zu den Bildern habt – umso besser. Es kommt also auch auf die Kombination an.

Die Fünferkollektion mit den meisten Likes bekommt einen Preis: schottisches Siegerminz, eine handsignierte Kopie meines nächsten Buchs Schottland für stille Stunden, das im Sommer erscheint und natürlich ein special feature auf Abenteuer Highlands. Macht das Lust?

Die Foto-Challenge ist hiermit eröffnet.

Fotos könnt ihr bis  zum 30.06.2020 einsenden. Jeder kann mitmachen, sofern er mindestens 18 Jahre alt ist. Ihr müsst die Rechte an den Fotos besitzen. Ich brauche euren Namen und den Ort, den das Foto zeigt. Am besten branded ihr sie.  Dann poste ich die Bilder als Beitrag auf dem Blog.

Ich freu mich auf eure Bilder. Legt los!

Nellie

 

 

Ardchattans Mordopfer

Ardchattan ist ein altes Kloster, das vor fast 800 Jahren von Duncan Mac Dougall, Lord of Lorn, gegründet wurde. An den Ufern von Glen Etive war es jahrhundertelang das Zentrum des kirchlichen Lebens dieser Gegend, bis Cromwells Truppen es 1654 niederbrannten. Das angrenzende Haus und der schöne Garten befinden sich in Privatbesitz. Im kleinen Friedhof wurde das wohl berühmteste Mordopfer der schottischen Geschichte beigesetzt: Colin Campbell von Glenure, the red fox, das vermeintliche Opfer des Appin Mörders James of the Glen.

Ein Opfer, dem oft  wegen der tragischen Ungerechtigkeit der Hinrichtung des mutmaßlichen Mörders, zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Doch nur weil das Gerichtsverfahren zu seinem Mord kein gerechtes war, darf man den Preis, den er bezahlt hat, nicht ignorieren.

Sein Tod war tragisch für seine Familie, sein Mord ein politisches Schaufenster und sein Begräbnis ein sehr öffentlicher Ruf der Campbells nach Gerechtigkeit. Der Mord nahm außergewöhnliche Dimensionen an, der Trauerzug war beeindruckend. Nach der Säkularisaton ging das Kloster in den Besitz der Campbells über. Hier wurde der Rotfuchs beigesetzt.

Die Leiche des Mordopfers  wurde im Barcaldine House (heute ein Hotel, aber damals im Besitz von Colin Campbells Halbbruder Duncan Campbell) auf dem Weg zu seiner Beerdigung im Ardchattan Priory aufgebahrt.  Die Beerdigung musste verschoben werden, damit alle Verwandten genügend Zeit hatten, um anzureisen. Angeblich spukt sein Geist noch immer in dem Hotel. Zumindest ist er mehrfach gesehen worden.

Colin Campbell wurde am 26. Mai 1752 beigesetzt, wo seine Vorfahren seit dem 15. Jahrhundert beigesetzt wurden. Der Ort hat einen ganz eigenen Zauber, eine Stille und Ernsthaftigkeit, die einen Besuch lohnt.

Seinen vermeintlichen Mörder hat man hingerichtet, der wahre aber entkam.

James of the Glen

Die Geschichte von James Stuart  erzählt von Macht, Politik, Betrug und Ungerechtigkeit. Sie ist so grausam wie wahr und einige Aspekte werden wohl  nie ans Licht kommen. Viele glauben, dass der Appin-Mord einer der größten, wenn nicht der größte Justizfehler in der Geschichte Schottlands war. Das Gesetz machte James of the Glen zu einem Mörder, die Legende machte ihn zum Opfer. Seine Knochen ruhen auf dem alten Friedhof von Keil in Appin. Er starb in Ballachulish am Ufer des Loch Leven am 8. November 1752.

 

Auf dem kleinen Hügel über dem Pier der ehemaligen Fähre (heute verbindet eine Brücke die beiden Ufer) wurde ein Galgen errichtet. Der 50-jährige James Stewart, auch bekannt als Seaumas a ‚Ghlinne, James of the Glen, wurde hier hingerichtet. Er wurde wegen Mordes gehängt, den er höchstwahrscheinlich nie begangen hat. Der mutmaßliche Mörder wurde nicht nicht gerichtet wer wurde ermordet. Auf dem Hügel, auf dem der Galgen stand, ist eine Gedenkstädte aber man muss danach suchen, um sie oberhalb der Brücke zu finden. Parken ist schwierig.

James of the Glen war ein ruhiger und beliebter Mann, er war gebildet, konnte in beiden schottischen Sprachen lesen und schreiben. Er war mit seiner Cousine Margaret verheiratet, die beiden hatten drei Kinder und lebten auf einer Farm in Glen Duror, ein paar Meilen südlich von Ballachulish. Er hatte auf dem Feld von Culloden gekämpft und den Kampf überlebt, um schließlich zu Hause getötet zu werden.

