tanken

Je weiter man sich in Schottland von der Hauptstadt Edinburgh Richtung Norden entfernt, desto teurer wird das Benzin. Das hat eine gewisse Ironie, kommt man doch den Bohrinseln immer näher, je weiter man sich von der Hauptstadt entfernt.

Entfernt ist ein wichtiger Begriff, wenn es um Benzin und Tankstellen geht. Wer in den Highlands unterwegs ist, der muß rechnen können, wenn er nicht trocken liegen bleiben will. Je weiter man nach Norden kommt wird das Benzin nicht nur teurer, es wird außerdem seltener. Man fährt und rechnet, und fährt und rechnet, fährt und … „bis sonundso sind es soviele Meilen, das sind dann so viele Kilometer, wenn ich fünf Liter pro Kilometer brauche und ich habe noch soundsoviel Liter im Tank, dann…..

Wer sich verechnet, hat verloren.

einsam
Die Preise dämpfen das Glück über eine gefundene Zapfsäule ein wenig. Derzeit kostet der Liter Diesel an der nächsten Tankstelle 1,42 Pfund also geschmeidige 1,64 Euro. An der Tankstelle angekommen, rechnet man besser nicht mehr.

Trotz der Preise ist man irgendwie froh, wenn man unterwegs nach längerem Suchen endlich eine Zapfsäule gefunden hat.

Tankstelle

Grund zur Panik herrscht dennoch nie, wer nach der nächsten Tankstelle fragt, dem wird geholfen. Mehr als einmal wäre ein Einheimischer bereitwillig vor mir her gefahren, um mich zur nächsten Tanke zu leiten. Obwohl er gerade dabei war, seinen Garten zu mähen oder seine Gäste zu verabschieden.

Ich wohne in einer Tankstellen reichen Gegend. Die nächste ist ungefähr fünf Kilometer entfernt. Den Besitzer nennen Einige hier Räuber John, weil seine Benzinpreise die höchsten sind und weil er seine Zapfsäulen mit Schlössern vor willkürlicher Nutzung und Diebstahl sichert.

Meist sitzt Räuber John mit makkellos weißen Turnschuhen an den Füßen und einer Tasse Kaffee in der Hand vor seinem Tankstellenhäuschen und raucht. Taucht ein Kunde auf, dann tankt er höchstpersönlich. Und höchst gemächlich. Er tankt für 10, 20 oder 30 Pfund aber nie voll. Denn dann ist der Betrag nicht mit glatten Scheinen zu begleichen und John muß an seine Kasse und Wechselgeld holen.

Und das würde ein Einheimischer nie von ihm verlangen.

 

 

 

Die Sache mit der verlorenen Unterhose

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Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, dass es keine besseren Putzlappen gibt als ausgediente Männerunterhosen. Vor allem, wenn man sein Motorrad sauber und die Chromteile glänzend halten will. Keine Funktionstücher aus Microfaser sondern „old school“ 100 % Baumwolle bei 90°C waschbar. Dieser Tatsache in der Einöde mehr als beswusst, habe ich Unterhosen gebunkert, um für eine lange Zweiradsaison genügend Wienermaterial zur Verfügung zu haben.

Diese Geschichte beginnt an einem sonnigen und lauen Morgen im März. Ich beschloss, eine kleine Ausfahrt zu machen. Doch der Bezinschlauch war durch Alter und das rauhe salzige Klima in den Highlands porös geworden. Benzin sickerte durch die Gummiummantelung auf das Motorgehäuse. Nicht gut, wenn der Motor warm wird. Ich brauchte einen neuen Schlauch. Die nächste Werkstadt 20 Meilen entfernt.

Ich rief beim einzigen Mechaniker weit und breit, der was von Motorrädern versteht, an. Es war kurz vor Mittag. Alan schläft gerne lang und auch wenn man ihn spät am Tag anruft klingt seine Stime als wäre er gerade aufgestanden. So eine Mischung zwischen Bär und V8-Motor. Und irgendwie sieht er auch so aus. Allan brummte und hustete etwas ins Telefon, was ich als Aufforderung zum Vorbeikommen interpretierte.

