Sneak Preview 5 – Reiseinspirationsbuch Schottland

Die Zwillingssöhne von Robert Bruce

Der eindrucksvolle Turm des Klosters Restenneth verleiht der bescheidenen Einfachheit des Bauwerks aus dem 12. Jahrhundert Größe. Die Ruine ist eine der ältesten Kirchen in Schottland und liegt abseits der großen touristischen Besucherziele. Dabei hat sie historisch durchaus Bedeutung.

© Ewan Roy MacGregor Abenteuer Highlands Reiseführer Angus

Restenneths Geschichte ist lang und reicht weit zurück, bis ins 8. Jahrhundert, als der König der Pikten Nechtan mac Derile war. Der hatte die Krone von seinem Bruder übernommen aber seine Regierungszeit war wenig erfolgreich.  Er verlor schnell an Macht und Status an seine Gegner in Northumbria. Der religiöser Einfluss Northumbrias auf dieses Gebiet, das heute als Angus bekannt ist, war beträchtlich. Nechtan sandte einen Brief an den Abt Ceolfrith von Monkwearmouth in Durham und bat um Maurer, die im römischen Stil bauen können. Die Kirche von Restenneth wurde dem Heiligen Petrus geweiht. So wie viele andere Kirchen in Angus. Viele glauben, dass die Fundamente des Turms piktisches Mauerwerk sind. Auf dem Gelände wurden keine piktischen Symbolsteine ​​gefunden.

Aus der schlichten Kirche wurde ein Kloster. König Malcom IV gab sie im Jahr 1153 den Augustinern von Jedburgh Abbey. Das kleine Kloster wuchs und gewann an Ansehen und Vermögen.  In den ersten Jahren der Unabhängigkeitskriege (14. Jahrhundert) wurde das Kloster weitgehend zerstört. Der siegreiche Robert der Bruce zerstörte im Guerillakrieg um die schottische Unabhängigkeit die nahe gelegene Burg von Forfar und wahrscheinlich auch das Kloster, um sie nicht in die Hände der Feinde fallen zu lassen. Nun gewährte er Geld für den Wiederaufbau. Eine Art Sühne?

© Ewan Roy MacGregor Abenteuer Highlands Reiseführer Angus

Eine gewisse Bedeutung muss dieser Ort für den berühmtesten aller schottischen Könige gehabt haben, hier begrub er seinen Sohn und Erben, auf den er so lange gewartet hatte. Als er endlich geboren wurde war der König um die 50 Jahre alt und nach all den Jahren des Versteckens und des Kampfes sehr müde.

Dieser schlichte, stille Ort ist die Grabstätte eines Prinzen, ein möglicher Monarch von Schottland, ein lange herbeigesehnter Sohn von Robert Bruce. Sein Name war John.

John war das zweite Kind seiner zweiten Frau Elisabeth de Burgh, geboren im Oktober 1327, gestorben wenig später. Der Rest der Familie von Robert Bruce ist in Dunfermline Abbey begraben. Aber nicht John. Warum?

Einige Historiker glauben, dass John der ältere von zwei Zwillingssöhnen war, die dem König geboren wurden. Der jüngere Zwilling David überlebte und folgte seinem Vater auf den Thron. Er war der einzige männliche Erbe, König Robert I hatte mehrere uneheliche Söhne, von seinen beiden Frauen aber hatte er nur Töchter.

Der Sohn, dem es bestimmt war König zu werden, starb früh und wurde hier beigesetzt. Nichts erinnert mehr an das Grab des Prinzen. Das Kloster liegt in Ruinen.

Liebe Leser,

wie manche von euch schon wissen schreibe ich gerade an einem weiteren Buch und natürlich spielt Schottland wieder die Hauptrolle. Ich habe über die Jahre in Schottland so viele Geschichten und spannende Hintergründe zusammengetragen, dass ich gar nicht anders kann, als sie zu einem Buch zusammenzufügen.

Und nun hätte ich von euch gern so viel wie möglich Feedback zu allem was euch gefällt oder nicht: Schreibstil, Themenauswahl, Inhalt, Struktur, Bilder usw. 

Die Fotos liefert der Mann zu, es wird also ein schottisch-deutsches Gesamtwerk und macht schon deshalb sehr große Freude. 

In den nächsten sechs Wochen werde ich immer sonntags Teile des ersten Kapitels hier vorveröffentlichen und hoffe sehr, dass von euch viele Rückmeldungen kommen. Seid kritisch!  Bringt euch ein! Danke. 

Nellie

nächsten Sonntag: Spezialitäten aus Angus

 

Sneak Preview 4 – Reiseinspirationsbuch Schottland

Arbroath und der schottische Löwe

Eine königliche Bestattung ist ein seltenes und besonderes Ereignis in der Geschichte einer Nation, ein politischer Einschnitt, nach dem ein neues Kapitel Geschichte geschrieben werden muss. Dies gilt zweifellos für die meisten Könige, nicht nur für die schottischen. Königsgräber scheinen daher von besonderer Bedeutung zu sein, weil sie so viel mehr als nur das Ende eines Lebens symbolisieren. In Schottland gibt es außerhalb der Insel Iona wenig Königsgräber. Eines findet  man unweit der windgepeitschten Ostüste,  in Arbroath.

NOrdsee Osteküste Schottalnd Strand Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Angus

Wilhelm I, genannt der Löwe, starb am 4. Dezember 1214 in Stirling. Seine Leiche wurde in der Abtei von Arbroath zur ewigen Ruhe gelegt, die massive Grabplatte wirkt in der riesigen, Gras bewachsenen Kirchenruine klein und wenig unscheinbar.