James of the Glen war ein Stewart of Appin und damit natürlich auch ein Anhänger von Charles Edward Stuart. Die Campbells waren Anhänger des englischen Königs und taten sich besonders damit hervor, so viele Stewarts wie möglich von ihrem Land zu vertreiben.  James of the Glen und Colin Campbell, den sie „den roten Fuchs“ nannten, hatten sich in einer Kneipe wegen dieser Vertreibungen geprügelt. Dafür gab es jede Menge Zeugen.

Colin Campbell hatte Räumungsbefehle bei sich, als man ihn am 14. Mai 1752, wenige Tage nach der Kneipenschlägerei, auf dem Weg nach Duror erschossen fand. Ein Mann mit einer Muskete war im Wald verschwunden hatten Augenzeugen behauptet. Wer war dieser Mann? Und wo war er?

Alan Breck, der Pflegesohn von James Stewart, war der offensichtlichste Verdächtige, und sein Pflegevater wurde beschuldigt, an dem Mord beteiligt gewesen zu sein. Breck floh nach Frankreich,  James Stewart wurde  gefangen genommen. Einen Rechtsbeistand gestand man ich erst 36 Stunden vor dem Prozess zu. Richter war der Duke of Argyll, Chef des Clans Campbell. Elf der fünfzehn Geschworenen waren ebenfalls Campbells. Von einer unabhängigen Einschätzung war dieses Gericht weit entfernt. Justitia war nicht blind und James Stewart hatte keine Chance. Er hat sich nie wirklich verteidigt, wahrscheinlich nicht, weil er schuldig war, sondern weil er keinen seiner Verwandten gefährden wollte.

Sie hängten ihn auf, legten ihm dann Eisenketten um seinen Körper und ließen ihn drei Jahre am Galgen hängen. Als der Leichnam abfiel, sammelte seine Frau Margaret ein, was von ihm übrig war und beerdigte die Knochen in der Ruine der Kirche von Keil. Eine kleine Gedenktafel erinnert  daran.

Der ermordete Colin Campbell wurde im Kloster Ardchattan beigesetzt. Dessen Geschichte folgt am nächsten Sonntag.

Die blutige Flagge der Stewarts of Appin

In Lochaline auf der Morvernhalbinsel auf einem Friedhof namens Kiel oder Cille Cholumchille stehen die Überreste der Kirche des Heiligen Columba, die den Sound of Mull überblickt. Sie stammt aus dem Mittelalter, uralte Steine, Zeugen einer bewegten Geschichte.

Der Heilige Columba aus Iona gründete in der Gegend ein Kloster. Lochaline ist heute eine verschlafene Ansammlung von Häusern, im Mittelalter war dies eine betriebsame Gegend, die geschützten Hänge des Landes erlaubten Landwirtschaft, die Fischerei war einträglich. Im Old Session House  steht eine Sammlung wunderschön er Grabsteine ​​aus dem 8. Jahrhundert, ältere aus dem 13. und später. Zeit, Gedanken und Vorstellungskraft flossen in diese kunstvollen Werke ein. Die Steinmetze  der Umgebung waren zu ihrer Zeit bekannte Handwerker. Ihre Muster sind außerordentlich natürlich.

An diesem uralten Ort endet die bewegende Geschichte eines jungen Mannes. 1746 rettete der erst 18-jährige Donald Livingstone (Domnhull Molach) das Banner des Regiments der Stewart of Appin in der Schlacht von Culloden und lebte, um seine Geschichte zu erzählen, obwohl er mehrere Male angeschossen wurde.

Die Livingstones waren nicht die traditionellen Fahnenträger für die Stewarts of Appin. Diese Ehre gehörte Carmichaels und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Die Livingstones waren Leibwächter der Stewarts of Appin, alle drei Clans waren Jacobites, sie kämpften auf Seiten Schottlands gegen die Engländer.

Auf dem folgenschweren Schlachtfeld von Culloden, auf dem so viele Jakobiten bei dem Gemetzel im Moor ihr Leben ließen, wurden acht der Carmichael-Fahnenträger, die alle den Vornamen Donald trugen (in Schottland ist es heute noch üblich, dass die männlichen Familienmitglieder über Generationen hinweg denselben Namen tragen), entweder getötet oder schwer verwundet. Es blieb keiner übrig, um das Banner zu tragen, das mitten im Blut der sterbenden Männer auf dem Boden lag.

