Tempel einer Göttin

Wenn man auf der A 832 von Achnasheen nach Norden Richtung Dingwall fährt, kommen man an Kinlochluichart und der Strathgarve Church vorbei. Der unprätentiöse erste Eindruck täuscht, denn obwohl es in diesem kleinen Kirchhof nur etwa ein Dutzend Gräber gibt, ist eines ein ganz besonders: ein klassischer griechischer Tempel, untypisch für die Einfachheit dieser Highland-Szene. Es ist ein beeindruckendes und außergewöhnliches Grab, so wie es die Frau war, die darin bestattet wurde: Louisa, Lady Ashburton. Ihr Biograf nannte sie gar eine Göttin.

Louisa, Lady Ashburtons Grab in Kinlochluichart @nme Nellie Merthe Erkenbach

Louisa starb am 2. Februar 1903 in England. Sie entschied sich dafür, in Kinlochluicchart bestattet zu werden, das für sie eine Art Zuhause gewesen war, und nicht in der Kathedrale von Fortrose, wo ihre Familie begraben liegt. Sie wollte in dem Highlands ruhen, in Boden, der ihr einst gehörte. Ihren Landbesitz und ihr Vermögen hatte sie größtenteils verloren, als der Brustkrebs ihr Leben beendete. Sie war in vielerlei Hinsicht eine ganz besondere Frau gewesen. Henry James nannte sie „eine so auffällige und interessante Persönlichkeit, eine reiche und großzügige Präsenz, die, wann immer man ihr begegnete, den Vordergrund immer mit Farbe, und das Bild und mit feinem, sanftem Klang zu füllen schien.“

Louisa, Lady Ashburtons Grab in Kinlochluichart @nme Nellie Merthe Erkenbach

Louisa wurde am 5. März 1827 als Stewart-Mackenzie in der Seaforth Lodge in Stornoway auf der Isle of Lewis geboren. Ihre Mutter besaß die Insel. Louisas Großvater, der Earl of Seaforth, war taubstumm ohne männliche Nachkommen gestorben, wie die Prophezeiung des Brahan-Sehers vorausgesagt hatte. Obwohl er zehn Kinder gezeugt hatte, war er ohne männlichen Erben und der Titel erlosch. Die Familie besaß einst große Teile von Ross-shire und The Lews, konnte sie aber nicht halten.

Sie wuchs zu einer beeindruckenden Frau von ruhiger Schönheit und wildem Temperament auf, lebte in einer sehr elitären Welt, in Edinburgh, Brahan und Lewis, frei und impulsiv mit wenigen Einschränkungen. Dies war das Zeitalter des modernen Reisens und Louisa hatte ihren fairen Anteil daran. Sie segelte mit ihren Eltern nach Ceylon, als ihr Vater dort zum Gouverneur ernannt wurde, reiste nach Korfu, Ägypten, Böhmen, in die Alpen, an die französische Riviera, nach Italien und an viele andere Orte. Sie war belesen, aber ihre wahre Liebe galt der Kunst, den Gemälden, Statuen und Häusern. Sie war reich, sie konnte es sich leisten. Sie hatte berühmte Freunde wie Florence Nightingale und Robert Browning. Sir Edwin Landseer war ein häufiger Besucher.

Louisa, Lady Ashburtons Grab in Kinlochluichart @nme Nellie Merthe Erkenbach

Louisa heiratete spät, als sie bereits in ihren Dreißigern war, und wurde Lady Ashburton. Ihr Mann war sehr reich, erheblich älter und kränklich. Das Paar hatte eine Tochter und lebte in Brighton in einem einzigartigen neoklassizistischen Gebäude namens The Grange, das Louisa nach ihrem Geschmack eingerichtet hatte. Ein Geschmack, der sich auch in ihrem Grab zeigt.

Frauen hatten sie schon immer angezogen. Nach dem Tod ihres Mannes nahm sie in Rom eine lesbische Beziehung mit der Künstlerin Harriet Hosmer aus Massachusetts auf.

temple to a goddess

Abenteuer Highlands 3 – Ja hört das denn nie auf!

Nach den ersten Erfahrungen mit den Highlands habe ich das erste Buch geschrieben: Abenteuer Highlands – mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland. Damals noch ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es vielleicht mehrere geben könnte. 