© Ewan Roy MacGregor Abenteuer Highlands Angus

William I war 1174 in England eingedrungen, doch die Invasion endete katastrophal für Schottland, der König wurde gefangen genommen. Nun fiel der englische König Henry II seinerseits in Schottland ein. Dieser Feldzug war erfolgreich, William musste sich fortan unter dem englischen „Joch“ beugen, die schottischen Burgen wurden mit englischen Truppen besetzt, die Bevölkerung stark besteuert. Erst als William der Löwe dem neuen englischen König Richard Löwenherz eine große Summe für dessen Kreuzzug bezahlte, wurden die Burgen schließlich zurückgegeben.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Angus

William gründete eine Abtei in Arbroath, in der er vierzehn Jahre später zur Ruhe gebettet wurde. Die Abtei widmete er seinem Freund, Thomas Becket, dem ermordeten Erzbischof von Canterbury. Der war von Attentätern im Auftrag des englischen Königs Henry II ermordet worden. In dieser Abtei wurde nicht nur der König begraben, hier wurde auch über hundert Jahre später die Unabhängigkeit Schottlands ausgerufen. Die Declaration of Arbroath ist eine der ältesten Unabhängigkeitserklärungen der Welt.

Solange auch nur hundert von uns übrig sind,

werden wir uns niemals und unter keinen Umständen in das Joch englischer Herrschaft zwingen lassen.

Wir kämpfen nicht für Ruhm,  Reichtum oder Ehre sondern für die Freiheit, die kein ehrenhafter Mann aufgibt. Er gibt für sie sein Leben.

Deklaration von Arbroath, 1320

 

Diese Erklärung ist ein wichtiger (wenn nicht der wichtigste) Teil der schottischen Geschichte. Einundfünfzig schottische Adlige unterzeichneten sie am 6. April 1320 und gaben ihre Stimme für die Unabhängigkeit Schottlands. Das Dokument wurde an Papst Johannes XXII nach Avignon geschickt. Später folgte der Friedensvertrag zwischen Schottland und England. Die Deklaration von Arbroath war ein Meilenstein auf dem Weg zur eigenständigen Nation unter König Robert I.

Das Wappen König Williams I ist bis heute Teil der Flagge Schottlands, der rote Löwe auf gelbem Grund, der sogenannte Lion Rampant, den sich viele gerne auf ihr Auto kleben aber von dem die wenigsten wissen, was er wirklich bedeutet.

Liebe Leser,

wie manche von euch schon wissen schreibe ich gerade an einem weiteren Buch und natürlich spielt Schottland wieder die Hauptrolle. Ich habe über die Jahre in Schottland so viele Geschichten und spannende Hintergründe zusammengetragen, dass ich gar nicht anders kann, als sie zu einem Buch zusammenzufügen. 

Was ihr nun gelesen habt, ist ein Teil des ersten von rund 40 Kapiteln und nun ich hätte gerne von euch gern so viel wie möglich Feedback zu allem was euch gefällt oder nicht: Schreibstil, Themenauswahl, Inhalt, Struktur, Bilder usw. 

Die Fotos liefert der Mann zu, es wird also ein schottisch-deutsches Gesamtwerk und macht schon deshalb sehr große Freude. 

Im Juni werde ich immer sonntags Teile des ersten Kapitels hier vorveröffentlichen und hoffe sehr, dass von euch viele Rückmeldungen kommen. Seid kritisch!  Bringt euch ein! Danke. 

Nellie

nächsten Sonntag: Die Zwillingssöhne von Robert Bruce

In Arbeit: Reiseinspirationsbuch Schottland

Liebe Leser,

wie manche von euch schon wissen schreibe ich gerade an einem weiteren Buch und natürlich spielt Schottland wieder die Hauptrolle. Ich habe über die Jahre in Schottland so viele Geschichten und spannende Hintergründe zusammengetragen, dass ich gar nicht anders kann, als sie zu einem Buch zusammenzufügen.

Und nun hätte ich von euch gern so viel wie möglich Feedback zu allem was euch gefällt oder nicht: Schreibstil, Themenauswahl, Inhalt, Struktur, Bilder usw. 

Die Fotos liefert der Mann zu, es wird also ein schottisch-deutsches Gesamtwerk und macht schon deshalb sehr große Freude. 

In den nächsten sechs Wochen werde ich immer sonntags Teile des ersten Kapitels hier vorveröffentlichen und hoffe sehr, dass von euch viele Rückmeldungen kommen. Seid kritisch!  Bringt euch ein! Danke. 

Nellie

 ©derMann Reiseinspirationsbuch Schottland

Klappentext und Buchrücken

Das Reiseinspirationsbuch Schottland ist ein Reiseführer zum Schmökern und Genießen. Er führt an unbekannte Orte und erzählt Geschichten, weit weg von den klassischen Reiseführern aber viel näher dran am wahren schottischen Leben, Orte, die es möglich machen ein Land so zu erleben, wie es wirklich ist. Mit dem Reiseinspirationsbuch kann man Schottland bei einem Besuch ganz anders erfahren oder sich einfach zu Hause auf dem Sofa hinträumen.

Mit dem Reiseinspirationsbuch Schottland eintauchen in die aufregende Geschichte des Landes, in wunderbarer Natur schwelgen und fast vergessene Orte entdecken, wo die Geschichte Schottlands wahrhaft lebt, abseits der Touristenströme in Edinburgh, Loch Ness oder Glencoe und dennoch mitten im Herzen Schottlands.