Die Putzunterhose nahm ich aus der Satteltasche und steckte sie in die Jackentasche. Damit wollte ich auf der Fahrt das austretende Benzin am Schlauch auffangen. Was sich als ziemlich umständlich herausstellen sollte.

Mit der behandschuhten linken Hand (die rechte gibt Gas) den Reißverschluss der Jackentasche aufgepfriemeln, Unterhose rausgewursteln, runterbeugen, Benzinschlauch trocknen, aufrichten, Unterhose wieder in die Jackentasche stopfen, Reissverschluss der Jacke zuzerren. Das Ganze auf kurvigen Strassen voller Schlaglächer, wie irrsinnig fahrender Einheimischer und unmotiviert abbiegender Besucher mit Wohnmobilen.

Etwa fünf Meilen entfernt von Alans Werkstatt war es dann so weit: der Fahrtwind riss mir beim Trocknen die Unterhose aus der Hand. Der Schlauch nässte kaum mehr. Kein Problem für den Rest der Strecke. Die Unterhose würde irgendwo unbemerkt am Strassenrand verotten.

Dachte ich.

Alan lag gerade unter einem ziemlich klapprig ausehenden rotenVauxhall als ich ankam und machte zunächst mal keine Anstalten darunter hervor zu kommen. Highland Zeit. Alles mit Ruhe. Eins nach dem anderen.

Ich stellte die Maschine hinter den Vauxhall, nahm den Helm ab und hörte ein Auto hinter mir heranfahren und anhalten. Ich drehte mich um. Eine junge Frau Anfang 20 stieg aus und kam auf mich zu, blass, unsicher, mit dunklen halblangen Haaren.

E-x-cu-se-me….?? Entschuldigen Sie?  fragte sie langsam und überdeutlich. Eine Einheimische stellte ich fest und lächelte ihr ausfmunternd entgegen. Vielleicht hielt sie mich für schwerhörig?

Die Frau fing mit ihren Händen an grosse Kreise zu beschreiben. So als würde sie beidhändig mit regelmässig kreisenden Bewegungen eine imaginäre Scheibe zwischen uns putzen. Dabei sah sie mich mit großen Augen ein wenig ängstlich an. Sie holte tief Luft und sprach nun mit einem aufgesetzten deutschen Akzent, den sie wohl aus alten Kriegsfilmen kannte.

I sink yuu lost yurr kloves…. Ich glaube sie haben ihre Handschuhe verloren….

Dazu nickte sie unaufhörlich als könne sie es mich dadurch schneller begreifen lassen.

Ich begriff vor allem drei Dinge.

Erstens: Sie hielt mich für eine deutsche Touristin, weil sie mein Kennzeichen erkannt hatte.

Zweitens: Sie war sehr freundlich 5 Meilen hinter mir her zu fahren nur weil sie dachte ich hätte meine (teuren) Lederhandschuhe verloren.

Drittens: Ich konnte keinesfalls zugeben, dass ich hier lebte und sie auch ohne deutschen Akzent durchaus verstehen konnte. Nur für den Fall, dass die Unterhose gefunden und ihrem (ehemaligen) Besitzer zugeordnet werden konnte.

Ich machte also mit meinen nagelneuen, cremefarbenen Lederhandschuhen (die ich noch immer an meinen Händen trug) ebenfalls kleine Kreise an unserer imaginären Scheibe, nickte unaufhörlich und sagte mit Kriegsfilmakzent.

Sänk yuu. Danke.  

Sie starrte verwirrt auf meine Handschuhe, dann auf mich. Ich lächelte blöde.

Dann tauchte Alan endlich unter dem Vauxhall auf und brummte etwas in meine Richtung. Die junge Frau ging unsicher zu ihrem Auto zurück und fuhr von dannen. Wohl mit dem Gedanken, dass man Touristen einfach nicht verstehen konnte, so sehr man es auch versuchte.

Ich lächelte dem bärtigen Mechaniker entgegen und nahm mir vor nie zu fragen, womit er denn sein Motorrad putzte.