Die besten Geheimtipps für Schottland-Reisende

Oder nicht? Warum ich keine schottische Reiseagentur aufmache

Es beginnt harmlos.
„Liebe Nellie, darf ich dich mal was fragen? Du kennst dich doch aus mit Schottland.“

Ich ahne schon, was kommt. Es ist nie eine Frage zu schottischem Gebäck oder zur besten Sockenwahl im Hochlandregen. Nein, es geht immer um Urlaub. Um ihren Urlaub. Und zwar so, als könnte ich aus dem Stand ein komplettes Reisebüro aufmachen – mit Spezialgebiet „Unvergessliche Individualreisen, möglichst günstig, gern abgelegen, aber mit WLAN“.

Ich bleibe höflich.
„Klar, frag ruhig.“
Dann kommt sie – die Frage. Entweder ganz vage:
„Was würdest du denn so empfehlen, so ganz grob?“
Oder wahnsinnig konkret:
„Wir wollen im Juni für zwölf Tage mit einem Hybridauto durch die Highlands, möglichst ohne Midges, mit drei Schlössern, einem Steinkreis, nicht zu touristisch, aber mit gutem WLAN. Hast du da was?“

Hab ich. Ich hab sogar viel. Aber…
Reisen sind wie Stricksocken: Es passt nicht jeder Fuß in jedes Muster. Manche Menschen brauchen täglich neue Eindrücke und mindestens ein Castle pro Tag. Andere wollen nur sitzen, gucken, staunen – und vielleicht noch einen Single Malt dazwischen.

Was die Sache so knifflig macht: Viele wissen gar nicht, was sie wollen. Sie sagen es nicht. Oder sie sagen es und tun dann genau das Gegenteil.

Nehmen wir die Geschichtslehrerin.
Ich geb mir Mühe: Iona, Elgin, Whithorn – ich denke: Volltreffer.
Und was macht sie?
Sie geht zu den Fairy Pools.
Ich sag mal so: schöner Wasserfall, aber eben auch Selfiestick-Hotspot. Ich hatte sie einfach falsch eingeschätzt.

Oder mein ehemaliger Kollege.
Ich sag: „Skye ist ein Muss. Wenn du noch nie in Schottland warst – auf jeden Fall.“
Er antwortet eine Woche später: „War uns zu teuer. Wir sind in die Trossachs.“
Tja. Auch nett. Aber da hätte ich nie gedacht, dass er so aufs Budget schaut.

Oder der Typ mit Entscheidungsnot.
„Nellie, Ort A oder B?“
Ich: „A. Ganz klar. B ist lauter, A hat die schöneren Wege.“
Er: „Ja, aber B wäre halt auch nett.“
Ich geb’s auf.

Deshalb kommt hier jetzt, einmal und nie wieder (haha):

©Ewan Roy MacGregor

Die ultimative Liste für Schottland-Reisende nach Typ.

Wenn ihr euch irgendwo wiederfindet – nehmt’s mit. Und wenn nicht – fragt mich trotzdem. Ich mach’s ja gern. Und schüttle dann hinterher einfach ein bisschen den Kopf.

1. Für Sparreisende („Wir machen Selbstversorger und duschen notfalls im See“)

  • Glen Coe – dramatisch, geschichtsträchtig, kostenfrei. Aber Achtung: Es gibt nur wenige Parkplätze, und die sind oft voll. Früh dran sein lohnt sich.
  • Loch Morar – wild campen mit Blick aufs Wasser, mit Glück hört man den Zug nach Mallaig.
  • Isle of Mull mit Bus & Zelt – günstiger als Skye, dafür genauso eindrucksvoll.
  • Pitlochry & Killin – gute Basis für Ausflüge, Supermarkt vorhanden.
  • Geheimtipp: Craigtoun Country Park bei St Andrews – gratis Park, Bötchen, Picknickglück.

2. Für Camper und Vanlifer („Wir schlafen im Auto, aber bitte mit Aussicht“)

  • Ardnamurchan Peninsula – einsam, rau, traumhaft.
  • Applecross über Bealach na Bà – Nervenkitzel und Aussicht inklusive.
  • Loch Torridon – Parken direkt am Wasser, mit Glück ein Otter vorm Fenster.
  • Castle Trail in Aberdeenshire – eine Burg schöner als die nächste, und man ist ständig draußen.

