Schottland Foto Challenge – Schottlands unbekannter Süden von Steffi Arendt

Liebe Nellie,
normalerweise mache ich nicht mit bei solchen Challenges. Aber wenn es um Schottland geht, da bin ich dabei! 🙂
Für meinen Beitrag habe ich gedacht, dass ich mal eine Region aussuche, die bei deutschen Schottland-Touristen nicht so bekannt ist: Die Lowlands. Also, eigentlich sind die ja gar nicht so flach, vor allem nicht in den Southern Uplands. Aber es sind halt nicht die Highlands und wir haben dort (wenn überhaupt) nur schottische Touristen getroffen. Wir finden, dass sich die Lowlands nicht hinter den Highlands verstecken müssen!
Es hat jedenfalls unendlich Spaß gemacht, mal wieder in den alten Fotos zu stöbern und mich an die 2018er-Tour durch Schottlands Süden zu erinnern. Danke für den schönen Nachmittag!
Und auf dein neues Buch bin ich auch schon sehr gespannt. ich werde es auf jeden Fall lesen, mit oder ohne Hauptgewinn! 🙂

Liebe Grüße

Steffi Arendt

Schottlands unbekannter SüdenMein Mann Friedel und ich sind passionierte Weitwanderer und besonders häufig sind wir in Schottland, Nordengland und Wales unterwegs. So entschlossen wir uns 2015, in neun Etappen ganz Großbritannien zu erwandern, über 2000 Kilometer zu Fuß von Land’s End in Südengland bis zum Cape Wrath im Norden Schottlands.

Von den neun Etappen sind wir bereits acht gelaufen, die nördlichste von Strathcarron nach Cape Wrath steht jedoch noch aus. Erst kamen uns die Brexit-Wirren, dann Corona dazwischen. Auf unserem Weg von der englisch-schottischen Grenze bis hoch in den Norden sind wir dabei auf dem „Scottish National Trail“ unterwegs, einer informellen Route, die mit 864 Kilometern von Kirk Yetholm an der Grenze zu Nordengland bis zur nordwestlichsten Spitze Schottlands führt.

Häufig werden wir gefragt, welche Landschaften uns denn auf unserem langen Weg bisher am meisten gefallen haben. Diese Frage ist für uns schwer zu beantworten, denn wir waren auf vielen spektakulären Wegstrecken unterwegs. Die felsigen Küsten Cornwalls sind natürlich ein besonderes Highlight, aber wir lieben auch die grünen Täler und braungrau-kargen Höhen der Pennines und der schottischen Berge. Unser Weg durch die Cairngorms und Western Highland war dabei unvergesslich – die Landschaft dort ist wirklich grandios, das wisst ihr alle. Allerdings war es Ende September dort eigentlich schon zu kalt zum Campen und im Dauerregen wären wir bei zwei Flussquerungen beinahe abgesoffen. Die Gegend dort ist phänomenal, aber kann auch ein wenig stressen, wenn man bei Wind und Wetter jeden Tag zu Fuß unterwegs ist.

Überhaupt ist das Wetter ein wichtiger Faktor, um sich beim Wandern rundum wohl zu fühlen. Besonders Glück hatten wir auf unserer Tour durch die Southern Upands und die Central Lowlands im Mai 2018. Hier waren wir im Mai und es war durchweg sonnig, aber nicht zu heiß. Noch dazu bietet die Region alles, was das Wandererherz höher schlagen lässt: Weite Ausblicke über sanfte Hügel, alte Burgen, Schlösser, verfallene Abbeys und einen beschaulichen Gang entlang des mäandernden River Tweed. Die Waldböden waren übersäht mit dem blauen atlantischen Hasenglöckchen und auf den Wiesen sprangen übermütig die Lämmer. Wir müssen zugeben: Eigentlich war das unsere Lieblings-Tour!

Wenn ich jetzt nochmal die Bilder für diesen Beitrag sichte, begeistert mich die Tour noch immer und es fällt mir unendlich schwer, nur fünf Bilder auszuwählen. So habe ich mich für fünf besonders repräsentative Fotos aus dem Süden Schottlands entschieden:   Ein Fliegenfischer im River Tweed, Dryburgh Abbey, „The Three Brethren“ und Brown Knowe in den Southern Uplands und Bo’ness Castle am Firth of Forth. 

Auf allen Bildern sind kaum andere Menschen zu sehen. Abgesehen von einigen Top-Touristen-Destinationen wie Linlithgow Palace, Melrose Abbey und Bo’ness Castle waren wir fast immer allein unterwegs. Kaum ein anderer Wanderer verirrt sich unter der Woche in die einsamen Hügel der Southern Uplands und Pentland Hills.

