Wie eine schottische Familie die Seefahrt sicher machte

Die Leuchttürme der Stevensons

Stevenson Leuchtturm Esha Ness

Schottlands Küstenlinie ist ein Labyrinth von Felsen, zählt man die etwa 800 Inseln dazu, dann ist sie 17700 Kilometer lang. Eine Herausforderung für die Schiffahrt, die mit modernster Technik den Gefahren der Natur entgeht. In der Vergangenheit hat die See viele Leben gekostet.

Es ging nicht nur um Menschenleben, es ging auch ums Geschäft. Rund 20% der verschifften Waren holte sich die See. Für die Reedereien war das ein großer finanzieller Verlust. Sie forderten Besserung und die Regierung setzte das Northern Lighthouse Board  (NLB) 1786 ein, Leuchttürme sollten gebaut werden aber wer sollte das übernehmen?

Leuchtturm Waternish Isle of SkyeDer Job ging an einen Blechner, der in Edinburgh Straßenlaternen herstellte. Sein Name war Thomas Smith. Seine Leuchtturmtechnik war angelehnt an die der Straßenlaternen, der erste Leuchtturm entstand auf dem Dach der alten Burg in Fraserburgh, weiter im Norden entwickelte er seine Technik weiter. Smith wurde zu einem herausragenden Ingenieur und Entwickler.

Noch heute stehen seine Leuchttürme inmitten der wilden See, meist weiß ragen sie über Felsklippen auf, widerstehen windumtost dem Wasser, das über die Felsen hereinbricht. Start Point Light auf Sanday , eine der Orkney Inseln, ist einer der letzten Leuchttürme von Smith. Er war der erste schottische Leuchtturm mit einem beweglichen Licht. Der Turm wurde 1806 erbaut, sein Design unterscheidet ihn von den meisten anderen: diesen Turm schmücken schwarz-weiße Längsstreifen.  Es ist der östlichste Leuchtturm von Orkney und kann bei Ebbe zu Fuß erreicht werden.

Smiths Stief- und Schwiegersohn Robert Stevenson war der erste der Stevenson Leuchtturm Dynastie, die Thomas Smith begründet hatte. Vom Lehrling entwickelte sich Robert Stevenson schnell zum Geschäftspartner, er baute stolze 13 Leuchttürme. In Inchkeith am Firth of Forth entwickelten er und folgende Stevenson Generationen ihre Technik weiter.

Robert baute (zunächst noch unter der Leitung des erfahrenen Ingenieurs John Rennie) einen Leuchtturm auf die Klippen, mitten in den Nordseewellen von Bell Rock vor der Küste bei Arbroath. The Bell steht sicher seit 200 Jahren. Sogar William Turner malte dieses technische Wunder bei dessen Bau keine Seele ums Leben kam. Erstaunlich bei diesen Bedingungen.

Wie schwer der Bau dieser Leuchttürme oft war kann man nur ermessen, wenn man jemals einen der Stevenson Leuchttürme besucht hat. Auf Felsklippen und Inseln, erreichbar nur per Boot oder über schmale Pfade, Materialtransport per Pferd, Arbeit in schwindelnder Höhe bei Wind und Kälte. Undenkbar heute.

Der Beruf eines Leuchtturmwärters war ein angesehener in Schottland. Manche taten Dienst für einen Monat und hatten dann einen Monat frei, andere für jeweils zwei. Kein einfaches Arrangement für Frauen und Kinder. Oft blieb der Beruf in der Familie über viele Generationen.

Blick aufs Meer

Die Ingenieure hielten sich auch in der Familie Stevenson, nicht zuletzt deshalb, weil  Vater Robert Stevenson seine Söhne dazu drängte, dass sie bei ihm lernten und mit ihm auf die jährlichen Inspektionen der Leuchttürme reisten. Fünf Generationen Stevensons bauten Leuchttürme in Schottland.