Von den 5400 Anhängern von Prinz Charles Edward Stuart, die in Culloden kämpften, starben mehr als die Hälfte, wurden verletzt oder inhaftiert. Der junge Soldat Donald Livingstone hatte die Tapferkeit der Jugend, er war mutig und forsch,  fühlte sich wahrscheinlich unbesiegbar. Er nahm das blutige Banner auf und wúrde so der neunte, der es trug in dieser Schlacht. Er nahm es ab und wickelte es um seinen Körper. Die Schlacht war verloren aber er wollte wenigstens das Banner retten.

Das Appin-Banner zeigt ein gelbes Andreaskreuz auf hellblauer Seide, es befindet sich im Militärmuseum im Edinburgh Castle und hängt neben dem Banner des englischen Truppenregiments (King’s Own Royal), das vom Appin-Regiment angegriffen wurde. Dunkle Flecken zeugen vom Blut seiner Fahnenträger, Einschusslöchern belegen die Gefahr, der die Fahnenträger ausgesetzt waren.

Der junge Mann wurde fast sofort von einer Kugel getroffen, doch es gelang ihm, ein herumirrendes Pferd zu ergreifen, einen Dragoner zu töten und einem zweiten zu entkommen. Unter normalen Umständen wäre auch er in Culloden gestorben aber das Banner der Stewarts of Appin, das um seinen jugendlichen Körper gewickelt war, muss ihn beschützt haben, so heißt es. Es gelang ihm, nach Argyll zurückzukehren. Die Engländer aber verfolgten ihn. Und nicht nur ihn. Das Land musste von Aufständischen gesäubert werden und sie machten sich an die Arbeit.

Am 10. März 1746 strömen Soldaten von einem der bekanntesten englischen Kriegsschiffe, der HMS  Terror, an Land. Was folgte war eine Orgie der Zerstörung, an einem einzigen Tag brannten rund vierhundert  Häuser und Scheunen, das Vieh, das nicht mit verbrannt war, wurde erschossen.

Donald Livingstone, der Mann, der die Stewart-Farben rettete, lebte weitere 70 Jahre bis zum hohen Alter von 88 Jahren. Er wurde ion Lochaline beigesetzt.  Er hatte sechs Söhne und zwei Töchter. Bei seinem Tod wurden verschiedene Schusswunden (der Legende nach waren es bis zu 9) an seinem Körper entdeckt. Donald Livingstones Geschichte wurde zur Legende und das Überleben des Banners ein Hoffnungsschimmer in den dunklen Tagen der Niederlage und der englischen Vergeltung.

Die blutige Flagge war das Wahrzeichen eines ebenso stolzen wie verzweifelten schottischen Kampfes um Unabhängigkeit und nicht nur deshalb für die Stewarts of Appin und alle, die der jakobitischen Sache folgten, von höchster Wichtigkeit.

 

Mord am Hochzeitstag

Ich finde bei meinen Recherchen zu Schottland immer wieder Gruseliges und Grausames, der Mord in Appin ist wie ich finde dennoch ein ganz besonderer. Überhaupt scheint Appin eine ganz besondere Anziehungskraft für Mörder zu haben. Hier also nun ein wahrer Krimi aus dem 15. Jahrhundert. 

Castle Stalker

Dies ist die Geschichte der Ermordung von John Stewart, Lord of Lorn an seinem Hochzeitstag und die der Ermordung seines Mörders Alan MacDougall und es ist gleichzeitig die Geschichte der dramatischen Geburt der Stewarts of Appin.

Appin

Die Anfänge des Clans Stewart von Appin waren bestimmt von Lust, vielleicht sogar von Liebe. Es war das Jahr 1445 und Sir John Stewart war auf dem Weg nach Hause zu seiner Burg Dunstaffnage, als er auf eine junge Frau traf, in die er sich sofort verliebte. Sir John war ein verheirateter Mann, was ihn keineswegs davon abhielt, mit dieser Frau einen Sohn zu zeugen. Sie war eine Tochter des MacLaren von Ardvech, deren Name nirgendwo überliefert wurde. Ein Schicksal, das sie mit vielen Frauen teilte, die Geschichte ist voller namenloser Frauen, auch die schottische.

Diese Geliebte wollte Sir John schließlich fünf Jahre nach dem Tod seiner rechtmäßigen Frau heiraten. Seine Frau hatte ihm drei Töchter geboren aber keinen männlichen Erben. Er war gezwungen, die Linie mit einem Erben zu sichern und mit der Geliebten hatte er bereits einen Sohn und möglichen Erben. Er musste also nur die Mutter heiraten und den Sohn anerkennen. Die Vermutung liebt nahe, dass die geplante Ehe wenig mit Liebe zu tun hatte.