Die 35 Kapitel entsprechen den alten und klangvollen Grafschaften und Sheriffdoms, die traditionellen Regionen statt der modernen Verwaltungsbezirke, weil die für die Schotten noch immer das Maß der geographischen Dinge sind und weil schottische Geschichte für die Autorin eine ganz große Rolle spielt, sie hat schottische Geschichte und schottische Literatur an der University of Glasgow studiert,

Geschichte, Geschichten und Geheimnisse – oft sind die drei nicht exakt voneinander zu trennen; Schauriges, Schönes, Wahres, Lustiges und oft auch Grausames.  Das macht dieses Land so wunderbar und einzigartig.

Die Bilder zu den Texten von Nellie Merthe Erkenbach stammen von  Ewan Roy MacGregor. Er fotografiert seine Heimat Schottland seit vielen Jahrzehnten, Momente und Orte, deren Schönheit einem ein ums andere Mal den Atem nimmt. Nach einer erfolgreichen Karriere als Musiker in Glasgow lebt er nun in den schottischen Highlands, die ihn immer wieder aufs Neue inspirieren.

Der Feenhügel in Inverness, ein Salpetermord auf Shetland, Wölfe gestern und heute, der unvermeidliche Bonnie Prince Charlie, die geheime Bucht des Schriftstellers Gavin Maxwell, ein Hotelgeist, ein mordender Dichter und natürlich auch Whisky, Schafe und Tartan. Nur eben ganz anders.

Machen sie es sich in ihrem Lieblingslesesessel gemütlich und kommen sie mit auf die Reise in die Seele Schottlands.

Abschiede

Abschiede sind Teil meines Lebens geworden, seit ich eine zweite Existenz in Schottland habe. In der Regel bin ich zweimal im Jahr für längere Zeit in Schottland und der Mann für kürzere Zeit zwei Mal im Jahr in Deutschland. Ich kann mir meine berufliche Zeit etwas freier einteilen als er und arbeite in der Zeit in Deutschland meist durch. Damit habe ich in Schottland nicht nur Urlaub, sondern auch die Wochenenden, die ich in Deutschland nicht hatte.

view from Balmacara Hill Skye Bridge

Diese Reisen zwischen den Welten sind für uns nach all den Jahren fast schon selbstverständlich geworden. Die häufigen Abschiede lassen mich die Gegenwart mehr schätzen. Ich schätze auch die schönen Dinge viel mehr als ohne Abschiede. Insofern sind Abschiede etwas Gutes. Abschiede von Schottland sind allerdings nie schön und der wehmütige Blick auf Meer ist nun schon ein vertrauter Bestandteil meines Lebens geworden.

Blick aufs Meer

Weil aber das Leben oben im schönen Norden weiter geht, auch wenn ich nicht da bin, kommen über die Jahre noch Abschiede aus der Ferne hinzu.

Unsere Nachbarn Carol und Tam zogen fort zu ihren Kindern, Jane und ihr dementer Mann, dessen Hund mich einst biss, sind beide gestorben. Erst er, dann kurz darauf sie.

Nun sagt mir der Mann, dass John die Post in Rente gegangen ist. Er hat es keinem gesagt aber sich bei seiner letzten Tour verabschiedet. Ich glaube nicht, dass es mich in Deutschland treffen würde, wenn mein Postbote in Rente geht. Er ist ein netter Mensch und alles aber John die Post ist eben nicht nur ein Postbote. Er ist die Seele, die die Menschen am Loch verbindet. Wenn John nicht mehr vorbeikommt, dann wird uns allen etwas fehlen.

Mir wird er ganz besonders fehlen. Er war so stolz, dass er in meine in Buch vorkam und hat es sich prompt vom netten Schwaben im nächsten Dorf übersetzen lassen. Also die Teile, in denen er vorkam. „Da hast du mich ja gut aussehen lassen.“ hat er gesagt. Warum auch nicht, alle mochten ihn. Selbst meine Mutter backt ihm zu Weihnachten immer eine Linzertorte. John wiederum gibt mir immer ein kleines Präsent für sie mit und fragt regelmäßig nach, wie es meinen Eltern geht. John und meine Eltern haben sich im Übrigen nie getroffen. Sie halten trotz dem Kontakt.

Und nun geht er in Rente und genießt das Leben. Und ich sitze im Schwarzwald und schau auf die Frühlingsblüten statt die Wellen und kann nicht einmal auf Wiedersehen sagen. Das ist ein Abschied, den ich sehr ungern verpasse. So ist das, wenn man zwei Leben hat. Manchmal ist man eben nicht da, wo man gerne wäre. So schön es auch ist, wo man ist.

 

Schottische Wurstempörung

Schottland wird dieser Tage von einem Skandal ungeheuren Ausmaßes erschüttert. Auslöser ist der deutsche Billigdiscounter ALDI. Es geht um die Wurst. Worum auch sonst.

Es gibt ein paar Dinge im schottischen Alltagsleben, die sind anders als man es aus Deutschland kennt: das Bier hat keinen Schaum, die Männer tragen (manchmal) Kilt und die Frühstückswurst ist eckig. Das ist nun mal so und in gewisser Weise auch Teil der schottischen Identität. Der Mensch definiert sich schließlich über die Andersartigkeit in Abgrenzung zu den Nachbarn oder dem Rest der Welt, ungefähr so wie der Schwabe durch die Kehrwoche oder der Bayer die Lederhose. In Schottland ist die eckige Frühstückswurst identitätsstiftend.