Und das Beste: Fast jeden Abend konnten wir hier noch unsere müden Knochen in einem gemütlichen B&B-Bett ausstrecken und abends im Pub ein Ale schlürfen. Nördlich von Blair Atholl wurden die Distanzen zwischen den Orten immer länger und wir verbrachten zahlreiche Nächte im kalten Zelt. Hier waren wir der Natur besonders nah, aber eigentlich mögen wir es abends eher bequem.

Wenn ihr mehr über unseren langen Fußweg über die britische Hauptinsel lesen wollt: Wir haben auch ein Blog:

lecw.blog

Ganz großen Dank liebe Steffi für die sehr schönen Bilder und diesen tollen und sehr ausführlichen Text. Ich bin mir sicher, du hast nicht nur mich damit inspiriert immer mal wieder auch nach Süden zu schauen. Und allen Lesern sei Steffis Wander-Blog ans Herz gelegt. Liebe Grüße, Nellie

Schottland Foto Challenge – Highlands und Lowlands von Rolf Eckerle

Der Schottlandurlaub ist nun auch schon sechs Jahre her aber die Eindrücke, die man in 14 Tagen Schottlandreise sammelt, die lassen einen nie wieder los. Das geht hier bestimmt ganz vielen ähnlich. Die Natur, die historischen Bauwerke, der Wind und das Licht sind einzigartig und mit nirgendwo in Europa zu vergleichen.

Die Abendstimmung in den Borders bei Lanton, neugierige Schafe am Dreyhope Tower und auch der dramatische Smailholm Tower sind Eindrücke aus den Lowlands. In den Highlands haben wir viele schöne Erinnerungen and die Isle of Skye und Loch Maree. Oft war der Himmel voller Wolken und das Land auch in dieser Stimmung einfach unbeschreiblich schön. Immer wenn die Sonnenstrahlen einmal durch die Wolken brachen, brannte sich Schottland in unsere Erinnerungen ein.

Vielen Dank für diese beeindruckenden Bilder, Rolf!

Die Abenteuer Highlands Foto Challenge

Die Fünferkollektion mit den meisten Likes bekommt einen Preis: schottisches Siegerminz, eine handsignierte Kopie meines nächsten Buchs Schottland für stille Stunden, das im Sommer erscheint und natürlich ein special feature auf Abenteuer Highlands.

Wer noch mitmachen will, dann jetzt bitte trauen und 5 Fotos auf die Mailadresse unten im Blog schicken, bitte mit ein paar Zeilen dazu. Einsendeschluss ist der 30.06.2020.

 

Schottland Foto Challenge – Honeymoon in Scotland von Britta Dicken

Eigentlich, ja eigentlich wollte ich immer nach Irland. Aber warum auch immer, haben wir uns dann für unsere Hochzeitsreise für Schottland entschieden. Das mag daran liegen, das mein Mann ein großer Highlander-Fan (DER Film) ist, oder weil ich gerade irgendwas mit Schottland gelesen habe. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Auf jeden Fall habe ich mir ein, zwei Reiseführer besorgt und angefangen zu recherchieren. Ein halbes Jahr habe ich alle Quellen gewälzt und hatte hinterher eine Liste von ca. 250 Orten die ich UNBEDINGT senden wollte. Wir hätten es wissen müssen, dass dies mit einem Urlaub nicht zu machen ist  Wir haben die Liste stark eingegrenzt und hatten im Anschluss eine Tour für 18 Tage zusammen. Meine Aufregung, natürlich auch wegen der Hochzeit, kannte keine Grenzen, bis wir endlich auf die Fähre fuhren.

Der „Grenzübergang“ zwischen England und Schottland war schon etwas Besonderes, denn direkt am Grenzstein – auf dem groß Schottland steht, damit es auch ja niemand übersieht – stand ein Bagpipe Player. Besser hätte es nicht kommen können

Die nächsten Tage haben wir die Borders und Edinburgh erkundet. Wir haben viel über den Verkehr in Schottland gelernt, waren wir ja schließlich mit dem eigenen Auto unterwegs und Single Track Roads gibt es nicht nur in den Highlands!

Wir waren Mitte Mai unterwegs. Schließlich haben wir überall gelesen, das Wetter in Schottland ist im Mai am Schönsten. Ja, bestimmt, in jedem anderen Jahr mag das so gewesen sein. Im Mai 2011 hat es jeden Tag geregnet. Mal nur fünf Minuten, mal drei Stunden, mal den ganzen Tag. Wir hatten in 18 Tagen tatsächlich nur einen (!) Tag ganz ohne Regen. Und wo waren wir da? In Glasgow und haben uns einen Sonnenbrand geholt

Doch, ich möchte nur über das Wetter jammern. Uns hat Schottland in den Bann gezogen. Sehr stark und sehr nachhaltig.
Ein Highlight war sicherlich die Empfehlung einer Dame in Edinburgh: Culross. Noch bevor die Horden der Outlander-Fans das kleine Städtchen besucht haben, haben wir dort einen sehr schöne Zeit verbracht und uns hinterher im Red Lion Inn den Magen vollgeschlagen. So lecker!

