Schottland mit dem Wohnmobil

Schottland – weites, wildes, wunderbares Land im Norden Europas wo die Strände lang und weiß vor der tiefblauen See liegen und der Ginster in einsamen Tälern zum fernen Ruf des Kuckucks duftet. Gibt es ein besseres Land, um mit dem Wohnmobil Urlaub zu machen? Der Mann und ich sind da nicht wirklich einer Meinung. Er liebt Camping, wenn auch eher mit dem Zelt. Ich nicht.

Abenteuer Highlands Schottland mit dem Wohnmobil © Ewan Roy MacGregor

Aha. Im Winter, merke ich an, kommt man sich bei all den leer stehenden Ferienhäusern ein wenig wie ein Teenager in einem Horrorfilm vor, ganz allein im Dunkeln: „Hallo, ist da jemand?“ Im Sommer fragt man sich das nicht mehr. Ferienwohnungen muss man lange vorbuchen und sie sind, wenn schön eingerichtet, sehr teuer, ein Tausender ist keine Seltenheit für die Woche und selbst die kleinen Glamping Pods kosten so viel wie anderswo ein Hotelzimmer pro Nacht.

In Strathcarron hat ein findiger Mensch im Hotelgarten neben dem Bahnübergang camping pods Strathcarronkleine Verschläge mit runden Luken hingestellt, sehen genauso aus wie die Hütten der Schweinefarmer hier, sind aber für Touristen. 40 Pfund die Nacht! Oder man erwischt ein leicht angeschmuddeltes Ferienhaus, das nach dem Auszug  der Oma ins Altersheim kurz durchgeputzt und dann an die Fremden vermietet wurde, Chintz Sofa mit Blümchenmuster inklusive. Da sitzt man dann wie bei Oma zu Hause und kommt sich wie ein Eindringling vor.

benteuer Highlands Schottland mit dem Wohnmobil

Mit dem Wohnmobil ist man frei, freier als mit einem Ferienhaus, findet der Mann.  Man treibt so durch den Urlaub und bleibt da, wo es einem gefällt. Mitten in dieser wunderbaren Landschaft stehen zu können und die Natur zu genießen,  Morgens aufzuwachen mit dem Blick auf die Berge oder das Meer, den salzigen Duft der Wellen in der Nase, keine Wolkenflöckchen stören die wärmende Sonne – ein Taumurlaub.

„Ja,“ sage ich, „aber das ist reine Theorie.“ Oft regnet es in Strömen und die Dichtungen an Tür und Fenster sind nicht dicht. Und vor allem nachts, wenn auch im Sommer die Temperatur schon mal gegen Null gehen kann, wäre man in einem Haus deutlich wärmer, aber da hat man ja nicht diese Aussicht. Die hat man wegen der Isolierung ohnehin meist nicht. So lässt sich auch der Friedhof ignorieren, auf dessen Parkplatz man steht.

Abenteuer Highlands Schottland mit dem WohnmobilStellplätze in der Wildnis sind sehr rar in den Highlands und meist nicht legal, auf offiziellen Parkplätzen ist fast ausnahmslos das Übernachten mit dem Wohnmobil verboten. Man kann also entweder auf einem Campingplatz (wenn man überhaupt noch einen freien Platz ergattert) viel Geld dafür bezahlen, neben all den anderen Deutschen zu stehen oder man steht auf einem „wilden“ Parkplatz, einer etwas größere Ausweichbucht (gibt es häufiger, ist aber nicht gestattet), einem Stück ehemalige Straße neben der neuen Straße (kommt öfter vor), einem Wendeplatz (gelegentlich zu finden aber eben auch nicht zum parken da) oder einem trockenes Stück Erde, das nicht eingezäunt ist (ganz selten).  All diese Stellplätze sind in der Regel direkt an einer Hauptverkehrsader, wo morgens früh die LKWs vorbei donnern. Das trübt mein Naturgefühl etwas.