Abenteuer Highlands Wurstempörung

Abenteuer Highlands WurstempörungUnd nun kam ALDI diese Woche mit der (angeblich) neuen Idee einer eckigen Wurstscheibe auf den Markt und nannte sie Sausedge. Ein Aufschrei ging durchs Land und vor allem Twitter überschüttete die Möchtegernerfinder aus Deutschland mit Hohn und Spott.

Der #lorne ist die beste Comedy, die es derzeit gibt.

 

Abenteuer Highlands WurstempörungDie square slice für sich zu beanspruchen ist ungefähr so als würde ALDI behaupten, die Mozartkugel, den Müller-Thurgau oder das Wiener Schnitzel erfunden zu haben. Man stelle sich den Aufschrei in Deutschland und Österreich vor.

Die sogenannte „square slice“ (eckige Scheibe) ist so eine Art Rinderhackwurst aus der Form, sie wird angebraten oder gerillt und mit brauner Sauce zum Frühstück gegessen oder in einem Brötchen verkauft. In dem Fall macht ihre eckige Form wenig Sinn, denn die Brötchen sind in der Regel rund. Aber, Tradition ist Tradition und die ist in Schottland eckig, wenn es um die Wurst geht. Und früher hat man in Schottland ja auch meist das plain loaf gegessen und das sind wiederum rechteckige Brotscheiben.

Abenteuer Highlands Wurstempörung

Eigentlich heißt die square slice ja Lorne saussage, enthält Rinderhack, trockenes Brot und Kräuter. Im Prinzip wie unsere Frikadellen nur mit deutlich weniger Eigengeschmack. Man isst sie seit unzähligen Generationen in Schottland und auch wen sie nicht aus der Region Lorne kommt, wie der Name vermuten lässt, so ist sie doch ganz und gar typisch schottisch. Bei einem englischen Frühstück bekommt man sie nicht serviert.

Abenteuer Highlands Wurstempörung

Der Gipfel der Ironie dieser missglückten Marketingaktion: ALDI verkauft die eckigen Wurstscheiben schon seit Jahren in den schottischen Filialen. Aber das war den Helden der Marketingabteilung wohl WURST.

Wunder der Technik

Danke Herr Zennström!

Habe ich mich eigentlich schon einmal bei Ihnen bedankt?

Vielen herzlichen Dank Niklas Zennström!

Was wäre ich ohne Sie. Ohne sie wäre mein Zweitleben im schottischen Hochland nicht möglich. Ohne sie wäre eine Fernbeziehung über gut tausend Meilen und viele Jahre nicht möglich. Ohne Sie wäre mein Abenteuer Highlands schon längst zu Ende. Ohne sie wäre der Mann nur noch eine Erinnerung.

Tusen tack. Tausend Dank an Sie, den Erfinder von Skype.

Abenteuer Highlands Wunder der Technik Fernbeziehung SkypeDer Mann und ich skypen regelmäßig jeden Abend für eine Stunde und nur in Ausnahmefällen einmal zu einer anderen Uhrzeit oder gar nicht. Eine Stunde reden von Angesicht zu Angesicht, über den Tag und alle möglichen Belanglosigkeiten. Das ist mehr Redezeit als in manchen Beziehungen und nur so funktioniert das Fernverhältnis über die Monate der Abwesenheit. Nur mit Emails oder wie früher noch mit Briefen würde das nie und nimmer funktionieren. Skype macht’s möglich. Für uns und für Millionen andere.

Abenteuer Highlands Wunder der Technik Fernbeziehung SkypeMan sieht es in Hotels häufig schon beim Frühstück, dass Menschen mit ihren Lieben (lautstark) skypen. Mag ich total, vor allem, wenn ich noch nicht richtig wach bin. Ich bin immer versucht, den mir wildfremden skypenden Geschäftsreisenden einen leidenschaftlichen Kuss aufzudrücken und „Schatz komm zurück ins Bett!“ zu sagen, während sie mit Frau und Kindern skypen. Man sollte mich am frühen Morgen einfach nicht ärgern.

Der Mann und ich sind stille Skyper, wir sprechen von zu Hause oder aus dem Auto oder dem Hotelzimmer.

Abenteuer Highlands Wunder der Technik Fernbeziehung SkypeManchmal bringe ich etwas Abwechslung in unser Leben und verändere den Hintergrund. Dann setzte ich mich in den Lesesessel oder an den Schreibtisch im Arbeitszimmer oder vor den Kaminofen im Wohnzimmer. Aber meist sitze ich am Esstisch. Oder eben in irgendeinem Hotelzimmer in Russland, Frankreich oder Dortmund. Je nachdem, wohin mich die Arbeit gerade verschlägt. Aber ich denke immer an den Hintergrund, bin eben auch ein Nerd und beim Fernsehen, da macht man sich über so etwas wie den Hintergrund bei einem Interview Gedanken.

Abenteuer Highlands Wunder der Technik Fernbeziehung SkypeDer Mann ist nicht beim Fernsehen und deshalb was seinen Hintergrund angeht deutlich entspannter. Er hat eine Reihe Gitarren an der Wand aber meist ist es so dunkel in seinem Zimmer, dass man außer seinem Gesicht in vagem Dunkel nicht viel sieht. Der Mann ist wie Herr Zennström vom Fach, er versteht also auch die technischen Komponenten von Skype und warum es meist langsam ist. Sein Internet ist allgemein langsam da oben in der Einsamkeit. Ich verstehe vor allem, dass es wichtig ist für uns und unser Leben und die Monate, die wir uns nur auf dem Laptop sehen.

