Fernseh-John statt Fernseh-Frust

Die Tage sind kurz, das Dunkel lang und die Schottischen Highlands sind im Winterschlaf. Alles hat zu, das Wetter spielt verrückt, man bleibt am besten zu Hause.

Aber was macht man dann?

darkness descendng

Fernsehen!?

Ich brauche keinen Fernseher, um mich zu beschäftigen. Das liegt vielleicht zum einen daran, dass ich beim Fernsehen beschäftigt bin (also fernsehen irgendwie arbeiten ist), zum anderen gibt es aber auch so viele Bücher, die man lesen könnte.

Aber natürlich sehen auch wir fern, zumindest versuchen wir es, denn das TV Programm hier auf der Insel ist so, dass man sich fast wieder Stromausfall wünscht.

Die Soaps laufen seit Jahrzehnten und da ist einsteigen schwer, selbst wenn man wollte. Aber wer würde wollen? Ich hab spaßeshalber mal die neue Serie auf BBC Alba versucht. Leider auf Gälisch und deshalb ganz und gar unverständlich.

Selbst die BBC Dokumentationen haben inzwischen nur noch begrenzten Charme, weil man den Moderator/die Moderatorin mehr im Bild sieht, als das Thema.

Bleiben Filme.

Ist es eigentlich legal, Filme in zweistelliger Höhe zu wiederholen??

Seit Jahren wird Rocky I und II und II und IV und V rauf und runter wiederholt, gerade sind wir wieder bei vier. Kommt kein Sylvester Stallone kommt Ocean’s Thirteen. Oder ein Kriegsfilm mit bösen Deutschen, die einen seltsamen Akzent haben.

Also sind wir auf DVD umgestiegen. Natürlich auch aktuelle Sachen aber unser Highlight ist fast 20 Jahre alt.

Wir lieben Hamish Macbeth, alle 19 Folgen. Eine humorvolle Dramaserie mit Robert Carlyle (Trainspotting und James Bond) als nettem Polizisten in idyllischer schottischer Kleinstadt mit jeder Menge schräger Charaktere am schönen Lochdubh (sprich: Lochduhh). Unser Clou, die surreale Serie spielt genau hier in der Gegend.

Neben der Handlung verfolgen wir natürlich ganz genau die Handlungsorte.

Ist das die Straße, die links…?

Nein, das ist doch die, die hinauf zum….?

Dann muss natürlich wieder zurück gespult werden. Bis zum nächsten Ortswechsel kann man dann die Handlung verfolgen.

Plockton (3)

Vor allem in den Kneipenszenen wird Hintergrundanalyse betrieben.

Ist das soundso an der Bar hinten, das ist doch Dings, da mit dem weißen Strickpullover.

Nein, ist  es nicht?

Doch!

Also wieder zurückspulen und Standbild.

Die Serie stammt aus den 90ern, Freunde und Bekannte, die als Statisten auftauchen, sehen da natürlich noch anders aus. Sehr lustig.

Der Rest ist viel Karo, ein West Highland Terrier, Hochlandrinder und ein Assistent namens Fernseh-John, der Hellsehen aber weder lesen noch schreiben kann. Letzteres ist das Ungewöhnliche, denn er erledigt die Schreibarbeiten für Polizist Hamish Macbeth. Der wiederum ist mit seinen romantischen Verwicklungen beschäftigt und erledigt seine Fälle so im vorbeigehen.

Irgendwie ist alles genau so, wie sie hier wirklich sind und gar nicht so fiktiv, wie es den Anschein hat.

Plockton (1)

Fernseh-John heißt Fernseh-John, weil er der erste war, der am fiktiven Lochdubh ein TV-Gerät besaß. Wahrscheinlich hatte er auch fiktives Fernsehprogramm. Das war ganz bestimmt viel lustiger als das echte. Heute Abend kommt eine Dokumentation über Winston Churchhill.

Ich glaub wir werden wieder eine DVD einlegen.

 

 

3 Gedanken zu “Fernseh-John statt Fernseh-Frust

  1. Hallo! …wieder tolle Fotos! Was fuer’ne Kamera benutzt du? Aber natuerlich ist es nicht nur die Kamera, sondern viel mehr die Kuenstlerin!!! Aber hast du gestern wenigstens PETS WILD AT HEART gesehen? DAS war einfach MESMERIZING, und kein Presenter im Bild!!! Und Churchill MUSSTE ich mir anschau’n, denn er ist einer meiner HEROES! Aber mit den Naturdokus hast du ja so RECHT. Ich schalte sie schon lange nicht mehr ein – die Namen der Leute, die sich so handsome finden, kennt man ja – der Einzige fuer mich ist DAVID ATTENBORROUGH. Na, und die Film-Wiederholungen sind echt fast unertraeglich – gibt mir aber immer einen Grund zum Grinsen, wenn ich nur schon wieder BRIDGET JONES ausgedruckt sehe. OMG! Aber weisste: es gibt UEBERALL irgendwas zu meckern – wenn man das Privileg hat, in dieser wunderschoenen Umgebung wohnen zu duerfen, kann man doch manches verzeihen, oder? Fuer mich ist Skye jedenfalls eines der letzten wirklichen Paradiese auf dieser Welt – und ausserdem gibt’s ja die DVDs.
    p.s. Kennst du einen Ort „da draussen“, wo die Menschen so freundlich sind wie hier?

    • Hi Karin. Wir sind beim GODFATHER haengen geblieben. Brando ist klasse. So ist Attenborough, da hast du voellig recht. Und ja. Natuerlich sind die Menschen hier grossartig. Ich hab schon Heimweh. Morgen fahre ich wieder nach Deutschland. Bye for now. Komme Juni wieder. Alles Gute bis dahin.
      Die Kamera ist eine Nikon D3000 und die macht mir viel Spass.

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