Die Hochzeit der beiden fand am 20. Dezember 1463 statt, die Zeremonie fiel kürzer aus als erwartet denn Männer drangen plötzlich in die Kirche ein, die Waffen wurden gezogen. Sir John wurde von einem Dolch tödlich verwundet. Sie zerrten den sterbende Bräutigam aus der Kirche, die Zeremonie war beendet. Doch noch bevor Sir John den letzten Atemzug tat, streifte ihm der geistesgegenwärtige Priester den Ring über den Finger und besiegelte so die Ehe der beiden.

Die namenlose Frau war Braut war Witwe an einem Tag, ihr achtzehnjähriger Sohn Dugald der rechtmäßige Erbe des Vermögens eines Vaters, dessen Sohn er offiziell gerade geworden war.

Es war dieser ehemalige Bastard und nun rechtmäßige Erbe von Sir John Stewart, Lord of Lorn, der die Linie der Stewarts of Appin begründete. Der Mörder am Hochzeitstag war Alan MacDougall und er hatte seine Gründe für seine grausame Tat.

Die MacDougalls hatten früher das Castle Stalker besessen, Sir John hatte es ihnen genommen. Jetzt übernahm Dugald seinen Platz ein als Stewart von Appin und plante seine Rache mit Ruhe und kalter Besonnenheit. Fünf Jahre kamen und gingen, die Differenzen mündeten 1468 schließlich in die blutige Schlacht von Stalc, in der viele Hundert fielen als die MacLarens den Stewarts of Appin und Dugald, ihrem Chief halfen, die MacDougalls und deren Verbündete die MacFarlanes, vernichtend zu schlagen. Alan MacDougall, der Mörder von Dugals Vater, wurde ebenfalls getötet.

Dugal regierte Appin für mehr als dreißig Jahre. Was aus seiner Mutter wurde, ist nicht überliefert.

My Heart‘s in the Highlands

Diesen Post schreibe ich nicht nur für mich, ich schreibe ihn vor allem auch für euch da draußen, die ihr mir schon so lange und mit so viel wunderbarem Feedback folgt. Wir alle haben jetzt zu kämpfen mit dem, was das Coronavirus mit unserem Leben macht und wir träumen von Schottland, weil es das Einzige ist, was wir im Moment tun können, träumen.

Isle of Skye

Schottland ist ein Traum. Wie oft habe ich das in der Vergangenheit so leicht gesagt, wenn ich Menschen davon erzählen wollte, wie wunderbar dieses Land ist. Ein Traum!

Jetzt ist es leider nur noch ein Traum für so viele von uns. Wir kommen nicht mehr hin. Ihr hattet Urlaube geplant, Reiserouten ausgearbeitet hin zum Meer, den Bergen und dem unglaublichen Licht. Und nun machen die Reisebeschränkungen, die Flugausfälle und die zu erwartenden Grenzkontrollen auf dem Weg ins Vereinigten Königreich die Einreise nach Schottland so gut wie unmöglich.

Isle of Skye

Auch für mich, denn auf dem Papier bin ich ja auch nichts anderes, als ein Tourist. Dass ich seit fast einem Jahrzehnt ein zweites Leben in den Highlands habe, das ich dort mit einem Schotten teile, hat auf die Einschränkungen keinen Einfluss. Auch ich komme nicht mehr hin. Und ich weiß nicht, für wie lange. Die Sorge um den Mann und die Familie nimmt täglich zu. Was, wenn sich der Mann infiziert? Ich könnte nicht bei ihm sein. Wie selbstverständlich hat man doch das alte Europa vor Corona genommen. Nun mit Brexit und Corona ist so vieles anders. 

Isle of Skye

Wie so viele Menschen in Deutschland (und ja, ich finde viele vernünftige Menschen mit voller Mitgefühl und Menschenverstand, auch das hat mir die Coronakrise gezeigt) habe nun auch ich ein Gefühl der Hilflosigkeit.

Was, wenn….?

Was, wenn ich nicht….?

Dabei geht es mir noch gut. Ich lese von einem Vater, der seine sterbende Töchter im Krankenhaus nicht sehen darf, weil das Krankenhaus abgeriegelt wurde und er bei seinem Sohn bleiben muss während seine Frau die Tochter auf dem letzten Weg begleitet. Furchtbar. 

Aber ich lese eben auch, dass es lange gehen kann, bis wir die Krise überwunden haben. Manche reden von zwei Jahren. Zwei Jahre! 

Der Mann ist in der Art und Weise wie er die Pandemie erlebt einige Tage hinter mir zurück, was die Erfahrungen und auch die Einschätzungen der Situation angeht. Bei den Glasgow Rangers wurde im vollen Stadion noch Fußball gespielt, da haben sie bei uns schon die Geisterspiele abgesagt. Deutschland schloss die Schulen Anfang der Woche, Schottland erst am Freitag. Ich kenne, was auf ihn zukommt.