3. Für Luxusreisende („Wir wollen schon was Besonderes, aber authentisch, bitte“)

  • The Fife Arms in Braemar – opulent, aber mit Charme.
  • Isle of Eriska Hotel – Luxus mit Aussicht und eigenem Golfplatz.
  • Boutique-Hotels entlang der North Coast 500 – wild und weich zugleich.
  • Inverlochy Castle Hotel – Dinner mit Geschichte.
  • Und: Private Tastings in kleinen Destillen – ohne Gruppenfoto.

4. Für Ersttäter in Schottland („Wir waren noch nie da – was muss man sehen?“)

  • Edinburgh – Altstadt, Holyrood, Arthur’s Seat.
  • Loch Ness & Urquhart Castle – ja, touristisch. Aber legendär.
  • Isle of Skye – Quiraing, Fairy Glen, Old Man of Storr. Bitte mit Regencape.
  • Glenfinnan Viadukt – Hogwarts-Feeling für Groß und Klein.
  • Oban – Fisch essen, Inselhüpfen, Menschen gucken.

5. Für Krimiliebhaber („Wir lesen gern düstere Dinge“)

  • Dornoch – Witch Trial Memorial, Kopfkino gratis.
  • Glencoe – Massacre Site mit Gänsehautpotenzial (und sehr wenigen Parkplätzen).
  • Isle of Jura – Orwell, Einsamkeit, Wildheit.
  • St. Kilda – für Abenteurer mit Bootsvertrauen.
  • Die Orte aus meinen Highland-Krimis, die ihr vielleicht schon kennt – oder noch entdecken wollt:
    • Avernish – wo fünf Tote und ein düsteres Geheimnis am Loch schlummern.
    • Achnacarry – Clan-Land und Schauplatz zwischen Nebel und Vergangenheit.
    • Skiary – abgelegen, still und voller Schatten.
    • Glenelg – mit den alten Brochs und neuen Fragen.
    • Nostie – ein kleines Tal, das mehr weiß, als es sagt.
    • Glendale – friedlich auf den ersten Blick…
    • Armadale – Geschichten über die Meerenge hinweg.
    • Kinlochhourn – Ende der Straße, Anfang des Unheimlichen.

Und ganz wichtig:
„Schottland für stille Stunden“ – mein Reiseführer für Fortgeschrittene, die gern mit Gänsehaut reisen. Erhältlich als Taschenbuch oder E-Book bei Amazon.
Darin: die schönsten schottischen Friedhöfe – für alle, die sich lieber an Grabsteinen als an Reiseführern orientieren.

6. Für Schottland-Profis („Wir waren schon zehn Mal da – überrasch mich!“)

  • Sandwood Bay – Wanderung zum einsamsten Strand Schottlands.
  • Assynt Region – Berge wie aus einem Fantasy-Roman.
  • Inseln wie Eigg oder Rum – autofrei, vogelreich, eigenwillig.
  • Crinan Canal – Schottland vom Boot aus erleben.
  • Borgue & Galloway Forest Park – Nacht wird hier wirklich dunkel.

7. Für stille Stunden („Ich will einfach nur Ruhe. Und vielleicht ein Schaf.“)

  • Rannoch Moor – Einsamkeit pur.
  • The Isle of Lismore – Inselidylle ohne Trubel.
  • Glen Affric – Bäume, Seen, Frieden.
  • North Harris – dramatische Küsten und himmlische Ruhe.
  • Und nicht vergessen: 📘 „Schottland für stille Stunden“ – alles drin. Vor allem: keine Reisegruppen.

Mini-Quiz: Welcher Schottlandtyp bist du?

  1. Dein Lieblingsgeräusch im Urlaub:
    a) Gluckern der Espressomaschine – Luxus
    b) Das Platschen der Gummistiefel im Matsch – Camper
    c) Blätterrascheln zwischen Grabsteinen – Krimifreak
    d) Vogelzwitschern ohne Empfangsbalken – Stille-Suchende
  2. Dein Albtraum:
    a) Kaltes Duschwasser
    b) Busgruppen mit Selfiesticks
    c) Kein WLAN im Cottage
    d) Überraschungsbesuch von den Schwiegereltern

„Die Toten von Avernish“ erscheint!

