Schottische Wurstempörung

Schottland wird dieser Tage von einem Skandal ungeheuren Ausmaßes erschüttert. Auslöser ist der deutsche Billigdiscounter ALDI. Es geht um die Wurst. Worum auch sonst.

Es gibt ein paar Dinge im schottischen Alltagsleben, die sind anders als man es aus Deutschland kennt: das Bier hat keinen Schaum, die Männer tragen (manchmal) Kilt und die Frühstückswurst ist eckig. Das ist nun mal so und in gewisser Weise auch Teil der schottischen Identität. Der Mensch definiert sich schließlich über die Andersartigkeit in Abgrenzung zu den Nachbarn oder dem Rest der Welt, ungefähr so wie der Schwabe durch die Kehrwoche oder der Bayer die Lederhose. In Schottland ist die eckige Frühstückswurst identitätsstiftend.

Abenteuer Highlands Wurstempörung

Abenteuer Highlands WurstempörungUnd nun kam ALDI diese Woche mit der (angeblich) neuen Idee einer eckigen Wurstscheibe auf den Markt und nannte sie Sausedge. Ein Aufschrei ging durchs Land und vor allem Twitter überschüttete die Möchtegernerfinder aus Deutschland mit Hohn und Spott.

Der #lorne ist die beste Comedy, die es derzeit gibt.

 

Abenteuer Highlands WurstempörungDie square slice für sich zu beanspruchen ist ungefähr so als würde ALDI behaupten, die Mozartkugel, den Müller-Thurgau oder das Wiener Schnitzel erfunden zu haben. Man stelle sich den Aufschrei in Deutschland und Österreich vor.

Die sogenannte „square slice“ (eckige Scheibe) ist so eine Art Rinderhackwurst aus der Form, sie wird angebraten oder gerillt und mit brauner Sauce zum Frühstück gegessen oder in einem Brötchen verkauft. In dem Fall macht ihre eckige Form wenig Sinn, denn die Brötchen sind in der Regel rund. Aber, Tradition ist Tradition und die ist in Schottland eckig, wenn es um die Wurst geht. Und früher hat man in Schottland ja auch meist das plain loaf gegessen und das sind wiederum rechteckige Brotscheiben.

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Eigentlich heißt die square slice ja Lorne saussage, enthält Rinderhack, trockenes Brot und Kräuter. Im Prinzip wie unsere Frikadellen nur mit deutlich weniger Eigengeschmack. Man isst sie seit unzähligen Generationen in Schottland und auch wen sie nicht aus der Region Lorne kommt, wie der Name vermuten lässt, so ist sie doch ganz und gar typisch schottisch. Bei einem englischen Frühstück bekommt man sie nicht serviert.

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Der Gipfel der Ironie dieser missglückten Marketingaktion: ALDI verkauft die eckigen Wurstscheiben schon seit Jahren in den schottischen Filialen. Aber das war den Helden der Marketingabteilung wohl WURST.

Extrawurst

Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach ExtrawurstIch habe in den letzten Wochen darüber berichtet wie es ist, mit dem Highlander in Europa unterwegs zu sein. Wir haben die Rollen getauscht. Nun bin ich zu Hause und er hat ein Abenteuer nach dem anderen, jetzt geht es ihm ein bisschen wie mir in meinen Anfangsjahren in den Highlands.

Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach ExtrawurstDer Mann besucht mich regelmäßig. Wir führen seit Jahren eine funktionierende Fernbeziehung, ich verbringe 1 Monat im Winter und 2-3 Monate im Sommer bei ihm und er besucht mich in der Regel für 14 Tage im Schwarzwald.

Sein Job erlaubt ihm nicht viel mehr, Ich kann Monate durcharbeiten und dann auch Monate frei bzw. Wochenende machen.

Auf dem Kontinent sind viele Dinge anders, als er es gewohnt ist. Das meiste findet er wunderbar, allem voran den örtlichen Metzger und die Aufschnitt Theke. In Schottland kennt er abgepackt gekochten Schinken, Chorizo und Corned Beef in der Dose. Im Schwarzwald erlebt er den Wurst Overkill und steht ganz beseelt vor so viel Wurstglück im Metzger, unfähig sich zu entscheiden, ein bisschen wie ein kleines Kind vor dem Adventskalender:

  1. Dezember Lyoner
  2. Dezember Bierwurst
  3. Dezember Mettwurst
  4. Dezember Salami

Nwellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands ExtrawurstSein Highlight aber ist ohne Zweifel eine Scheibe heißer Fleischkäse im Brötchen, das kann er genauso wie Extrawurst auf Deutsch sagen. Sonst hat er es nicht so mit dem Deutsch lernen.

Beim Bäcker geht es ihm ähnlich, so viel verschiedene Brotsorten, gewohnt ist er plain loaf und die viereckigen Scheiben Labberbrot, mit dem man Sandwiches macht. Oder die ähnlich weichen Brötchen. Knusprig und bissfest sind ihm gänzlich fremde Vokabel, wenn es um Brot geht, eine Schwarzwälder Bäckerei treibt ihn an den Rand der Fassungslosigkeit.

Und den Kuchen gibt es nicht in Plastik verpackt aus der Kühltheke, sondern ganz und rund und in voller frischer Pracht beim Konditor.

Deshalb ist der Schwarzwald seine Kirsche auf der Torte. Und der Fleischkäseweck sein erklärtes Lieblingsfrühstück.

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Wir sind auf einem Ausflug in Hohenlohische, genießen Sonne, Burgen und idyllische Städtchen. Und natürlich Abendessen, landestypisch.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands ExtrawurstWas ihm schwer fällt zu verstehen, ist das deutsche Bedürfnis zu allem seinen Salat dazu zu reichen. Vom Salatblatt im Lyonerweck bis hin zum Beilagensalat fürs Brauerschnitztel. Warum das gute Schnitzel mit so viel seltsamem Zeug belasten, wenn man es auch einfach pur oder mit Pommes essen kann? Ich erkläre ihm, dass ein SchniPoSa ohne Salat nur ein SchniPo wäre und damit mindestens ein Drittel seines Charmes einbüßt. Sieht der Schotte offensichtlich anders, während er den Beilagensalat auf meine Tischseite schiebt. Wahrscheinlich aus Angst, er könnte ansteckend sein. Nur die Ecke mit dem Kartoffelsalat ist angegessen, der Rest ist unberührt.

„Du solltest wirklich mehr Saat essen.“ sage ich.

„Ok.“ sagt der Mann ergeben und schaut grinsend in mein nun verwundertes Gesicht.

„Dann essen wir Morgen Wurstsalat.“

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