Ich hab es nicht mehr ausgehalten!

Es ging nicht mehr! Es war einfach unmöglich. Und dann sah ich auch noch diesen Flug und da war mir klar: Dies ist ein Zeichen.

Ich muss wieder nach Schottland!

Abenteuer Highlands

Geplant waren eigentlich gute vier Monate in Deutschland: arbeiten, Geld verdienen, Familie und Freunde sehen. Zwei Monate habe ich gearbeitet wie eine Wahnsinnige und habe nun wieder wahnsinnig Lust auf Schottland bekommen.

Zwei Wochen konnte ich im Dienstplan finden, in denen mich meine Chefs nicht allzu sehr vermissen würden und dann saß ich vergangenen Sonntag im Büro vor dem Computer und starrte den Flug an: Deutschland über London nach Inverness. Zumindest der Hinflug zu menschlichen Zeiten und der Preis: 203 € mit Gepäck für Hin- und Rückflug. Zu gut, um das nicht zu sofort zu buchen.

Turbine Flug

Flüge nach Schottland sind so eine Wissenschaft für sich. Sie ändern sich ja ständig und auch die Anbieter und Zeiten. Lufthansa, Ryanair, EasyJet, Glasgow, Edinburgh, Aberdeen, alles schon im Programm gehabt. Und die An- und Abreise muss man bei den Flughäfen ja auch mitkalkulieren, wenn man in die Einsamkeit der Highlands will.

Mein Finger schwebte über der Tastatur, der Kollege am anderen Schreibtisch hatte die Kopfhörer auf und war beschäftigt. Ich war ganz allein mit der aufregenden Entscheidung spontan im November nach Schottland zu fliegen.

Flug

Klick, bestätigen, Daten eingeben, fertig, zwei Wochen Highlands im November waren plötzlich Realität. Ich hätte am liebsten ein kleines Tänzchen veranstaltet, aber das hätte den Kollegen dann doch zu sehr verwirrt. Also habe ich einfach beseelt (und wahrscheinlich leicht dümmlich) vor mich hingelächelt. Es ist mir ganz egal ob es dauerregnet oder stürmt im November in den Highlands. In Schottland brauche ich keinen Sonnenschein, um glücklich zu sein.

Nieselregen Schottland

Der Mann wird überrascht sein, denn mit mir rechnet er nicht. Abgesprochen war, dass ich erst nach Weihnachten wieder in Schottland bin. Und nun der November. Am liebsten würde ich ihn überraschen. Ich überlege.

Was, wenn ich einen Post auf dem Blog schreibe, dass ich komme. Der Mann liest ja meinen Blog über Google Translate. Ich stelle mir sein Gesicht vor, wenn er liest. Wahrscheinlich wird er halblaut murmeln: She’s mad! Sie ist wahnsinnig! Und dann wird er sich freuen wie Bolle. Und dann wird er überlegen, was er alles aufräumen und putzen muss.

Das hatte ich mir alles so schön vorgestellt. Doch keine Stunde nach der Buchung habe ich ihm die Bestätigungsmail von British Airways weitergeleitet. Und was schreibt er? You’re mad! But superbly so. Ja, ich bin wunder bar verrückt. Und ungeduldig. Die Enthüllung konnte nicht über den Blog kommen, sie musste gleich per Mail geschehen. Überraschungen sind was für geduldige Menschen.

Ich hab es nicht mal eine Stunde ausgehalten.

I’m coming home!

 

 

Gelbe Seiten

Gelbe Seiten sind im Hochland ein echter Anachronismus.

Einmal im Jahr kommt ein Mann in einem Auto. Verschämt, fast schon heimlich, nähert er sich den Häusern und wirft die Gelben Seiten in die Postkästen. Es macht den Eindruck als sei er froh, wenn man ihn nicht bemerkt.

Ich war in der Küche als er auftauchte und die Tür war offen, so wie sie es immer ist im Sommer am Meer, damit der Wind die Feuchtigkeit aus den Wänden nimmt.

Scheu übergab mir der Mann die Gelben Seiten und schlich mit einem unverständlichen Gemurmel von dannen. Ich stand mit meinen Gelben Seiten da und dachte, gut, dann weiss man, wo man anrufen muß, wenn man mal einen Handwerker braucht.

Natürlich eine dämlich deutsche Denkweise.

In den Highlands ruft man nicht einfach so jemanden an.

Hat man beispielsweise einen verstopften Abfluß und braucht einen Installateur, dann ruft man nicht einen Installateur aus den Gelben Seiten an sondern einen Mann, der weiß, welchen Installateur man anrufen könnte. Weil der Mann, der weiß welchen Installateur man anrufen könnte aber nicht zu Hause, verbringt man die nächsten dreißig Minuten im Gespräch mit seiner Frau.

Der Rückruf des Mannes, der weiß welchen Installateur man anrufen könnte, dauert. Bis zu drei Tage. Dann trägt man ihm das Problem vor (der Abfluß ist immer noch verstopft) und er verspicht über das Problem nachzudenken. Das dauert drei weitere Tage. Man darf ihn aber keinesfalls durch einen weiteren Anruf (was ist jetzt?) beim denken stören. Irgendwann ruft dann der Mann, der weiß welchen Installateur man anrufen könnte, an und gibt einen Namen weiter. Dazu eine Telefonnummer und einen weiteren Namen, auf den man sich berufen kann. Sonst zahlt man den Preis, den Ferienhaus besitzende Engländer bezahlen.

Dann wartet man mindestens drei weitere Tage, um nicht den Anschein von Dringlichkeit zu erwecken (der Abfluß ist immer noch verstopft) und ruft schließlich den Installateur an. Der ist nicht da, Gott sei Dank seine Frau auch nicht. Dann hinterlässt man seine Nummer und sein Anliegen und den Kontaktnamen auf seinem Anrufbeantworter und beginnt auf einen Rückruf zu warten. Das kann Wochen dauern. Der Abfluß ist immer noch verstopft

In der Zwischenzeit darf man aber (weil man vielleicht langsam die Geduld verliert) keinesfalls einen anderen Installateur aus den Gelben Seiten anrufen.

Nach einer Woche ruft der Installateur zurück und man schildert das Anliegen, ohne den unhöflichen Eindruck von Dringlichkeit zu erwecken. Der Installateur brummt ein wenig und macht dann den Vorschlag nächste Woche vorbei zu kommen. Genauer werden Termine hier selten gefaßt. Man muß also gefaßt sein, eine Woche lang.

Es kann aber immer etwas dazwischen kommen.

Während ich auf den Installateur warte, lerne ich die praktischen Seiten der Gelben Seiten kennen. Man kann mit ihnen Möbel unterlegen, ein Feuer entzünden und man kann sie in den Recycling Müll werfen. Nutzen würden sie nur Menschen, die keine Geduld haben.

Keine Einheimischen also.