Anders habe ich das nur in den Western Isles erlebt. Traumhafte Strände und jede Menge Platz für Wohnmobile. Manche Stellplätze scheinen extra für Touristen gemacht. Manche sind es definitiv, man bittet um 5€ in die Kasse der Gemeinde. In den Highlands sind einfach zu viele unterwegs für einen solchen Ansatz.

single track road caravan Scotland

Mit dem Wohnmobil ist man unabhängig. Man muss nicht vorbuchen und kann genau da übernachten, wo man will und es schön findet. Das mag der Mann, weil er im Gegensatz zu mir nicht gerne plant. Die Unabhängigkeit hat einen Preis, man muss schon früh am Tag mit der Stellplatzsuche anfangen, sonst steht nämlich schon ein anderer drauf. Aber das Abenteuer der Suche! Manchmal gehen richtige Rennen um die Stellplätze am Straßenrand ab, denn man ist nie der einzige, der sucht und ja es gibt Apps aber die haben die anderen auch.

Mit dem Wohnwagen erlebt man die Natur viel intensiver als in Häusern, gebe ich zu und neige was das angeht tatsächlich eher zum campen. Die Abende sind lang im Sommer, das kann man genießen. Aber mit den gemütlichen Abenden im Freien hat es nun wieder der Mann nicht so, weil es entweder regnet oder einen die midges, die schrecklichen Mücken bei lebendigem Leib aufzufressen drohen.

Abenteuer Highlands Schottland mit dem Wohnmobil

Mit dem Wohnwagen kann man sie die teuren Unterkünfte und Saisonpreise in den Restaurants sparen. Man kocht selbst, man schläft (wenn man nicht auf dem Campingplatz steht) umsonst. Kein Wunder also, dass so viele auf die Idee kommen, mit dem Wohnmobil oder dem VW Bus anzureisen. Allerdings verlangen die Fähranbieter stolze Preise für die Überfahrt verlangen und was das Tanken in den Highlands angeht – in der Regel 10 Pence teurer als in den Städten und schon dort ist Diesel  (weil nicht subventioniert) oft 10 Pence teurer als bei uns. Wer viel verbraucht, lebt teuer.

Abenteuer Highlands Schottland mit dem Wohnmobil

Zumindest kann man am Essen sparen und viel von zu Hause mitnehmen. Aber wie viel echtes Schottland erlebt man so?

Und was haben die Highlander davon, die auf den Tourismus als Geldquelle angewiesen sind? Was außer Stress auf den Straßen?

caravans passing single track road

Die weißen Riesen sind überall. Man fährt im Schneckentempo hintereinander her, quält sich steile Straßenstücke hoch in die Berge und wieder runter, alles auf Singletrack Roads, wo man unabhängig damit beschäftigt ist, mühsam rückwärts zu navigieren, weil einem auch an der nächsten Kurve schon wieder ein Wohnmobil entgegen kommt. Direkt neben dem Asphalt drohen tiefe Schlammlöcher, es ist schweißtreibende Zentimeterarbeit, ein entgegenkommendes Fahrzeug vorbei zu lassen. Und wieder eins, und wieder eins, und wieder eins.

Abenteuer Highlands Schottland mit dem Wohnmobil

Die Sommer-Karawane zieht durchs Land und die meisten fahren exakt dieselbe Route (in Teilen NC500  oder North Coast 500 genannt, die Straßen waren schon immer da aber jetzt werden sie vermarktet wie in den USA die Route 66: Newcastle – Edinburgh – Inverness – Cape Wrath – Isle of Skye – Loch Lomond. Mit dem ein oder anderen Abstecher hier und da. Manche fahren das auch in entgegengesetzter Richtung. Die kommen dann all den anderen auf den engen Straßen von Mai bis Oktober entgegen.