Die Jahre gingen ins Land und die Abenteuer wurden nicht weniger. Deshalb, und weil ich immer wieder gefragt wurde, ob es nicht bald einen zweiten Teil von Abenteuer Highlands gäbe, habe ich ihn geschrieben. Abenteuer Highlands 2.0 – zwischen Schwarzwald und Schottland – alles, was ein Doppelleben in zwei Ländern aufregend und erzählenswert macht. 

Nun ist Abenteuer Highlands offiziell eine Serie und der nächste Band Abenteuer Highlands 3 – Ja hört das denn nie auf! seit Oktober 2023 als Taschenbuch und eBook bei Amazon verfügbar. 

Nellie Merthe Erkenbach

In welchem Zustand ist das Taxi?

Der Mann und ich machen Sommerurlaub. Gerade bin ich von Deutschland gekommen, da reisen wir auch schon weiter. Unser Ziel: die Insel Lewis, die nördlichste Insel der Äußeren Hebriden.

Abenteuer Highlands Wie ist der Zustand des Taxis

Die Fähre führt uns auf die Insel Harris, der südliche Teil der Insel Lewis – ein Eiland (manchmal auch the Long Isle genannt) aber zwei Inseln. Das geht zurück auf die zwei unterschiedlichen Eigentümer vor langer Zeit und ist auf den ersten Blick ungewöhnlich. Es soll nicht das einzige bleiben, was anders ist auf Lewis.

Auf einer Fahrt durch halbdunkle Nachmittagstrübe und frischen 8° Celsius mag das richtige Sommergefühl zwar nicht aufkommen, die Urlaubsfreude aber wohl: Das Meer, die Strände, die Dramatik der Wolken!

Abenteuer Highlands Wie ist der Zustand des Taxis

Erste Schwierigkeiten haben wir beim Suchen der Ferienunterkunft. Die Beschreibung des Vermieters, die an der Buchungsbestätigung hing, führt uns unmittelbar auf den Flughafen. Wir sind uns einig, dass das nicht richtig sein kann. Also weitersuchen, prompt landen wir in der richtigen Straße, wie suchen aber eine Hausnummer, die deutlich niedriger ist als alle, die wir in der Straße finden können. Ich entdecke einen fleißigen Insulaner, der im kalten Sommerwind (geschätzt ca. 80 km/h) seinem Haus einen neuen Anstrich gibt.

„Feasgar math. Tha ceist agam.“ Guten Tag, ich habe eine Frage.

Natürlich packe ich mein Gälisch aus, wo, wenn nicht hier am äußeren Ende Schottlands, wo Gälisch tatsächlich für Viele noch die erste Sprache ist. Den Rest der Unterhaltung aber führen wir auf Deutsch, mein Gälisch ist noch nicht ganz so weit. Super nett die Menschen hier und sehr hilfsbereit. Stellt sich heraus, unser Ferienhaus liegt direkt an der Hauptstraße, obwohl die eigentlich anders heißt aber für einen Abschnitt eben nicht. Google hatte keine Ahnung.

Wir finden also das Haus und den Parkplatz und verstehen nach einer Weile auch, wie wir den Schlüssel aus dem Safe bekommen. Die Beschreibungen des Vermieters waren auch da etwas irreführend aber wie schaffen es, irgendwann.

Abenteuer Highlands Wie ist der Zustand des TaxisDrinnen beginne ich gleich mit dem Auspacken, der Mann startet die Heizung. Im Eifer des Gefechts merken wir es zuerst nicht aber die Heizkörper werden einfach nicht warm. Also nochmal an den Regler, rumspielen, warten, verschiedene Knöpfe drücken – nichts. Niente. Nothing. Keine Heizung. Draußen sinkt die Temperatur in den einstelligen Bereich. Drinnen ist es nicht viel besser. Und die Heizung will einfach nicht anspringen. Ich überlege, den Ofen in der Küche anzumachen, entscheide mich dann aber für einen Telefonanruf bei unserem Vermieter.

Ja hallo. Hier ist Nellie. Wir sind ihre Mieter und wir bekommen die Heizung nicht zum laufen.

Es folgt eine längere und etwas komplizierte Erklärung. Ich habe Schwierigkeiten, ihn zu verstehen. Muss wohl am Hebridenakzent liegen. Ich berichte dem Mann von den Anweisungen des Vermieters. Er versucht es – immer noch keine Heizung. Der Schalter an der Wand scheint mir ein eher kompliziertes System zu sein. Heizung geht am besten für eine Stunde hatte der Vermieter erklärt. Nun aber geht nichts. Gar nichts. Nada. Niet. Der Mann meint die Heizung kriegt sich wieder ein. Wir gehen einfach essen und wenn wir zurück kommen ist es warm.