Manche Menschen finden sich übers Internet, der Mann und ich kannten uns schon. Aber wir halten uns übers Internet und leben in einer Beziehung, wie sie vor 20 Jahren noch nicht möglich gewesen wäre. Spannend eigentlich, dass es gerade die technologische Entwicklung ist, die das Leben in einer Fernbeziehung auch in der Einsamkeit der schottischen Highlands möglich macht. Einer Gegend, die so wenig technologisch anmutet, wie man es sich nur vorstellen kann.

Abenteuer Highlands Wunder der Technik Fernbeziehung Skype

 

So gut das auch funktioniert, die gemeinsame Zeit braucht es natürlich schon und die kann keine Technologie ersetzen. Aber wer weiß, vielleicht sieht auch das in 20 Jahren ganz anders aus. Vielleicht schickt man dann einfach seinen Avatar zum gemeinsamen Alltag ins andere Land. Keine Ahnung. ob ich mich damit anfreunden könnte. Kann es echt sein? The real thing?

Mögen Avatare Fleischkäse?

Abenteuer Highlands Wunder der Technik Fernbeziehung Skype

 

 

Chips und das Leben

Ausflüge mit dem Mann sind immer ein kleines bis mittleres Abenteuer, kein Wunder, schließlich ist Schottland immer für eine Überraschung gut. Selbst so ganz unscheinbarer Schatz-ich-muss-für-eine-Schulung-nach-Inverness Trip kann lustiger werden, als es zunächst klingt. Inverness? Da denkt man sich ja nichts außer prima, der Mann ist für vier Stunden beschäftigt und ich kann das „Großstadtleben“ (Inverness hat weniger Einwohner als Baden-Baden ist aber dennoch die Hauptstadt der Highlands) genießen.

Natürlich begleite ich ihn. Dumm nur, dass er bereits um 8 Uhr dort sein muss. Wir fahren also um 6 Uhr los und schweigen in der frühmorgendlichen Findungsphase zu geistigem Bewusstsein gemeinsam so vor uns hin.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Chips und das Leben

Es ist mitten im Winter und deshalb noch ziemlich dunkel, als der Mann mich kurz vor 8 in der Nähe der Fußgängerbrücke (auch shouglie bridge  genannt) zur Innenstadt aus dem Auto lässt und weiterfährt. Ich habe den Rucksack mit der Fotoausrüstung dabei und mache mich über die Wackelbrücke auf zur Old High Church, wo sie den nach der Schlacht von Culloden (1746) gefangen genommenen Schotten in der Kirche den Prozess machten und sie direkt im Anschluss auf dem Friedhof erschossen. Sehr, sehr traurig und mindestens ebenso gruselig, es ist nämlich noch immer nicht hell und ich schlendere durch den blauen Morgendunst zwischen den die Gräber und denke an vergangene Schlachten, die Schotten und England.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Chips und das Leben

Jede Menge Geschichte und ich hab‘ noch nicht mal gefrühstückt. Also auf zu Costa’s da gibt es leckeren Kaffee und Toasties, mir ist nach was Warmem, was mit Käse. Comfort food nennt man das hier, Essen fürs wohlige Gefühl in Magen und Seele. Da ist definitiv was dran.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Chips und das LebenNach einem riesigen Latte Macchiato und einem Käsetoast mit Tomaten ist mir sehr wohlig und ich genieße es Zeit zu haben. Draußen vor der Tür dudelt Dudelsackmusik (kommt da das Wort dudeln her ???) aus den alten Lautsprechern vor dem Touriladen, der mit allerlei Krimskrams, Flaggen, Hochlandkühen als Plüschtier oder Kühlschrankmagnet, Tassen und Nessies in jeglicher Form Schottlandambiente verbreitet.

Die Einheimischen hasten vor dem Fenster vorbei zur Arbeit. Eine sehr magere Frau Anfang sechzig sitzt mit einer dünnen Lederjacke und einer Zigarette draußen im Nieselregen. Sie sieht nicht sonderlich wohlig aus. Aber sie hatte ja auch keinen Käsetoast.

Der Nieselregen scheint nicht mehr aufhören zu wollen, also beschließe ich mich drinnen zu vergnügen. Das Eastgate Center ist das Einkaufszentrum gleich um die Ecke: Schuhläden, Klamotten, Bücher, alles, was frau so braucht. Und einen Schuhmann, der hier witzigerweise nicht Mister Minit heißt. Wieso auch, in Schottland hat man mehr Zeit als nur eine schnöde Minute, auch für den Gummiabsatz, der bis eben noch auf meinen Nietenboots klebte. Billige Schuhe wirklich aber ich mag sie und hätte den Absatz gerne wieder drauf, das nasse Grass auf dem Friedhof muss wohl den Kleber gelöst haben.

„Haben sie Zeit?“ fragt der Schuhmann.

„Selbstverständlich!“ sage ich mit einem Ausrufezeichen. Ich bin ja in Schottland.

Er klebt den Absatz wieder auf und nagelt das Gummi zur Sicherheit zusätzlich. Auf beiden Schuhen. Friedhofssicher sozusagen. Ich sitze auf dem Hocker und baumle mit den Beinen. Mütter zerren ihre quengelnden Kinder vorbei, eine Gruppe jugendlicher Schulschwänzer schert sich nicht um die Sicherheitskameras und fährt Skateboard auf den Gängen. Ich hege Sympathie für diese altmodische Form der Insubordination.