Schottland mit dem Wohnmobil kann man lieben oder hassen, manches spricht dafür, manches dagegen aber eines ist sicher: man ist nie allein. Die Highlands im Sommer sehen aus, da sind der Mann und ich uns einig, als ob der Zirkus Knie den Standort wechselt – nur ohne Clowns.

4 Gedanken zu “Schottland mit dem Wohnmobil

  1. „als ob der Zirkus Knie den Standort wechselt – nur ohne Clowns.“ Made my day, liebe Nellie. Niemand hätte es besser beschreiben können.
    Ja, Schottland hat viel Freiheit zu bieten, aber ist es Freiheit, wenn man sich so unter Druck setzen muss? Wenn man die Gesetzte des Landes (Outdoor Access Code) mit Füßen tritt bzw. eher mit Reifen überfährt? Hartnäckig hält sich das Gerücht, das man in Schottland überall wild campen darf. Ja, wild mit Zelt und zu Fuß, nicht mit motorisierten Untersatz! Leider gibt es genügend Travelblogs, die mit tollen Fotos (und noch tolleren Filtern) genau dies emsig unter das Internetgläubige Volk verbreiten.
    Lernt man so Schottland und die Schotten kennen? Ganz sicher nicht! Man bringt sein Essen aus dem Heimatland mit, gibt nur das allernotwendigste aus, weil die Miete für das Wohnmobil ja schon so teuer war und zerstört beim „irgendwo in Freiheit in der wilden Natur stehend“ auch noch die Infrastruktur des Landes. Es gibt genügend Berichte, wo von Urlaubern berichtet werden, die mal eben ihre Tanks am Straßenland leeren … iiih. Und so jemand will Schottland lieben?
    Natürlich gibt es auch andere Wohnmobilurlauber. Man kann nie alle über einen Kamm scheren!
    Ich persönlich bevorzuge die kleinen B&Bs, wo man morgens mit Menschen aus aller Welt an einem Tisch sitzt und quatscht, während der Gastgeber mit einem breiten Lächeln das leckere Frühstück bringt. Die Abende im Pub, gerne mit Live Musik, wo man ab und an auch mit den Einheimischen ins Quatschen kommt. Und, ich finde es toll, morgens schon zu wissen, wo ich abends mein müdes Haupt in ein gemütlches Bett sinken lassen kann. Das ist für mich Urlaub! Bloß keine Hotels, die sind zu unpersönlich und meist nicht so gut, wie sie aussehen.
    Und ja, die NC500 ist Fluch und Segen zugleich. Aber muss man auch zugeben, das dies wirklich eine traumhaft schöne Landschaft ist und leider die Unterbringungsmöglichkeiten sehr begrenzt sind. Dennoch würde ich “ meinen Urlaub“ nie für ein Wohnmobil oder ein Zelt eintauschen. Das wäre für mich Streß pur und kein Urlaub mehr.
    Jeder soll so Schottland erleben, wie er/sie es gerne möchte. Aber bitte, vorher erkundigen und nicht jedem Blog im Internet glauben, der die totale Freiheit verspricht. Ach ja, Autofahren sollte man schon können und rechts von links unterscheiden!

    LG
    Britta

    • Liebe Britta,
      da ticken wir auf einer Wellenlänge. Danke für deinen Beitrag.
      Und natürlich hast du völlig Recht, solche Reiseblogs tun ihr Übriges.
      Und wer kann sich schon der Faszination der Straßen durch die Highlands entziehen. Deshalb wird ja ihr Zustand auch immer schlechter.
      Aber das ist das mit der Freiheit. Sie ist für alle da aber nicht alle gehen gleich gut mit ihr um.
      Hab noch einen schönen Tag. Liebe Grüße,
      Nellie

  2. Guten Morgen Nellie,

    Ein sehr interessanter Blog diesmal, da sprichst du mir aus dem Herzen.