Der neue Höhepunkt der Highland Crime Serie

Liebe Krimi-Fans,

es ist endlich soweit! Die lang erwartete Fortsetzung der Highland Crime Serie ist da, und sie verspricht, Euch erneut in den Bann von düsteren Geheimnissen und fesselnden Ermittlungen zu ziehen. „Die Toten von Avernish“, Band 3 der Serie um DI Robert Campbell und die deutsche Übersetzerin Isabell Hartmann, ist nun als eBook und Taschenbuch bei Amazon erhältlich und verspricht ein packendes Leseerlebnis, das Euch nicht mehr loslassen wird.

MacArthur blickte Campbell an. Seine Augen waren trüb, als hätte das Leben eine milchige Schicht Enttäuschung hineingegossen. Waren sie blau oder grün?

“Ich war nie wütend, nicht auf Gott, nicht auf das Schicksal und nicht auf die Taten der anderen. Es kommt, wie es kommt. Wir haben keinen Einfluss darauf, welche Richtung unser Leben nimmt. Ich verstehe es nur nicht. Wieso hat er das getan?“

In diesem neuesten Teil verschlägt es Issy erneut in die wilde Landschaft an der Westküste der schottischen Highlands. Doch dieses Mal steht mehr auf dem Spiel als je zuvor, denn nicht nur ein grausamer Mord erschüttert die kleine Gemeinde von Avernish, es gibt mehrere Tote und ihr Ableben ist rätselhaft. Als DI Robert Campbell und seine Kollegen am Tatort eintreffen, bietet sich ihnen ein Bild des Schreckens: Vier Leichen liegen im im Keller der Croft von Avernish, ein Selbstmörder in der Ruine hat die Polizei auf ihre Spur geführt. Einer der Toten ist ein deutscher Soldat.

Achnacarry, 3. Dezember 1942

Die Dunkle Meile ist für mich das Symbol der Qual geworden. Hier komme ich an meine Grenzen und ich weiß nicht, wie viel weiter ich noch gehen kann. Ich wurde genommen, weil ich schnell schwimmen kann. Sie brauchen gute Schwimmer für die feindlichen Landungen zu Wasser.

Während die Ermittlungen voranschreiten, stoßen Campbell und sein Team auf lange gehütete Familiengeheimnissen. Unterstützt wird er dabei von Isabell Hartmann, der deutschen Übersetzerin, die nicht nur mit ihrer Sprachgewandtheit, sondern auch mit ihrem Scharfsinn und ihrer Beharrlichkeit einen entscheidenden Beitrag zur Lösung des Falls leistet, denn einer der Toten ist ein deutscher Soldat, der ein Tagebuch hinterlassen hat, das wichtige Erkenntnisse für den Fall erhält.

Gebannt blätterte Isabel Hartmann weiter. Ihr Tee wurde kalt und sie sah die goldene Abendsonne nicht, die sich über den Berge von Kintail ergoss. Erst ihr Handy riss sie zurück aus der Zukunft.

Issy, wollen wir uns direkt in der Kintail Lodge treffen oder soll ich dich abholen? Den Tisch habe ich für 20 Uhr reserviert. Rx

„Die Toten von Avernish“ wird Euch mit seinen vielschichtigen Charakteren, seinem atmosphärischen Setting und seiner fesselnden Handlung in seinen Bann ziehen und bis zur letzten Seite in Atem halten.

Also schnappt Euch eine Tasse Tee, macht es Euch gemütlich und taucht ein in die düstere Welt von „Die Toten von Avernish“. Wer „Schatten über Skiary“ und „Im Dunkel von Skye“ liebt, den wird Band 3 der Highland Crime Serie nicht enttäuschen.

Lasst mich wissen, wie der neue Fall Euch gefällt. Hier in den Kommentaren oder in der Gruppe Nellies Buchwelt auf Facebook.

Bis bald zwischen den Seiten,

Nellie

Sind sie die Friedhofsfrau?