Alan Stevenson schuf den wohl berühmtesten, Skerryvore (An Sgeir Mhor),  eine kleine Schäre vor der Insel Tiree. Ein beeindruckendes Bauwerk. 4300 Tonnen Granit musste auf die Felsen gebracht werden, durch Stürme, gefährliche Felsen, die Abgelegenheit.

David Stevenson baute auf den Klippen Muckle Flugga, hier ist das nördlichste Ende der nördlichsten von Shetland. Seine Söhne setzten das Familienunternehmen fort.

Shetland

Thomas musste seinen Traum als Schriftsteller zu arbeiten aufgeben und wurde ebenfalls Ingenieur. Sein Sohn Robert Louis Stevenson aber machte sich schließlich einen (großen) Namen als Schriftsteller und weigerte sich in das Familienunternehmen einzutreten. Sein Werk strahlt inzwischen heller als das seiner Familie. Der Roman „Die Schatzinsel“ machte ihn weltberühmt.

Heute sind die Stevenson Leuchttürme unbemannt und werden von Edinburgh aus gesteuert. Steinerne Lebensretter aber sind sie noch immer, in jeder Nacht und bei jedem Nebel, der über der Küste aufzieht fällt der Blick der Seeleute hinüber zum Licht der Stevensons.

 

 

7 Gedanken zu “Wie eine schottische Familie die Seefahrt sicher machte

  1. Liebe Nellie,

    Boah, dass wusste ich noch nicht. Wieder was gelernt, ich danke dir dafür.

    Bislang kannte ich nur R L Stevenson, unvergessen mit der Schatzinsel, aber auch Dr Jekyll and Mr Hyde werden mich immer an ihn erinnern, unvergessliche Werke von ihm. Das seine Familie die Leuchttürme gebaut hat ist Faszination pur für mich, ich liebe Leuchttürme.

    Dank dir dafür.

    Ich wünsche dir und dem Mann einen schönen Sonntag

    Liebe Grüße
    Kar

  2. Hallo!
    In der oben erwähnten Burg in Fraserburgh befindet sich heute ein Leuchtturmmuseum in dem über die schottischen Leuchttürme, die Stevenson, das NLB uvm. zu staunen ist. Das ist alles sehr informativ und sehr sehenswert. Als wir uns das vor 10 Jahren angeschaut haben, führte uns ein Dame durch das Museum und die Burg und konnte aus dem Nähkästchen plaudern, da sie selber in einer Leuchtturmwärterfamilie aufgewachsen war. Sie lebte mit ihrer Familie auf dem Leuchtturm, den ihr Vater betreute, bis dieser Anfang der 1990er Jahre vollständig automatisiert wurde und nun von Edinburgh aus gesteuert wird. Wer also mal nach Fraserburgh kommt, dem kann ich nur empfehlen, sich dafür Zeit zu nehmen.
    VG

  3. Liebe Nellie,

    die Familie Stevenson hat sich selbst ein Denkmal gesetzt und ich fand es faszinierend ihre Geschichte über die Generationen zu verfolgen. Wobei ich mir in Schottland gar nicht so sicher bin, welcher Stern heller strahlt: Der literarische oder der des Leuchtfeuers.
    In Zeiten, wo fast jede Art Arbeit von Maschinen unterstützt wird und der Mensch immer weniger körperliche Arbeit leisten muss, stehe ich immer vor solchen Bauwerke und frage mich: Wie haben es die Arbeiter geschafft solche Mengen an Material zu bewegen. Und das an Orte, wo man selbst heutzutage nur schwer hinkommt. Ich denke da nur an den Leuchtturm am Butt of Lewis, wo ich mich an einem recht windstillen Tag kaum auf den Beinen halten konnte!
    Ich muss mal eine Liste aufstellen, wie viele der Stevenson-Leuchttürme wir schon besucht haben. Einige sind es auf jeden Fall! Wäre auch mal eine schicke Idee für eine Rundreise 😉

    LG
    Britta

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.