Schottland hat eine starke und kluge Regierungschefin voller Empathie aber das Oberhaupt des Vereinigten Königreichs genießt eher nicht unser Vertrauen, schon gar nicht, wenn es um Krisenmanagement geht. Und das  Gesundheitssystem NHS ist zwar sehr sozial aber eben auch sehr unterbesetzt. Es wird mit der zu erwartenden hohen Zahl der medizinisch Hilfsbedürftigen nicht klar kommen. Seife, Desinfektionsmittel oder Nudeln sind auch in den Highlands nicht zu kriegen.

Das Land, das so sehr auf den Tourismus angewiesen ist, wird auf absehbare Zeit keine Touristen mehr sehen. Die Auswirkungen werden drastisch sein für viele in der Familie und im Bekanntenkreis. Allerdings gibt es jetzt die ersten Corona-Touristen, die sich in ihren Wohnwägen in den Highlands selbst isolieren. Wie lange gedenken die ohne ordnungsgemäße Toilettenleerung da auszuhalten? Wer kümmert sich um sie, wenn sie infiziert sind? Die medizinische Versorgung in den Highlands ist nicht auf große Zahlen ausgelegt. Diese Touristen helfen niemand. Allein in Glen Coe waren es gestern bereits mehr als zwei Dutzend. 

Ich hatte es kommen sehen und saß am Sonntag auf gepackten Koffern. Noch waren die Grenzen offen, noch flogen die Fluglinien einigermaßen nach Plan. Viel war weggebrochen, von dem, was ich normalerweise arbeite. Wäre es nicht besser schnell nach Schottland zu verschwinden anstatt im Sommer?

Ich fragte meinen Chef aber er antwortete erst, als ich den Flieger am Montag schon nicht mehr erreichen konnte. Der Chef bat mich zu bleiben, Journalisten werden gebraucht und viele Kollegen werden ausfallen, weil sie sich um ihre Kinder kümmern müssen. Das habe ich verstanden und bin geblieben. Aber nun kann ich nicht mehr weg. Wer weiß, für wie lange.

Immer wieder geht mir die Zeile aus dem Lied bzw. Gedicht von Robert Burns im Kopf herum. Er hat es 1789 geschrieben, vor weit über zweihundert Jahren.

Gedicht Robert Burns

Mein Herz ist in den Highlands, mein Herz ist nicht hier.

Mein Herz ist in den Highlands, wo auch immer ich bin.

Eures auch? 

 

 

Der König und die Witwe – Craigencallie

Ich habe im Sommer von dem einzigartigen Kinoerlebnis mit Angus MacFadyen geschrieben. Nun bin ich bei meinen Recherchen zum neuen Buch auf genau die Geschichte gestoßen, die der Film erzählt. 

Die Geschichte von der Witwe von Craigencallie ist eine dieser wunderbaren schottischen Erzählungen bei der man nicht mehr genau sagen kann, wie viel Wahrheit in ihr steckt und wie viel erfunden wurde. Für die Echtheit in Teilen gibt es Nachweise aber keine zuverlässigen historischen Quellen für die ganze Geschichte. Wie dem auch sei, die Episode ist schön und nicht sehr bekannt. Vielleicht einer der Gründe, der den schottischen Schauspieler und Produzenten Angus MacFadyen dazu bewogen hat, diese Geschichte als Basis für seinen Film über Robert the Bruce zu wählen.

MacFadyen hatte bereits 1995 im Blockbuster Braveheart den schottischen König Robert the Bruce gespielt. Sein Film behandelt nun einen sehr kleinen Zeitraum im Leben des Königs über den wenig bekannt ist, weil er nicht dokumentiert wurde. Im Film zieht sich der König verletzt und körperlich wie mental am Ende in die Wälder der Highlands zurück, wo er auf eine Witwe und ihre drei Söhne trifft.

Die Geschichte der Witwe von Craigencallie, ist aber nicht wie im Film in den Highlands zu Hause, sondern in den Lowlands, in Craigencallie (Gälisch Craig na Cailin, der Hügel der jungen Frau) in Kircudbright.

Galloway Mountains

Im Film waren die drei Söhne der Witwe nicht von drei verschiedenen Vätern wie in der Sage. Die junge Witwe nahm den Kriegerkönig bei sich auf und bot ihm die Hilfe ihre Söhne an, denn auch sie wollte wie der Bruce die schottische Unabhängigkeit von England, und war bereit, mit allen Mitteln dafür zu kämpfen.

In MacFadyens Film, der auf dem Edinburgh Film Festival 2019 Premiere hatte, muss der König nicht nur seinen Körper gesunden sondern auch seinen Kampfgeist wiederfinden. Er nutzt die Zeit bei der Witwe und ihren Söhnen, um zu gesunden an Körper und Geist und um die die Kraft zurück zu erlangen, sein Land gänzlich zu erobern und gegen die Feinde im Süden abzusichern.