Für mich ist Culross eines der schönsten Städtchen Schottlands. Eine absolute Empfehlung!

Hatte ich eben über das Wetter gejammert? Der Regen war ja die eine Sache, die andere Sache war der Sturm. 2011 gab es nur die Forth Road Bridge um den Firth of Forth zu überqueren. Als wir überquerten war es windig, mächtig windig und überall stand auf den großen Schildern „High Winds“. So schlimm fanden wir es gar nicht, bis wir dann am Castle Fraser ankamen. Der Parkplatz leer, das Castle verschlossen und überall Hinweisschilder man möge doch bitte auf herabstürzende Äste aufpassen. Wir fanden es dennoch sehr schön dort!

Am Abend fragten uns unsere Host, woher wir denn kommen würden. Och, über die Brücke wären wir noch gekommen? Ja, über die Brücke sind wir gefahren. Ja, erzählten sie, die wäre seit 10 Uhr geschlossen. Ups, da haben wir Glück gehabt, hätte es doch ansonsten einen Umweg von knapp 120 Kilometern bedeutet und wir hätten ansonsten wohl nur noch zu unserem B&B durchfahren können, ohne uns noch etwas anzusehen.

Auch die nächsten Tage sollte uns der Sturm in Form von gesperrten Straßen und Gärten begleiten. Doch wir hatten unser Herz schön längst an Schottland verloren, dabei lag der schönste Teil noch vor uns: Die Highlands und die Isle of Skye. Doch davon berichte beim nächsten Mal.

Doch was wäre Schottland ohne Whisky? Daher haben wir auch die ein oder andere Destillerie besucht. Glenmorangie hat uns besonders gut gefallen!

Ein weiteres Highlight war auch Hermitage Castle. Mitten im Nirgendwo steht dieser monumentale Bau. Leider hat es bei unserem Besuch – ja genau, es hat geregnet. Aber wir waren ganz alleine dort und haben die unheimliche Stimmung genießen können.

Damit war dann leider auch unser Honeymoon zu Ende. Das Schottland-Fieber hat uns so gepackt, dass wir direkt im Oktober noch ein paar Tage in Edinburgh drangehangen haben.

Die Bilder sind übrigens noch mit meiner kleinen Kompaktknipse aufgenommen, zu einer Zeit, als ich mit der großen und schweren Spieglreflexkamera nicht rumlaufen wollte und mir das gar nicht vorstellen konnte.

Ach ja, in Irland sind seitdem auch gewesen. Schön ist es dort, aber kein Vergleich zu Schottland

LG
Britta Dicken

 

Die Abenteuer Highlands Foto Challenge

Die Fünferkollektion mit den meisten Likes bekommt einen Preis: schottisches Siegerminz, eine handsignierte Kopie meines nächsten Buchs Schottland für stille Stunden, das im Sommer erscheint und natürlich ein special feature auf Abenteuer Highlands.

Wer noch mitmachen will, dann jetzt bitte trauen und 5 Fotos auf die Mailadresse unten im Blog schicken, mit ein paar Zeilen dazu, wo ihr gewesen seid und wie es euch gefallen hat.

Britta hat das heute wunderbar gemacht und uns hier mit auf ihre Hochzeitsreise genommen. Danke Britta!

Einsendeschluss ist der 30.06.2020.

Auf geht’s, schickt mir eure Schottland Erinnerungen, damit wir alle Freude dran haben!

Der König und die Witwe – Craigencallie

Ich habe im Sommer von dem einzigartigen Kinoerlebnis mit Angus MacFadyen geschrieben. Nun bin ich bei meinen Recherchen zum neuen Buch auf genau die Geschichte gestoßen, die der Film erzählt. 

Die Geschichte von der Witwe von Craigencallie ist eine dieser wunderbaren schottischen Erzählungen bei der man nicht mehr genau sagen kann, wie viel Wahrheit in ihr steckt und wie viel erfunden wurde. Für die Echtheit in Teilen gibt es Nachweise aber keine zuverlässigen historischen Quellen für die ganze Geschichte. Wie dem auch sei, die Episode ist schön und nicht sehr bekannt. Vielleicht einer der Gründe, der den schottischen Schauspieler und Produzenten Angus MacFadyen dazu bewogen hat, diese Geschichte als Basis für seinen Film über Robert the Bruce zu wählen.

