bodenständig wandern in Schottland

Scots pines

Ich liebe ja diese Wanderbeschreibungen in denen ein (meist männlicher) Held alleine oder in Begleitung seiner treuen Hunde (selten mit Partnerin, was möglicherweise bereits Aussagekraft besitzt) die schottische Wildnis mühelos bezwingt und sich Karten deutend und Kompass schwenkend durch die Gefahren der Highlands navigiert, während er mit freundlicher Herablassung auch gerne den weniger berufenen Wanderern  zu Seite steht und sich als vertrauenerweckende Führungsperson erweist, hinter dem es sich unwissend aber sicher hertrotteln lässt.

Das ist mir zuviel Expertentum!

summer walk

Ich will einfach nur die Bewegung in der schönen Natur genießen, deshalb wandere ich in den Sommermonaten auch nie auf den ausgewiesenen Wanderrouten, folge keinem Wanderführer, lasse meine kleinen Büchlein mit den Tipps stecken, und suche auch nicht im Netz nach Wanderanleitungen, denn überall da, wo Menschen gerne von ihren Erlebnissen berichten, sind eben Menschen, die alle auch genau diese Erlebnisse haben wollen, meist ziemlich viele und dann ist es mit dem Natur genießen für mich eben nicht mehr so schön, wie ohne sie. Ich mag die Highlands am liebsten still und verlassen.

Weg in die Stille

Ich möchte auch keine Gipfel erklimmen, von denen ich dann erzählen und die ich zählen kann. Damit könnte ich mich mit anderen erfolgreichen Wanderern messen, aber das würde mir so gar keinen Spaß machen. Das ist was für Gipfelzähler, die  haben ihre Errungenschaften gut dokumentiert. Ich habe allenfalls einen Ordner für die Fotos, die ich gemacht habe. Mir geht es um die Zeit in der Natur, nicht um Kilometer, Gipfel oder andere Elemente mit deren Hilfe man sich mit anderen messen kann.

stiller Fluss

Gipfelzähler und Dosenspaghetti

Ich möchte auch nicht tosende Gebirgsbäche durchqueren oder über Felsgrate balancieren oder vor lauter Matsch auf dem Weg nicht mehr sehen, wo ich eigentlich hinlaufe. Ich möchte auch nicht wie die Fernwanderer tagelang unterwegs sein, mich in Seen waschen und Dosenspaghetti essen.

mein Weg ist mein Ziel

Ich bin ein Flachwanderer, ein Straßenwanderer, ein Alleinwanderer, der die Sonne auf dem Gesicht mag, gerne Sandwiches auf einem Stein sitzend isst und sich mit Schafen unterhält. Ich rieche an Blüten, höre den Wildgänsen beim schnattern zu oder grusle mich über Knochenfunde, die irgendein Jäger hinterlassen hat.

Ich hatte mal wieder eine Straße gefunden, die über Meilen durch die Einsamkeit führte und am Ende zu einem gut ausgebauter Feldweg wurde, 15 Kilometer Einsamkeit, nur unterbrochen von ein paar freundlich winkenden Arbeitern des Estates mit ihren Pickups. Also alles in allem überhaupt nichts, worüber man erzählen könnte. Schottland ist nämlich überall schön, nicht nur auf den Gipfeln, finde ich.

Mein Ziel, ist der Weg. 

Scottish heather

PS:

Nächsten Sonntag geht es wieder weiter mit euren Bildern für die Foto Challenge!

6 Gedanken zu “bodenständig wandern in Schottland

  1. Nun ja … wir mögen die tosenden Gebirgsbäche und Schlammpassagen auch nicht so gern. Und sitzen abends lieber in einem Pub und vertilgen ordentlichen „Pubgrub“ statt Gabelspaghetti. Nur leider geht es auf Fernwanderungen in den Highlands kaum anders, wenn man nicht gerade auf den etablierten Fernwanderwegen unterwegs ist. Gerade da tummeln sich nämlich die Wanderermassen und die wollen auch wir möglichst vermeiden. Expertentum zeichnet uns dabei gewiss nicht aus: Wir sind und bleiben Amateure, die auch bei schlechtem Wetter blöderweise einfach weiterlaufen, durch Matsch und tosende Gebirgsbäche! 🙂

  2. Guten Morgen Nellie,

    Auch ich bevorzuge in der Regel Wanderungen, in denen ich einfach meiner Nase folge.
    Als Orientierung nehme ich einfach – soweit vorhanden – die Sonne.