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Nach einem wunderbaren Essen in Stornoway und für mich den größtenTeil einer Flasche Wein sind wir wieder zurück, die Heizung ist immer noch nicht an.

Ihr könnt mich jederzeit anrufen, wenn ihr ein Problem habt, hatte der Vermieter gesagt. Also rufe ich nochmal an, denn wir haben ja ein Problem.

„Ja, hallo. Hier ist nochmal Nellie. Die Heizung geht immer noch nicht.“

„Hbst er ppohbieert den Schaalter zu drüggen?“

So oder so ähnlich klingt es aus dem Handy. Ich stelle fest, das es nicht an meiner mangelnden Kenntnis des Inseldialekts liegt, dass ich ihn nicht verstehe, sondern an der Tatsache, dass er schlicht und einfach stockbetrunken ist.

„Äh ok,“ sage ich. „Das funktioniert aber nicht.“

„Okkeh.“ sagt er und murmelt weiter: „Isch ruhfe ein Tagsi und kohme vohrbei.“

Ich kichere fröhlich, weil es zwar frostig im Haus ist aber ich ja ebenfalls dem Wein schon kräftig zugesprochen habe. Der Mann holt nun mit dem Wein auf, der Kühlschrank funktioniert tadellos und unser Weißwein hat die perfekte Temperatur. Wir warten auf den Vermieter und sein Taxi. Und warten… und warten ..

Plötzlich klingelt mein Handy.

„Ahlloh. Wo bischd duh denn? Ich waarde.“

„Äh, ich reiche sie mal weiter.“ sage ich und gebe dem Mann mein Telefon. Er ist aus Glasgow und kennt sich deshalb aus mit den Folgen des Alkohols.Ich habe das Gefühl ich höre nur noch Quatsch.

Zwischen den beiden entwickelt sich ein interessantes Gespräch.

Mann: „Hallo. Alles klar?“

Vermieter: „Wahn koms duh denn ähndlich?

Mann: „Wollen sie, dass ich sie abhole?“

Vermieter: „Waaas? In welchem Zuschdand isch das Taxi?“

Mann: „In welchem Zustand ist das Taxi?“ Er macht eine Pause und denkt. „Außen dreckig innen sauber.“

Vermieter: „Verdammt n‘ mal. Das isch nu wirklich nicht wihtzig.“

Abenteuer Highlands Wie ist der Zustand des Taxis

Inzwischen finden der Mann und ich aber sehr wohl, dass diese Unterhaltung sogar sehr witzig ist. Ich muss mich vor lauter Lachen aufs Bett legen, Und auch der Mann lacht sich kaputt während er dem betrunkenen Vermieter am anderen Ende zu erklären versucht, dass er nicht das Taxiunternehmen ist und der Vermieter bei der falschen Nummer auf Rückruf gedrückt hat.

Abenteuer Highlands Wie ist der Zustand des TaxisKurz vor 23 Uhr taucht schließlich ein Taxi vor der Tür auf, der Vermieter schwankt heraus. Herzliche Begrüßung, der Versuch einer Erklärung und dann lachen wir alle drei. Der Vermieter checkt die Steuerungseinheit an der Wand, schnappt sich eine Leiter und versucht in den Speicher zu klettern. Ich machen mir Sorgen um sein Genick aber er schafft es unversehrt, von der Leiter wieder herunter zu kommen. Was genau er im Speicher gesucht hat, erschließt sich mir auch nicht aber egal.

Inzwischen habe ich mein Gälisch ausgepackt und wir sprechen. Funktioniert prima in dem Zustand. Am Ende schraubt er irgendetwas an Boiler und wwruumm, die Heizung funktioniert endlich.

Das Taxi hat geduldig gewartet, in welchem Zustand auch immer, der Vermieter verschwindet in die dunkle Nacht und wird sich am nächsten Morgen gefragt haben, was zum Teufel das gestern eigentlich war.

Der Man und ich lachen immer noch darüber. Es muss nur einer sagen „In welchem Zustand ist das Taxi?“ und schon kichern uns in einen Lachkrampf, der nur ganz schwer wieder zu stoppen ist.