MacFadyen hatte bereits 1995 im Blockbuster Braveheart den schottischen König Robert the Bruce gespielt. Sein Film behandelt nun einen sehr kleinen Zeitraum im Leben des Königs über den wenig bekannt ist, weil er nicht dokumentiert wurde. Im Film zieht sich der König verletzt und körperlich wie mental am Ende in die Wälder der Highlands zurück, wo er auf eine Witwe und ihre drei Söhne trifft.

Die Geschichte der Witwe von Craigencallie, ist aber nicht wie im Film in den Highlands zu Hause, sondern in den Lowlands, in Craigencallie (Gälisch Craig na Cailin, der Hügel der jungen Frau) in Kircudbright.

Galloway Mountains

Im Film waren die drei Söhne der Witwe nicht von drei verschiedenen Vätern wie in der Sage. Die junge Witwe nahm den Kriegerkönig bei sich auf und bot ihm die Hilfe ihre Söhne an, denn auch sie wollte wie der Bruce die schottische Unabhängigkeit von England, und war bereit, mit allen Mitteln dafür zu kämpfen.

In MacFadyens Film, der auf dem Edinburgh Film Festival 2019 Premiere hatte, muss der König nicht nur seinen Körper gesunden sondern auch seinen Kampfgeist wiederfinden. Er nutzt die Zeit bei der Witwe und ihren Söhnen, um zu gesunden an Körper und Geist und um die die Kraft zurück zu erlangen, sein Land gänzlich zu erobern und gegen die Feinde im Süden abzusichern.

Bruce wird zu diesem Zeitpunkt auf allen Ebenen angegriffen, nicht nur aus dem Süden, auch in Schottland selbst hat er Feinde, einflussreiche und gnadenlose Männer, die ihr Eigentum dem englischen König verdanken oder sich aus anderen Gründen gegen ein vereinigtes schottisches Königreich stellten.

In dieser sehr unsicheren politischen Situation im eigenen Land und der körperlichen Schwächung nach den zahllosen Kämpfen, bietet ihm die Witwe von Craigencallie Zuflucht und Schutz. Ihre Söhne sind sein Heer, mit ihrer Hilfe wird ihm nach seinem Abschied von Craigencallie der Sieg gelingen.

Galoway Mountains

Im Film und auch in der Sage bleibt die Beziehung zwischen König und der jungen Witwe rein platonisch. Sie hat drei Söhne von drei Vätern, der eine heißt McKie, einer Murdoch und der jüngste McLurg, letzterer soll ein besonders guter Bogenschütze gewesen sein, der sogar einen zwei Raben, die in den Felsen saßen, mit einem einzigen Schuss töten konnte.

Die McLurgs waren einst eine einflussreiche Familie in der Region Kircudbright und bekamen von König Robert Bruce weitreichende Ländereien zugesprochen, für ihre Dienste im Krieg gegen England. Das ist überliefert.

Eine Schlacht hat ebenfalls in der Nähe von Craigencallie stattgefunden, die Schlacht von Raploch Moss in der Nähe von Loch Clatteringshaws. Hier sollen die drei Söhne im Laufe der Auseinandersetzung Schafe den Hügel hinunter getrieben haben, so dass es den Anschein hatte, als würden dem König mehr Männer zu Hilfe eilen. Der Trick funktionierte, die Engländer traten die Flucht an.

Galloway Mountains

Das kleine Farmhaus Craigencallie gibt es bis heute, natürlich ist es nicht mehr das Original aus dem 14. Jahrhundert.  Es ist Privatbesitz aber es bleibt ein Ort der Geschichte und der Geschichten, von Witwen, Söhnen und einem König, der einer der ganz Großen seines Landes werden würde.

Pirat und Held John Paul Jones

Einer der berühmtesten Piratenund Seefahrer, den Schottland je hervorgebracht hat, ist Paul Jones, Sohn eines Gärtners aus Kircudbright. Geboren wurde er am 6. Julie 1747 auf dem Herrensitz von Lord Selkirk, in Arbigland. Der Sohn trug (wie es in Schottland auch heute noch häufig üblich ist) denselben Namen wie sein Vater: John Paul. Seine Mutter war Jean MacDuff.

frozen bramblesDer Vater war ein echtes Unikum.

Einmal, als sein Herr durch den Garten ging, entdeckte der in den beiden baugleichen Sommerhäusern je einen jungen Burschen im Fenster. Er ging zu  Gärtner, um sich zu erkundigen, was es damit auf sich hatte.

„Der Junge hat Obst im Garten gestohlen.“ sagte der alte John Paul. „Da haben ich ihn eingesperrt.“

„Aber es sind zwei Jungen.“ berichtigte Lord Selkirk mit einer gewissen Logik.

„Meinen Sohn habe ich nur aus Gründen der Symmetrie ins andere Haus gesperrt.“ erwiderte der Gärtner.