Teil 1/3

Es war mal wieder einer jener Tage, an dem ich unterwegs auf der Suche nach Friedhöfen war. Das Wetter war so lala, ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen, dazu viel Wolken, ideal für eine Autofahrt also. Ich war auf Erkundungstour und hatte zwei Friedhöfe auf der Liste, die ich erkunden wollte, ich hatte auch so eine ungefähre Ahnung, wo sie waren. Zwei kleine Weiler, die ich auf der Karte gefunden hatte, der Rest konnte ja nicht so schwer sein. Dachte ich!

Ben Nevis ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
towards Ben Nevis

Loch Arkaigs Angler

Loch Arkaig ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
Loch Arkaig

Ich fuhr fröhlich vor mich hin und erkundete zunächst die Gegend rund um mein Ziel, die ich en Detail so nicht kannte. Loch Arkaig ist eine etwas kuriose Ansammlung einzelner kleiner Angelparzellen, garniert mit ausrangierten Wohnmobilen samt zerschlissener Vorzelte, rostiger Barbecues und seltsamer willkürlich zusammengeschusterter Holzmöbel für den Gartengebrauch.

„Aha“, denke ich, „Scheint mir eine Art Männer-Angel-Enklave zu sein.“

Das ist umso erstaunlicher, als auf der Zufahrt zum Loch Arkaig jede Menge stattlicher Villen stehen. Aber wen wundert’s wirklich in Schottland, dem Land der Gegensätze?

Murlaggans Einsamkeit

Ich fahre also auf der Singletrack Road entlang des Lochs die sich anfühlt wie eine Achterbahnfahrt im Trips Drill im ständigen auf und ab der Straßenführung und entdecke einen weiteren Friedhof, von dem nichts mehr übrig ist als ein Schild und ein Gedenkstein. Murlaggan ist nicht mehr als ein einziges unbewohntes Haus. Einsam hier.

Die lange Straße entlang des Lochs ist eine Sackgasse und ich muss wieder zurück. Auf dem hierher hatte ich bereits alle Augen offen, aber vergeblich nach den Friedhöfen Ausschau gehalten. Plötzlich muss ich voll in die Bremsen. Vor mir hat ein Tourist sein Auto mitten auf der Straße abgestellt. Direkt neben der Straße ist eine geschotterte Fläche, auf der mindestens 20 Autos Platz hätten. Er hat trotzdem mitten auf der Straße geparkt und ist los ein Foto machen. Fast hätte er auch ein Foto von dem Schaden an seinem Auto machen können.

parking at Loch Arkaig ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau

Es geht entlang der dunklen Meile, der Mìle Dorcha, die nach dem Abholzen des Waldes nicht mehr ganz so dunkel aber noch immer ziemlich verwunschen daherkommt. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier Soldaten trainiert.

Mìle Dorcha ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
The Dark Mile

Frau Erkenbachs Gespür für Grabsteine

Jetzt mache ich mich auf die ernsthafte Suche nach dem Friedhof von Clunes. Doch der ist nirgends zu finden. Drei dunkle Holzhäuser der Forstkommission, ein weißgekalktes mittelgroßes Anwesen, ansonsten nur Weiden weit und breit. Das ist es auch schon in Clunes. Der Friedhof von Clunes bleibt ein Rätsel. Komisch! Nach rund 300 Friedhöfen, über die ich für meine Blogs geschrieben und fotografiert habe, habe ich eigentlich ein Gespür fürs Finden von Grabsteinen.

Ich konzentriere mich auf Plan B und mache mich auf nach Achnacarry. Das ist gleich um die Ecke (naja eine schottische Ecke, dauert also ein wenig). Nach einigen hin- und herfahren und wiederholtem Wenden wird mir klar: Um nach Achnacarry zu kommen, muss man ein Stück Privatstraße befahren. Die führt aber auch zum Cameron Museum, weshalb ich keine großen Bedenken habe, die Privatstraße zu nehmen. Ich will im Museum fragen, wo der Friedhof ist. Die müssen es ja wissen. Denn auch den Friedhof von Achnacarry finde ich beim besten Willen nicht. Auch auf Google Maps ist nichts zu erkennen.

Cameron Museum Achnacarry ©nme Abenteuer Highlands Sind sie die Friedhofsfrau
Cameron Museum Achnacarry

Nächsten Sonntag: Sind sie die Friedhofsfrau? Teil 2/3 – Abenteuer in Achnacarry