Meine Schuhe sind fertig. Beide Absätze gemacht.

„Zwei Pfund.“ sagt der Schuhmann.

Ich weiß nicht, ob man in Deutschland beim Schuhmann irgendwas für zwei Euro bekommt. Ein Loch im Gürtel vielleicht.

Frisch beschwingt mit neuem Absatz gehe ich ins Schuhgeschäft (ja, diese Schuhe brauche ich), zu H&M (diese Pullover brauche ich nicht wirklich es ist sale und soo bilig) und stöbere im Waterstones’s nach neuem Lesestoff und prüfe, ob sie vielleicht eines meiner Bücher im Regal haben. Leider nicht. Vielleicht sollte ich danach fragen? Ich traue mich aber nicht. Werbung in eigener Angelegenheit zu machen ist mir peinlich.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands Chips und das LebenNoch eineinhalb Stunden, bis der Mann mit seiner Schulung fertig ist. Also gehe ich nochmal auf den Friedhof, um noch ein paar Bilder bei Tag zu machen. Es ist noch immer trübe und regnerisch aber die Sonne ist zumindest aufgegangen. Hat außer mir schon mal jemand versucht, mit einer Schuhtüte, einer großen H&M Tüte und einer Tüte Bücher auf einem Friedhof zu fotografieren?

Nein? Kann es nicht empfehlen!

Der Mann hat nun die Schulung hinter sich gebracht. Wollen wir noch eine Kleinigkeit essen, bevor wir wieder zurückfahren? Jetzt wo wir in der Zivilisation sind. Vielleicht im nächsten Pub?

Der Mann lässt sich überreden und steuert das Hootananny an, da gibt es Livemusik. Ich glaube der Mann hat da früher selbst gespielt. Gute Idee denke ich, man hört die Musik bis draußen auf die Straße. Der Laden ist voll und wir müssen an der Bar eine Weile warten, bis wir bedient werden. Essen gibt es hier nicht. Die Drei-Mann-Band ist laut, die Stimmung gut, der Gitarrist fängt an mit einer jungen Frau zu tanzen. Dass er aufgehört hat zu spielen ändert nichts am Sound, stelle ich erstaunt fest. Mit kindlicher Freude schwingt der Mann abwechselnd Gitarre und Tanzbein. Ich glaube, der war nur der Playback Künstler und hat sich mit jeder Menge Enthusiasmus in die Band geschlichen. Neben mir murmelt ein Mann Unverständliches in den Kragen seines Hawaiihemds, hinter ihm haben drei weitere Gäste ihre Rollatoren perfekt in Reihe geparkt, vor mir lächelt eine Mittachzigerin beseelt vor sich hin. Sie scheint allerdings nicht viel um sich herum wahr zu nehmen. Ich schaue mich genauer um, während der Mann bestellt.

Zwischen den vielen Menschen jenseits der 70 entdecke ich Begleitpersonal – das Altersheim hat wohl Ausflug. Der Mann hat mich ins Seniorenpub ausgeführt. Das dämmert ihm auch allmählich und er sieht mich etwas hilflos an mit seiner Cola. Ich trinke mein Pint und finde alles sehr lustig. Den Senioren geht es nicht anders. Partylunch.

Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach

Essen holen wir uns auf die Hand bevor wir aus Inverness rausfahren. Der Mann eine Blätterteigtasche mit einer Wurst drin, „frisch“ aus dem Dauerheizfach des kleinen Supermarkts. Bäh! Ich gehen zum Chippie nebenan und bestelle eine kleine Portion Pommes halb roh mit billigem Malzessig und viel Salz. Und während ich auf meine chips warte, denke ich über das Leben nach und die faszinierende Fähigkeit der Schotten, die Dinge auf das Wesentliche zu reduzieren. Hier sagt man he‘s had his chips wenn jemand sein Lebensende erreicht hat. Das geht auch im Neutrum als it’s had its chips wenn die Waschmaschine irreparabel kaputt ist. Ob Mann oder Maschine, seine Pommes gehabt zu haben heißt es ist vorbei.

Wie schön denke ich, dass die Seniorenresidenzler ihre Pommes noch mit voller Partylaune genießen.

 

Das beste Käseblättchen jenseits des Ärmelkanals

Käseblättchen. Das ist nun ein wirklich sehr deutsches Wort. Käseblättchen. Wissen alle, was gemeint ist, oder? Das örtliche Werbemagazin mit ein zwei Informationen, ein zwei meist schlecht geschriebenen Artikeln und sonst mehr oder minder getarnter Werbung.

Zuhause im Schwarzwald prangt ein Aufkleber auf dem Zeitungsfach meines Briefkastens, damit kein müder Schüler mir den Käse versehentlich einwirft und ich das Teil ungelesen und umgehend wieder ins Altpapier entsorgen muss.

Und natürlich ist in den Highlands mal wieder alles ganz anders.

Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach

 

Ich warte jede Woche auf das Skye and Lochalsh Echo. Sehnsüchtig. Das Blatt ist beste Unterhaltung zum Nulltarif und sehr informativ noch dazu. Man lernt wie man Sträucher korrekt schneidet oder ein gälisches Gedicht übersetzt, eine Whisky Besprechung für die Männer, ein Yoga-Erfahrungsbericht für die Frauen. Umgekehrt geht das noch nicht, das wäre dann doch zu modern.