    Ich habe über die letzten 15 Jahre auch die Beobachtung gemacht, dass der Tourismus extrem stark zugenommen hat, insbesondere Wohnmobil-Touristen – vermutlich aber auch weil mal die natürlich offensichtlicher zu sehen sind als solche, die in Hotels, B&B oder Ferienhäuser ihren Urlaub verbringen.

    Ich gebe zu, dass ich eigentlich auf jede erdenkliche Art und Weise Schottland bereist habe (auch mit dem Wohnmobil) und vor 15 Jahren war es allerdings auch noch nicht so überlaufen. Es war wirklich wunderschön überall stehen bleiben zu können ohne den Stress der Suche einer Übernachtungsmöglichkeit. Ich selbst habe selbstverständlich nach Möglichkeit gefragt (soweit es sich um Privatbesitz handelte) ob eine Übernachtung an einem Platz möglich war und habe immer darauf geachtet den Platz ordentlich zu hinterlassen (Was heutzutage leider nicht immer der Fall ist). Auch bin ich manchmal entsetzt wo sich viele Wohnmobil Touristen hinstellen, ohne Rücksicht auf die Besonderheit eines Ortes.
    Reines Camping (mit Zelt) war – da bin ich mit dir einer Meinung – der Horror.. ich schätze doch ein trockenes und richtiges Bett.. auch schon vor 15 Jahren als ich noch ein junger Mann war😝..

    Natürlich ist es eine Art von Fluch:
    Es wird natürlich von Seiten der Schotten sehr viel Werbung für ihr Land für gemacht um Touristen anzulocken, es wird auch durch viele Filme oder auch durch Literatur vielen Menschen sehr bekannt (Outlander, Harry Potter uvm.).
    Und natürlich ist es ein für Europäer leicht erreichbares und vor allem auch sicheres Land (was man von zum Beispiel der Türkei, Ägypten und so manch anderen Ländern nicht immer behaupten kann). Der günstige Pfundkurs ist – last but not least – auch sehr förderlich (ich war schon drüben bei Kursen von über 1,60 € , also gut 0,50 € mehr als zur Zeit..).

    Es besteht aber auch die Gefahr, dass dieser zunehmende Massentourismus die Einzigartigkeit und Schönheit der Natur nach und nach zerstört.

    Ich verstehe auch, dass die Einnahmen für Schottland aus dem Tourismus sehr wichtig sind, aber ich sehe auch kein Problem, wenn man ein bisschen diesen Massen reduziert indem man zum Beispiel eine Art von Touristen Steuer einführen (wie zum Beispiel auf Isle of Skye derzeit diskutiert wird). Dieses Geld könnte z.B. in den Umweltschutz und auch in die Verbesserung der Infrastruktur für die Menschen dort investiert werden.
    Somit käme das Geld nicht nur bestimmten direkt mit dem Tourismus verbundenen Gruppen zugute.
    Ich bin ja gespannt wie sich hier die Entwicklung fortsetzt.

    Ach ja, nachdem jetzt vier Wochen seit meiner kleinen unerfreulichen Begegnung mit dem Fußgänger vergangen sind, bin ich zumindest weitesgehend schmerzfrei. Ich vermute in einer Woche kann ich zumindest mal großvatermäßig schwimmen (eher planschen) gehen. Nur Spaziergänge nerven inzwischen… was von Vorteil ist an der ganzen Sache, ich habe gut auch Kilogramm verloren. Allmählich werde ich wieder richtig knackig… wird mir zumindest jetzt häufiger bestätigt 😆😜..

    Liebe Grüße
    Andi

    • Lieber Andi,

      gut zu hören, dass du langsam auf dem Weg der Besserung bist. Wenn der Infall der Figur zuträglich ist, dann hatte er ja zumindest etwas Gutes.
      Die Idee mit der Touristenabgabe/Steuer/Kurtaxe finde ich im Prinzip gut, solange das Geld auch da landet, wo es hingehört.
      Hab einen schönen Tag und liebe Grüße aus dem Regen.
      Nellie

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