Bruce wird zu diesem Zeitpunkt auf allen Ebenen angegriffen, nicht nur aus dem Süden, auch in Schottland selbst hat er Feinde, einflussreiche und gnadenlose Männer, die ihr Eigentum dem englischen König verdanken oder sich aus anderen Gründen gegen ein vereinigtes schottisches Königreich stellten.

In dieser sehr unsicheren politischen Situation im eigenen Land und der körperlichen Schwächung nach den zahllosen Kämpfen, bietet ihm die Witwe von Craigencallie Zuflucht und Schutz. Ihre Söhne sind sein Heer, mit ihrer Hilfe wird ihm nach seinem Abschied von Craigencallie der Sieg gelingen.

Galoway Mountains

Im Film und auch in der Sage bleibt die Beziehung zwischen König und der jungen Witwe rein platonisch. Sie hat drei Söhne von drei Vätern, der eine heißt McKie, einer Murdoch und der jüngste McLurg, letzterer soll ein besonders guter Bogenschütze gewesen sein, der sogar einen zwei Raben, die in den Felsen saßen, mit einem einzigen Schuss töten konnte.

Die McLurgs waren einst eine einflussreiche Familie in der Region Kircudbright und bekamen von König Robert Bruce weitreichende Ländereien zugesprochen, für ihre Dienste im Krieg gegen England. Das ist überliefert.

Eine Schlacht hat ebenfalls in der Nähe von Craigencallie stattgefunden, die Schlacht von Raploch Moss in der Nähe von Loch Clatteringshaws. Hier sollen die drei Söhne im Laufe der Auseinandersetzung Schafe den Hügel hinunter getrieben haben, so dass es den Anschein hatte, als würden dem König mehr Männer zu Hilfe eilen. Der Trick funktionierte, die Engländer traten die Flucht an.

Galloway Mountains

Das kleine Farmhaus Craigencallie gibt es bis heute, natürlich ist es nicht mehr das Original aus dem 14. Jahrhundert.  Es ist Privatbesitz aber es bleibt ein Ort der Geschichte und der Geschichten, von Witwen, Söhnen und einem König, der einer der ganz Großen seines Landes werden würde.

Corona macht mich fertig!

Irgendwie kommt man an dem Thema dieser Tage ja nicht vorbei. Ausgerechnet jetzt kämpfe ich mit einer sehr hartnäckigen Erkältung. Ja, einer normalen Erkältung, ohne Fieber, ohne Atemnot. Das muss man in diesen Tagen ja laut dazu sagen.

Nun bin ich also zu Hause, versuche mich zu schonen und gesund zu ernähren. Ich habe Zeit, die Zeitung ausführlich zu lesen, Social Media durchzukämmen und die Talkshows im TV zu verfolgen. Ich bin in Sachen Corona up to date. Ich habe mir sogar bei Amazon Gesichtsmasken und Desinfektionsspray bestellt. Zu horrenden Preisen in Übrigen.

Atemmaske und Desinfektionsspray

Und der in schottischen Schulen durch hustende Schülerhorden gestählte Mann, schickt mir lustige gifs und Fotos zum Thema Coronavirus. Wie kann man den Unterschied zwischen Schotten und Deutschen besser verstehen als in unserem Umgang mit der Pandemie – er sammelt Witze, ich kaufe Desinfektionsmittel.

Desinfektionsmittel horten

Lustig eigentlich, wenn da nicht dieses ungute Gefühl im Magen wäre. Als ob der Brexit unsere Fernbeziehungssituation nicht schon unsicher genug gemacht hätte.

Was ist, wenn es im Sommer ein Reiseverbot gibt, wenn ich wieder zurück in die Highlands möchte?

Was, wenn ich nicht mehr aus Schottland zurück nach Deutschland kann am Ende des Sommers?

Ok, mit letzterem könnte ich leben. Sorry Chef, ich hab alles gegeben aber ich schaffe es nicht.“ Ja, damit könnte ich zumindest eine Zeit definitiv leben. Sorry Chef! Aber der andere Fall? In Deutschland bleiben zu müssen, weil ich nicht nach Schottland reisen darf. Das wäre furchtbar.

Tragfläche Flugzeug

So oft habe ich die Grenzen zwischen unseren beiden Ländern passiert, ohne nachzudenken. Und nun? Nun ist Corona passiert und zwingt mich dazu. Es sind echte Grenzen und die kann man schließen. Ich und mein Partner leben nicht im selben Land und das kann im Falle einer Pandemie ein echtes Problem werden. Ein Schatz, ich habe alles gegeben aber ich schaffe es nicht würde ich nur sehr schwer über die Lippen bringen.