Abenteuer Highlands Nellie Merthe ErkenbachSelbst die Werbung ist oft lustig, ich bin mir nur nicht hundertprozentig sicher ob sie auch absichtlich lustig ist. Aber ein Handwerker, der Haushaltsgeräte repariert (vom U-Boot bis zur Waschmaschine) und seine Firma Domestic Forensics nennt, der schaut entweder zu viel Midsomer Murder (Inspektor Barnaby) oder hat ganz einfach Humor.

Und natürlich können auch einsame Herzen inserieren. Ja, ein bisschen wie Bauer sucht Frau aber nur ein bisschen.

Und seit Januar, als ich nach Lektüre des einsame Herzen Feedbacks rittlings auf der Couch lag und vor Lachen schon furchtbare Schmerzen im Zwerchfell hatte, da frage ich mich immer wieder… ist das echt oder ist das erfunden. Und ich kann mich einfach nicht entscheiden, was ich glauben soll.

Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach

Ich frage mich (und fürchte es gleichermaßen): ist die Frau sucht Bauer Geschichte wahr und wenn ja… Vielleicht finden die anderen 19.999 Leser des Blättchens die Geschichte nicht besonders lustig. ICH SCHON!

Diese Frau also hatte also eine Anzeige im Skye und Lochalsh Echo aufgegeben und deshalb ein Blind Date, sie hatte wohl schon lange kein Date mehr gehabt.

Ein wenig nervös macht sie sich hübsch, sogar sexy und wartet auf ihr Dinner Date. Und wartet, und wartet. Der Schotte lässt sie unfassbare 90 Minuten warten, um dann in Gummistiefeln und nach Schaf riechend aufzutauchen. Sie macht ihm auf und lässt ihn herein, er benutzt ihre Toilette, die anschließend nicht nur unfassbar stinkt sondern auch noch verstopft ist. In einem schmutzigen alten Auto fährt er sie nach Portree, unterwegs ungeniert furzend während die Touristen ahnungslos zum Old Man of Stor klettern. Zwei Welten.

In Portree angekommen fragt er sie die schottische Gretchenfrage: Celtic oder Rangers? In Schottland ist das nicht nur die Frage nach den fußballerischen Vorlieben sondern auch die Frage nach der religiösen Zugehörigkeit, die für viele eine sehr große Rolle spielt.

Keins von beiden sagt sie, weil sie Fußball hasst. Er wiederum freut sich und will wissen, ob sie gerne auch mit seinen Freunden etwas trinken würde.

Der beste Moment des Abends – die Stille allein im Bus nach Hause.

Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach

 

Alles Käse oder das beste Käseblättchen jenseits des Ärmelkanals?

Extrawurst

Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach ExtrawurstIch habe in den letzten Wochen darüber berichtet wie es ist, mit dem Highlander in Europa unterwegs zu sein. Wir haben die Rollen getauscht. Nun bin ich zu Hause und er hat ein Abenteuer nach dem anderen, jetzt geht es ihm ein bisschen wie mir in meinen Anfangsjahren in den Highlands.

Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach ExtrawurstDer Mann besucht mich regelmäßig. Wir führen seit Jahren eine funktionierende Fernbeziehung, ich verbringe 1 Monat im Winter und 2-3 Monate im Sommer bei ihm und er besucht mich in der Regel für 14 Tage im Schwarzwald.

Sein Job erlaubt ihm nicht viel mehr, Ich kann Monate durcharbeiten und dann auch Monate frei bzw. Wochenende machen.

Auf dem Kontinent sind viele Dinge anders, als er es gewohnt ist. Das meiste findet er wunderbar, allem voran den örtlichen Metzger und die Aufschnitt Theke. In Schottland kennt er abgepackt gekochten Schinken, Chorizo und Corned Beef in der Dose. Im Schwarzwald erlebt er den Wurst Overkill und steht ganz beseelt vor so viel Wurstglück im Metzger, unfähig sich zu entscheiden, ein bisschen wie ein kleines Kind vor dem Adventskalender:

  1. Dezember Lyoner
  2. Dezember Bierwurst
  3. Dezember Mettwurst
  4. Dezember Salami

Nwellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands ExtrawurstSein Highlight aber ist ohne Zweifel eine Scheibe heißer Fleischkäse im Brötchen, das kann er genauso wie Extrawurst auf Deutsch sagen. Sonst hat er es nicht so mit dem Deutsch lernen.

Beim Bäcker geht es ihm ähnlich, so viel verschiedene Brotsorten, gewohnt ist er plain loaf und die viereckigen Scheiben Labberbrot, mit dem man Sandwiches macht. Oder die ähnlich weichen Brötchen. Knusprig und bissfest sind ihm gänzlich fremde Vokabel, wenn es um Brot geht, eine Schwarzwälder Bäckerei treibt ihn an den Rand der Fassungslosigkeit.

Und den Kuchen gibt es nicht in Plastik verpackt aus der Kühltheke, sondern ganz und rund und in voller frischer Pracht beim Konditor.

Deshalb ist der Schwarzwald seine Kirsche auf der Torte. Und der Fleischkäseweck sein erklärtes Lieblingsfrühstück.