    Ich hatte allerdings schon ein paar aufregende Erlebnisse, weil dann die Pfade oder Wege aufgehört hatten und dadurch wirklich kein Weiterkommen möglich war (wegen Schluchten, Mooren oder Flüssen).
    Die Entscheidung dann über einen anderen Weg (als den Hinweg ) zum Ausgangspunkt zurück zu finden, hatte sich dann teilweise doch als sehr langwierig herausgestellt. Im Winter wo es denn noch dazu sehr früh dunkel wird , fühlt sich das dann doch sehr abenteuerlich an.
    Vor ein paar Jahren – ich glaube es war am Loch Muick – bin ich im Dezember am frühen Morgen los gewandert und habe noch an einer Hütte auf einer Tafel die Geschichte irgendeines Kesselflickers gelesen, der vor 100 Jahren im Dezember nachts auf diesem Weg erfroren war und erst im Frühjahr entdeckt wurde.

    Obwohl ich so ziemlich der Einzige war, der in dieser Jahreszeit dort herum lief, war mir natürlich der normale Weg zu langweilig. Ich habe dann irgendwo eine Abzweigung entdeckt, der ich natürlich dann folgte.

    Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass ich auf dem Weg zu irgendeinem ziemlich steilen Gipfel war. Darauf hatte ich weniger Lust und deswegen beschloss ich wieder zurück zu marschieren.
    Natürlich auch hier nicht den kompletten ganzen Weg, sondern wieder eine Abzweigung nehmend. Diese endete dann auf einmal in einer typisch schottischen Heide die auch zu allem Überfluss noch teilweise recht sumpfig war.
    Durch die Kälte (es waren -10°) bin ich dann durch die Prärie stampfend stundenlang herumgeirrt, bis ich dann endlich wieder den ursprünglichen Rundwanderweg entdeckt hatte und dann auch erst be Dunkelheit (dem Mondschein sei Dank) am Parkplatz zurück war.

    In der ganzen Zeit ging mir die Geschichte von diesem erfrorenenTypen nicht aus dem Kopf.
    Ich hatte mich schon auf ein ähnliches Schicksal eingestellt☹️.

    Vielleicht sollte ich wirklich mal einen Überlebenstraining in der Wildnis absolvieren für solche Notfälle…

    Wünsche dir noch einen schönen Sonntag
    Andy

  3. Oh, hier muss ich mich „geschlagen“ geben. Ich bin kein Wanderer, da unterbindet alleine schon die Lust am Fotografieren, weil ich einfach nicht vom Fleck komme, wenn ich jede Blume am Wegesrand fotografiere 😉
    Ich würde es gerne mal versuchen, aber ohne Kamera in Schottland unterwegs zu sein … undenkbar!
    Insofern hat jeder meinen tiefsten Respekt, der mehr als 3 Kilometer am Stück ohne Pause schafft.
    Wunderschöne Bilder hast Du da gemacht, Nellie! Da geht mir direkt das Herz auf! Danke!
    Lieber Andi, ich habe beim Lesen schon angefangen zu bibbern. Ich glaube, die Idee des Survival-Trainings ist nicht die schlechteste Idee 😉

    LG
    Britta

    • Liebe Britta,
      da kann ich dir einen guten Trick verraten, ich habe einen Fotorucksack. Der ist perfekt zum Wandern und hat Platz für dienKamera, 2 zusätzliche Objektive, survival kit, Fernglas und Sandwiches. Was will man mehr?
      Liebe Grüße,

      Nellie

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