Zwischen Mikrophon und Manuskript

Mein Ringen mit dem geschriebenen Wort

Vom gesprochenen zum geschriebenen Wort

Seit über zwanzig Jahren lebe ich vom gesprochenen Wort. Ich schreibe fürs Hören – für Radio und Fernsehen. Für Formate, in denen das Timing wichtiger ist als das Komma. Wo der Klang zählt, nicht die Orthografie. Wo aus einem schnell hingeworfenen Satz ein lebendiges Gespräch wird. Und wo ein fehlendes Wort niemanden stört, solange der Tonfall stimmt.

Das gesprochene Wort ist mein Zuhause. Es ist spontan, lebendig und flexibel. Fehler? Geschenkt. Improvisation? Alltag.

Schreiben mit dem Rotstift im Nacken

Wenn ich heute an meinen Büchern arbeite, merke ich, wie sehr sich das unterscheidet. Plötzlich zählt jedes Zeichen. Plötzlich kann ich nicht mehr einfach „drüber weg sprechen“. Das geschriebene Wort ist nicht kulant. Es bleibt da – schwarz auf weiß – und schaut mich an, als wollte es sagen: „Du kannst das besser.“

Und ich? Ich fluche, feile, verwerfe. Ich lese laut. Ich schleife. Ich beginne von vorn.

Ohne Testleser wäre ich verloren

Was mich rettet? Meine Testleserinnen und Testleser. Ohne sie würde ich mich heillos verirren im Dickicht der Buchstaben. Sie sind mein Korrektiv. Mein Resonanzraum. Mein „Stopp, das geht so nicht!“. Sie holen das Beste aus mir heraus – und aus meinen Texten.

Die leise Kraft des geschriebenen Wortes

Und je länger ich mich auf diesen Prozess einlasse, desto mehr wächst mein Respekt. Das geschriebene Wort ist nicht einfach nur „nicht gesprochen“. Es ist etwas Eigenes. Es verlangt Hingabe – aber es schenkt auch etwas: Tiefe. Dauer. Präsenz.

Vielleicht sind wir noch keine alten Freundinnen, das geschriebene Wort und ich. Aber wir nähern uns an. Tag für Tag. Buchstabe für Buchstabe.

Skullduggery: Ein skurriles Wort mit Geschichte

Wort des Tages: Skullduggery
klingt wie ein Pirat mit Zahnschmerzen – bedeutet aber viel mehr.

Es ist eines dieser englischen Wörter, das beim ersten Hören eher nach einem schottischen Getränk, einem räudigen Seemann oder einer missglückten Yoga-Position klingt. Dabei ist Skullduggery (auch skulduggery) ein echtes Sprachjuwel – und so herrlich bildhaft.

Was heißt es?
Kurz gesagt: Heimtücke, Trickserei, durchtriebene Machenschaften – alles, was ein bisschen zwielichtig und ein bisschen charmant ist.

Englisch:
Ein Hauch von Ironie, ein Gentleman mit gezücktem Degen, der die Wahrheit ein klein wenig verbiegt.
“A bit of skullduggery in the House of Lords, what?”

Amerikanisch:
Eher politisch, gerne in Krimis, immer mit ernstem Blick.
“There’s been some skullduggery in the mayor’s office.”

Ursprung?
Kommt aus dem Schottischen – natürlich. Ursprünglich bedeutete es so etwas wie „obscenities“ (Anstößiges), entwickelte sich aber im 19. Jahrhundert in den USA zu „underhanded dealing“. Aus dem derben Fluchen wurde also feines Tricksen. Eine echte Karriere.

Warum wir es lieben:
Weil es so klingt, als hätte sich ein viktorianischer Krimi-Autor mit einem Disney-Schurken zusammengetan.

Und im Alltag?
Wenn jemand im Büro heimlich die besten Kekse klaut? Skullduggery.
Wenn dein Kater plötzlich auf der Tastatur liegt und dein Dokument löscht? Skullduggery.
Wenn du dir selbst ein Stück Kuchen weggegessen hast und so tust, als wär’s der Partner gewesen? 100 % Skullduggery.

Also: Heute ruhig ein bisschen skullduggern. Aber stilvoll, bitte.