Es war eben dieser Sohn, der ein ganz außergewöhnliches Leben haben würde.

Isle of Skye view from Carr Brae one autumn evening

Nicht lange nach der Symmetrie-Episode wurde das Arbeitsverhältnis mit John Paul Senior  beendet und die Familie zog um. Weil der alte John Paul ohnehin eher als Seefahrer denn als Gärtner taugte, ging er auch zur See. Mit 12 Jahren trat auch der junge John Paul in Whithaven sein Leben auf See an, zunächst als Lehrling, dann als Steuermann auf Sklavenschiffen, bereits mit 21 Jahren wurde er Kapitän. Er sah bald, wie viel lukrativer plündern war und wurde Pirat, nannte sich um von John Paul in Paul Jones. Er kannte die schottische Küste wie seine Westentasche, was ihm natürlich auf See sehr zugute kam. Bei einem Angriff auf seine Stadt Whitehaven war er zunächst Teil der Plünderer, warnte aber dann die schlafenden Bewohner vor der Gefahr und rettete so ihr Leben.

Überhaupt war Pirat Paul wohl der Netteste seiner Spezies. Nach den Ereignissen von Whitehaven machte sich die Besatzung des Schiffs auf nach Arbigland. Den Herrensitz von Lord Selkirk konnte man über das Wasser erreichen. Man ankerte und enterte, doch Lord Selkirk war nicht anwesend. Nur Lady Selkirk, die natürlich in dem Piraten vor ihr nicht den Gärtnerssohn erkannte. Eigentlich hatte die Crew Lord Selkirk entführen und Lösegeld fordern wollen., Was nun? Pirat Paul hielt die anderen davon ab, Schlimmeres zu tun und bat (!) Lady Selkirk um das teure Geschirr, das man gut verkaufen konnte. Die Lady, in vollen Bewusstsein, dass alles noch viel schlimmer sein könnte, ließ alles einpacken und steckte obendrein noch ihre silberne Teekanne, die sie noch warm vom Frühstückstisch nahm, an dem sie gesessen hatte, bevor die Piraten auftauchten.

Man zog von dannen. Bevor er das Haus verließ versprach Paul Jones ihrer Ladyschaft, dass sie eines Tages alles zurück bekommen würde. Es dauerte ein paar Jahre aber im Frühjahr 1783 war es soweit. Ein Paket traf ein mit dem Geschirr und der Teekanne, die Teeblätter vom Frühstück der Lady Selkirk waren noch immer darin. Die Teegeschichte erzählte  vom Charakter des „Piraten“, der in den nächsten Jahren zu einem amerikanischen See-Helden werden würde.

wake sea water ship

John Paul Jones kämpfte im Unabhängigkeitskrieg für Amerika gegen das Vereinte Königreich. Sein Schiff war zunächste die Bonhomme Richard, mit der er (zu der Zeit in französischem Dienst) auf die Serapis traf. Die fügte ihm in heimischen Gewässern einen solchen Schaden zu, dass er zu sinken begann. Gönnerhaft bot ihm der Kapitän der Serapis an, zu kapitulieren worauf Paul Jones antwortete: „Sir, ich habe noch nicht einmal angefangen zu kämpfen.“

John Paul Jones kommandierte das erste sinkende Schiff der Geschichte, das eine Seeschlacht für sich entscheiden  konnte. Für die Amerikaner war er ein Held der See und ein Unabhängigkeitskämpfer, der ganze acht Schiffe sank und mindestens ebenso viele plünderte.

Sein bewegtes Leben zog ihn weiter in andere Länder, er kämpfte für Russland gegen die Türken, lebte in Holland und in Frankreich wo er Ende des 18.Jahrhunderts auch starb. Über hundert Jahre später überführten die Vereinigten Staaten von Amerika die Überreste des schottischen Piraten in die USA, wo er in einem Bronzesarg in der US Navy Akademie liegt, von amerikanischen Marinesoldaten als einer ihrer Idole seit über einhundert Jahren bewacht.

 

Quellen: 

Biografie John Paul Jones auf Britannica.com

History of Paul Jones the pirate auf History.Navy.mil

 

Schottland und der Nikolaus

Es gibt nicht viele Dinge, die mir an Deutschland besser gefallen, als an Schottland. Wirklich nicht viele. Aber gerade jetzt, wo in den Geschäften in Deutschland die Lebkuchen verkauft werden – Adventsgebäck und Nikolaus. Die gibt es in Schottland in dem Sinne einfach nicht. Klar, inzwischen kann man auch Marzipanstollen überall in den Geschäften kaufen, sogar in den Highlands. Aber am 6. Dezember passiert in Schottland ganz einfach NICHTS. Keine Rute, kein Obst, kein Mandelkern, kein Knecht Ruprecht und vor allem: kein Nikolaus.