Abenteuer Highlands Nellie Merthe Erkenbach Extrawurst

Wir sind auf einem Ausflug in Hohenlohische, genießen Sonne, Burgen und idyllische Städtchen. Und natürlich Abendessen, landestypisch.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands ExtrawurstWas ihm schwer fällt zu verstehen, ist das deutsche Bedürfnis zu allem seinen Salat dazu zu reichen. Vom Salatblatt im Lyonerweck bis hin zum Beilagensalat fürs Brauerschnitztel. Warum das gute Schnitzel mit so viel seltsamem Zeug belasten, wenn man es auch einfach pur oder mit Pommes essen kann? Ich erkläre ihm, dass ein SchniPoSa ohne Salat nur ein SchniPo wäre und damit mindestens ein Drittel seines Charmes einbüßt. Sieht der Schotte offensichtlich anders, während er den Beilagensalat auf meine Tischseite schiebt. Wahrscheinlich aus Angst, er könnte ansteckend sein. Nur die Ecke mit dem Kartoffelsalat ist angegessen, der Rest ist unberührt.

„Du solltest wirklich mehr Saat essen.“ sage ich.

„Ok.“ sagt der Mann ergeben und schaut grinsend in mein nun verwundertes Gesicht.

„Dann essen wir Morgen Wurstsalat.“

Nellie Merthe Erkenabch Abenteuer Highlands Extrawurst

 

 

fortune – 1. Vermögen und 2. Glück

Wir sind nur 2.8 Kilometer vom Haus meiner Schwester entfernt und es fühlt sich an wie mindestens drei Galaxien. Seit über einer Viertelstunde suchen wir einen Parkplatz und haben bisher noch nicht mal eine Ahnung von Parkplatz entdeckt; alles Anwohner-mit-Ausweis-Plätze oder limitiert auf maximal zwei Stunden. Der Mann und ich sind in Genf, quälen uns durch den Feierabendverkehr und tun das, was alle anderen auch tun: einen Parkplatz suchen.

Ich denke an die Highlands und dass man dort tatsächlich über eine halbe Stunde lang Auto fährt, bevor man an eine Ampel kommt. Hier zuckelt das Auto von Ampel zu Ampel.

Meine Schwester textet wann wir da sind, sie will den Champagner aufmachen.

Ich will auch dass sie den Champagner aufmacht aber ohne Parkplatz wird da erst mal nichts draus. Nach einer halben Stunde erfolglosen Wendens und Suchens geben wir auf und fahren in das große Parkhaus direkt am Seeufer. Die Stunde kostet wahrscheinlich schon ein Vermögen, an den Tagessatz versuche ich erst gar nicht zu denken.

©theman

Dann müssen wir uns koordinieren, es sind ca. 15 Gehminuten bis zur Schwester und dem Champagner – da will man nichts was man braucht im Auto vergessen. Endlich zerren der Mann und ich unsere Gepäckstücke durch Genf. Nach den ersten Metern bricht eine meiner Kofferrollen. Der billige Koffer aus Schottland. Den zerre ich dann wie einen Schlitten mit bockigem Kleinkind hinter mir her, genervt.

Der Schotte dagegen ist entspannt. Ich glaube er ist nie in Eile, höchstens wenn es mal brennt. Wir Deutschen (und ganz offensichtlich auch die Schweizer um uns herum) haben es alle eilig. Und so schlendert der Highlander mit funktionierenden Kofferrollen und schottischer Gelassenheit durch die helvetische Hektik und ignoriert das germanische Grummeln, das einen Koffer vor ihm herzerrt.

Die Schwestern und der Champagner heitern meine Laune beträchtlich auf.

Seit unserem ersten gemeinsamen Besuch in Genf hat der Mann eine Leidenschaft für Rösti. Generell mag er (typisch schottisch) Kartoffeln in jeglicher Form, wenn man dann noch Schinken und Ei drüber gibt, ist sein Glück perfekt. Also machen wir Mädels den Mann mit Rösti glücklich, wir essen einen Salat und genießen unser Glück (auf Englisch fortune). Dann kommt die Rechnung und das bisschen Salat, Kartoffel und Ei kostet so viel wie drei Gänge mit Wein in Turin. Ein kleines Vermögen (auf Englisch fortune).

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands mit dem Schotten in GenfFür den Mann ist rein sprachlich Geld und Glück also dasselbe. Ich, aus dem Lander der Dichter und Denker und examinierte Literaturwissenschaftlerin, kann selbstverständlich den schnöden Mammon nicht mit Glück gleichsetzen. Ich habe ja Ideale! Und hatte Goethe im Examen….

Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche zu verehren.

Während ich also über Glück ohne Vermögen philosophiere sticht der Mann auf dem letzten Flecken Rösti den Eidotter auf und erforscht sein Teller-Glück.

Nellie Merthe Erkenbach Abenteuer Highlands mit dem Schotten in GenfAuf der Heimfahrt werde ich trotz Tempomat (110 km/h) auf der schweizer Autobahn, kurz vor den Grenzübergang Basel in einem Abschnitt geblitzt, in dem man nur 100 km/h fahren darf. Ich bin also 10 km/h zu schnell gewesen. Das kostet 60 Schweizer Franken oder 53 Euro 57. Für zehn Stundenkilometer!

Bei einem derartigen Vermögen (fortune) kann von Glück (fortune) keine Rede sein!

Der Mann schweigt still und denkt an Schottland. Da müssen Blitzer mit einem Schild angekündigt werden, groß und deutlich, damit man es auch ja rechtzeitig bemerkt. Die schottischen Behörden müssen also auf ganz viel Glück hoffen, wenn sie jemals mit Geschwindigkeitsübertretungen ein Vermögen machen wollen. Aber wahrscheinlich wollen sie das gar nicht, die vom Glück begünstigten (fortunate) Schotten.