Heute Morgen hat er mir ein Foto von einem Chinesen mittleren Alters geschickt, der sich eine Damenbinde anstelle einer Gesichtsmaske an die Nase geklebt hat. Hat der Mann wohl auf Twitter oder Facebook gefunden.

Ich glaube, ich muss wieder weniger deutsch werden und die schottische Seite der Dinge sehen lernen.

Weg mit den Desinfektionsmitteln – her mit den Damenbinden!

Mütter und Söhne

Wenn man die kleine A938 Richtung Osten fährt, dann kommt man ganz im Süden von Inverness-shire irgendwann einmal nach Duthil. Man könnte es aber auch einfach völlig verpassen, denn mehr als ein paar Häuser sind es nicht, was man aber ganz und gar nicht verpassen sollte, das sind die beiden Seafield Mausoleen. Auch wenn sie verschlossen und nicht zugänglich sind. Sie sind beeindruckend, etwas gruselig und irgendwie genau so, wie sich das leidenschaftliche Leser der Shelleys oder Edgar Allan Poe immer vorgestellt haben: grau, gotisch und gruselig.

Wer waren diese Seafields, die hier bestattet wurden und warum bauten sie gleich zwei fast identischen Mausoleen nebeneinander?

Die Lairds of Grant waren die Chiefs des Clan Grant, es gelang ihnen, das Earldom of Seafield und die ausgedehnten Gebiete der Ogilvies, Earls of Findlater und Seafield zu erobern. Das Wappen der Ogilvie Grants und Earls of Seafield befindet sich auf dem Mausoleum, das am nächsten an der Kirche von Duthil liegt, nicht jedoch auf dem zweiten.

Das Symbol des Clan Grant ist die lange und uralte schottische Kiefer, einige ragen hoch hinter den Mausoleen empor. Die Kirche steht hier seit dem 17. Jahrhundert, aber die erste Kirche in Duthil stammt aus dem Jahr 1400. Das Clan Grant Center bietet Informationen und Hilfe hauptsächlich für Clanmitglieder aus der ganzen Welt, viele Grants aus Amerika oder Kanada suchen in Schottland nach ihren Ursprüngen. Das Clan Grant Center ist eine der Anlaufstellen für Namenstouristen aus Übersee.

Die Geschichte der Seafield Mausoleen ist tragisch, in ihrem Zentrum stehen Mütter und ihre Söhne, es geht um Trauer und individuellen Verlust, über das Weiterleben und den Versuch, damit fertig zu werden.

Die Grants bauten im 19. Jahrhundert das erste Mausoleum, das mit dem Familienwappen. Mary Ann Dunn, die Frau des 6. Earl of Seafield, starb 1840 im Alter von 45 Jahren. Sie sollte die erste sein, die im neuen Familienmausoleum beigesetzt wird. Sie hatte geheiratet, als sie erst 16 Jahre alt war, und dem Earl sechs Söhne und eine Tochter geboren. Der erste Sohn war in sehr jungen Jahren gestorben, der zweite, wurde dann Erbe und trug damit den Titel Master of Grant. Sein Name war Francis William, er war Kirchenältester und Abgeordneter im Parlament in Inverness.

Als seine Mutter starb, machte er sich auf den Weg nach Cullen House. Francis William war in London gewesen und kehrte nun gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder John Charles nach Hause zurück. Er fühlte sich nicht gut und ging ins Bett. Francis William Grant wurde am nächsten Tag tot in seinem Bett aufgefunden. Er war nur 25 Jahre alt geworden.

Der Sohn stand bei der Beerdigung nicht am Grab seiner Mutter, er wurde mit seiner Mutter beigesetzt, in dem Mausoleum, das die Familie frisch gebaut hatte. Nicht ein Tod wurde von der Familie betrauert, sondern zwei. Der Schmerz der Angehörigen muss immens gewesen sein.

Die Beerdigung war groß und machte einen ebenso großen Eindruck, nicht nur regional. Die Zeitungen berichteten über die Tragödie, die Arbeit in der Gegend ruhte, die Kirchenglocken läuteten und der Trauerzug war fast eine Meile lang. Der Kutsche mit der Leiche von Lady Grant war schwarz dekoriert, die ihres Sohnes ganz weiß. Es war Frühling 1840 und das Mausoleum war neu und leer. Jetzt nahm es gleich zwei Leichen auf einmal auf. Es sollten noch mehr kommen.

Der trauernde Vater und Ehemann heiratete drei Jahre nach der doppelten Beerdigung erneut, bekam aber keine Kinder mehr. Seine zweite Frau ging nach seinem Tod zwei weitere Ehen ein. Und John Charles trat die Nachfolge seines Vaters als 7. Earl of Seafield an.