Aber wenn man genau hinschaut, dann gibt es ihn doch, in Peebles nämlich. So haben wir das im Sommer auf unserem Kurztrip in Schottlands Süden festgestellt.

©AbenteuerHighlands Peebles Nikolaus Nellie Merthe Erkenbach

Die Cross Kirk spielte in der Vergangenheit eine wichtige Rolle für die Menschen in Peebles. Davon ist nicht mehr viel übrig, die Kirche ist nicht mehr als ein steinernes Skelett. Die Ruine weist auf eine massive und Burg ähnliche Konstruktion hin, die an Krieg als an Gebet erinnert. Hier war einst ein Kloster, eines von vielen, das im Mittelalter florierte und nach der Reformation aufgegeben wurde. Es sind nicht mehr als ein paar Mauern übrig, aber die Geschichte dieses Ortes ist spannender, als es diese kahlen grauen Mauern vermuten lassen.

©AbenteuerHighlands Peebles und der Nikolaus Nellie Merthe Erkenbach

Im 13. Jahrhundert wurde fast überall in Europa das Kreuz und die Reliquien des hl. Nikolaus von Myrna (in der heutigen Türkei) als Heiligtümer verehrt. Diese historische Person gilt als der geschichtliche Ursprung der Nikolaustradition, wie sie in Deutschland und anderen Ländern gepflegt wird.

Es ist nicht bekannt, wie die Reliquien des Hl. Nikolaus nach Peebles gelangten, doch sollen sie hier in Gegenwart von König Alexander III entdeckt worden sein. Sobald die Reliquien gefunden worden waren, geschahen in Peebles einige Wunder, die den König veranlassten, 1296 vor Ort ein Kloster zu gründen.

©AbenteuerHighlands Peebles und der Nikolaus Nellie Merthe Erkenbach

Die Cross Kirk war ein einfaches Gebäude ohne Trennung zwischen Kirchenschiff und Chor, die Kammern des Priors befanden sich am nördlichen Ende der Kirche, was eher ungewöhnlich war, da der Prior normalerweise die sonnigeren und damit wärmeren Bereiche im Süden nutzte. 1474 wurde Peebles ein unabhängiges Kloster und bekam einen Glockenturm. Die Reformation von 1560 beendete die Existenz der Cross Kirk als Kloster. Die Kirche wurde später als Pfarrkirche genutzt und 1548 von den Engländern niedergebrannt.

Heiligenverehrung ist im weitestgehend protestantischen Schottland unüblich und wohl der Hauptgrund, warum sich die Nikolaustradition in Ländern wie Deutschland oder auch Italien ausbreitete aber in Schottland nie wirklich Fuß fasste.

Wie gut, dass ich in der Adventszeit fast immer in Deutschland und bei der Arbeit bin. Ich habe Nikolaus und dem Mann schicke ich dann einfach Carepakete in die Highlands. Mit Schokolade kann er ja durchaus was anfangen, mit Knecht Ruprecht eher weniger.

 

Die Douglas aus Douglas

Wer in einer bestimmten gegen in Schottland in der Vergangenheit (und manchmal noch immer) das Sagen hat, ist oft und ganz einfach am Ortsnamen abzulesen. In Douglas, im Süden von Lanarkshire, war das die gleichnamige Familie, die in vielerlei Hinsicht großen Einfluss auf die Geschichte Schottlands hatte. Ursprünglich kamen die Douglas entweder aus Frankreich oder Holland bevor sie in Schottland zu Macht und Reichtum gelangten.

Sir James Douglas (auch Black Douglas, der schwarze Douglas genannt) war einer von zwei Befehlshabern der Armee von König Robert Bruce und später auch der Mann, der das Herz des Königs ins Heilige Land trug, wo er allerdings auch starb. Unter Robert Bruce waren die Douglas zu großer Macht gekommen. Aber sie waren auch religiös und der Bau der St Bride’s Church in Douglas war ein äußeres Zeichen dieser inneren Überzeugung. Die Douglas waren im frühen 14. Jahrhundert, als die Kirche gebaut wurde, sehr einflussreich, ihr Besitz lag in Selkirkshire, Ayrshire, Roxburgshire und Lanarkshire sowie weiter nördlich in Banffshire, Moray und Ross-shire. Der 5. Earl of Douglas war schließlich sogar Regent  Schottlands als James II noch minderjährig war. Der 8. Earl wurde allerdings vom König erstochen und der 9. verlor als Verräter allen Besitz, seine Burg wurde dem Erdboden gleich gemacht.

In der St. Bride’s Kirche befindet sich das Mausoleum der Douglas. Die Uhr war ein Geschenk der legendären Mary Queen of Scots, sie ist damit die älteste Kirchenuhr Schottlands und sie geht traditionell drei Minuten vor. Das liegt am Moto der Douglas: never behind, niemals zurück oder niemals zu spät.

Die „Douglas Tafel“ ist nicht nur in Lanarkshire ein gängiger Begriff für eine historische Begebenheit, die wie so oft nichts an grausamen Details zu wünschen übrig lässt. Eine zentrale Rolle spielte dabei das nicht mehr existente Castle Douglas.

Es war 1307 und die Burg war mit englischen Truppen besetzt. James Douglas aber wollte sie wiederhaben und bat den König um Erlaubnis, seine eigene Burg anzugreifen. Der König nickte und Sir James machte sich mit zwei ausgewählten Männern auf den Weg nach Hause. Dort sammelte er Männer um sich, was auf den eigenen Ländereien naturgemäß nicht sehr schwierig war, der Earl war ja der Lehnsherr der Bauern.

Als der Palmsonntag kam und die gesamte Burg zum Gottesdienst ging, mischte sich Douglas mit den Männern unter die Gemeinde und griff dann von innen heraus die Burg an. Sie töteten alle Engländer und setzten sich anschließend an die große Tafel, die bereits für die Engländer gedeckt worden war, und schlemmten ausgiebig. Dann steckten sie alles ein, was sie mitnehmen konnten, vergifteten die Brunnen, köpften die letzten Engländer, die noch in den Gefängnissen saßen und stapelten ihre Körper, Köpfe und die Essensreste auf der Tafel übereinander. Das nannte man dann die „Douglas Tafel“ (Douglas Larder) denn so hatte noch keiner vor ihm getafelt.

Douglas war bewusst, dass er seine Burg nicht dauerhaft gegen die Engländer würde halten können, deshalb hatte er auch nicht vor, zu bleiben. Er wollte lediglich seine Macht demonstrieren und dem englischen König Edward I mehr als deutlich vor Augen führen: Keiner reizt mich ungestraft! Alle auszulöschen half auch den beteiligten Männern, die er aus den umliegenden Dörfern akquiriert hatte. Ohne Zeugen würde keiner sie mehr identifizieren können, denn die Männer kehrten nach der Tat ja wieder in ihre Häuser zurück. Es war eine barbarische Tat aber es war auch die Antwort auf die mindestens ebenso barbarischen Taten des englischen Königs.

Der Douglas aber hatte noch nicht genug. Die Engländer schickten neue Truppen und besetzten die Burg, Douglas kam zurück und ließ das Vieh vertreiben, das die Engländer außerhalb der Burg weiden ließen. Die Engländer versuchten es wieder einzufangen und liefen geradewegs in den Hinterhalt, den Douglas sich für sie ausgedacht hatte. Er ließ die Toten liegen, zog sich zurück und plante einen dritten Angriff.

Diesmal war es eine Gruppe Frauen, die die Engländer ins Verderben stürzen sollten. Sie transportierten Heu und Nahrungsmittel und waren gerade dabei, mit Packpferden in der Nähe der Burg vorbei zu ziehen. Die Engländer witterten leichte Beute und Nahrung, Pferde konnten sie ohnehin immer gebrauchen. Also griffen sie an, doch die Frauen waren keine Frauen sondern verkleidete Schotten. Die Beteiligten lieferten sich ein heftiges Gefecht, inzwischen griff Douglas seine eigene Burg ein drittes Mal an. Diesmal tötete er die Gefangenen nicht, sondern erlaubte ihnen freie Passage nach England, dann machte der die Burg dem Erdboden gleich. Das war die Politik von König Robert Bruce, immer verbrannte Erde hinterlassen, damit der Gegner keine der Ressourcen nutzen kann.

Für die Engländer war James Douglas nun der Schlächter schlechthin und war und blieb für sie der schwarze Douglas. Diese Art der Kriegsführung war das, was Guerillataktik genannt wird. König Robert Bruce und Sir James Douglas beherrschten sie in Perfektion.

 

Hab ich schon mal gesagt, was ich für wunderbare Leser hier auf „Abenteuer Highlands“ habe?

Vielen lieben Dank Britta für die tollen Fotos. Ich hatte keine, weil ich auf den anderen Friedhöfen in der Nähe zu viel Zeit verbracht hatte. So blieb es bei der Recherche und der Geschichte ohne Bilder, bis Britta ihre anbot.  

Ich freu mich sehr darüber. 

Liebe Grüße,

Nellie

Möge die Macht mit uns sein

Wie fahren schon seit geraumer Zeit durch das Nichts. Rechts und links erheben sich kahle, grüne Hügel, der Himmel ist weitgehend grau und auf der Straße treffen wir außer gelegentlich ein paar Schafen keinen Menschen und schon gar kein Auto. Wir sind im ländlichen Raum der schottischen Borders unterwegs. Wir wollen für das neue Buch recherchieren und der Mann will fotografieren. Außerdem kann ich ihn da noch auf ein paar Friedhöfe mitnehmen, die ich schon lange mal sehen wollte.