Die Frau von John Charles beschloss ein paar Jahre darauf, die letzte Seafield zu sein, die in dem Mausoleum ruhen würde. Es war Herbst 1911 und Caroline Stuart, die Witwe des Earls führte die Geschäfte. Sie hatte dieses Recht von ihrem Sohn, dem 8. Earl of Seafield, geerbt, der vor ihr gestorben war. Er war der einzige Sohn des Paares gewesen.

Die Frau und die Mutter des Earls war die Letzte, die sich im Familienmausoleum bestatten ließ. Für die kommenden Generationen ließ sie ein neues bauen, das aber genauso aussah, wie das, in dem sie bestattet werden wollte. Mit ihr würde eine Linie zu Ende gehen.

Die Beerdigung der Witwe von Seafield war ein düsteres Ereignis, der Geistliche hielt die Ansprache im Mausoleum selbst, die Menschen standen im Friedhof und hörten zu. Dann trat Duncan MacDonald aus dem Schatten der Bäume. Er war der Dudelsackspieler der Mackintoshs und er verabschiedete Lady Caroline Stuart mit all den Ehren, die einer Gutsherrin ihrer Klasse zustand. Er spielte The Lament for the Only Son, die Klage um den einzigen Sohn.

Dann wurden die Türen des Mausoleums für immer verschlossen.

 

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verzurrte Häuser

Sturm Brendan hatte meine Schreibhütte erfasst, angehoben und wieder abgesetzt. Drinnen herrschte Chaos und die nun unbefestigte Hütte drohte mit der nächsten Bö aufs Meer hinausgetragen zu werden. Brendan hatte eine Wucht von bis zu 130 Stundenkilometern und er war hier in unseren Garten.

Und nun? Es regnet in Strömen und der Sturm biegt die Tannen. Ich muss meine Sachen retten! die Bücher, einfach alles. Wenigstens habe ich meinen Laptop nicht über Nacht in der Hütte gelassen. Ich renne zurück zum Haus und brülle den Mann zu Hilfe. Der begreift recht schnell was los ist springt in Jacke und Gummistiefel und rennt zur Hütte und mitten im Sturm retten wir, was zu retten ist.

Der Mann versucht das Haus mit Seilen provisorisch festzubinden und ich schleppe alles, was ich in der Hütte hatte ins Haus, einen Tisch, das Regal, Bücher, Stuhl, mein Gott so viel Kram! Alles durch Wind, Regen und Matsch zum Haus. Was für eine Quälerei und im Hinterkopf immer die Sorge, dass die nächste Bö die Hütte samt Mann am Seil fortträgt.

Völlig durchnässt schauen wir entgeistert auf all den nassen Kram, der sich nun in der Küche stapelt. Nach einer Weile finde ich für jedes Stück einen Platz im Haus, es wird eng, aber es wird gehen. Der Mann ist sich sicher, dass er die Hütte wieder reparieren kann. Ich schaue traurig raus in den Sturm. Meine Schreibhütte!

Als es dunkel wird, scheine ich immer wieder mit der Taschenlampe in den Garten. Sie steht noch. Der Sturm will nicht zur Ruhe kommen. Es dauert zwei Tage, bis wir durchatmen können und der Sturm soweit nachgelassen hat, dass der Mann die Hütte wieder ordentlich auf ihr Fundament stellen kann. Er wird alles abdichten und ordentlich befestigen sobald es mal trocken ist. Man wird fast nichts mehr sehen von dem kleinen Ausflug meiner Hütte, sagt er.

Inzwischen hat er Spannriemen gekauft und die Hütte richtig festgezurrt. Windsicher.

Wenn ich nun die Schreibhütte sehe, muss ich an den Film Schiffsmeldungen mit Kevin Spacey denken. Ein wunderbarer Film, von dem mir immer in Erinnerung geblieben ist, dass die Familie Quoyle in Neufundland ihr zweistöckiges Haus an dicken Seilen übers Eis gezogen hat, um es dann an einer Klippe bei Killick-Claw mit Drahtseilen zu befestigen. Diese Drahtseile hatte ich immer im vor Augen aber angenommen, es handle sich um filmische Übertreibung.

Ich muss bald wieder nach Deutschland zurück und im Moment schreibe im Schlafzimmer oder im Wohnzimmer weiter, von beiden kann ich auch aufs Meer sehen. Meine Schreibhütte werde ich dann im Sommer wieder beziehen und die kleinen Narben, die sie nach dem Abenteuer hat, wertschätzen. Wenn ich die Riemen sehe, die sie auf der schottischen Erde halten, werde ich nun nicht mehr nur an den Film, sondern auch an den Roman von E. Annie Proulx denken, auf dem er basiert. Sie hat damit den Pulitzer Preis gewonnen. Wenn das keine Inspiration ist für eine Schreibhütte ist, dann weiß ich auch nicht!