„Ziemlich einsam hier“, sagt der Mann. „Fast wie auf dem Mond.“

Ich nicke. „Hab dir doch gesagt, dass es abgelegen ist. Deshalb habe ich auch ein Inn gebucht und kein normales B&B. Wir bekommen sonst nirgendwo ein Abendessen.“

Ettrick Water

Den Tisch habe ich auf 19 Uhr reserviert und Google Maps sagt mir, dass wir gegen 18:30 Uhr ankommen.

Tushielaw Inn

Das Tushilaw Inn ist sehr hübsch, außen in traditionellem schwarz-weiß gehalten und innen genau so eingerichtet, wie man sich ein altmodisches Inn vorstellt. Es ist perfekt und liegt idyllisch am Ufer des Ettrick Water in einem grünen Tal. Der Ort besteht aus insgesamt drei Häusern. Das sollte ein ruhiger Abend werden, denke ich.

Die Sonne scheint und die ersten Gäste sitzen an den Gartentischen im Biergarten.

Ja! Es gibt einen Garten, zwar direkt an der Straße aber da kein Auto kommt, macht das überhaupt nichts. Wir können im Freien essen, meint der Chef. Ein Mann jenseits der Sechzig mit grauem Wuschelkopf und einem Star Wars T-shirt.

Draußen essen? Galaktisch! Ich kann mein Glück nicht fassen. Da ist sonst nie das Wetter dazu, weil es entweder regnet oder einen die Mücken auffressen. Und da sind wir nun und genießen die Abendsonne.

Der Chef bringt der Frau am Tisch neben uns seine Sonnenbrille. Ich fühle mich Lichtjahre entfernt von dem Planeten, auf dem Schottland sonst zu finden ist.

Das Abendessen ist klassische Hausmannskost, die Chefin kocht selbst und wir loben sie gebührend, als sie kommt um sich zu erkundigen, ob alles recht war.

Inzwischen ist die Sonne hinter dem Berg verschwunden und es wird schnell deutlich kühler. Wir ziehen nach drinnen um, an der Bar ist die Hölle los. Ein paar Einheimische haben sich eingefunden, dazu ein paar Engländer die entweder hier leben oder hier hingezogen sind. Die Borders sind schließlich Grenzland, nach England kann man fast laufen.

A pro pos laufen. Wir lernen Ivan kennen, der (und das ist nicht zu überhören) aus Neuseeland kommt. KaminfeuerUrsprünglich aber aus Bulgarien. Er ist sehr groß und sehr schlank und er ist zu Fuß unterwegs. Mit einem Stock und einem kleinen Rucksack. Von Land’s End nach John o’ Groates. Von südlichsten Ende Englands zum nördlichsten Punkt des schottischen Festlands. Ein Klassiker unter den Wanderwegen, runde 1400 – 1900 Kilometer je nach Route.  Ivan ist allein unterwegs aber hat sofort festgestellt: seit er in Schottland ist, reden die Leute mit ihm. Das ist ihm in England nicht passiert. Das trifft natürlich nicht auf alle Engländer zu. gerade setzt sich einer an unseren Tisch, er trägt Hosenträger und lebt ein paar Kilometer weiter die Straße runter.

„Kommt doch Morgen bei mir vorbei“, sagt er. Mein Haus ist leicht zu erkennen, ich habe viele Gartenzwerge und Gnome im Garten. Ich stelle mir das ein bisschen wie die Kantine in Star Wars vor. Und mit Ivan habe ich ja auch eine Art Obi-Wan Kenobi am Tisch. Ein OB Van (sprich obi-wan) ist Englisch für Übertragungswagen und Ivan arbeitet in der Filmbranche, gar nicht so weit weg von dem was ich mache beim Fernsehen.

Der Mann unterhält sich mit dem Gnombändiger über Musik, ich mit dem Langstreckenwanderer über Schnitttechniken im Film.

Und als der Chef mit dem Star Wars T-Shirt last orders ruft, da hätten wir alle vier gerne Bar Weinglasgewusst, wie man durch die Zeit reist oder zumindest einen Planeten findet, auch dem die Ausschankzeiten etwas legerer gehandhabt werden. Als ich dann schließlich ins Bett falle, fühlt sich mein Kopf allerdings an, als würde Luke Skywalker damit Kreise drehen und der Mann schnarcht wie ein intergalaktischer Zerstörer.

Möge die Macht mit uns sein, denke ich und schließe die Augen. Möge die Macht mit uns sein!